Jahresbericht Arbeitsbereich für soziale Unterstützung. für amnesty international Bochum

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1 Jahresbericht 2003 Arbeitsbereich für soziale Unterstützung für amnesty international Bochum Übersetzung: Kathrin Golda-Pongratz Einführung Die Unterstützung und Verteidigung der Menschenrechte in Peru muss sich in erster Linie auf eine ganzheitliche Rehabilitierung der Opfer politischer Gewalt konzentrieren, also Gefolterten und allen Menschen Aufmerksamkeit schenken, deren Grundrechte verletzt wurden und die an den vielfältigen sozialen, psychologischen, materiellen und familiengefährdenden Folgen leiden. Das Zentrum für Psychosoziale Betreuung (CAPS), das innerhalb der mit amnesty international getroffenen Vereinbarungen arbeitet, gehörte bis zum vergangenen Jahr zu den ausführenden Organen der Nationalen Koordinationsstelle für Menschenrechte in Peru (Coordinadora Nacional de Derechos Humanos del Perú). Seit 2003 ist es eine unabhängige Nicht-Regierungsorganisation und sieht seine Hauptaufgabe in der psychischen Heilung der Opfer von politischer und sozialer Gewalt, indem es psychosoziale Betreuung innerhalb eines umfassenden therapeutischen Konzeptes bietet. Der Arbeitsbereich für soziale Unterstützung (Area de Atención Social) gehört zum Bereich der Integralen Unterstützung, der auch psychotherapeutische, psychiatrische und physiotherapeutische Betreuung anbietet. Seine soziale Aufgabe ist eine integrale Rehabilitierung der Betroffenen; vor allem soll deren Wiedereingliederung in Gesellschaft, Familie und Beruf, sowie die Entwicklung sozialer Fähigkeiten, die Selbstbestimmung und die Fähigkeit zum Zusammenleben und zur Bewältigung grundlegender individueller und gemeinschaftlicher Probleme gefördert werden. Der Zugang erfolgt auf individueller, Familien-, Gruppen- und Kommunitätsebene; das Sozialprogramm beinhaltet auch medizinische Hilfe, Verteilung von Medikamenten, Workshops für körperliche Arbeit und Notfallhilfe. Die psychotherapeutische Betreuung soll die geistige Gesundheit fördern und die Lebensqualität der von Folter und politischer Gewalt beeinträchtigten Menschen verbessern. Es besteht die Möglichkeit zur individuellen und zur Gruppentherapie, sowohl langfristig für Folteropfer, oder als Kurzzeitbehandlung in momentanen Krisensituationen; diese kann je nach Notwendigkeit verlängert werden. Auf gemeinschaftlicher Ebene werden psychotherapeutische Gruppentreffen angeboten, die auch der Weiterbildung und Erziehung dienen und bei denen Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht werden, die die Probleme der Kommunität betreffen. I. Behandelte Fälle im jahr 2003 Im Jahr 2003 hat sich der Arbeitsbereich für soziale Betreuung um 353 Fälle mit verschiedenen Problemen gekümmert. Es handelt sich um aus der Haft entlassene oder begnadigte Menschen, um Kinder von Vertriebenen oder Vertriebene, um Familien von Gefangenen und um eine Vielzahl von

2 Angehörigen von Verschwundenen. Fast alle Betroffenen waren Opfer physischer und psychologischer Folter. Die Nachfrage war groß, da durch die Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Peru (Comisión de la Verdad y Reconciliación CVR), die Mitte des Jahres zum Abschluss kam, das Zutagetreten und die Öffentlichwerdung einer großen Zahl von Betroffenen ausgelöst wurde. Die Hauptprobleme der Betroffenen sind Folgen von Gewalt und extremer Armut, die ihre psychosoziale Wiedereingliederung und Erholung zusätzlich erschweren. Vielen fehlt das Allernötigste, sie haben schwere gesundheitliche Probleme, sind in