Teil II: Versicherungen Roman Kalberer,

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1 Slide Risikobasierte Aufsicht über Banken, und Pensionskassen (398, SOE-E-2) Prof. Dr. Martin Janssen, Dr. Mauro Crivelli Teil II: Roman Kalberer,

2 Slide 2 Agenda Referat I. Ausgangslage zu Solvency II und zum Swiss Solvency Test II. Kerninhalte von Solvency II III. Derzeitiger Stand von Solvency II IV. Der Swiss Solvency Test V. Exkurs: Rechnungslegung im Rahmen von Solvency II

3 Slide 3 Die Versicherer und ihr Lobby-Umfeld

4 Slide 4 Europäische Entwicklung der Regulierung in der Versicherungsbranche 70-er Jahre: EU Solvabilitätsrichtlinien -> ausgerichtet auf die Passivseite der Bilanz und auf eine konservative Reservierungs- und Investitionspraxis (gültig bis Ende 2003) 90-er Jahre: Goldene Aktienjahre -> phantastische Gewinne überdeckten Verluste im eigentlichen Versicherungsgeschäft Keine Vorschriften bezüglich Transparenz der Bewertungen und Risikomanagement Keine Gewichtung auf Methoden im Risikomanagement (im Gegensatz zur Bankenwelt) wuchsen zu grossen internationalen Unternehmensgruppen heran -> undurchschaubare internationale Firmenstrukturen (Aufsicht konnte Aufsichtspflicht nicht mehr richtig wahrnehmen) 02/03: Börsencrash Viele mutierten zu riesigen Asset-Management-Gesellschaften (jedoch ohne Asset-Liability-Management) Sogar die in Einführung begriffenen Solvenzanforderungen von Solvency I (2004) reichten (im Nachhinein betrachtet) nicht aus, um die Versicherungsindustrie auf die Verluste vorzubereiten. -> Schlechte finanzielle Lage bei Versicherern. Heute: Mehrere Staaten haben bereits risikobasierte Solvenztests analog zu Solvency II eingeführt. (Kanada, Finnland, USA, Australien, Grossbritannien, Holland, Singapur) Die EU ist an der Entwicklung des Projektes Solvency II (geplante Einführung 2008/2009) Die Schweiz möchte mit ihrem Swiss Solvency Test im Jahre 2006 die Regulierung den internationalen Standards angepasst haben (VAG).

5 Slide 5 Regulierungsprojekte in der Schweizer Versicherungsindustrie Swiss Solvency Test / Solvency II Finanzmarktaufsichtsgesetz (FINMAG) Neues Revisionsgesetz CH Sarbanes Oxley-Act IFRS 4 Phase I IFRS 4 Phase II Revision Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) Quelle: Institut für Versicherungswirtschaft Uni St. Gallen

6 Slide 6 Aufsicht und Risiken in der Versicherungsbranche Dem Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) obliegt gemäss Gesetz (VAG) die Aufsichtstätigkeiten zur Solvenzsicherung und Verhinderung von Missbräuchen (Schutz vor Übervorteilung: zu hohe Prämien, unvorteilhafte Bedingungen -> Lebensversicherungsgeschäft) Risiken im Zusammenhang mit der Solvenzsicherung: Technische Risiken: Untertarifierung = Schäden > Prämie; adverse Risikoselektion; schlechtes Produktdesign Kapitalmarktrisiken: Schnelle Entwertung von Kapitalmarktanlagen Kreditrisiken: Schlechte Bonität der Gegenpartei Unerwartetes Verhalten der Versicherten: Massive Rückkäufe in einem ungünstigen Zeitpunkt Operative Risiken: fehlende Corporate Governance, mangelnde Interne Kontrolle, falsche Berechnung der Reserven (zu tiefe Rückstellungen)

