Leitlinien für das Bachelor-Studium. Von der Vernetzung von Unternehmen zur Vernetzung von Dingen. Verschlägts uns die Sprache?

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1 Das Alumni-Magazin der Universität St.Gallen 1/2002 SEITE 4 Leitlinien für das Bachelor-Studium SEITE 8 Von der Vernetzung von Unternehmen zur Vernetzung von Dingen SEITE 21 Verschlägts uns die Sprache?

2 EDITORIAL Wolfram Martel Präsident HSG Alumni Zum Jahresende wird keineswegs nur in Unternehmen, sondern auch ganz persönlich und privat Bilanz gezogen. Dabei wird das erste Jahr des 21. Jahrtausends wohl als «Jahr der Katastrophen» in die Geschichte eingehen. So lässt einen das Ende eines Jahres nachdenklich werden und das ist gut so. Wir werden uns bewusst, dass wir viele Erfolge des Alltags für allzu selbstverständlich halten und Werte hoch gewichten, die von einem Tag auf den anderen völlig nebensächlich werden können. Wenn wir das Jahr 2001 innerhalb der Geschichte unserer Universität werten wollen, dann gehört es allerdings zu den ausserordentlich wichtigen und gelungenen Jahren. Mit dem Beginn des Wintersemesters 2001/2002 wurde nämlich im wahrsten Sinn des Wortes eine neue «Ära» eingeleitet: Als erste Schweizer Universität hat unsere alma mater konsequent das Bachelor-/Master-System eingeführt und diese Umstellung auch mit einer inhaltlichen Neukonzeption des Studiums, aufbauend auf den Säulen Kontaktstudium, Selbststudium und Kontextstudium, verbunden. Die Botschaft einer umfassenden (Aus-)Bildung im Sinne des Mottos «Wir fordern und fördern Persönlichkeiten» scheint bei den Interessentinnen und Interessenten für ein Studium angekommen zu sein: Deutlich mehr Erstsemester als im Vorjahr haben nämlich nun das (neue) Studium in St.Gallen begonnen. Die Qualität unserer Universität ist auch durch die EQUIS-Akkreditierung (vgl. letzte Ausgabe der «alma») bestätigt worden, und die HSG bekommt derzeit auch in den Medien viel Beachtung und Lob: So hat sie in einem Ranking der Schweizer Universitäten Spitzennoten für die wirtschaftswissenschaftliche und rechtswissenschaftliche Ausbildung bekommen. Eine Auszeichnung, die für uns Ehemaligen fast genauso wichtig ist wie für die heutigen Studierenden. Eine hohe Auszeichnung ist es schliesslich für Dr. h.c. Wolfgang Schürer und eine Ehre auch für die HSG Alumni, deren Vizepräsident er ist, dass er von der Georgetown University in Washington D.C. zum «Distinguished Professor in the Practice of International Business Diplomacy» ernannt worden ist. Wir gratulieren herzlich! Fürs neue Jahr 2002 haben wir HSG Alumni grosse Vorsätze gefasst. Über zwei ehrgeizige Projekte werden Sie bald genauere Informationen erhalten, nämlich über unser Sponsoring des geplanten Campus innerhalb der Erweiterung des Weiterbildungszentrums und über die erste Internationale HSG-Alumni-Konferenz vom 12. bis 14. September 2002 in Interlaken. Wolfram Martel, Präsident HSG Alumni 1/2002 1

3 INHALT 1/ Leitlinien für das Bachelor-Studium Wie sieht die Bachelor-Stufe des neuen HSG-Studiums aus? Ein weiterer Beitrag zur Neukonzeption der Lehre. 7 Theologie als Lebensform Auf Ende Sommersemester 2001 ist Pater Walther Gaemperle svd, katholischer Universitätsseelsorger, in den Ruhestand getreten. 8 Von der Vernetzung von Unternehmen zur Vernetzung von Dingen ETHZ und HSG arbeiten gemeinsam mit dem MIT an den betriebswirtschaftlichen Anwendungen des Ubiquitous Computing. 12 Unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement Nachhaltigkeit bzw. «Sustainability» ist seit dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro ein grosses politisches Projekt auf internationaler und nationaler Ebene. 15 Studierende sollen sich vermehrt mit Lateinamerika beschäftigen Seit einigen Jahren existiert an der Universität St.Gallen ein Fonds für Lateinamerika-Studien. 