Finanzbuchhaltung mit Tipps zur optimalen Prüfungsvorbereitung

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1 Rechnungswesen Finanzbuchhaltung mit Tipps zur optimalen Prüfungsvorbereitung

2 Erste Bilanz meiner Kollegen: Rainers Ottakringer Bleistiftproduktion, sicher bald ein Global Player ;-) Anlagevermögen: langfristig (> 1 Jahr) Umfasst Sachanlagen, Finanzanlagen und entgeltlich erworbenes immaterielles AV AKTIVA Vermögen (AV, UV) Mittelverwendung PASSIVA Kapital (Eigen-, Fremd-~) Mittelherkunft Unser Reichtum Unsere Schulden Umlaufvermögen (< 1 Jahr): umfasst insb. Vorräte, Bankguthaben, Kassa und Forderungen (nächste Einheit) Abnutzbares AV wird planmäßig abgeschrieben (ab Inbetriebnahme): Beispiel Maschine (Anschaffungskosten, netto, ohne USt), voraussichtliche betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer: 10 Jahre -> Abschreibung = / 10 = p.a. (daher Buchwert nach erster Abschreibung = ) -> wenn im 2. Halbjahr angeschafft und in Betrieb genommen nur 500 (Halbjahresabschreibung), Ausnahme: Geringwertige Wirtschaftsgüter (Grenze = 400 : sofort absetzbar) Stille Reserven: Teile des Eigenkapitals, die wir nicht in der Bilanz sehen, z.b. weil ein Grundstück aufgrund des Vorsichtsprinzips unterbewertet ist (Differenz tatsächlicher Wert und Buchwert)

3 Bilanzaufbau Aktiva Passiva Mag. Martina Klein Anlagevermögen: Immaterielles Vermögen Sachanlagen Finanzanlagen Umlaufvermögen: Vorräte Forderungen Wertpapiere und Anteile Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei Kreditinstituten Eigenkapital: Nennkapital (Grund-/Stamm...) Kapitalrücklagen Gewinnrücklagen Bilanzgewinn (davon GV/VV) Fremdkapital: Rückstellungen Verbindlichkeiten Prüfung: Zuordnung Positionen zu AV, UV, EK, FK, Rückstellung versus Rücklage, Beispiel für Rückstellung, Forderung versus Verbindlichkeit, Kapital- versus Gewinnrücklage, Abschreibung und Berechnung, Kennzahlen (in LV durchgemacht), deren Aussagekraft und Kritik, Mindestkapital (bei wem und wie viel), stille Reserven (was ist das?, Beispiel)

4 Einfache Gewinn- und Verlustrechnung Aufwendungen Erträge Materialaufwand Personalaufwand Abschreibungen Sonstiger betrieblicher Aufwand Umsatzerlöse Sonstige betriebliche Erträge Finanzerträge Erträge > Aufwendungen = Gewinn -> erhöht Eigenkapital Aufwendungen > Erträge = Verlust -> vermindert Eigenkapital

5 Zusammenhang Bilanz und G&V Aufwendungen Euro Erträge Euro Materialaufwand Umsatzerlöse Personalaufwand Sonstige Erträge Sonstige Aufwendungen Finanzerträge SUMME SUMME Saldo (hier: Gewinn) 9.000

6 Zusammenhang Bilanz und G&V Die Bilanz ist eine Zeitpunktrechnung. Zu Beginn der Periode -> Eröffnungsbilanz, am Ende der Periode -> Schlussbilanz, zwei Zeitpunkte (z.b und ) -> Inventur, um Vermögen und Schulden aufzunehmen Die G&V ist eine Zeitraumrechnung. Zu Beginn der Periode gibt es noch keine G&V. Diese baut sich im Laufe der Periode auf, weil laufende Aufwendungen und Erträge zu verbuchen sind (Umsatzerlöse, Miete, Versicherung, Gehälter, ) Jeder Geschäftsfall ändert die Zusammensetzung der Bilanz, aber man erstellt nicht dauernd eine neue Bilanz -> Konten für jede Position Konten der Bilanz -> erfolgsneutral Konten der G&V -> erfolgswirksam Erhöhung der Erträge (z.b. Erzielung von Umsatzerlösen) Gewinn steigt/verlust sinkt EK steigt Erhöhung der Aufwendungen (z.b. Bezahlung der Versicherungsprämie) Gewinn sinkt/verlust steigt EK sinkt Doppelte Gewinnermittlung: Über Betriebsvermögensvergleich: EK Periodenende EK Periodenbeginn = Gewinn (Verlust) Über G&V: Erträge Aufwendungen = Gewinn (Verlust)

7 Zusammenhang Bilanz und G&V Aufwendungen Euro Erträge Euro Materialaufwand Umsatzerlöse Personalaufwand Sonstige Erträge Sonstige Aufwendungen Finanzerträge SUMME SUMME Saldo Annahme: Wir haben noch eine Buchung vergessen -> wir überweisen die Miete (sonstige Aufwendungen) in Höhe von 600 Euro über unser Bankkonto. Aufwendungen Euro Erträge Euro Materialaufwand Umsatzerlöse Personalaufwand Sonstige Erlöse Sonstige Aufwendungen Finanzerträge SUMME SUMME Saldo 8.400