juristischen Schwierigkeiten, und aufgrund einer fehlenden regelmäßigen Arbeit, die ein Minimaleinkommen gewährleisten würde, nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Mit Geldern von amnesty international konnten 41 Individualfälle betreut werden. In wöchentlichen Workshops für körperliche Betätigung zur psychosozialen Rehabilitierung konnte 16 Personen auf Gruppenebene geholfen werden, die durch regelmäßiges körperliches Training eine ganzheitliche psychische und physische Genesung erlangt haben. An einer Gruppe der Reflexion für Begnadigte, Freigesprochene und durch Begnadigungsgesetze Haftentlassene konnten 40 Menschen teilnehmen, die aus Lima und 5 weiteren Provinzen stammten. Insgesamt konnten 97 Personen durch das mit Bochumer Direktgeldern geförderte Hilfsprogramm unterstützt werden. Bei den Individualfällen richtete sich die Aufmerksamkeit auf schwerwiegende und komplexe Gesundheitsprobleme, Nahrungsbeschaffung, Wohnraumbeschaffung, Übernahme von Gerichtsund bürokratischen Kosten, Transportkosten und verschiedene notwendige Anschaffungen. In 3 Fällen wurde angesichts der Arbeitslosigkeit außerdem finanzielle Unterstützung gegeben, um eine Arbeits- und somit eine Existenzgrundlage zu schaffen. Die Gruppenbetreuung im Workshop für körperliches Training ist speziell ausgerichtet auf körperliche Leiden, die von Folter und Misshandlung herrühren. Sie beeinträchtigen das physische und psychische Gleichgewicht und den Ausdruck von Gefühlen und ziehen psychosomatische Störungen und die Unfähigkeit zum normalen Leben in einer Gemeinschaft nach sich. Die wöchentliche Gruppensitzung wird zu einer heilsamen und erreichbaren Alternative, um diesen Leiden Abhilfe zu geben und den Teilnehmern integrale Aufmerksamkeit zu widmen. Die Reflexionsgruppe, eine Selbsthilfegruppe, die aus 40 festen, in Lima ansässigen und 110 weiteren Teilnehmern aus 5 Provinzen, also aus 150 Personen besteht, wurde unterstützt dank des gemeinsamen Interesses, die autonome und legitime Handlungsfähigkeit der Betroffenen zu fördern, um ihre vollen Rechte zurückzugewinnen, Zugang zur Justiz und umfassende Reparationen zu erhalten. In Zusammenarbeit mit amnesty international Bochum konnten 10 Arbeitstreffen mit Gruppenleitern ausgerichtet werden, außerdem 10 Vorbereitungstreffen für Workshops, 10 Versammlungen, 6 Arbeitssitzungen, um Berichte und Abkommen zu verfassen, womit die Organisationen gestärkt und ein gesunder Aufbau von Verbindungen und die Verteidigung der Rechte für alle ermöglicht wurde. Der Erfolg war ein gemeinsamer Diskurs, der letztlich jeden in seiner Rolle als Individuum und als Förderer einer Friedenskultur im Land gestärkt hat.

3 II. Die Arbeit des Bereiches für soziale Unterstützung 1. Programm zur Förderung von Selbsthilfegruppen Begleitung und Unterstützung einer Reflexionsgruppe für Begnadigte, Freigesprochene und Freigelassene Der Reflexionsgruppe gehören begnadigte oder freigesprochene Menschen an, die unrechtmäßig des Terrorismus bezichtigt wurden und die ihre Unschuld mit Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen, die dem Netzwerk der Coordinadora de Derechos Humanos angehören, beweisen konnten. Während des Jahres 2003 hat sich die Begleitung und Unterstützung der Gruppe nicht nur numerisch, geographisch und in konkreten Planungen erweitert, sondern vor allem in ihrer Konsolidierung als gute Gruppe mit starken Verbindungen, mit Erfolgsaussichten und der Fähigkeit, als autonome Vorreiterin die integrale Wiedergutmachung zu suchen, wie sie jedem Bürger zusteht und wie sie von der Wahrheitskommission