Ziel- und Leitarten-Sammlung

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1 Ziel- und Leitarten-Sammlung Inhalt Säugetiere Seite 2 Brutvögel Seite 6 Reptilien Seite 47 Amphibien Seite 53 Fische Seite 63 Libellen Seite 70 Heuschrecken Seite 93 Tagfalter Seite 122 Nachtfalter Seite 193 Käfer Seite 194 Wildbienen Seite 196 Grabwespen Seite 197 Stand André Rey Landschaftsarchitekt und Tierökologe Langstrasse Zürich 1

2 Säugetiere Biber Castor fiber Rote Liste CH: 1 Vom Aussterben bedroht Foto: G. Klaut Der Biber wurde in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet und wurde seit 1956 wieder eingebürgert. Die heutige des Bibers beschränkt sich hauptsächlich auf die grossen Flüsse des Mittellandes, sowie der Rhone. Am steilen Ufern gräbt der Biber Erdbaue, welche den Eingang unter der Wasseroberfläche haben. An Flachufern werden Burgen aus Prügeln und Ästen, welche zusätzlich mit Pflanzenmaterial und Erde abgedichtet ist gebaut. Der Bau von Dämmen zur Regulierung des Wasserstandes ist in der Schweiz nicht zu beobachten. Gelegentlich werden aber vom Ufer aus kleine Gräben angelegt, um Futterpflanzen in Deckung erreichen zu können. Biber sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Rinde, Ästen und Blättern verschiedener Baumarten, aber auch von Krautpflanzen. Es werden hauptsächlich kleine Stämmchen mit 8 20 cm Durchmesser benagt und gefällt. Aber auch grosse Bäume können dem Biber zum Opfer fallen. Bieber leben monogam im Familienverbund mit den Jungen im 1. und 2. Jahr. Die Jungen werden im Bau zur Welt gebracht. Der Biber bewohnt naturnahe Gewässer welche mit Auenwald oder Dickkicht gesäumt sind. Die Gewässer müssen einen gewissen Mindestwasserstand aufweisen und dürfen nicht bis zum Boden zufrieren. Weiter muss der Untergrund grabbar sein. Natürliche Gewässer mit naturnahen, gehölzreichen Ufern erhalten und fördern. 2

3 Säugetiere Feldhase Lepus europaeus Rote Liste CH: 3 gefährdet Foto: G. Klaut Der Feldhase besiedelt alle Teile der Schweiz. Schwerpunkt ist das Mittalland und die klimatisch begünstigten Tallagen der Alpen und des Jura. Die Art steigt bis in Höhen von 1500 m.ü.m. Der Feldhase ist vorwiegend dämmerungs- und Nachtaktiv. Seine Nahrung besteht aus verschiedenen Pflanzenteilen, welche nach einmaligen Durchlaufen des Verdauungstraktes als Kot erneut gefressen wird. Die Weibchen des Feldhasen sind sehr produktiv und können 3-5 mal pro Jahr Junge werfen (total ca. 10/Jahr). Die Art ist nicht territorial. Der Feldhase bewohnt offene Acker- und Wiesenbaugebiete welche mit Hecken, kleinen Wäldchen und Brachland durchzogen sind. Förderung von strukturreichen Acker- und Wiesenbaugebieten. Anlage von Buntbrachen, Hecken und extensiv genutzten Wiesen. 3

4 Säugetiere Grosser Abendsegler Nyctalus noctula Rote Liste CH: 3 gefährdet Foto: G. Klaut Der Grosse Abendsegler besiedelt alle Teile der Schweiz. Schwerpunkt ist das Mittalland und die Tallagen der Alpen und des Jura. Die Art lebt meist unterhalb von 600 m.ü.m. Die Kolonien des Grossen Abendseglers bestehen aus einem Männchen, welches territoriales Verhalten zeigt und mehreren Weibchen. Nicht territoriale Männchen bilden reine Männchenkolonien. Nach der Paarung im Herbst werden die Jungen im Juni und Juli geboren. Die Schlafplätze werden relativ früh in der Dämmerung verlassen. Die Nahrung besteht aus Fluginsekten wie Mücken und Köcherfliegen bis zur Grösse von Mai- und Junikäfern. Als Sommerquartiere dienen der Art Baumhöhlen von Laubbäumen an Waldrändern, im lichten Wald und in Park- und Obstanlagen. Zusätzlich werden meist im Frühling temporär auch Spaltquartiere an Gebäuden und Brücken belegt. Die Winterquartiere der Art bestehen ebenfalls aus Baumhöhlen und Spalten an Gebäuden. Die bevorzugten Jagdbiotope sind die Lufträume über grossen Wasserflächen. Schutz der Sommer- und Winterquartiere. Spalten an Gebäuden und Brücken schaffen und offen halten. Altholzbestände, stehendes Totholz und Höhlenbäume erhalten und fördern. Fördern von strukturreichen Obstgärten und Waldrändern, sowie lichten Wäldern in der Nähe von grösseren Wasserflächen (in max. 5 km Distanz). 4

