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1 Stuttgart-Böblingen-Esslingen-Nürtingen-Göppingen-Ludwigsburg -Rems-Murr Magazin Wirtschaft Ein Service der IHK für Unternehmen inder Region Stuttgart Mehr für die Zukunftinvestieren Seite 6 Nein danke! Ausbildungsmarketing: So tickt die Jugend Seite16 So bereiten Sie Ihr Kreditgespräch richtig vor Seite20 Wieder digitale Nachlass unter Kontrollebleibt Seite24

2 PFLUGFELDER Ihr Gewerbe- und Industriemakler David Grun Geschäftsführer Verantwortlich für den gesamten Gewerbe-Immobilienbereich Bertin von Heintschel Bachelor of Arts Zuständig für Verkauf und Vermietung von Gewerbe-Immobilien Zu vermieten Zu vermieten Zu vermieten/verkaufen Zu vermieten/verkaufen Ludwigsburg»Büros mit hoher Werbewirksamkeit«: ca.178 m 2 2. OG,Aufzug, Teppichboden, Energieausweis beantragt, frei ab , Stuttgart»Innenstadt«: Büro ca. 240m 2 +ca. 400 m 2 Nfl., gute Ausst., helleräume,bj.1974,fernwärme,verbrauchsausweis mit Endenergieverbrauch 195 kwh/(m 2 a), Stromverbrauch 11,2 kwh(m 2 a), kurzfristig beziehbar MP auf Anfr. Stgt.-Süd:»Büros im Südtor«, ca. 622m m 2 Nfl.,3.+4.OG,Neubaustandard, DGNB Silber vorzertifiziert, Bauj. 2009, Gas, Bedarfsorientierter EAmit Primärenergiebedarf 212, 3kWh/(m 2 a), Stromverbrauch 38 kwh/(m 2 a) MP auf Anfr. Ludwigsburg»Bürosinhistorischem Umfeld mit modernerausstattung«: ca. 303 m 2 Gartengeschoss, möbliert, CAT 7Verkabelung, Stellplätze vorhanden, Energieausweis beantragt, sofort frei 2.124,57 Stgt.-Wangen»Büros im Bürocampus«: ab ca.125 m 2 -ca m 2 Nutzfläche, gute Ausstattung, ausreichend Stellplätze, Baujahr 1934, Holzpelletheizung, Bedarfsausweis, Endenergiebedarf 392,8 kwh/(m 2 a), Bezugnach Absprache ab 7,50/m 2 Leonberg»Büros in Autobahnnähe«: ca. 272m m 2 ausr.stpl. vorh., Bj.90, Verbrauchsausweis, Heizenergieverbrauch 74,5 kwh/(m 2 a), Erdgas, Stromverbrauchskennwert 16,4 kwh/ (m 2 a), kurzfristig frei ab 7,50/m 2 Asperg»Laden am Bahnhof«: ca. 305 m 2 Nfl., viel Licht, kurzfr. frei, Energieausweis beantragt 1.375, Schwieberdingen: Halle ca m 2 Nfl., inkl Büro-und Nebenfläche,Höhe ca.6m,rampe oder ebenerdig, Bezug nach Absprache MP auf Anfr. Stgt.-Heumaden: Laden-/Büroeinheit EG, ca. 100 m 2 +ca. 40 m 2 Archiv, TG- +Außenstplatz,Bauj.1982,Verbrauchsausweis, Erdgas, Endergieverbrauch 209kWh/(m 2 a) KP auf Anfr. Stgt.-Plieningen»InteressanteKapitalanlage«:ca.766m 2 Gewerbefläche: Halle ca.407 m 2,Lagerhalle ca, 212m 2, Büro/Laden ca. 112 m 2,Sozialräume ca.35 m 2,Bj.1973,vermietet,Energieausweis beantragt , Bietigheim-Bissingen: Ladenlokal im Zentrum, ca.170 m 2 Nfl., EG +UG, denkmalgeschützt, gr. Gewölbesaal, Stpl., kurzfr.beziehbar MP auf Anfr. Markgröningen: Büro-/leichte Produktionsfläche, ca. 500 m 2 Nfl., Lastenaufzug,Bj.1992,Verbrauchsausweis Endenergieverbrauch 44,0 kwh/(m 2 a) Erdgas, Stromverbrauchskennwert 141,4kWh/(m 2 a), frei , Ludwigsburg»Gewerbeareal für Investoren und Eigennutzer«: ca m 2 Gesamtmietfläche Hallen und Büros, ca m 2 Grdst., ca. 50% langfristig vermietet an1amieter, Baujahr 1960, Bedarfsausweis, Heizung Gas, Endenergiebedarf 393 kwh/(m 2 a), Strom Endenergiebedarf 5kWh/(m 2 a) 3,98 Mio. Ludwigsburg: Produktionshalle ca m 2 Nfl., Höhe ca.8-10m,große Kranbahnen, Andienung ebenerdig, Bezug nach Absprache, Energieausweis beantragt MP auf Anfr. Ludwigsburg: Produktionshalle, ca. 810 m 2 Nfl., ca. 500 m 2 Büro und Sozialräume, ca m 2 Grdst., Bezug nach Absprache, Energieausweis beantragt MP/KP auf Anfr. Stuttgart:»Kapitalanlage«, Supermarkt+Laden, Gesamtfl.ca m 2, Bj. 2009, langfr. vermietet, Bedarfsausweis, Gas Endenergie Wärme 111,1 kwh/(m 2 a), Strom 71,6 kwh/(m 2 a) Ludwigsburg: RepräsentativeBürovilla, ca.413 m 2,2Stockwerke, exklusive Ausstattung, CAT 7Verkabelung, Stellplätze vorhanden, denkmalgeschützt MP auf Anfr. Wir suchen exklusiv......für einen Verband ein repräsentatives Bürogebäude mit ca.500 m m 2 in Ludwigsburg zum Kauf oder zur Miete...für einen Produktionsbetrieb ein Grundstück mit ca m 2 im Umkreis von 15 km um Ludwigsburg zum Kauf...für einen Weiterbildungsbetrieb Büro- und Seminarräume mit ca. 180 m 2 in Bahnhofsnähe von Ludwigsburg zur Miete...für einen Unternehmensberater Büros mit ca. 140 m 2 im Zentrum von Stuttgart zur Miete...für einen Filialisten eine Ladenfläche mit ca m 2 in Toplage von Stuttgart zur Miete...für einen Automobilzulieferer eine Halle mit ca m 2 zwischen Stuttgart und Bietigheim zum Kauf oder zur Miete...für einen Kapitalanleger eine gemischt oder rein gewerblich genutzte Immobilie bis zum 16fachen der Jahresmiete im Raum Stuttgart Kriegerstraße 3, Stuttgart Wirfördern OV/KV Ludwigsburg

