Entwicklung ein Missverständnis?

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1 Vortrag im Rahmen einer Ringvorlesung an der Universität Wien 2003 Entwicklung ein Missverständnis? rüdiger korff, Universität Hohenheim Entwicklung ist einer der zentralen Aspekte moderner Gesellschaften. Nur darüber lässt sich das Problem lösen, dass Moderne den Anspruch des Universalismus stellt, doch die deutlichen Differenzen in der Institutionalisierung von Moderne nur mit Anstrengungen ignoriert werden können. Eine Lösung wäre, moderne Gesellschaft als regionales Spezifikum zu erfassen. So wäre dann eben nur Westeuropa, Nordamerika und vielleicht noch Japan modern und der Rest der Welt fällt aus der soziologischen Analyse heraus und bleibt das Forschungsfeld der Anthropologie. Unausgesprochen ist diese Haltung in der Soziologie - jedenfalls der deutschen - erstaunlich verbreitet. Eine andere Lösung des Problems ist Entwicklung, durch die eine nachholende Modernisierung erreicht werden soll. Damit sind die Differenzen nur temporär und früher oder später haben sich die Traditionen aufgelöst. Hier kommt der Entwicklung und den damit sich beschäftigenden Organisationen und Personen die Aufgabe zu, als Agenten des Weltgeistes 1 Modernisierungsdefizite zu beheben. Diese Lösung, die durchaus noch verbreitet ist, wurde leider, oder Gott sei Dank, durch die Diskussionen der Postmoderne unmöglich gemacht. Allerdings konnte die Postmoderne bis auf das Ende der Entwicklung auch keine Alternative vorstellen. So haben wir gegenwärtig eine verblüffende Situation. Einmal wird in der Soziologie der Rest der Welt weitgehend ausgeklammert, auch und vielleicht gerade in vielen Diskussionen über Globalisierung. Zum zweiten wird seit Mitte der achtziger Jahre regelmäßig das Ende der Entwicklung ausgerufen (Menzel 1992, Escobar 1995, Sachs 2001), drittens hat dieses einen nur sehr begrenzten Effekt auf die Entwicklungspolitik und Praxis, denn noch besteht die Weltbank, UNDP, andere internationale, nationale und Nicht-Regierungsentwicklungsorganisationen und niemand fordert ernsthaft ihre Auflösung, und viertens erwarten die Menschen, dass durch Entwicklung ihre Lebensgrundlage verbessert wird. Strukturen der Entwicklungsgeschichte: Die Chancen der deutschen Sprache nutzend, fasse ich Entwicklung und Geschichte in einem Wort zusammen, was an sich etwas tautologisch sein sollte. In den klassischen soziologischen Arbeiten wird ja die Entwicklung der modernen Gesellschaft unter dem Begriff Geschichte gefasst. Es gibt aber einen sehr weitreichenden Unterschied zwischen beiden. Geschichte, jedenfalls in soziologischer Perspektive, bezieht sich auf die Logik oder Logiken gesellschaftlichen Wandels. Geschichte ist in dieser Perspektive implizit kritisch, da, wie Adorno es einmal formulierte, so das Bestehende mit dem Möglichen konfrontiert werden kann. Entwicklung ist demgegenüber affirmativ, in dem Sinne, aus dem Bestehende das Passende zu machen. Dazwischen liegen Welten. Marcuse (1989) diskutiert die Logik der Geschichte unter den Begriffen Vernunft und Revolution. In den Entwicklungsdiskursen wird daraus gegenwärtig: Partizipation und nachhaltige Entwicklung! Bei Marcuse sind Klassen Subjekt der Geschichte, d.h. des Wandels, in der anderen Version sind es die Entwicklungsorganisationen und Experten, was ja schon etwas anderes ist, als das Proletariat, die Verdammten dieser Erde, um auch Fanon (1971) zu zitieren, oder auch das Kapital. 1

2 Entwicklung ist, im Unterschied zu Geschichte nicht reflexiv, d.h. Entwicklung selbst kann die eigene Geschichte nicht reflektieren, da Entwicklung per se zukunftsorientiert ist. Tatsächlich würde eine geschichtliche Reflexion der Entwicklungserfahrungen zu einer weitreichenden Depression führen, denn trotz inzwischen 40 Jahren von Entwicklung sind die grundlegenden Probleme (Hunger, Armut, Krieg, Unterdrückung) ungelöst. Die fehlende historische Reflexion führt, wie Sachs (2001) es sehr schön ausgedrückt hat, dazu, dass mit jeder neuen Entwicklungsdekade die vorhergehende weitgehend diskreditiert wird. Die Erfolge der früheren Phase sind die Probleme der aktuellen Phase. Ein Beispiel dazu: In den achtziger Jahren ging es darum, durch technische Innovationen die vermarktbare Agrarproduktion rapide zu steigern, um einerseits Geld-Einkommen der Bauern zu erhöhen und andererseits Nahrungsmitteldefizite zu reduzieren. In Nordthailand können die