7 Slide 7 Heutige Aufsichtspraxis CH: Stichtagsbezogene Solvenzkontrolle und Kontrolle der Tarife und Überschussbeteiligungen müssen jährlich eine umfangreiche Berichtserstattung einreichen: Bilanz, ER, Angaben zur Solvenz, detaillierte Angabe zur Reservierung Anhand dieser Unterlagen überprüft das BPV, ob die gesetzlich geforderten Minimalbedingungen bezüglich EK-Unterlegung am Stichtag erfüllt waren. EK-Anforderungen werden anhand von Referenzgrössen beurteilt: Prämien, Deckungskapital, Risikosumme Aktivseitige Risiken (Kapitalmarktrisiken, Kreditrisiken), welche die Solvenz ebenfalls gefährden, werden jedoch nicht berücksichtigt. Es gibt keine Definitionen, welche Bilanzpositionen zum EK gezählt werden können und welche nicht. Jedes neue Versicherungsprodukt vom VU muss detailliert beschrieben werden (Prämie, Leistung, Reservierung, Kosten, Rückkaufswerte, allgemeine Versicherungsbedingungen, Überschusspolitik, etc.) Jedes Produkt darf erst nach Genehmigung durch das BPV vertrieben werden -> Verhinderung, dass VU eine solvenz-gefährdende Tarifpolitik betreibt. Überprüfung der VU durch Inspektionen des BPV. Dabei können auch weitere Informationen verlangt werden. Jeder Konsument hat die Möglichkeit, Rückkaufswerte durch das BPV überprüfen zu lassen.

8 Slide 8 Ergebnisse der Kommission Janssen (2002) hinsichtlich der aktuellen Lage der Versicherungswirtschaft in der Schweiz Die finanzielle Lage der Lebensversicherungsgesellschaften ist nicht gut. VU exponieren sich immer stärker gegenüber von Kapitalmarktrisiken. Diesen Risiken kann mit der stichtagsbezogenen Überwachung nicht adäquat begegnet werden. Die Solvenz der Versicherungsgesellschaften ist seit Beginn 2001 stark gesunken. Einzelne Gesellschaften weisen Solvabilitäts- Spannen auf, die nur knapp über dem gesetzlichen Mindestmass liegen. Gründe: erheblicher Abbau der Aktienbestände -> Verminderung potentieller Verluste, jedoch auch Vernichtung der Chance von einem späteren Börsenaufschwung zu profitieren. Starker Preiskampf reduzierte die Margen. Man glaubte früher diese mit Kapitalerträgen wieder auffangen zu können. Es fehlt ein entsprechendes Risikobewusstsein. Moderne Methoden des Risikomanagements im Aktienhandel werden nicht angewandt.

9 Slide 9 Ergebnisse der Kommission Janssen (2002) hinsichtlich der Qualität der Aufsicht (BPV) Feststellung von Mängeln in den gesetzlichen Grundlagen sowie auch in der Aufsichtspraxis: Die relevanten Risiken (Kapitalmarktrisiken/Langleberisiko) wurden nicht genügend genau identifiziert, analysiert und entsprechend gewichtet. Es war nicht möglich, beim BPV eine konsistente Aufsichtsstrategie zu verfolgen -> Kein adäquates Instrumentarium für die relevanten Risiken Insbesondere wurde vor allem das Ziel der Solvenzsicherung zu wenig konsequent verfolgt! Wichtige und richtige Initiativen des BPV wurden nicht oder verspätet in die Aufsichtspraxis umgesetzt. Gründe: 1. Widerstände betroffener Kreise (Lobby) 2. Zu wenig Durchsetzungsvermögen des BPV