18 Der Stoff, aus dem die Träume sind «Für die meisten Kunden haben wir nur einen einzigen Stoff: den idealen.» Mit diesem Credo hat das Textilunternehmen Création Baumann auch heute noch Erfolg. 21 Verschlägts uns die Sprache? «Modern Talking»: «Studis» können sich grammatisch im Deutschen nicht mehr richtig ausdrücken, manche «Profs» radebrechen in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Fachchinesisch. 23 Information Factory: Expertenlösungen für das Wissensmanagement «Information Factory» heisst ein Unternehmen, das 1996 aus dem Institut für Wirtschaftsinformatik heraus als Spin-off vom ehemaligen HSG-Dozenten Georg Geyer gegründet wurde. 26 HSG-Big-Band: Eine Musikformation im Wandel Vor 16 Jahren gründete Christof Reutlinger die HSG-Big-Band. Noch heute ist er als Dirigent und musikalischer Leiter aktiv. 29 Alumni-Clubs 30 Suche nach Ehemaligen 31 Aus dem Alumni-Büro 32 Terminkalender erstes Quartal 2002 Zum Titelbild Aufwärmen fürs neue Studium: Erstmals gab es eine «Startwoche» für die neu eintretenden Studierenden, während der sich auch Vereine (hier der Rugby-Club) und Verbindungen in der Aula präsentieren konnten. (Foto: Nik Baumann) 1/2002 3

4 NEUKONZEPTION LEHRE Leitlinien für das Bachelor-Studium Die Assessment-Stufe als Teil und Grundlage des künftigen Studiums zum «Bachelor of Arts» der Universität St.Gallen wurde in der alma 2/2001 vorgestellt. In diesem Beitrag stehen die Planungen für die Bachelor-Stufe, insbesondere die vier angebotenen Studienschwerpunkte (so genannte Majors) des zweiten und dritten Studienjahrs, im Mittelpunkt. Von Sascha Spoun Die Bachelor-Stufe führt nach insgesamt drei Jahren Studium (zwei Semester Assessment-Stufe, vier Semester Bachelor-Stufe) zum akademischen Grad des «Bachelor of Arts» als einem allgemein wissenschaftlich qualifizierenden Abschluss. Dieser akademische Grad ist im Übrigen keine Erfindung des angloamerikanischen Universitätssystems, wie viele meinen, sondern als Bakkalaureat an europäischen Universitäten seit dem Mittelalter bekannt. Die Inhalte freilich haben sich seither doch verändert. Bachelor als Sprungbrett An der Universität St.Gallen werden traditionell drei Lehrgänge angeboten, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Staatswissenschaften. Diesen entsprechen die Studienschwerpunkte (international Majors genannt), wobei innerhalb der Wirtschaftswissenschaften die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und die Volkswirtschaftslehre (VWL) unterschieden werden. Der «Bachelor of Arts» der Universität St.Gallen unterscheidet sich deutlich von den stärker berufspraktischen und berufsqualifizierenden Fachhochschulabschlüssen. Er lehnt sich einerseits an die Tradition des humboldtschen Bildungsideals («Bildung durch Wissenschaft») sowie an die Idee einer «culture générale» französischer «Grandes Ecoles» an, andererseits entspricht er ausdrücklich der angelsächsischen Idee der Persönlichkeitsbildung, die zur Ausbildung künftiger Führungskräfte beitragen will. Unser Abschluss erlaubt es den Studierenden, direkt in den Beruf einzusteigen oder sofort, aber auch nach einigen Jahren Berufserfahrung, das Studium in einem der Master-Programme der Universität St.Gallen oder an einer anderen Universität fortzusetzen. Das Bachelor- Studium ist auch ein Sprungbrett zu anderen Fächern, denn Fachwechsel vom Bachelor- zum Master-Studium sind möglich und auch durchaus üblich. Diese Ausstiegsoption der Studierenden motiviert die Universität zusätzlich, auf der Master-Stufe qualitativ hoch stehende, national und international wettbewerbsfähige Studienmöglichkeiten anzubieten. Individuelle Studien- und Zeitplanung Das Studium auf der Bachelor-Stufe wird in den drei Säulen Kontaktstudium, Selbststudium und Kontextstudium sowie im Mentoring-Programm absolviert. Das Fachstudium hatte schon auf der Assessment-Stufe eingesetzt und wird nun fortgeführt und in einem der vier Studienschwerpunkte/Majors vertieft. Das Bachelor- Studium umfasst insgesamt 96 Semesterwochenstunden (SWS), die auf vier Semester (3. bis 6. Semester) verteilt sind. Die effiziente Studienorganisation teilt die Veranstaltungen in solche des Wintersemesters und des Sommersemesters ein. Infolgedessen können Veranstaltungen des 3. und 5. bzw. des 4. und 6. Semesters parallel besucht werden. Zusammen mit dem Credit Point System ermöglicht diese Option eine individuelle Studienund Zeitplanung auf der Bachelor-Stufe, die schneller oder langsamer absolviert werden kann. So können integrierte Auslandsemester, studentisches Engagement in Vereinen und Verbindungen, Militärlaufbahn und private Lebensplanung mit dem Studium in Einklang gebracht werden. Um gemeinsame Grundlagen bei allen Studierenden in den Kernfächern BWL, VWL und Rechtswissenschaft zu sichern, nehmen diese ein Viertel der gesamten Studienleistung ein. Wer die Studienschwerpunkte BWL, VWL oder Staatswissenschaften wählt, muss je acht SWS in BWL, VWL und Rechtswissenschaft absolvieren. Für Studierende mit Studienschwerpunkt Rechtswissenschaft stehen 22 SWS Rechtswissenschaft und zwei SWS Wirtschaftswissenschaft auf dem Programm. Die Grundlagen der Kernfächer werden zum Teil als Kontaktveranstaltungen und zum Teil als Selbststudium angeboten. Fachliche Vertiefung Die Hälfte der gesamten Studienleistungen dient der fachlichen Vertiefung, wobei durch die Wahl des Studienschwerpunkts zwei Drittel der Veranstaltungen (32 SWS) festgelegt werden: 4 1/2002

5 NEUKONZEPTION LEHRE Sie werden die Bachelor-Stufe ab nächstem Jahr absolvieren: Erstsemester Der Studienschwerpunkt Betriebswirtschaftslehre fordert sieben betriebswirtschaftliche Pflichtfächer und ein betriebswirtschaftliches Wahlpflichtfach. Die Pflichtfächer sind die sechs «Funktionslehren» der BWL, nämlich [1.] Controlling/Rechnungslegung, [2.] Finanzen, [3.] Führung/Organisation, [4.] Informations- und Technologiemanagement, [5.] Marketing, [6.] strategisches Management sowie als siebtes Pflichtfach Forschungsmethodik (Statistik und qualitative Methoden). Diese Ausbildung erfolgt sowohl im Kontaktstudium (Vorlesungen, Übungen, Seminare im Umfang von je zwei bzw. drei SWS) als auch im Selbststudium (jeweils Äquivalent von zwei SWS). Dabei entscheiden die Studierenden eigenständig über Organisation und Zeitplanung ihres Selbststudiums. Ein Integrationsseminar stellt den Praxisbezug des Lehrstoffes sicher. Für das betriebswirtschaftliche Wahlpflichtfach stehen mehr als 20 aktuelle Themen zur Auswahl. Der Studienschwerpunkt Volkswirtschaftslehre lässt auch für Pflichtfächer eine weiter gehende fachliche Profilierung zu. Alle Studierenden müssen vier vierstündige Pflichtveranstaltungen absolvieren: Mikroökonomie, Makroökonomie, Statistik und empirische Wirtschaftsforschung. Die übrigen vier Pflichtveranstaltungen können aus der Volkswirtschaftslehre, der Mathematik und der Statistik gewählt werden. So können sich die Studierenden optimal auf einen späteren Master, beispielsweise in «Quantitative Economics», vorbereiten und erhalten zugleich eine abgeschlossene Ausbildung. Der Studienschwerpunkt Rechtswissenschaft umfasst 32 SWS-spezifische Pflichtveranstaltungen verschiedener Rechtsgebiete. Ausserdem entfallen 22 der 24 SWS der Grundlagenveranstaltungen der Kernfächer auf rechtswissenschaftliche Gebiete. Auch als Wahlfächer können nur rechtswissenschaftliche Fächer belegt werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass das Studium der Rechtswissenschaft einerseits ein spezifisches Profil hat, andererseits aber mit dem Jus-Studium anderer Universitäten vergleichbar ist. Ein Drittel der Veranstaltungen wird wie in den anderen Studienschwerpunkten im Selbststudium angeboten. Der Studienschwerpunkt Staatswissenschaften (International Affairs and Governance) ist interdisziplinär. Er fordert acht vierstündige Pflichtveranstaltungen: drei Veranstaltungen in Politikwissenschaft (Grundlagen, Systemlehre, Theorie der internationalen