Brückenangebote zwischen obligatorischer. Schule und Berufsbildung

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1 Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung Bericht der Arbeitsgruppe Brückenangebote an die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz mit Beschluss der BKZ vom Bildungsplanung Zentralschweiz Zentralstrasse 18 CH-6003 Luzern Telefon Telefax Luzern, 20. August 2003 /

2 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Ausgangslage Grundlagen und Grundannahmen für die Ausarbeitung des Berichtes Arbeitsweise 5 2. Zusammenfassender Überblick Einleitung Übersichten zu den Brückenangeboten 8 2.2a Gliederung der Brückenangebote 8 2.2b Profil der Brückenangebote auf einen Blick 8 2.2c Übersicht der Profile der Brückenangebote Brücken zur beruflichen Grundbildung Abgrenzung der Brückenangebote Grundsätzliches zu den Brückenangeboten Definition Grundsätzliches zu den Aufnahmebeding.: gemeinsame Aufnahme-Instanz Anforderungen an die Lehrpersonen Beratung, Betreuung und Coaching Statistische Daten als Planungshilfe Erfolgsquote der Brückenangebote Kosten für schulische und kombinierte Brückenangebote Aufsicht und Qualitätssicherung Profil der Brückenangebote Kombiniertes Brückenangebot Schulische Brückenangebote a Schulisches Brückenangebot Typ A b Schulisches Brückenangebot Typ B c Integrations-Brückenangebot Situierung der Brückenangebote Kantonsübergreifende Zusammenarbeit Bestehende Brückenagebote in der Zentralschweiz Vorschläge für kantonsübergreifende Zusammenarbeit Synergien nutzen Regionale Zusammenarbeit Anträge Beschluss der BKZ vom Anhang: Anschlusslösungen 31 2

3 1. Einleitung 1.1 Ausgangslage An der Sitzung vom 20. Juni 2001 wurde der Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz BKZ das Grobkonzept Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung - Entwicklungsperspektiven unterbreitet. Umfrage-Ergebnisse in den Kantonen der Zentralschweiz bildeten die Grundlage für die Entwicklung dieses Konzeptes. Es enthält einen Vorschlag zur Reorganisation mit einem neuen Strukturmodell. An der erwähnten Sitzung wurde von der BKZ beschlossen, eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen aus allen BKZ-Kantonen einzusetzen. Sie erhielt den Auftrag, die in diesem Papier formulierten Anträge zu konkretisieren. Im Einzelnen sind dies: - Das skizzierte Strukturmodell ist zu konkretisieren. - Die Brückenangebote sind nach Möglichkeit zusammen zu fassen. - Die kantonsübergreifende Zusammenarbeit ist zu prüfen, und es ist zu klären, welche Kantone zur Zusammenarbeit bereit sind. - Es ist anzustreben, die Brückenangebote auf der Sekundarstufe II zu führen. Auf der Basis dieser Anträge hat die AG Brückenangebote den Bericht Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung ausgearbeitet. An der Sitzung vom 12. Dezember 2002 wurde der Bericht der BKZ mit folgenden Anträgen unterbreitet: 1. Das vorliegende inhaltliche Konzept wird genehmigt: In der Region Zentralschweiz sollen die vier verschiedenen Brückenangebote realisiert werden. 2. Die BKZ empfiehlt den Kantonen, die Zusammenarbeit nach den vorgeschlagenen Kooperationsräumen zu gestalten (vgl. 5.2) 3. Für die Umsetzung des inhaltlichen Konzeptes werden drei Arbeitsgruppen eingesetzt: - AG Schulische und kombinierte Brückenangebote: Entwicklung eines Rahmenlehrplanes - AG SoS Brückenangebot: Entwicklung eines Detailkonzeptes - AG Integrationsangebot: Entwicklung eines Detailkonzeptes bzw. eines Rahmenlehrplanes 4. Die Koordination der Arbeiten wird von einer Begleitgruppe wahrgenommen, in welcher alle Kanone vertreten sind. Die Leitung dieser Gruppe wird von der BPZ wahrgenommen. Die BKZ hat sich intensiv mit dem Bericht auseinandergesetzt. Sie kam zur Überzeugung, dass das Konzeptpapier nicht beschlussreif sei. Es wurde zur Überarbeitung an die Bildungsplanung Zentralschweiz zurückgewiesen. Jedoch können die konzeptionellen Arbeiten zu den Modellen schulisches und kombiniertes Brückenangebot gemäss Antrag 3 weitergeführt werden. 3

