Was heißt für uns reggio-inspiriert?

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1 Die Reggio-Pädagogik in der städtischen Kindertagesstätte Am Herzogtore Was heißt für uns reggio-inspiriert? Die Säulen unserer reggio-inspirierten Arbeit werden in unserem Haus von einem stabilen Fundament getragen. Das Team setzt sich mit dieser zeitnahen Erziehungsphilosophie seit Jahren intensiv auseinander. Mehrere Studientage mit Herrn Prof. Dr. Tassilo Knauf zu Schwerpunktthemen der Reggio-Pädagogik haben unser pädagogisches Profil untermauert. Gern haben wir uns von Herrn Prof. Dr. Knauf evaluieren lassen und entsprechend auf seine Rückmeldungen reagiert. Die Teilnahme an Fachtagungen des Vereins Dialog Reggio, sowie die Zusammenarbeit in der Regionalgruppe Süd-Ost Niedersachsen geben uns gute Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Der Einsatz von Fachliteratur, Fachzeitschriften und DVDs bereichern unsere Dienstbesprechungen und setzen neben Fortbildungen neue Impulse für unsere pädagogische Weiterentwicklung. Das Besondere der Reggio-Pädagogik ist für uns, dass wir jedes Kind mit all` seinen Ausdrucksmöglichkeiten wahrnehmen und begleiten können. Die Reggio- Pädagogik bietet beste Voraussetzungen zur Umsetzung des niedersächsischen Orientierungsplanes, der für uns maßgeblich ist. Reggio ist ein Ansatz, der aufbauend auf die Fähigkeiten der Kinder alle Dinge zu erforschen, zu erproben und zu verändern, sie ernst nimmt und dabei zu faszinierenden Ergebnissen führt. Unsere pädagogische Haltung ist von einem demokratischen und humanistischen Menschenbild geprägt. Wir sind Begleiter und Dialogpartner der Kinder Kooperations-statt Anleitungspädagogik tritt bei uns in den Vordergrund. 1

2 Das Kind Unser Bild vom Kind ist geprägt von der Überzeugung, dass das Kind über ein großes Maß an Kompetenzen verfügt und interessiert ist, diese zu erweitern. Von Geburt an hat das Kind ein Interesse daran, sich mit der sozialen Umwelt auszutauschen und sich ein eigenes Bild der Welt zu machen. Kinder setzen sich aktiv mit sich und ihrer Umwelt auseinander, sie sind aktive Erforscher ihrer eigenen Lebenswelt. Kinder sind Konstrukteure ihrer Entwicklung und ihres Wissens. Sie lernen mit allen Sinnen und im Dialog mit Kindern und den Erwachsenen. In unserem Haus hat jedes Kind die Möglichkeit sich aktiv selbst zu bilden. Unser Blick auf das Kind ist immer Stärkenorientiert, um jedem einzelnen so die bestmöglichen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden berücksichtigt und entsprechend gefördert. Kinder als Ko-Konstrukteure Kinder brauchen Kinder / sie lernen von- und miteinander. Sie lernen in thematischen Zusammenhängen und sozialen Bezügen. Neben dem großen Bereich der Selbstbildung, erwerben Kinder einen weiteren Teil ihres Wissens in der Gemeinschaft mit anderen Kindern. Hier ist es wichtig, ihnen eine Alterstrennung aber auch die Altersmischung in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In unserem Haus haben die Kinder die Möglichkeit sich unter anderem in unterschiedlichen Interessengruppen zusammenzufinden. Dieses kann Gruppenintern aber auch Gruppenübergreifend stattfinden. Altersgetrennte Angebote werden in den Gruppen regelmäßig angeboten. Die Basis der Arbeit ist immer die feste Gruppenzugehörigkeit um den Kindern ein hohes Maß an Bindung und Beziehung zu bieten. Wir stehen den Kindern als Dialogpartner zur Seite und geben ihnen Zeit, Raum, Material und neue Impulse. 2

