Auswirkungen der europäischen Richtlinie über die Verwalter alternativer Anlagefonds und anderer Regulierungen auf die Haftpflichtversicherung

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1 Auswirkungen der europäischen Richtlinie über die Verwalter alternativer Anlagefonds und anderer Regulierungen auf die Haftpflichtversicherung der Fondsverwalter. Die Frage nach dem ob einer Berufshaftpflichtversicherung wird sich für viele Fondsverwalter bald nicht mehr stellen. Dafür sorgt die neue EU-Richtlinie über die Verwalter alternativer Anlagefonds sowie die Revision des Schweizer Kollektivanlagegesetzes. Das wie beziehungsweise das wie viel hingegen dürfte an Bedeutung gewinnen. Im Zentrum dieses Beitrages stehen die aktuellen regulatorischen Entwicklungen, die sich unmittelbar auf die Haftpflichtversicherung der Fondsverwalter auswirken werden. 1. Einleitung Der Abschluss einer Berufshaftpflichtpolice ist in zahlreichen Fällen bereits eine Anforderung der institutionellen Investoren an den Fondsverwalter. Die europäische Richtlinie über die Verwalter alternativer Anlagefonds (AIFM-Richtlinie) 1 nimmt nun ein offenbar bekundetes Bedürfnis der Investoren auf. So sollen Fondsverwalter alternativer Anlagen künftig über Eigenmittel verfügen, die sowohl dem Umfang der verwalteten Vermögen als auch ihrem eigenen Risikoprofil entsprechen. Statt die Risiken mit zusätzlichen Eigenmitteln zu unterlegen, kann der Fondsverwalter auch eine Berufshaftpflichtversicherung abschliessen. Die Revision des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) 2 folgt in diesem Punkt der AIFM-Richtlinie und fordert für Schweizer Fondsverwalter eine Berufshaftpflichtversicherung. Da stellt sich für den Fondsverwalter die Herausforderung, wie er diesen Versicherungsschutz möglichst günstig und wirkungsvoll realisieren kann. 1 2 Die AIFM-Richtlinie(Alternative Investment Funds Manager Directive - AIFMD) beinhaltet eine Bewilligungs- und Aufsichtspflicht für alle in der EU domizilierten Manager von Investmentfonds, die nicht unter die UCITS-Richtlinie fallen. Die Gesetzesrevision des KAG beinhaltet die Ausweitung der Aufsicht auf sämtliche Vermögensverwalter von schweizerischen und ausländischen kollektiven Kapitalanlagen, erhöhte Anforderungen an die Verwahrstelle sowie verstärkte Vorschriften für den Vertrieb. Dieser Artikel beantwortet folgende Fragen vor dem Hintergrund der bevorstehenden Regulierungsverschärfung für Fondverwalter alternativer Anlagen: Wie wirkt sich die europäische AIFM-Richtlinie auf die Berufshaftpflichtversicherung aus? Was sagt die Revision des Kollektivanlagegesetzes zur Berufshaftpflichtversicherung? Welche weiteren Normen gibt es zu beachten? Welche Einflussfaktoren sind für die Gestaltung der Berufshaftpflichtversicherung relevant? Welches ist der Handlungsbedarf für 2012/13? Bemerkungen zum Stand der AIFM-Richtlinie Die Richtlinie über die Verwalter alternativer Anlagefonds (AIFM-Richtlinie) reguliert den direkten Zugang zum EU-Markt für Fondsmanager aus Drittstaaten und verlangt für die Delegation der Vermögensverwaltung in Drittstaaten eine gleichwertige Aufsicht sowie eine Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Aufsichtsbehörden. Seit Ende 2011 liegt der Schlussbericht 3 mit den Empfehlungen der europäischen Wertpapier Aufsichtsbehörde (ESMA) vor. Die Empfehlungen fliessen in den Level 2- Bericht ein, den die EU-Kommission bis Mitte 2012 verabschieden sollte. Dieser Bericht bildet die Grundlage für die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationale Gesetzgebungen durch die einzelnen EU- Mitgliedstaaten bis Die jüngsten Entwicklungen in der Umsetzung der AIFM-Richtlinie für die Fondsbranche sind positiv zu werten. Denn die europäische Wertpapier Aufsichtsbehörde ESMA hat in ihrem Schlussbericht vom 16. November 2011 die Besorgnis der Fondsindustrie bezüglich der Umsetzung der Maßnahmen 3 ESMA, ESMA's technical advice to the European Commission on possible implementing measures of the Alternative Investment Fund Managers Directive, Final Report, 2011, /files/2011_379.pdf. Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 1