4 1.2 Grundlagen und Grundannahmen für die Ausarbeitung des Berichtes Grundlage für die Ausgestaltung des vorliegenden Konzeptes bildeten die nachstehend aufgeführten Kerngedanken. Diese bildeten ebenfalls die Basis für das Grobkonzept, welches der BKZ am 20. Juni 2001 unterbreitet wurde. - Brückenangebote sollen Jugendliche zu tragfähigen Berufswahlentscheiden führen und die Realisierung individuell unterstützen. - Brückenangebote sollen jungen Leuten offen stehen, die noch keinen angemessenen Einstieg in die Berufsbildung oder in weiterführende Ausbildungen gefunden haben. - Brückenangebote sollen im intensiven Austausch zwischen Schulen und Wirtschaft stehen. Sie arbeiten mit ihren Partnern der Berufs- und Mittelschulen, Beratungsdiensten und Praktikumsbetrieben der Region zusammen. - Brückenangebote sollen Schlüsselqualifikationen wie selbst gesteuertes Lernen, effiziente Lern- und Arbeitstechnik, Kooperations- und Entscheidungsfähigkeit gezielt fördern und einfordern. - Brückenangebote sollen junge Leute anleiten, eigene Vorzüge zu stärken und jene Defizite anzugehen, die für die angestrebte berufliche Tätigkeit hinderlich sein könnten (Stärken-Schwächen-Profil). Sie sollen Gelegenheit erhalten, individuelle Lücken aufzuarbeiten und ihre Stärken auszubauen. - Brückenangebote sollen die Berufsfindungskompetenz - soweit noch nötig - fördern sowie die Jugendlichen in ihrer Berufswahl und bei der Lehrstellensuche in adäquater Form individuell unterstützen. - Brückenangebote sollen auch für bisher gesellschaftlich und wirtschaftlich kaum integrierte junge Leute geeignete Lernangebote erschliessen, die ihnen den (Wieder-)Einstieg in eine berufliche Tätigkeit oder in eine berufliche Grundbildung ermöglichen. - Brückenangebote sollen die Jugendlichen befähigen, Ziele zu setzen, zielgerichtet zu handeln und die Zielerreichung zu überprüfen. - Brückenangebote sollen auf den momentanen Entwicklungsstand, die unterschiedlichen Lernbedürfnisse, Begabungen, Lerntypen und Berufsziele der Jugendlichen eingehen. - Brückenangebote sollen konzeptionell aufeinander abgestimmt sein. Grundannahmen: Neben diesen Kerngedanken, die dem Grobkonzept vom 20. Juni 2001 zu Grunde liegen, waren der Arbeitsgruppe bei der Bearbeitung der in diesem Grobkonzept formulierten Aufträge folgende Grundannahmen von zentraler Bedeutung: - Hauptziel bleibt nach wie vor ein nahtloser Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II mit einer umfassenden Berufswahlvorbereitung auf der Sekundarstufe I. 4

5 - Auf der Sekundarstufe I ist nach wie vor eine umfassende und zielgerichtete Berufswahlvorbereitung zu gewährleisten. - Einer schleichenden Verlängerung der Volksschulzeit ist mit allen Mitteln entgegen zu wirken. - Beim Brückenangebot handelt es sich um ein eigenständiges Bildungsangebot mit einem Aufnahmeverfahren, das Restriktionen erlaubt. - Der Kontakt zur Praxis ist in allen Brückenangeboten wichtig. - Die verschiedenen Brückenangebote haben eine hohe Erfolgsquote in Bezug auf den Übergang in die Sekundarstufe II auszuweisen. - Brückenangebote sind relativ kostenintensiv, weil sie individuelle Lehr- und Lernformen und Coaching verlangen. Sie sind aber immer noch billiger als Arbeitslosen und Wiedereingliederungsmassnahmen. 1.3 Arbeitsweise 1. Phase: Die Arbeitsgruppe kam am zu einer ersten Sitzung zusammen. Sie entschied, in einer ersten Phase mit betroffenen Institutionen und Schulen Kontakt aufzunehmen. Es wurden deshalb zu Beginn Hearings mit Personen aus den Bereich Schulisch begleitete Praxiseinsätze, aus dem Bereich Integrationsklassen und aus dem Bereich Berufsvorbereitendes Schuljahr eingeladen. Zudem besuchte die Arbeitsgruppe das Weiterbildungsjahr in Rheinfelden - ein neu konzipiertes Brückenangebot, das vor zwei Jahren startete. Die Ergebnisse der Diskussionen und Erkenntnisse beim Schulbesuch bildeten die Grundlage für die Weiterentwicklung der Modelle. Das vorliegende Konzept wurde während der Erarbeitungsphase der zentralschweizerischen Austauschgruppe 10. Schuljahr vorgestellt und diskutiert. 2. Phase: Am 12. Dezember 2002 wurde das Konzept der BKZ zur Genehmigung unterbreitet. Sie wies es zurück u.a. mit dem Hinweis, dass zusätzliche Klärungen mit den betroffenen Berufsbildungsinstitutionen, namentlich mit der Berufsbildungsämter-Konferenz, vorzunehmen seien. In der Folge wurden die betroffenen Institutionen zur Stellungnahme eingeladen. Beim nun vorliegenden Bericht wurden folgende Stellungnahmen berücksichtigt: - ZBK Zentralschweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz: Brückenangebote Hinweise zur Ergänzung des vorliegenden Berichts der Zentralschweizer Arbeitsgruppe aus Sicht der Zentralschweizer Berufsbildungsämter-Konferenz. - Innerschweizer Konferenz der Zentralstellenleiter/innen für Berufsberatung IKZB: Stellungnahme zum Grundlagenbericht der Bildungsplanung Zentralschweiz Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung. 5

