ENTWURF Positionspapier Jugend und Internet

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1 ENTWURF Positionspapier Jugend und Internet Jänner 2015 Liechtensteinstr Tel Austria 1090 Wien Fax ZVR-Zahl

2 Inhaltsverzeichnis Präambel... 2 Partizipation... 3 Diskriminierung im digitalen Raum... 4 Datenschutz... 6 Copyright... 8 Medienkompetenz Exklusion Quellen Präambel Das Internet erreicht mittlerweile ca. 94% der österreichischen Jugendlichen[1]. Nie zuvor hatten junge Menschen einen solch einfachen Zugang zu Informationen, Kultur und Kommunikation. Dies bringt viele Vorteile, hat allerdings auch seine Schattenseiten. Jugendliche zeigen sich besonders besorgt zu den Themen Datenschutz, Diskriminierung, Medienbildung und Urheberrecht. Die Snowden-Leaks haben die Rolle des Staates in der Fürsorge für das Internet stark ins Zentrum gerückt und ein erneutes Bedürfnis für Privatheit geschaffen. Mit den Themen der Netzpolitik im öffentlichen Diskurs bestehen trotzdem weiterhin wenige Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen. Diese engagierten sich massiv bei den Protesten gegen das Internationale Freihandelsabkommen ACTA und nutzen Aktionen abseits der klassischen politischen Beteiligung um sich Gehör zu verschaffen. Während der Europäische Markt in Richtung einer wissensbasierten Wirtschaft weiterentwickelt werden soll, fehlen weiterhin AbsolventInnen mit dem notwendigen Profil, um diesen Markt zu bedienen. Die Mehrheit der Berufe bedarf heutzutage Grundkenntnisse der Computernutzung, die Fähigkeit, sich Informationen aus dem Internet zu beschaffen, wird vorausgesetzt. Gleichzeitig fehlen 2 13

3 Medienbildungsangebote, insbesondere in der Schule wird dieser Bereich stark vernachlässigt. Das Netz wird oft als gesetzesfreier Raum wahrgenommen. Dies führt dort zu teilweise aggressivem und ablehnendem zwischenmenschlichem Verhalten. Die Beteiligten gehen dabei oft davon aus, dass ihre persönlichen Daten dabei nicht erkennbar sind. Ebenfalls fehlt oft eine Folgenabschätzung für das Handeln im Netz. Zum Beispiel beim Teilen von Medieninhalten mit unbekannter Herkunft. Hierdurch werden Jugendliche oft kriminalisiert, es fehlen wirksame Präventionsmechanismen. Für die Bundesjugendvertretung ist Jugendbeteiligung in der Netzpolitik ein Querschnittsthema und soll die im Weiteren ausgeführten Bereiche ansprechen, allerdings nicht auf diese beschränkt bleiben. Partizipation Jugendliche heutzutage sind bereits mit dem Internet aufgewachsen, oft werden sie daher als digital natives bezeichnet. Die Nutzung moderner Kommunikationsmittel ist im Alltag junger Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Das Internet prägt sowohl Wissens- als auch Kommunikationsstrukturen und somit haben heutige Entscheidungen über die Zukunft des Internets auch gehörigen Effekt auf die jugendlichen NutzerInnen. Durch die stetige Nutzung des Netzes und herausgehobene Rolle neuer Technologien im Zusammenleben junger Menschen können diese eine besondere Perspektive einbringen, wenn ihnen Beteiligungsmöglichkeiten eingeräumt Die netzpolitischen Entscheidungen werden im globalen Kontext getroffen; nationale Initiativen für Regulierung sind wenig zielführend, u.a. aufgrund der internationalen Struktur des Internets. Zudem gibt es nicht nur politische AkteurInnen, welche immensen Einfluss auf die Strukturen des Netzes haben. Zum Beispiel haben die Wirtschaftsriesen Google, Amazon und Facebook großen Einfluss auf das Verhalten ihrer NutzerInnen, durch ihre Angebote, Services und Nutzungsrichtlinien. Ebenfalls die technischen StrukturgeberInnen haben ein Mitreden, z.b. in der ITU, der International Telecommunication Union[2], wo grundlegende Entscheidungen über Zugang und Erschließung des Netzes hinter verschlossenen Türen getroffen Allerdings können auch die NutzerInnen Mitsprache halten, sei es durch ihr Konsumverhalten, Petitionen oder Advocacy. Daher wird in der Netzpolitik nach dem Multi-Stakeholder Ansatz vorgegangen. Dabei kommen alle Gruppen an einen Tisch und können mitreden. Dies soll einseitigen Entscheidungen vorbeugen, durch welche einzelne Gruppen ins Hintertreffen geraten könnten. Aktuell befinden sich die politischen Strukturen des Netzes im Wandel reagierte die brasilianische Regierung auf die Enthüllungen um die Überwachung durch die 3 13