10 Slide 10 Empfehlungen der Kommission Janssen (2002) zur Verbesserung der Versicherungsaufsicht Neue Formulierung und Veröffentlichung der Strategie der Versicherungsaufsicht (inkl. Prioritäten und notwendige Instrume nte) -> Zur Strategie gehören: 1. Überwachung der Solvabilitätsmarge, Vorschriften über den Sicherungsfonds und die Tarifaufsicht. Zügiges Vorantreiben des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) unter Berücksichtigung einer dynamischen Solvenzaufsicht: Einsatz von modernen, dynamischen, risikobasierten Methoden, z.b. Asset Liability Management. Versicherungsaufsicht definiert dabei die minimalen Anforderungen an diese Verfahren sowie an den Sicherheitsgrad. Die Aufsicht überwacht auch deren Einsatz. Die Zusammenarbeit mit der EU ist weiterzuführen. Auch in der EU sind Arbeiten im Gange (Solvency II), die Systematik und die Effektivität der Versicherungsaufsicht verbessern soll. Jedoch schnelles Umsetzen der Erkenntnisse in der Schweiz (Swiss Solvency Test) Das BPV soll Qualitätsanforderungen an die interne Organisation und die verantwortlichen Organe festlegen und diese konsequent durchsetzen. Das BPV soll zukünftig selbstbewusster auftreten und seinen Auftrag hinsichtlich Solvenzsicherung und Missbräuchen konsequent wahrnehmen. Verbesserung der Stellung der Konsumenten: Mehr Transparenz: Bessere Information über Prämien, Leistungen, Kosten und Bedingungen resp. Angaben über die finanzielle Stabilität der VU.

11 Slide 11 Empfehlungen der Kommission Janssen: Gedanken zu einer neuen Aufsichtsphilosophie Erarbeitung einer expliziten Aufsichtsphilosophie mit folgenden Punkten: Vorausschauender Solvenzschutz durch risikoorientierte Aufsichtsinstrumente (z.b. risikogerechte EK-Unterlegungen und versicherungsinterne Risikokontrollinstrumente) Zielorientierte Aufgabenteilung zwischen Aufsicht, interner sowie externer Revision und Aktuar Schutz der Interessen der Versicherten durch Transparenzvorschriften. Konkurrierende Ziele sollen in eine Zielhierarchie gestellt werden. Keine Ausrichtung der CH-VU auf EU oder USA, jedoch muss gut begründet werden können, warum von einer internationalen Praxis abgewichen wird.

12 Slide 12 Aufsichtsphilosophie der Task Force Aufsichtseffizienz: Die Kosten der Regulierung und deren Durchsetzung müssen minimal sein. Offensichtliche Missverhältnisse zwischen Nutzen und Kosten müssen vermieden werden. Asymmetrische Informationssituationen: Asymmetrische Informationssituationen sind im Rahmen der Aufsichtseffizienz zu vermeiden. Der Konsument soll die Versicherungsprodukte aller Anbieter verstehen und bezüglich Leistungsumfang, Preis und Qualität vergleichen können. Es soll genügend Konkurrenz zwischen Versicherungsanbietern herrschen. Der Versicherte soll diese Konkurrenzsituation zu seinem Vorteil nutzen können. Es soll eine genügend hohe Wahrscheinlichkeit bestehen, dass die Versicherungsunternehmen die abgeschlossenen Verträge auch einhalten werden. Weitere Regulierungen sind auf ein Minimum zu beschränken. Diese sind in der Regel als temporäre Massnahmen zu verstehen, die bei erhöhter Transparenz, genügendem Wettbewerb. Resp. genügender finanzieller Sicherheit wieder aufgegeben werden müssen.

13 Slide 13 Task Force: Ideen zur künftigen Regulierung 1. Grundlagen der Regulierung: Schutz der Versicherten vor Missbräuchen durch Versicherungsanbieter Schutz der Versicherten vor den Folgen der Insolvenz von Versicherungsanbietern 2. Transparenz und Kommunikation: Verwendung standardisierter Begriffe durch die Versicherungsunternehmen im Verkehr mit den Kunden und mit der Aufsicht. Der normale Konsument soll die Versicherungsprodukte der Versicherungsanbieter verstehen und bezüglich Leistungsumfang, Preis und Qualität vergleichen können. Dazu gehören auch Informationen über die Versicherungsanbieter selber. 3. Risikomanagement Im Rahmen des Risikomanagements soll sichergestellt werden, dass die Versicherungsunternehmungen die Verträge auch langfristig einhalten. Die Aufsichtsbehörde soll Instrumente entwickeln, mit denen die finanzielle Sicherheit der Versicherungsunternehmungen kontrolliert und gesteuert werden kann. 4. Wettbewerb Schutz vor Kartellabsprachen Genügender Wettbewerb ist für einen effektiven Missbrauchsschutz unerlässlich Vertragswechsel: Um den Wettbewerb auch während der Vertragslaufzeit und nicht nur im Zeitpunkt des Vertragsschlusses spielen zu lassen, sind die Bedingungen für die Konsumenten, den Versicherungsanbieter während der Vertragslaufzeit wechseln zu können, erheblich zu verbessern.