3 EDITORIAL AndreasRichter Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart Gefangen im Wohlfühlkokon Zu träge, zu satt, zu zufrieden -- zu sehr Vergangenheit, zu wenig Zukunft? So mancher Unternehmer aus der Region Stuttgart kommt angesichts der dynamischen Entwicklung auf den Zukunftsmärkten in Fernost doch sehr ins Grübeln wenn er, zurück aus Ländern, in denen er derzeit Geschäfte macht und wo die Post abgeht, sich hierzulande umschaut, was für ihn Heimat ist und ihmabsolut am Herzen liegt. Welch ein Gegensatz: dort Aufbruchsstimmung und Zuversicht. Hier hingegen Dauerdemos gegen Groß- und Kleinprojekte, Proteste gegen Windräder, Stromtrassen, Gewerbegebiete, gegen Ansiedlung und/oder Erweiterung von Unternehmen, gegen Technologien, gegen Fortschritt und Wandel -- eben gegen fast alles. Solche Sicht mag übertrieben sein, aber es trifft den Kern. Atom, Genfood, Feinstaub, Bodenversiegelung, S-Bahn-Pannen -- die Liste, die das Wut- und Protestpotenzial freisetzt, ließe sich beliebig fortsetzen. Und dann auch noch TTIP. Wann hat es das schon gegeben, dass ein Handelsabkommen zum Thema einer breiten Bürgerbewegung wird? Damit kein Missverständnis aufkommt: all diese Themen kritisch zu beleuchten und zu begleiten, ist berechtigt, und ebenso sind die Sorgenund Ängste,die damit verbunden werden, ernst zu nehmen und verdienen jedweden Respekt. Doch hinter alledem steht viel mehr, steht ein breites grundlegendes Misstrauen gegenüber Politik, Unternehmen und Institutionen, denen man nicht mehr glaubt und nicht mehr vertraut. Nur: ist das wirklich gut, wohin führt dies und lässt sich dies ändern? Wer fragt schon danach, woher der Wohlstand kommt? Wie aufgeschlossen sind wir in der Region Stuttgartgegenüber Veränderung,Fortschritt und Wandel? Wer vertraut wirklich darauf, dassfortschritt undwandelunter dem Strich mehrvorteile als Nachteile hat? Zunächst:es lebt sich prima im Wohlfühlkokonder Region Stuttgart. Niedrige Arbeitslosigkeit, interessante Jobs, ordentliche Bezahlung, gute Schulen,intakte Umwelt -- sehr viele sehen sich auf der Sonnenseite und sind fest davon überzeugt, dass dies auch noch in 100Jahren so sein wird und alles bleibt wiees ist. Wer will sich da schon stören lassen und sich Dinge zumuten, die für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft unabdingbar wären. Das will man nicht und diejenigen, die das dennoch tun wollen, wählt man nicht. Undwer fragt schon danach, woherder Wohlstand kommt, den man genießt? Er ist eben da, abgekoppelt von den Notwendigkeiten, aufdenenerberuht. AndereVolkswirtschaften holen mächtig auf Andere Regionen, andere Volkswirtschaften, andere Bevölkerungen wollen dorthin, wo wir sind.sie holen mächtig auf,verbessern ihre Wettbewerbsposition, setzen zum Überholmanöver an. Wo in Stuttgart eine Baugenehmigung 18 Monate dauert, braucht es andernorts 8 Wochen, und das, was dort gebaut wird, ist nicht minder stabil und ökologisch als hier. Undwenn es darum geht, dass die regionalen, öffentlichen Statthalter im Schulterschluss mit der Wirtschaft gemeinsam in Berlin mehr Geldfür die Infrastruktur herausholen wollen, klinkt sich der Verband Region Stuttgart aus solch einem schlagkräftigen Verbund vorsichtshalber aus, weil ihm der Tellerrand interner Strukturen plötzlich wichtiger istals das Große und Ganze. Wo hierzulande nur über Risiken neuer Technologien und Entwicklungen gesprochen, die Suche nach vermeintlichen Interessenkartellen von Politik und Wirtschaft akribisch betrieben,die unbeherrschte GiernachProfitbei allem und jedem unterstellt wird und sich die örtlichen Akteure im Klein-Klein zu Hause fühlen, spricht man andernorts über Chancen, Perspektiven und Zukunft. Das mag das Privileg junger Nationen sein, aber diejenigen, die immer älter werden, sollten aufpassen, dass der Zug nicht ohne sie abfährt. Es ist mehr als sinnvoll und wünschenswert, wenn hierzulande eine Diskussion darüber geführt wird, wie wir in Zukunft arbeiten, wirtschaften und leben wollen. Dass wir alles schützen und bewahren wollen, was erreicht worden ist, ist verständlich und richtig..aberesmussauchinvestiert, gewagt, verändert werden. Und all die, die das wollen und darin ihre Zukunft sehen, werden nur dann bei uns bleiben, wenn sie das auch dürfen und können. Wer sieht, was sich draußen auf den Weltmärkten tut, begreift sehr schnell, dass sich die Region Stuttgart allmählich auf den Weg machen muss.als Dauerzustand wirdein Kokonzur Falle. MAGAZIN WIRTSCHAFT