4 NSA, mit einer Initiative das Netz neu politisch zu strukturieren NETmundial [3]. Dort trafen VertreterInnen von Regierungen, Privatwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aufeinander und verabschiedeten gemeinsam eine Deklaration, um das Netz auf eine gemeinsame Grundlage zu stellen und den Multi-Stakeholder Ansatz weiter aufrecht zu erhalten. In diesem Wandel und in Zukunft müssen Jugendliche eine prägende Rolle spielen, daher fordert die Bundesjugendvertretung: alle Stakeholder der Internet Governance müssen sich für offene und transparente Prozesse in den Debatten über die Zukunft des Internets einsetzen. Informationen müssen frei zugänglich sein und verständlich kommuniziert zusätzliche Partizipationsmechanismen müssen ausgebaut Individuelle Beteiligung gehört zur netzpolitischen Debatte und braucht ebenfalls ein Forum. Netzaktivismus und Hacktivismus sind wichtige Formen des Meinungsausdrucks junger Menschen. nachhaltige Einbindung von Jugendlichen in die Multi-Stakeholder Prozesse der Internet Governance, z.b. beim UN Internet Governance Forum, dem European Dialogue on Internet Governance und dem Österreichischen Internet Governance Forum. die Qualität und Grenzen von e-partizipation sollten eruiert werden[4] um weitere Partizipationskanäle und ein Heranrücken an die digitalen Lebenswelten zu gewährleisten. E-Partizipation sollte das Rad nicht neu erfinden, sondern bestehende Beiträge und Positionen im Netz zugänglich und greifbar machen. Open Data Ansätze, um öffentliche Daten in Open Source Lösungen nutzbar zu machen. Dies soll Transparenz schaffen und bürgernahe Informationen bereitstellen. mehr Open Government in Österreich. Das Internet kann viele Servicebedürfnisse erfüllen, z.b. durch Internet Sprechstunden. Diskriminierung im digitalen Raum Das Internet ist ein Ort des Austausches, wo sich Gleichgesinnte auch über weite Entfernungen treffen und austauschen können. Dadurch werden aber auch Exklusionseffekte verstärkt; dies ist insbesondere bei Radikalisierung und Mobbing zu bemerken. Wo bisher im lokalen Umfeld Ursachen für soziale Probleme zu finden waren, können diese nun durch Onlineinteraktionen drastisch verstärkt Um diesen kritischen Situationen entgegenzutreten, bedarf es eines gemeinsamen 4 13