Beziehungen), zwei Veranstaltungen in Rechtswissenschaft (Verwaltungs-, Völker- und Europarecht) und drei Veranstaltungen in Wirtschaftswissenschaften (Finanzwissenschaft, Aussenwirtschaft und ein Lehrangebot der Betriebswirtschaftslehre). Zusammen mit den Lehrangeboten zu den Grundlagen der Kernfächer und des Kontextstudiums wird auf diese Weise nicht nur die gute Tradition des staatswissenschaftlichen Lehrgangs an der Universität St.Gallen weitergeführt, sondern das Angebot wird auch inhaltlich vergleichbar mit dem begehrten «PPE» z.b. der Universitäten Oxford und Cambridge, nämlich deren Bachelor in «Politics, Philosophy and Economics». 1/2002 5

6 NEUKONZEPTION LEHRE Neben den Lehrveranstaltungen zu den Grundlagen der Kernfächer und ihrem Studienschwerpunkt müssen die Studierenden insgesamt 16 SWS-Wahlfächer belegen, die eine individuelle, fachlich spezialisierte oder interdisziplinäre Profilierung erlauben. Wahlfächer können aus dem Kursangebot aller Studienschwerpunkte sowie anderer Universitäten gewählt werden. Für künftige Jurist(inn)en ist die Wahl allerdings auf gewisse juristische Fächer beschränkt. Sonst ermöglichen die Wahlfächer den Studierenden eine gewisse Freiheit in der Wahl des Studienschwerpunkts während des zweiten Studienjahres, weil im Falle eines Wechsels des Studienschwerpunkts die Pflichtveranstaltungen des zuerst gewählten Studienschwerpunkts Wahlfächer bei der Belegung eines anderen sein können (im Falle eines Wechsels zu Rechtswissenschaft gilt dies nur eingeschränkt). Bachelor-Arbeit geplant Die geplante (noch nicht beschlossene) Bachelor- Arbeit, die auf der wissenschaftlichen Hausarbeit der Assessment-Stufe aufbaut, ist mit der bisherigen Diplomarbeit vergleichbar. Sie soll von allen Dozierenden zu einem Thema nach Wahl innerhalb einer befristeten Zeitspanne verfasst werden können. Auch auf der Bachelor-Stufe besteht das Kontextstudium aus den drei Teilsäulen Handlungskompetenz, Reflexionskompetenz und Kulturelle Kompetenz. Für die Handlungskompetenz (acht SWS) werden verschiedene Kurse zur freien Wahl angeboten. Zudem muss ein betreutes Projekt absolviert werden. Dessen Planung, Durchführung und Ergebnisse sind Gegenstand eines Abschlussberichts. In der Reflexionskompetenz (acht SWS) sind zwei vierstündige Seminare zu besuchen, wobei für jedes Semester etwa 15 verschiedene Angebote zur freien Wahl stehen. Für die Studierenden des Studienschwerpunkts Rechtswissenschaft ist allerdings Rechtsgeschichte obligatorisch. In Kultureller Kompetenz müssen insgesamt acht SWS absolviert werden. Dafür stehen Lehrangebote der verschiedenen Literaturwissenschaften und anderer wissenschaftlicher Disziplinen, die sich mit diversen Künsten befassen, sowie Fremdsprachenkurse zur Verfügung. Mit Hilfe Letzterer kann man sich auf den geforderten Nachweis der zweiten Fremdsprache vorbereiten. Die Studierenden können (freiwillig) gleich ab dem 3. Semester in das Mentoring-Programm aufgenommen werden. Mentorinnen und Mentoren sollen auch aus dem Kreis der Ehemaligen gewonnen werden. Einige haben sich schon gemeldet, weitere sind sehr willkommen. Bei Eintritt in die Bachelor-Stufe bewerben sich die Studierenden bei einer Mentorin oder bei einem Mentor nach Wahl. Vorher erhalten die Studierenden Informationen über die Art der Betreuung und die Anforderungen der Uni-Ranking: Spitzenplatz für die Universität St.Gallen In einem erstmals für Schweizer Universitäten erstellten Ranking hat die Universität St.Gallen Spitzennoten für ihre Wirtschaftswissenschaftliche und Rechtswissenschaftliche Ausbildung bekommen. Die landesweit besten Noten erhielt die Wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an der Universität St.Gallen in Bezug auf ihre «Attraktivität» für ausländische und ausserkantonale Studierende. Damit konnte sich die Universität St.Gallen in Bezug auf ihre Internationalität gegenüber allen anderen Schweizer Universitäten als Spitzenreiter