Hmong (eine ethnische Minderheit) als Helden dieser Politik bezeichnet werden. Sie gaben die Produktion von Opium auf, übernahmen die Ratschläge der Experten und bauten dementsprechend Gemüse, Blumen und Früchte an. Im Unterschied zu Opium wachsen diese Agrarprodukte allerdings nur dann gut, wenn der Boden gedüngt wird und regelmäßig Insekten usw. bekämpft werden. Das Einkommen der Hmong stieg, und man konnte nun Astern, Erdbeeren und Weißkohl in Chiang Mai bekommen. Heute sind Hmong die Bösewichter und Umweltzerstörer, da durch die intensive Nutzung die Fruchtbarkeit des Bodens langfristig zerstört wird und durch die massive Nutzung der Chemie das Wasser vergiftet ist, was nachhaltiger Entwicklung widerspricht. Interessanterweise sind sich die Experten, die nun den Hmong nahelegen doch nachhaltiger zu wirtschaften, nicht darüber bewusst, dass sie es waren, die den Hmong erst diese Wirtschaftsweise beibrachten! Nach Esteban (2001) begann Entwicklung im Anschluss an den II. Weltkrieg, als Truman zur Entwicklung aufrief. 1 Entwicklung bot sowohl den Organisationen, die für den Wiederaufbau Europas gegründet wurden, wie der Weltbank und dem IMF als auch den alten Kolonialorganisationen die Chance das Betätigungsfeld zu erweitern bzw. zu erhalten. (Korff 1998). Diese Organisationen konnten sich dann in den sechziger Jahren der ersten Entwicklungsdekade widmen. Der Indikator von Entwicklung war Wirtschaftswachstum gemessen im Bruttosozialprodukt bzw. dem per Capita BSP. Durch den Aufbau von Industrien, verbesserter Infrastruktur usw. sollten die Staaten Wachstum u.a. auch durch Staatsunternehmen forcieren. Diese Politik wurde später ergänzt durch sozialen Wandel. In Anlehnung an Parsons Strukturfunktionalismus und dem berühmten AGIL-Schema 2 ging man davon aus, dass Entwicklung ein gleichzeitiger Prozess der Industrialisierung, Urbanisierung, des kulturellen und Persönlichkeitswandels sowie des politischen Wandels ist. Aus Entwicklung ist Wirtschaftswachstum wurde Entwicklung ist Wirtschaftswachstum und Wandel. McNamara leitete in den siebziger Jahren als Präsident der Weltbank die zweite Dekade unter dem Namen Kampf gegen die Armut ein. In der Konferenz der ILO 1976 wurde dieses als Grundbedürfnisstratgie spezifiziert. Entwicklung hatte nun das Ziel, Möglichkeiten zur Befriedigung der in der UN-Charta definierten Grundbedürfnissen zu unterstützen. Dabei kamen staatlichen Subventionen der Grundnahrungsmittel, des sozialen Wohnungsbaus (Habitat), dem 1 Quarles van Ufford (2003) argumentiert demgegenüber, das Entwicklung schon in den vierziger Jahren thematisiert wurde. Damals allerdings auf Europa bezogen unter der Forderung Nie wieder Krieg. Es ging damit initial um die Entwicklung Europas, nicht um Entwicklungsländer usw. Die Aufgabe des IBRD (International Bank of Reconstruction) oder der deutschen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) waren explizit auf den Wiederaufbau Europas bzw. Deutschland bezogen. Entwicklungsländer entwickelten sich erst später. 2

3 Ausbau von Schulen und der Einrichtung von Barfuß-Ärzten im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. Während in den ersten Dekaden die Staaten die eigentlichen Entwickler waren, wie es u.a. der Begriff Entwicklungsstaat ausdrückt, galten sie in der dritten Dekade, d.h. in den achtziger Jahren als die Probleme. Durch Strukturanpassung sollte der Staatssektor massiv reduziert werden um durch Deregulierung die wirtschaftlichen Kräfte zu entfesseln. Die sichtbare Hand der Staaten, oftmals der Selbstbedienung diente, sollte durch die unsichtbare Hand des Marktes ersetzt werden. Man ging davon aus, dass durch den Markt Ressourcen am effizientesten allokiert würden. Das beinhaltete natürlich die Zurücknahme vieler Maßnahmen der vorhergehenden Phase der Grundbedürfnisorientierung, denn nicht der Staat bringt Wohlstand, sondern der vom Staat gelöste Markt. Es zeigte sich jedoch, dass auch der Markt eines staatlichen Rahmens der Gesetzlichkeit und Regulierung bedarf. So führt Wolfensohn im Vorwort zum Weltentwicklungsbericht 1997 aus: Certainly state-dominated development has failed. But so has stateless development a message that comes through all too clearly in the agonies of people in collapsed states such as Liberia and Somalia. Without an effective state, sustainable development, both economic and social, is impossible. (Wolfensohn 1997: III). Deshalb wurde in den neunziger Jahren neben dem deregulierten Markt Partizipation und good governance zur Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung des globalen Ressourcen- und Umwelt Managements, in der auch die Gender- Komponenten berücksichtigt sind. Es geht nun darum, nicht nur technische Lösungen zu entwickeln, die die Bauern dann übernehmen sollen, sondern die Zielgruppen einzubeziehen. 