3 Das Kind hat 100 Sprachen Wir sprechen von dem kompetenten Kind, dem Kind als Forscher, dem Kind als Konstrukteur und dem Kind mit hundert Sprachen. Kinder lernen durch alltägliche Erfahrungen, durch Erkundungen, Experimente und vor allem dadurch, dass sie Entdeckungen, Erlebnisse, Empfindungen und Deutungen z.b. im Rollenspiel oder in der Musik/ im Tanz zum Ausdruck bringen. Unsere Räume und Materialien sind auf dieser Grundlage ausgerichtet. So bieten wir den Kindern unterschiedlichste Funktionsbereiche in den Gruppenräumen. Hier ist es uns wichtig, dass die Kinder eine Vielfalt unterschiedlichster Materialien vorfinden, die sie zu Hause nicht erfahren. Weniger Spielsachen als Sachen zum Spielen. Grundlage für diesen Anspruch ist unsere hauseigene Remida (ungewöhnliches Material in Mengen) im Keller, die regelmäßig neu bestückt wird. Jeder Funktionsbereich für sich ist altersentsprechend eingerichtet und nach den Interessen der Kinder veränderbar. Die Kinder haben die Möglichkeit, neben dem Mini-Atelier in der Gruppe, das große Atelier im Hortbereich zu nutzen und sich mit vielem unterschiedlichem Kreativmaterial auszudrücken. Die Rechte der Kinder Wir nehmen die Kinder ernst und motivieren sie, eigene Entscheidungen zu treffen. Die Kinder lernen, dass sie durch ihr Mitspracherecht Entscheidungen beeinflussen können. Den Kita-Alltag gestalten die Kinder mit, sie treffen Absprachen, machen Vorschläge und orientieren sich an Mehrheitsentscheidungen. Im Fachbereich Kindergarten besprechen sich die Kinder während der Gruppenzeit, im Hort finden Absprachen im Hortie-Treff statt. Jedes Kind hat ein Recht so zu sein, wie es ist. Wir treten den Kindern wertschätzend und respektvoll gegenüber und fördern einen ebenso wertschätzenden respektvollen Umgang untereinander und gegenüber anderen. Partizipation heißt für uns auch, ein Nein des Kindes zu akzeptieren und entsprechend damit umzugehen. 3

4 Die Eltern / Erziehungspartnerschaft Die Erziehungspartnerschaft ist eine wichtige Grundlage unserer pädagogischen Arbeit. Wir verstehen die Eltern als Experten für ihr Kind,- wir sind Experten für die Entwicklung der Kinder und der Gruppe. Erziehungspartnerschaft beginnt bereits im Anmeldegepräch, hier stellen wir unsere pädagogische Arbeit und unsere räumlichen Gegebenheiten vor. Neue Eltern werden zu einem Info- Elternabend und einem Erstgespräch mit der zukünftigen Bezugserzieherin eingeladen (Kennenlernen der Konzeption, Einrichtung / räumliche Gegebenheiten, Tagesablauf, gegenseitiges Kennenlernen). Tür- und Angelgespräche, aber auch Beratungs- und Entwicklungsgespräche finden in regelmäßigen Abständen, oder bei Bedarf statt. Unsere Gesprächsinhalte basieren auf den Beobachtungen sowie dem EKP (Entwicklungs-und Kompetenz-Profil) und dem Portfolio des Kindes. Jeder Fachbereich hat für die Eltern Fachbereichsflyer, die Auskunft über die Arbeit geben. Elternabende bieten wir zu unterschiedlichsten Themen an, wie z.b Autonomie, Schulanfänger, Hortfreizeit, Kind und Verkehr usw.. Eltern-Kind-Nachmittage finden drei Mal im Jahr statt und dienen dem gegenseitigem Kennenlernen und dem Austausch der Eltern untereinander. EKN können an verschiedenen Orten stattfinden z.b im Wald, in der Turnhalle oder in der Gruppe. Neben Festen und Gruppenaktivitäten haben die Eltern die Gelegenheit sich im Förderverein und im Elternrat zu engagieren. Interessierte Eltern bringen sich in die alltägliche Arbeit ein, indem sie zum Beispiel mit einem Musikinstrument eine Gruppe beim Singen begleiten oder für einen Nachmittag im Werkraum mit Kindern tätig sind. Eine Theater AG der Elternschaft erfreut jedes Jahr Kinder und Erzieherinnen mit der Aufführung eines Theaterstückes. 4