5 Ansatzes. Jugendliche, Eltern, LehrerInnen und SozialarbeiterInnen müssen gemeinsam agieren, um frühzeitig Probleme zu erkennen und Hilfestellung zu leisten. Im Fokus sollte die Prävention problematischer Handlungsweisen stehen, doch es müssen ebenso Beratungsangebote geschaffen werden, welche mit diesen neuen Situationen umzugehen wissen. In den Onlineinteraktionen sind die Übergänge zum problematischen Verhalten oft fließend. Mobbing verläuft oft zirkulär, wobei beide n den Ton stetig verschärfen. Die klassische Opfer/Täter Dynamik ist nur selten anzuwenden. Gleichfalls sind die Übergänge von freier Meinungsäußerung und kritischen Kommentaren hin zu Wiederbetätigung, Hassrede und diskriminierenden Äußerungen nur vage auszumachen. Weiters werden diese Tatbestände online kaum nachverfolgt. Oft verstecken sich die TäterInnen in der Anonymität der Masse, durch die Filterblase kann es dazu kommen, dass ihr Verhalten nicht hinterfragt wird. Durch das Netz verändert sich auch der Zugang zu und das Verständnis für Sexualität von Jugendlichen. Dies kann sowohl falsche Vorstellungen vermitteln, als auch drastische Eingriffe in die Privatsphäre nach sich ziehen. Sexting ist als Praxis weit verbreitet und ebenfalls aus den Medien bekannt. Hier fehlt oft Medienkompetenz um die Risiken abzuschätzen sowie AnsprechpartnerInnen, welche bei Kontrollverlust unterstützen können.[5] Diese Problemstellungen sind bereits aus dem Alltag vertraut, werden online allerdings oft verstärkt oder geschehen im Verborgenen. Um Diskriminierung im digitalen Raum entgegenzutreten, fordert die Bundesjugendvertretung: Empathie stärken! Fehlverhalten im Netz geht oftmals auf die indirekte Kommunikation der neuen Medien zurück, das Leid der Anderen kann nur schwer wahrgenommen Daher muss Verständnis für den Gegenüber geschaffen Zusätzliche Beratungsangebote mit qualifizierten Fachkräften müssen geschaffen werden und bestehende Beratungsangebote ausgebaut Z.B. hat sich Rat auf Draht als erfolgreiches Projekt bewährt, um mit diesen neuartigen Problemstellungen umzugehen. Alle beteiligten Gruppen müssen eingebunden und Hemmschwellen zur Internetnutzung intergenerational überwunden Auf diese Weise kann die Vorstellung von konsequenzlosem und anonymem Handeln im Netz abgelegt Zivilcourage auch im Netz zeigen! Insbesondere marginalisierte Gruppen werden auch online schnell ausgegrenzt und insgesamt häufiger angegriffen. Daher gilt es ebenfalls online Zivilcourage zu zeigen und solidarisch zur zu stehen, wenn eine solche Situation wahrgenommen wird. Das Internet als öffentlicher 5 13

6 Raum muss auch in Relation mit den anderen Nutzern geschaffen Datenschutz Junge Menschen verlieren heutzutage zunehmend ihre Privatsphäre. Sowohl das Abtreten persönlicher Informationen an die AnbieterInnen von Onlinediensten (z.b. soziale Netzwerke oder MailanbieterInnen) als auch die staatliche Massenüberwachung führen zu starken Einschnitten in private Kommunikation und informationeller Selbstbestimmung. Hinzu kommt der stetige Verlust an geistigem Eigentum, oft werden die Rechte an selbst gestalteten Inhalten freigegeben oder übertragen, durch die Publikation über bestimmte Webservices (z.b. Posten in einem sozialen Netzwerk). Die Vorratsdatenspeicherung sorgt zusätzlich dafür, dass personenbezogene Daten für sechs Monate aufbehalten werden und persönliche Nutzungsprofile aus einer Vielzahl an Informationen, wie IP-Adresse, Namen, adresse, womöglich Kontodaten und persönliche Nutzungsdaten erstellt werden können. Was offline nur im Verdachtsfall bei Verbrechen individuell ermöglicht wird, passiert online kontinuierlich und ohne Rückfrage. Die Snowden-Leaks offenbarten zudem eine intensive Einmischung und Anhäufung von Daten durch Europäische Geheimdienste, vor allem jedoch die US National Security Agency (NSA). Durch automatische Datenverarbeitung und gesonderte Zugriffsregelungen der Geheimdienste werden im Namen von Terrorismusbekämpfung Profile angelegt, welche für alle NutzerInnen anwendbar sind. Dies kann zu weitreichenden Konsequenzen führen. So landeten Menschen auf der no-fly list, weil sie dieselben Namen wie Terrorverdächtige trugen[6] oder NSA AgentInnen nutzten ihre Zugriffsmöglichkeiten, um ihren ehemaligen PartnerInnen nachzustellen[7]. Die Rolle der Staaten in der Überwachung ihrer BürgerInnen ist bedenklich. Durch Abkommen zum Austausch von Informationen zwischen den Geheimdiensten wird das Überwachungsverbot an den eigenen StaatsbürgerInnen umgangen und eine stetige Überwachung jeglicher Onlinehandlungen gewährleistet. Zudem untergräbt die NSA systematisch die Sicherheit des Internets und bringt dadurch sensible Daten von NutzerInnen in Gefahr[8]. Die privaten Unternehmen tragen ebenfalls zum Datenverlust bei. Durch die starke Marktmacht der Technologiefirmen mit Sitz in Silicon Valley dominiert die amerikanische Rechtssprechnung die Regulierung des Internetdienste. Dies ist aus Sicht der BJV problematisch, da es dort keine Beschränkungen zum Handel von Daten gibt, was erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Finanzkonzepte des Web 2.0 hatte. Ebenso nutzt die NSA amerikanisches Recht, um schnelleren Zugriff auf 6 13