3 Die hier nur sehr verkürzt dargestellte Entwicklungsgeschichte der Entwicklung weißt einige interessante Strukturen auf: 1. Die Rolle des Staates durchläuft eine Art Looping. In den ersten Phasen war der Staat die Institution durch die nationale Entwicklung erreicht werden sollte. In der dritten Phase wurde der Staat weitgehend ausgeklammert um in den späten neunziger Jahren wieder aufzutauchen. Allerdings in einer anderen Form. Nicht als Entwicklungsstaat, sondern als good governance, was im Grunde bedeutet, dass der Staat sich ähnlich strukturieren solle wie eine Unternehmen. Das zeigt sich u.a. auch in der zunehmenden Nutzung von Management im Entwicklungsdiskurs, wie Watershed Management, Natural Ressource Management oder urban Management Ausweitung der mit Entwicklung und durch Entwicklung zu strukturierenden Bereiche. In der ersten Phase bezog sich Entwicklung einseitig ökonomisch auf Industrialisierung und Wachstum des BSP. In der zweiten Phase kamen die individuellen Bedürfnisse und damit der Alltag hinzu. Dieses war auch die Phase in der Familienplanung populär wurde, die direkt in den persönlichen Bereich eingreift. In der dritten Phase weitete sich Entwicklung einerseits auf die Märkte, Kleinproduzenten und Händler aus und auf der anderen Seite auf die öffentlichen Einrichtungen, die zu privatisieren sind. Inzwischen sind Natur und Geschlecht sowie soziale und kulturelle Beziehungen einbezogen.. Es findet sich kaum mehr ein Lebensbereich, der nicht irgendwie entwickelt werden müsste. Mit dem mainstreaming der AIDS Problematik bedarf es nun sogar der Entwicklung der intimsten Bereiche der Sexualpraktiken. 3

4 3. Räumliche Ausweitung: In der ersten Phase bezog sich Entwicklung vor allem auf die Städte und ihre Randgebiete, sowie Plantagen und Minen, da nur dort die Grundlagen für Industrien existierten. In der folgenden Phase kam es zu einer Ausweitung auf die Randgruppen in den Städten (Slums, Marginalisierte, informeller Sektor) und relativ integrierten ruralen Gebiete. Daran anschließend findet sich eine weitergehende Ausweitung in weniger zugängliche Gebiete und ethnische Minderheiten. Mit nachhaltiger Entwicklung geht es nun darum auch die abgelegenen Regionen und indigenen Bevölkerungen zu erfassen. Es findet sich kaum ein Gebiet und eine Personengruppe, die nicht entwickelt werden müsste. 4. Verstärkte Abgrenzung zwischen entwickelten und Entwicklungsländern. Obwohl die Unterschiede in Bezug auf viele der Entwicklungsindikatoren zwischen einigen Entwicklungsländern und vor allem den Ländern Osteuropas, inklusive die neuen Mitglieder der EU, zunehmend verschwimmen, bleibt diese Differenzierung im Alltagsverständnis als auch in der Politik erhalten. Entwicklung war also durchaus erfolgreich in der Integration und Globalisierung von sich selbst. Das heißt auch, dass es in den Entwicklungsländern kaum Personengruppen, Gebiete und Bereiche gibt, die nicht direkt von Entwicklung betroffen sind. Das hat zwei Implikationen: 1. werden die globalen Entwicklungsdiskurse und Politiken in ganz unterschiedlichen Lokalitäten angewandt, und 2. werden weitere Akteure in Entwicklung einbezogen. Daraus resultiert ein zentrales Problem, wie Poitier (1999) zeigt, nämlich, dass die Entwicklungsstrategien immer standardisiert und vereinfachend sind, während das konkrete Alltagsleben komplex und vielschichtig ist. Im Ergebnis sind die allgemeinen Politiken den lokalen Bedingungen nicht angepasst. Kritik der Entwicklung: Die Kritik der Entwicklungspolitik als Werkzeug des Imperialismus, die in den siebziger Jahren noch durchaus verbreitet war, findet sich heute nur noch wenig, nicht zuletzt deshalb, weil nach über vierzig Jahren von Entwicklungspolitik die positiven und negativen Effekte kaum nachgewiesen werden können. In der Kritik wird die Wirkungsweise offensichtlich überbewertet. 