4 INHALT Fotos: Fotolia/Guzhva Startklar ins Berufsleben Jugendliche stellen heute hohe Ansprüche an die Arbeitswelt. Die IHK-Jugendstudie zeigt, welche Konsequenzen daraus bei der Azubisuche gezogen werden müssen. Foto:www.fine-images.de Ohne Blaulicht Bei Menschen und Marken lesen Sie,warum sich zwei Ex-Cops selbständig gemacht haben. Außerdem porträtieren wir eine Buchhandlung, einen Helmhersteller und zeigen, wie Schokolade hergestellt wird. Foto: Hörner Speeddating mit Azubis Mit zumteil recht klarenvorstellungen kamen rund 250 junge Leute ins IHK- Haus, um mit Vertretern von Ausbildungsbetrieben ins Gespräch zu kommen dafür hatten sie je zehn Minuten Zeit. DIE LETZTE SEITE 82 Kommentar WieNachfolge gelingt, erklärtunternehmerin Beatrice Kiesel-Luik von Kiesel Bauchemie in Esslingen. Ärgernis des Monats Hängepartie um Beteiligung des Zolls bei IHK-Veranstaltung Cartoon Standortsuche unter Tage 4 MAGAZIN WIRTSCHAFT 04.15

5 MAGAZIN 6-49 TITELTHEMA Zukunftsichern Untergräbt unser Wohlstand seine eigenen Grundlagen? 9 Eine gewisse Sattheit registriertwalter Rogg, Wirtschaftsförderer der Region 11 Der Ausbau des Breitbandnetzes stockt in einigen Gewerbegebieten KURZ &KNAPP Gründerkongress im Mai bei der IHK IHK-Bildungspreis Bewerbung ab Ende April möglich Wahrheiten Treffende Zitate Bücher für Entscheider und angehende Ingenieure 13 Personalien Namen und Gesichter Sagen Sie mal Fragen an Bahnchef Dr.Rüdiger Grube MITTELSTAND Telegramm Aktuelle Kurzmeldungen 15 Expatriates So vermeiden Sie eine Doppelbesteuerung 16 Die IHK-Jugendstudie zeigt, was junge Leute von ihrem Ausbildungsplatz erwarten 18 Energieaudits werden für große Unternehmen verpflichtend 19 Freiflächenphotovoltaikanlagen Erste Förderrunde gestartet 20 Hausbank So bereiten Sie ein Kreditgesprächperfekt vor 22 Aktuelle Zahlen, Fakten und Tendenzen 24 Digitaler Nachlass Sorgen Sie auch für IhreDaten vor 26 Enrich your Business English 27 WirtschaftimTVDas müssen Sie sehen MENSCHEN &MARKEN Zeitsprung Staufen-Buchhandlung in Göppingen 29 Existenzgründer im Porträt Zwei Ex- Kriminaler gründen eine Detektei 30 Hidden Champions Cratoni GmbH, Rudersberg 31 Aus den Labors der Region Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren 32 Made in Schwaben Ritter Sport rührt Schokolade IHK &REGION Telegramm Neues aus IHK und regionaler Wirtschaft Öffnen Sie Ihren Betrieb am Girls Day, dem 23.April 34 Karriere mit Lehre Jochen Moosmann leitet den Daimler-Gastronomieservice 35 Ausbildung Speeddating zwischen Azubis und Betrieben bei der IHK Wegfall von Parkplätzen in der Ludwigsburger City stößt in der Wirtschaft auf Kritik 36 Ehemaliger IHK-Hauptgeschäftsführer Dr.Günther Steuer mit 103 Jahren verstorben Bildungsbericht für den Rems-Murr- Kreis empfiehlt bessere Sprachförderung 37 Berlin &Brüssel Allianz für Aus- und Weiterbildung gegründet 38 Wirtschaftsjunioren FIRMENREPORT Nachrichten über regionale Firmen DIE LETZTE SEITE Kommentar,Karikatur und Ärgernis des Monats ANZEIGEN-SPECIAL Gewerbegebiete/Gewerbeimmobilien INFO BEKANNTMACHUNGEN 56 Zwischenprüfung für Azubis Sitzung IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg HANDELSREGISTER 56 Januar/Februar Neueintragungen, Veränderungen, Löschungen und Insolvenzen BRANCHENSPIEGEL 61 Bezugsquellennachweis Angebote aus der Wirtschaft RUBRIKEN 62 Impressum 70 Jubiläen 74 Termine 76 Geburtstage Titelgrafik: Thinkstock/IHK Sicher! Engineering, Software&Testing, Dokumentation/CE, Projektmanagement, Technische Büros, Recruiting vonengineering people im kompletten Automotive-Umfeld. engineering people. supporting experts. Ihr Kontakt zu ep: Gerd Depner, Geschäftsführer ep Stuttgart, MAGAZIN WIRTSCHAFT Foto: TRW Automotive, Alfdorf