6 - Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug: Stellungnahme zum Bericht Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung. - Regionale Arbeitsgruppe Interkulturelle Pädagogik : Stellungnahme zum Bericht Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung. - Stadtschulen Zug (Rektorat): Stellungnahme zum Bericht Brückenangebote zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung. Die Gruppe traf sich in der ersten Phase zu 10 Arbeitssitzungen, in der zweiten zu vier. Zudem fanden in der zweiten Phase Gespräche mit Vernehmlassungsteilnehmer/innen und nochmals mit Vertreter/innen bestehender Brückenagebote statt. Von der Praktikantin Christine Heini werden zudem in einem umfassenden Bericht die Brückenangebote und die Motivationssemester in den Kantonen Bern, Zürich, Baselstadt und land, Aargau, St. Gallen und Solothurn beschrieben. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Mitgliedern aller BPZ-Kantone zusammen: BPZ: Xaver Winiger, Projektleitung LU: Joe Bucheli, Amt für Volksschulbildung, Leiter Abteilung Unterricht UR: Heinrich Leu, Berufsberater SZ: Emil Ulrich, Schulinspektor SZ: Walter Regli, Projektleiter LSB 2 OW: Peter Ming, Leiter berufliche Förderangebote NW: Ruedi Eigensatz, Prorektor Berufsschule ZG: Heinz Amstad, Schulleiter Berufsvorbereitungsschule VS: Roger Mathieu, Dienststelle für Unterrichtswesen Das vorliegende Ergebnis ist das Produkt der intensiven Auseinandersetzungen in dieser Arbeitsgruppe. Dabei haben wir uns primär auf die Zentralschweiz konzentriert. Für das Wallis ergeben sich vor dem Hintergrund des Auftrages geringe Kooperationsmöglichkeiten. Das vorliegende Konzept kann voll unterstützt werden. Die spezielle Situation (zwei EDK-Räume, kritische Zahl der angesprochenen Jugendlichen, das deutschsprachige Oberwallis, geografische Lage, verkehrstechnische Möglichkeiten usw.) machen eine regionale Zusammenarbeit schwierig. Synergien können jedoch im Bereich Rahmenlehrplan, Konzept, Abschlusszeugnis, Weiterbildungsangebote, Erfahrungen u.a.m. genutzt werden. 6

7 2. Zusammenfassender Überblick 2.1 Einleitung Dieses Kapitel enthält drei Teile: - Übersicht der Profile der Brückenangebote Drei verschiedene Darstellungen zeigen Übersichten zu den Brückenangeboten. Die erste Darstellung macht deutlich, dass grundsätzlich zwischen kombinierten und schulischen Brückenangeboten unterschieden wird. Die zweite präsentiert die Profile der Brückenangebote auf einen Blick. Die dritte, etwas differenziertere Darstellung enthält Aussagen zum Profil, zu den Zielgruppen und zu den Aufnahmebedingungen. - Brücken zur Berufsbildung Im zweiten Teil werden die Brückenangebote, welche zwischen der obligatorischen Volksschule und der Berufsbildung bzw. weiterführenden Schulen angesiedelt werden, optisch dargestellt. Diese Übersicht macht deutlich, dass die Brückenangebote zwischen der obligatorischen Volksschule und der Berufsbildung bzw. den weiterführenden Schulen liegen. - Positionierung der Brückenangebote: Abgrenzung zu verwandten Angeboten In einem dritten Teil wird vor dem Hintergrund der vier Brückenangebote eine Abgrenzung zu den verwandten Angeboten Vorlehre und Berufliche Grundbildung mit Attest (bisher Anlehre) vorgenommen. Zum Begriff Brückenangebote Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie verwendet in seinen BBT-Empfehlungen 2000 konsequent den Begriff Brückenangebote. Diese Angebote sind an der Nahtstelle zwischen der obligatorischen Schulzeit und der Beruflichen Grundbildung oder weiterführenden Schulen angesiedelt. Das vorliegende Konzept betrifft diesem Bereich. In Anlehnung an die BBT Empfehlungen verwenden wir (wie z.b. auch die Kantone AG, BL, BS) ebenfalls den Begriff Brückenangebote. 7

8 2.2a Gliederung der Brückenangebote Brückenangebote Kombinierte Brückenangebote Schulische Brückenangebote Flexible Gestaltung auf Grund - Leistungsfähigkeit - Motivation - soziokultureller Zusammensetzung Schulisches Brückenangebot Typ A Typ B Schulisches Brückenangebot Integrations- Brückenangebote 2.2b Profil der Brückenangebote auf einen Blick Ausbildungsschwerpunkt Angebot: Kombiniertes Brückenangebot Schulisches Brückenangebot Schulisches Brückenangebot KoBrA Typ B Typ A IBra Praktische Tätigkeiten Praktische sowie allgemeine Bildung Allgemeinbildung Förderung Schlüsselqualifikationen Integrations- Brückenangebot Deutsch- und Kulturkenntnisse Praxistätigkeit ja, in Betrieben ja, schulisch Anteil relativ tief Anteil relativ tief Allgemeinbildender Schulanteil Voraussetzungen*: 1-2 Tage/Woche 40% (bezogen aufs Jahr) 5 Tage/Woche (inkl. Praxisanteil) 5 Tage/Woche (inkl. Praxisanteil) Schulleistungen untere bis untere bis mittlere bis offen Sekundarstufe I mittlere mittlere hohe Schulmotivation mittel mittel hoch hoch Berufswahlentscheid ziemlich klar offen offen oder gefällt offen oder gefällt *) Für alle vier Angebote gilt: Leistungsbereitschaft muss vorhanden sein. Wer in allen vier Brückenangeboten keine Aufnahme findet => RAV (Einstieg in die Berufswelt. Motivationssemester, Finanzierung über Arbeitslosenkasse) 8