5 Sachs (2001) macht deutlich, dass obwohl die historischen Bedingungen, die früher Entwicklung zu einem überzeugenden Programm sowohl für den Norden, die Geberländer der Entwicklungshilfe, als auch den Süden, die unterentwickelten Empfängerländer, machten, ihre Geltung verloren haben. Trotzdem ist Entwicklung immer noch attraktiv. Heute ist Entwicklung wie eine Amoebe, die alles mögliche einbezieht (siehe dazu den vorherigen Abschnitt), und damit alle möglichen Formen und Bedeutungen annehmen kann. Weitgehend inhaltslos hat Entwicklung heute die Funktion, Intervention mit einem höheren Sinn zu legitimieren und bietet so eine Aura der moralischen Überlegenheit und Arena für völlig unterschiedliche Gruppen und Organisationen. (Sachs 2001:4). Indem Entwicklung eine solche globale Arena darstellt, auf der unterschiedliche Gruppen ihre Interessen vertreten und durchzusetzen suchen, können die globalen Formulierungen von Entwicklungszielen, Strategien usw. immer nur Vereinfachungen und Worthülsen sein, in denen sich jeder irgendwie wiederfinden kann. Typischerweise gilt dieses für die Protokolle der großen 4

5 Tagungen der UN-Organisationen wie Habitat, UNDP, World Food Programme usw. Da der Alltag der zu Entwickelnden höchst komplex und keineswegs standardisierbar ist, ergeben sich geradezu automatisch Diskrepanzen zwischen den allgemeinen Forderungen und der konkreten lokalen Praxis. David Mosse (2003) 6 folgt dieser Richtung und problematisiert die Beziehungen zwischen Entwicklungspolitik und Praxis. Häufig wird von einem Zusammenhang zwischen beiden ausgegangen. Diskrepanzen, die an sich unübersehbar sind, werden als unintended gaps definiert und damit zu Ausnahmen von der Regel. Aber, determiniert die Politik tatsächlich die Praxis? Wieviel haben konkrete Entwicklungsprojekte mit den Politiken auf nationaler und globaler Ebene zu tun? Produziert nicht ebenso die Praxis die Politik bzw. dient die Politik und ihre Diskurse nicht auch dazu, eine Praxis zu tarnen? (Vaughan 1996). Üblicherweise müssen Entwicklungsprojekte so formuliert werden, dass Geber bereit sind diese zu finanzieren, d.h. die von den Gebern definierten Prioritäten und aktuellen Schlüsselphrasen müssen erwähnt sein. Damit das Projekt aber durchgeführt werden kann, müssen ganz andere Prioritäten gesetzt sein, denn die Prioritäten der internationalen Geberorganisationen bleiben sehr allgemein und standardisiert, während die lokalen Bedingungen sehr spezifisch sind. Umgekehrt wollen Geber ihre Mittel sinnvoll verteilen und suchen nach passenden Projekten, bzw. nach Projekten die passend gemacht werden können. Entlang dieses Spaltes zwischen Praxis und Politik, Empfänger und Geber entstehen die sogenannten Entwicklungsmakler, die Zielgruppen mit Gebern verbinden und die notwendigen Diskurse beider kennen. Ein Beispiel dafür sind Kleinkredit-programme. Die Zielgruppe dieser Projekte sind die Armen, die durch die Kleinkredite in die Lage versetzt werden sollen, ihre Produktion zu verbessern, oder sich aus der Umklammerung durch Kredithaie zu befreien. Tatsächlich profitieren vor allem mittlere Bauern, die über ausreichende Ressourcen verfügen, davon, denn nur sie sind dazu in der Lage diese Kredite produktiv zu nutzen und dann zurückzahlen zu können. Die Armen müssen den Kredit dafür verwenden, die aktuellen Konsumbedürfnisse zu befriedigen. Ein anderes Beispiel sind sogenannten partizipative Projekte, in denen die Zielgruppen die Prioritäten selbst definieren sollen. Diese Prioritäten müssen dann so beschrieben, interpretiert und umgeschrieben werden, dass sie mit dem schon finanzierten Projektvorhaben in Einklang stehen, bzw. mit den von den Gebern bestimmten allgemeinen Prioritäten. Ein sehr interessantes Argument entwickelt Quarles van Ufford (2003). Entwicklungspolitik als auch die Kritik der Entwicklung haben gemein, dass sie davon ausgehen, Entwicklung entspreche einer Ordnung, bzw. sei ein geordneter Prozess. In dieser Ordnung verbinden sich Interessen mit Politiken und einer Entwicklungspraxis zu einem kohärenten System. In der Kritik werden so die Defizite der offiziellen Politik aufgezeigt, und Alternativen entworfen. Konsens besteht darin, dass eine Ordnung besteht und über Entwicklung die Welt im Sinne einer anderen Ordnung verbessert werden kann, wenn die Maßnahmen denn nur richtig wären. Das führt dann zu den vorher dargestellten, sich abwechselnden Entwicklungsdekaden mit neuen Schwerpunkten, in denen die vorhergehende Dekade jeweils die Probleme der Aktuellen geschaffen hat. Was aber ist, wenn diese Ordnungen einfach fehlen? (Quarles van Ufford 2003:2) Viele Kritiken der Entwicklungspolitik und Praxis zeigen einerseits die Diskrepanzen zwischen offiziellen Zielen und tatsächlichen Ergebnissen auf. Diese Diskrepanz wird oftmals allerdings 5