7 NutzerInnendaten zu bekommen und umgeht dadurch internationale Verfahren. Das Hintergrundwissen über diese Prozesse und das Wissen, was mit den Daten geschieht bzw. welche Rolle diese Daten im Netz spielen muss besser vermittelt Die Internet-ServiceanbieterInnen verstecken sich hinter rechtlichen Absicherungen durch ihre Nutzungsvereinbarungen. Demgegenüber stehen Projekte wie Europe versus Facebook [9], welche rechtlich gegen Facebook vorgehen, um die hiesigen Datenschutzbestimmungen einzufordern. Viele Jugendliche gehen davon aus, dass ein Verstoß gegen den Klarnamenzwang ihnen bereits Anonymität im Netz gewährt. Doch den technischen Abläufen nach dürfen personenbezogene Daten auch jetzt schon nicht gemeinsam mit den anderen gesammelten Daten gespeichert Durch Datenhandel und Verschränkung der Daten verschiedener Services können trotzdem nahezu idente NutzerInnenprofile erstellt Diese können für gezielte Werbeschaltungen genutzt werden oder um gezielt das Nutzungsverhalten zu beeinflussen. Mittelfristig ist eine Vielzahl an Eingriffen vorstellbar, welche die Freiheiten der NutzerInnen aufgrund von abstrahierten Nutzungsprofilen einschränken, z.b. könnte die Vernetzung von Krankendaten und sozialen Netzwerken die Höhe von Versicherungssätzen beeinflussen, wenn eine NutzerInnengruppe zu Extremsport neigt oder sich vornehmlich ungesund ernährt. Datenschutz ist ein Grundpfeiler der freien Kommunikation im Internet, daher steht die Bundesjugendvertretung für: Die Debatte über den Datenschutz muss stärker in die Öffentlichkeit getragen Die Rolle der Staaten und Geheimdienste im internationalen Überwachungssystem müssen offengelegt und transparent diskutiert Es darf in Österreich nicht zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung kommen. Dies muss sich ebenfalls in der EU Richtlinie[10], welche eine solche fordert, widerspiegeln. Eine konsequente Umsetzung der bestehenden Datenschutzverordnung und zureichende Finanzierung dieser Dienste muss sichergestellt Zudem müssen die Datenschutzverordnungen verständlicher und einfacher umsetzbar Verschlüsselung ist Selbstschutz und darf nicht verfolgt oder untergraben Stattdessen sollten Informationen über Verschlüsselungsstandards zur Verfügung gestellt und Aufklärung zur Anwendung gegeben Mehr verschlüsselte Kommunikation im Netz führt zu mehr Privatsphäre für alle NutzerInnen. Anonymitätswerkzeuge, wie das TOR Netzwerk, können eine wichtige Rolle für die Redefreiheit spielen. Sie retten die Leben von AktivistInnen und JournalistInnen in repressiven Regimen. Möglichkeiten von anonymer Kommunikation müssen sichergestellt 7 13