14 Slide 14 Integrierte Finanzmarktaufsicht (FINMAG) Eine vom Bundesrat eingesetzte Expertenkommission (Kommission Zimmerli) hat empfohlen, eine integrierte Finanzmarktaufsicht zu schaffen, die mindestens Bankenaufsicht (EBK) und Versicherungsaufsicht (BPV) zusammenführt. -> Finanzmarkaufsichtgesetz (FINMAG) Gründe: Die Grenzen zwischen Banken und werden immer durchlässiger. Gemischte Bank- und Versicherungskonzerne sowie Finanzkonglomerate, stellen die Aufsichtsbehörden vor neue Herausforderungen. Erwartung von Synergieeffekten bzw. Effizienzsteigerungen

15 Slide 15 Solvency II: Warum Solvency II? Bestehende Solvabilitätsregelungen (Solvency I) weisen eine Reihe von Unzulänglichkeiten auf. Beispiele: Prämienbasierte Bestimmungsmethoden reflektieren das tatsächliche Risiko kaum Faktorbasierte Methoden sind nicht in der Lage, komplexe Formen des Risikotransfers adäquat zu berücksichtigen. Abhängigkeiten zwischen Aktiven und Passiven und zwischen Geschäftsbereichen werden nicht berücksichtigt. Eigenkapitalquoten werden unrealistisch oder falsch eingeschätzt. Versicherungsgesellschaften stehen jedoch schon heute technisch ausgereifte Verfahren zur Risikoanalyse und Kapitalallokation zur Verfügung.

16 Slide 16 Solvency II: Hauptziele von Solvency II Umfassendes Aufsichtskonzept (Finanzaufsicht, Risikomanagement, Finanzberichterstattung) Überprüfung der bestehenden Solvabilitätsreglungen unter Berücksichtigung neuerer Konzepte im Bereich Risikomanagement, Versicherungsmathematik, Finanzierungsmethoden, Finanzberichterstattung, usw. Festlegen eines umfassenden, realistischen, den tatsächlichen Risikolage eines Versicherungsunternehmens angepassten Solvabilitätssystems. Versicherungsunternehmen sollen dazu gebracht werden, die Bewertung und Kontrolle der eingegangenen Risken zu verbessern (interne Modelle) Wettbewerbsneutralität Fortführung der Harmonisierung im Finanzdienstleistungssektor

17 Slide 17 Solvency II: Kerninhalte von Solvency II Solvency II soll ein risikobasiertes Solvabilitätssystem sein Wie Basel II soll Solvency II eine 3 Säulen-Struktur aufweisen Zwei Kapitalanforderungen und variable Interventionsmöglichkeiten: Ökonomisches Kapital (Zielkapital) Mindestkapital Interne Modelle zur Ermittlung der Eigenkapital- Anforderungen sollen zugelassen werden. Zusätzlich soll es einen risikobasierten Standardansatz geben.