5 Säugetiere Grosses Mausohr Myotis myotis Rote Liste CH: 2 Stark gefährdet Foto: G. Klaut Das Grosse Mausohr besiedelt in der Schweiz das Mittalland und die Tallagen der Alpen und des Jura. Die Art lebt meist unterhalb von 600 m.ü.m. Nach der Rückkehr aus den Winterquartieren bilden die Mausohrweibchen von Mai bis August Wochenstubenkolonien, welche bis mehrere hundert Tiere umfassen können. Diese Quartiere werden über Generationen hinweg immer wieder aufgesucht. Die Jungen werden im Juni geboren und sind nach etwa einem Monat ausgewachsen. Die Männchen leben in dieser zeit solitär. Die Paarung findet im August statt. Die Art zählt zu den eher sesshaften Arten, obwohl auch Distanzen von 200 Km zwischen Sommer- und Winterquartier zurückgelegt werden können. Die Winterquartiere der Art sind Höhlen, Stollen und Felspalten. Die Tiere machen hier ihren Winterschlaf. Die Schlafplätze werden erst bei völliger Dunkelheit verlassen. Dann beginnt die Jagd nach Laufkäfern, Schnaken und Heuschrecken. Die Wochenstubenquartiere befinden sich meistens in Estrichen von Gebäuden. Oft handelt es sich um Kirchen oder andere grosse Gebäude, seltener um Scheunen oder Brücken. Bauliche Veränderungen können die Wochenstubenquartiere der Tiere gefährden. Die Jagdgebiete der Art sind galerieartige Wälder mit geringer Strauchschicht und strukturreiches Kulturland mit vielen Grossinsekten. Schutz der Sommer- und Winterquartiere. Öffnungen in der Dachregion grösserer Gebäude erhalten und neuschaffen. Fördern von strukturreichen, litchen Wäldern, Magerwiesen, Hecken und Feldgehölzen. 5

6 Vögel Baumfalke Falco subbuteo Rote Liste CH: NT Potenziell gefährdet Foto: Markus Jenny Der Baumfalke brütet in der Schweiz in Tallagen unterhalb 800 m Höhe. Er bevorzugt Landschaften, in denen sich Kulturland und Wald mosaikartig verzahnen und wo gleichzeitig offene Jagdgebiete entlang von Flüssen oder Gewässern vorhanden sind. Das Winterhalbjahr verbringt der Baumfalke im tropischen Afrika. Als Nistplatz bezieht der Baumfalke ausschliesslich bestehende, alte Horste von Greif- oder Krähenvögeln. Praktisch immer befinden sich diese in der Nähe von Waldrändern bzw. an Saumschlägen im Waldesinnern, seltener auch in Einzelbäumen in Parks und alten Villenquartieren. Als Flugjäger erbeutet er über offenem Gelände in der Luft v.a. Libellen, Käfer und Vögel (Schwalben, Lerchen, Stare, u.a.) Für den Baumfalken notwendige Voraussetzung sind das Nebeneinander von Horstbäumen in Wäldern oder Parks sowie ergiebige Jagdgebiete an Waldrändern, Flussläufen oder Seeufern. Er meindet geschlossene Wälder. Aufgrund der Territorialität am Brutplatz liegen die Nester zweier verschiedener Paare wenigstens 3 4 km auseinander. Struktur- und gehölzreiche Kulturlandschaft erhalten und fördern. Erhaltung von bestehenden Horstbäumen, Förderung alter Bäume an Waldrändern und in Hecken. Naturnahe, ungestörte Gewässerufer erhalten und fördern. 6

7 Vögel Baumpieper Anthus trivialis Foto: G.Klaut Der Baumpieper brütete einst in der Schweiz von Tallagen bis in die alpine Stufe. Heute hat die Art das Mittelland weitgehend geräumt. Das Winterhalbjahr verbringt der Baumpieper im tropischen Afrika. Der Baumpieper brütet am Boden in lückiger und niedriger Krautvegetation. Die Art bewohnt offene oder halboffene Landschaften mit ausreichend Singwarten und insektenreichen Wiesen und Weiden. Typisch sind strukturreiche Mager- und Riedwiesen, aber auch Rebberge, Obstgärten und Waldlichtungen. Strukturreiche halboffene Kulturlandschaft mit extensiv genutzten Wiesen und Riedern erhalten und fördern. Die Art konnte sich in der Schweiz nur dort halten, wo noch grossflächig extensiv genutzte Gebiete vorhanden sind. Im Mittelland ist die Art trotz Erhaltung der Riedgebiete verschwunden. 7

