Pressekonferenz von Hansestadt Hamburg und Deutschem Wetterdienst (DWD) am 20. November 2015 in Hamburg

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1 Pressekonferenz von Hansestadt Hamburg und Deutschem Wetterdienst (DWD) am 20. November 2015 in Hamburg Hamburg wird durch Klimawandel wärmer und nasser Erfolgreiche Anpassung an die Folgen der Klimaveränderung im Stadtgebiet ist möglich - es gilt das gesprochene Wort - Rede von Dr. Paul Becker Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes

2 2 Meine sehr verehrten Damen und Herren, Herr Senator, ich freue mich sehr, dass die Hansestadt Hamburg und der Deutsche Wetterdienst (DWD) sich heute gemeinsam in einer Pressekonferenz dem wichtigen Thema Klimawandel widmen. Hamburg und den Deutschen Wetterdienst verbindet seit Jahren eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit. Der Klimawandel findet weiterhin ungebremst statt, auch in Hamburg ist er spürbar. Das Jahr 2014 war in Hamburg mit Abstand das wärmste Jahr seit 60 Jahren war auch global das wärmste Jahr seit 1881, also seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates stellt dazu fest, dass global die letzten drei Jahrzehnte jeweils wärmer waren als alle anderen vorangegangenen seit Die neuesten Emissionszahlen geben im Augenblick wenig Anlass zu Optimismus, dass sich an diesem Trend etwas ändern wird. Es wird entscheidend darauf ankommen, wie bei der 21. Klimakonferenz, die am 30. November in Paris beginnt, die Weichen für die zukünftigen internationalen Klimaaktivitäten gestellt werden. Städte haben ein eigenes Klima Durch den Klimawandel besonders betroffen sind die Städte, in denen weit mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben und arbeiten. Durch die dicht bebauten und versiegelten urbanen Flächen kühlt es während extremer Wärmeperioden nachts kaum mehr ab. Schon heute werden in deutschen Großstädten bis zu 10 Grad höhere Lufttemperaturen als im Umland gemessen. Durch den Zuzug der Bevölkerung in die Großstädte steigt der Bedarf an städtischem Wohnraum und die Bebauungsverdichtungen nehmen zu. Bei gleichzeitig global ansteigenden Temperaturen ist dort also eine weitere Verstärkung der Wärmebelastung zu erwarten. Hinzu kommt der vergleichsweise rasche Wechsel von meteorologischen Extremen wie Hitze und Trockenheit, Starkniederschlägen oder Frost. Das stellt deutsche Städte vor erhebliche Herausforderungen. Durch die mit dem zu erwartenden Klimawandel verbundenen Veränderungen der Extreme werden sich auch die Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung auf vielfältige Art verschärfen. Extremtemperaturen sind für den Menschen sehr belastend. Der Klimawandel ist in Hamburg bereits angekommen. In Hamburg ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit 1881 um gut 1 Grad gestiegen. Die Modellsimulationen des DWD lassen nun bis zum Jahr 2050 eine weitere Zunahme der Temperatur in Hamburg von 1,2 Grad erwarten - im Vergleich zur Bezugsperiode

3 3 Der deutlichste Temperaturanstieg im bebauten Stadtzentrum besteht dabei im Herbst, gefolgt vom Sommer. Diese Temperaturabschätzungen beruhen auf der Annahme, dass sich die Bebauungsstruktur in Hamburg bis zum Jahr 2050 nicht verändern wird. Künftige Bebauungsverdichtungen verstärken den Temperaturanstieg weiter. Entsiegelungen, wie zum Bespiel durch Zunahme der Grünflächen, können diesem Klimawandel entgegenwirken. Bis 2050 fast doppelt so viele heiße Tage in Hamburg Die mittlere jährliche Zahl der Sommertage und der sogenannten heißen Tage, mit Höchsttemperaturen ab 25 bzw. 30 Grad Celsius hat fast überall zugenommen. Städte mit ihren Wärmeinseln sind davon besonders betroffen. Im Vergleich der Bezugsperioden und nahm bereits die mittlere Anzahl der Sommertage in Hamburg von 21 auf 28 Tage und die der heißen Tage von 3 auf 5 zu. Nach unseren Modellrechnungen müssen die Hamburger bis 2050 im Jahresdurchschnitt mit 4 weiteren heißen Tagen rechnen. Diese Quasi-Verdopplung der heißen Tage zeigt, dass auch in Hamburg Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sinnvoll sind. In einer Hitzeperiode ist für die nächtliche Erholungsphase des Menschen vor allem die nächtliche Abkühlung wichtig. Der Blick der Stadtplaner muss sich deshalb auch auf die Zahl der Tropennächte mit Tiefsttemperaturen von wenigstens 20 Grad richten. Im Mittel weist derzeit jedes 2. Jahr in Hamburg eine Tropennacht auf. Bis 2050 werden 1-2 Tropennächte pro Jahr erwartet. Eine Zahl, die die Hamburger Bevölkerung sicher nicht gleich um den Schlaf bringen wird. Dennoch zeigen diese Beispiele: Auch in Hamburg müssen wir mit weiter wachsendem Hitzestress für die Bevölkerung rechnen. Wie kann die Stadt darauf reagieren und die Wärmebelastung vermindern? Zum Beispiel kann die bodennahe Erwärmung durch gezielte Anpassungsmaßnahmen wie durch den Einsatz von hellen und reflektierenden Oberflächen reduziert werden. Hilfreich ist auch die Vernetzung vorhandener Grünflächen. Noch besser ist es, den Grünflächenanteil zu erhöhen. Da die Grünflächen innerhalb einer Stadt oft begrenzt und kaum ausbaubar sind, können hier alternativ Dach- und Fassadenbegrünungen helfen den Wärmeinseleffekt zu dämpfen. Das Programm der Behörde für Umwelt und Energie zur Förderung von Gründächern seit Sommer dieses Jahres beschreitet dabei einen richtigen Weg.