profilieren. Die konkurrierenden Universitäten Freiburg, Lausanne, Zürich, Genf, Basel, Neuenburg, Bern und die neue Tessiner Universität, Svizzera Italiana, landeten auf den Plätzen 2 bis 9. Das landesweit beste Ergebnis konnte die Universität St.Gallen auch in Bezug auf die «Vorbereitung der Studierenden auf den Arbeitsmarkt» erringen. Ein herausragendes Ergebnis erzielte die Universität St.Gallen auch für ihre Rechtswissenschaftliche Ausbildung, wo sie auf der landesweiten Ranking-Liste auf Platz 1 rangiert. Ausschlaggebend für die Position des Ranking-Siegers waren die Bewertungen der Kategorien «Betreuungssituation» und «Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt» sowie der Punktesieg in Bezug auf die «Allgemeine Zufriedenheit der Studierenden». Die Bewertungen stützen sich auf Daten des Bundesamtes für Statistik, administrative Quellen sowie auf Umfrageergebnisse unter 1200 an den betroffenen Universitäten immatrikulierten Studierenden. Die Ergebnisse der Untersuchung können über das Internetportal von SwissUp: unter dem Link «Ranking» abgerufen werden. Weitere Quelle: «BILANZ», November einzelnen Mentorinnen und Mentoren, die ihrerseits Vorstellungen und Wünsche der Studierenden kennen lernen. Nach dem ersten Gespräch im 3. Semester vereinbaren beide Seiten Etappen- und Entwicklungsziele, um die tatsächlichen Fortschritte daran messen zu können. Über Fortschritte und Schwierigkeiten jedes Semesters geben Studienberichte Auskunft. Dieser Studienbericht bildet die Grundlage für die persönlichen Gespräche über Studium, studentische Aktivitäten und Berufsplanung. Treffen mit den anderen betreuten Studierenden der jeweiligen Mentorin dienen dem Erfahrungsaustausch zwischen den Studierenden der verschiedenen Semester. Weitere Informationen unter 6 1/2002

7 WÜRDIGUNG Theologie als Lebensform Auf Ende Sommersemester 2001 ist Pater Walther Gaemperle svd, katholischer Universitätsseelsorger, in den Ruhestand getreten. Neu betreut er die Seelsorge am Wallfahrtsort Maria Dreibrunnen bei Wil SG. Rektor Professor Dr. Peter Gomez würdigt sein Wirken. Von Peter Gomez Walther Gaemperle, am 8. Juli 1934 in Zuzwil SG geboren, absolvierte nach seinem Eintritt in den Orden der Steyler Missionare Studien in Philosophie und Theologie an den ordenseigenen Hochschulen in Bonn und Wien und nach verschiedenen Pastoraleinsätzen Walther Gaemperle weitere Studien in Germanistik, Deutscher Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg. Anschliessend war ein Einsatz als Professor für Germanistik an der ordenseigenen Universität in Nagoya in Japan vorgesehen. Aufgrund eines unerwarteten Ausfalls des Chefredaktors der ordenseigenen Familienzeitschrift «Stadt Gottes» baten die Ordensobern Walther Gaemperle im Jahr 1971, anstelle der Professur in Japan die Redaktion dieser Zeitschrift zu übernehmen. Während seiner Tätigkeit als Chefredaktor war er zusätzlich immer wieder in der Seelsorge und in der Erwachsenenbildung tätig. Auf das Wintersemester 1982/1983 berief ihn Bischof Othmar Mäder zum Universitätsseelsorger an die HSG. Seither wirkte er bis zum vergangenen Sommersemester mit grosser Ausstrahlung in der Studierendenseelsorge und als Lehrbeauftragter für öffentliche Vorlesungen in Theologie an unserer Universität. Der Name des Ordens, dem Pater Walther Gaemperle angehört, societas verbi divini (Gesellschaft des göttlichen Worts), ist gewissermassen zu seinem Lebensprogramm geworden. Sein leidenschaftliches Bemühen, für das in der biblischen Botschaft überlieferte Wort Gottes eine zeitgemässe sprachliche Form und eine lebenspraktisch verständliche Deutung zu finden, prägte Vorlesungen genauso wie Meditationen und Gottesdienste. Sein Programm kann als eine sehr kritische und dennoch respektvolle Weiterführung der neuzeitlichen Aufklärung in der Theologie betrachtet werden. «Glaube vor Moral», und damit verbunden die unbedingte Zusage der Hoffnung auf