Nischen & Konkurrenten am Anwaltsmarl

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1 11 Forum Junge Rechtsanwältinnen u (j Rechtsanwälte im DeutschenAnwaltVerein fo rum Nischen & Konkurrenten am Anwaltsmarl<t 03 _M&.lLIo&aL.lrk~e... t:u.;n"tlg,-,t... ijll. r...e_xllll;s...t_e<a.jln.<lo.lzf/l:f.ir~ijll. n --J.A:::Ilu...s;u,bLlOe... ulii.tuwjnli.i{j~/j.icjve-...:::-;..ieoil;nll...loeolr.lifaou.h.i.lr Der BGH zur Haftung des Sche;nsaz;us 8) pj1~:u.s...:;jj~'jid.:a.ctjt.. ~ 16 /-l:akwi1cjj~ljbjl~ ~17 1-l~~~!D.B.'D- ~ 20 datenbank...+..&j~qb.i.~l-_...:_~:...-. ~ 24 ~ f.j[ßaninjfl-n+--f:..: !'..B.f.rg.iD.'D.B11Jeß!Uttt::a{Jrte ji...SJ.;amIJ11tJrsm:.lfL-.; {36 ~--~39 2/00 ~ DeutscherAnwaltVerlag

2 Welcher Buchhändler ist schon zur Stelle, wenn Sie bloß den Finger krumm machen? Die Soldan Fachbuchhandlung ist eine der führenden juristischen Versandbuchhandlungen in Deutschland. Hier finden Sie nicht nur ein umfangreiches, professionell sortiertes Angebot von juristischen Büchern, Zeitschriften und CD ROM's. Sondern auch hilfreiche Suchfunktionen, Literaturberatung, Newsletter, Auszüge und weitere bequeme Serviceleistungen wie das Starter-Paket für Kanzlei-Neugründungen. SoidanBuch ist täglich rund um die Uhr geöffnet und liefert portofrei. Mausklick genügt. Hans Soldon GmbH Bocholder Straße 2S9 4S356 Essen Servicetelefon: (gebührenpflichtig, z.b. Telekom 24 Pf.lMin.) Fox zum Nulltarif: :l~~anisoldan ~ Dienste für Anwälte Kanzleibedarf. Büroeinrichtung Literatur' Internetservice. Beratung

3 vorwort 01 Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch. Zuerst die gute: Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh hat in einer Studie herausgefunden, daß sich hierzulande - neben Tier- und Zahnmedizin - der Studiengang Jura im späteren Berufsleben finanziell am stärksten auszahlt. Die schlechte Nachricht: Es handelt sich um eine Langzeitstudie, die nur rückblickend untersucht hat, wie aus Jurastudenten Besserverdienende wurden. Eine 'Wiederholungsstudie in dreißig Jahren wird vielleicht ein anderes Ergebnis bringen. Dies ist aber - zumindest für den Anwaltsberuf - keine zwangsläufige Entwicklung. Denn ob die düsteren Prognosen einer Proletarisierung unseres Berufsstandes eintreten oder nicht, liegt vor allem an jedem von uns selbst. Jeder junge Rechtsanwalt erlebt tagtäglich, wie schwierig es ist, sich auf dem Markt der Rechtsberatung zu positionieren. Schwarzmalerei ist dabei ebenso wenig hilfreich wie der unbedarfte Optimismus, den der Rheinländer mit den Worten "Et hätt noch immer joot jejangen!" artikuliert. Dieter Trimbom v. Landenberg Rechtsanwalt Trainer Ewald Lienen hat den 1. FC Köln in die Bundesliga geführt, wir haben den Kollegen Martin Lang engagiert, um Euch erstklassige Informationen zum Thema "Nischen & Konkurrenten am Anwaltsmarkt" zu bieten. Sein Artikel beinhaltet nicht nur eine Analyse des Rechtsberatungsmarkts, sondern ist zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Innovation und Phantasie unter Deutschlands Anwälten. Da neue Märkte nicht nur gefunden, sondern auch erschlossen sein wollen, gibt es in diesem Heft einige Beiträge rund ums Marketing, schließlich ist die beste Idee nichts wert, wenn man sie nicht umzusetzen weiß. Guido Schmitz-Krummacher Rechtsanwalt Von neuen Ideen lebt auch Eure AdVoice. Wer Lust hat hier etwas zu veröffentlichen, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden. Bekanntlich halten wir Fußnotenapparate für überflüssig, sondern legen mehr Wert auf authentische Berichterstattung von und für den Junganwalt bzw. Referendar. Auch wer sich zeitlich außerstande sieht, einen Artikel zu verfassen, aber ein hochinteressantes Thema beisteuern will, darf sich gerne an uns wenden. Wir werden dann versuchen, einen Autor zu gewinnen - oder selbst in die Tasten hauen. Den Kolleginnen und Kollegen, denen der großherzige Arbeitgeber bzw. eine ordentliche Ertragslage es gestattet, diesen Sommer in Urlaub zu fahren, wünschen wir gute Erholung! Allen anderen wünschen wir, daß sie sich nächstes Jahr einen Urlaub leisten können. Herzliche Grüße Eure Dieter Trimborn v. Landenberg - Rechtsanwalt Guido Schmitz-Krummacher - Rechtsanwalt

4 Aus den Besprechungen der Vorauflage: " Wenn man bedenkt, welche entscheidende Rolle die Rechtsprechung des EuGH für Praxis und Wissenschaft des Gemeinschaftsrechts spielt, so ist die Übernahme des Casebook-Konzepts in die deutsche didaktische Literatur zu begrüßen. Dieses Vorhaben ist den Autoren bestens gelungen. " Prof. Dr. Michael Schweitzer, Passau. in: Archiv des Völkerrechts, 4/93 Pieper / Schollmeier / Krimphove Europarecht - Das Casebook Von Dr. iur. Stefan Ulrich Pieper, Rechtsanwalt Andres Schollmeier und Professor Dr. iur. Dieter Krimphove 2., neu bearbeitete Auflage XX1V, 448 Seiten. Kunststoff DM 88,-/ 44,99 lsbn Kenntnisse der EuGH-Rechtsprechung sind für das Verständnis europarechtlicher Probleme grundlegend. In diesem Buch finden vor allem junge Rechtsanwälte, Referendare aber auch Studenten die relevanten Urteile des EuGH in einer auf das Wesentliche gekürzten Form mit weiterführenden Hinweisen sowie europarechtlich bedeutsame Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Bestellen Sie bitte in Ihrer Buchhandlung oder bei: Carl Heymanns Verlag KG, Köln, Telefax: 0221 / Internet: carl~ HeY!!1anns Verlag Erfolgreich bewerben Von RA Dieter Trimborn v. Landenberg 1. Auflage 2000, 147 Seiten, broschiert, 39,- DM ISBN l:liout:tc:nrlvrwltll\'erlllg f~j"'::":" r , Bestellschein Bestellen Sie bei Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Verlag per Fax: oder per Telefon: Ja, bitte senden Sie mir mi1 dreiwöchiger Ansichtsfrist o Trimbom v. Landenberg. Die erfolgreiche Bewerbung als Rechtsanwalt, 1. Auflage, 39,- DM Die erfolgreiche Bewerbung als Rechtsanwalt Wer vorhat, sich im Anwaltsberuf zu bewerben, betritt einen unübersichtlichen Arbeitsmarkt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Unter Bewerbern herrscht zuweilen eine Verunsicherung, die herkömmliche Bewerbungsratgeber kaum beheben können. Hier leistet dieses Buch praktische Hilfe für den Berufseinstieg. Sie erhalten u.a. Antworten auf folgende Fragen: Habe ich Chancen trotz mittelmäßiger Examensnoten? Wo kann ich mich weiter qualifizieren? Wie finde ich eine Stelle? Was bringt eine Internetbewerbung? Lohnt ein Stellengesuch und was kostet es? Wie komme ich in eine Großkanzlei und was erwartet mich dort? Worauf kommt es beim Bewerbungsschreiben an? Was erwartet mich bei einem Vorstellungsgespräch? Mit welcher Vergütung kann ich rechnen? Wenn ich eine Stelle gefunden habe, wie behalte ich sie? Diese und andere wichtige Fragen werden ausschließlich aus anwaltlicher Sicht beleuchtet. Zahlreiche Übersichten und Checklisten unterstützen Sie bei der Erstellung und Durchführung Ihres individuellen Bewerbungsplans. Dazu gibt es jede Menge nützlicher Tips und Adressen, die helfen, Ihre Bewerbungsaktivitäten zügig ans Ziel zu führen. Name Vorname Straße PLZ Ort Datum Unterschrift DeutscherAnwaltVerlag Wachsbleiche Bonn. T F