2 zu weiten Teilen berücksichtigt. Dies spiegelt sich nun in den Anforderungen an die Eigenmittel und die Berufshaftpflichtversicherung wider. In der Konsultation der ESMA hatte sich der Verband der europäischen Versicherer und Rückversicherer CEA (Comité Européen des Assurances) erwartungsgemäss kritisch zu einer Versicherungspflicht 4 geäussert. Einerseits befürchtete der Verband unzureichende Kapazität 5 vor allem in kleinen Versicherungsmärkten, was in diesen prohibitiv hohe Prämien zur Folge haben kann und letztlich die Marktzulassung für Fondsverwalter tangiert. Andererseits berücksichtigte die Richtlinie in ihren Vorgaben an die Berufshaftpflichtversicherung die Risikoprofile unterschiedlicher Fondsverwalters unzureichend. Der Verband war der Auffassung, dass der onesize-fits-all -Ansatz nach dem Entwurf der AIFM- Richtlinie den Risiken alternativer Investment Fonds nicht gerecht werden konnte. Eigenmittel vs. Berufshaftpflichtversicherung Der Schlussbericht der europäischen Wertpapier Aufsichtsbehörde ESMA zur AIFM-Richtlinie ist unmissverständlich. Er fordert, dass ein Fondsverwalter über entsprechend zusätzliches Eigenkapital, eine Berufshaftpflichtpolice 6, oder über beide Instrumente anteilig verfügen soll, um Schäden und Schadenersatzansprüche aus beruflichen Fehlern zu decken. Quantitative Anforderungen an die Eigenmittel Im Weiteren legt der Bericht die Höhe der zusätzlichen Eigenmittel für die Absicherung gegen Haftpflichtrisiken fest 7. Beschließt ein Fondsverwalter nur Eigenmittel zu stellen, so ist für die Bestimmung der zusätzlichen Eigenmittel von 0,01 Prozent der verwalteten Vermögen auszugehen. Die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten können jedoch eine Reduzierung auf 0,008 Prozent genehmigen, falls der Fondsverwalters nachweisen kann, dass basierend auf seinen historischen Verlustdaten über einen Zeitraum von drei Jahren ein geringerer Betrag ausreicht, um alle relevanten Schadenersatzansprüche zu decken. Im umgekehrten Fall, dass ein Fondsverwalter aufgrund der historischen Verlustdaten einer höheren Haftung ausgesetzt ist, können die notwendigen Eigenmittel den Satz von 0,01 Prozent der verwalteten Vermögen übersteigen. Anreize für ein effektives Risikomanagement Die Berechnung der zusätzlichen Eigenmittel von historischen Verlustdaten abhängig zu machen, ist ein klarer Anreiz gerade für mittlere und grössere Fondsverwalter, ein effektives Risikomanagement- System 8 zu entwickeln. Mit dem primären Ziel, die operationellen Risiken zu reduzieren, kann anschliessend mit dem Nachweis besserer Verlustdaten für eine Verringerung der Eigenmittel argumentiert werden. Die Höhe der Haftpflicht-Versicherungssumme Der Schlussbericht der Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA zur AIFM-Richtlinie ist bezüglich der quantitativen Anforderungen an die Versicherung klar. Beschliesst ein Fondsverwalter, die operativen und haftpflichtrechtlichen Risiken ganz oder teilweise mittels einer Berufshaftpflichtpolice abzudecken, so bemisst sich die Höhe der Versicherungssumme an der Höhe der verwalteten Vermögen und seinem individuellen Risikoprofil. Die versicherte Summe muss für alle Schadenersatzansprüche pro Jahr 9 mindestens gleich oder höher sein als 2,5 Millionen Euro zuzüglich 1 Prozent des Betrags den die verwalteten Vermögen des Fondsverwalters den Betrag von 250 Millionen Euro übersteigen (bis zu maximal 20 Millionen Euro); der Betrag des Eigenmittelerfordernisses CEA, CEA comments on AIFM Directive level II implementing measures for professional indemnity insurance (Article 9), 2011, Anmerkung des Autors: Für die Schweiz ist Kapazität für Versicherungssummen von über 100 Mio. Sfr. zu angemessenen Konditionen verfügbar. ESMA verwendet den Begriff Professional Indemnity Insurance (PII). ESMA, Final Report, 2011, Seite 28 ff. 8 9 Anmerkung des Autors: Es empfiehlt sich, das Risikomanagement künftig mit revisionssicheren IT-Lösungen, (beispielsweise einer GRC- Anwendung zur firmenweiten Erfassung und Steuerung der Governance-, Risk Management-, Compliance-Anforderungen) zu unterstützen. ESMA, Final Report, 2011, Seite 35, Box 9, Artikel 2. Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 2