8 Vögel Bekassine Gallinago gallinago Rote Liste CH: CR Vom aussterben bedroht Foto: G. Klaut Die Bekassine brütete früher im gesamten Mittelland. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Art drastisch zurück. Heute werden nur noch vom Pfäffikersee regelmässige Bruten der Bekassine gemeldet. Gelegentliche Bruten wurden im Neeracher Ried, am Bodensee, im Rotenthurmer Moor und am Neuenburgersee beobachtet. Zur Nahrungssuche hält sich die Art bevorzugt in seicht überschwemmten Seggenbeständen, Schlenken, Gräben oder Tümpeln auf. Die Vegetation am Brutplatz muss lückig sein und doch genügend Deckung für das Gelege bieten. Die Bekassine brütet in grossen (mind 10 ha) gehölz- und nährstoffarmen Feuchtgebieten mit überschwemmten Riedflächen, Schlenken oder ähnlichem. Erhaltung bestehender Riedgebiete, Ausscheiden von Pufferzonen und wiedervernässen von Feuchtwiesen. Entfernen wertikaler Strukturen wie Baureihen und Hecken, Einzelbäumen und Büschen. Vermeidung von Störungen durch Erholungssuchende. 8

9 Vögel Bergstelze Motacilla cinerea Foto: G.Klaut Die Bergstelze brütet in der ganzen Schweiz und steigt bis in die subalpine Stufe. Ein Teil der Vögel überwintert im Brutgebiet. Die Bergstelze baut ihre Nester an Waldbächen in Fels, Erd- oder Mauerlöcher oder zwischen unterspültem Wurzelwerk. Sie ernährt sich von Insekten, deren Larven und kleinen Krebstieren, welchen sie meist von Kiesbänken aus nachstellt. Die Art lebt an naturnahen, schnellfliessenden Waldbächen und flüssen der Forellenregion. Sie ist auf unverbaute Ufer mit Kies- und Sandbänken angewiesen. Naturnahe Fliessgewässer erhalten und fördern. Insbesondere Waldbäche mit unverbauten Uferstellen und Kiesbänken erhalten oder wiederherstellen. 9

10 Vögel Distelfink Carduelis carduelis Foto: Peter Bolliger Der Distelfink kommt in der ganzen Schweiz vor und steigt im Jura bis 1000 m, in den Alpen bis ca m (lokal bis 1900 m). slücken bestehen vor allem in den Zentralalpen und in den Südtälern. Der Distelfink hält sich gerne in der Nähe von Siedlungen auf. Er zeigt eine starke Bindung an Wildkrautfluren und Ruderalvegetation, wo er die nötigen Sämereien findet. Er baut sein Nest in Astgabeln in der Krone von mittelhohen Laubbäumen Der Distelfink nistet an Waldrändern, in Hochstamm- Obstgärten und in Siedlungen. Auf der Suche nach Sämereien, seiner Hauptnahrung, streift er selbst zur Brutzeit weit umher. Sämereien verzehrende Distelfinken beobachtet man in blütenreichen Wiesen, auf Brach- und Ruderalflächen, in Gärten oder entlang von Wegen mit Krautsäumen. Samenangebot vermehren durch Belassen von Krautsäumen und -fluren sowie abgeblühter Pflanzen in Gärten und Parkanlagen, Förderung blütenreicher Wiesen und Gärten. 10

11 Vögel Dorngrasmücke Sylvia communis Foto: G.Klaut Die Dorngrasmücke kommt in der ganzen Schweiz in den tiefen Lagen vor. Die höchtgelegenen Bruznachweise liegen bei ca m. Heute ist das ganze Areal nur noch lückenhaft besiedelt. Die Dorngrasmücke ist ein Insektenfresser (Spinnen, Heuschrecken, Tagfalter) und überwintert südlich der Sahara (Langstreckenzieher). Das Nest wird in niederem Dornengestrüpp angelegt. Die Dorngrasmücke ist eine typische Art ungenutzter Randzonen der offenen Kulturlandschaft. Sie zeigt eine starke Bindung an dornenreiche Niederhecken welche von mehrjährigen Krautfluren und Altgrasbeständen umgeben sind. Die Art ist auf ein reiches Insektenangebot angewiesen. Magerwiesen mit niederen Dornenhecken und ausgedehnten Krautfluren erhalten (pflegen!) und fördern. Stürungen durch Menschen möglichst gering halten. 11