5 Nischen & Konkurrenten am Anwaltsmarkt t he m a 03 In welche Richtung bewegt sich der Anwaltsmarkt in den nächsten Jahren? Das Schlagwort der Informationsgesellschaft prägt bereits jetzt entscheidend unseren beruflichen Alltag. Die Veränderungen werden dramatisch sein, sie bieten der Anwaltschaft aber zugleich auch große Chancen. Mandanten können bereits jetzt schon juristische Informationen kostenlos über das Internet erhalten. Musterverträge aus den verschiedensten Rechtsgebieten, Mietminderungs-, Nutzungsausfall- und Schmerzensgeldtabellen etc. sind bereits jetzt in Sekundenschnelle über juristische Internet-Portale abrufbar. Formulare für die Geltendmachung von Kraftverkehrshaftpflichtschäden, Klageschriften in einfachen Forderungssachen, Zwangsvollstreckungsaufträge und viele weitere standardisierbare Vorgänge werden folgen. Der Gang zum Anwalt wird dadurch in vielen Fällen entbehrlich. Ein Teil der anwaltlichen Erstberatung, insbesondere in dem Wachstumsmarkt Online- bzw. Internetrecht, findet bereits längst in Web-Mailinglisten (http://www.online-recht.de bzw. statt. Die Betreiber von Jura-Internet-Portalen sind in vielen Fällen Konkurrenten der Anwaltschaft auf dem Rechtsberatungsmarkt, z. B. Finanzdienstleister und Versicherungsmakler, Gewerkschaften und Mieterschutzvereinigungen, Unternehmensberater und Headhunter. Ziel ist es, Kunden und Mitglieder zu informieren, die eigenen Produkte oder Dienstleistungen zu bewerben, aber auch durch eine möglichst große Frequentierung der Internetseiten für die Werbewirtschaft attraktiv zu werden. Auch in unserer Branche werden durch das Internet "die Karten neu gemischt". Abzusehen ist, daß diejenigen Kolleginnen und Kollegen zu den Gewinnern zählen werden, die sich nicht auf einen klassischen Internetauftritt mit Aufzählung der Tätigkeitsschwerpunkte, Anfahrtsbeschreibung sowie vermeintlich dynamisch wirkenden Fotos wie zufällig in die Kamera lächelnder Anwälte beschränken, sondern im Internet-Marketing völlig neue Wege gehen. Die ersten Kanzleien haben auf diese Herausforderung bereits reagiert. Die Düsseldorfer Kanzlei Dr. Krieger & Kollegen.(http.J/www.transpatent.com) stellt auf ihrer Homepage unter anderem eine Gesetzessammlung zum Gewerblichen Rechtsschutz mit tagesaktueller Einarbeitung des Bundesgesetzblatts zur Verfügung. Die Webseiten der Kollegen Roth (http://www.rechtsanwalt-roth.de) und Stadler (httpj/www.afs-rechtsanwaelte) verfügen über umfangreiche Linksammlungen. Der Kollege Boris Hoeller (httpjlwww.bonnanwalt.de) kann auf auf seinen Internetseiten auf ein umfangreiches Rechtsprechungsarchiv insbesondere zum Online-Recht verweisen. Viele Kolleginnen und Kollegen reduzieren die Hemmschwelle für einen "Anwaltsbesuch", indem die Möglichkeit einer Online-Beratung geboten wird. Für die Anwaltschaft kann es statt vergeblicher Versuche, Internet-Rechtsberatung zu unterbinden, nur darum gehen, insoweit selbst den Rechtsberatungsmarkt aktiv zu gestalten und auf die Herausforderung der nichtanwaltlichen Konkurrenz zu reagieren. Wir können nicht darauf bauen, von den revolutionären Veränderungen in allen Wirtschaftsbranchen verschont zu bleiben. Durch Internet und E-Commerce wird die Weltwirtschaft von Grund auf verändert und neu gestaltet werden. Der Satz von Intel-Chairman Andy Grove "in five years'time, all companies will be internet companies, or they wont be companies at all" dürfte mit ziemlicher Sicherheit auch auf Rechtsanwaltskanzleien anwendbar sein. Wenn Online-Geschäfte in allen Branchen zukünftig einen Umsatzanteil bis zu 25 % haben werden, müssen sich Kanzleien, die einer Online Beratung oder sogar einem eigenen Internet-Auftritt ablehnend gegenüberstehen, fragen lassen, ob sie auf Dauer einen 25 % igen Umsatzrückgang verkraften bzw. aussitzen können. Entweder die Anwaltschaft stellt sich dem "Web Bewerb" oder sie wird - obwohl zwischenzeitlich mehr als Kolleginnen oder Kollegen stark - in den Augen der Öffentlichkeit hinter anderen Beraterberufen unsichtbar. Unser Berufsstand kann gar nicht deutlich genug herausstellen, daß nur er alleine zur Verschwiegenheit und zur einseitigen Wahrnehmung nur der Interessen der eigenen Partei verpflichtet ist, während andere Berater wie z. B. Finanzdienstleister an dem Ergebnis ihrer Beratungsleistung unmittelbar wirtschaftlich beteiligt sind. Notare

6 t he m a 04 und Wirtschaftsprüfer sind berufsrechtlich zur Neutralität und Objektivität verpflichtet, wir sind das nicht. Mit allem Nachdruck muß gegengesteuert werden, wenn Anwälte aufgrund eines auch durch die Medien geprägten Bildes zunehmend nur als Prozeßanwälte im Streit um des Nachbarn Maschendrahtzaun angesehen werden, während andere Berufsgruppen z. B. lukrative Vertragsgestaltungsmandate immer mehr unter. sich aufteilen. Aber auch außerhalb des Internets wird die nichtanwaltliche Konkurrenz auf den klassischen Gebieten anwaltlicher Tätigkeit weiter an Marktanteilen gewinnen, ohne daß die Stimme der Anwaltschaft in der Öffentlichkeit laut protestierend. vernehmbar wäre. Bei der Verkehrsunfallregulierung arbeiten Haftpflichtversicherer; Kfz-Werkstätten und Kfz-Sachverständige immer enger zusammen. Automobilclubs bieten Verkehrsrechtsberatung über eigene Vertragsanwälte an. Haftpflichtversicherer planen, Anspruchstellern für eine Regulierung im Schnellverfahren unter Ausschaltung der Anwaltschaft "Prämien", z. B. in Form eines Gutscheins für eine Wagenwäsche anzubieten. Einverständliche Scheidungen werden - wie bereits gegen Ende der letzten Bundestags-Legislaturperiode diskutiert - zukünftig vielleicht unter Ausschaltung der Anwaltschaft über das Standesamt abgewickelt. Was hat die Anwaltschaft dagegenzusetzen? Statt auf die neuen Herausforderungen zu reagieren, ist man in erster Linie damit beschäftigt, sich gegenseitig wegen angeblicher Berufsrechtsverstöße abzumahnen. Ein Beispiel ist die kostenlose Rechtsberatung in Internetforen wie ein anderes der Bereich anwaltliche Werbung. Wenn die einen Kollegen im Bereich der Mandantenakquise neue Wege gehen und Rundschreiben und Kanzleibroschüren in Massen-Mailings versenden oder nur im eigenen Stadtviertel verteilen, dann sind die anderen Kollegen nicht weit, die genau dies beanstanden und kostenpflichtig abmahnen wollen. Selbst harmlos wirkende Marketingmaßnahmen, wie z. B. Homepage-Gästebücher; Informationsveranstaltungen mit Mittagsimbiß oder Werbung auf Plakatflächen. im Bereich öffentlicher Verkehrsflächen sollen berufsrechtswidrig sein. Lachende Dritte sind die oben genannten Konkurrenten außerhalb der Anwaltschaft, die eben gerade nicht an die Fesseln der BRAO, Berufsordnung etc. gebunden sind und deren Handeln alleine an den Schranken des Wettbewerbsrechts zu messen ist. Statt aktiver Markterschließung mit dem Ziel einer Vergrößerung des zu verteilenden Kuchens, findet innerhalb unseres Berufsstandes in erster Linie zur Zeit aktive und gegenseitige Marktbehinderung statt. Es ist zweifellos die bessere Strategie, die eigene Kanzlei zukunftsfähig zu machen, als Kollegen, die im Anwaltsmarketing neue Wege gehen und damit der Anwaltschaft insgesamt Nutzen bringen, ins Knie zu schießen. Was von Kammern und Anwaltsgerichtsbarkeit als reklamehafte und damit unzulässige Werbung angesehen wird, ist für potentielle Mandanten oft gerade einprägsam und führt zu einem Wiedererkennungs- oder Erinnerungseffekt, wenn in einer Notlage plötzlich anwaltlicher Rat benötigt wird. Einem Münchener Kollegen wurde gerichtlich untersagt, weiter mit durch Unfallgeräuschen untermalten Radiospots zu werben, obwohl ein Verkehrsrechtier sein Tätigkeitsgebiet wohl nicht treffender beschreiben kann. Ob der berufsrechtlich erlaubte Hinweis auf einen Interessenschwerpunkt Verkehrszivilrecht im Vergleich dazu nennenswerte Mandatsgewinne bringt, darf bezweifelt werden. In der Marketingforschung ist längst geklärt, daß es darum geht, in den Köpfen der Kunden "Schlüsselbegriffe" zu besetzen. Die DAV-Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht hat dies frühzeitig erkannt, sie wirbt mit einem skizzierten Verkehrsunfall als Logo und dem Slogan "Sofort zum Anwalt". Auf einem Anwaltsbriefkopf würde dies mit Sicherheit als unsachlich bzw. reklamehaft beanstandet werden. Für die Existenzgründerkanzlei geht es aber nicht nur darum, durch Marketing neue Mandanten zu gewinnen, sondern in dem als abgegrast erscheinenden Anwaltsmarkt Nischen und neue Betätigungsfelder aufzuspüren. Wo lassen sich diese finden? Auf jeden Fall überall dort, wo ein gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Wandel statt- 'findet. Es geht darum, solche Entwicklungen in allen Lebensbereichen vorwegzunehmen und das eigene Beratungsangebot früher als andere darauf einzustellen. Spätestens dann, wenn der Bundesgerichtshof eine Entscheidung des OLG Hamburg über die Unzulässigkeit von Gattungsbegriffen als Domain Namen ("Mitwohnzentralen"-Entscheidung) bestätigen sollte, steht uns eine Prozeßwelle ins Haus, für die die Anwaltschaft gerüstet sein sollte. Bereits jetzt rollt unter Berufung auf die Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts eine Abmahnwelle quer durch die Republik. Prozesse wegen der Verwendung von Domain-Namen teilen sich wenige Kanzleien auf, die nicht nur über die klassischen Marketing-Instrumente wie Bücher oder Vorträge, sondern vor allem durch schiere Präsenz in den entsprechenden Internet-Foren, wie z. B. Online-Recht oder Netlaw etc. bekannt