9 2.2c Übersicht der Profile der Brückenangebote Kombinierte Brückenangebote Schulisches Brückenangebot Typ B Schulisches Brückenangebot Typ A Integrations- Brückenangebot Profil - Praktische Tätigkeiten in Betrieben und Allgemeinbildung (1-2 Tage) - Erlernen von Fachkompetenzen in einem bereits bestimmten Berufsfeld - Mehrheitlich praktische Schulung sowie Allgemeinbildung - Unterstützung und Beschleunigung des Berufswahlprozesses - Schwerpunkt Allgemeinbildung - Förderung Berufswahl - Förderung von Deutschkenntnissen und Integration in unsere Kultur mit allgemeinbildenden Inhalten - Förderung Berufswahl - Unterstützung zum definitiven Berufswahlentscheid und beim Finden einer Lehroder Arbeitsstelle - Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung mit einfachen bis mittleren schulischen Anforderungen (Attestabschluss oder Fähigkeitszeugnis) - Vorbereitung auf Berufe mit höheren und mittleren Ansprüchen sowie auf weiterführende Schulen - Vorbereitung auf den Einsteig auf die berufliche Bildung und weiterführende Schulen Zielgruppe - Ist berufswahlreif und kennt mindestens die ungefähre Berufsrichtung - Unteres bis mittleres Leistungsniveau - Ist nicht berufswahlreif - Unteres bis mittleres Leistungsniveau - Ist nicht berufswahlreif oder berufswahlreif mit realistischer Selbsteinschätzung - Gutes bis mittleres Leistungsniveau - Spät immigrierte Jugendliche mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen - Alle Leistungsniveaus Aufnahmebedingungen* - Beurteilung der abgebenden Schule über das Stärke- /Schwächeprofil - Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Berufsund Arbeitswelt - Beurteilung der abgebenden Schule über Zielsetzungen und Stärke-/Schwächeprofil - Formulierung der Ausbildungsziele (konkret oder allgemein) - Fremdbeurteilung (z.b. Beurteilung abgebender Schule) über Motivation und Leistungsfähigkeit - Nachweis aktiver Berufswahlbemühungen - Formulierung der Zielsetzungen oder Empfehlungen einer Ausbildungsinstitution - Alter: bis 21 Jahre (Empfehlung BBT 2000) - Bereitschaft, die Zielsetzungen der Integration zu erfüllen und sich auf eine Ausbildung vorzubereiten - Ausbildungsvereinbarung zwischen Jugendlichen und Schule - Ausbildungsvereinbarung zwischen Jugendlichen und Schule - Lernvereinbarung zwischen Jugendlichen und Schule * Für alle gilt: Leistungsbereitschaft und genügend Entwicklungspotential müssen vorhanden sein 9

10 2.3 Brücken zur beruflichen Grundbildung Berufsmaturität Weiterführende Schulen Berufliche Grundbildung mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) Dauer: 3 oder 4 Jahre Berufliche Grundbildung mit Attest Dauer: 2 Jahre Kombiniertes Brückenangebot Schulisches Brückenangebot flexible Gestaltung bezüglich Gruppenbildung Typ A Typ B Integrations- Brückenangebot Kantonale Aufnahmeinstanz für alle Brückenangebote Immigration nach oblig. Schulpflicht Obligatorische Schulzeit der Volksschule 10

11 2.4 Abgrenzung der Brückenangebote von Vorlehre und beruflicher Grundbildung mit Attest Vorlehre Die Vorlehre, im Sinne der Verlängerung der Lehrzeit als integrierender Bestandteil des Lehrvertrages, grenzt sich von den eigentlichen Brückenangeboten aus folgenden Gründen ab: - Gesetzlich stützt sie sich auf Art. 18 Abs. 2 BBG ab, wonach es sich um eine mögliche Verlängerung der Lehrzeit handelt. - Der Unterricht findet während dem Vorlehrjahr an der Berufsschule statt. Der Inhalt der betrieblichen Ausbildung (1. Lehrjahr) wird auf zwei Jahre verteilt und systematisch vermittelt. Aus diesen Rahmenbedingungen geht eindeutig hervor, dass es sich bei der Vorlehre um einen Bestandteil einer regulären Lehre handelt und sich von der Grundidee der Brücke ganz klar abhebt. Zudem besteht bei der Vorlehre die Gefahr, dass sie von Lehrbetriebs- und Verbandsseite als Möglichkeit einer generellen Verlängerung der Grundausbildung instrumentalisiert wird. Berufliche Grundbildung mit Attest (bisher Anlehre) Die Berufliche Grundbildung mit Attest wird mit Inkrafttreten des nbbg die Anlehre ablösen. Sie ist eine zweijährige Grundausbildung mit Attestabschluss. Neu daran sind die Standardisierung der Ausbildung und die Durchlässigkeit zu den drei- und vierjährigen Lehren mit Fähigkeitszeugnis (EFZ). Berufsentschlossene Jugendliche mit kleinerem Schulsack und verringertem Lerntempo können über den Weg der zweijährigen Grundbildung mit Attest direkt in die Berufsausbildung einsteigen, ohne sich dadurch (wie bei der Anlehre) in eine Sackgasse zu begeben. Für einen anschliessenden Übertritt in eine Lehre mit EFZ bietet die Berufliche Grundbildung mit Attest in solchen Fällen vermutlich die bessere Lösung als ein Brückenangebot oder eine Vorlehre. Absolventen einer Beruflichen Grundbildung mit Attest, die berufsentschlossen sind, gehören deshalb auch nicht zur Zielgruppe eines Brückenangebotes. Da es sich bei der Beruflichen Bildung mit Attest um eine berufliche Grundausbildung handelt, hebt sie sich noch eindeutiger als die Vorlehre von den Zielsetzungen der Brückenangebote ab. 11