empfohlen wird. Ihre Organisationsform hat sich zu einer partizipativen erweitert und somit einen stärkeren Ansporn der Gruppenleiter möglich gemacht. Sie orientiert sich am sogenannten Programm zur Förderung des Zugangs zu Gerechtigkeit und der Wiederherstellung von Rechten, welches nicht nur ein effektives Einfordern der Rechte, sondern auch die Festigung einer aktiven, autonomen und effektiven Selbsthilfegruppe zum Ziel und gleichzeitig ständig die soziale und psychologische Unterstützung im Blick hat. Auf Initiative der Gruppe laufen derzeit mehrere Gemeinschaftsklagen an den peruanischen Staat, angesichts dessen fehlender Bereitschaft zu Reparations-zahlungen. Diese sind Teil ihrer Aktionen zur Erlangung umfassender Reparationen: symbolische, materielle Wiedergutmachung in Form von Gesundheits- und Erziehungseinrichtungen und finanzielle Wiedergutmachung für zerstörte Lebensprojekte, materielle Verluste, Arbeitsplatzverlust, den Verlust von Lebensnotwendigem, des Zuhauses und für den Abbruch der Beziehungen zu den Kindern als Folge jahrelanger Gefangenschaft wird gefordert. Teile dieser Forderungen wurden seitens der entsprechenden Gerichtskammern als Verfahrensgrundlage anerkannt und die Verhandlungen stehen unmittelbar bevor. Andere Forderungen wurden seitens des Staates nicht anerkannt und sollen nun dem Internationalen Gerichtshof in Costa Rica vorgetragen werden, weil sie auf nationaler Ebene trotz legitimiertem Anspruch kein Gehör finden. Teil dieses Programms ist auch das Unterprogramm der Gesunden Gruppe (Grupo Sano), das ergänzende Aktivitäten, beispielsweise Gruppendynamik, Körperarbeit (im Hinblick auf die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Behandlung, die alle bio-psycho-sozialen Aspekte einer Person abdeckt), regelmäßige Spaziergänge und Sport als soziokulturelle Beschäftigungen anbietet. Es gibt eine Gruppe für peruanischen Folkloretanz, die Musikgruppe musste aufgrund fehlender Mittel für die Instrumentenbeschaffung und den Unterricht vorübergehend ausgesetzt werden. Beide Gruppen fördern die Stärkung eines Gemeinschaftsgefühl und die integrale Entwicklung. Es gab bereits mehrere erfolgreiche Auftritte. Kurzinformation zum 1. Nationalen Treffen der Reflexionsgruppe für Begnadigte, Freigesprochene und Freigelassene Zum ersten Mal gelang es mit der Unterstützung von CAPS, ein nationales Treffen für die Reflexionsgruppen aus Lima und den Provinzen zu organisieren, zu dem auch Fachleute, Menschenrechtler und Referenten zu sozio-politischen Themen eingeladen wurden, um die Situation der befreiten, ehemals unschuldig verurteilten Menschen, sozialpolitische Vorschläge zu deren Wiedereingliederung, die Ergebnisse der Wahrheitskommission und die Situation der Menschenrechte zu diskutieren.

4 Ziele Das Treffen sollte in erster Linie die innere Stärkung der Organisation bewirken, und überdies zur Erarbeitung normativer Dokumente führen, um den institutionellen Charakter als Gruppe zu bekräftigen. Ziele sollten formuliert werden, um den Anschluss der Gruppe an die Institution zu definieren und vor allem, um die Situation ihrer Mitglieder zu besprechen und das Thema der Reparationen und deren wesentliche Rolle bei der Gewaltprävention und der Schaffung einer Friedenskultur zu diskutieren. Das Treffen hat vom 18. bis 20. September 2003 in der Casa de Retiro San Francisco Solano im Rímacviertel von Lima stattgefunden. Ablauf des Treffens Erster Tag: Die Teilnehmer erhielten Materialien, einen Teilnehmerausweis und eine Mappe mit Informationsmaterial zum Thema. Das Treffen wurde von Veronica