7 t he m a 05 geworden sind. Genau dort fragen auch potentielle Mandanten nach anwaltlicher Dienstleitung nach. Mit der zunehmenden Verbreitung von Internetzugängen in Privathaushalten müssen auch AIIgemeinkanzleien auf die Rechtsprobleme des E-Commerce vorbereitet sein. Es geht hier um Rechtsfragen der digitalen Signatur, der Wirksamkeit von digitalen Willenserklärungen, den Nachweiszugang von s, die Regulierung der Schäden von Internet-Viren, Datenschutz im Internet, den Widerruf von über das Internet abgeschlossenen Verträgen etc. Letztere Fälle werden in dem bisher weitgehend unbekannt gebliebenen FernabsatzG geregelt, das unlängst die Schranke des Bundesrats passiert hat und demnächst in Kraft treten wird. In der Internetbranche werden gestern noch völlig unbekannte Unternehmen mit einer durchschlagenden Geschäftsidee plötzlich zu Branchenführern. Daß diese dann eine ihren rasanten wirtschaftlichen Aufstieg begleitende Rechtsberatung benötigen, liegt auf der Hand. Die Weltwirtschaft wird zur Zeit durch eine stetig steigende Zahl von Unternehmensfusionen geprägt. Die neu entstehenden Unternehmensgebilde benötigen als sichtbaren Ausdruck eines merger of equals neue Firmennamen. Novartis, Aventis oder EON sind in aller Munde. Auch für Internet-Start-Ups geht es darum, einprägsame, aber rechtlich unbedenkliche Domain-Namen zu finden. Es liegt auf der Hand, daß eine Spezialisierung auf hier die zu beachtenden marken- und namensrechtlichen Fragen erfolgsversprechend sein wird. Bei der Vielzahl von Unternehmensfusionen wird über kurz oder lang auch Bedarf an Entfusionierungs-Spezialisten bestehen. Erbrechtsanwälte, die für das klassische Berliner Testament mit Schlußerbeneinsetzung den entsprechenden Mustertext aus der Schreibtischschublade holen, gibt es mehr als genug. Zu glauben, in diesem Bereich als Junganwalt schnell nennenswerte Marktanteile erobern zu können, dürfte ein Irrtum sein. "Me-too-Strategien" in einem übersättigten Markt versprechen selten Erfolg. Spezialisten für Unternehmertestamente bzw. für Unternehmensnachfolge gibt es wohl mangels vertiefter steuerrechtlicher Kenntnisse nur wenige. Das gleiche gilt aufgrund der zunehmenden Globalisierung aller Lebensbereiche z. B. auch für das internationale Erbrecht. In solchen Nischengebieten kann man sich als Spezialist schnell einen Namen machen. Auch die rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt, weg von einem Arbeitsplatz auf Lebenszeit, hin zu projektgebundener Arbeit als (Schein) Selbständige, lösen anwaltlichen Beratungsbedarf aus. Diesem Bereich muß sich die auf die klassische Frontstellung Arbeitgeber-Arbeitnehmer ausgebildete Anwaltschaft zukünftig verstärkt widmen. Auch die Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechender projektbezogener Dienstverträge dürfen wir nicht Personalberatern etc. überlassen. Letztlich wird mit dem zunehmenden Abschied vom altherbegrachten Arbeitnehmerbegriff auch der Bedarf an Existenzgründungsberatung bzw. an begleitender Rechtsberatung in den Anfangsjahren einer selbständigen wirtschaftlichen Existenz steigen. Beiträge Bitte schickt uns nur richtige Artikel als Beiträge. Freundliche und höfliche. Briefe sind nett gemeint, aber zum Abdruck nicht geeignet, ebenso Verlaufsprotokolle, Veranstaltungsberichte oder andere Äußerungen, bei denen der Autor sich nicht der Thematik selbst annimmt oder sich die Meinung zu eigen macht. Bitte habt Verständnis dafür, daß die Redaktionsleitung Eure Beiträge nicht in Artikel für Euch umschreiben kann. Bitte schickt Eure Beiträge am besten als Diskette ~ord for Windows-Format) oder als . Das hilft uns, Kosten zu sparen, da die Artikel nicht noch einmal extra abgeschrieben und Euch zur Korrektur geschickt werden müssen. Falls Ihr keine Diskettenversion erstellen könnt, schickt bitte einen normalen Ausdruck an die Redaktionsanschrift. Bitte schickt keine Faxe, da die Manuskripte gescannt bzw. vervielfältigt werden müssen. Deutscher Anwaltverlag Redaktion AdVoice Wachsbleiche 7, Bann Das gesetzliche Rentenversicherungssystem steht mit der stufenweisen Abkehr von dem Kapitalumlage- auf ein Kapitaldeckungsverfahren vor einem historischen Umbruch. Wie in den meisten anderen europäischen Nachbarländern auch, wird der Staat bei der Altersversorgung in verstärktem Maße auf die Selbstverantwortung der Bürger setzen. Es werden Spezialisten gefragt sein, die alternative Absicherungsmodelle entwerfen und die Pflichtversicherten in Fragen einer privaten Zusatzversorgung beraten.

8 06 t he m a Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Beratung von' rentenversicherungsfreien Berufsgruppen, wie z. B. viele Freiberufler und Gewerbetreibende. Die Wirtschaftsmagazine sind voll von Tips zur privaten Vermögensplanung, zur Absicherung von Berufsunfähigkeits-Risiken und zum Ausstieg aus dem Beruf mit 55. Hier Spitzenverdiener in versicherungs- und steuerrechtlichen Fragen rund um die eigene Altersversorgung zu beraten, ist Anwaltssache. Es sind insoweit auch Kooperationen mit Versicherungsagenturen denkbar. Ein weiterer, noch weitgehend brachliegender Markt liegt in der Beratung von Unternehmern hinsichtlich des stetig umfangreicher und komplizierter werdenden öffentlich-rechtlichen Regelungsgeflechts. Es müssen unfallversicherungs-, datenschutz-, umweltschutz- und gewerberechtliche Vorschriften etc. beachtet werden. Ab bestimmten Betriebsgrößen sind betriebliche Beauftragte für die vorgenannten Bereiche vorgeschrieben. Was liegt da näher, als zur Einsparung von Personalkosten diese Tätigkeiten extern zu vergeben, z. B. gerade an Rechtsanwälte. Auch die EURO-Umstellung bietet Anwälten Chancen. Es geht um die Überprüfung bestehender Verträge, die gesellschaftsrechtliche Auswirkungen der Währungsumstellung, Preisanpassungsklauseln, Fragen aus dem Bereich der Preisangaben, Buchhaltungsprobleme etc. Spätestens seit Berichte über Aktienemissionen in Schlagzeilenform auf Seite 1 der Bild-Zeitung zu finden sind, ist wohl aus einem Volk der Sparkonteninhaber ein Volk der Kleinaktionäre geworden. Der Bedarf an Rechtsberatung im Bereich des Aktienrechts wird zunehmen. Wem keine Telekom- oder T-Online-Aktien zugeteilt wurden, der ist oft in der Versuchung, seine Ersparnisse vielfach wenig seriösen Kapitalanlagevermittlern anzuvertrauen. Um dann Schäden aus Betrug und Unterschlagung bzw. mangelhafter Aufklärung über Verlustrisiken geltend zu machen, werden zukünftig Rechtsanwälte mit Schwerpunkt im Bereich der Kapitalanlagehaftung verstärkt am Markt nachgefragt werden. Nicht nur im Familienrecht, sondern auch im Arbeits- und Wirtschaftsrecht besteht verstärkt Bedarf nach Anwalts-Mediatoren. In vielen Bundesländern sind zum landesrechtliche Regelungen zur obligatorischen Streitschlichtung in den in 15a EGZPO genannten Verfahren, also insbesondere Nachbarschaftsstreitigkeiten und Verletzungen der persönlichen Ehre, in Kraft getreten. Verhärtete Fronten durch einen überzeugenden Schlichtungsvorschlag aufzubrechen, sich so das Vertrauen der Streitparteien sichern, kann eine erfolgversprechende Strategie zur Gewinnung neuer Mandanten sein. Neue Betätigungsfelder können auch zielgruppenbezogen definiert werden. Älteren Mitbürgern nicht nur bei der Überprüfung von Rentenbescheiden, sondern auch bei der Ausfüllung von Formularen, der Erledigung von Behördenkorrespondenz zu helfen bzw. auf die Notwendigkeit einer Altersvorsorge- bzw. Patientenvollmacht aufmerksam zu machen, kann ein lukratives Beschäftigungsfeld für Existenzgründerkanzleien sein. Mehr als fünf Jahre nach Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung werden immer mehr Leistungsanträge gestellt. Logische Konsequenz ist, daß im Pflegeversicherungsbereich zukünftig immer mehr Prozesse geführt werden. Es geht hier um die Verteilung von Milliarden-Beträgen, die sich derzeit als Überschüsse in den Pflegekassen angesammelt haben. Da entsprechende Leistungen grundsätzlich keine wirtschaftliche Bedürftigkeit voraussetzen, sollten in vielen Fällen hier über 116 BRAGO hinausgehende Honorarvereinbarungen durchsetzbar sein. Bei voller Ausnutzung der durch die BRAGO gegebenen Möglichkeiten kann selbst bei Beratungshilfemandanten im Falle eines Vergleichsschlusses ein Honorar von 350 DM netto erzielt werden. Bei einem noch während der ersten (und einzigen) Mandantenbesprechung mit dem Gegner telefonisch ausgehandelten Vergleich sind also selbst bei BerH-Mandanten lukrative Stundensätze möglich. Neu entstanden ist der Markt der Prozeßfinanzierung jenseits von den durch Rechtsschutzversicherern abgedeckten Bereichen. Anbieter wie die FORIS-AG (www.foris.de) oder JurAgent (www.derprozessfinanzierer.de) lassen vor Vertragsabschluß die Erfolgsaussichten der Klage rechtsgutachtlich prüfen. Gefragt ist neben einer wissenschaftlich geprägten Arbeitsweise auch ein schnelles Arbeitstempo, da die Kunden z. B. aus Fristgründen auf eine rasche Entscheidung des Prozeßfinanzierers drängen - ein ideales Betätigungsfeld für Junganwälte in Existenzgründerkanzleien. Das Schlagwort der Freizeitgesellschaft ist sicherlich schon etwas angestaubt. Mit der stetigen Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit gewinnt der Freizeitbereich einen immer größeren Stellenwert. Die Reisebranche erzielt stetig steigende Umsatzzahlen. Durch die Verlagerung von Buchungen in das Internet ist zu vermuten, daß der Pauschalreisetourismus weiter zunimmt. Dement-

9 t he m a 07 sprechend mehr Reiserechtsstreitigkeiten werden geführt werden. Time-Sharing-Immobilienprojekte in den klassischen Urlaubsländern sind weiter gefragt. Hier bieten sich Kooperationen mit Kanzleien vor Ort geradezu an. Die dazu nötigen Fremdsprachenkenntnisse bieten die doppelte Chance, als Zielgruppe die hier lebenden ausländischen Mitbürger zu umwerben. Erfolgschancen bietet auch die interprofessionelle Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Kooperationen bzw. Assoziierungen mit Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und vereidigten Buchprüfern gibt es in bereits marktsättigendem Umfang. Der Erwerb medizinischen Grundlagenwissens und eine Zusammenarbeit mit Arztgutachtern im Bereich des Arzthaftpflichtrechts ist so selten, daß die Nachfrage die zur Verfügung stehende Fachkompetenz Übersteigt. Mit kontinuierlich zunehmenden Anwaltszulassungszahlen werden auch anwaltliche Haftpflichtprozesse zukünftig verstärkt geführt werden. Haftpflichtversicherer und betroffene Kollegen benötigen hier Spezialisten, die mit der entsprechenden BGH-Rechtsprechung vertraut sind. Ein lukrativer Markt liegt auch in der Beratung angehender Kolleginnen und Kollegen in allen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen rund um die Kanzleigründung. Unser Recht wird immer komplizierter. Selbst größere Kanzleien sind in Spezialgebieten nicht mehr in der Lage, die gesamte Nachfrage in allen Rechtsgebieten zu befriedigen. Der Zugriff auf das Know-how von Kolleginnen und Kollegen, auch Einzelanwälten, die sich in Vorträgen und Publikationen einen Namen gemacht haben, liegt auf der Hand. Hier werden sich zukünftig lose Kooperationen bzw. Anwaltsteams bilden, die sich für die Bearbeitung eines konkreten Mandats zusammenfinden und dann beruflich wieder getrennte Wege gehen. Dieser Trend entspricht der bereits vorstehend geschilderten Entwicklung im Arbeitsleben. Bei immer schwieriger werdenden Wettbewerbsverhältnissen, insbesondere auf den ausgetretenen Pfaden des Arbeits- Erb-, Familien-, Strafund Verkehrsrechts, wird die Anwaltschaft sich nur dann auf dem Rechtsberatungsmarkt behaupten können, wenn sie bei der Werbung um Mandate völlig neue Wege geht und begreift, daß über das Wettbewerbsrecht hinausgehende berufsrechtliche Beschränkungen letztlich nur der nichtanwaltlichen Konkurrenz nutzen. Rechtsanwalt Martin Lang München ẓ. '" '" Betrachten Sie Ihr Leben doch mal als Unternehmen in eigener Sache. Gerling Kombi. Der maßgeschneiderte Versicherungsschutz für Ihr Privatleben. Vor Überraschungen ist man nie sicher. Und so,mancher Zufall kann die schönsten Pläne gefährden. Wenn Sie unerwartet in einen Rechtsstreit verwickelt werden, einen Unfall haben oder fremdes Eigentum beschädigt wird, kommen schnell Kosten auf Sie zu, mit denen Sie nicht gerechnet haben. Deshalb haben wir mit Gerling Kombi den flexiblen Rundumschutz entwickelt, der in nur einer Police die individuellen Risiken Ihres privaten Haushaltsbereichs abdeckt. Welche Versicherungen Sie brauchen, bestimmen Sie selbst. So bekommen Sie genau die Sicherheit, die zu Ihrem Leben passt. G GERLING Wir unternehmen Sicherheit.

