Vergleichende Studie zu Ansätzen sowie Ergebnisse und Wirkungen von sechs Projekten beruflicher Bildung in Westafrika FAKT, Stuttgart

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1 Vergleichende Studie zu Ansätzen sowie Ergebnisse und Wirkungen von sechs Projekten beruflicher Bildung in Westafrika FAKT, Stuttgart Hauptergebnisse und Schlussfolgerungen Bonn, den Page 1

2 Gliederung Ziele und Umfang der Studie Methoden Hauptergebnisse Schlussfolgerungen Page 2

3 Ziele der Studie Untersuchung von: Effektivität und Wirkungen von sechs Projekten beruflicher Bildung in ihren jeweiligen Kontexten, in Bezug auf Beschäftigungs- und Einkommenssituation der Absolventen/innen Auswirkungen auf Familien und Umfeld Relevanz, Qualität und Effizienz Vergleich dreier Ansätze und Schlussfolgerungen für verbesserte Wirkungen Page 3

4 Umfang der Studie Sechs Projekte in vier Ländern (Ghana, Liberia, Nigeria, Sierra Leone) 2 x formaler Ansatz (Berufsschule) 2 x zentrumsbasierter non-formaler Ansatz, 2 x verbesserte traditionelle Lehre Gesamtzahl der Absolventen/innen der sechs Projekte zwischen : ca Ca. 27% der Absolventen/innen (2160) davon wurden aufgesucht und interviewt (vorgeschaltete Verbleibsstudie) Page 4

5 Hauptmethoden Quantitative Datenerhebung durch Interviews (Verbleibsstudien) Qualitative Informationserhebung (Fokus Gruppen Diskussionen) Beobachtung Feedback-Sessions mit Partnern Page 5

6 Methodische Grenzen Fehlende Infos bei Partnern zum Verbleib der Absolventen/innen; daher Kontaktaufnahme zu zeitund kostenintensiv Mobilität der Zielgruppe Migranten/innen waren kaum erfassbar Eingeschränkte Repräsentativität der Stichprobe (Auswahl aufgrund von Verfügbarkeit) Kein Testlauf für Fragebögen (daher möglicherweise einige Fragen mißverstanden) Keine elektronische Erfassung und Verarbeitung erhobener Daten vor Ort Page 6

7 Kontext (Partner und Projekte) 2 Partner in Post Konflikt -Situationen 2 in abgelegenen ländlichen Regionen Sämtliche Kontexte sind vertreten (urban, semi-urban, ländlich) Die Hälfte der Programme arbeitet in ländlichen Kontexten Page 7

8 Relevanz beruflicher Bildung In allen vier Ländern sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zentrale Probleme Die Programmziele tragen zur Erreichung der Ziele der nationalen Armutsbekämpfungstrategien bei. Die soziale Nachfrage ist das Hauptkriterium für Anbieter bei der Auswahl von Ausbildungsgängen; der Bedarf des Arbeitsmarktes spielt erst in zweiter Linie eine Rolle=Stereotypisierung des Angebots Das Ausbildungs-, Spezialisierungsangebot ist nicht genügend differenziert- besonders für Frauen Beratung ist wichtig, aber die Qualität/Methoden sind zu hinterfragen Berufsberatung allein reicht nicht aus. Page 8

9 Qualität der Ausbildung Die Mehrheit der Auszubildenden und Absolventen/innen ist mit der Qualität der Ausbildung zufrieden. Ausseneinschätzung: die Qualität leidet unter unzureichenden methodischen Kenntnissen der Ausbilder, dem Mangel an Unterrichtsmaterial, Verbrauchsmaterial und Ausrüstung/Werkzeugen sowie veralteten Lehrplänen Die Qualität der verbesserten traditionellen Lehrausbildung ( improved apprenticeship scheme ) hängt von der Auswahl der Ausbilder sowie einem engen Monitoring ab Qualität ist ein wichtiger Faktor für Effektivität Page 9

10 Auswahl und Erreichen der Zielgruppe Die Mehrheit der Partner erreicht die Armen (v.a. über non-formale Ansätze, verbesserte traditionelle Lehre) Die Nachfrage nach BB scheint zu stagnieren trotz wachsenden jugendlicher Bevölkerung (traditonelle Lehre als kostengünstige Alternative) 3 von 6 Partnern bilden mehrheitlich Mädchen/Frauen aus Page 10

11 Effektivität (1) Lt. Verbleibsstudien sind: 70% der Absolventen/innen entweder selbstständig oder angestellt, 19% sind ohne Beschäftigung, 7 % befinden sich in Weiterbildung, 4% machen eine (weitere) Lehre Von der Beschäftigten (100%) sind 69% selbstständig, 31% angestellt, 60% arbeiten in ihrem Ausbildungsberuf, 40% in anderen Bereichen Page 11

