Woher kommen Kostenvorteile im Internationalen Handel? Beispiel Ricardo-Modell. Copyright 2004 South-Western/Thomson Learning

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1 Woher kommen Kostenvorteile im Internationalen Handel? Beispiel Ricardo-Modell Copyright 2004 South-Western/Thomson Learning

2 Inhalt Vorteile des Außenhandels: als Handelsgewinne auf einem Markt (1 Gut) bereits angesprochen Wohlfahrtsgewinne durch Außenhandel: hier in der 2-Güter-Welt Produktions- und Konsummöglichkeiten eines Landes komparativer Vorteil absoluter Vorteil Opportunitätskosten 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 2

3 Warum ist es vorteilhaft, Außenhandel zu betreiben? Durch Spezialisierung der Produktion auf Güter und Dienstleistungen, bei denen ein komparativer Vorteil besteht, lässt sich der Lebensstandard erhöhen. Nehmen Sie an: Land A benötigt zur Produktion von 2 Gütern jeweils 5 Arbeitsstunden, Land B benötigt zur Produktion von 2 Gütern 10 bzw. 15 Arbeitsstunden. Wäre unter diesen Bedingungen Spezialisierung durch Handel sinnvoll? 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 3

4 David Ricardo und der komparative Vorteil Güter werden nicht unbedingt dort produziert, wo die realen Kosten am geringsten sind: Es kann vorteilhaft sein, Güter zu importieren, obwohl sie im eigenen Land zu geringeren realen Kosten produziert werden können (reale Kosten sind z.b. Arbeitsstunden, nicht zu verwechseln mit nominalen Kosten) Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 4

5 Handelsverflechtungen und Handelsvorteile Zur Erinnerung: Die Wirtschaftswissenschaft befasst sich damit, wie Gesellschaften Güter produzieren und verteilen Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 5

6 Handelsverflechtungen und Handelsvorteile Wie lassen sich Ökonomien organisieren? Eine Wirtschaft kann autark ( wirtschaftlich unabhängig ) sein. Oder wir können uns spezialisieren, Handel betreiben, womit sich ökonomische Verflechtungen ergeben Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 6

7 Interdependenz und Wohlfahrtsgewinne durch Handel Tatsächlich spezialisieren sich Individuen und Nationen und bauen auf Handel, um ihr Knappheitsproblem zu verringern. Das wirft zwei Fragen auf: Warum ist Interdependenz die Norm? Welche Faktoren bestimmen Produktionsund Handelsströme? 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 7

8 Interdependenz und Wohlfahrtsgewinne durch Handel Warum ist Interdependenz (Handel und Spezialisierung) die Norm? Spezialisierung und Handel führen zu Wohlstandsgewinnen. (gezeigt im Ein-Güter-Fall) Was bestimmt die Struktur von Produktion und Handel? Die Struktur von Produktion und Handel gründet sich auf Unterschiede in den Opportunitätskosten Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 8

9 Ein Gleichnis für die moderne Volkswirtschaft Man stelle sich vor... Es gibt nur zwei Güter: Kartoffeln und Rindfleisch. Es gibt nur zwei Personen: einen Ackerbauer und einen Viehbauern. Was sollten die beiden Personen produzieren? Warum sollten sie Handel treiben? 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 9

10 Tabelle 1: Produktionsmöglichen des Ackerbauern und des Viehbauern Arbeitszeit für 1 Pfund Produktionsmenge in 8 Stunden Fleisch Kartoffeln Fleisch Kartoffeln Ackerbauer 60 Minuten 15 Minuten 8 Pfund 32 Pfund Viehbauer 20 Minuten 10 Minuten 24 Pfund 48 Pfund Sie stellen fest, dass der Viehbauer produktiver ist sowohl in der Produktion von Fleisch als auch Kartoffeln. Trotzdem lohnt es sich für ihn, Handel zu betreiben Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 10

11 Produktionsmöglichkeiten Betrachten wir die Produktions- und Konsummöglichkeiten bei Selbstversorgung und Spezialisierung Selbstversorgung: Produktionsmöglichkeiten sind auch die Konsummöglichkeiten Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 11

12 Abbildung 1: Die Produktionsmöglichkeitenkurven Fleisch (Pfund) (a) Die Produktionsmöglichkeitenkurve des Ackerbauers (-gerade) 8 4 A Produktion und Konsum des Ackerbauern ohne Handel Kartoffeln (Pfund) Berechnen Sie die PMK. Warum ist es eine Gerade? Welche Präferenz hat der Ackerbauer? 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 12

13 Abbildung 1: Die Produktionsmöglichkeitenkurven Fleisch (Pfund) 24 (b) Die Produktionsmöglichkeitenkurve des Viehbauern (-gerade) Produktion und Konsum des Viehbauern ohne Handel 12 B Kartoffeln (Pfund) 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 13

14 Spezialisierung und Handel Viehbauer und Ackerbauer spezialisieren sich und handeln. Durch Handel steigt die Gesamtproduktion und beide sind in der Lage, mehr zu konsumieren. Der Ackerbauer sollte Kartoffeln produzieren. Der Viehbauer Fleisch Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 14

15 Abbildung 2: Wie der Handel den Konsum des Ackerbauern steigert (a) Die Produktions- und Konsummöglichkeiten des Ackerbauern Fleisch (Pfund) Konsum mit Handel A A* Produktion / Konsum ohne Handel Produktion mit Handel Was passiert hier? Kartoffeln (Pfund) 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 15