5 Pädagogisches Fachpersonal Eine wesentliche Aufgabe besteht für das Fachpersonal darin, verlässliche Beziehungen (Bindungen) zu den Kindern aufzubauen um ihnen Wärme, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln. Wir sind dafür verantwortlich eine angenehme und anregungsreiche Atmosphäre für die Kinder, Eltern und Besucher zu schaffen. Beginnend mit dem respektvollen Umgang miteinander, über die Gestaltung der Räume, bis hin zur Dokumentation unserer Arbeit. Wir als Begleiter motivieren die Kinder, ihre Fragen und Hypothesen zu bilden und sind ihnen beim Finden der Antworten behilflich, jedoch ohne ihnen die Antworten vorweg zu nehmen. Wir erziehen unsere Kinder nicht, wir assistieren ihnen bei ihrer Auseinandersetzung mit der Welt (Aussage: Reggio) Diese Aussage aus Reggio entspricht unserer pädagogischen Haltung. Wir nehmen das Kind ernst und vertrauen auf seine Fähig- und Fertigkeiten. Wir sind: Begleiterin der Kinder Beobachterin Zuhörerin Forscherin Dokumentarin /kommunizieren, reflektieren und interpretieren, Impulse geben Moderatorin Wir geben den Kindern Zuneigung, Vertrauen, Wohlbefinden, Raum und Zeit. Wir ermöglichen ihnen unterschiedliche Herausforderungen und lassen die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder zu. 5

6 Die Räume Der Raum als dritter Erzieher Ordnung, Struktur und Sauberkeit kennzeichnen unsere Räume und sind uns ein wichtiges Merkmal. Der Eingangsbereich ist die Visitenkarte der Einrichtung, empfängt das Kind, die Eltern, den BesucherA und macht Lust darauf, die Einrichtung mit ihren vielen unterschiedlichen Räumen und Dokumentationen zu erforschen. Die vorbereitete Umgebung in den Gruppen soll den Kindern Geborgenheit/ Rückzugsmöglichkeiten und zugleich Herausforderung bieten. Kuschelecken, die Geborgenheit vermitteln und Höhlen, die Rückzugsmöglichkeiten bieten, finden die Kinder in unseren Räumen. Unsere Räume sind in klar erkennbare Funktionsbereiche mit Bildungsschwerpunkten gegliedert, die selbstständiges Arbeiten und Lernen ermöglichen. Die Materialien in den Funktionsbereichen haben einen hohen Aufforderungscharakter zum selbsttätigen Spiel, die Kinder werden dadurch in ihrer kindlichen Neugier angeregt. Vielfältige ästhetische Anregungen ermöglichen Lernen mit allen Sinnen und lernen in Sinnzusammenhängen. Jedes Kind findet sich in unseren Räumen via Bild, Portfolio oder in Form einer Präsentation seiner Arbeit wieder. Die Arbeiten der Kinder werden in der Gruppe und im Eingangsbereich ausgestellt und dokumentiert, so können wir die Aktionen der Kinder und ihre Entwicklung widerspiegeln. Transparente Raumregeln sind ein wichtiges Merkmal in unserem Haus. Die Kinder erkennen z.b. an den Schildern vor dem Funktionsbereich, ob noch ein Platz für ihr Bild frei ist und sie sich somit dort aufhalten können. Unsere Remida ist ein Laden voller Materialien, die nicht alltäglich sind, es gibt Sachen zum Spielen, Konstruieren, Forschen, Experimentieren, GestaltenA. Die Kinder nutzen die Materialien für ihre Auseinandersetzung mit der Welt. Fantasie und Imagination sind der Rohstoff für einen Erfindergeist, den wir durch unsere Remida herausfordern wollen. Gefüllt wird die Remida durch Kontakte zu Wolfenbütteler Handwerksbetrieben, aber auch Sponsoren wie zum Beispiel das VW- Werk in Wolfsburg bereichern das Angebot. 6