6 nicht im Sinne einer fehlenden Ordnung interpretiert, sondern einer versteckten Ordnung in Form sogenannter versteckter Agenden und versteckter Strategien. Djedje und Korff (2003) gehen dieser Frage nach und radikalisieren sie. Kurz ist das Argument, dass Entwicklung in unterschiedlichen Netzwerken auf unterschiedlichen Ebenen und unterschiedlichen Bereichen bestimmt wird. So definieren etwa die internationalen Organisationen und ihre Kritiker globale Entwicklungsdiskurse. Nationale Entwicklungspolitiken werden von nationalen Organisationen (staatliche und nicht-staatliche) definiert und das lokale Projekt wiederum steht in einem Beziehungsgefüge zwischen den Projektmitarbeitern, lokalen Eliten und der normalen oftmals recht heterogenen Bevölkerung. Auf jeder dieser Ebenen treten andere Akteure, Interessen und Strategien auf, und die jeweiligen Akteure sind durch andere Formen von Beziehungen verbunden, so dass der Zusammenhang zwischen den Ebenen nur sehr locker sein kann. Sie folgen den Überlegungen der Actor-Network-Theory, nach der Wissen und damit auch Wirklichkeit(en) in Netzwerken geschaffen werden. Daraus folgt, dass aus den unterschiedlichen Netzwerken unterschiedliche Wirklichkeiten hervorgehen, in denen dann entsprechend Entwicklung bzw. die spezifischen Entwicklungsproblematiken, sei es nun Armutsbekämpfung, Watershed Management usw. ganz anders verstanden werden. Der Zusammenhang zwischen den Ebenen ist damit kein tatsächlicher, sondern auf die Verwendung einer gleichen bzw. ähnlichen Terminologie begrenzt. An den Grenzen der Netzwerke müssen diese Begriffe übersetzt werden. Damit gibt es keine versteckten Strategien oder Agenden, sondern die Akteure verfolgen offensichtliche Strategien und Agenden, doch sind diese nur im Rahmen der eigenen Wirklichkeit offensichtlich. Aus der Perspektive einer anderen Wirklichkeit ist das Selbstverständliche eine versteckte Strategie. Die unterschiedlichen Wirklichkeiten treffen im Rahmen konkreter Entwicklungsprojekte aufeinander, und die Vermutung, dass etwas versteckt werden soll, ist vor allem ein Mißverständniss. 7 Diese Übersetzungen unterschiedlicher Wirklichkeiten an den Grenzen der Netzwerke lassen sich in Anlehnung an Lacan (1977) als Méconnaissance, was grob als Mißverständnisse übersetzt werden kann, bezeichnen. Méconnaissance wurde in der Lacanschen Psychoanalyse als Konzept entwickelt, um darzulegen, wie Selbstverständnis, d.h. die Ausbildung einer eigenen Identität, nur darüber gelingen kann, dass ein Wissen über anderes existiert. Daraus folgt, dass mit Selbstverständnis immer auch Entfremdung verbunden ist, und gleichzeitig das andere durch das eigene Selbstverständnis interpretiert und abgegrenzt wird. In dem Zusammenhang mit Entwicklung, d.h. einem zentralen Konzept, das auf ganz unterschiedlichen Ebenen, von unterschiedlichen Personen und Organisationen mit unterschiedlichen Inhalten verwendet wird, bedeutet Méconnaissance, dass Kommunikation zwischen diversen Wirklichkeiten ermöglicht wird und sogar Einverständnis erreicht werden kann, auf der Grundlage dessen, dass die jeweilige Wirklichkeit des anderen nur aus der eigenen Wirklichkeit heraus verstanden wird, d.h. Kommunikation dieser Art basiert auf weitgehenden Mißverständnissen. Man versteht sich, weil man sich missversteht und das, was man versteht, so versteht, dass es einem passt. Kurz, Entwicklung ist für viele, im Grunde alle, ein erstrebenswertes hohes Ziel, doch versteht einer unter Entwicklung ein neues Auto, ein besseres Haus und bessere Schulen, jemand anderes eine befreite Marktwirtschaft, dritte wiederum Kontrolle von Globalisierung und andere Landrechte oder Demokratie. Wir sind uns alle einig, so lange wir davon absehen, zu explizieren, was wir meinen, bzw. versuchen zu rekonstruieren, was andere mit Entwicklung meinen könnten. 6