3 Falls sich ein Fondsverwalter entscheidet, Eigenmittel und Berufshaftpflichtpolice anteilig zu verwenden, so wird bei deren Berechnung von den Eigenmitteln ausgegangen und der fehlende Betrag durch die Berufshaftpflichtversicherung ergänzt. Der Schlussbericht enthält entsprechende Berechnungsbeispiele 10. Die erforderliche Summe der Haftpflichtversicherung ist betragsmässig höher als die notwendigen Eigenmittel. Damit werden die rechtlichen und vertraglichen Unsicherheiten einer Police berücksichtigt. Die Kosten der Versicherung liegen dabei meist unter denen der Eigenkapitalunterlegung, da Versicherer ihrerseits nach Solvency II nur einen Teil der Risiken mit Eigenmitteln unterlegen müssen. Anforderungen an den Versicherungsvertrag In ihrem Schlussbericht beschreibt die Wertpapier Aufsichtsbehörde ESMA die Anforderungen an den Versicherungsvertrag 11. Demnach muss der Fondsverwalter so er für die Versicherung anstelle von Eigenmitteln optiert die Police abschliessen und dauernd aufrechterhalten. Der Versicherungsvertrag muss eine Laufzeit von nicht weniger als einem Jahr aufweisen. Falls Versicherer ausserhalb der EU berücksichtigt werden, ist der Regulierungsbehörde aufzuzeigen, dass die Voraussetzungen für die auswärtigen Versicherer ebenfalls erfüllt sind. Die Versicherungsverträge sind einmal jährlich zu überprüfen und an regulatorische Veränderungen anzupassen. Die zu versichernden Risiken In ihrem Schlussbericht nennt die Wertpapier Aufsichtsbehörde ESMA explizit die zu versichernden Risiken 12. Trotz breiter Vernehmlassung wird für die AIFM-Richtlinie aber noch einiges zu klären sein. 10 ESMA, Final Report, 2011, Seite 37, Absatznummer 24 bis 26. Nach Auffassung des Autors ist die Höhe des Prozentsatzes für die Berechnung der zusätzlichen Eigenmittel noch zu klären. So nennt der Bericht einerseits den Satz von 0,01 Prozent (siehe Seite 33, Absatznummer 15). Im Berechnungsbeispiel werden andererseits für verwaltete Vermögen von 1 Milliarde Euro zusätzliche Eigenmittel von 1 Million Euro gefordert, was 0,1 Prozent entspräche. 11 ESMA, Final Report, 2011, Seite 35, Box ESMA, Final Report, 2011, Seite 30, Box 5. Forderungen der ESMA umfassen zum Beispiel die Mitversicherung von Schadenersatzansprüchen aufgrund Falschdarstellungen (Prospekthaftung) des Fondsverwalters gegenüber dem Fonds oder gegenüber den Investoren 13. Insofern sich dies auf die fahrlässige Falschdarstellung beschränkt, ist dies in der Berufshaftpflichtpolice durchaus versicherbar. Hingegen ist vorsätzliches Handeln des Fondsverwalters vom Versicherungsschutz einer Haftpflichtpolice aus grundsätzlichen Überlegungen ausgeschlossen 14. Vielmehr müsste sich der Fonds selbst gegen betrügerisches Handeln der Fondsverwalter versichern; dies ist aber in der AIFM- Richtlinie so nicht vorgesehen 15. Eine weitere Tücke verbirgt sich in der Anforderung nach einer persönlichen Haftung der Geschäftsleitung bei fehlender Überwachung der Fondsverwaltung 16. Konkret haften die Organe mit ihrem persönlichen Vermögen für Schaden infolge Verletzung von nicht übertragbaren Überwachungspflichten 17. Dieses Risiko wird in einer Berufshaftpflichtpolice regelmässig ausgeschlossen, weil es ein Organhaftpflichtrisiko darstellt 18. Anstelle der Berufshaftpflichtpolice dürfte daher eine kombinierte Haftpflichtversicherung 19 in Betracht gezogen werden. Jedenfalls berücksichtigt die ESMA diesen Umstand 13 ESMA, Final Report, 2011, Seite 30, Box 5, Artikel 2.