Besonders extreme Wetterlagen werden durch Klimawandel am stärksten zunehmen

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1 Gemeinsame Pressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Umweltbundesamtes (UBA), Technischen Hilfswerks (THW) und Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am 30. Oktober 2012 in Berlin Deutschland im Jahr 2100 Besonders extreme Wetterlagen werden durch Klimawandel am stärksten zunehmen - es gilt das gesprochene Wort Rede von Dr. Paul Becker Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes

2 2 Meine sehr verehrten Damen und Herren, die vielfältigen Aspekte des Klimawandels werden hierzulande auch künftig für kontroverse Diskussionen in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft sorgen. Unstrittig sollte aber die Erkenntnis sein: In Deutschland wird es wärmer. Seit 1881 ist die Jahresdurchschnittstemperatur um 1,2 Grad gestiegen. Das belegen Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Bis zum Jahr 2100 werden wahrscheinlich nochmals 2 bis 4 Grad hinzukommen. Darin sind sich alle seriösen Klimaforscher einig. Einig ist sich die Klimaforschung auch, dass dieser Temperaturanstieg Folgen haben wird. Der Anstieg der Mitteltemperatur in Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts auf Verhältnisse, wie sie heute in der italienischen Po-Ebene herrschen, mag vielen von uns willkommen sein und auch verkraftbar erscheinen. Das Problem ist aber: Höhere Durchschnittstemperaturen werden für mehr und intensivere Wetterextreme sorgen. Das Schadenspotential durch Wetterextreme kann damit deutlich wachsen. Darauf muss sich Deutschland frühzeitig und richtig vorbereiten. Die Behördenallianz aus Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Technischem Hilfswerk (THW), Umweltbundesamt (UBA), sowie Deutschem Wetterdienst, der jetzt auch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) angehört, hatte daher 2010 das Forschungsprojekt Auswertungen regionaler Klimaprojektionen für Deutschland hinsichtlich der Änderung des Extremverhaltens von Temperatur, Niederschlag und Windgeschwindigkeit initiiert. Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Deutschen Wetterdienstes werde ich Ihnen nun knapp vorstellen. Zahl besonders extremer und gefährlicher Wetterphänomene wächst am stärksten Zusammengefasst ist das Ergebnis unserer rund 150seitigen Studie, die Sie im Internet unter finden: Die meisten der untersuchten Wetterextreme bei Temperatur, Niederschlag und Wind werden bis zum Jahr 2100 zunehmen. Erschreckend ist aber, dass gerade die besonders extremen Wetterphänomene mit dem größten Gefährdungs- und Schadenspotential die höchsten Steigerungsraten aufweisen. Das hört sich nicht gut an, ich möchte deshalb betonen: Wir sind keine Klima-Alarmisten, wir stellen hier Forschungsergebnisse vor. Ich möchte Ihnen nun einige Einzelergebnisse vorstellen: Sommertage sind Tage, an denen die Tageshöchsttemperatur 25 Celsius oder mehr erreicht. Je nach Region treten in Deutschland heute im Mittel bis zu 40 Sommertage im Jahr auf, im Oberrheingraben können