10 08 f 0 rum / Der Arbeitskreis für Insolvenzrecht im DAV hat auf seiner Mitgliederversammlung am 31. März/ 1. April 2000 eine neue Geschäftsordnung durch seine Mitglieder verabschieden lassen. Nach" dieser Geschäftsordnung ändert sich die Bezeichnung Arbeitskreis für Insolvenzrecht des DAV in,,arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im DAV". Von diesem Zeitpunkt an können neue Mitglieder nur noch unter den gleichen Konditionen beitreten, wie es bei den übrigen Arbeitsgemeinschaften im DAV der Fall ist (Zulassung als Rechtsanwalt, Mitgliedschaft in einem örtlichen Anwaltverein oder direkt beim DAV). Marketing für Existenzgründer Für keinen Existenzgründer ist es leicht, im Markt Fuß zu fassen. Für Anwälte war dies schier unmöglich, solange nur mittels einer einmaligen Anzeige und eines Kanzleischilds auf sich aufmerksam gemacht werden durfte. Zum Glück änderte dies die neue Berufsordnung im Frühjahr 1997 und ließ weitere Formen anwaltlichen Marketings zu, auch wenn diese, wie viele meinen, bei weitem nicht ausreichen. Markteintrittsbarrieren Junge Juristen" erfahren oftmals, daß ihnen bei der praktischen Umsetzung ihrer Marketingmaßnahmen noch viele Stolpersteine im Wege stehen: Die "Grauzone" der Standesregelung ist groß, und gerade Aktivitäten von neuen Kanzleien ziehen gerne die Mißgunst von alteingesessenen Anwälten und damit Auseinandersetzungen mit der Kammer nach sich. Es ist hier sicherlich sehr sinnvoll, vorsichtig zu sein; auf der anderen Seite ist es für junge Kanzleien unumgänglich, verstärktes Marketing zu betreiben, um auf sich aufmerksam zu machen. Daher sollten solche Reaktionen auch als ein Zeichen dafür angesehen werden, daß man als eine ernstzunehmende Konkurrenz wahrgenommen wurde. Freuen Sie sich statt dessen über das Feedback der potentiellen Mandanten auf das eigene Marketing. J Kanzleiprofil IGerade beim Start einer Anwaltskanzlei muß das Profil der Kanzlei klar definiert sein, bevor man sich an die Öffentlichkeit wendet. Ein Element des Profils ist das individuelle Angebot an Rechtsberatung, zum Beispiel, ob es eine Spezialisierung auf bestimmte Gebiete gibt (Beispiel: Wir sind in den Kerngebieten des Wirtschaftsrechts tätig). Weiterer Bestandteil des Profils ist die Bestimmung des Mandantenkreises, für den man arbeiten möchte (Beispiel: Wir sind die Kanzlei für Unternehmen, die im Bereich New Media, E-Business und Internet tätig sind). Es kann natürlich sein, daß Sie sich noch nicht festlegen möchten; dann sollte zumindest die Arbeitsweise bestimmt werden bzw. weitere "weiche" Faktoren, die die Kanzlei von anderen unterscheidet (Beispiel: Wir sind die Kanzlei, die zu ihren Mandanten kommt). Für die Öffentlichkeit wird die Kanzlei durch eine Profilierung faßbar und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit werden greifbarer. Es ist hilfreich, das eigene Profil zu konkretisieren und aufzuschreiben. Dies ist eine der Voraussetzungen für wirkungsvoll betriebenes Marketing. Andere sind das Vorhandensein von Unternehmenszielen und, davon abgeleitet, die Marketingziele, die diese unterstützen. Günstige und effektive Marketingmaßnahmen Unter den Marketingmaßnahmen können Existenzgründer diejenigen wählen, die für sie kostengünstig und effektiv sind, wie zum Beispiel: Jede Kanzlei benötigt eine Geschäftsausstattung. Darunter versteht man die verschiedenen Bögen des Briefpapiers, Aufkleber, Stempel und Visitenkarten. Es ist nicht anzuraten, am Design der Vorlage zu sparen, denn das Logo bzw. der Schriftzug soll die Einzigartigkeit der Kanzlei wiedergeben. Sparen kann man dann eher an Farbigkeit und Papierwahl. Eine Kanzleibroschüre gehört mittlerweile zum Standard einer Kanzlei. Die Broschüre sollte den Mandanten oder Interessenten zumindest Auskunft geben über Rechtsgebiete, in denen man seine Dienstleistung anbietet, die tätigen Rechtsanwälte, das Selbstverständnis der Kanzlei sowie die notwendigen Kontaktinformationen. Dies kann für eine Neugründung kurz und kostengünstig in einem sogenannten "Flyer" umgesetzt werden. Dieser hat DIN A4-Format, ist in der Regel zwei mal gefaltet und damit auch mit normalem Briefporto zu versenden. Auch eine Webpräsenz gehört mittlerweile zum Standard jedes Unternehmens. Um es kostengünstig umzusetzen, können anfänglich die Standardwebsites, zum Beispiel vom Anwaltssuchservice genutzt werden. Später kann die eigene Homepage individuell gestaltet werden. Bei Verzeichniseinträgen und Anzeigen ist das Angebot riesig. Es ist anzuraten, diejenigen Medien

11 In Deutschland liegen keine Erhebungen über die Höhe der Marketingausgaben von Anwaltskanzf 0 rum 09 auszuwählen, die im Regal der "Wunschmandantenn stehen. Im Zweifelsfall sind die Marktführer der jeweiligen Branche zu wählen, da deren Bekanntheit und Gebrauch am größten ist. JVorträge und Seminare 1Wählen Sie hier das Fachgebiet aus, mit dem Sie sich bekanntmachen möchten. Greifen Sie dabei ein aktuelles Thema auf und bieten Sie es einem Veranstalter an, der es versteht, ein für Sie interessantes Publikum für die Veranstaltung zu gewinnen. Die Vorbereitung und Durchführung eines Vortrags oder Seminars bedeutet viel Arbeit. Um so gründlicher muß die Auswahl sein, in welcher Umgebung und mit welchen Themen man sich präsentiert. Pressearbeit Die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Pressearbeit ist die genaue Selektion von Medien, bei denen es lohnt, aktiv zu werden. Ein besonderer Blick sollte auf neue Publikationen geworfen werden. Viele von ihnen greifen auch rechtliche Themen auf. Ein Anruf bei der Redaktion mit einem Angebot der Kooperation kann sich lohnen. Pressearbeit muß kontinuierlich betrieben werden. Sie kostet wenig Geld, dafür aber Zeit. Bei etablierten Medien ist es unumgänglich, einen guten Kontakt zum zuständigen Redakteur aufzubauen. Er soll den Pressemeldungen der Kanzlei, die ihm täglich neben hundert anderen auf den Schreibtisch flattern, Beachtung schenken. Er soll sich an Sie wenden, wenn er eine juristische Frage bei einer Recherche hat (oftmals wird dann im Text der Auskunft. gebende Anwalt namentlich zitiert). Bei der Pressearbeit ist zu beachten, daß es ganz allein die Entscheidung der Redaktion ist, ob etwas gedruckt und wie es verwendet wird. Sie können also nicht erwarten, daß eingesandte Pressetexte Ihrer Kanzlei übernommen werden. Das Netzwerken, zum Beispiel in Verbänden, Vereinen und Ausschüssen ist ein traditionelles Marketinginstrument von Kanzleien. Es hat den entscheidenden Vorteil, daß persönliche Kontakte viele Schwellenängste vor dem Gang zu einem Anwalt abbauen. Rechtsberatung ist eine sehr persönliche Dienstleistung. Viel Vertrauen zum Anwalt ist nötig. Ein Engagement in einem Verband, in dem mögliche Mandanten Mitglieder sind, ist also eine durchaus sinnvolle Zeitinvestition. Budgetierung leien vor. In amerikanischen und britischen Pendants liegt der übliche Wert für den jährlichen Marketingetat bei 3 % des Gesamtumsatzes der Kanzlei, bei Wachstumsplänen wird er auf 5 % und mehr angehoben (ohne Einbezug von Personalkosten). Setzen auch Sie sich ein Jahresbudget und planen Sie in etwa die einzelnen Ausgabenpunkte. Zusammenarbeit mit Agenturen Bei der Realisierung vieler Maßnahmen ist die Zusammenarbeit mit externen Firmen unumgänglich, sofern die Umsetzung professionell angegangen werden soll. Natürlich gibt es immer jemanden im Bekanntenkreis, der mit einem Grafikprogramm umzugehen versteht und für wenig Geld ein Briefpapierlayout erstellt. Doch jeder sieht dem Ergebnis an, daß hier gespart wurde und kein ausgebildeter Designer am Werk war. Sicherlich soll Ihre Rechtsberatung erstklassig sein, und so sollte es auch mit allen Materialien sein, die Ihre Kanzlei verlassen. Fachleute aus Internet- und Werbeagenturen, Pressebüros und Veranstaltungsorganisationen sind Spezialisten in ihrem Gebiet und können die Leistungen in weitaus kürzerer Zeit zu einem respektablen Ergebnis erbringen, als es Kanzleimitgliedern möglich wäre. Bei Aufträgen kleineren Umfangs sind freie Grafiker, Texter und Journalisten sicherlich eine gute Adresse, da sie kostengünstiger sind. Agenturen dagegen können nicht nur umfangreichere Aufgaben bewältigen, sondern bieten eine vielfältigere Leistungspalette an. Freude am Marketing Wer kreativ und kommunikativ ist, der wird merken, daß Marketing nicht nur ein elementares Mittel der Unternehmensführung einer Kanzlei ist, sondern auch viel Spaß macht. Sie können Ihre künstlerischen Anteile ausleben und lernen interessante Menschen kennen. Wem das Marketing so viel Spaß machen sollte, daß er darüber ganz seine anwaltlichen Tätigkeiten vernachlässigt, dem kann geholfen werden. Die deutschen Groß-Sozietäten beschäftigen zunehmend Marketingpersonal für ihre vielfältigen Aktivitäten. Quereinsteiger sind hier durchaus erwünscht. Wer Interesse an einem derartigen Kontakt hat, kann sich an die Autorin dieses Beitrages wenden (Tel.: , Marketingberaterin Claudia Schiebion Professional Marketing Forum Germany, Stuttgart