12 3. Grundsätzliches zu den Brückenangeboten 3.1 Definition Brückenangebote sind an der Nahtstelle zwischen der obligatorischen Schulzeit und der Beruflichen Grundbildung oder weiterführenden Schulen angesiedelt. Sie werden in der Regel von Jugendlichen besucht, die das 9. Schuljahr abgeschlossen haben. Durch das Absolvieren eines der Brückenangebote sollen die Jugendlichen also zum Besuch einer beruflichen Bildung, einer weiterführenden Schule oder zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit befähigt werden. Dazu stehen ihnen grundsätzlich zwei verschiedene Brückenangebote zur Verfügung: das kombinierte und das schulische, wobei das schulische drei verschiedene Möglichkeiten beinhaltet. Sie werden im Kapitel 4 detailliert beschrieben. 3.2 Grundsätzliches zu den Aufnahmebedingungen: gemeinsame Aufnahme-Instanz Ob ein schulisches oder kombiniertes Brückenangebot gewählt wird bzw. werden muss, hängt nicht nur von schulischen, intellektuellen Voraussetzungen ab, sondern ebenso von den Zielsetzungen des Einzelnen und der Angebote von Praxiseinsätzen. Diese Zielsetzung muss auf einen realistischen Bezug überprüft werden. Um diesen Bezug zu gewährleisten und den Zielsetzungen des Einzelnen gerecht zu werden, ist eine gemeinsame Aufnahmeinstanz für alle Angebote innerhalb eines Kantons, oder einer Region Voraussetzung. Die entsprechenden Aufnahmeinstanzen klären aufgrund der gesamten persönlichen Voraussetzungen, (zum Teil unter Einbezug von Empfehlungen der abgebenden Schule, von speziellen Fachpersonen wie Berufsberatung, Schulpsychologischer Dienst, Sozialstellen etc.) eine gewisse Realisierbarkeit der Berufswahl oder der persönlich in dieses Brückenjahr gesetzten Ziele ab und weisen den Jugendlichen in ein passendes Angebot. Der definitive Entscheid liegt bei der Aufnahmeinstanz des entsprechenden Brückenangebotes. Es ist dabei zu bedenken, dass je nach Ausländerausweis nicht alle Angebote besucht werden können. 3.3 Anforderungen an die Lehrpersonen Um den spezifischen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden zu können, werden an die Lehrpersonen besondere Anforderungen gestellt: - Sie sind in der Lage, die Jugendlichen individuell zu beraten und zu begleiten. Sie vereinbaren mit den Jugendlichen auf sie abgestimmte Zielsetzungen (Lerncoaching, Lernberatung) und überprüfen diese. Dies setzt oft das Wahrnehmen gestörter sozialer Geflechte (Familie, Gruppen usw.) und interkulturelle Kenntnisse voraus. 12

13 - Sie unterstützen die Jugendlichen bei der Schul- und Berufswahlfindung und/oder bei der Arbeitssuche. Die Schule verfügt über ein gut ausgebautes Netz zur Berufs- und Arbeitswelt. - Sie pflegen Kontakte zu Personen sozialer Institutionen und Organisationen, um sie bei Bedarf einsetzen zu können. - Sie sind bereit zur Zusammenarbeit mit Abnehmerschulen. - Sie verfügen über eine pädagogische Grund- und eine stufengerechte Ausbildung. Eine Zusatzqualifikation im Bereich Lerncoaching, der interkulturellen Pädagogik, im Umgang mit individuellen Unterschieden und/oder mit Lernbehinderungen oder einem anderen dem Zielpublikum entsprechenden Bereich ist anzustreben. Es sind entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Es ist wichtig, dass all diese Kompetenzen im Lehrkörper vorhanden sind, da kaum alle Kompetenzen bei einer einzelnen Person verfügbar sind. Es ist zudem eher unwahrscheinlich, dass all die notwendigen Ressourcen im Team abrufbar sind. In dieser Situation gilt es, Expertinnen und Experten bei zu ziehen. Es sind dies Personen aus folgenden Bereichen: Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Berufsberatung, Medizin, Jugendberatungsstellen, Suchtberatung, schulische Dienste. 3.4 Beratung, Betreuung und Coaching Es ist wichtig, dass alle Jugendlichen während des Besuchs des Brückenjahres durch Lehrpersonen begleitet werden. Dabei muss der Beizug und die Zusammenarbeit mit weiteren ausgewiesenen Fachpersonen gewährleistet sein. Die Jugendlichen erarbeiten ein Jahresziel oder Etappenziele. Für die Umsetzung stehen ausser den Legrpersonen Fachpersonen (Berufsberatung, Personalvermittlung, RAV) zur Verfügung. Es ist dabei wichtig, dass die gesetzlichen Vertreter in diese Aufgaben einbezogen werden. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, ein individuell ausgerichtetes Coaching in Anspruch zu nehmen. Dazu stehen entsprechende Fachpersonen zur Verfügung. Für Realisierungshilfen, wie Suche nach Lehrstellen, Beschäftigung, Praxiseinsätze usw. werden die Jugendlichen professionell unterstützt und beraten. Ein Beratungsnetz externer Fachleute, insbesondere die Berufsberatung kann verstärkt miteinbezogen und individuell in Anspruch genommen werden. 13