18 Slide 18 Solvency II: Drei-Säulen Struktur 1. Säule Quantit. Anforderungen Regeln zu versicherungstechnischen Rückstellungen Kapitalanlagevorschriften Eigenkapitalvorschriften Regeln zur Verhinderung von aufsichtsbedingter Arbitrage 2. Säule Interne und externe Prüfungsverfahren Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren Grundsätze zum internen Risikomanagement 3. Säule Markttransparenz und Disziplin Offenlegung der tatsächlichen Risikolage Anlehnung an zukünftige IFRS Richtlinien und Basel II

19 Slide 19 Solvency II: 1. Säule Quantitative Anforderungen: Risikobasiertes Solvabilitätskapital soll sich am tatsächlichen Gesamtrisiko orientieren und im wesentlichen dem ökonomischen Risikokapital entsprechen: Economic Capital = Unexpected Loss Credit Risk + Unexpected Loss Market Risk + Unexpected Operational Risk + Unexpected Loss Business Risk (Unter Berücksichtigung von Diversifikationseffekten und Korrelationen (=Portfolioeffekte) Two level approach : Unterscheidung von Minimum- und Ziel- Solvenzkapital Minimum-Kapital: bestimmt durch einfaches Standard-Modell (Basis bildet das bestehende EU-Solvabilitätssystem) Ziel-Kapital: kann durch einen Standardansatz oder interne Risikomodelle bestimmt werden. Aufsichtssystem soll Verwendung von internen Modellen begünstigen. Zielkapital = Aggregation der Eigenkapitalanforderungen für einzelne Risikokategorien Zusammenspiel von Aktiven und Passiven soll berücksichtigt werden (Asset-Liability-Management).

20 Slide 20 Solvency II: 2. Säule Aufsichtsrechtliche Prozesse und firmeninternes Risikomanagement: Versicherungsunternehmen sollen angehalten werden können, Risikomanagement-Prozesse zu implementieren. Beispiele: Aktuarielle Prinzipien hinsichtlich der Reservierungspraxis Asset Liability Management (ALM) Aufsichtsrechtliche Prozesse orientieren sich an den Kapitalanforderungen und der tatsächlichen Kapitalausstattung. Interventionszone zwischen Minimal- und Ziel- Solvabilitätskapital, innerhalb derer die Aufsichtsbehörde einschreiten kann, bevor das Minimal-Solvabilitätkapital unterschritten wird. Aufsichtsprozess soll sich vermehrt am individuellen Risikoprofil der einzelnen Unternehmen orientieren.

21 Slide 21 Solvency II: 3. Säule Markttransparenz und Disziplin: Soll Transparenz in der Versicherungsindustrie erhöhen Ziel der Offenlegung der tatsächlichen Risiko- und Ertragslage ist eine Erhöhung der Marktransparenz, die zu einer höheren Marktdisziplin führen soll. Starke Anlehnung an Basel II und zukünftige IFRS Richtlinien. Bemerkung: Die EU Kommission scheint sich der potentiellen Gefahren bewusst zu sein, die ein erweiterte Veröffentlichungspflicht haben kann (z.b. Abfluss von Geldmitteln im Falle einer Verschlechterung der Risikolage eines Versicherungsunternehmens)

22 Slide 22 Solvency II: Anforderungen an Interne Modelle 1. Aufsichtsrechtliche Anforderungen an interne Modelle. Das Modell soll: Das Ziel-Kapital in Übereinstimmung mit den in den EU Richtlinien festgelegten Rahmenbedingungen (Risikomass, Schwellenwerte) bestimmen. In den Risikomanagementprozess eingebunden sein. Auf anerkannten aktuariellen Methoden beruhen. Minimal die durch das Standardmodell berücksichtigen Risiken abbilden. In Übereinstimmung mit dem Rechnungslegungs- und Reportingsystem stehen. Durch Aufsichtsbehörden aufgrund eines EU konformen Validierungsprozesses genehmigt werden. 2. Aktuarielle Anforderungen an interne Modelle: Ausgangspunkt: Solvabilitätskapital soll sich am tatsächlichen Gesamtrisiko orientieren. Das interne Modell soll deshalb: Bilanzperspektive einnehmen Projektion der Bilanz über mehrere Jahre ermöglichen. Aktiva und Passiva berücksichtigen (ALM) Abhängigkeiten zwischen Risikoklassen und insbesondere zwischen Extremereignisse berücksichtigen. Effekt von Risikoverminderungsstrategien (Rückversicherung, alternative Formen des Risikotransfers) aufzeigen. Technische Umsetzung: Stochastische Simulation der verschiedenen Risikofaktoren ( Monte Carlo -Simulation)