Molina eröffnet. Am Podium saßen Carmen Wurst vom Centro de Atención Psicosocial, Dr. Alejandro Silva von der Coordinadora de Derechos Humanos del Perú und Gladis Canales, Vertreterin der Reflexionsgruppe, die als erste sprach und betonte, dass Gerechtigkeit, Reparationen, der uneingeschränkte Respekt vor den Menschen-rechten und der Aufbau einer Friedenskultur die wesentlichen Ziele ihrer Gruppe seien. Carmen Wurst erwägte, dass die Arbeit des CAPS in der Begleitung der Gruppe bestehe. Dr. Alejandro Silva sprach über das Konzept von Freiheit, angesichts der Tatsache, dass Tausende von Menschen sich unschuldig in Gefangenschaft befänden. Er betonte, dass die Arbeit der Gruppe zur Etablierung eines sozialen Geflechts und der Prozess von Aufbau und Stärkung solcher Netze die Suche nach einer neuen nationalen Identität stärke. Im Anschluss daran wurden Ziele und Vorgehensweisen der Gruppenarbeit vorgestellt. Die Vertreter der einzelnen Provinzen stellten ihre Erfahrungen mit der Workshop-Arbeit vor. Anschließend gab es Zeit für Fragen und es wurden Arbeitsgruppen gebildet. Der erste Tag endete mit einem Körper-und Integrations-Workshop, der die Teilnehmer sich gegenseitig näher brachte und die Offenheit untereinander förderte. Zweiter Tag: Frau Sonia Rosas, Mitglied der Reflexionsgruppe, erzählte über die Geschichte der Gruppe seit ihrer Gründung im Juli Abschließend wies sie darauf hin, wie wichtig eine ganzheitliche Wiedergutmachung und die Anerkennung der Menschenrechte sei und dass es für die kommenden Generationen keine unschuldigen Inhaftierten mehr geben dürfe, weil der Schmerz einer solchen Gefangenschaft, der Verlust von Freunden, Kontakten und der Arbeit und die gesellschaftliche Ächtung die Rechte einer Person und ihrer Familie auf das Tiefste verletze. Im Anschluss wurde ein Prinzipienkatalog erarbeitet, als Basis für die Erstellung eines normativen Dokumentes. In der anschließenden Plenarsitzung berichteten alle Gruppen über ihre Vorschläge. Schließlich gab es einige Vorträge zum Thema Situation des unschuldig in der aktuellen politisch-sozialen Konjunktur. Ein internes Regelsystem wurde anhand folgender 10 Punkte aufgestellt: Ziele Prinzipienerklärung Verantwortlichkeiten Rechte Pflichten

5 Bildung von Kommissionen Verknüpfung mit Gruppen aus der Provinz Verknüpfung mit Netzwerken Ökonomische Zuschüsse Sanktionen und Nichterfüllungen Dritter Tag: Die Vorträge zu Menschenrechtsverletzungen wurden fortgesetzt und es gab eine weitere Frageund Antwortrunde. Während der drei Tage wurden Gespräche zu wichtigen Themen, Künstlerisches und Gruppendynamisches gemeinschaftlich erlebt. Die Abschlussveranstaltung fand großen Anklang, Teamgeist wurde spürbar. Die Ausarbeitung eines normativen Dokumentes wurde daraufhin in den wöchentlichen Gruppentreffen auf der Grundlage der erarbeiteten Vorschläge weitergeführt. Derzeit hat die Gruppe einen internen Regelkatalog und eine Prinzipienerklärung. Liste der Vortragenden: Name Stellung Thema Carmen Wurst Direktorin des Centro De Atención Geistige Gesundheit des haftentlassenen Psicosocial Unschuldigen Verónica Molina Verantwortliche des Arbeitsbereiches für soziale Unterstützung CAPS Förderung und psychosoziale Begleitung von Opfern politischer Gewalt Maria Elena Vivanco Ärztin der Psychiatrie im CAPS Geistige Gesundheit des unschuldig Inhaftierten Víctor Álvarez Anwalt des Innenministeriums Die Situation des unschuldig in der aktuellen politisch-sozialen Konjunktur Félix Luna Wilfredo Pedraza, in Vertretung für Walter Alban Domingo Sarmiento Anwalt der Andinen Juristenkommission Anwalt der Defensoría Del Pueblo (Volksverteidigungsbehörde) Vertreter der Inocentes Liberados Cuzco Wilfredo Jampa Vertreter der Inocentes Liberados Ayacucho Moisés Tavéra Vertreter der Inocentes Liberados - Huacho Edgar Rivadeneira Vertreter der Inocentes Liberados - Lima Die Situation des unschuldig in der aktuellen politisch-sozialen Konjunktur Die Situation des unschuldig Erfahrungen der unschuldig Erfahrungen der unschuldig Erfahrungen der unschuldig Erfahrungen der unschuldig