(a)ii. 14 CEA, CEA comments on AIFM Directive level II implementing measures for professional indemnity insurance (Article 9), Seite 2, 2011, 15 Anmerkung des Autors: Erwähnenswert ist, dass die ESMA im Schlussbericht die ursprüngliche Forderung nach einer Veruntreuungsversicherung für Fondsverwalter fallengelassen hat, wohl, um in diesem Punkt nicht weiter als die Anforderungen für UCITS zu gehen. 16 ESMA, Final Report, 2011, Seite 30, Box 5, Artikel 2.(a)iv. 17 Anmerkung des Autors: Die Eigenmittel des Fondsverwalters wären bei solchen Ansprüchen nicht relevant, da eine Schadloshaltung der Organe in der Regel nicht zulässig ist, selbst wenn dies vertraglich vereinbart wäre. 18 Thierry Luterbacher, Wieweit geht der Schutz einer D&O Versicherung im Verantwortlichkeitsrecht, Verantwortlichkeit im Unternehmensrecht V, Seite 124, Europa Institut der Universität Zürich. 19 Die kombinierte Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung schliesst als Deckungsbausteine die Organ- und Berufshaftpflicht ein. Durch die Kombination in einer Police werden Deckungslücken und Überschneidungen vermieden. Da die Versicherungssumme für beide Risiken kombiniert gilt, ist diese in der Regel kostengünstiger als zwei Policen mit je einer Versicherungssumme für die Risiken aus der Berufsund der Organhaftpflicht. Optional können weitere Bausteine eingeschlossen werden, wie beispielsweise die Vertrauensschadenversicherung. Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 3

4 und empfiehlt, gegebenenfalls mehrere Versicherungspolicen zuzulassen, um die zu versichernden Risiken insgesamt abzudecken. Bei komplexen Verträgen steckt der Teufel im Detail. Ausschlüsse in den Standardprodukten der Versicherer machen den Versicherungsschutz, gerade dort wo ihn ein Fondsverwalter erwarteten würde, unwirksam. Beispielsweise ist im Falle, dass die Fonds in der Police des Fondsverwalters mitversichert werden, zu prüfen, ob Ansprüche von diesem gegen den Fondsverwalter nicht ausgeschlossen sind 20. Nach Ansicht des Autors und von Fachanwälten 21 drohen sowohl Ansprüche des Anlegers, wie auch Haftpflichtansprüche des Fonds gegen den Fondsverwalter. Daher sollte eine umfassende Versicherung neben den Ansprüchen von Anlegern und Dritten auch die Ansprüche des Fonds gegen den Fondsverwalter einschliessen. Eine fachkundige Überprüfung der Versicherungsverträge vor Abschluss ist jedenfalls angezeigt. Ansonsten riskiert der Fondsverwalter im besseren Fall, dass die zuständige EU-Aufsichtsbehörde die Berufshaftpflichtversicherung aufgrund der Ausschlüsse nicht als Eigenmittelersatz anerkennt 22. Im schlechteren Fall, so der Fondsverwalter mit Schadenansprüchen konfrontiert wird, dürfte er zu spät feststellen, dass die Police den erwarteten Versicherungsschutz nicht oder nur unzureichend gewährt. 2. Revision des Kollektivanlagegesetzes Bemerkungen zum Stand der Revision Fondsverwalter von schweizerischen Kollektivanlagen sind heute dem Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) zwingend unterstellt; nicht so Verwalter von ausländischen Anlagen. Diese können sich unter restriktiven Voraussetzun- gen freiwillig dem KAG unterstellen 23. Diese Bestimmung im KAG sollte im Hinblick auf die Umsetzung der Richtlinie angepasst werden, da die AIFM- Richtlinie für nicht in der EU domizilierte Verwalter von in der EU registrierten alternativen Investmentfonds oder von in der EU vertriebenen Fonds eine staatliche Beaufsichtigung an ihrem Domizil verlangt. Um einer drohenden Isolation der Schweizer Fonds Industrie entgegen zu wirken, hat der Bundesrat im Mai 2011 das Vernehmlassungsverfahren zur Revision des Kollektivanlagegesetzes eröffnet. Im Februar 2012 hat der Bundesrat hat die Botschaft zur Teilrevision verabschiedet. Die Vorlage soll noch in diesem Jahr im Parlament beraten werden und 2013 in Kraft treten. Berufshaftpflichtversicherung neu vorausgesetzt Neu soll mit Artikel 14 Absatz 1 ter dem Bundesrat die Kompetenz eingeräumt werden, die Erteilung der Bewilligung für Fondsverwalter von weiteren Voraussetzungen, wie namentlich dem Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, abhängig