12 Vögel Eisvogel Alcedo atthis Rote Liste CH: VU verletzlich Foto: G.Klaut Der Eisvogel brütet in der Schweiz vorwiegend im Mittelland und im Jura bis in Höhen von 600 m.ü.m.. Er besiedelt den Noralpenfuss und das Tessin nur an wenigen Stellen und dringt nur im Mittelwallis ins Alpeninnere vor. Er überwintert in der Schweiz. Die Art jagt von Sitzwarten aus nach Fischen wie Elritzen und jungen Bachforellen, Insektenlarven und Kleinkrebsen. Für die Brut und die Aufzucht der jungen baut der Eisvogel eine horizontale Bruthöhle in eine oft senkrechte Bodenanrissstelle (Prallhang). Der Eisvogel jagt an Ufern von Flüssen, Bächen, Seen und Teichen, wo dichte Uferbestockung vorhanden ist. Für seine Nisthöhlen ist die Art eng an Prallhänge (Erosionsufer an Fliesgewässern) gebunden. Von über das Wasser ragenden Sitzwarten aus, hält er Ausschau nach Beutetieren. Dabei ist er auf störungsfreie, unverbaute Fliessgewässer angewiesen. Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung von natürlichen und ungestörten Fliessgewässerabschnitten mit guter Wasserqualität, Prallhängen (oder vertikale Erdanrisse) und übers Wasser ragende Sitzwarten. 12

13 Vögel Feldlerche Alauda arvensis Foto: G.Klaut Die Feldlerche besiedelt die ganze Schweiz. Die Hauptverbreitung liegt im Mittelland zwischen 400 und 700 m. Sie kommt t.w. aber auch auf Alpweiden über der Waldgrenze vor. Die Feldlerche ist ein Standvogel. Sie ernährt sich von Insekten und Sämereien. Das Nest wird am Boden in Grasbulten angelegt. Die Feldlerche ist eine typische Art der strukturreichen, offenen Ackerlandschaft. Sie bewohnt aber auch Wiesen und Heiden. Anlage von Buntbrachen, Niederhecken und extensiv genutzten Wiesen in Ackerbaugebieten. 13

14 Vögel Feldschwirl Locustella naevia Rote Liste CH: VU verletzlich Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz Der Feldschwirl tritt in der Schweiz nur in Lagen unterhalb 1000 m Höhe auf. Praktisch sämtliche Vorkommen liegen im Mittelland. Als Insektenfresser lebt der Felschwirl von kleinen bis mittelgrossen Gliedertieren. Sein heuschreckenartiges Schwirren ist schwierig zu orten und tarnt ihn akustisch im offenen Bruthabitat. Sein Napfnest baut er zwischen Horsten und Bulten in kniehohe, dichte Vegetation. Das Winterhalbjahr verbringt er in Afrika südlich der Sahara. Brutreviere bezieht der Feldschwirl in offenen bis halboffenen, stark verkrauteten Flächen in denen schmalblättrige Pflanzen reichlich Bewegungsfreiheit erlauben. Einzelne Büsche und Stauden sind nötig als Singwarten. Die meisten Brutplätze in der Schweiz liegen in Feuchtgebieten (Hochstaudenfluren, Pfeifengraswiesen, Seggenrieder), seltener auch in Windwurfflächen, verbuschenden Halbtrockenrasen oder an Flussufern. Erhaltung von Riedwiesen, Hochstaudenfluren und Windwurfflächen. 14

15 Vögel Feldsperling Passer montanus Foto: Markus Jenny In der Schweiz lebt der Feldsperling in niederen Lagen bis etwa 1000 m. ü.m. Er ist lückenlos verbreitet über das ganze Mittelland, in den Talniederungen der Alpen und auch im Tessin. Mit seinem kräftigen Kegelschnabel verzehrt der Feldsperling hauptsächlich Sämereien einer Vielzahl von Pflanzen. Die Nestlinge werden dagegen mit kleinen Insekten und deren Larven gefüttert. Sein umfangreiches Strohnest baut er meistens in Baumhöhlen und Nistkästen mit einem Flugloch von mindestens 32 mm; der Bau eines Kugelnests in dichtem Gebüsch ist selten. Ausserhalb der Brutzeit schliessen sich Feldsperlinge zusammen zu Trupps von bis zu 30 Ex., die entsprechend dem Samenangebot herumstreifen. Der Feldsperling brütet im Kulturland im Bereich von Hecken, Einzelbäumen, Alleebäumen, Feldgehölzen, Obstbäumen oder Waldrändern. Am Siedlungsrand oder bei Bauernhöfen tritt er nur dort auf, wo Haussperlinge fehlen. Erhaltung von Höhlenbäumen. Krautsäume und Ruderalvegetation erhalten und neuschaffen. 15