8 Datenschutz muss günstiger und zugänglicher gemacht Das kann über zusätzliche Mittelvergabe oder die Bereitstellung von Technologien umgesetzt Gleichfalls sollte eine finanzielle Förderung durch den Bund an sichere Online-Kommunikation gebunden sein. Beim Ausbau der e-government Services muss darauf geachtet werden, eine übermäßige Verschränkung und Zentralisierung der Daten zu vermeiden. Zentralisierte Daten, die über einen einzigen Zugangspunkt angegriffen werden können, schaden der Sicherheit. Für die interne Kommunikation müssen Staat, Medien und Verbände sichere Kanäle anbieten, um sicherzustellen, dass vertrauliche Informationen auch vertraulich behandelt werden können. Dies muss auch Verschlüsselung für Menschen mit besonderem Sicherheitsbedürfnis umfassen. Der Handel mit personenbezogenen Daten ist ein Problem unserer Zeit. Die Verschränkung jener Daten und ihr Weiterverkauf müssen stark eingeschränkt Monopole in der Verfügbarkeit von und im Zugang zu Daten müssen vermieden Die zentralen Marktpositionen einzelner Großunternehmen schwächen Diversität und Sicherheitskompetenzen des Marktes. Copyright Das UrheberInnenrecht schützt geistige Erzeugnisse on- und offline. Dies betrifft sowohl Kulturschaffende als auch KonsumentInnen aller Altersgruppen. Durch die Digitalisierung der Medien wirken diese einfachen Unterscheidungen teilweise veraltet und reformbedürftig. Die Wertschöpfung an intellektuellem Eigentum hat sich seit dem Ursprung des UrheberInnenrechtes stark verändert. Mittlerweile wird UrheberInnenrecht im kommerziellen Rahmen oft übertragen. Die neuen RechteinhaberInnen kümmern sich um die Verwertung der Rechte und erzielen daraus ihre Gewinne. Sind die Inhalte online, stehen sie, sofern nicht weiter eingeschränkt, der ganzen Welt zur Verfügung. Wie auf einem öffentlichen Marktplatz können nun Güter frei getauscht und gehandelt Hierbei gibt es viele Inhalte, die kostenfrei verfügbar sind (z.b. Youtube Videos, Inhalte unter der Creative Commons Lizenz[11]). Doch nicht alle Inhalte, die kostenfrei zur Verfügung stehen, sind auch mit den notwendigen Rechten verbunden, diese Inhalte weiterzugeben. In jedem Fall gewinnen die digitalen Inhalte durch häufiges Teilen an Wert, da sich ihr Bekanntheitsgrad erhöht und über den Wiedererkennungswert zusätzliche Gewinnmöglichkeiten entstehen z.b. über Merchandising entstehen. In der digitalen Welt kommt es hier schnell zu Problemen, da diese auf einem regen 8 13

9 Austausch von Daten und virtuellen Gütern besteht. Stetig werden Inhalte kopiert, weitergeleitet, verlinkt und in neuen Kontext gesetzt. Dabei gehen oftmals die Referenzen zum Ursprung verloren. Zudem entstehen stetig neue Inhalte. Diese sind häufig Remixe bestehender Werke, z.b. ein neues Musikvideo zu einem bestehenden Song, ein Lied beruhend auf einer bekannten Melodie oder ein Foto in neuem Kontext. Für unterschiedliche Inhalte gelten unterschiedliche Sonderregelungen; ebenso gibt es unterschiedliche Verwertungsmöglichkeiten. In diesem System entstehen Probleme durch unklare Nutzungsbedingungen, da die Contents selbst meist nicht gekennzeichnet Im globalen Markt des Netzes kommen noch die unterschiedlichen nationalen Restriktionen hinzu und durch den Handel intellektueller Güter mit verschiedenen Verwertungsgesellschaften entstehen zusätzliche Schwierigkeiten, die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Doch auch für junge Menschen als gestaltende Kräfte bietet das UrheberInnenrecht in seiner jetzigen Form Schwierigkeiten. Zu restriktive Beschränkungen bei der ersten Registration können eine weitere Verwertbarkeit gefährden, da das Werk nicht auf dem Markt geteilt werden darf. Auch durch Remixe verschwimmt die Unterscheidung zwischen professioneller und nicht-professioneller Nutzung. Ein Remix kann einen genuinen und neuen Ansatz bieten und trotzdem einen Konflikt mit dem bestehenden Material darstellen. Das UrheberInnenrecht verbleibt bei der/dem AutorIn des Ursprungswerkes. Die Lebenswelt junger Menschen im Internet beruht auf dem Teilen und Austausch. Damit sie sich frei entfalten können, benötigen junge Menschen einen freieren Zugang zu digitalen Gütern, ohne Furcht davor haben zu müssen, einen Rechtsbruch zu begehen. Um in der Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten Sicherheit für junge Menschen zu gewährleisten, fordert die Bundesjugendvertretung: UrheberInnenrecht muss klar definiert, lebensnahe formuliert, aktuell, flexibel und näher am Rechtsempfinden gestaltet Copyright muss klar gekennzeichnet Eine einfache, leicht verständliche und deutliche Kennzeichnung, z.b. über Symbole (ähnlich den Creative Commons), sollte als Grundlage für bewussten Rechtsumgang dienen. Es muss klar unterschieden werden zwischen kommerzieller Nutzung und nichtkommerzieller Nutzung. Ohne Gewinnstreben bei der Vervielfältigung eines Werkes sollte kein mutwilliger, finanzieller Schaden angenommen Institutionen in Bildung und Jugendarbeit muss ein Sonderstatus eingeräumt 9 13