6 MAGAZIN TITELTHEMA Zukunftsichern mussdas sein? Wirtschaftlich starke Regionen wie Stuttgart verdanken ihren Wohlstand auch einer vorausschauenden Industrieund Strukturpolitik. Doch immer weniger Bürger sind bereit, die damit verbundenen Lasten hinzunehmen, sofern sie selbst betroffen sind. Ist das Preis einer offenen Gesellschaft oder eine reale Gefahr für künftigen Wohlstand? Der Wutbürger, einestuttgarter Erfindung, ist zum geflügelten Wort geworden. Der Begriff fällt immer, wenn irgendwo Betroffene gegen die Pläne eines vermeintlichen Kartells aus Politik und Wirtschaft auf die Straße gehen, Entscheidungsträger verbal attackieren oder vor die Gerichte ziehen -- was immer häufiger geschieht, auch in der Region Stuttgart. Dabei fehlt es nicht an Spott über den Wutbürger. Wenn er im Fernsehen seinen großen Auftritt gegen Bahnhofsumbauten, Straßenerweiterungen, Firmen- neubauten oder Handelsabkommen hat, fällt das Kopfschütteln leicht. Ganz anders sieht es aus, wenn wir selbstbetroffen sind: Soll eine Schnellbahntrasse an unserem Grundstück vorbei gebaut werden, droht eine Firmenansiedlung den Verkehr durch unser ruhiges Wohnviertel zu erhöhen oder Windräder unsere schöne Aussicht zu beeinträchtigen, dann werden manchmal auch Abgeordnete oder Unternehmer zu Wutbürgern. EinevertrackteSituation -- vor allem ineinem wirtschaftlichen Ballungsraum, der Wohlstand undbeschäftigung dem Erfolg seiner exportorientierten, oft mittelständischenunternehmen verdankt. Dieser Erfolg hängt auch von funktionierenden Verkehrswegen, einem hinreichenden Grundstücksangebot und einer verlässlichen Energieversorgungab. In Zeiten, in denen der Wohlstand für alle sichtbar zunahm, hätten die Menschen eben in Kauf genommen, dass Straßen, Stromleitungen und Gewerbebauten auch Lärmund ästhetische Zumutungen bedeuten können, sagt Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Ludwigsburg. Auch dies hatte bekanntlich eine Kehrseite: Umweltschäden, selbst solche gra- Art, wurden kaum registriert oder vierender als geringeres Übel hingenommen. Heute, so Holl, neige sich die Waagschale auf die ande- Wenn ein hohes Wohlstandsniveau re Seite. erreichtist,versprächen sich die Bürgerkeine Zunahme an Lebensqualität mehr, sondern wollen denstand halten. Da scheint allzuviel wirtschaftliche Aktivitätvor allem lästig. UnpopuläreThemen bleiben liegen In Regionen wie Berlin oder Bitterfeld sind die Menschenviel eher bereit, Verände- in ihrem gewohntenumfeldzuakzep- rungen tieren, sagt Holl. Dort seien florierende Un- und sicherearbeitsplätze nichtso ternehmen selbstverständlich wie im Ländle. Bei uns wird sehr,sehr schnelldie Fragegestellt:Brauwir das überhaupt? chen Und meistauchgleich die Antwort gegeben, diefür viele ein kompromissloses Nein ist. Ob ein Modeunternehmen in Nürtingen ein Logis- plant, ob eine Querverbindung im tikzentrum Nordosten Stuttgarts Entlastung bringen soll oder ob die Wirtschaftsförderung im Kreis Ludwigsburgentlang dera81 verzweifelt nach Standortenfür Logistikunternehmensucht -- Anwohnerproteste sind so gut wie sicher. Und mit ihnen die Ablehnung vieler Ge- Denndarinliegt nachauffas- sung vonkritikern die bedenklichste Folge meinderäte. des Dagegen-Trends: AusAngst, inder Öf- zum Buhmann zuwerden und fentlichkeit nicht wiedergewählt zu werden, packen Politikerunpopuläre, aberauf langesicht notwendige Investitionen garnicht erst an.strategische Entscheidungen, mitdenen der Vorsprung vorden Wettbewerbern inaller Welt gewahrt werden könnte, fallen so immer schwerer: Wann ist denn zum letzten Mal Industrie- oder 6 MAGAZIN WIRTSCHAFT 04.15

7 TITELTHEMA MAGAZIN Gewerbepolitik einzentrales politisches Thema gewesen?, fragt Holl rhetorisch. Dem kann sich Christoph Metz, Inhaber der Esslinger MetzImmobilien, nur anschließen. Man fängt erst anzuüberlegen, wenn die Probleme bereits massiv auftreten, sagt Metz. Musterbeispiele sind fürihn derausbau der B27 am EchterdingerEi, mit der die Erreichbarkeit der Landesmesse verbessert werden soll und der Tunnel, mit dem die angespannte Situation bei der Wilhelma entschärft wird. Es ist schön,dassman die Dinge jetzt angeht, aberdas hätte schon vorvielen Jahren geschehen müssen. Auch die kreisübergreifende Zusammenarbeit bei wichtigen