8 Vor der Bezahlung der Miete AKTIVA Euro PASSIVA Euro Anlagevermögen Eigenkapital Sachanlagen Stammkapital Pizzaofen Kapitalrücklagen Küchenausstattung Gewinnrücklagen FirmenPKW Bilanzgewinn Tische und Stühle EDV-System Sonstiges Anlagevermögen SUMME Anlagevermögen SUMME Eigenkapital Umlaufvermögen Fremdkapital Vorräte Rückstellungen Lieferforderungen 500 Bankkredit Guthaben bei Banken Lieferverbindlichkeiten Kassa Sonstige Schulden SUMME Umlaufvermögen Summe Fremdkapital SUMME Gesamtvermögen SUMME Gesamtkapital

9 Nach der Bezahlung der Miete AKTIVA Euro PASSIVA Euro Anlagevermögen Eigenkapital Sachanlagen Stammkapital Pizzaofen Kapitalrücklagen Küchenausstattung Gewinnrücklagen FirmenPKW Bilanzgewinn Tische und Stühle EDV-System Sonstiges Anlagevermögen SUMME Anlagevermögen SUMME Eigenkapital Umlaufvermögen Fremdkapital Vorräte Rückstellungen Lieferforderungen 500 Bankkredit Guthaben bei Banken Lieferverbindlichkeiten Kassa Sonstige Schulden SUMME Umlaufvermögen Summe Fremdkapital SUMME Gesamtvermögen SUMME Gesamtkapital

10 Die Gewinn- und Verlustrechnung in Staffelform (Gesamtkostenverfahren) Umsatzerlöse +/- Bestandsveränderungen + aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge - Materialaufwand - Personalaufwand - Abschreibungen - sonstiger Aufwand = Betriebsergebnis Erträge aus Beteiligungen + andere Wertpapiererträge +sonstige Zinsen + Erträge aus dem Zugang/aus der Zuschreibung von Finanzanlagen - Aufwendungen aus Finanzanlagen - Zinsen und ähnliche Aufwendungen = Finanzergebnis Betriebsergebnis +Finanzergebnis = Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Außerordentliche Erträge -außerordentliche Aufwendungen = Außerordentliches Ergebnis Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit +Außerordentliches Ergebnis = Jahresüberschuss (vor Steuern) -Steuern vom Einkommen und Ertrag = Jahresüberschuss nach Steuern 231 UGB -> Aufbau Staffelform für Kapitalgesellschaften zwingend Prüfung: Drei Ergebniskategorien (rot), EGT ermitteln, (Aufbau der Staffel nicht auswendig lernen, sondern kurz erläutern können und evtl. kurze Beurteilung) -> nur Verständnisfrage

11 Fall 1: Fall 2: Fall 3: Umsatzerlöse Umsatzerlöse Umsatzerlöse Materialaufwand Materialaufwand Materialaufwand Personalaufwand Personalaufwand Personalaufwand sonstige Aufwendungen sonstige Aufwendungen sonstige Aufwendungen Abschreibungen Abschreibungen Abschreibungen BETRIEBSERGEBNIS BETRIEBSERGEBNIS 0 BETRIEBSERGEBNIS Finanzerträge Finanzerträge 700 Finanzerträge Finanzaufwendungen Finanzaufwendungen Finanzaufwendungen 500 FINANZERGEBNIS 500 FINANZERGEBNIS 100 FINANZERGEBNIS EGT EGT 100 EGT a.o. Erträge 0 a.o. Erträge 1600 a.o. Erträge 0 a.o. Aufwendungen 0 a.o. Aufwendungen 100 a.o. Aufwendungen 0 a.o. ERGEBNIS 0 a.o. ERGEBNIS 1500 a.o. ERGEBNIS 0 JAHRESÜBERSCHUSS v. St JAHRESÜBERSCHUSS v. St JAHRESÜBERSCHUSS v. St Steuern Steuern Steuern 400 JAHRESÜBERSCHUSS n. St JAHRESÜBERSCHUSS n. St JAHRESÜBERSCHUSS n. St Mag. Martina Klein

12 Einfache Kennzahlen Aktiva Anlagevermögen: Immaterielles Vermögen Sachanlagen Anlagenintensität Finanzanlagen Umlaufvermögen: Vorräte Umlaufintensität Forderungen Wertpapiere und Anteile Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei Kreditinstituten GESAMTVERMÖGEN x100 Passiva Eigenkapital: Nennkapital (Grund-/Stamm...) Kapitalrücklagen Gewinnrücklagen Bilanzgewinn (davon GV/VV) Fremdkapital: Rückstellungen Verbindlichkeiten GESAMTKAPITAL Mag. Martina Klein