7 Was bleibt, wenn man dieser Perspektive folgt? Es gibt keine Ordnung, sondern unterschiedliche, wenig miteinander verbundene Wirklichkeiten. Damit geht die Kritik ins Leere und Alternativen lassen sich an sich nicht mehr formulieren, denn diese würden ja schon wieder eine Ordnung unterstellen. Sind wir so im postmodernen Relativismus der Simulacra (Baudrillard) angelangt, wo Entwicklung eine mehr oder weniger spannende intellektuelle Übung ist? Dem spricht entgegen, dass Entwicklung durchaus reale Konsequenzen hat, mit Erwartungen verbunden ist und sich tatsächlich globale Probleme stellen vom Klimawandel bis zu Verarmung, Kriegen und Umweltzerstörung, die irgendwie angegangen werden müssen. Angesichts dieser Probleme ist eine Dekonstruktion von Entwicklung geradezu zynisch. Tatsächlich war das hier auch keineswegs intendiert. Um eine neue ungeordnete Perspektive zu entwickeln, muss allerdings Entwicklung verlassen und auf Geschichte rekurriert werden. Geschichte und Entwicklung: Während Entwicklung keine Geschichte kennt, kann aus einer geschichtlichen Perspektive Entwicklung neu bzw. anders gefasst werden. Zum ersten die traditionelle Sicht der Moderne und Entwicklung darin: Zur Moderne gehört Wandel, denn nur durch Wandel von einer vormodernen oder traditionalen zu einer modernen Gesellschaft konnte Moderne entstehen. Zu Wandel in der Moderne gehört einmal Antizipation von Zukunft, hergeleitet aus der Vergangenheit, und damit auch Planbarkeit. Aus der genauen Analyse der Vergangenheit lassen sich 1. zukünftige Trends ablesen und 2. diejenigen Variablen bestimmen, die den Trend determinieren. Werden diese Variablen beeinflußt, ergibt sich ein anderer Trend. Hieraus folgt die Begründung von Entwicklung als zielgerichtete Intervention zur Vermeidung bzw. Lösung von aktuellen und zukünftigen Problemen und ihre Institutionalisierung in Form von Entwicklungsorganisationen, Entwicklungsplänen, Entwicklungsexperten, Projekten usw. Auf diesem Hintergrund ist Entwicklung eine Institution der modernen Gesellschaft und damit mit einer definierten Ordnung verbunden. Diese Konzeption von Entwicklung, die immer auch den Aspekt der Konvergenz durch Modernisierung enthält, ist zweifellos am Ende. Wittrock (2000) entwickelt demgegenüber ein interessantes etwas anderes Verständnis moderner Institutionen. Danach sind diese Institutionen nicht substantivistisch bestimmt, sondern selbst ein Prozess der umstrittenen Institutionalisierung, orientiert an zentralen Themen, die wiederum mit Versprechen und diversen, teilweise konfligierenden Erwartungen verbunden sind. Demokratie ist z.b. ein solches zentrales Thema, verbunden mit der Erwartung, dass daraus eine Regierung und ein Staat, nämlich ein demokratischer hervorgeht, der sich als Repräsentant des Volkes der Wohlfahrt des Volkes und nicht von Partikularinteressen verschrieben hat. Die Institutionalisierung von Demokratie, wie also diese Erwartungen am besten erfüllt werden können, ist ein dauernder Prozess, in dem Regeln, wie z.b. ein allgemeines und gleiches Wahlrecht, bestimmt werden. Die Auslegung der Regeln ist wiederum Teil der Institutionalisierung. Ob z.b. zur Demokratie das Wahlrecht von Frauen gehört, ab wann eine Person wahlberechtigt ist usw. Entwicklung ist ebenso ein zentrales Thema, das mit einem Prozess der umstrittenen, nicht abgeschlossenen Institutionalisierung verbunden ist. Zur umstrittenen Institutionalisierung gehört, dass ein Thema von allen als zentral bestimmt wird und nicht in Frage gestellt ist. Tatsächlich ist, um beim Beispiel Demokratie zu bleiben, diese kaum umstritten, denn selbst fundamentalistische und terroristische Gruppen zielen auf die Errichtung eines demokratischen Systems! Interessanterweise wurde von Ayatollah Khomeini im Iran ja nicht ein Kalifat errichtet, das konnte wohl nur in Köln geschehen, sondern eine islamische Republik, was an sich ein Widerspruch in sich ist. 7

8 Für Entwicklung, ein ebenso zentrales, mit Erwartungen und Interessen verbundenes Thema bedeutet dies, dass die Untersuchung von Entwicklung auf die Untersuchung des Prozesses der umstrittenen Institutionalisierung von Entwicklung abzielen sollte. Entwicklung ist in dieser Perspektive selbst also als ein aus unterschiedlichen Wirklichkeiten resultierender, mit Konflikten verbundener Prozess zu begreifen. Dabei treten zwei Ebenen auf: 1. Konflikte bezogen auf die gegebene Form der Institutionalisierung von Entwicklung, d.h. die Konfrontation einer Ordnung mit einer alternativen Ordnung; 2. Konflikte die den Prozess der Institutionalisierung selbst betreffen, d.h. die Konstituierung derjenigen Akteure und ihrer Relationen, durch die Entwicklung sich institutionalisiert. In der Terminologie von Vernunft und Revolution, geht es bei der ersten Frage um die Konflikte zwischen den Subjekten