10 bleiben, bzw. werden, da diese Zugriff auf geschützte Inhalte für die Ausführung ihrer gemeinnützigen Tätigkeiten benötigen. Dies ist ein effizienter Weg, um den Bildungs- und Jugendsektor zu stärken, ohne zusätzliche Mittel zu investieren. Das Thema UrheberInnenrecht als Bestandteil des Unterrichts, insbesondere im Schulfach Politische Bildung (siehe dazu auch Kapitel Medienkompetenz) Ein Recht auf Remix[12] muss gewährleistet werden, um dem Ausdruck junger Menschen Freiraum zu gewähren. Die UrheberInnenrechtsregeln benötigen mehr Bekanntheit; zu oft geraten Jugendliche in Abmahnverfahren aufgrund von unzureichenden Kenntnissen über ihren Rechtsbruch. Klare Informationen für Jugendorganisationen müssen bereitgestellt werden, wie sie Medien in ihrer Arbeit nutzen können, ohne in rechtliche Grauzonen zu geraten. Medienkompetenz Medienkompetenz wird in der Schule kaum vermittelt. Den Lehrkräften fehlt oftmals eine geeignete medienpädagogische Ausbildung, um die modernen Medien im Unterricht einzusetzen und um ohne erhobenen Zeigefinger eine effektive Nutzung neuer Medien umzusetzen. Die Schulen sind häufig unzureichend ausgerüstet für Medienbildungsmaßnahmen. Darüber hinaus fehlen zeitliche Kapazitäten und insbesondere ein geeignetes Schulfach, in dem Medienkompetenz Platz hat. Der Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen sowie diese selbst zu Erkennen und finden muss stärker vermittelt Grundlegende Verhaltensweisen und Kommunikationsformen für den gemeinsamen Umgang online sollten besprochen werden, um frühzeitig Probleme identifizieren zu können. Kritisches Medienbewusstsein muss ebenfalls für Informationen aus dem Internet gefördert Zur Förderung der Medienkompetenz empfiehlt die Bundesjugendvertretung: Politische Bildung als eigenes Schulfach aber der 5. Schulstufe, das u.a. die Vermittlung von Medienkompetenz beinhaltet. Externe AkteurInnen mit Medienkompetenz auch in der formalen Bildung einzubinden, wenn Lehrkräfte diese Informationen nicht bieten können (z.b. Chaos macht Schule[15]) - Die Vermittlung von Medienkompetenz als Bestandteil der PädagogInnenausbildung

