Die Verkündigung vom Reich Gottes und die

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1 Die Verkündigung vom Reich Gottes und die Ethik Jesu S WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 1 Die Tora: Grundlage der Ethik Jesu (S ) Tora: hebr. Weisung Wegweisung, "Gesetz" Gottes, das ein gelingendes Leben ermöglicht Trad. Jesusbild Jesus = Überwinder jüdischer Gesetzlichkeit Neue Forschungen: ethische Verkündigung Jesu = Auslegung, Vertiefung und Weiterentwicklung der Tora Tora zur Zeit Jesu keine feste Grösse: - verschiedene Tora-Deutungen - Debatten um die richtigen Auslegungen (z.b. Sabbat) WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 2 Liebesgebot: Zentrum der Ethik Jesu (S. 77f.) Mk 12,29-31: Höchstes Gebot für Jesus = Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe Nicht Proprium des Christentums Jesus fasst mit Doppelgebot jüdische Traditionen zusammen: Dtn 6,4 und Lev 19,18 Neu: Ausweitung im Horizont der anbrechenden Gottesherrschaft auf Fremde (Lk 10,25-32), "Sünder" (Lk 7,31-35; Mt 11,16-19) und Feinde (Mt 5,38-48) WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 3 1

2 Rahmen seiner Tora-Auslegung: Überzeugung von der bereits angebrochenen Königsherrschaft Gottes Jesus hat Tora nicht aufgehoben, sondern in einigen Fällen neu interpretiert In halachische Diskussionen über die richtige Auslegung der Tora eingegriffen, wie sie damals von den Pharisäern geführt wurden WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 4 Verbindung von Normverschärfungen und Normentschärfung: Jesus entschärft einige Tora-Normen, andere verschärft er aber keine Ablehnung der Tora Entschärfung von Normen: - Sabbatgebot (Mk 2,23-28; 3,1-6 u.a.) - Zehntgebot (Mt 23,23) - Opfergebot (Mt 5,23f.) - Reinheitsgebot (Mk 7,15; Mt 23,25f.) - Elterngebot (Mt 8,21f. / Lk 9,59f.) WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 5 Verschärfung von Normen: - erstes Gebot (Mt 6,24/Lk 16,13) - Verbot des Tötens (Mt 5,21f.) - Verbot des Ehebruchs (Mt 5,27f.) - Verbot der Scheidung/Wiederheitrat (Mk 10,11f.) 11f - Gebot der Nächstenliebe (Mk 12,28-34 u.a.) Nebeneinander von verschärfenden und entschärfenden Auslegungen Massstab der Tora-Auslegung Jesu ist beginnende Gottesherrschaft und Gottes radikale Barmherzigkeit WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 6 2

3 Zusammenfassung der ethischen Verkündigung Jesu Jesus-Worte von Matthäus zu einer grossen Redekomposition zusammengestellt Lehre der rechten Lebenspraxis für seine Gemeinde Verschiedene Auslegungen in der Kirchengeschichte WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 7 Text der Bergpredigt: Matthäus 5,1 7,29 Bezeichnung "Bergpredigt" stammt von Augustinus: "die Predigt des Herrn auf dem Berg" Begriff "Gerechtigkeit" it" zentral "Rede von der Gerechtigkeit des Himmelreichs" (Ulrich Luz) Komposition von einzelnen Aphorismen und Sprüchen; kleine unabhängige Einheiten WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 8 Mt 5,17 20 Absichtserklärung des Matthäus Mt 5,3 12 Salz Mt 5,21 48 Mt 6,2 16 Schatz Mt 6,25 34 Seligpreisungen Licht Antithesen Almosen Beten Fasten Auge Zwei Herren Sorgen WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 9 3

4 Mt 7,7 11: Die Güte des Vaters Mt 7,1 5: Nicht richten Mt 7,12: Die goldene Regel Mt 7,13 14: Die enge Pforte Mt 7,23: Die Parusie Mt7,15 20: Baum und Früchte Mt 7,21 23: Bekenntnis und Tun Mt 7,24 27: Die beiden Häuser WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 10 Theologische Botschaft der Bergpredigt 1 Seligpreisungen (Mt 5,3-16): Einladung und Verheissung an die Armen, Hungernden und Weinenden; ihnen wird das Glück/Heil verheissen 2 Programmatische Erklärung (Mt 5,17 20): Nicht gekommen, die Tora und prophetischen Schriften ausser Kraft zu setzen, sondern gekommen sie zu erfüllen" Antithesen (Mt 5,21 48): Tora wird von Jesus neu ausgelegt 3 Abschluss der Rede (Mt 7,13-27): ZuhörerInnen sollen sich der Rede entsprechend verhalten WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 11 Theologische und kirchliche Auslegungstypen der Bergpredigt Umstritten: Wie ist die Bergpredigt zu verstehen: ethisch, politisch oder spirituell? Radikale Auslegung der Bergpredigt: Gebote sind erfüllbar (frühe Kirche vor Konstantin und frühes Mönchtum, mittelalterliche Armutsbewegungen; Gruppen wie die Waldenser, Franziskaner und Katharer, Täufer und die frühen Methodisten) WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 12 4

5 Mittelalterliche (kath.) Zwei-Stufen-Ethik: Unterscheidung von "praecepta" (Geboten) für alle, und "consilia evangelica" (Räten) nur für das Mönchtum Unerfüllbarkeit der Bergpredigt und Spiritualisierung: "Zwei-Reiche-Lehre" (Luther) und Rückzug auf rechte "Gesinnung" Politisch-soziale Auslegung der Bergpredigt: Forderungen für das soziale und politische Handeln (z.b. religiöse Sozialisten; Friedensbewegungen etc.) WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 13 Die Bergpredigt ein Herrschaftsinstrument? (Exkurs S ) Für wen gelten die Gebote: für die Mächtigen oder die Machtlosen? Bergpredigt häufig als Gehorsamsethik für die Machtlosen missbraucht Texte androzentrisch formuliert: im damaligen Kontext an Männer gerichtet (vgl. Männer- und Frauenrollen) Bergpredigt mit Genderblick gelesen: Vision vom Ende patriarchaler Macht WS 2012/13 STh Dogmatik 2 / Doris Strahm Vorlesung 5 / 14 5

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