6 Sonia Rosas Córdova Raúl Rosasco Gründerin und Mitglied der Reflexionsgruppe Bischöfliche Kommission für Soziales Handeln (CEAS) Alejandro Silva Coordinadora Nacional de Derechos Humanos Prozess des Zusammenfindens:die Geschichte der Gruppe Begleitung von unschuldig aus der Haft Entlassenen Reflektionen zum unschuldig Eduardo Vega Anwalt der Defensoría del Pueblo Menschenrechte und Inhaftierung Unschuldiger Manuel Ecalante MINSA Die geistige Gesundheit des unschuldig aus der Haft Entlassenen Jesús Alvarado Hidalgo Carlos Bruce Montes De Oca Wohnungsbauministerium Wohnungsbauministerium Sozialpolitik zum Wohl des unschuldig aus der Haft Entlassenen Sozialpolitik zum Wohl des unschuldig aus der Haft Entlassenen 2. Programm zur Förderung und Wiederherstellung der geistigen Gesundheit Gesundheitliche Probleme als Folge zugefügter Gewalt, fehlender Gesundheits-versorgung und Armut haben eine hohe Nachfrage nach medizinischer Betreuung ausgelöst. Nicht alle Bedürfnisse konnten befriedigt werden, Vorrang hatten Notfälle und Fälle, die im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes von CAPS betreut wurden und somit mehr Aussicht auf den Erfolg einer Genesung hatten. 28 Härtefälle konnten seit Beginn der finanziellen Unterstützung durch amnesty international Bochum behandelt werden. Die Hilfe besteht in der Diagnose momentaner Leiden und der Beobachtung und Analyse früherer, teilweise chronischer Krankheiten, die von Gewalteinwirkung herrühren. Hierfür werden Zusatzuntersuchungen und Befragungen durchgeführt. In vielen Fällen bedarf es weiterer und teilweise komplementärer Unterstützung. Schließlich folgt die finanzielle Unterstützung zum Kauf von Medikamenten und zur Bezahlung der Transportmittel. Außerdem hilft CAPS bei Behördengängen, bemüht sich um den Zugang zu öffentlichen und privaten Einrichtungen und um das Recht auf Sozialtarife, Ermäßigungen und andere Erleichterungen, stets mit dem Ziel, die Genesung des Betroffenen zu gewährleisten und zu beschleunigen. Auf der Ebene der staatlichen Behörden wird die Arbeit fortgesetzt, um innerhalb der aktuellen politischen Linie in besonderer Weise die Rücksichtnahme auf die physischen und psychischen Probleme der Opfer politischer Gewalt zu erwirken. 3. Programm zur Förderung von Kleinunternehmen und finanzieller Einkünfte Dieses Programm dient der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt und bietet dauerhafte Begleitung, Beratung und soziale Orientierung, Psychotherapie, technische Schulungen und Solidaritäts-Kleinkredite, um den Geförderten den Aufbau eines kleinen Geschäftes zu ermöglichen. Hierfür werden alle verfügbaren Mittel, einschließlich der familiären Unterstützung eingesetzt, um wenigstens in annähernder Weise das Einkommensniveau der Zeit vor der Gefangennahme wiederherzustellen und um die Grundbedürfnisse der Familie decken zu können. Sowohl auf individueller, als auch auf Gruppenebene wurden die Fähigkeiten zur Geschäftsführung gestärkt und bei allen durch das Programm Begünstigten eine klare Vorstellung vom Geschäftsprozess herausgebildet.