12 Effektivität (2) Die Mehrheit (64%) hat ein Einkommen aus der beruflichen Tätigkeit, das 50% ihres Existenzminimums oder weniger abdeckt (subjektive Einschätzung) Interviews in Ghana und Nigeria zeigen, dass sie von der Unterstützung durch ihre Familien abhängen die meisten aus dieser Gruppe sind unter 29 J. alt Page 12

13 Wirkungen (1) Auf der Ebene der Absolventen/innen: Erfolgsgeschichten (z.b. Frauen, die zum Haupternährer ihrer Familien werden, männl. Jugendliche, die in jungen Jahren finanziell auf eigenen Füssen stehen, etc.) Jg. Leute, die aufgrund der erlernten Fähigkeiten zu geachteten Mitgliedern ihrer Dörfer/Gemeinschaften werden Sie haben das Gefühl gebraucht zu werden Ihnen wird mehr Respekt (seitens der Dorfgemeinschaft, von Gleichaltrigen, der Familie, dem Ehepartner etc.) entgegengebracht, obwohl das erwirtschaftetete Einkommen klein ist. Höherer Status: people call me engineer (Zitat einer weiblichen KFZ Mechanikerin) Page 13

14 Impact (2) Erworbene Fertigkeiten erhöhen die Chancen der Mehrheit für sich selbst zu sorgen Die Mehrheit der durch die Verbleibsstudie Erfassten steht wirtschaftlich nur z.t. auf eigenen Beinen Page 14

15 Impact (3) Wirkungen auf die Gemeinschaft: Lt. Berichten hat BB zur sozio-ökonomischen Integration (Liberia, Sierra Leone) und zur Reduzierung der Kriminalität (Nigeria) beigetragen In Einzelfällen, in denen ein größere Zahl von Absolventen/innen aus einer Gemeinde stammt und nach der Ausbildung auch in dieser arbeitet, kann von einer Reduzierung der Armut ausgegangen werden Page 15

16 Ergebnisse Gender (1) Allgemein: Die Anzahl der Absolventinnen nimmt zu Gesellschaftlicher Trend: mehr Frauen suchen Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft Frauen sind in den Bereichen BB und auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt: Wenige Ausbildungsgänge (sowohl formal wie non-formal) Traditionelle Rollenmuster erschweren Karrieren in einem Männerberuf oder anderen nichttraditionellen Berufen Page 16

17 Ergebnisse Gender (2) Die durchschnittliche Beschätigungsrate von männl.absolventen ist 1.07 mal höher (=nicht signifikant) als die ihrer Kolleginnen, die durchschnittliche Abhängigtenbeschäftigungsrate ist 1.3 mal höher (=signifikant) Die durchschnittliche Arbeitslosenrate für Absolventinnen liegt 1.4 mal höher (signifikant) Geschätzte 65% der männlichen und 56% weibl. Absolventen arbeiten in ihrem Ausbildungsberuf Allgemeiner Trend: männl. Absolventen verdienen mehr als ihre Kolleginnen. Page 17

18 Ergebnisse Gender (3) Wirkungen auf Änderungen von Rollenmustern: Abgesehen von Einzelfällen gibt es nur geringe Fortschritte bei der Integration von Frauen in Männerberufe Wenn Frauen ein eigenes Einkommen erwirtschaften, stärkt das ihre Stellung in der Familie und Gesellschaft Es stehen positive Vorbilder an jg. Unternehmern/innen zur Verfügung Page 18

19 Vergleichende Analyse der Ansätze (1) Zentrumsbasierte formale BB: Integriert in das nationale Ausbildungssystem (berufs- und allgemeinbildend) Abgänger/innen erhalten einen staatlich anerkannten Abschluss In der Realität nutzen nur wenige die Chance zu weiterer Allgemeinbildung (über den 2. Bildungsweg) Die Kosten pro Auszubildendem sind höher, da längere Ausbildungsdauer Erreicht nicht die Ärmsten der Armen (da Sekundarschulniveau als Eingangvorraussetzung sowie rel. hohe Kosten) Vorteile in modernen Ausbildungsberufen, die systematischeres Lernen/Unterrichten sowie eine Kombination von Theorie und Praxis erfordern. Page 19

20 Vergleichende Analyse der Ansätze (2) Zentrumsbasierte non-formale BB: I.d.R. stärker praxisorientiert, kürzere Ausbildungszeiten, weniger theorielastig-kosten per Auszubildenden geringer Flexibler Zugang für alle möglich (unabhängig von schulischer Vorbildung; für Post-Konflikt Situationen geeignet) Zentren vermitteln Basis-, kein Spezialwissen Tendenz zur Sättigung von Märkten mit Halbqualifizierten Keine (staatlich anerkannten) Zeugnisse Qualität oft problematisch im Vgl. zur formalen BB (keine Qualitätskontrolle) Page 20