der Geschichte, oder nach Marx um den Klassenkampf und bei der zweiten - grundsätzlicheren Frage - darum, wie sich Subjekte der Geschichte selbst konstituieren, oder nach Marx um die Klassenbildung. Auf diesem Hintergrund wird eine Dynamik der Entwicklungsdekaden relevant, nämlich die Ausbreitung von Entwicklung von den Zentren nun zu den abgelegenen Gebieten und marginalen Gruppen. Mit dieser Ausweitung nimmt die Zahl der Subjekte, die potentiell auf die Institutionalisierung einwirken können, zu. Ausdruck davon sind im offiziellen Jargon die Hinweise auf Stakeholder, Partizipation, Zielgruppenorientierung, Einbezug von NGO, Frauen usw. Darin äußert sich eine Modifizierung der Regeln, das nämlich Entwicklung nicht mehr nur ein Business der Entwicklungsexperten, der Techniker die Lösungen bereitstellen und der großen Organisationen ist, sondern auch andere irgendwie einbezogen werden müssen. Wie dieser Einbezug aussehen sollte ist, wie kann es bei Prozessen umstrittener Institutionalisierung anders sein, umstritten. Wie kann aber ein solches Chaos multipler Realitäten, eine Kommunikation, die eine Kakophonie von Missverständnissen ist, zu Institutionen, d.h. Ordnungen führen? Unordnung, Chaos, Durcheinander mißfällt dem Soziologen an sich, speziell dem in großen Theorien und Welterklärungsmodellen wie Strukturfunktionalismus, Systemtheorie oder dialektischer Materialismus geschulten. Als Stadtsoziologe habe ich da weniger Probleme, denn wer sich realistisch mit Metropolen beschäftigt und dabei versucht Ignoranz etwas zu vermeiden, für den ist Chaos nichts besonderes. Metropolen sind immer chaotisch und durcheinander und jeder Versuch Ordnung herzustellen erhöht nur das Chaos. Was hält in den fragmentierten Metropolen die multiplen Ordnungen und Wirklichkeiten zusammen? Öffentlichkeit, d.h. eine relativ zugängliche Sphäre zwischen dem Privaten/Intimen und dem Offiziellen. Eine Sphäre in der Interessen ausgedrückt und verhandelt werden können, Informationen zugänglich sind bzw. zugänglich gemacht werden und damit auch Regeln diskutiert werden können.(eisenstadt, Schluchter 2001; Sennett 1985). Zur Öffentlichkeit gehört einerseits relative Anonymität, d.h. Lösung aus Gemeinschaften und gleichzeitig Selbstkontrolle im Sinne von Elias Begriff der Zivilisierung. (Berner, Korff 1996). Weiterhin ist öffentliches Engagement freiwillig, doch kann darüber die Bereitstellung von Informationen eingefordert werden. Letztlich bietet Öffentlichkeit eine Arena auch für diejenigen, die über wenig Ressourcen und Einfluss verfügen und so nur sehr begrenzt Politik beeinflussen können. 8

9 Daraus lässt sich eine Aufgabe von Entwicklungsforschung ableiten, nämlich Öffentlichkeit herzustellen bzw. zu unterstützen und Arenen der öffentlichen Diskussion zu schaffen. Die Aufgabe der Entwicklungssoziologie ist: aufzuklären. 8 Was bedeuten diese schönen Worte konkret? Im, wie Albrow es nennt, globalen Zeitalter das Lokale im Globalen zu benennen, gerade auch in den Entwicklungsdiskursen und ihrer Kritik, und ebenso das Lokale, etwa lokales Wissen zu globalisieren, d.h. einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen; die Entgrenzung der Welt und die neuen, sich bildenden Grenzen aufzuzeigen um Ignoranz zu reduzieren und Möglichkeiten zu finden, Öffentlichkeit auszuweiten. Die Aufgabe im Rahmen konkreter Projekte ist danach nicht, allgemeine Lösungen für spezielle Probleme durchzusetzen, sondern spezielle auf den lokalen Erfahrungen und den Erfahrungen der lokalen Personen basierende Lösungen für Probleme zu finden, die eine allgemeine Relevanz haben, wie Armut, Klima, Umwelt usw. 9 Es bedarf einer Öffentlichkeit zur Institutionalisierung von Entwicklung (als umstrittener Prozess nicht als abschliessbares Stadium!), denn nur darüber, nicht über Setzungen von Organisationen oder Überlegungen von Kritikern können die ethischen und moralischen Dimensionen von Entwicklung bestimmt werden, die heute, angesichts der sich globalisierenden Problematiken wichtiger denn je sind. Es geht nicht um ein Ende der Entwicklung, auch nicht um eine andere Entwicklung oder eine neue Entwicklung, es geht um die weitere Institutionalisierung von Entwicklung. Literatur: Adorno, Theodor, W.,: Minima Moralia, Frankfurt: Suhrkamp Berner, E., Korff, R., 1996: Urbanisierung und Zivilisierung: Das Potential der Metropolen, In: Buchholt, H., Heidt, E., Stauth, G., (Hrsg.), Modernität zwischen