7 Im Jahr 2003 wurden 40 Kredite vergeben. Alle Begünstigten wurden einer einmonatigen Schulung unterzogen und erhalten weiterhin individuelle Beratung. Gruppenprojekte wurden gefördert. Mit Geldern von amnesty international konnten 3 Personen im Rahmen der geleisteten Unterstützung mit Arbeitskapital gefördert werden. Es gab Individualtreffen für soziale und wirtschaftliche Orientierung. 80% der Begünstigten wurden sowohl zu Hause als auch in deren neugegründeten Geschäften besucht. III. Informationen zu den Unterstützungsbereichen 1. Notfallhilfe Während der aktuellen Periode konnte mit Geldern von amnesty international in 28 Fällen Notfallhilfe geleistet werden. Diese Hilfe konzentrierte sich auf die ländlichen Gebiete extremer Armut in den Provinzen Lima, La Libertad, Huanuco und Ayacucho. Die Härtefälle sind überwiegend akuter Art, es handelt sich um die Gefährdung der Grundversorgung oder der Wohnung, um familiäre und ökonomische Krisen aufgrund von Krankheit, um Schwangerschaftsprobleme, Notoperationen oder Attentatsbedrohungen, um die Notwendigkeit einer medizinischen Untersuchung, die in Folge von Gewalteinwirkung für die Aufnahme in eine Versicherung nötig ist, um legale Probleme und vieles mehr. Hierbei wurde mit dem ausführenden Organ der Coordinadora Nacional de Derechos Humanos del Perú zusammengearbeitet. Außerdem ist häufig Unterstützung für Reisen nötig, bei fehlenden Dokumenten und mangelnden ökonomischen Mitteln muss Hilfe geleistet werden. 2. Soziale Beratungsstelle Die soziale Beratungsstelle ist ein Raum für das Gespräch mit dem Betroffenen, ein Ort des Austausches und der Reflexion, der dazu beitragen soll, Schwierigkeiten zu lösen und die persönlichen und sozialen Fähigkeiten der betroffenen Person zu mobilisieren. Die Mehrheit der durch amnesty international Bochum-Fördermittel unterstützten Personen hat von diesem Angebot Gebrauch gemacht. In der Beratungsstelle werden Handlungsalternativen und Mittel zur Problemlösung gesucht und erklärt, häufig werden die Probleme erst dort klar formuliert. Mittels deren Identifizierung im Dialog werden Prioritäten, Stärken und Möglichkeiten herausgefiltert, die helfen, alleine oder in Begleitung einen Ausweg zu finden. Es herrscht eine warme, herzliche Atmosphäre und das stete Bemühen, positive Aspekte herauszuholen. Schließlich werden eine Art Leitfaden und ein Aufgabenkatalog für das weitere Vorgehen erstellt, die auf jeden Betroffenen individuell abgestimmt sind und dessen Problembewusstsein, seine persönliche Geschichte, sein Bildungsniveau und seine Möglichkeiten zur Problembewältigung berücksichtigt. 3. Soziale Orientierung Die Soziale Orientierung ist das meistgefragte Angebot. Alle behandelten Fälle bekamen in irgendeiner Weise soziale Orientierungshilfe bei verschiedenen Problemstellungen. Dieser Service bietet Hilfe bei Behördengängen, bei der Beschaffung verschiedener Dokumente (Sozialberichte, Amtschreiben, Anträge), bei Empfehlungsschreiben, zur Erlangung von Unterstützungsmitteln und Vergünstigungen und bei anderen behördlichen Vorgängen. Entsprechend ihrer Probleme erhalten die Betroffenen Anleitung zu deren Bewältigung, schließlich wird ein Plan mit konkreten Handlungsanweisungen erstellt.

8 4. Hausbesuche Der Hausbesuch bei Betroffenen ist überaus wichtig, um die begleitende Hilfe zu bekräftigen und um Informationen zu sammeln, die für das Eingreifen in die entsprechende Problematik und für die Direkthilfe unerlässlich sind. Die Kenntnis des Lebens- und Wohnumfeldes des Betroffenen ermöglicht eine bessere Fokussierung der Hilfe und eine Annäherung an dessen Leben, sie stellt Vertrauen her, stärkt die affektive Bindung des Betreuers zum Betroffenen und erhöht somit den Erfolg der Hilfeleistung. Zudem werden die mit Geldern aus dem Förderprogramm eröffneten Geschäfte oder Werkstätten besucht, sowohl in der Planungsphase, als auch nach deren Inbetriebnahme. In diesem Jahr (2003) wurden 58 Besuche in Privathäusern, Krankenhäusern und Unterkünften gemacht. 5. Schlussfolgerungen Die Probleme der Opfer politischer Gewalt sind vielschichtig. Bei 88% der Bevölkerung biete sich folgendes Bild: eine Kombination von physischen Leiden, psychologischen Probleme, Problemen mit Dokumenten und Ausweispapieren, Arbeitslosigkeit und Mangel an grundlegenden Dingen. Angesichts dieser komplexen Problematik ist es notwendig, ausgleichende Netzwerke aufzubauen und Kontakte herzustellen, die den Zugang zu Serviceeinrichtungen und zu neuen Mitteln erleichtern. Im Jahr 2003 konnten 50% der Fälle an staatliche oder private Serviceeinrichtungen weitergeleitet werden.

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