23 Slide 23 Solvency II: Interne Modelle (1) Schwierigkeiten der Entwicklung und im Umgang mit internen Modellen Interne Modelle stellen eine grosse Herausforderung dar: Datengrundlage (Qualität und Quantität der Statistiken) Qualität und Parametersensibilität der Modelle (hochdimensionale, multivariate Analyse mit i.d.r. komplexen Abhängigkeitsstrukturen) Konsistente Modellierung über Zeithorizonte von 5 bis 10 Jahren (insbesondere Modell für ökonomische Rahmenbedingungen). Schwierigkeit, die finanzielle Struktur eines gesamten Unternehmens in einem Computermodell abzubilden. Schliesslich: Nach welchen Gesichtspunkten sollen interne Modele validiert werden?

24 Slide 24 Solvency II: Interne Modelle (2) Vielfältige Einsatzmöglichkeiten interner Modelle: Kapitalmanagement und allokation (z.b. auf Spartenebene) Profitabilitätsanalyse Tarifierung und Portfolio-Optimierung Testen des Einflusses von Management-Entscheidungen auf die Geschäftsentwicklung Durchführen von szenariobasierten Analysen (z.b. Rückversicherungs- und Investitionsstrategien) Grundlage für die Diskussion mit Rating-Agenturen.

25 Slide 25 Solvency II: Derzeitiger Stand von Solvency II Das Projekt Solvency II ist seit Mitte 2003 auf Ebene der europäischen Kommission abgeschlossen (Phase 1). Europäische Kommission hat einen neuen Zeitplan vorgelegt. Ursprünglich war geplant Solvency II im Oktober 2006 zu verabschieden. Neuer Termin: Juli Jedoch sind weitere Verschiebungen nicht auszuschliessen. Allgemein rechnet man nicht mit einer Einführung von Solvency II vor Institutioneller Kraftakt: An Solvency II sind 11 europäische Institutionen beteiligt. Federführend: Europäische Kommission in Brüssel.

26 Slide 26 Auswirkungen von Solvency II auf die Versicherungsunternehmen aus heutiger Sicht Für erkannte und nicht vermeidbare Risiken muss Risikokapital zur Verfügung gestellt werden. Wenn das UK-Modell gelten würde, würden 75% der deutschen Versicherer höheren Anforderungen unterliegen. Am stärksten betroffen sind Versicherer mit hohem Exposure in: Haftpflicht, Transport, Sturm Profitieren werden Versicherer mit hohem Exposure in: Unfall, Kfz Lebensbereich: Mehrbedarf an Kapital wird wesentlich durch Kapitalanlagestruktur und Bestandsanteil der Lebensversicherungen bestimmt: Erhebliche Mehranforderungen bei hohem Aktienanteil, hohem Garantiezins ins Bestand, hoher Anteil an Lebensversicherungen Die Versicherer werden Eigenkapital neu auf Sparten und Produktlinien verteilen müssen, was zu einer neuen Tarifierung führen wird -> Preissteigerung bei Kapitalintensiven Produkten. Versicherer gehen mit Garantien wesentlich vorsichtiger um. Garantien nur noch bei essentieller Bedeutung des Produktes.