16 Vögel Fichtenkreuzschnabel Loxia recurvirostra Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz sschwerpunkt des Fichtenkreuzschnabels sind die Nadelwälder in der supalpinen Stufe. Im Mittelland tritt er sporadisch und lokal auf. Vorkommen und Bestand des Fichtenkreuzschnabels an einem Ort wechseln typsicherweise von Jahr zu Jahr. Die Hauptnahrung des Fichtenkreuzschnabels sind Koniferensamen, vor allem der Fichte, Weisstanne und Föhre. In Abhängigkeit von Fichtenmastjahren tritt er invasionsartig auf und kann dabei während allen Jahreszeiten zur Brut schreiten. Sein Nest baut er auf den Ästen von grossen Koniferen, meistens in mehr als 10 m Höhe und gut versteckt. Als Nahrungsspezialist zeigt der Fichtenkreuzschnabel eine enge Bindung an Nadelwälder. Durch die Förderung der Fichte in den Wäldern des Schweizer Mittellandes tritt er örtlich auch im Tiefland auf. Zusätzlich wichtig für eine Ansiedelung ist offenbar der Zugang zu Wasser und Mineralstoffen, die er aufgrund der ölhaltigen Hauptnahrung in grösseren Mengen benötigt. Im Wald Föhren fördern, In Friedhöfen und Parkanlagen alte Koniferen erhalten. 16

17 Vögel Fitis Phylloscopus trochilus Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz Der Fitis kommt im Mittelland und Jura sowie in den Feuchtgebieten der Voralpen vor. Die höchstgelegenen Brutnachweise liegen auf 1500 m. Als Langstreckenzieher überwintert er in Afrika im Bereich der Feuchtsavanne und kehrt im April in seine Brutgebiete zurück. Der Fitis ist ein Insektenfresser, der von kleinen Spinnen und Insekten und deren Larven lebt. Seine Nahrung findet er im belaubten Geäst der Bäume, oft mit Hilfe von Flatterflügen. Sein überdecktes, kugeliges Nest baut er am Boden im Schutze von Grasbüscheln oder im dichten Bewuchs. Lichte, aufgelockerte Waldbestände oder Randzonen von Feuchtgebieten, welche durchsetzt sind mit Flächen von dichter Kraut- und Grasschicht, werden vom Fitis typischerweise besiedelt. Die überaus grösste Zahl der Brutstellen in der Schweiz liegt in Moorlandschaften, oft im Randbereich von Naturschutzgebieten bzw. Zonen, wo die Riedverbuschung mangels Pflege weit fortgeschritten ist. Gelegentlich besiedelt der Fitis auch verbuschte Kiesgrubenareale, verbrachendes Bauerwartungsland oder Jungwaldflächen. Lichte, aufgelockerte Waldbestände schaffen. Verbuschung bis zu einem gewissen Grad zulassen. Altgrasstreifen und Krautsäume aufkommen lassen. 17

18 Vögel Flussregenpfeifer Charadrius dubius Rote Liste CH: VU verletzlich Foto: G.Klaut Der Flussregenpfeifer besiedelt das Mittelland und die tiefen Flusstäler der ganzen Schweiz und steigt bis in Höhen von 1000 m.ü.m. Der Flussregenpfeifer ernährt sich von Insektenlarven und Würmern welche er im seichten Schlick erbeutet. Die Art brüten auf dem nackten Boden. Der Flussregenpfeifer besiedelt vegetationsarme Kiesund Sandbänke von Flüssen, brütet aber auch in Kiesgruben, Industriegebieten oder militärische Übungsplätzen. Ungestörte grossflächige Pionier- und Ruderalflächen erhalten und neuschaffen. 18

19 Vögel Gartengrasmücke Sylvia borin Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz Die Gartengrasmücke kommt in der ganzen Schweiz von den Niederungen bis in die Alpen auf 2200 m Höhe vor. Kleine, weichhäutige Insekten bilden zur Brutzeit die Hauptnahrung der Gartengrasmücke. Im Spätsommer werden grosse Mengen an Beeren und Früchten gefressen. Die Gartengrasmücke ist ein behender «Schlüpfer», der auf Nahrungssuche gut gedeckt durch die Zweige im dichtem Gebüsch hüpft. Die Gartengrasmücke ist Brutvogel in dichtem Gebüsch mit lokal gut ausgebildeten Staudenfluren (insbesondere Brennesseln). Solche Stellen findet man bei uns lokal entlang von Flüssen, am Waldrand, in Waldverjüngungen, Kiesgruben, Hecken u.ä. In den Alpen findet sie verbreitet günstige Brutbiotope im Bereich des Weiden- und Grünerlengürtels. Erhaltung und Förderung von dichten Gebüschgruppen mit Staudenfluren. 19