zu machen. Die Pflicht zur dauernden Einhaltung der Bewilligungsvoraussetzungen orientiert sich an der europäischen Richtlinie für UCITS und wird neu auf Gesetzesstufe festgehalten. Das Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) ist als Rahmengesetz konzipiert. Im Hinblick auf die rasche Entwicklung der internationalen Regulierung sind allfällige weitere Kriterien für die einzelnen Bewilligungsträger in der bundesrätlichen Verordnung zu konkretisieren. Schweizer Fondsverwalter werden analysieren müssen, ob das KAG und die entsprechende Verordnung weitergehende Anforderungen stellt, und inwiefern diese mit den EU-Vorgaben übereinstimmen. 3. Welche weiteren Normen zu beachten sind Bei der jährlichen Erneuerung der Haftpflichtversicherung ist es notwendig, die neusten Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Risiko und Haf- 20 Berufshaftpflichtpolicen enthalten in der Regel einen Insured vs. Insured -Ausschluss, der solche Ansprüche vom Versicherungsschutz ausnimmt. 21 Nigel Sanders, Claims against Custodians, Investment Managers and Investment Advisors, publiziert auf ESMA, Final Report, 2011, Seite 382, Annex IV, Absatz Christian Koller, Revision des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen: Eröffnung des Vernehmlassungsverfahrens, CapLaw 2011_33. Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 4

5 tung der Fondsverwalter zu prüfen 24. Neben der geplanten Einführung der AIFM-Richtlinie und der Revision des KAG dürfte folgende Auswahl von Normen und Vorgaben die Gestaltung der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung der Fondsverwalter beeinflussen: Der FINMA-Vertriebsbericht 2010 und das am 1. Januar 2011 in Kraft getretene revidierte Lugano-Übereinkommen haben zur Folge, dass die Umsetzung der MiFID bei Schweizer Finanzdienstleistern erhöhte Aufmerksamkeit erfordern dürfte, sollte ein Haftpflichtanspruch eines Kunden dereinst durch ein Gericht an seinem europäischen Wohnsitz geprüft werden, beispielsweise bezüglich der Eignungs- und Angemessenheitsprüfung am Point of Sale ; FINMA-Mitteilung Nr. 34, wonach mindestens drei unabhängige Mitglieder in den Verwaltungsrat eines Fondsverwalters zu berufen sind 25. In diesem Zusammenhang gewinnt die Ausgestaltung der Organhaftpflichtpolice speziell für die unabhängigen Verwaltungsräte an Bedeutung; Dodd Frank-Act 26 bezüglich der US SEC Registrierung von Finanzdienstleistern; es empfiehlt sich, sicherzustellen, dass Untersuchungskosten und USA-bezogene Ansprüche in der Organund Berufshaftpflichtversicherung gedeckt sind; gane hinaus werden Fondsmanager auch das Risiko von Vermögensverlusten durch Betrug und Veruntreuung, die Kredit- und politischen Risiken bei Investitionen im Ausland oder die Risiken aus der Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen in investierten Unternehmen berücksichtigen wollen. Es liegt in der Natur dieser Risiken, dass sie sich selten manifestieren. Falls aber doch, so haben diese Risiken eine signifikante Auswirkung auf die Fähigkeit des Fondsverwalters, die Investitionen zu schützen, berechtigte Ansprüche von Investoren zu begleichen und unberechtigte erfolgreich abzuwehren. Es geht darum, den risiko-basierten Kapitaleinsatz mittels Risikotransfer und Versicherung strategisch zu verbessern. Die European Venture Capital Association (EVCA) empfiehlt daher den Fondsverwaltern, ihren Versicherungsbedarf regelmässig mit dem eigenen Risikoprofil und der Risikotragfähigkeit abzustimmen 28, mit dem Ziel, sich selbst, die Fonds und damit letztlich die Investoren vor Vermögensverlusten besser zu schützen. Die nachstehende Abbildung zeigt die wichtigsten Einflussfaktoren auf die (Berufs-) Haftpflichtversicherung in der Übersicht. Abbildung: Einflussfaktoren FATCA 27 : Zusätzliche Compliance Risiken verbunden mit der persönlichen Haftung des Geschäftsführers respektive des Compliance- Verantwortlichen eines Fondsverwalters. Selbstverständlich sollte sich ein Fondsverwalter nicht nur an den gesetzlichen oder aufsichtsrechtlichen Normen orientieren. Über die Berufshaftpflicht und die persönliche Haftung der Führungsor- 24 Für AIFM-regulierte Fondsverwalter wird dies von der ESMA gefordert, siehe ESMA, Final Report, 2011, Seite 35, Box 9, Artikel FINMA-Mitteilung 34 (2012), 23. Januar 2012, Seite Der Dodd Frank-Act der USA enthält verschiedene Reformen als Folge der aktuellen Finanzkrise. Unter anderem müssen sich Anlageberater (auch ausländische) bei der US-Wertschriftenbehörde SEC registrieren. 