14 3.5 Statistische Daten als Planungshilfe Der Bedarf an Brückenangeboten unterliegt laufenden Schwankungen, sowohl quantitativ wie auch bezüglich Art der Brückenangebote. Bei der Planung der Brückenangebote sollen deshalb umfassende statistische Grundlagen einbezogen werden können. In einzelnen Kantonen werden schon seit längerer Zeit systematische und detaillierte Erfassungen der Schulaustretenden durchgeführt. Die Erhebung, welche von der Innerschweizer Konferenz der Zentralstellenleiter für Berufsberatung IKZB seit 2000 jährlich durchgeführt wird, leistet in der gegenwärtigen Situation wertvolle Dienste. Es ist geplant, dass mit der Regionalisierung der Bildungsstatistik auch die Berufsbildungsstatistik auf eine regionale Basis gestellt werden soll. In diesem Zusammenhang wird eine Integration der Schulabgängerstatistik zu prüfen sein. 3.6 Erfolgsquote der Brückenangebote Um die Erfolgsquote zu ermitteln, wurden in allen Kantonen der Zentralschweiz die entsprechenden Schulen nach den Anschlusslösungen der Schulabgängerinnen und abgängern befragt. Dabei wurden die drei Schuljahre 2000/2001, 2001/2002 und 2002/2003 berücksichtigt (vgl. Anhang). Die Erhebung fand gegen Ende Juni 2003 statt. Zu diesem Zeitpunkt waren noch nicht alle Berufswahlprozesse abgeschlossen. Die kombinierten Brückenagebote weisen eine Erfolgsquote von 63% -100% aus. Bei den schulischen Brückenangeboten liegt die Erfolgsquote zwischen 82% und 100%. Bei den Integrationsbrückenageboten liegen die Werte zwischen 60% und 93 %. Alle drei Brückenangebote haben einen hohen Wirkungsgrad: das kombinierte im Durchschnitt der letzten drei Jahre von 81%, das schulische von 93% und das Integrationsbrückenangebot von 73 %. 3.7 Kosten für schulische und kombinierte Brückenangebote Ein Vergleich der verschiedenen Brückenangebote innerhalb der Kantone der Zentralschweiz ist nicht beizubringen; zu verschiedenen sind die konzeptionellen Vorgaben in den einzelnen Kantonen und zu unterschiedlich sind die Berechnungsmodelle. Es sind vor allem die folgenden Elemente, die einen seriösen Vergleich erschweren: - Anzahl Schüler/innen pro Klasse - Anteil Coaching/Beratung - Anzahl Module und Wahlfächer - Zahl der Pflichtlektionen für Jugendliche und Lehrkräfte - Bisheriges Anstellungsverhältnis auf der Sekundarstufe I oder II - unterschiedliche Lehrgehälter in den einzelnen Kantonen - Berechnung auf Grund der Lohnkosten - Vollkostenrechnungen unter Einbezug von Schulleitung, Lehrgehältern, Sekretariat, Raum, Infrastruktur, Bundessubventionen, Schulgelder, Unterrichtsmittel, Weiterbildung, Hauswart, Spesen, Renovationskosten. 14

15 Schulische Brückenangebote: Für Schülerinnen und Schüler, die ein schulisches Brückenangebot besuchen, ist je nach Kanton auf der Basis der reinen Lohnkosten mit Auslagen von Fr bis Fr. 13'500.- und bei einer Vollkostenrechnung von Fr. 15'000.- bis Fr. 20'000.- zu rechnen (Differenzen ergeben sich auf Grund der oben erwähnten Unterschiede). Kombiniertes Brückenangebot: Die kombinierten Brückenangebote sind in den Zentralschweizer Kantonen konzeptionell unterschiedlich gestaltet: 1 Tag Unterricht /4 Tage Praxiseinsatz - 1.Semester Unterricht/ 2.Semester: 4Tage Praxiseinsatz/1 Tag Unterricht (Jobsurfing LU) - 2 Tage Unterricht/3 Tage Praxiseinsatz. Von daher lassen sich die Kosten der kombinierten Brückenangebote nicht miteinander vergleichen. Beim Modell 1 Tag Unterricht/4 Tage Praxiseinsatz ist mit Kosten von Fr. 4'500.- bis Fr. 5'700.- zu rechnen, beim Jobsurfing mit Fr. 12' Aufsicht und Qualitätssicherung Die Kantone schaffen Rahmenbedingungen, damit eine hohe Ausbildungsqualität möglich ist. Das entsprechende Brückenangebot trifft geeignete Massnahmen, um eine hohe Ausbildungsqualität im Sinne der Zielsetzungen sicher zu stellen und weiter zu entwickeln. 4. Profil der Brückenangebote 4.1 Kombiniertes Brückenangebot Das kombinierte Brückenangebot bietet praktische Tätigkeiten in Betrieben und Allgemeinbildung das Erlernen von Fachkompetenzen in einem bereits bestimmten Berufsfeld Unterstützung beim definitiven Berufswahlentscheid und beim Finden einer Lehr- oder Arbeitsstelle Zielgruppe Das kombinierte Brückenangebot wird von Jugendlichen besucht - die grundsätzlich an einem Einstieg in die Berufswelt interessiert sind, - berufswahlreif sind und mindestens die ungefähre Berufsrichtung kennen und - ein unteres bis mittleres Leistungsniveau ausweisen 15