12 10 f 0 rum Die Vortragsbörse - ein neuer Service für Mitglieder des FORUMs Vortragstätigkeit ist bekanntlich ein ideales Marketinginstrument. Kolleginnen und Kollegen, die hierin Erfahrung haben, wissen aber auch, daß es viel Arbeit kostet, einen Vortrag vorzubereiten. Exklusiv für Mitglieder des FORUMs bietet die AdVoice daher ab sofort einen besonderen Service: Ihr schickt uns Euer Vortragsskript (idealerweise mit Handout und Vorlagen für Folien) und erhaltet im Gegenzug eine Liste aller in unserem Pool vorhandenen Vorträge, von denen Ihr beliebig viele anfordern dürft, und zwar kostenlos. Euren Vortrag stellt Ihr dem Pool zur Verfügung, den dann ein Kollege, allerdings nur außerhalb Eures LG-Bezirks, halten kann. Vorträge zu folgenden Themen stehen momentan zur Auswqhl: Das neue Insolvenzrecht Grundzüge des Betäubungsmittelrechts Haftungsrisiken für Unternehmer Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts Forderungsmanagement Internet für Juristen Zurückweisung verspäteten Vorbringens Also nichts wie ran an den Kopierer und sendet Euren Vortrag an die Redaktion Advoice clo Dieter Trimborn v. Landenberg Stichwort: Vörtragsbörse Postfach 1449, COchem Ausbeutung live - ein Erfahrungsbericht Nach bestandenem Assessorexamen nahm ich eine Stelle als angestellte Rechtsanwältin in einer Kanzlei in den neuen Bundesländern an. Der Arbeitsvertrag wurde Ende Dezember 1997 geschlossen. Die Einstellung erfolgte aus organisatorischen Gründen zum 1. Februar Arbeitsvertraglich wurden folgende Bedingungen vereinbart: Bruttomonatsvergütung: 4.900,00 DM Fachanwaltschaft für Arbeitsrecht nach Ablauf der 6monatigen Probezeit; Kostenübernahme für die Fachanwaltskurse exklusive Spesen durch die Kanzlei bei entsprechender ArbeitsfreisteIlung Jahresurlaub: 30 Arbeitstage Übernahme der monatlichen RAK-Beiträge durch die Kanzlei Aus meiner Sicht stellten diese Arbeitsbedingungen die untere Grenze des Akzeptablen dar. Ausschlaggebend für die Annahme des Stellenangebotes waren für mich zum einen private Überlegungen (gleichzeitiges attraktives Stellenangebot für den Ehemann in derselben Stadt), zum anderen aber vor allem die in Aussicht gestellte Fachanwaltschaft. Wenige Tage vor Arbeitsbeginn wurde ich durch einen der Sozien der Kanzlei gebeten, mich noch schnell "pro forma" beim Arbeitsamt des Arbeitsortes arbeitslos zu melden. Begründet wurde diese Bitte damit, daß man kurzfristig erfahren habe, daß es Möglichkeiten der finanziellen Förderung gebe und daß man es als Entgegenkommen gegenüber der Kanzlei betrachten würde. Wunschgemäß meldete ich mich für einen Tag beim zuständigen Arbeitsamt arbeitslos und hatte sodann einen geförderten Arbeitsplatz inne, ohne mir über etwaige Konsequenzen dieses Umstandes weitere Gedanken zu machen. In der Kanzlei war bereits seit zwei Jahren noch eine weitere Rechtsanwältin beschäftigt, die zuvor mehrere Jahre Berufserfahrung als Gewerkschaftssekretärin gesammelt hatte. Die Arbeitsbedingungen meiner Kollegin waren selbstverständlich besser, insbesondere erhielt sie eine höhere Vergütung. Die Probezeit absolvierte ich problemlos und erreichte auch nach einigen Monaten Vorlaufzeit die arbeitgeberseitige Honorarumsatzvorgabe von ,00 DM monatlich. Im August 1998 wurde der älteren Kollegin ein Änderungsangebot hinsichtlich ihrer Vergütung unterbreitet, was in letzter Konsequenz zum Ausscheiden der Kollegin mit Wirkung zum Ende Oktober 1998 führte. Die Kollegin wurde noch im August 1998 freigestellt. Für sie wurde zum 1. Oktober 1998 eine neue junge Kollegin eingestellt, die bereits erfolgreich die arbeitsrechtlichen Fachanwaltskurse besucht hatte und demnach schon über die von mir angestrebte theoretische Qualifikation verfügte. Zudem wurde die neue Kollegin zu schlechteren Arbeitsbedingungen eingestellt. Die Vergütung betrug 4.700,00 DM brutto monatlich, der jährliche Urlaubsanspruch nur 20 Arbeitstage. Es versteht sich von selbst, daß auch der Arbeitsplatz dieser neuen Kollegin durch das Arbeitsamt gefördert wurde. Nach dem Eintritt der neuen Kollegin in die Kanzlei wurde mein Fachanwaltskurs von den Partnern stillschweigend "auf Eis gelegt". Erst auf nachhaltiges Insistieren wurde mir schließlich zugesagt, daß ich für das kommende Jahr 1999 für diese Kurse angemeldet werden würde - was natürlich nicht geschah.

13 f 0 rum 11 Anfang März 1999 wurde ich von einem der Sozien zu einem Gespräch gebeten. Hierbei wurde mir mitgeteilt, daß jetzt die Förderung für meinen Arbeitsplatz ausgelaufen sei. Es bestünde jedoch die Möglichkeit einer Anschlußförderung durch das Arbeitsamt, die sich allerdings nur auf rund 1.000,00 DM belaufen würde. Arbeitgeberseitig sei man selbstverständlich bereit, diese 1.000,00 DM ungekürzt an mich weiterzuleiten. Allerdings würden die Partner auch sehr gern einen Anreiz für eine engagiertere Akquisetätigkeit schaffen. Mir wurde angeboten, mich weiterhin als angestellte Rechtsanwältin bei veränderter Vergütung zu beschäftigen. Ich sollte zukünftig ein Festgehalt von 1.000,00 DM brutto zuzüglich 20 % meines erzielten Umsatzes erhalten. Um meine bisherige Bruttovergütung weiterhin zu erhalten, hätte ich mindestens einen regelmäßigen Monatsumsatz von ,00 DM machen müssen. Ich erbat und erhielt eine Überlegungsfrist von 2 Wochen, nach deren Ablauf ein Gespräch mit beiden Sozien stattfand. Hierbei führte ich zunächst aus, daß ich das Angebot in seiner derzeitigen Form nicht als akzeptabel betrachten könne, da es für mich wirtschaftlich nicht sinnvoll und auch nicht geeignet sei, die angeblich intendierte Motivation zur selbständigen Akquise zu schaffen. Ich schlug daher eine Vergütung mit einem erhöhten Grundgehalt von wenigstens 3.000,00 DM brutto und einer gestaffelten prozentualen Umsatzbeteiligung vor (z. B. 10 % auf die ersten ,00 DM Umsatz, 20 % auf die nächsten ,00 DM und 30 % auf den über ,00 DM hinausgehenden Monatsumsatz). Außerdem brachte ich zur Sprache, daß die Höhe meines monatlichen Umsatzes durch die Art der Verteilung neuer Mandate wesentlich beeinflußt wird. Hierbei wurde auch thematisiert, daß die neue Kollegin ja schließlich zu einem Festgehalt beschäftigt sei, so daß von ihr auch Mandate mit hohen Gegenstandswerten bei gleichbleibender Vergütung bearbeitet werden könnten. Meine Chefs räumten ein, daß man selbstverständlich gehalten sei, die Kanzlei nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen und ich mir lukrative Mandate zukünftig eben selbst beschaffen müsse. Die von mir unterbreiteten Vorschläge für eine zukünftige Vergütungsregelung wurden sofort als indiskutabel zurückgewiesen. Das Gespräch endete mit der Aussage eines der Sozien, daß er angesichts meiner uneinsichtigen und unflexiblen Haltung keine Basis für eine Zusammenarbeit sehe, daß jedoch zu dieser Frage zunächst noch eine Beschlußfassung durch beide Partner zu erfolgen habe. Ich wurde aufgefordert, die beiden Partner allein zu lassen und mich in mein Büro zurückzuziehen. Dort wurde nach nur wenigen.minuten die Tür aufgerissen, und einer der Partner teilte ihr mit, daß eine Entscheidung getroffen worden sei und daß ich ihm bitte in den Besprechungsraum folgen solle. Noch auf dem Weg dorthin sagte er mir, daß eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses zwingend sei, wenn ich meine verstockte Haltung beibehalte. Sodann wurde ich aufgefordert, die Kanzleischlüssel herauszugeben und mein Büro zu räumen. Eine Rechtsanwaltsfachangestellte wurde abgestellt, mich hierbei zu überwachen. Eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses erfolgte jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mir wurde vielmehr eine "letzte Bedenkzeit" bis zum nächsten Tag, Uhr gewährt. Ich sollte diesen freien Tag nutzen, um "in mich zu gehen" und meinen Standpunkt nochmals zu überdenken. Als ich mich am nächsten Tag noch immer als "unbelehrbar" erwies, wurde mir schließlich die schriftliche Kündigung übergeben. Autorin der Redaktionsleitung persönlich bekannt Aus Schutzgründen anonymisiert Anwälte würden gerne mehr werben wenn sie dürften Wenn es um den Werbeauftritt von Konkurrenten geht, werden viele Rechtsanwälte kleinlich. Diese Erfahrung mußte auch der Freisinger Anwalt Thomas Stadler machen, als er seine Homepage ins Internet stellte. Der 31jährige bot online eine Erstberatung an. Bald darauf fand er eine Abmahnung in seinem Briefkasten. Einer Berliner Kanzlei paßte der forsche Web-Auftritt nicht. "Ich habe die Abmahnung zurückgewiesen, und seit dem kam nichts mehr", sagt Stadler: Im Kollegenkreis habe er von ähnlichen Fällen gehört, berichtet Stadler: Ein Studienkollege hatte eine Anzeige auf der Rückseite eines Telefonbuchs geschaltet und wurde von einem Konkurrenten abgemahnt. Ein Anwalt, der eine Hochglanzbroschüre verschickte, habe eine Unterlassungsverfügung erhalten. Das Geschäft mit dem Recht ist hart. Von 1989 bis 1999 hat sich die Zahl der Rechtsanwälte in Deutschland von auf fast verdoppelt. Pro Jahr kommen Advokaten hinzu, schätzt der Deutsche Anwaltverein (DAV). Gerade Berufseinsteiger haben es schwer, Fuß zu fassen. Nach der Berufsordnung gilt für Anwälte