13 Aussagekraft Anlageintensität Wenn hoch = hoher Anteil AV am GV Hängt auch von der Branche ab: Produktionsunternehmen wird eine höhere AI haben als ein Beratungs- oder Handelsunternehmen Hohe Kapitalbindung -> hohe Fixkosten -> schwerere Anpassung an veränderte Marktbedingungen Ersatzinvestitionen können sehr teuer werden ACHTUNG: alte (abgeschriebene) versus neue Anlagen ACHTUNG: Eigentum versus Leasing Umlaufintensität Wenn hoch = hoher Anteil UV am GV Vermögen kann schneller liquide gemacht werden, wenn UI hoch Geringer Fixkostenanteil (Abschreibungen Maschinen usw) -> Flexiblere Anpassung an geänderte Marktbedingungen Zu hohe Lagerbestände? -> z.b. Umstellung auf Just in Time? Zu hohe Forderungen? -> einbringlich? -> Mahnwesen optimieren? Wenn hohe Umsätze gemacht werden, wird die Kennzahl ansteigen (mehr Vorräte, mehr Forderungen)

14 Einfache Kennzahlen Aktiva Passiva Anlagevermögen: Immaterielles Vermögen Sachanlagen Finanzanlagen Umlaufvermögen: Vorräte Kurzfristige Forderungen Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei Kreditinstituten GESAMTVERMÖGEN Liquidität 1,2,3 Eigenkapital: Nennkapital (Grund-/Stamm...) Kapitalrücklagen Gewinnrücklagen Bilanzgewinn (davon GV/VV) Fremdkapital: langfristige Rückstellungen Kurzfristige Verbindlichkeiten Andere Verbindlichkeiten GESAMTKAPITAL Mag. Martina Klein

15 Aussagekraft Richtwerte L1 Mind. 20% Im Zähler: L1 -> nur bare Mittel (Kassa, Bank) -> cash ratio L2 -> + Forderungen -> quick ratio L3 -> + Vorräte (also UV) -> current ratio Liquidität: fällige Zahlungsverpflichtungen jederzeit begleichen können -> Insolvenzrisiko! Merke: Liquidität ist gut, aber eine zu hohe Liquidität geht zu Lasten der Rentabilität. Dennoch: Kurzfristig geht Liquidität VOR Rentabilität! Langfristig schafft Rentabilität Liquidität. Kritik an dieser Kennzahl: L2 Mind. 100% L3 Mind. 200% Daten aus Vergangenheit (Bilanz wird erst später erstellt) -> veraltet, über künftige Zahlungsverpflichtungen keine Aussage Reine Bilanzdaten -> Unternehmer hat laufende Zahlungsverpflichtungen und muss auch Miete, Löhne usw. bezahlen (G&V) Fälligkeiten nicht ersichtlich, daher die angegebenen Richtwerte mit Vorsicht genießen. Bsp.: alle kurzfristigen Verbindlichkeiten(z.B ) fällig heute, Kassa und Bank decken nur ? Mit Forderungen, die aber erst später fällig werden, 100%- Deckung? Möglicherweise gibt es noch Kreditlinien, die der Unternehmer nutzen könnte, dann kann er sein Liquiditätsproblem mindern

16 Skontopolitik Richtiges Management verhindert enorme Kosten, denn der Skonto ist ein sehr teures Finanzierungsinstrument -> sieht auf den ersten Blick aus wie ein Rabatt, ist aber ein Kredit (Lieferantenkredit). Beispiel: 2% Skonto bei Zahlung in 7 Tagen, 30 Tage netto -> Berechnung des Jahreszinses: Zinsen p.a. = Zinsen p.a. = = 31,94%! Skontopolitik ist für Unternehmen mit vielen Lieferantenkrediten wichtig -> Nutzung anderer Kredite Prüfung: Berechnung Zinssatz und Alternativen zu Skonto

17 Eigen- vs. Fremdfinanzierung Eigenkapital Fremdkapital Risikokapital Garantiertes Kapital Gewinn-/Verlustanteil Anspruch auf Zinsen Zeitlich unbefristet Zeitlich befristet Einfluss auf die GL Kein Einfluss auf die GL Informationsrecht Kein Informationsrecht Steuerpflichtiger Gewinn Absetzbarer Zinsaufwand Haftung (zumind. teilw.) Keine Haftung Keine Sicherheiten Sicherheiten Liquiditätsschonend Liquiditätsbelastend Mag. Martina Klein Prüfung: drei, vier Unterschiede

18 Zusammenfassung Prüfungsrelevanz Erstellen einer Bilanz durch Zuordnung und Bezeichnung von Positionen Begriffe/Unterschiede erklären: Forderung-Verbindlichkeit, Rückstellungen (Beispiel), Kapital- und Gewinnrücklage, stille Reserven, Mindestkapital Berechnung Abschreibung, Ermittlung Restbuchwert Einfache Kennzahlen: Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Anlagen-/Umlaufintensität, Liquiditätskennzahlen: mit Berechnung und Urteil und evtl. Kritik Ergebniskategorien G&V, Verständnisfrage, Staffelform nicht auswendig lernen! Skonto: berechnen, Kritik und Alternativen Eigen-/Fremdfinanzierung: drei, vier Unterschiede

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