das Gelingen der eigenen Lebensgeschichte eines jeden Menschen, bildete die zentrale Maxime seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner Verkündigung. In diesem Sinne verkörpert Pater Walther Gaemperle weit mehr als ein kritisches wissenschaftliches Gewissen moderner Bibelexegese. Entscheidend ist die Kongruenz seiner Theologie und seiner Ausstrahlung als Mensch. Das reflektierende Gespräch mit Studierenden und Dozierenden, die Zugänglichkeit für Fragen und Kritik im freundschaftlichen Dialog waren ihm ein zentrales Anliegen seiner Tätigkeit. In nächtelangen Gesprächen verstand es Walther Gaemperle nicht nur, den oft verschütteten Kern des Evangeliums frei zu legen, sondern als humorvoller, leidenschaftlicher Mensch eine Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, die vielen Studierenden und Dozierenden einen neuen Zugang zum Glauben und damit auch zur persönlichen Lebensgestaltung eröffnete. Walther Gaemperle hat damit im Bereich des Glaubens und der persönlichen Lebensbewältigung etwas ermöglicht und gefördert, das in allen anderen Disziplinen unserer Universität genauso notwendig ist: eine sorgsame Heranführung der Menschen zu zukunftsoffenen, verantwortungsbewussten «Reflective Practitioners». Für diesen Dienst an den Menschen und an der Universität danken wir Walther Gaemperle herzlich und wünschen ihm alles Gute für die nächsten Lebensetappen. Lic.theol. Thomas Reschke, bisher Diakon an der Pfarrei Maria Königin des Friedens in Lüchingen, ist neuer katholischer Studentenseelsorger und Lehrbeauftragter für Katholische Theologie an der Universität St.Gallen. Er trat im August 2001 sein Amt an. Thomas Reschke ist 37-jährig und studierte nach dem Abitur in seiner norddeutschen Heimatstadt Rendsburg an der Universität Münster Theologie, Germanistik, Philosophie und Pädagogik. 1/2002 7

8 WISSENSCHAFT UND PRAXIS Von der Vernetzung von Unternehmen zur Vernetzung von Dingen ETHZ und Universität St.Gallen arbeiten neu gemeinsam mit dem MIT an den betriebswirtschaftlichen Anwendungen des Ubiquitous Computing Von Oliver Christ «... kommt es mir so vor, als sei das rasante Wachstum des WWW nur der Zündfunke einer viel gewaltigeren Explosion gewesen. Sie wird losbrechen, sobald die Dinge das Internet nutzen...» Neil Gershenfeld, MIT Media Lab. Entwicklungspfad der Informatisierung Die Unternehmen haben in den letzten 30 Jahren integrierte Geschäftsprozesse geschaffen und damit Kosten gesenkt. Ermöglicht haben diese Fortschritte einerseits die konsequente Prozessorientierung (Business Process Engineering) und andererseits die Enterprise- Resource-Planning-Systeme, wie z.b. R/3 von SAP. Auf die Integration der innerbetrieblichen Prozesse folgt nun die Koordination der zwischenbetrieblichen Prozesse. Die Unternehmen erkennen, dass Geschäftsprozesse nicht an den Unternehmensgrenzen enden. Sie interpretieren die Wirtschaft zunehmend als ein Netzwerk von Prozessen quer zu rechtlichen Unternehmensgrenzen. Neue überbetriebliche Prozesse und eine neue technische und vor allem geschäftliche Infrastruktur sind im Entstehen. Sie basieren auf dem Internet, neuen Softwarelösungen und auf vielfältigen Serviceanbietern. Doch schon zeichnet sich der nächste IT-getriebene Innovationsschub am Organisations-Horizont ab. Der Prozessorientierung (Business Process Engineering) und der überbetrieblichen Vernetzung der Prozesse von Unternehmen (e-business) folgen nun die zumindest teilweise Digitalisierung und die inner- bzw. überbetriebliche Vernetzung von Produkten und Produktionsmitteln. Noch muss jedes Produkt (wie z.b. Metallbau- Miniaturisierung und Kostendegression (2) PCs (3) Intelligente Geräte (4) Intelligente Dinge Pervasiv / Ubiquitous Computing (1) Mainframe Abbildung 1: Technische Entwicklungsphasen der Informationsverarbeitung Zeit 8 1/2002