20 Vögel Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus Rote Liste CH: NT Potenziell gefährdet Foto: Grün Stadt Zürich, Peter Stünzi Der Gartenrotschwanz kommt in der ganzen Schweiz von den Tieflagen bis zur Baumgrenze vor. Er überwintert in Afrika im Sahelbereich. Seit den Sechzigerjahren hat die Art einen Bestandeseinbruch von ca. 60% erlitten. Der Gartenrotschwanz baut sein Nest in Baumhöhlen, alten Kopfweiden, Holzstössen, Mauerlöchern und Erdwänden, nimmt aber auch Nistkästen an. Er ernährt sich von Insekten, im Herbst auch von Beeren. In der Schweiz besiedelt der Gartenrotschwanz lichte Baumbestände an der oberen Waldgrenze sowie Hochstamm-Obstgärten, Parkanlagen, Rebberge, Waldränder und durchgrünte Gartenzonen in und am Rande von Siedlungen. Alte Bäume mit Höhlen, insbesondere Obstbäume, erhalten und fördern. Reiches Insekten- und Beerenangebot durch strukturreiche Gärten, Waldränder, Hecken und Magerwiesen schaffen. 20

21 Vögel Gelbspötter Hippolais icterina Rote Liste CH: VU verletzlich Foto: G. Klaut Der Gelbspötter war früher im Mittelland und in den tiefen Lagen der Alpen weit verbreitet. Heute brütet die Art nur noch zerstreut zwischen Neuenburgersee und Bodensee in Lagen unterhalb 600 m.ü.m. Der Gelbspötter brütet in lockeren Baumbeständen oder dichtem Buschwerk. Der Insektenfresser zieht im Winter ins tropische Afrika. Lockere unterholzreiche Wälder feuchter Standorte, insbesondere Auenwälder sowie feuchte und lichte Laubmischwälder, aber auch Park- und Gartenanlagen, Feldgehölze und sogar verwilderte Obstgärten. Diese nordöstliche Art welche bei uns an der südwestlichen sgrenze ist, besiedelt im Norden auch Nadelwälder. Erhaltung und Förderung von Auenwäldern, lichten und feuchten Laubwäldern, sowie buschbestandenen Feuchtgebieten. Bei der Pflege und Bewirtschaftung der Wälder soll eine lockere Baumschicht und eine dichte Strauchschicht gefördert werden. 21

22 Vögel Girlitz Serinus serinus Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz Der Girlitz ist in den Tallagen unterhalb 600 m ü.m. ein verbreiteter Brutvogel in der ganzen Schweiz. In höheren Lagen findet man ihn nur in sehr geringer Dichte. Dort beschränkt sich sein Vorkommen auf klimatisch günstige Lagen. Der Girlitz hat sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ausgebreitet. Ursprünglich zeigte der Girlitz ein mediterranes sgebiet. Er frisst kleine Sämereien, die er hauptsächlich am Boden zusammensucht. Sein Nest baut er gut versteckt in Koniferen oder Rankenpflanzen. Zur Brutzeit lebt er paarweise zusammen, ausserhalb der Brutzeit kann man gelegentlich Schwärme von bis zu 20 Girlitzen oft auch im Verbund mit anderen Finkenvögeln beobachten. Das Gros der Brutvögel verlässt die Schweiz im Oktober, um im Mittelmeergebiet zu überwintern. Mosaikartig gegliederte Landschaften mit lockerem Baumbestand. In der Schweiz fast ausschliesslich im Bereich von menschlichen Siedlungen, in höchster Dichte in alten, durchgrünten Villenquartieren. Vereinzelt ist er auch in Rebbergen, Pflanzschulen oder Jungwaldflächen zu finden. Krautsäume belassen, samentragende Pflanzen erst im Winter entfernen. 22