Differenzierung und Globalisierung. Kulturelle, wirtschaftliche und politische Transformationsprozesse in der sich globalisierenden Moderne, Münster: Lit. Eisenstadt, Shmuel, N., Schluchter, Wolfgang, 2001: Introduction: Paths to Early Modernities A comparative View, in: S. N. Eisenstadt, W. Schluchter, B. Wittrock, (Hrsg.), Publis sphjeres and collective identities, London: Transaction Escobar, Arturo, 1995: Encountering development : the making and unmaking of the third world, Princeton: Princeton University Press Esteban, 2001: Development, in: Sachs, Wolfgang, (Hrsg.) 2001: The Development Dictionary. A Guide to knowledge as power, London, New York: ZED Fanon, Franz, 1971: Die Verdammten dieser Erde, Hamburg: Rowohlt Korff, R., 1998: Entwicklung der Entwicklungspolitik in der BRD, in H.J. Bücking (Hrsg.), Entwicklungspolitische Zusammenarbeit in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, Berlin: Duncker und Humblot Lacan Jaques: 1977: Écrits: A selection. London: Tavistock Marcuse, Herbert, 1989: Vernunft und Revolution. Hegel und die Entstehung der Gesellschaftstheorie, Frankfurt: Suhrkamp Menzel, Ulrich, 1992: Das Ende der Dritten Welt und das Scheitern der grossen Theorie, Frankfurt: Suhrkamp Pottier, Johan 1999: Anthropology of food, London: Routledge 9

10 Sachs, Wolfgang, (Hrsg.) 2001: The Development Dictionary. A Guide to knowledge as power, London, New York: ZED Sennett, Richard, 1985: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens: die Tyrannei der Intimität, Frankfurt: Fischer Vaughan, Diane 1996: The Challenger Launch Decision: Risky Technology, Culture and Deviance at NASA, Chicago: University of Chicago Press Wittrock, Björn 2000: Modernity: one, None or Many? European Origins and Modernity as a Global Condition, in: S.N. Eisenstadt (Hrsg.), Multiple Modernities, London: Transaction Wolfensohn, James, D., 1997: World Development Report. The State in a changing world, New York: IBRD, Oxford Univerisity Press 1 Weiter auf Hegel sich beziehend, können die Entwicklungsexperten vielleicht auch als die Listigen der Vernunft beschrieben werden? 2 AGIL bezieht sich auf die Funktionen der einzelnen Sub-system nämlich Adaptation, Goal attainment, Integration und Latency. In Verbindung mit den pattern variables ließen sich so die Differenzen zwischen modernen und traditioneller Gesellschaft herausarbeiten und die Interaktionen zwischen den einzelnen Sub-systemen, die durch Entwicklungsmassnahmen beeinflusst werden sollten. Ein Beispiel für die Untersuchung kultureller Modernisierung ist die wichtige Arbeit von D. Lernen zu The Passing of Tradional Society. Gegenwärtig, im Zusammenhang mit den kulturalistischen Strömungen in denen Identität eine zentrale Rolle spielt, wäre ein neuer Titel angebracht: The Making of Traditional Society. 3 Einen Überblick über die zentralen Themen und Ansätze in der Entwicklungspolitik bieten die Weltentwicklungsberichte der Weltbank und die Human Development Reports von UNDP (zu finden unter worldbank.org bzw. UNDP.org) 4 Hier stellt sich natürlich die Frage, ob ein Tal tatsächlich wie ein Unternehmen gemanaget werden kann. Sind dann die stake-holder die share-holder? 5 Das heißt keineswegs, dass sich nichts geändert hat! Die Frage ist, welchen Anteil im Guten wie im Schlechten hatten Entwicklungsmaßnahmen an diesen Veränderungen! 6 Die folgenden Hinweise auf Mosse, Quarles van Ufford und Djedje/Korff beziehen sich auf Manuskripte die im Rahmen der Konferenz Order and Disjuncture in Development an der School of Oriental and African Studies, London vorgestellt wurden. Sie können über das Internet abgerufen werden: oder Auch die anderen, sehr guten Beiträge der Tagung beschäftigen sich mit dieser Thematik und bieten umfangreiches, sehr interessantes Material 7 Das heißt natürlich nicht, dass es versteckte Strategien nicht gibt, sondern, dass die Diskrepanzen aus einer fehlenden Ordnung resultieren. 8 Dazu gehört auch, die traditionelle Soziologie über die Welt aufzuklären! 9 Im Rahmen der Globalisierungsdiskussion hat sich ein Slogan verbreitet, der ebenso einleuchtend wie falsch ist: Global denken und lokal handeln. Das ist nun wirklich nichts anderes als die klassischen, eine kohärente Ordnung unterstellenden top-down Ansätze! Es geht darum, lokale Praxis global ernst zu nehmen! Denn die Änderung der Welt kann nur lokal erfolgen! 10

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