InfrastrukturprojektenimRahmen des Verbands Region Stuttgart könntenach Ansicht Wenn ein hohes Wohlstandsniveau erreicht ist, wollen die Bürger den Stand vor allem halten. Da scheint allzuviel wirtschaftliche Aktivität vor allem lästig. Fotos: Fotolia (2) Thinkstock (1) des Immobilienunternehmers besser sein. Die Regionkommt einfach nicht richtig ingang. OB Kuhn redet zwar viel davon, sie zu stärken, setztfür mich aber zu wenig um. Der Grund für die Verschleppung wichtiger Entscheidun- gen liegt für Metz klar auf der Hand: Mit Bauprojekten steht man als Politiker nicht gut da: Sie sind teuer und be- Nach der Erfahrung des Unter- rührenvieleinteressen. nehmers,der in der Regionzahlreiche Wohnprojekte aber auch Gewerbestandorte entwickelt, sinddie Widerstände zahlreicherund massivergeworden. Die Bürgersindauf Bestandswahrung gepolt, findet er. Siemögen es nicht so sehr,wenn sich etwas verändert. Möglicherweise hänge das auch mit derälter werdenden Gesellschaft zusammen. Doch die Vorstellung, innovative Unternehmen, Arbeits- und ein gutes Leben ließen sich ohne Veränderung plätze bewahren, istfür Metz ein großer Irrtum. Die Leute ha- vergessen, woher unser Wohlstand kommt, kritisiert ben der Esslinger. Wenn wir uns auf unserem Erfolg ausruhen, dann überholen uns andere! Wie nah uns diese anderen wirklich auf den Fersen sind, kann niemand sogut beurteilen wie die Chefs der international MAGAZIN WIRTSCHAFT

8 MAGAZIN TITELTHEMA Fotos: TomBässler In weniger wohlhabenden Regionen würden Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur leichter akzeptiert, sagt Dr.Stefan Holl von der Marktforschungsgesellschaft GMA in Ludwigsburg. DieBürgersindauf Bestandswahrunggepolt,findet Immobi wennsichetwasverändert. Wenn wir nicht mithalten wollen, fährt der Zukunftszug ohne uns ab. Prof. Heinz Junker Mahle aktiven Unternehmen der Region. Zum Beispiel Professor Heinz Junker,CEO der Stuttgarter Mahle AG.Weil sein Unternehmen an 150 Produktionsstandorten in33ländern unterwegs ist, weiß der Manager, dass sich unser Land nicht zu verstecken braucht. Die Region Stuttgart verfügt nach wie vor über ein hohes Entwicklungspotenzial und ist eine deutsche Vorzeige-Region, vor allem für automobilen Fortschritt, sagt Junker.Doch sei diese führende Rolle nicht in Stein gemeißelt: Andere Regionen undandereländer zeigen in den letzten Jahrzehnten eine sehr viel höhere Bereitschaft für technische Innovationen und Veränderung, registriert der Konzernchef. Dies gilt insbesondere für eine zukunftsfähige Infrastruktur. Für ihn istklar: Wenn wir hier nicht mithalten wollen, fährt der Zukunftszug wörtlich genommen ohne uns ab. Die Region Stuttgart ist für Stihl von zentraler Bedeutung, hebt Dr.Bertram Kandziora, Chef des Waiblinger Motorgeräteherstellers, zunächst einmal die positiven Seiten hervor. Wir profitieren hier von der Kombination aus hervorragend qualifizierten Ingenieuren, gut ausgebildeten Fachkräften und exzellenten Lieferanten. Allerdings sollte man sich auch nach Kandzioras Ansicht nicht auf dem Erreichten ausruhen: Um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu erhalten, müssen Politik und Wirtschaft innovativ bleiben und nachhaltig in Infrastruktur investieren. Dass unseregesellschaftund insbesondere unsere Politiker den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands und Baden-Württembergs als selbstverständlich und grundsätzlich anhaltend annehmen, kritisiert Heinrich Baumann, geschäftsführender Gesellschafter der Eberspächer GmbH&Co. KG. Das istein großer Fehler, findet der Unternehmer. DennunserenWohlstand könntenwir nur durch Anpassung andie sich global verändernden Rahmenbedingungen und durch Prozess- und Produktinnovationen erhalten. Und dazu bedarf es der aktiven Unterstützung von Veränderungsbereitschaft und Innovationsfreundlichkeit, sagt Baumann und fordert: Unsere Region muss neue Ideen immer zuerst als Potenzial sehen und nicht wie häufig als Bedrohung. Wir müssten in vielerlei Hinsicht beweglicher und aufgeschlossener sein, als wir es heute sind, schließt sich Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart, an. Das Problem liege dabei tiefer als Wir müssen innovativ bleiben und nachhaltig in Infrastruktur investieren. Dr.Bertram Kandziora Stihl bloß in der Akzeptanz von Bauprojekten, Verkehrs- und Energietrassen. Wirtschaft lebtauchvon Vertrauen, stellt Richter fest. Die Gesellschaft erwarte von den Unternehmen zu Recht, dass sie sich soziale und ökologische Standards zu Nachhaltigkeit, 8 MAGAZIN WIRTSCHAFT 04.15