23 Vögel Goldammer Emberiza citrinella Foto: Markus Jenny Das sareal der Goldammer in der Schweiz deckt sich recht gut mit dem Vorkommen von Ackerbau. Jura und Mittelland sind geschlossen besiedelt, ebenso die Täler der Zentralalpen. Die Goldammer fehlt dagegen weitgehend in höheren Lagen der Nordalpen. Im Frühling und Sommer lebt die Goldammer von Insekten und deren Larven; nach Abblühen der ersten Kräuter im Mai/Juni werden Sämmereien immer wichtiger. In strengen Wintern wandert die Goldammer in den Mittelmeerraum ab, in schneefreien, milden Wintern bilden sich Trupps von mehreren dutzend Goldammern, die auf der Suche nach Sämereien weit umherstreifen und am Abend in einer Gehölzgruppe nächtigen. Im Frühling sind Goldammern streng territorial und verteidigen ihr Revier durch anhaltendes Singen. Die Goldammer besiedelt Hecken, Gehölzstreifen, Waldränder und verwilderte Gärten im bzw. am Rand des Kulturlandes. Vereinzelt trifft man sie auch in grossen Verjüngungsflächen im Waldesinnern an. Dichte Hecken und stufige Waldränder erhalten und fördern. Die Art lässt sich mit Buntbrachen gut fördern. 23

24 Vögel Grauspecht Picus canus Rote Liste CH: VU Verletzlich Foto: G.Klaut Der Grauspecht ist ein Jahresvogel und kommt in der Schweiz im Mittelland, im Jura und in den tiefen Lagen der Nordalpen, seltener auch in den Zentralalpen vor. Die Hauptverbreitung der Art liegt unterhalb 600 m.ü.m. Der Grauspecht ernährt sich von Insekten, insbesondere von Ameisen bzw. deren Puppen und Larven, die er am Boden aufspürt. Er jagt aber auch an Baumstämmen nach Insekenlarven. Er brütet in selbstgezimmerten Baumhöhlen. Der Grauspecht besiedelt reich gegliederte Landschaften mit einem hohen Grenzlinienanteil zwischen Laubwäldern und halboffener Kulturlandschaft. Er ist typisch für ausgedehnte Auen- und Eichenwälder, bewohnt aber auch strukturreiche Buchenwälder. Besonders günstig sind Wälder mit einem lichten Randbereich, Höhlenbäumen und einem hohen Totholzanteil. Wichtig für das Angebot an Bodenameisen sind zudem junge Waldstadien. Strukturreiche Landschaften mit lebhaftem Wechsel zwischen Wald und Offenland fördern. Lichte, strukturreiche Wälder und Waldränder mit einem hohen Anteil an Eichen und Weiden, sowie einem grossen Angebot an Totholz und alten Bäumen fördern. Waldrandlinie durch Buchten vergrössern und waldrandnahe extensiv genutzte Wiesen schaffen. 24

25 Vögel Grünspecht Picus viridis Foto: G.Klaut Der Grünspecht ist ein Jahresvogel und kommt in der ganzen Schweiz bis zur Baumgrenze vor. Der Grünspecht ernährt sich von Insekten, insbesondere von Ameisen bzw. deren Puppen und Larven, die er am Boden aufspürt. Er brütet in selbstgezimmerten Baumhöhlen. Der Grünspecht besiedelt lichte, durch Grasflächen aufgelockerte Wälder mit reichem Altholzbestand und angrenzenden Wiesen. Diese Ansprüche erfüllen Laubholzwälder mit lichten Stellen und Waldwiesen, subalpine Lärchenwälder, Auenwälder, Kastanienhaine, Obstanlagen, Parks und durchgrünte Siedlungsquartiere. Lichte Wälder und Hochstammobstgärten mit alten Bäumen erhalten und fördern. 25

26 Vögel Hänfling Carduelis cannabina Foto: G.Klaut Der Hänfling ist ein zerstreut vorkommender Brutvogel, der ausserhalb der Brutzeit in niedere Lagen oder in Richtung Mittelmeergebiet wegzieht. Er steigt bis in die alpinen Zwergstrauchgürtel. Der Jura ist durchgehend besiedelt. Das Mittelland, und die Zentralalpen weisen slücken auf. Er fehlt im Tessin und im Graubünden. Der Hänfling überwintert im Mittelmeerraum und Nordafrika, in milden Wintern auch in niederen Lagen in der Schweiz. Der Hänfling baut sein Nest in niederem Strauchwerk, in Bodennähe. Seine Nahrung besteht im Herbst und Winter vor allem aus ölhaltigen Samen. Im Sommer frisst er frische Sämereien aller Art. Der Hänfling bewohnt offenes strukturreiches Gelände mit unkrautreichem Ödland, Hecken, Feldgehölzen oder Rebgelände.Man trifft ihn auch an Waldrändern. Hecken und Feldgehölze, Brachflächen, erhalten und neu schaffen. 26