3 3 es sogar 60 sein. Unsere Untersuchungen lassen erwarten, dass sich die Zahl der Sommertage bis zum Jahr 2100 ungefähr verdoppeln könnte. Fast jeder 4. Tag des Jahres wäre dann ein Sommertag. An Heißen Tagen liegt das Temperaturmaximum bei mindestens 30 Grad. Heute treten solche Tage zum Beispiel im Rheinland im Mittel bis zu 15 Mal im Jahr auf. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich die jeweilige Zahl der Heißen Tage und das sind Wetterextreme verdoppeln. Die Bewohner einiger Regionen müssten also an bis zu 30 Tagen im Jahr mit Temperaturen von mehr als 30 Grad zurechtkommen. Werfen wir nun einen Blick auf besonders extreme Temperaturen, am Beispiel von Mannheim. Unsere Messungen zeigen, dass die Mannheimer Bürger heute im statistischen Mittel alle 25 Jahre mit einem Tag leben müssen, der etwa 39 Grad heiß wird. Unsere Auswertung unterschiedlicher regionaler Klimaprojektionen ergibt nun: Die Mannheimer müssen damit rechnen, dass bis zum Jahr 2100 im Mittel rund 4 Mal pro Jahr das Temperaturextrem 39 Grad erreicht wird. Das ist keine Verdopplung wie bei den Heißen Tagen, das wäre eine Zunahme dieses Wetterextrems um das 100fache. Beim Niederschlag erwarten wir für den Winter bis zum Jahr 2100 in weiten Teilen Deutschlands mehr Starkniederschlagsereignisse. Dabei verstehen wir unter Starkniederschlägen Regenmengen, die heute im Mittel an einem Ort nur an jedem 100. Tag überschritten werden - also etwa 1 Mal pro Winter. Je nach Region fallen dann mehr als 15 bis 40 Liter pro Quadratmeter (l/m 2 ) in 24 Stunden. Insbesondere bei anhaltend gleichbleibender Wetterlage führen diese dann häufig wiederholt auftretenden Starkniederschläge zu über die Ufer tretenden Flüssen und Bächen und damit zu enormen Schäden. Bis zum Jahr 2100 steigt die Häufigkeit winterlicher Starkniederschläge wahrscheinlich deutlich an. Insbesondere in küstennahen Gebieten könnte sich deren Anzahl verdoppeln - verglichen mit dem Zeitraum 1961 bis Nur in den Alpenregionen bleibt ihre Häufigkeit vermutlich nahezu konstant. Zwischen Küste und Alpen erwarten wir einen Zuwachs von etwa 50 Prozent. Auch im Sommer könnte die Häufigkeit von Starkniederschlägen grundsätzlich zunehmen voraussichtlich aber um weniger als 50 Prozent. Unter dem Strich werden wir also mit deutlich mehr Schäden durch Überschwemmungen rechnen müssen wenn wir uns nicht rechtzeitig darauf vorbereiten. Klimawandel bringt mehr Stürme im Winter Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Wind. Neben den Schäden durch Überschwemmungen sind es vor allem Stürme und starke Böen, die zu Wetterschäden führen. Unsere Auswertungen lassen erwarten, dass es bis zum Jahr 2100 im Sommer kaum Veränderungen geben wird. Wie auch beim Niederschlag müssen wir im Winter jedoch mit einer zwar regional unterschiedlichen aber deutlichen Zunahme bei Stürmen mit Windgeschwindigkei-

4 4 ten von 85 bis 110 km/h rechnen das entspricht Windstärke 10 bis 11. Solche Stürme treten heute im Mittel nur einmal im Winter auf. Insgesamt sechs regionalen Klimaprojektionen zufolge dürfte deren Häufigkeit um 25 bis 100 Prozent zunehmen. Auch hier zum Vergleich wieder die Entwicklung im extremsten Bereich. Stürme mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 125 km/h das entspricht Windstärke 12 und mehr bedrohen unser Land heute im Mittel nur alle 25 Jahre. Sie können wie zum Beispiel der Orkan Kyrill Todesopfer fordern und Milliarden von Euro an Schäden verursachen. Ende des Jahrhunderts werden wir uns möglicherweise alle 5 Jahre auf Sie vorbereiten müssen das ist eine Steigerung um 500 Prozent. Meine Damen und Herren, diese wenigen Beispiele verdeutlichen: Wollen wir die Gefahren des Klimawandels für Deutschland abschätzen, müssen wir uns vor allem die Wetterextreme anschauen. Die Untersuchungen des DWD zeigen eindeutig: Gerade die extremsten, besonders zerstörerischen und damit teuren Wettereignisse werden bis zum Jahr 2100 am stärksten zunehmen. Die Konsequenz ist offensichtlich: Je früher und besser wir uns auf diese Wetterextreme vorbereiten, umso eher lassen sich die volkswirtschaftlichen Kosten der Anpassung an den Klimawandel begrenzen. Dieses Ziel unterstützt die Behördenallianz.

5 5 Grafik zur Rede von Dr. Paul Becker Hinweis: Sie finden Text und Grafik im Internetangebot des DWD unter

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