27 Slide 27 Der Swiss Solvency Test (SST): Inhalt Im Frühling 2003 initiierte das BPV das Swiss Solvency Test (SST)-Projekt. Die Minimalsolvenz wird wie bis anhin auf statutarischer Basis ermittelt (Solvency I). Zusätzlich soll neu das Zielkapital bestimmt werden, welches benötigt wird, um mögliche Geschäftsverluste zu absorbieren. Um das tatsächliche Insolvenzrisiko quantifizieren zu können, wird Konsistenz der Bewertungen auf der Aktiven- und Passivenseite gefordert. Sämtliche Anlagen, Verpflichtungen und Zahlungsströme werden marktnah bewertet. Marktnah bedeutet: Alle Parameter sind zeitaktualisiert und die Bewertungen enthalten keine Sicherheitszuschläge. Das Zielkapital basiert auf den für das VU relevanten Risiken. Ist das effektiv vorhandene Risikokapital kleiner als das Zielkapital, bedeutet dies eine erhöhte Insolvenzgefahr. Die Aufsichtsbehörde wird dann in Zusammenarbeit mit dem VU angemessene Massnahmen einleiten. Die Aufsichtsbehörde formuliert ein Standardverfahren zur szenarienbasierten Berechnung des Zielkapitals. Die Risiken werden dabei mittels vorgegebener und vom verantwortlichen Aktuar selbst gewählter Szenarien quantifiziert. Der VA kann dieses Standardverfahren unter Verwendung von internen Modellen geeignet modifizieren.

28 Slide 28 SST: Grundanforderungen Risikobasiertheit: Der SST beruht auf den für das VU relevanten Risiken (Versicherungs-, Markt- und Kreditrisiken) Nicht alle Risiken führen zu einer Kapitalunterlegung (z.b. Operationelle Risiken oder Liquiditätsrisiken, da schwer quantifizierbar) Konsistenz der Bewertungen von Assets und Liabilities Konsistenz ist die Voraussetzung für eine Gesamtrisikobetrachtung des VU Wenn Kapitalunterlegungen für Assets und Liabilities nach gesonderten Methoden bewertet werden, ist eine sinnvolle Aggregation nicht möglich. Auch ALM erfordert die Bewertungskonsistenz. Kompatibilität mit der EU (Solvency II) Die Kompatibilität vom SST mit Solvency II wird durch die Übernahme der Ausrichtungen auf die zwei Richtgrössen (Minimalsolvenz und Zielkapital) Die Minimalsolvenz wird wie bis anhin nach EU-Standards berechnet. Bei der Bestimmung des Zielkapitals wird davon ausgegangen, dass diese innerhalb der EU länderspezifisch gestaltet werden kann. Kompatibilität mit der Bankenaufsicht Bankenähnliche Risiken sollen mit ähnlichen Kapitalanforderungen unterlegt werden wie bei Basel II Prinzipienbasiertheit SST-Ansatz beruht mehr auf Prinzipien und weniger auf fixen Regeln. Es werden wenn möglich keine starren Formeln zur Berechnung des Zielkapitals vorgegeben. Dies erfordert jedoch die Entwicklung von aktuariellen Standards für marktnahe Rückstellungen durch die Aufsichtsbehörde

29 Slide 29 SST: Minimalsolvenz und Zielkapital Statutarisch Marktnah Statutarische Rückstellung für versicherungstechnische Verpflichtungen Marktnaher Wert der versicherungstechnischen Verpflichtungen Minimal- Solvenz Statutarisch freie Mittel Zielkapital Marktnahe freie Eigenmittel Risikotragendes Kapital (RTK) Um die Risikofähigkeit der Gesellschaft zu gewährleisten, müssen marktnahe freie Eigenmittel vorhanden sein. Das Zielkapital ist so definiert, dass das VU nach Jahresfrist noch über genügend RTK verfügen wird. Ist das effektiv vorhandene RTK kleiner als das Zielkapital, bedeutet dies eine erhöhte Insolvenzgefahr des Versicherers.