27 Der Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) der USA beinhaltet eine Berichterstattungspflicht für Finanzinstitute. Diese soll die US- Steuerbehörde befähigen, Steuerhinterziehung von US-Personen im Ausland zu entdecken. Quelle: Walker Risk Solution AG 28 EVCA Handbook 2011, The Professional Standards for Private Equity and Venture Capital, Seite 35 und 36, 2011, Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 5

6 4. Handlungsbedarf für 2012 und 2013 Der Handlungsbedarf von Fondsverwaltern alternativer Anlagen im Bereich ihres Risiko- und Versicherungsmanagement ist individuell zu eruieren. Je nach Ausgangssituation sind folgende Massnahmen angezeigt: 1. Dokumentieren der Haftpflichtrisiken und der Schadenerfahrung sowie der historischen Verlustdaten als Teil des operationellen Risikomanagements. Grössere Fondsverwalter dürften vorsehen, das firmenweite Risikomanagement mit revisionssicheren IT-Anwendungen zu unterstützen Sicherstellen, dass die bestehenden Policen die operativen und haftpflichtrechtlichen Risiken adäquat abdecken. Es empfiehlt sich eine Gap- Analyse der versicherbaren und nicht-versicherbaren Risiken sowie der Abgleich mit dem Profil der kapital-intensiven operativen Risiken. 3. Sicherstellen, dass die bestehenden Policen die geografische und rechtliche Struktur des fondsverwalters korrekt abbilden. Globale Versicherungsprogramme gelten in einzelnen Ländern als non-admitted insurance und sind gesetzlich nicht zulässig. 4. Bei der Erneuerung der Versicherungsverträge sicherstellen, dass erstens die Berufshaftpflichtpolice die regulatorischen Anforderungen erfasst und angemessen abbildet, und zweitens diese bei der Berechnung der Eigenmittel berücksichtigt werden kann. Bei neuen Risiken oder zusätzlichen Deckungsanforderungen ist der relevante Versicherungsmarkt frühzeitig (drei Monate vor Erneuerungstermin) zu konsultieren. 5. Überprüfen, erstens inwiefern Risikotransfer und Versicherung den risiko-basierten Kapitaleinsatz strategisch verbessern können, und zweitens wie die Versicherungskosten auf einzelne Kostenträger (bspw. Fondsverwalter oder Fonds) umgelegt werden können, um Kostentransparenz zu erhalten. 6. Bei der Auflage neuer EU-Fonds: Eigenmittel entsprechend der AIFM-Richtlinie kalkulieren und rechtzeitig den Versicherungsmarkt betreffend der Berufshaftpflichtpolice konsultieren. 7. Verständnis intern bei den Partnern und leitenden Organen aufbauen; es muss der Zusammenhang verstanden werden, wie die Organhaftpflichtpolice mit der Schadloshaltungs-, respektive der Entschädigungsvereinbarung im LP Agreement oder ähnlichen Vertragsdokumenten zusammenwirkt. 5. Fazit Der Fondsverwalter befindet sich zwischen Regulierungsfronten. Der enge Zeitplan für die Umsetzung der neuen Regelwerke erfordert vorausschauendes Planen und rechtzeitiges Umsetzen der Massnahmen, um die sich neu ergebenden Chancen erkennen und ergreifen zu können. Klug angegangen, können die Kosten für die zusätzlich erforderlichen Eigenmittel verringert und gleichzeitig die Risikofähigkeit des Fondsverwalters erhöht werden. Eine den künftigen Anforderungen genügende Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ist dafür unabdingbar. Das Wie gewinnt hier an Bedeutung. Gregory Walker, Zug, 4. April Dr. Daniel Imfeld, Operational Risk Management for Asset Managers, 2011, Walker Risk Solution AG, 2012 Seite 6

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