16 Zielsetzung des kombinierten Brückenangebotes Dieses kombinierte Brückenangebot unterstützt den Aufbau von Selbstkompetenz Sich wahrnehmen - Verantwortung fürs eigene Tun übernehmen - Sich mit der eigenen Situation auseinandersetzen - Ziele setzen, zielgerichtet handeln und Zielerreichung überprüfen - Eigeninitiative entwickeln Sozialkompetenz Andere wahrnehmen, verstehen und sich mit ihnen auseinandersetzen - Verhalten in schwierigen Situationen reflektieren (Bewerbungen, Aufnahmegespräche, Vorgesetzten-Situationen,...) - Konflikte wahrnehmen und Lösungsansätze ausprobieren Methodenkompetenz Lust am Lernen gewinnen - Strategien zur Lebensbewältigung entwickeln - Individuelle Arbeitstechniken erarbeiten, üben und festigen Sachkompetenz Allgemeinbildung in den Kulturtechniken fördern - Fertigkeiten in praktischen Bereichen erfahren - Mündliche und schriftliche Kommunikation fördern Aufnahmebedingungen / Zuweisungskriterien Eine Erstzuweisung erfolgt über die zentrale Aufnahmeinstanz auf Grund folgender Kriterien: - Eine echte Bereitschaft für eine Auseinandersetzung mit der Berufs- und Arbeitswelt, auch im Sinne von Praxiseinsätzen liegt vor. - Beurteilung der abgebenden Schule über das Stärke-/Schwächeprofil - Bereitschaft für ein individuelles Vorgehen im Sinne von Annehmen spezieller Unterstützung (Coaching, Berufsberatung, Betreuung usw.) ist vorhanden - In einem persönlichen Gespräch werden die Zielsetzungen für eine solche Lösung vereinbart. - Die Bereitschaft zur gezielten Aufarbeitung von schulischen Defiziten liegt vor. Grobkonzept für Praxis und Schule Umfang Die Dauer richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Gegebenheiten und beträgt in der Regel ein Jahr. Wo sinnvoll, ist auch die Durchlässigkeit zu andern Brückenangeboten zu ermöglichen. Eine Koordination resp. Abgrenzung mit RAV-Angeboten ist von Fall zu Fall abzuklären. Im Sinne von begleitender Eingliederung in die Arbeits- und/oder Berufswelt und Auffangnetz für stellenlose Schulabgänger/innen und Schulabbrecher/innen sind Ein- resp. Austritte während des Semesters möglich. Inhalt und Ziel des Unterrichts Die Inhalte und Ziele des Angebots sind spezifisch auf die erforderlichen Qualifikationen des Jugendlichen ausgerichtet. Sie werden in einem schulischen und in einem praktischen Teil vermittelt. Der Anteil des schulischen und des praktischen Teils kann je nach Zielsetzung des Angebots und der Bedürfnisse des Jugendlichen unterschiedlich sein. 16

17 Der praktische Teil umfasst: - Praxiseinsätze in einem oder mehreren Betrieben - Arbeitskompetenz aneignen und einüben - berufliche Erfahrungen sammeln - Einstieg finden für einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz Der schulische Teil umfasst: - Kulturtechniken (Lesen, Umgang mit Texten, Schreiben, Verwendung von Schrift im Alltag, praxisorientierte Mathematik) - Arbeits- und Lerntechnik Je nach Möglichkeit werden zusätzlich folgende Inhalte vermittelt: Computeranwendungen - Praktische Berufswahl - Bewerbungstechniken Sowohl im schulischen als auch im praktischen Teil werden konsequent folgende Schlüsselqualifikationen gefördert: - Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit - Einsatzfreude und Lernbereitschaft - Selbständigkeit und Belastbarkeit - Höflichkeit und Umgangsformen - Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit Unterrichtsorganisation Die Grösse der Lerngruppe hat die individuelle Förderung und Betreuung sowie eine vernünftige soziale Interaktion innerhalb der Gruppe zu gewährleisten und umfasst 8 bis 14 Auszubildende (analog Attestausbildung). Ein Arbeiten in Lern- und Niveaugruppen soll möglich sein. Bewertung der Leistungen und Abschlusszeugnis Zielorientiertes Ausbilden und Betreuen erfordert regelmässige interne wie externe Evaluationen. Dafür sind für die Beteiligten klare und benutzerfreundliche Instrumente zu schaffen. Ein detaillierter persönlicher Ausbildungsbericht (unterzeichnet vom Jugendlichen selbst und der Schule) gibt Auskunft über Zielsetzungen, Massnahmen und Erfolg der Ausbildung. Die Zielsetzungen werden zu Beginn und im Verlauf der Ausbildung mit dem Jugendlichen gemeinsam erarbeitet. Beratung, Betreuung und Coaching - Die Jugendlichen werden im schulischen und im praktischen Teil durch eine Bezugsperson betreut (Coaching). - Bei besonderen Problemen kann die Bezugsperson Fachpersonen beiziehen oder die Jugendliche bzw. den Jugendlichen einem Spezialdienst zuweisen. - Bei der Suche nach Praxiseinsätzen, Lehrstellen oder festen Anstellungen werden die Jugendlichen professionell (Personalvermittlung, Berufsberatung) unterstützt, beraten und vermittelt. - Erfahrungen in der Arbeitswelt werden mit den Jugendlichen besprochen und zur Verbesserung der persönlichen Qualifikation genutzt. 17

18 Trägerschaft und Finanzierung - Das kombinierte Brückenangebot ist Teil der Sekundarstufe II; Träger dieses Angebotes ist somit der Kanton. - Im neuen Berufsbildungsgesetz (nbbg) ist eine Mitfinanzierung des kombinierten Brückenangebotes vorgesehen. - Zu den Kosten pro Schüler/in: S. Kapitel Im kombinierten Brückenangebot sind Jugendliche in der Regel Lohnempfänger. 4.2 Schulische Brückenangebote 4.2a Schulisches Brückenangebot Typ A Das schulische Brückenangebot Typ A vermittelt Allgemeinbildung unterstützt die Jugendlichen bei der Berufsfindung bereitet auf Berufe mit höheren und mittleren schulischen Ansprüchen sowie auf weiterführende Schulen vor Zielgruppe Das schulische Brückenangebot Typ A wird von Jugendlichen besucht, die für die schulische Bildung motiviert sind, Leistungsbereitschaft und Entwicklungspotential ausweisen noch nicht berufswahlreif sind oder über eine realistische Selbsteinschätzung der Berufswahlmöglichkeiten verfügen, die ein gutes bis mittleres Leistungsniveau ausweisen. Zielsetzung des Schulischen Brückenangebotes Typ A Das schulische Brückenangebot fördert Sachkompetenz Fachwissen und Fertigkeiten vertiefen und erweitern - Allgemeinbildung erweitern - Niveau einer zieldefinierten Schulstufe erreichen - Individuelle Präferenzen und Stärken fördern Methodenkompetenz Lernen lernen - Lerneffizienz steigern - Arbeits- und Lerntechniken anwenden und reflektieren 18