27 Vögel Kernbeisser Coccothraustes coccothraustes Foto: G.Klaut Der Kernbeisser lebt in der Schweiz in den Niederungen im Mittelland, Jura (fehlt in den höheren Lagen des Westjuras) sowie in den grösseren Alpentälern. Er steigt selten über 1300 m Höhe. Der Kernbeisser ist ein Teilzieher. Er baut sein Nest aus Wurzeln, Zweigen und Halmen im Kronenbereich von hohen Laubbäumen. Er ernährt sich von Samen von Laubbäumen, besonders solche von Hainbuche, Ahorn, Steinobstkernen, Knospen und Insekten. Man findet den Kernbeisser in Waldrändern und lockeren Laub- und Mischwäldern mit viel Buchen und Ahornen, sowie in Parks und Gärten mit hohen Laubbäumen. Förderung und Erhaltung von lichten Laubwäldern und alten Laubholzbäumen an Waldrändern und in Parks. 27

28 Vögel Kiebitz Vanellus vanellus Rote Liste CH: CR Vom Aussterben bedroht Foto: Marcel Ruppen Der Kiebitzbestand ist Ende der Siebzigerjahre drastisch um 80% auf rund 100 Brutpaare pro Jahr zusammengebrochen. Der Bestand verteilt sich auf Brutplätze in der Schweiz. Die wichtigsten davon liegen in Ackerbaugebieten (Wauwilermoos/LU), Feuchtgebieten (Neeracherried/ZH, Frauenwinkel und Nuolener Ried/SZ, Auried/FR), revitalisierten Flächen (Flachsee Unterlunkhofen/AG, Fraubrunnenmoos/BE) und auf Flachdächern (Flughafen Kloten/ZH, Emmen/LU). Der Kiebitz ist von Ende Februar bis im November bei uns anzutreffen. Als Kurzstreckenzieher überwintern unsere Kiebitze v.a. an der Atlantikküste in Frankreich und im Mittelmeerraum. Die Brutzeit beginnt ab April in Flächen mit kurzer Vegetation. Die Art macht ein offenes Bodennest und legt 4 gut getarnte Eier. Die Jungen sind Nestflüchter und auf ein reiches, zugängliches Insektenangebot in weichen, feuchten Böden angewiesen. Die Wirbellosen werden aus dem Boden gepickt, Regenwürmer werden mit dem Fuss aus dem Boden an die Oberfläche geklopft (Imitation von Regen). Die Kiebitzküken werden im Alter von Tagen flügge. Der Kiebitz bevorzugt zur Brutzeit offen, flache Ebenen mit lockerer, niedriger Vegetation und möglichst wenigen vertikalen Strukturen wie Büschen, Bäumen, Hecken. Ursprünglich wurden Seggenriede, Pfeifengraswiesen, feuchte Wiesen und Weiden besiedelt. Heute besetzt der Kiebitz zusätzlich Ackerland, Brachland und kurzrasige Flächen auf Flugplätzen, seltener auch trockenere Schotter- und Ruderalflächen. Für den Nistplatz wird lückige, kurze Vegetation bevorzugt. Nach dem Schlüpfen sind für die Jungen nahrungsreiche Flächen mit Deckung und wenig Hindernissen wichtig. Erhalt von Feuchtgebieten und Wiedervernässen von ehemaligen Feuchtwiesen, Schaffung von temporären Flachgewässern und nassen Geländemulden mit langer Randlinie. Auf Ackerflächen: Schutz vor landwirtschaftlichen Maschineneingriffen und Schaffung eines Angebots an geeigneten, weit gepflanzten Kulturen. Schutz vor Beutegreifern mit Weidezäunen; Schutz vor Störungen durch Information, Besucherlenkung, temporäre Wegschliessung und Leinenpflicht für Hunde. Autor: ZVS Zürcher Vogelschutz/Birdlife Zürich, Mathias Villiger 28

29 Vögel Kleinspecht Dendrocopos minor Foto: Schweizer Vogelschutz - Bird Life Schweiz Der Kleinspecht tritt in der Schweiz in den Niederungen im Mittelland, Jura sowie in den grösseren Alpentälern auf. Er steigt selten über 1000 m Höhe. Als Standvogel bewohnt der Kleinspecht ganzjährig ein Allzweckterritorium. Man findet ihn häufig in flussbegleidenden Gehölzen und Auen, in grossen Hochstamm-Obstgärten und seltener in stark durchgrünten Gärten mit altem Baumbestand. Er zimmert in Weichhölzer seine eigene Bruthöhle. Er nimmt fast ausschliesslich tierische Nahrung zu sich, die er an Zweigen im Kronenbereich der Bäume abliest. Die Territorien des Kleinspechts zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Vorhandensein von Weichhölzern, geringe Entfernung zu Gewässern. Weichhölzer (Weiden, Erlen) an geeigneten Standorten fördern. Grosse Hochstamm-Obstgärten remontieren. 29

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