14 12 f 0 rum ein strenges Werberecht. "Eine überflüssige Sonderregelung", urteilt Tanja Irion, Vorsitzende des Forums junger: Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte beim DAV. "Der Markt braucht mehr Transparenz", fordert die Hamburger Expertin für Medienrecht. "Dafür sorgt auch Werbung." Beim Marketing geht es laut Irion nicht nur darum, gegen die etablierte Konkurrenz für Aufmerksamkeit zu sorgen: "Wir müssen uns gegen andere Berufe abgrenzen, die Quasi-Rechtsberatung bieten". Dazu zählt sie Steuer- und Unternehmensberater oder Rechtsschutzversicherer: Anders als herkömmliche Unternehmen dürfen Rechtsanwälte nur "sachlich und berufsbezogen" werben. Hintergrund: "Die Branche geht mit Gütern um, die sich blanker hochwirtschaftlicher Sicht entziehen", sagt Peter Hamacher, Geschäftsführer des DAV in Bann. Aggressive Werbung sei fehl am Platz. Die sei laut Irion auch bei einer Liberalisierung nicht zu befürchten:,,anwälte leben vom seriösen Image." Die Grauzone zwischen erlaubter und verbotener Werbung macht Anwälten zu schaffen: "Bei den Kollegen herrscht Unsicherheit", erklärt Thomas Stadler: "Es gibt eine Vielzahl von EinzeIentscheidungen darüber, was zulässig ist und was nicht." Außerdem kritisieren Anwälte, daß die regional zuständigen Kammern die Vorschriften der Berufsordnung unterschiedlich auslegen - was in Hamburg erlaubt ist, kann in München verboten sein. Immerhin: Seit 1994 wurde das Werberecht sukzessive gelockert. "Früher durfte man praktisch nichts", stellt Irion fest. Annoncen mußten streng anlaßbezogen sein. Kuriose Folge:,,Anwälte kündigten in der Anzeige etwa die Dauer ihres Urlaubs an", sagt Irion. Inzwischen seien auch Rundschreiben, Broschüren und Internet-Auftritte zulässig. Doch die Reform geht Irion nicht weit genug: "Einige junge Kollegen vermuten, daß die Anforderungen von etablierten Anwälten in den zuständigen Gremien bewußt hochgehalten werden." Anwälte werben vor allem, indem sie in Anzeigen, im Internet oder auf dem Kanzleischild auf ihre Rechtsgebiete hinweisen. Der Transparenz dient das kaum. Wer mindestens zwei Jahre in einem Bereich wie Steuer- oder Familienrecht tätig war, darf das als Tätigkeitsschwerpunkt angeben. Ohne praktische Erfahrung darf er "Interessenschwerpunkt" aufs Schild schreiben. Wer sich Fachanwalt nennen will, muß Berufserfahrung nachweisen und eine theoretische Weiterbildung inklusive Prüfung. Außer Juristen kennt kaum jemand den Unterschied zwischen den einzelnen Bezeichnungen. Für DAV-Geschäftsführer Hamacher sind Junganwälte an einem Teil ihrer Startprobleme selbst schuld. "Sie analysieren die Märkte nicht ausreichend, sind zu wenig innovativ", kritisiert er: "Nur wenige kommen etwa auf die Idee, Rentenberatung anzubieten", nennt Hamacher ein Beispiel. Da nütze die beste Werbung wenig. Zudem mangele es häufig am betriebswirtschaftlichen Knowhow. Das liege auch am einseitigen Studium. Das unter Freiberuflern mit härteren Bandagen gekämpft wird, beobachtet auch der DAV. "Manche Kollegen lesen die Lokalzeitung sehr genau", sagt Verbandssprecher Swen Walentowski. Sie suchen nach Konkurrenten, um sie wegen unerlaubter Werbung abzumahnen. "Junge Kollegen lassen sich dadurch oft einschüchtern." Walentowski rät zur Offensive: "Wir freuen uns, wenn Kollegen den Graubereich vor Gericht ausmessen lassen." Thomas Mersch Dieser Artikel erschien am in der Financial Times Deutschland. Wir danken dem Autor für die freundliche Genehmigung zur Zweitveröffentlichung. 8 Fragen an Verena Schnatterer, Mitglied der Satzungsversammlung Zur Person: Verena Schnatterer (35) ist seit 1994 Rechtsanwältin und eine von fünf Sozien einer Kanzlei in Mainz. Neben dem Bank- und Grundstücksrecht hat sie einen Tätigkeitsschwerpunkt im Arbeitsrecht, in dem sie auch den Fachanwaltstitel anstrebt. Seit 1996 ist Kollegin Schnatterer Mitglied des FORUMs, in dem sie das Amt der Regionalbeauftragten für den LG-Bezirk Mainz innehat. Es ist ungewöhnlich, aber auch erfreulich, daß eine jüngere Kollegin bereit ist, sich den Strapazen eines solchen Ehrenamtes auszusetzen. Welche Motivation spielte für Sie eine Rolle, als Sie sich gesagt haben: "Das will ich machen!"? Es war eine spontane Entscheidung auf der Mitgliederversammlung des Anwaltvereins. Ich habe nicht damit gerechnet, vorgeschlagen zu werden. Meine Motivation ist es, mich aktiv an der Gestaltung des Berufsrechts zu beteiligen und die Chance zu nutzen, bei der Anpassung des Berufsrechts an die heutigen Gegebenheiten mitzuwirken. Insbesondere ist es auch mein Anliegen,

15 f 0 rum 13 die Interessen der Junganwälte und Junganwältinnen in der Satzungsversammlung zu vertreten. Ich würde mich freuen, wenn mich die Mitglieder des Forums bei meiner Tätigkeit mit Anregungen unterstützen würden. War Ihre Wahl eindeutig oder gab es ernstzunehmende Mitbewerber bei der Wahl? Ich war überrascht, gewählt zu werden. Es gab durchaus ernstzunehmende Mitbewerber. Für den Bezirk des OLG Koblenz standen 5 Kandidaten für 3 Sitze zur Auswahl. Von 889 gültigen Stimmen erhielt ich 438. Die beiden weiteren gewählten Kollegen erhielten 480 und 422 Stimmen. Die nicht gewählten Kandidaten 390 und 365 Stimmen. Die Satzungsversammlung tritt erstmalig am 20. Juni 2000 zusammen. Wie bereiten Sie sich konkret auf die Sitzungen vor? Zunächst habe ich die BORA gelesen. Ansonsten habe ich mich mit dem Thema Fachanwaltschaften beschäftigt. Von Kölner Kollegen wurde der Antrag auf Ergänzung der Fachanwaltsordnung um die Fachanwaltsbezeichnung für Versicherungsrecht gestellt. Nun einige inhaltliche Fragen zu Themen, die Sie mitgestalten dürfen. Da ist zunächst das anwaltliche Werberecht, mit dem keiner so richtig glücklich ist. Abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken, sind die Regelungen so mehrdeutig, daß die unterschiedliche Handhabung durch Kammern und Gerichte einen Flickenteppich entstehen ließ, der zu großer Unsicherheit geführt hat und abmahnfreudigen Kollegen einen fruchtbaren Acker bietet. Größere Verwirrung herrscht nur noch unter den Verbrauchern, die mehrheitlich mit Begriffen wie "Tätigkeitsschwerpunkt" und "Interessenschwerpunkt" überfordert sind. Mit welchem Besen wollen Sie diesen Scherbenhaufen kehren? Ich bin für die Abschaffung der Abgrenzung von Tätigkeits- und Interessenschwerpunkten. Diese Abgrenzung hat sich in der Praxis nicht bewährt, da dem Rechtsuchenden der Unterschied zwischen Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkt in der Regel nicht bekannt ist. Es sollte jedem Anwalt gestattet sein, eine unbestimmte Anzahl von Schwerpunkten anzugeben, wobei ich der Auffassung bin, daß eine hohe Anzahl von Schwerpunktangaben nicht zu mehr Mandaten führen wird, da sich der Rechtsuchende die Frage steilen wird, ob ein Anwalt tatsächlich z. B. mehr als 3-4 Schwerpunkte haben kann. Die Führung eines Fachanwaltstitels ist ein nicht zu unterschätzendes Marketinginstrument. Die von vielen geforderte Ausweitung der Fachanwaltschaften bringt andererseits für noch nicht spezialisierte junge Kollegen erhebliche Wettbewerbsnachteile mit sich, wenn alle lukrativen Mandate an die Fachanwälte gehen. Wie schätzen Sie diese Gefahr ein? Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß der Kelch an noch nicht spezialisierten jungen Kollegen vorübergeht. U. a. aus diesem Grund sollten die Fachanwaltschaften nicht uferlos ausgedehnt werden. Es sollte auch nicht versäumt werden, den Rechtsuchenden vor Augen zu führen, daß die juristische Ausbildung in Deutschland sehr umfassend ist und auch ein junger Kollege in der Lage ist, sich jederzeit in alle Rechtsgebiete einzuarbeiten. Zu betonen ist in diesem Zusammenhang auch, daß einem jüngeren Kollegen zumeist auch noch mehr Zeit zur Bearbeitung des Einzelfalles zur Verfügung steht. Zu welchen neuen Fachanwaltschaften werden Sie Ihre Zustimmung geben - und zu weichen nicht? Meine Zustimmung werde ich zu dem Fachanwalt für Versicherungsrecht und Baurecht geben. Nicht jedoch zu dem Fachanwalt für Immobilien- und Mietrecht. Neben der Finanzierung des Kurses ist es für junge Kollegen häufig problematisch, die nötigen Fallzahlen zu erreichen. Hielten Sie es für sinnvoll, die Anforderungen an die Praxis herunterzuschrauben und dafür höhere Anforderungen an die theoretischen Kenntnisse zu stellen? Ein klares Nein, da insbesondere die Praxis von großer Bedeutung ist und die Bezeichnung Fachanwalt nur derjenige führen soll, der sowohl die theoretischen als auch die praktischen Kenntnisse hat. Ich bin der Auffassung, daß es den jüngeren Kolleginnen, die die Fachanwaltsbezeichnung führen möchten, auch gelingt, durch Eigeninitiative die benötigten Fallzahlen zu erreichen. Es gibt viele Fragen, die kontrovers diskutiert werden. Glauben Sie, daß es innerhalb der Satzungsversammlung feste Fraktionen gibt, oder formieren sich die Fronten bei jeder Streitfrage neu? Ich gehe davon aus, daß es, wie auch ansonsten in der Politik, feste Fraktionen geben wird. Die Fragen stellte Dieter Trimbom v. Landenberg Cochem Anm. d. Red.: Kollegin Schnatterer freut sich über Anregungen für die Arbeit in der Satzungsversammlung, die man ihr schriftlich (Fischtorplatz 21, Mainz) oder per mitteilen kann.