16 Abbildung 2: Wie der Handel den Konsum des Viehbauern steigert (b) Die Produktions- und Konsummöglichkeiten des Viehbauern Fleisch (Pfund) Produktion mit Handel B Konsum mit Handel B* Produktion / Konsum ohne Handel Kartoffeln (Pfund) 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 16

17 Tabelle 2: Die Handelsgewinne Eine Zusammenfassung Ackerbauer Viehbauer Fleisch Kartoffeln Fleisch Kartoffeln Ohne Handel Produktion und Konsum 4 Pfund 16 Pfund 12 Pfund 24 Pfund Mit Handel Produktion 0 Pfund 32 Pfund 18 Pfund 12 Pfund Handel erhält 5 Pfund gibt 15 Pfund gibt 5 Pfund erhält 5 Pfund Konsum 5 Pfund 17 Pfund 13 Pfund 27 Pfund Handelsgewinn (Konsumanstieg) + 1 Pfund + 1 Pfund + 1 Pfund + 3 Pfund 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 17

18 Das Prinzip des komparativen Vorteils Wie kommt es, dass sich Spezialisierung für den Viehbauern lohnt, obwohl er doch beides besser kann? 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 18

19 Das Prinzip des komparativen Vorteils Entscheidend sind die Unterschiede in den Produktionskosten. Produktionskosten lassen sich auf zwei Arten feststellen: Die Inputs (Zahl der Stunden), welche für die Produktion eines Gutes erforderlich sind (also z.b. ein Pfund Kartoffeln). Die Opportunitätskosten: wie viel von einem Gut aufgegeben werden muss, um ein anderes zu erhalten Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 19

20 Der absolute Vorteil Der Vergleich der Inputs (die Produktivität) je Einheit Output gibt Auskunft über die Produktivität von Produzenten absoluter Vorteil. Dies beschreibt die Produktivität einer Person, eines Unternehmens oder eines Landes. Der Produzent, der eine kleinere Inputmenge benötigt um ein Gut herzustellen, hat einen absoluten Vorteil in der Produktion eines Guts Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 20

21 Der absolute Vorteil Der Viehbauer braucht nur 10 Minuten, um ein Pfund Kartoffeln zu produzieren, der Ackerbauer 15 Minuten. Der Viehbauer braucht nur 20 Minuten, um ein Pfund Fleisch zu produzieren, der Ackerbauer 60 Minuten. Der Viehbauer hat einen absoluten Vorteil in der Produktion sowohl von Fleisch als auch von Kartoffeln Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 21

22 Opportunitätskosten und komparativer Vorteil Hier werden zur Messung der Produktionskosten die Opportunitätskosten verglichen. Was wird aufgegeben, um eine Einheit eines Guts zu erhalten? Der Produzent mit den geringsten Opportunitätskosten hat einen komparativen Vorteil in der Produktion eines Guts Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 22

23 Tabelle 3: Die Opportunitätskosten von Fleisch und Kartoffeln Opportunitätskosten von Fleisch Wie viele Einheiten Kartoffeln muss ein Produzent für eine Einheit Fleisch aufgeben? Opportunitätskosten von Kartoffeln Wie viele Einheiten Fleisch muss ein Produzent für eine Einheit Kartoffeln aufgeben? Opportunitätskosten für 1 Pfund Fleisch (in Pfund Kartoffeln) Kartoffeln (in Pfund Fleisch) Ackerbauer 4 1/4 Viehbauer 2 1/ Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 23

24 Komparativer Vorteil und Handel Komparative Vorteile, also unterschiedliche Opportunitätskosten, sind die Grundlage von Spezialisierung und Handel. Wenn potenzielle Handelspartner unterschiedliche Opportunitätskosten haben, können sie durch Handel Vorteile erzielen Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 24

25 Das Vermächtnis von Adam Smith und David Ricardo Adam Smith Adam Smith legte in seinem 1776 geschriebenen Buch An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations eine ausführliche Analyse von Handel und ökonomischer Interdependenz vor, welche bis heute ihre Gültigkeit behalten hat. (absoluter Vorteil durch Spezialsierung) David Ricardo David Ricardo entwickelte in seinem 1816 erschienenen Buch Principles of Political Economy and Taxation die Analyse des komparativen Vorteils, auf die sich die moderne Handelstheorie gründet Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 25

26 Zusammenfassung Interdependenz und Handel erlauben es, dass alle Beteiligten ihren Lebensstandard erhöhen können Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 26

27 Zusammenfassung Es gibt zwei Möglichkeiten, Produktionskosten zu messen: Die Person, welche ein Gut mit weniger Inputs produzieren kann, hat einen absoluten Vorteil. Die Person mit geringeren Opportunitätskosten hat einen komparativen Vorteil Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 27

28 Zusammenfassung Handelsvorteile beruhen auf dem komparativen und nicht dem absoluten Vorteil. Wohlfahrtsgewinne entstehen, wenn sich Personen und Länder auf diejenigen Tätigkeiten spezialisieren, für die sie einen komparativen Vorteil haben. Das Prinzip des komparativen Vorteils ist sowohl auf Einzelpersonen als auch auf Länder anwendbar Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 28

29 Lehren für die Handelspolitik Weitere Vorteile des internationalen Handels breiteres Güterangebot, Verringerung von Produktionskosten durch Skaleneffekte, mehr Wettbewerb, technologischer Fortschritt durch vermehrten Transfer von Ideen Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 29

30 Konzepte verstanden? - Produktionsmöglichkeiten - relative Kostenvorteile aus Opportunitätskostenvorteilen = komparative Vorteile - konstante Skalenerträge der Produktion 2008 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-Nürnberg. 30

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