9 teile und Blutkonserven) und jedes Produktionsmittel (wie z.b. Transport- und Lagerbehälter) in den meisten Fertigungsstufen der gesamten Fertigungskette händisch via Scanner oder manueller Dateneingabe in der IT-Welt abgebildet werden. Dieser Medienbruch ist ein Hauptgrund für Fehllieferungen, Spätlieferungen, hohe Durchlaufzeiten, Warenverluste, geringe Kapazitätsauslastungen etc. WISSENSCHAFT UND PRAXIS Vision des Ubiquitous Computing Ubiquitous Computing (UC), oft auch Pervasive Computing genannt, ist die Basistechnologie für den nächsten Innovationsschub nach dem e-business. Sie ermöglicht «schlaue» Dinge wie z.b. intelligente Arzneimittel, Handelsware und Autoersatzteile, Transportbehälter und Laboreinrichtungen. Intelligente Dinge setzen sich aus klassischen physischen Produkten (Atomen) und darin integrierten und weitgehend unsichtbaren Minicomputern wie z.b. Sensoren, Sendern und Smart Labels mit Daten und Software (Bits) zusammen. Sie sind ein logischer nächster Schritt in der Weiterentwicklung der Informationsverarbeitung (siehe Abbildung 1). Schon seit einiger Zeit entwickeln Forschungszentren aus dem IT-Bereich Anwendungen von intelligenten Dingen allerdings stark konzentriert auf Anwendungsbereiche, welche die Forscher von ihrem Privatoder Arbeitsleben her kennen. Sie automatisieren daher nahezu ausschliesslich Büros, Klassenzimmer und Küchen. Die Folge sind intelligente Konsumgüter wie Toaster oder Kühlschränke, die einen betriebswirtschaftlichen Nutzen nur schwer erkennen lassen und zudem «Brave new world»-ängste von Endkonsumenten schüren. Viel interessanter scheinen Anwendungen in der «Business-to-Business»-Welt zu sein. Visionen für solche Anwendungen sind: Der Ring schreibt den Blutdruck und Puls seines Trägers mit und kommuniziert im Notfall mit dem Träger oder dem Hausarzt. Das Spitalbett zeichnet die tatsächliche Medikation seines Patienten auf, alarmiert bei falscher Medikation und führt die Abrechnung durch (...in den USA sterben jährlich Patienten an falscher Medikation). Beim Rindfleisch lässt sich der gesamte Lebenszyklus zurückverfolgen von der Erbsubstanz über Zucht- und Schlachthof bis zum Einzelhandel. Vernetzte Preisschilder und Werbeflächen weisen in Echtzeit auf neue Preise und Sonderangebote hin. Jedes wichtige Dokument einer Versicherung oder Kanzlei meldet seinen Standort, wenn es gesucht wird. Drahtloses Sensor-Modul auf Bluetooth-Basis, entwickelt an der ETH Zürich. Das Regal bestellt schnell drehende Güter selbstständig nach und bestimmt den Preis der Produkte aufgrund der Nachfrage, Verderblichkeit und Uhrzeit. Das Auto startet nur dann, wenn der Fahrer das Lenkrad anfasst und er dabei automatisch korrekt authentifiziert wird. Der Transportbehälter weiss jederzeit, mit welchen Inhalten er beladen ist, woher er kommt und wann er wo sein muss. Tritt irgendeine Störung ein, wird er beispielsweise in einer Werkshalle vergessen, also länger nicht bewegt, so meldet er sich automatisch beim Vorarbeiter. Das Autoersatzteil kann fälschungssicher und lückenlos seine gesamte Lebensgeschichte wiedergeben von der Produktion über Transport, Lagerung und Einbau bis zur Entsorgung. Betriebswirtschaftlicher Nutzen vernetzter Dinge Mit der Informationstechnologie des Ubiquitous Computing können in den nächsten zwei bis fünf Jahren die meisten physischen Güter von «dummen Dingen» in «intelligente, aufmerksame Dinge» umgewandelt werden: Jedes Produkt bzw. Produktionsmittel erhält einen kleinen, kostengünstigen und leistungsstarken Mikrochip und wird damit zum «Ding, das denkt». Dinge, die denken, können selbstständig Informationen aus ihrer Umgebung aufnehmen (Temperatur, Lagerort), verarbeiten (Temperatur zu hoch? Lagerort richtig?), versenden (Achtung, Temperatur wir bald zu hoch, hier bin ich) und damit ohne menschliche Intervention und ohne Medienbruch untereinander und mit der IT-Welt (unternehmensinterne Systeme, Internet) kommunizieren. Intelligente Dinge automatisieren die Dateneingabe. Sie verhindern damit Medienbrüche und führen zu 1/2002 9