16 14 f 0 rum FORUM - PROMOTION 2000 Der Ideenwettbewerb geht weiter! Das FORUM ist zwar die größte Vereinigung junger Juristen in Deutschland, doch ist es längst nicht so bekannt, wie es sein sollte. Um dies zu ändern, hat der Geschäftsführende Ausschuß eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt. Wir wollen schwerpunktmäßig Referendare ansprechen und zum Beitritt motivieren. Wenngleich schon einige Ideen im Raum stehen, wollen wir das kreative Potential der AdVoice-Leser nicht brachliegen lassen. Deshalb seid Ihr alle aufgerufen, Euch mit der Frage zu beschäftigen: Was ist zu tun, um das FORUM bei Referendaren bekannt und attraktiv zu machen? Diese Preisfrage hatten wir bereits in der letzten Ausgabe gestellt. Nachdem sich das Erscheinen der AdVoice 1/2000 aus technischen Gründen so verzögerte, daß viele Leser das Heft erst einen Tag vor dem genannten Einsendeschluß ( ) erhielten, haben wir uns entschlossen, den Wettbewerb bis zum zu verlängern. Für die besten Vorschläge loben wir folgende Preise aus: 1. Preis: Einen Satz Kommentare aus dem Hause C.H. Beck für das Examen oder als Erstausstattung, bestehend aus: Palandt BGB Thomas/Putzo ZPO Dreher/Zimmermann StGB KleinknechVMeyer-Goßner StPO oder alternativ aus dem Deutschen Anwaltverlag für die Erstausstattung die Praxistitel: Heidel/Pauly/Amend AnwaltFormulare Garke Die moderne Anwaltskanzlei Möller, Buchführung, Steuern und Personal Tanck/Kerscher/Krug Das erbrechtliche Mandat 2. und 3. Preis: kostenlose Teilnahme am FORUM im Herbst 2000 in Karlsruhe Die Jury besteht aus der Vorsitzenden Tanja Irion sowie den Kollegen Andreas Hagenkötter und Dieter Trimborn v. Landenberg. Sendet Eure Beiträge an die Arbeitsgruppe FORUM PROMOTION 2000 c/o RA Dieter Trimborn v. Landenberg Postfach 1449, Cochem

17 1. Die Klägerin machte Schadenersatzansprüche wegen Verletzung von Mandatspflichten und wegen Veruntreuung von Mandantengeldern geltend. Sie hatte dem erstbeklagten Rechtsanwalt ein Mandat im Zusammenhang mit Erbstreitigkeiten erteilt. Im Rahmen dessen überwies sie die entsprechenden Nachlaßgelder auf Anraten des Erstbeklagten auf ein auf dem Briefkopf der Kanzlei angegebenes Konto, um sie vor dem Zugriff des pflichtteilsberechtigten Vaters zu sichern. Der Anwalt hatte nicht nur bestehende Nachlaßverbindlichkeiten in erheblicher Höhe (rückständige Steuern des Erblassers und Pflichtteilsansprüche) nicht getilgt, sondern hatte sich zwischenzeitlich abgesetzt. Der Prozeß wurde nicht nur gegen den hauptsächlich tätigen Rechtsanwalt geführt, sondern auch gesamtschuldnerisch gegen seine Rechtsanwaltskollegin im Rahmen der Sozienhaftung. Die Anwältin war auf Briefkopf und Kanzleif 0 rum 15 Der BGH zur Haftung des Scheinsozius Der BGH hat eine bemerkenswerte Entscheidung zur Haftung des Scheinsozius getroffen, die vor allem für anwaltliche Mitarbeiter in Sozietäten relevant sein dürfte. Die nachfolgende Besprechung wurde erstmals in den Entscheidungen zum Wirtschaftsrecht (1999, S. 1165) abgedruckt. Für die freundliche Erlaubnis zum Nachdruck bedanken wir uns. I. Leitsätze (nichtamtlich) : 1. Sofern der äußere Anschein einer Sozietät erweckt wird, haften die Sozien grundsätzlich gesamtschuldnerisch. Der Scheinsozius trägt die Beweislast dafür, daß im Einzelfall ein EinzeImandat erteilt wurde. 2. Die Annahme eines Einzelmandats an einen Sozietätsanwalt kann dann naheliegen, wenn dieser mit einer Tätigkeit betraut wird, die außerhalb der eigentlichen Aufgaben eines Rechtsanwalts liegt. Ein Anwaltsvertrag kann auch anwaltsfremde Maßnahmen umfassen, falls diese in einem engen inneren Zusammenhang mit der rechtlichen Beistandspflicht stehen und auch Rechtsfragen aufwerfen können. 3. Die vertragswidrige Veruntreuung von verwaltetem Vermögen schließt die Sozienhaftung auch dann nicht aus, wenn sie zugleich unerlaubte Handlung und Straftat ist. (BGH, Urt. vom IX ZR 338/97, NJW 1999, 3040 = WM 1999, 1846 = MDR 1999, 1350) 111. Kurzkommentar: schild aufgeführt, machte jedoch geltend, sie sei "freie Mitarbeiterin" gewesen. Da der Hauptbeklagte nicht mehr greifbar war, konzentrierte sich die Klage auf die Haftung der "Sozia". 2. Der BGH prüft nun anhand verschiedener Kriterien, ob eine gesamtschuldnerische Haftung der Kollegin anzunehmen ist. Er stellt zunächst fest, daß die Beklagte jedenfalls "Scheinsozia" sei, da sie auf Briefkopf und Kanzleischild aufgeführt war. Sie haftet daher nach den Grundsätzen der Anscheins- oder Duldungsvollmacht. Der BGH prüft dann, ob hier möglicherweise ein Einzelmandat vorgelegen hat, welches die gesamtschuldnerische Haftung ausschließen würde. Die dem Erstbeklagten allein erteilte Vollmacht läßt er hierfür nicht ausreichen. Die Sozienhaftung könnte entfallen, wenn keine anwaltstypische Tätigkeit zugrunde lag, da dann nicht ein Anwaltsvertrag Grundlage der Haftung wäre. Hier ging es im wesentlichen um die Verwaltung des Nachlaßvermögens. Der BGH meint nun, die Vermögensverwaltung könne man nicht per se als anwaltsfremde Tätigkeit einordnen. Von einem Anwaltsvertrag sei immer dann auszugehen, wenn jedenfalls auch Rechtsberatung und insofern "typische" Anwaltstätigkeit geschuldet sei. Sofern diese im engen Zusammenhang mit der an sich atypischen Tätigkeit (hier: Vermögensverwaltung) stehe, sei alles vom Anwaltsvertrag umfaßt. Da hier auch die Abwehr von Pflichtteilsansprüchen in Rede stand, müsse man von Anwaltstätigkeit ausgehen. Eine Sozienhaftung wäre danach zu bejahen. Hinsichtlich des Gegenbeweises der insoweit beweispflichtigen Sozia für das Vorliegen eines EinzeImandats ist die Sache an das OLG zurückverwiesen worden. 3. Kernpunkt der Entscheidung ist die Einbeziehung von "an sich" nicht anwaltstypischen Tätigkeiten wie der Vermögensverwaltung in den Anwaltsvertrag. Der BGH macht die Bewertung als anwaltstypische Tätigkeit davon abhängig, ob auch Rechtsberatung im Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung geschuldet wird, selbst wenn diese nicht im Vordergrund steht. Er zitiert zwar ein Urteil vom (WM 1995, 344, 347), nach dem eine treuhänderische Tätigkeit ohne Rechtsberatung und -vertretung übernommen werden kann. Letztlich ist aber kaum eine Vermögensverwaltung denkbar, die nicht auch eine rechtliche Bewertung mit sich bringt. Insofern wird man davon ausgehen müssen, daß von nur einem Sozius übernommene Treuhandtätigkeiten im Regelfall im Rahmen eines Anwaltsvertrages erfolgen und somit der Sozienhaftung un-

18 16 f 0 rum terfallen. Der Nachweis eines Einzelmandats für die Treuhandtätigkeit wird in den seltensten Fällen möglich sein. 4. Für die hier in Anspruch genommene Scheinsozia sind die Folgen besonders bitter: Sie hatte nicht einmal Vollmacht für das auf dem Briefkopf angegebene Kanzleikonto und war mit dem Mandat allenfalls am Rande befaßt. Daß sie für Beratungsfehler würde haften müssen, hätte ihr nach der Rechtsprechung zur Sozietätshaftung klar sein müssen; mit der Inanspruchnahme für die Treuhandtätigkeit des Kollegen rechnete sie wohl nicht. Da selbst unerlaubte Handlungen bzw. Straftaten im Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung in der Regel nicht die Sozienhaftung entfallen lassen (nur bei rein deliktischem, vertragsunabhängigem Verhalten wäre das nach BGHZ 45, 311, 312 f. der Fall), muß man die Sozienhaftung auch im Hinblick auf an sich atypische Tätigkeiten als Regel ansehen. Für den Nachweis eines Einzelmandats trägt der "Scheinsozius" die Beweislast. Wie er dies in der Praxis schaffen soll, bleibt offen. Insbesondere einem jungen Mitarbeiter, der keinen rechten Einblick in die Tätigkeiten seines Kollegen hat, weil er weder Kontovollmacht hat, noch sonst in die Mandate eingeweiht worden ist, wird dies kaum gelingen. Junge Rechtsanwälte, die als "freie Mitarbeiter" oder als angestellte Rechtsanwälte arbeiten, sollten sich also ernsthaft überlegen, ob sie wirklich nach kurzer Zeit auf dem Briefkopf erscheinen wollen. Wer sich auf eine Scheinsozietät einläßt, sollte sich besser der Seriosität seiner Kollegen sehr sicher sein. Fokus Steuerrecht Rechtsanwältin Antje Jungk Allianz Versicherungs-AG München Steuerreform: Was bringt die Familienentlastung? Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Entscheidungen vom zur steuerlichen Freistellung des Kinderexistenzminimums Stellung genommen. In drei Entscheidungen (BStBI , 174, 193 und 194) wurden die Kinderfreibeträge (vgl. 32 Abs. 6 EStG) 1985, 1987 und 1988 für zu niedrig und daher mit Art. 3 Abs. 1 i. V. m. Art. 6 Abs. 1 GG für unvereinbar erklärt. Der BFH wird vom Bundesverfassungsgericht aufgefordert, in den Ausgangs- und allen anhängigen Parallelverfahren zu prüfen, ob die Einkommensteuer bis zu der Höhe erlassen werden kann, die die Höhe übersteigt, die sich ergäbe, wenn das von Verfassung wegen zu berücksichtigende Kinderexistenzminimum in Form eines Kinderfreibetrags berücksichtigt wäre. Der BFH hat mit Beschluß vom (DStR 1999, 276) das Bundesfinanzministerium aufgefordert, dem Verfahren beizutreten. In einer weiteren Entscheidung vom (BStBl , 182) hat es das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig angesehen, daß lediglich Alleinerziehende, nicht aber in ehelicher Gemeinschaft lebende Eltern in den Genuß der geltenden Regelungen über Kinderbetreuungskosten ( 33c EStG) und Haushaltsfreibetrag ( 32 Abs. 7 EStG) kommen. Die Regelung der Kinderbetreuungskosten soll noch bis zum , die Regelung des Haushaltsfreibetrags bis zum fortbestehen. Die Finanzverwaltung gewährt in laufenden Rechtsbehelfsverfahren Vorläufigkeitsvermerke (vgl. FinMin. Niedersachsen, Erl. vom ; DStR 1999, 419; OFD Koblenz, Vfg. vom , DStR 1999, 674). Diese sollen die Berücksichtigung der zu erwartenden Verbesserungen in laufenden Verfahren sicherstellen. Der Vorläufigkeitsvermerk bringt keinen Vorteil, solange gesetzlich zu erwartende Verbesserungen nicht rückwirkend eingeführt werden. Insoweit ist in Betracht zu ziehen, laufende Rechtsbehelfsverfahren trotz Vorläufigkeitsvermerks offenzuhalten. Als Konsequenz der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hat der Gesetzgeber den Kinderfreibetrag, den Betreuungsfreibetrag sowie den Haushaltsfreibetrag neu zu regeln. In einer ersten Stufe der Neuregelung des Familienlastenausgleichs sieht der Gesetzgeber ab dem vor, im Rahmen des Existenzminimums eines Kindes nicht nur den sachlichen Bedarf, sondern auch den Betreuungsbedarf als Teil des Existenzminimums eines jeden Kindes anzuerkennen und steuerfrei zu stellen. In einem neuen 32 Abs. 6 EStG wird ein typisierender Betreuungsfreibetrag i. H. v DM für ein Elternpaar (1.512 DM für jeden Elternteil), der unabhängig von tatsächlich entstandenen Aufwendungen abgezogen wird, eingeführt. Dies gilt für Kinder bis zum 16. Lebensjahr. Sonderregelungen gelten für körperlich, geistig oder seelisch behinderte Kinder. Ferner wird Kindergeld für erste und zweite Kinder ab dem um jeweils 20 DM von 250 DM auf 270 DM erhöht. Das Kindergeld wird allerdings künftig sowohl auf die steuerliche Wirkung des bisherigen Kinderfreibetrags als auch