4 4 Schon bisher mehr Niederschläge in Hamburg Wie sieht es beim Niederschlag aus? Die städtische Wärmeinsel und die erhöhte Anzahl von Aerosolen über einer Stadt können auch den Niederschlag beeinflussen. Immer wieder sorgen sommerliche konvektive Niederschlagsereignisse wie beispielsweise Gewitter für örtliche Überflutungen. Ich erinnere an das Niederschlagsereignis vom 6. Juni 2011 in der Innenstadt mit seinen Überschwemmungen im Bereich des Hauptbahnhofes. Unsere Aufzeichnungen zeigen, dass die jährliche Niederschlagssumme in Hamburg im Zeitraum von 1881 bis 2013 um etwa 120 Liter pro Quadratmeter (l/m 2 ) angestiegen ist. Etwa 50 Prozent des Zuwachses entfallen auf die drei Wintermonate Dezember bis Februar. Und wie wird es weitergehen? Die Sommer sollen trockener und alle anderen Jahreszeiten niederschlagsreicher werden. So zeigen es unsere Modellrechnungen bis Die Jahressumme des Niederschlages wird im Stadtgebiet von Hamburg weiter zunehmen und zwar um etwa 40 l/m 2. Für das Umland Hamburgs fällt dieser Zuwachs geringer aus. Es lässt sich also auch hier der Einfluss der Stadt auf den Niederschlag ablesen. Klimawandel könnte mehr gefährlichen Starkregen bringen Von besonderer Bedeutung für die Stadtplanung ist die zukünftige Entwicklung von Starkregenereignissen, die oft mit lokalen Überschwemmungen und immer wieder großen Schäden verbunden sind. Wir haben dies zum Bespiel für die Anzahl von Tagen mit einer täglichen Niederschlagsmenge von 20 l/m 2 oder mehr untersucht. Die Anzahl derartiger Tage ist in den letzten Jahrzehnten im Mittel um 1 Tag gestiegen und wird bis zum Jahr 2050 nochmals um 1 bis 2 Tage ansteigen, das heißt wir erwarten dann 5 bis 6 solcher Tage. In Folge von häufigeren und vielleicht sogar heftigeren Überschwemmungen könnten künftig mehr Einsätze von Feuerwehr und THW im Stadtgebiet erforderlich sein. Doch nicht nur diese kurzen Niederschlagsereignisse können für eine Stadt wie Hamburg eine Herausforderung darstellen, sondern auch der Umgang mit winterlichen Niederschlägen, wenn der Boden durch nur geringe Verdunstungsraten mit Nässe gesättigt ist. Ein Mehr an winterlichem Niederschlag wird diese Situation noch verschärfen können. Aber Hamburg hat sich ja mit dem Projekt RISA (RegenInfraStrukturAnpassung) dieser Aufgabe bereits angenommen.

5 5 Weltweiter Klimaschutz ist Voraussetzung für erfolgreiche Anpassung an Klimawandel Meine Damen und Herren, ich glaube diese Fakten und Projektionen zeigen: Das Thema Klimawandel und seine Folgen geht uns alle an - und zwar heute schon. Es ist deshalb richtig und notwendig, dass sich alle verantwortlich Handelnden von der lokalen bis zur globalen Ebene, aber auch jeder von uns, frühzeitig darum kümmern. Unsere gemeinsame Stadtklimauntersuchung ist eine gute Grundlage für Hamburg, sich jetzt schon auf den langen Weg zur klimanagepassten Stadt zu machen und bisher eingeschlagene Wege weiter zu verfolgen.

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