30 Slide 30 SST: Stand der Arbeiten und weiteres Vorgehen SST wurde ab Frühjahr 2003 entwickelt. Nach der Festlegung der Methodik wurden bis Sommer 2004 die Details des SST so ausgearbeitet, dass mit einzelnen Leben- und Schadenversicherern ein Testlauf durchgeführt werden konnte. Zweck: Bestimmung von Parametern Abschätzung des Aufwandes für die Versicherer. Basierend auf den Ergebnissen des ersten Testlaufs wurden Änderungen und Verbesserungen am SST vorgenommen. Im Jahr 2005 wurde ein weiterer Testlauf mit allen Versicherungsunternehmen durchgeführt, welche sich daran beteiligen wollten. Zweck: Parameter und Modelle zu bestimmen Anwendbarkeit des SST auf kleinere Versicherungsunternehmen zu prüfen. Für die definitive Einführung sind Übergangsfristen vorgesehen. Berechnung der notwendigen Grössen (Bewertung der Aktiven und Passiven) Bereitstellung des notwendigen risikotragenden Kapitals

31 Slide 31 Exkurs: Bedeutung der Rechnungslegung (IFRS) im Rahmen von Solvency II IFRS gilt ab für alle börsenkotierten VU. Die Bedeutung von IFRS ist eng verknüpft mit der Einführung von Solvency II. Solvency II soll auf allgemeinen Rechnungslegungsprinzipien sowie auf Fair Values basieren -> Es gibt keine Alternative zur Nutzung von IFRS. Spätestens mit der Umsetzung von Solvency II wird IFRS oder ähnliche true and fair-view-konzepte (US- GAAP) zum Standard in der Versicherungsbranche. Verknüpfung der beiden Projekte ist sinnvoll, da beide eine Bewertung der ökonomischen Substanz des Versicherungsgeschäfts anstreben.

32 Slide 32 Anhang 1: Bilanz der Zürich

33 Slide 33 Quellen des Referates Swiss Re: Sigma No 7/2004: The Impact of FRS on the insurance industry Converium: International Reporting Standards: Balance sheet evolution? Deloitte & Touche Gmbh: Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS und Grundlage des IFRS 4. Daniel Schanté: in Europa: Rahmenbedingungen, Chancen und Herausforderungen, VVO Pressekonferenz. Wien, 14. Juni Ralf Quick, Köln: Die Bedeutung von IFRS in der Versicherungsbranche. In: Zeitschrift für Versicherungswesen, S Philipp Keller. Zukünftige Umsetzung des SST. Schweizer Solvency Test. Bundesamt für Personalversicherungen, White Paper of the Swiss Solvency Test: Schweizer Solvency Test. Swiss Federal Office of Private Insurance. November 2004 Schweizer Solvenztest: Projektstand Dezember Version ). Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD): Swiss Solvency Test als Mass für die Risikofähigkeit der Versicherer. Februar Schweizerischer Versicherungsverband (SVV). Swiss Solvency Test SST. Ernst & Young: Swiss Solvency Test. Anforderungen Lösungen Implementierung. Dr. Helmut Gründl. Risikosteuerung in Versicherungsunternehmen und Solvency II, Humboldt- Universität zu Berlin. Institut für Versicherungswirtschaft. Universität St. Gallen: Risiko-Management für Versicherer: Welche neuen Fragen stellen sich? RM.V-Alumni-Day 2004 Schlussbericht Finanzmarktregulierung und aufsicht in der Schweiz, November 2000 Dr. Niklaus Blattner. Banken- und Finanzmarktregulierung: Baustelle Schweiz. Bern: 29. Mai 2002 Markus Straub, Finanzplatz Schweiz: Reflexionen über Relevanz der Regulierung. In: SwissBanking. Bern: 10. Juni 2005 Dr. Andreas Kull: Solvency II: Ein neues Aufsichtsmodell für die Versicherungswirtschaft in der EU. Vortragsreihe Finanz- und Versicherungsmathematik. Technische Universität Wien. 22. Januar 2004 Bericht Neuausrichtung der Versicherungsaufsicht: konzeptionelle Elemente zur Revision des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen. Bericht Ausichtstätigkeit des Bundesamtes für Privatversicherungen. Beurteilung aus Sicht der Kommission Transparenz

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