9 TITELTHEMA MAGAZIN Interview Es macht sich eine gewisse Sattheit breit Wirtschaftsförderer Rogg über die Zukunftschancen der Region Walter Rogg, der für die Wirtschaftsförderung in der Region Stuttgart Verantwortung trägt, lobt die Qualitäten des Standorts, sieht ihn aber auf einigen wichtigen Wettbewerbsfeldernzurückfallen. lienunternehmer Christoph Metz. Sie mögen es nicht so sehr, Umweltschutz und Energieeffizienz zu eigen machen. Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen in unserer Region nimmt dies als unternehmerische Aufgabe selbstverständlich an, so der IHK-Geschäftsführer. Sie fühlen sich der Gesellschaft verpflichtet und wollen nicht das schnellegeld machen, um es dann auf die Bahamas zu schaffen. Umgekehrt könnten die Unternehmen deshalberwarten, dassihreanstrengungenanerkannt werden, findet Richter. Doch sei dies UnsereRegion muss neue Ideen immer zuerst als Potenzial sehen. Heinrich Baumann Eberspächer immer weniger der Fall. Recht schnell sei man heute bei der Hand,böse Motive zu unterstellen, sobald Wirtschaftsinteressen im Spiel sind,wie sich aktuell sehr deutlich in der Kampagne gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zeige. Ein von Misstrauen geprägtes Bild der Wirtschaft greift um sich und droht einausmaßzuerreichen,das nicht mehr anspornt, sondern lähmt, schließt Richter. Diese Entwicklung fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der sich die Kraftzentren der Weltwirtschaft auf Grund von Demografie und Wachstumsdynamik weiter nach Asien ver- Foto: WRS Unser Interviewpartner Walter Rogg Geschäftsführer Wirschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) Herr Rogg, die Region Stuttgart ist einer der innovativsten Industriestandorte mit einer erstklassigen Verbindung von Weltmarktführern und Forschungseinrichtungen -- da kann uns doch nichts passieren, oder? Rogg Wir sind in der Tat ein herausragenderstandort und haben sehr gute Voraussetzungen dafür, unsere Spitzenposition zu halten. Aber andere holen auf und wir haben uns in einigen Punkten verschlechtert: Die Region hat nicht mehr die höchste Exportquote in Deutschland, die Innovationskraft des Mittelstands hat nachgelassen, die Anzahl von Unternehmensgründungen ist nicht zufriedenstellend und unsere Infrastruktur, etwa im Straßenbau und beim schnellen Internet, muss verbessert werden. Haben wir in der Region die richtige Mentalität, um international auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben? Rogg Ich denke, es gibt bei uns nach wie vormehr Leistungsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für Innovationen und gleichzeitig mehr Bürgersinn als anderswo. Nach einer langen Phase, in der wir uns an den Wohlstand in der Region gewöhnt haben, macht sich aber auch eine gewisse Sattheit breit, die dafür sorgt, dass die unangenehmeren Seitendes Erfolgs, wie etwa der Landschaftsverbrauch, nicht mehr klaglos hingenommen werden. SelbstsohochwertigeAnsiedlungen wie das weltweite Forschungszentrum von Bosch in Renningen oder von Thales in Ditzingen waren anfangs umstritten. Wasmüsste sich ändern? Rogg Viele Firmen haben große Probleme, geeignete Flächen in der Region zu finden. Auch fehlt es an vielen Gewerbestandorten an einem ausreichend schnellen Internet, vor allem im Hinblick auf die Produktionsstrukturen der Zukunft, die mit dem Begriff Industrie 4.0 verbunden werden. Der Dauerstau auf den Straßen istein gravierender und sehr kostenintensiver Standortnachteil für unsere Firmen. Setzt die Politik die richtigen Prioritäten? Rogg Werinder Kommunalpolitik Verantwortung trägt, muss Interessen abwägen. Die Konkurrenz von Freiflächen, Wohnbau und Gewerbebau wird es in einem dicht besiedelten und erfolgreichen Wirtschaftsraum immer geben. Wir benötigen zum Beispiel mehr Flächen für produktionsunterstützende Logistik, wenn wir unsere Zukunft als Industriestandort nicht aufs Spiel setzen wollen. Dafür gibt es heute bei kommunalen Entscheidungsträgern mehr Verständnis als noch vor einigen Jahren, aber wir müssen weiter Überzeugungsarbeit leisten. Sind Rücksichten auf politische Widerstände und entsprechend langwierige Entscheidungsprozesse der Preis, den wir für einen demokratischen Rechtsstaat zahlen müssen? Rogg In demokratischen Gremien muss man überzeugen und ummehrheiten werben. Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg werden heute weniger akzeptiert als noch vor einigen Jahren. Im Hinblick auf den Ausbau der Bürgerbeteiligung wird es sicher nicht einfacher, eine Müllverbrennungsanlage oder ein Windkraftwerk durchzusetzen. Wichtig ist inerster Linie, dass amende die Qualität der Entscheidungen stimmt. MAGAZIN WIRTSCHAFT

10 MAGAZIN TITELTHEMA schieben: Laut einer Prognose der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers dürfte Deutschland im Jahr 2050 nur noch die zehntgrößte Volkswirtschaft sein -- derzeit steht unserland noch auf Platz fünf. Viele Unternehmer bemühen sich trotzdem um eine optimistische Perspektive: Es ist schwieriger geworden, sagt Immobilienunternehmer Metz. Trotzdem glaube ich, dass man Großprojekte und Planungen auch heute durchsetzen kann,wennman diesache richtiganpackt. Viele haben den tiefgreifenden Wandel noch nicht erkannt Dr.Volkmar Denner Bosch Mir ist um die Unternehmen in Baden-Württembergnicht bange. Hans-JörgVetter LBBW Zwei Beispiele hat er aus seiner Heimatstadt Esslingen parat: So musstedie Stadt das Verfahren für den Flächennutzungsplan 2030 wegen massiver Bürgerproteste auf Eis legen, um den Plan nochmals zu überarbeiten. Anstatt aus den Versäumnissen bei Stuttgart 21 zu lernen, wollte man die Leute vor vollendete Tatsachen stellen, so Metz. Neue Baugebiete wurden zum Teil ohne Rücksicht auf den Charakter der angrenzenden Wohngebiete und die Wertigkeit der betroffenen Flächen festgelegt. Nicht ganz zu Unrecht hätten sich die Bürger an die Hammerpolitik früherer Jahre erinnert gefühlt. Ganz anders dagegen die Erweiterung der Festo AGinEsslingen Berkheim: Obwohl die Verkehrsbelastung auchhierein Problem darstellt, war das Vorhaben in der Stadt zu keinem Zeitpunkt umstritten. Für Metz hat dies vor allem zwei Gründe: Zum einen habe die Firma ihr unglaubliches Ansehen als größter Arbeitgeber der Stadt in die Waagschale werfen können. Zum anderen habe Festo frühzeitig und fortlaufend über alle Einzelheiten der Planung informiert und von Tempo 80 auf der B10, aber keine Breitbandverbindung für IT-Unternehmer Heiko Schmidt sind das die falschen Prioritäten. vorneherein auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen miteinbezogen. So glatt laufe es natürlich nicht immer, räumt Metz ein. Widerstand wird auch bei größtmöglicher Transparenz und Rücksichtnahme zu überwinden sein. Aber für das Ausmaß ist die Vorgehensweise schon von Bedeutung. Die Unternehmen in der Region, so lässt sich zusammenfassen, registrieren den Zustand der Gesellschaft zwar mit einer gewissen Sorge, sehen aber keinen Anlass in Kulturpessimismus abzugleiten. So sieht Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, sogareine historische Chance für die Region Stuttgart und den StandortDeutschland, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Technologieführerschaft auszubauen. Diese bestehe in der vernetzten Produktion,der sogenannten Industrie 4.0 (vgl. MW-Titelthema Februar 2015). Wichtig für die vernetzte Fertigung über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg sind breite Cluster aus Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten, um Kompetenzen, Wissen und Ressourcen zusammen zu bringen, sagt Denner. Er fügt allerdings hinzu: Ich vermisse hier bislang die dringend erforderliche Geschwindigkeit, auch weil viele den tiefgreifenden Wandel und die damit verbundenen Chancen noch nicht erkannt haben. Insgesamt aber überwiegen trotz allem die Chancen, glaubt Hans-Jörg Vetter, Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg. Mirist um die UnternehmeninBaden-Württemberg nicht bange, sagt der Bankchef. Zwar mag es Fortschrittskritik auch in unserem Land geben.doch haben sich die innovativen, leistungsorientierten und veränderungsbereitenmenschen hiernochimmerdurchgesetzt,sovetter. Dies bleibt auch so. Walter Beck Redaktion Magazin Wirtschaft ihk.de Foto: TomBässler 10 MAGAZIN WIRTSCHAFT 04.15