21 Vergleichende Analyse der Ansätze (3) Verbesserte (traditionelle) Lehrlingsausbildung: Praxis orientiert, da informelles on the job training Keine (schulischen) Zugangsvoraussetzungen Für ländlichen Raum geeignet; keine große Infrastruktur oder laufende Kosten Keine Investitionskosten sehr flexibel Nicht für alle Auzsbildungsgänge passend (z.b.für moderne Berufe, die systematisches Lernen voraussetzen) Geringste Kosten, wenn das Projekt effizient gemanagt wird Page 21

22 Vergleichende Analyse der Ansätze (4) Keine der 3 Ansätze ist im Vgl. signifikant effektiver (quantitativ) Eine lange Ausbildungsdauer führt nicht automatisch zu erhöhten Beschäftigungschancen Der Kontext (Arbeitsmarktsituation, Profil der Zielgruppe) hat e. starken Einfluss auf die Effektivität und die Qualität der Ausbildung Ansätze, bei denen zumindest ein Teil der Ausbildung in Betrieben stattfindet, sind effektiver (Verbesserte) Lehrlingsausbildungen scheinen Absolventen/innen besser auf die Herausforderungen des Marktes/den Markteintritt vorzubereiten-vorausgesetzt es wird ein guter Handwerksmeister/ Ausbildungsbetrieb gewählt+gutes Monitoring Unterstützung beim Selbstständigmachen ( start up support ) in Form von Zuschüssen, Werkzeugen, Beratung etc. erleichtern den Start aber Eigenanstrengungen sind unabdingbar! Page 22

23 Vergleichende Analyse der Ansätze (5) Erfolgsfaktoren: Marktorientierung Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft Qualität der Ausbildungsprogramme Einbeziehen des Umfelds in Planung, Durchführung Monitoring und Follow-up Angemessene Berufsberatung, persönliche Beratung und life skills training Page 23

24 Offene Fragen Selbstständigkeit ist in vielen Fällen ein anderes Wort als Prekariat oder Unterbeschäftigung! Zugang zu Kleinkrediten als Problem Ausbildung der Ausbilder Soziale Nachfrage nach Ausbildung deckt sich nicht mit den Bedürfnissen des Marktes Page 24

25 Empfehlungen Zielgruppe: Bei Fokus auf Armutsorientierung erscheint die Wahl eines non-formalen oder verbesserten traditionelle-lehre Modells angemessen. Fokus auf Frauen, da diese benachteiligt sind Kritischen Gruppen (z.b. männliche Schulabbrecher in konfliktiven Kontexten) sollte ein Angebot gemacht werden Page 25

26 Empfehlungen (Arbeits-) markt Orientierung: Flexiblere Reaktion auf Änderungen am Arbeitsmarkt Anbieter von BB brauchen angemessene Methoden für Markbeobachtung Kontakt zur privaten Wirtschaft (Arbeitgeber) ist wichtig Notwendigkeit auf neue Trends/Möglichkeiten zu reagieren (Dienstleistungen, IT, Telekom, Bauberufe, etc.) Qualität verbessern: Angemessene Ausbildungslänge, ggfls. Modularisierung, Überarbeiten veralteter Curricula Aus- und Weiterbildung von Ausbildern (Allgemeine Pädagogik, Fachdidaktik, Markt- Exposure ) Praktika als obligatorischem Ausbildungsbestandteil (nicht unter 3 J. /Jahr) Page 26

27 Empfehlungen Ganzheitlicher Ansatz Life skills einschließl. HIV/AIDS Sensibiliserung Persönlichkeitsentwicklung Berufsberatung: Erhöhter Fokus auf (beruflicher) Beratung vor, während und nach der Ausbildung; kreative Ansätze sind gefragt (z.b. Auzubildende führen Marktstudie durch ) Ausbildung der Ausbilder zum Erwerb von Kompetenz im Bereich soziale und berufliche Beratung peer to peer -Ansätze und der Einsatz von Vorbildern ( role models ) Page 27

28 Empfehlungen Verstärktes Augenmerk auf Unterstützungsmaßnahmen nach der Ausbildung: Arbeitsvermittlung Beratung insb.für Frauen Monitoring der Ergebnisse Qualitätsmanagement, Monitoring und Evaluation Erhöhtes Qualitätsbewußtsein Regelmäßige Verbleibsstudien (Umfang? Kosten/Nutzen Analyse) Verbleibsstudien ( tracer studies ) als Managementinstrument Page 28

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35 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Page 35

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