19 Sozialkompetenz Im Team zusammenarbeiten - Kommunikations- und Konfliktfähigkeit erlangen Selbstkompetenz Ziele setzen, zielgerichtet handeln und Zielerreichung überprüfen - Persönlichkeit weiter entwickeln - Entscheidungsfähigkeit erlangen (z.b. Berufswahlprozess) - Verantwortung fürs eigene Tun übernehmen Aufnahmebedingungen / Zuweisungskriterien Eine Erstzuweisung erfolgt über die zentrale Aufnahmeinstanz auf Grund folgender Kriterien: - Für ein schulisches Brückenangebot Typ A ist eine echte Lernbereitschaft Voraussetzung. Dazu ist auch eine Leistungsbereitschaft auszuweisen. - Eine Fremdbeurteilung über Motivation und Leistungsfähigkeit - Verlangt wird eine persönliche Formulierung der Zielsetzungen oder eine persönliche Empfehlung einer Ausbildungsinstitution für dieses Jahr. - Es sind aktive Berufswahlbemühungen nachzuweisen. - Es wird eine Lernvereinbarung zwischen der Schule und den Jugendlichen abgeschlossen, worin die allgemeinen und persönlichen Ziele festgehalten werden. Schulisches Grobkonzept Umfang - Das Bildungsangebot dauert 2 Semester mit einem mindestens 10-tägigen Arbeitseinsatz (z.b.: Berghilfe, Sozialeinsatz) - Der zeitliche Anteil für Unterricht und Schularbeit beträgt ungefähr 40 Std./Woche (vergleichbar mit der zeitlichen Belastung eines Lehrlings). Inhalt und Ziel des Unterrichts Es ist ein Rahmenlehrplan zu entwickeln, der folgenden Punkten Rechnung trägt: - Der Unterricht ist in Pflicht- und Wahlfächer aufzuteilen. - In ausgewählten Fächern (z.b. Mathematik, Fremdsprachen) ist der Unterricht in Niveaus zu führen. - Die Unterrichtszeit pro Bereich bzw. pro Fach ist in Jahresstunden auszuweisen. Dadurch sollen unterschiedliche unterrichtsorganisatorische Lösungen vor Ort möglich gemacht werden. - Berufswahlunentschlossene sollen die Möglichkeit erhalten, Schnupperlehren bzw. Praktiken zu absolvieren. Unterrichtsorganisation - Dem schulischen Brückenangebot Typ A muss viel Gestaltungsraum zur Verfügung stehen. - Die Klassengrösse ist kantonal zu regeln. Aufgrund der Anforderungen sollte die Klassengrösse 15 bis 20 Personen umfassen. Die Räumlichkeiten müssen so gestaltet sein, dass vielfältige Lehr- und Lernformen möglich sind. Die Errichtung eines Lernstudios wird empfohlen. Bewertung der Leistungen und Abschlusszeugnis - Die Leistungen der Jugendlichen werden mindestens zweimal pro Jahr in Form eines Zeugnisses ausgewiesen. - Die Jugendlichen beurteilen und dokumentieren ihre wichtigsten Leistungsausweise in einem Portfolio. 19

20 Beratung, Betreuung und Coaching - Die Jugendlichen werden während der Schulzeit durch die Lehrpersonen begleitet. Dabei muss der Beizug und die Zusammenarbeit mit weiteren Fachpersonen gewährleistet sein. - Die gesetzlichen Vertreter sollten möglichst miteinbezogen werden. - Die Jugendlichen erarbeiten unter Beizug der Berufsberatung ein Jahresziel und ein persönliches Vorgehen. Für die Realisierung stehen Fachpersonen (Berufsberatung, Personalvermittlung, RAV) zur Verfügung - Für Realisierungshilfen, wie Suche nach Lehrstellen, Beschäftigung, weiterführende Schulen werden die Jugendlichen professionell unterstütz und beraten. Trägerschaft und Finanzierung - Das schulische Brückenangebot ist Teil der Sekundarstufe II; Träger des Angebotes ist somit der Kanton. - Zu den Kosten pro Schüler/in: S. Kapitel b Schulisches Brückenangebot Typ B Das schulische Brückenangebot Typ B bietet mehrheitlich eine praktische Schulbildung sowie Allgemeinbildung Unterstützung und Beschleunigung des Berufswahlprozesses Vorbereitung auf den Einstieg in die berufliche Bildung mit vorwiegend Grund- oder mittleren Ansprüchen Zielgruppe Das schulische Brückenangebot Typ B wird von Jugendlichen besucht die nicht berufswahlreif sind die für praktische und schulische Bildung motiviert sind die über ein entsprechendes Entwicklungspotential verfügen ein unteres bis mittleres Leistungsniveau ausweisen Zielsetzung des Schulischen Brückenangebotes Typ B Das kombinierte Brückenangebot fördert Sachkompetenz Allgemeinbildung erweitern und Fachwissen vertiefen - Fertigkeiten in praktischen Bereichen erfahren - Fähigkeiten in Wahlfächern/Interessensneigungen verbessern Selbstkompetenz Ziele setzen, zielgerichtet handeln und Zielerreichung überprüfen - Persönlichkeit weiter entwickeln - Eigeninitiative entwickeln - Verantwortung fürs eigene Tun übernehmen 20

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