11 TITELTHEMA MAGAZIN Sonderfall Breitbandnetz In weiten Teilen der Region funktioniert das schnelle Internet gut. Doch es gibt auch Lücken und die liegen ausgerechnet in den Industriegebieten! Hindernisse für die Wettbewerbsfä- sich freilich nicht nur in einer mitun- higkeit unserer Wirtschaft finden ter selbstzufriedenen Haltung der Gesell- schaft. Auch auf Seiten der Politik klafft nach Ansicht vieler Unternehmen eine Lücke zwischen dem, was man in Sonn- tagsreden für notwendig erklärt, und dem Willen, dies auch inder täglichen Praxis durchzusetzen. Ein Beispiel ist die Bereitstellung schnel- ler Internetverbindungen durch den Aus- bau der Breitbandnetze -- ein Zukunftsthe- ma, das sich eigentlich ohne viel Gegenließe. wind von Betroffenen vorantreiben Geht es nach den Verlautbarungen vieler Spitzenpolitiker bis hin zu Bundeskanzle- rin Angela Merkel, dann müssten Deutsch- land und Baden-Württemberg auf diesem Feld denn auch längst eine Vorreiterrolle haben. Spricht man jedoch mit Unterneh- gion Stuttgart, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Gewerbegebiete in Sichtweitee der mern und Wirtschaftsförderern inderre- Landesmesse und des Flughafens sind bei uns schlechter versorgt als der Schwarz- wald, befindet Markus Grupp, Wirtschafs- förderer des Landkreises Esslingen, trocken. Während über Datenautobahn in jedem Jugendzimmer Counterstrike in Bestqualität gespielt werden kann, führt ausgerechnet dorthin, wo sich die Unternehmen der Region auf Industrie 4.0, globalen Datentransfer und flexible Arbeitsformen vorbereiten wollen, ein digitaler Trampelpfad. Ganze 2 Megabit pro Sekunde betrage die Übertragungskapazität der Telekom- Standleitung im Industriegebiet Ditzingen-Heimerdingen (Kreis Ludwigsburg), berichtet Thomas Piller, Geschäftsführer der dort ansässigen Piller Entgrattechnik GmbH. Zum Vergleich: Eine leistungsfähige Breitbandverbindung bringt mehr als 50 Megabit pro Sekunde. Gewerbegebiete in Sichtweite der Landesmesse und des Flughafens sind bei uns schlechter versorgt als der Schwarzwald. Jahrelang kam das 100-Mitarbeiter-Unternehmen mit diesem Schneckentempo zurecht -- bis es vor etwa acht Jahren einfach nicht mehr ging. Piller stellte zunächst auf Internet via Satellit um, als dies wegen der starken Inanspruchnahme nicht mehr reichte, wurde gemeinsam mit Leidensgenossen im Gewerbegebiet eine funkbasierte,später die richtfunkbasierte Lösung eines Privatanbieters installiert. Mit 16 Megabit pro Sekunde können Pillers Leute derzeit arbeiten -- doch auch das werde wohl nicht mehr lange gut gehen, fürchtet der Firmenchef: Über Fernwartung klinken wir uns oft in Maschinen ein, erklärt Piller, dabei merken wir schon jetzt, dass die Verbindung öfter abreißt. Ähnliches wird aus anderen Ecken der Region berichtet. Im Kreis Göppingen sind es ebenfalls Industriestandorte, die von der Datenautobahn abgehängt sind, wie Heiko Schmidt, Geschäftsführer der Schmidt- und Fuchs GmbH im Göppinger Gewerbegebiet Stauferpark bestätigt. Ein Anschluss an das Breitbandnetzist dort, wie auch inheimerdingen, nicht in Sicht. Lieber erlässt man Tempo 80auf der B10 und sorgt sichimneuenarbeitsschutzgesetz um beheizbare Archive und Schnelles Internetbenötigt Thomas Piller mit seiner Piller EntgrattechnikGmbH dringend. Doch auf die notwendige Breitband-Anbindung wartet er bisher vergebens. Foto: TomBässler Tageslicht auf der Toilette, ärgert sich Schmidt. Ich habe nicht den Eindruck dass die Prioritäten stimmen. Bund und Land könnten durchaus mehr tun, glaubt auch Gisela Geiger, Breitband-Beauftragte der Stadt Ditzingen. Für die Netzbetreiber sei der notwendige Ausbau mit sehr großen Kosten verbunden, die sichnicht überall rechneten. Ohne gezielte Förderung tue sich inden weißen Flecken oft nichts, sagt Wirtschaftsförderer Grupp. Im Kreis Esslingen strebe man eine flächendeckende Breitbandversorgung in den kommenden fünf bis zehn Jahren an und will dabei den Gewerbegebieten Vorrang einräumen. Ob das Ziel früher oder später erreicht werde, hänge jetzt vor allem davon ab, wie stark sich der Bund engagiere. Baden-Württemberg immerhin hat die Fördermittel im vergangenen Jahr im Zuge der Breitbandinitiative 2 aufgestockt. MAGAZIN WIRTSCHAFT

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