11 In den Schulen müssen auch die technischen Voraussetzungen geschaffen Finanzielle Mittel für geeignete technische Voraussetzungen in den Schulen müssen von Bund und Ländern bereitgestellt Diese können ebenso durch Bring Your Own Device - Angebote ergänzt Das Curriculum für den Informatikunterricht muss tiefgehender gestaltet Abläufe der Datenverarbeitung und grundlegendes Wissen über die Funktionsweise des Internets sind wichtig um die neuen Technologien besser zu verstehen. Kooperationen mit der außerschulischen Jugendarbeit, z.b. WienXtra, sollen gefördert werden, um mehr Jugendlichen Zugang zu medienpädagogischen Angeboten zu ermöglichen. Exklusion Mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft, insbesondere im Arbeitsmarkt und Informationszugang, ist es insbesondere wichtig, qualitativen Zugang zu digitalen Technologien zu gewährleisten hatten bereits 80,9% der österreichischen Haushalte Zugang zum Internet[13]. Im Nutzungsverhalten gab es allerdings eine deutliche Geschlechterdisparität, 84% der Männer gegenüber 77% der Frauen nutzten das Internet. Insbesondere zwischen den Generationen bzw. ländlicher und städtischer Bevölkerung droht der Digital Gap, eine Kluft in der Internetnutzung, welche weitreichende Folgen mit sich ziehen kann. Zudem setzen sich Diskriminierungen gegenüber marginalisierten Gruppen auch im Internet fort. Obwohl das Smartphone Netzzugang durch alle Bildungsschichten und weitestgehend unabhängig vom wirtschaftlichen Hintergrund der Familien bringt, sind beispielsweise Flüchtlinge vom einfachen Zugang zum Netz ausgeschlossen. In der Technikindustrie sind weibliche Fachkräfte und Menschen mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert. Auch im öffentlichen Diskurs im Internet ist ein ein Mangel an Diversität ist spürbar. Onlinediskussionen haben mit sexistischen, homophoben und ausländerfeindlichen Kommentaren zu kämpfen. Zahlreiche Zeitungen haben aus diesem Grund bereits die Kommentarfunktion ihrer Artikel geschlossen. Die Bundesjugendvertretung setzt sich für ein inklusives Internet ein und fordert daher: Die Netzneutralität[14] muss gesichert Ohne sie läuft das Internet Gefahr, Einkommensunterschiede und soziale Hintergründe wieder als Ungleichheitsfaktoren einfließen zu lassen. Netzneutralität ist der Grundsatz, der 11 13

12 Gleichheit und qualitativen Zugang für alle sichert. Der Breitbandausbau muss weitergehen. Einerseits muss die ländliche Bevölkerung die Möglichkeit haben, sich gleichberechtigt einzubringen. Andererseits bedarf es einer höheren Qualität an Netzzugang, wenn sich Kreativindustrien und neue Industrien in Österreich verstärkt einbringen sollen. Um alle Generationen einzubinden und einem Digital Gap entgegenzuwirken, sollte intergenerationelles und Familienlernen mit Medienbezug gefördert Dadurch können gemeinsame Kompetenzen und gemeinsames Verständnis gefördert Ein kritischer Diskurs über die Internetkultur ist nötig, um eine Öffnung für die Vielfalt der NutzerInnen zu gewährleisten. Das Zusammenleben online muss dieselbe Vielfalt zulassen, wie wir sie offline erleben können. Weiterbildungsmöglichkeiten für medienferne Gruppen[13] sind notwendig, denn Mediennutzung darf nicht an fehlendem Wissen scheitern. Quellen [1] 13.pdf (2013) [2] [3] [4] Anhand der Richtlinien der Arbeitsgruppe Partizipation [5] BJV Papier Sexualität (2014) [6] [7] Freundinnen-aus [8] Zufallszahlen-unter-der-Lupe html [9] [10] [11]

13 [12] [13] STATISTIK AUSTRIA, Europäische Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten Befragungszeitpunkt: April bis Juni 2013 [14] Netzneutralität bezeichnet die Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet. Netzneutrale Internetdienstanbieter behandeln alle Datenpakete bei der Übertragung gleich, unabhängig von Sender und Empfänger, dem Inhalt der Pakete und der Anwendung, die diese Pakete generiert hat. (wikipedia) [15] ] 13 13

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