19 f 0 rum 17 des neuen Betreuungsfreibetrags angerechnet. Die Neuregelungen gelten ab dem Veranlagungszeitraum Eine rückwirkende Vergünstigung ist also nicht vorgesehen. Rechtsanwalt Dr. Burkhard Binnewies und Rechtsanwalt Dr. Heinz-Willi Kamps Fokus Internet Ausgewählte Internetadressen: Datenbanken.html Juristische Datenbanken aus aller Welt Köln Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der EU httpj/www.simons-iaw.com/laber.htm Nach eigenen Angaben Berichte aus 27 europäischen Ländern zur raschen und umfassenden Orientierung über die Gerichtssysteme, die rechtlichen Bedingungen der anwaltlichen Tätigkeit sowie die Berechnung von Anwaltshonoraren Alles zum Online-Recht - Universität Münster Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht, sehr empfehlenswertes Skriptum zum Internetrecht Bundesweiter Dokumentenlieferdienst der deutschen Bibliotheken ~dvr/ Der "virtuelle Rechtsvergleicher" Umfangreiche juristische Linksammlung Die wohl umfangreichste USA-Linkliste US-Suchmaschine Handelsregister-Online / mailingliste.htm Verzeichnis juristischer Mailinglisten Zusammengestellt von Rechtsanwalt Martin Lang München Das FORUM im Netz! Unter der Adresse hat das FORUM jetzt seine eigene Homepage. Zwei Punkte verdienen besondere Erwähnung: Zum einen gibt es einen Terminkalender, wo auf Veranstaltungen für junge Kollegen hingewiesen wird. Zum anderen gibt es einen Bereich nur für Mitglieder, in dem besondere Serviceleistungen angeboten werden (u. a. Mailinglisten, Korrespondenzlisten, Downloads). Der Zugang erfolgt über ein Passwort, den Ihr beim Regionalbeauftragten in Eurer Nähe telefonisch erfragen könnt. Die One-Man-Show - Ein Tag im Leben eines Einzelkämpfers Im Monat zwei nach der Kanzleigründung beginnt der Tag um 8.00 Uhr in der Frühe, da man immer noch Angst hat, sonst den Auftrag, der einen saniert, an einen Kollegen zu verlieren. Nach dem Betreten des Büros fällt der Blick erwartungsvoll auf den Anrufbeantworter, er blinkt und zeigt vier Anrufe (das sind mehr Anrufe als letzte Woche zusammen). Da jedoch soviel zu tun ist, wird das Abhören auf später verschoben. In fünf Minuten sind sämtliche Jalousien oben und es ist soweit, man drückt leicht nervös die Wiedergabetaste und hört das angenehme Rauschen einer nicht mehr bestehenden Telefonverbindung. Dieser kurze Moment der Nachdenklichkeit geht in dem zweiten Anruf unter, in dem der heutige erste Besprechungstermin abgesagt wird. Aber man hat extra für den frühen Nachmittag einen zweiten Termin vereinbart, damit man nicht den ganzen Tag allein ist. Der dritte und vierte Anruf beinhalten Nachfragen der Versicherungen in einer Verkehrsunfallsache bezüglich der nicht beigelegten Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht. Hier stellt sich natürlich die aktuelle Frage: Wäre ein solcher Fehler von einem Fachanwalt für Verkehrsrecht zu verhindern gewesen? Der hieraus resultierende Schaden konnte jedoch für den Mandanten geringgehalten werden, und man kennt nun zumindest die freundliche Sachbearbeiterin der Versicherung persönlich.

20 18 f 0 rum Nachdem die Post erst gegen Uhr kommt und die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht per Fax übersandt wurde, stellt sich die Frage, was man in den nächsten zweieinhalb Stunden als erstes in Angriff nimmt. Kurz schleicht sich der Gedanke ein, man könne versuchen im Flipper-Spielen einen neuen Highscore zu erreichen oder beim Schach die Spielstärke zu verändern. Aber das schlechte Gewissen mahnt, man solle vielleicht noch einmal die Scheidungsakte ansehen, da der Kollege in der Verhandlung am nächsten Morgen doch ein "alter Hase" ist, der möglicherweise für seinen Mandanten noch ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Allerdings geht es nur um Versorgungsausgleich, Unterhalt und Scheidungsausspruch. Der Versorgungsausgleich ist von Amts wegen durchzuführen, die Scheidung will auch jeder, die Berechnung von Unterhalt nach den Tabellen ist auch nicht dramatisch schwer und der fünfte Blick in eine Akte bringt mich auch nicht weiter. Die nächste Überlegung wäre, die Mahnsache einer KG zu bearbeiten, die seit 14 Tagen auf dem Schreibtisch liegt; nur wie füllt man einen Mahnbescheid aus und dann noch für eine KG? Allerdings sollte man seinen 4. Mandanten nicht unbedingt hinhalten, also ran an den Speck und ausfüllen. Das Ergebnis sah an sich ganz gut aus, daher ab in die Post und warten. Die Wartezeit war etwas kürzer, als die Kollegen immer behaupten, es lag vielleicht an der Tatsache, daß über der Antwort "Monierung" stand. Also Mahnbescheid der Zweite ausgefüllt nach dem Motto: Nun kann es langsam losgehen. Es ging wieder schneller, was natürlich daran lag, daß es ja nur noch die Behebung der einen Monierung war. Aber das Amtsgericht war anderer Meinung und schickte den MB mit einer weiteren Monierung zurück. Das Ganze hätte eine unendliche Geschichte werden können, wenn nicht bei der dritten Beanstandung freundlicherweise die Telefonnummer der Sachbearbeiterin deutlich gekennzeichnet gewesen wäre. Ein etwas längeres Telefongespräch konnte die Angelegenheit aufklären, und der Mahnbescheid wurde zugestellt. Nebenbei bemerkt: Im Gebüh ren-/kosten recht und in Fragen der Zwangsvollstreckung sammelt man bei Rechtspflegern keine Pluspunkte, wenn man sich als Volljurist aufspielt. Wer einfach sagt, daß er nicht weiter weiß, erhält kostenlos die Lektionen, die uns unsere hervorragende Ausbildung vorenthält. Doch zurück zum Tagesablauf: Der Mahnbescheidsantrag war um Uhr ausgefüllt, für einen Anfänger sind 1 1/2 Stunden ein zufriedensteliendes Ergebnis, für das ich mich mit einigen Computer-Spielen belohnt habe. Um Uhr ging es zum Briefkasten, und diesmal war ein Brief vom AG dabei und es stellte sich ein kleines unangenehmes Gefühl ein, ich könne meine Klage aufgrund eines Fehlers, der auch noch im Urteil steht, verloren haben. Nach Erledigung der Post wurden dann die Fristen aufgeschrieben, obwohl man bei sechs laufenden Akten das meiste noch im Kopf hat, und die Mandanten über die Schriftsätze informiert. Um Uhr wurde für zwei Stunden Mittag gemacht: Es lebe das Internet. Zurück aus der Mittagspause, stand ein kleiner Artikel zum Verkehrsrecht an, um mich im redaktionellen Teil der Lokalzeitung diskret als Fachmann auszuweisen. Kurz vor Uhr und dem Besprechungstermin mit Mandant Nummer 7 kam eine leichte Nervosität auf, da ich vergessen hatte, vorab am Telefon nach seinem Problem zu fragen. Der Mandant schaute kurz erstaunt, daß er im Vorzimmer nicht von einer Mitarbeiterin, sondern direkt von mir begrüßt wurde. Im Gespräch (Kündigung seiner Mietwohnung) konnte ich jedoch keine Bedenken gegen mein Alter oder meine Alleintätigkeit feststellen. Die Beratung mußte auch nach seinem Geschmack ausgefallen sein, denn ich erhielt das Mandat, für ihn zu klagen. Es könnte natürlich auch daran gelegen haben, daß zwei Tage später die Frist ablaufen würde und ich keinen Vorschuß nahm. Dies hieß, nachdem er gegangen war, einen Schriftsatz abzufassen. Dank einschlägiger Formularsammlungen war die Form schnell gefunden, denn nicht das materielle Wissen bereitet bei dem Einstieg in die Rechtsanwaltstätigkeit Schwierigkeiten, sondern das formale. Mitten im Schreiben kam dann ein Anruf, der die Konzentration unterbrach, und dank ISDN kam gleichzeitig der zweite Anruf des Tages. So etwas nennt man Segen der Technik!? Die Klage wurde dann fertiggestellt, als kurz nach Uhr das Telefon erneut klingelte (Anrufrekord) und sich ein Strafrichter meldete, er habe eine Pflichtverteidigung und würde diese gerne an mich vergeben. Er fragte, ob ich am Mittwoch nächster Woche für die Hauptverhandlung Zeit hätte, alle Zeugen wären bereits geladen und der ursprüngliche Verteidiger könne nicht (mehr). Die Akten könne er jedoch nicht mehr übersenden ob ich sie nicht heute noch abholen könnte für

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