Kinderwunsch, Schwangerschaft und Elternsein mit Handicap

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1 Kinderwunsch, Schwangerschaft und Elternsein mit Handicap Prof. Dr.med. Gerlinde Debus Chefärztin der Frauenklinik Fachtagung des Sozialdienstes Katholischer Frauen München,

2 Spezialsprechstunde für Frauen und Mädchen mit Behinderungen November 2007: Zulassung für die gynäkologische und geburtshilfliche Diagnostik und Therapie von Frauen und Mädchen mit schwersten Körperbehinderungen Wöchentlich 3 Termine ca. 150 Frauen pro Jahr Analyse der Vorstellungsgründe bei 263 Frauen Durchschnittsalter 39 jahre 60% schwerste Behinderungen 33% mind. 1 x schwanger 25% ausgetragene Schwangerschaft 23% sexuell aktive Frauen 2

3 Spezialsprechstunde für Frauen und Mädchen mit Behinderungen Analyse der Vorstellungsgründe 44 % Krebsfrüherkennung 20 % Beschwerden 12 % Kontrazeption / Kinderwunsch 22 % sonstige In 2011 drei Schwangerschaften zwei Geburten 3

4 WHO Definition für Behinderungen - Impairment =organische Schädigung Disability = persönliche (Funktions ) Beeinträchtigung Handicap = Behinderung auf sozialer Ebene Ziel: Abkehr von Defekt orientierter Denkweise (behandelter Mensch = Objekt ohne Recht auf Selbstbestimmung, Entscheidungsfreiheit, Partizipation)

5 jeder Mensch hat das Recht auf ein individuelles Sexualleben und eigene sexuelle Identität körperliche Unversehrtheit und Schutz vor Übergriffen Sexualpädagogik und Sexualberatung Sexualassistenz eigene Kinder Eigensinn

6 Sexualität Sexualität = Teil der persönlichen Identitätsfindung durch Berührung etc. erfolgt positiv besetzte Körperwahrnehmung ist geprägt von individueller Lerngeschichte in Umwelt und Beziehungen zu anderen aufgrund von gesellschaftlichen Bedingungen (Werbung, Zeitschriften etc.) ist normale Sexualität für behinderte Menschen kaum möglich Live Studie (1999): Wünsche und Bedürfnisse sind bei Menschen mit Behinderungen vorhanden

7 Live Studie 1999 (Ehe, Partner, Mutterschaft bei Frauen) Behinderte seltener verheiratet Höhere Scheidungsrate im mittleren Alter als Körpergesunde Körper und sinnesbeeinträchtigte Frauen sind gleich häufig Mütter wie Gesunde aber: Mutterschaft Behinderter ist Tabu! 68,7% der behinderten Frauen leben in einer Partnerschaft

8 Live Studie 1999 Ergebnisse es gibt keine systematisierte medizinische Erfahrung bzgl. Schwangerschaft und Geburt bei behinderten Frauen behinderte Frauen haben die gleichen Wünsche nach Mutterschaft und Fortsetzung ihrer Berufstätigkeit wie nicht behinderte Frauen die Medizin nimmt Behinderte als geschlechtslose Wesen wahr 12,1% der behinderten Frauen berichten abschätzige Äußerungen von FrauenärztInnen i.zusammenhang mit Kinderwunsch oder Verhütungsfragen 1/3 aller behinderten Frauen, die verhüten, sind sterilisiert ( = wie nicht Behinderte)

9 Mutterschaft bei Behinderung Vorurteile Überforderung Verantwortungslosigkeit für das Kind Kostenfaktor

10 sexualisierte Gewalt = Blicke, Worte, Berührungen, vaginaler, analer und oraler Verkehr Straftatbestand! Frauen mit Behinderungen haben häufiger Gewalterfahrungen als Frauen ohne Behinderungen geistig Behinderte sind besonders häufig Opfer Täter sind allermeist die Betreuer, geschieht innerhalb der geschlossenen Einrichtungen dient ausschließlich der Bedürfnisbefriedigung des Täters bis Ende der 90 er Jahre Tabu im Tabu das sexuelle Erleben von geistig Behinderten ist nicht untersucht

11 Hilfe zur Sexualität bei motorischen und behinderungsbedingten Schwierigkeiten von außerhalb der WG zu leisten Team Aus und Fortbildung erforderlich fließende Grenzen zu sexuellem Missbrauch!

12 Grundsätzliche Überlegungen vor der Entscheidung einer Frau Behinderungen, schwanger zu werden mit gibt es genetische Gründe gegen eine Schwangerschaft? ist genügend Platz für die Schwangerschaft (z.b. Kleinwuchs, Kyphose)? Komplikationen durch vorzeitige Wehen? Entbindungsmodus natürliche Geburt möglich? Einfluss von Begleitumständen der Behinderung (z.b.epilepsie) auf die Schwangerschaft

13 Überwachung während der Schwangerschaft Grundsätzlich entsprechend der Mutterschaftsrichtlinien PND Enge Überwachung bzgl. des Größenwachstums des Feten Frühzeitige Geburtsplanung Organisation von Hilfe bei Geburt und Wochenbett Elternassistenz 13

14 Geburtsmodus bei Behinderung abhängig von der Art der Behinderung schlaffe Lähmung Spontangeburt möglich WS Verkrümmung keine Spontangeburt Spastik keine Spontangeburt möglich abhängig von den anatomischen Gegebenheiten Frühgeburtsrisiko abschätzen

15 Hilfe für das Wochenbett und die Zeit danach Elternassistenz soziale Beratung körperliche Unterstützung Frühförderung für das Neugeborene Selbsthilfegruppen

16 Beispiel 1 Behinderung: Osteogenesis imperfecta Typ IV beider Partner Lange bestehender KW Ausführliche Besprechung der anatomischen Gegebenheiten Genetische Untersuchung ergibt kindliche Osteogenesis Abbruch der Schwangerschaft in der 17. SSW 16

17 Beispiel 2 Behinderung: Friedreich sche Ataxie der Frau, der Mann gesund Intensiver gemeinsamer KW Ausführliche Besprechung der anatomischen Gegebenheiten Vererbbarkeit war ausgeschlossen mit fortschreitender Schwangerschaft zunehmende Erschöpfung Immer wieder Überforderung hinsichtlich der kindlichen Versorgung Kostenübernahme Probleme bei der Elternassistenz 17

18 Beispiel 3 Behinderung: beide Partner MS, bei der Frau weiter fortgeschritten als beim Mann Intensiver KW bei der Frau, der Mann hat ein Kind aus einer anderen Verbindung Ausführliche Besprechung der körperlichen Gegebenheiten mit fortschreitender Schwangerschaft zunehmende Überforderung kindlichen Versorgung durch die Mutter nicht möglich, braucht dauerhafte Hilfe 18

19 Multiple Sklerose Kein Einfluss der Erkrankung auf eine Schwangerschaft Kein Einfluss der Schwangerschaft auf die Erkrankung, kurz und langfristig gehäuftes Auftreten von Schüben in den ersten 6 Monaten nach Geburt bei Erstverdacht / diagnose von MS in der Schwangerschaft sind alle diagnostischen Maßnahmen möglich, auch MRT

20 VIELEN DANK FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT! 20

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