7 Projektarbeit Lernen in Projekten ist ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Unsere Projektarbeit basiert auf Entdeckungen, Erlebnissen, Fragen, Interessen und Bedürfnissen der Kinder sowie Beobachtungen und Impulsen der Erzieherinnen. Gespräche und Impulse der Kinder untereinander bzw. mit Erwachsenen lassen die Projekte wachsen. Wir sind Begleiter, die im Dialog mit den Kindern agieren. Unsere Hauptaufgabe ist das Beobachten und Dokumentieren der Projekte. Wir geben den Kindern Zeit, Raum und Material so dass sie ihrem Forschergeist nachgehen können und nach Erklärungen und Problemlösungen suchen können. Mit den Kindern erleben wir gemeinsam Freude am Entdecken, am Erforschen, am Hypothesen bilden und beim Finden der Antworten. Projekte können von einen Tag bis zu einem Jahr dauern. Sobald das Interesse der Kinder nicht mehr spürbar ist, ist das Projekt beendet. Beobachtung und Dokumentation Doku statt Deko Zuhören, Beobachten und Dokumentieren sind die zentralen Elemente unserer Bildungsarbeit und -dokumentation. Dabei ist unser Augenmerk auf die stärkenorientierte Beobachtung gerichtet. Neben der Kurzzeitbeobachtung, setzen wir das EKP (Entwicklungs- und Kompetenzprofil) sowie das Portfolio ein, um eine individuelle Förderung auf das einzelne Kind zuschneiden zu können. Die Dokumentation dient als kollektives Gedächtnis und ist eine Möglichkeit der Selbstevaluation. Wir dokumentieren die Interessen und Projektverläufe der Kinder in Form von Sprechenden Wänden, Projektordnern, Fotos und Ausstellungen. Die Elemente der Dokumentation sind Kinderarbeiten und dazugehörige Fotos (Kinder im Prozess), Kinderaussagen, Daten und Kurzkommentare. Über unsere Beobachtung und Dokumentation können wir ein differenziertes Bild zum Entwicklungsstand des Kindes machen und nutzen dies im Austausch mit den Eltern und für Teambesprechungen. 7

8 Gemeinwesenorientierung / Öffentlichkeitsarbeit Unsere Kindertagesstätte ist ein Bestandteil des öffentlichen Lebens in Wolfenbüttel. Durch Ausflüge und Exkursionen sind die Kinder in Wolfenbüttel unterwegs und entdecken die nähere Umgebung der Kindertagesstätte. Da wir Erziehung und Bildung als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen, beziehen wir neben den Eltern auch Fach-Institutionen zum Wohle der Kinder mit ein. Wir arbeiten mit dem Jugendamt, der Erziehungsberatungsstelle, dem Gesundheitsamt, dem Arbeitskreis Gesunde Zähne, Kinderärzten, Psychologen, Logopäden, der Frühförderung, den Grundschulen, dem Kinder- und Familienservicebüro etc. zusammen. Schlüsselkompetenzen der Eltern aus den verschiedensten Bereichen wie z.b Musik, Theater, Handwerk und Naturwissenschaften bereichern die Projektarbeit in vielerlei Hinsicht. Wir nehmen in unserer Kindertagesstätte den Ausbildungsauftrag wahr. In diesem Zusammenhang hat das Team einen Leitfaden für Auszubildende erarbeitet. Auszubildende in unserem Haus werden von der Praxisanleitung fachlich und sachkompetent begleitet. Die Stadt Wolfenbüttel bietet eine historische Fachwerk-Altstadt mit Rathaus, Schloss, Lessinghaus und Herzog-August-Bibliothek. Exkursionen in die Stadt z.b. in das Schloss oder in die Bibliothek erleben wir als Nährboden für Projekte. Stadtteilbezogen bedeutet für uns auch, unsere Nachbarn zu unseren Festen und anderen Aktivitäten einzuladen. Über Presseberichte tragen wir aktuelle Informationen und Ereignisse der Kita nach außen - z.b. Einladung zum Tag der Offenen Tür, oder der Teilnahme am Bundesweiten Vorlesetag, der von bekannten Wolfenbüttelern z.b. dem Bürgermeister, oder dem Direktor der Bibliothek wahrgenommen werden. Wir sind involviert im Hochbegabten-Verbund Wolfenbüttel und arbeiten mit der Fachhochschule Ostfalia Wolfenbüttel zusammen. 8

9 Konzeptionelle Weiterentwicklung Reggio ist die Pädagogik des Werdens. Wir lassen uns auf einen offenen Prozess ein, indem wir Veränderungen rund um die Pädagogik und im gesellschaftlichen Zusammenleben beobachten. Die regelmäßige Überarbeitung unserer Konzeption basiert auf gesellschaftlichen Veränderungen und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. In Dienstbesprechungen oder an Studientagen überarbeiten wir regelmäßig unsere Konzeption, um unsere pädagogische Professionalität entsprechend weiterentwickeln können. Für uns bedeutet es, dass wir uns stetig weiterentwickeln und uns als lernende Organisation sehen. Wolfenbüttel, im Dezember

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