10 WISSENSCHAFT UND PRAXIS neuen inner- und überbetrieblichen Prozessen. Ein häufig genanntes Beispiel für einen Medienbruch ist die mehrfache Erfassung eines Auftrags in unterschiedlichen betrieblichen Informationssystemen innerhalb einer Wertschöpfungskette. Ein Medienbruch ist vergleichbar mit einem fehlenden Glied in einer Informationskette und ist Mitursache für Langsamkeit, Intransparenz, Fehleranfälligkeit etc. inner- und überbetrieblicher Prozesse. UC adressiert das zurzeit grösste Problem der Informationsverarbeitung: den Medienbruch bei der Dateneingabe. Ihr Ziel ist es, die physische Welt (Menschen, Produkte, Betriebsmittel etc.) mit der Informationssystemwelt (z. B. ERP-, EC- und SCP-Systeme sowie lokale, regionale und globale Informationsnetzwerke) zeitnah und kostengünstig zu vernetzen und damit die Lücke zwischen der physischen betrieblichen Realität und ihrem informationstechnologischen Abbild zu schliessen (vgl. Abbildung 2). Dies gelingt erst dann, wenn es den Menschen als Mediator zwischen physischer und informatischer Welt nicht mehr braucht, d.h. wenn physische Ressourcen ohne menschliche Intervention automatisch mit den Rechnernetzwerken (oder unter sich) kommunizieren. Mit den heute in der Praxis eingesetzten Technologien zur Vernetzung von physischen Ressourcen mit Informationssystemen wie z.b. der Dateneingabe von Hand über die Tastatur, der Spracheingabe oder dem Scannen von Barcodes ist dies noch nicht möglich. Aktuelle Entwicklungen im Bereich von passiven und aktiven Tags, die auf der Radio-Frequency-Identification-(RFID-)Technologie Händische Dateneingabe Spracheingabe Scannen von Barcodes Passive Tags Aktive Tags Lücke zwischen physischer und informatischer Welt Kosten der Dateneingabe Virtuelle Welt («Bits») Inner- und überbetriebliche Informationssysteme (z.b. ERP) Lokale, regionale und globale Kommunikationsnetzwerke (z.b. Internet) Physische Welt («Atome») Menschen Betriebsmittel Produkte Menschliche Intervention notwendig Abbildung 2: Verschmelzung der physischen mit der virtuellen Welt Keine menschliche Intervention notwendig Jahr aufbauen, zeigen jedoch einen denkbaren Entwicklungspfad auf. Sie führen zu neuen Szenarien, in welchen Unternehmen ihr physisches Anlage- und Umlaufvermögen (Dinge) animieren, d.h. mit Intelligenz ausstatten und diese intelligenten Dinge automatisch mit internen und externen Informationssystemen verknüpfen. UC ermöglicht damit eine neue Qualität von zentral und dezentral gesteuerten Prozessen, die von der dynamischen Preisbildung für eine Milchtüte (nach der Differenz zwischen der aktuellen Zeit und dem «Erntezeitpunkt», der Temperatur in der Auslage und der Qualität der um den Verkauf konkurrierenden anderen Milchtüten) bis zur inner- und überbetrieblichen Logistik reichen. 10 1/2002

11 WISSENSCHAFT UND PRAXIS Elgar Fleisch und Friedemann Mattern leiten das M-Lab. Wie beim e-business werden sich auch beim UC nur jene Technologien und Szenarien durchsetzen, die letztlich den Shareholder-Value steigern, d.h. den Wert und Gewinn von Unternehmen nachhaltig erhöhen. Intelligente Dinge vernetzen sich mobil über das Internet und ermöglichen neue Services und neue Kosten sparende Geschäftsprozesse. Sie stiften Nutzen in den Bereichen Quellennachweis, Fälschungssicherheit, 1:1- Marketing, Mass Customizing, Wartung und Reparatur, Diebstahl und Schwund, Rückrufaktion, Sicherheit und Haftung, Überwachung, Entsorgung und Wiederverwertung und Data Capturing. Intelligente Dinge führen damit zu neuen Supply-Chain-Management-, Product Life-Cycle-Management- und Customer-Relationship- Management-Prozessen. Das M-Lab Das M-Lab wurde Anfang 2001 von Prof. Dr. Elgar Fleisch (HSG) und Prof. Dr. Friedemann Mattern (ETHZ) erstmals skizziert und startete offiziell am Es konzentriert sich auf die Identifikation und Gestaltung effektiver betriebswirtschaftlicher Anwendungen intelligenter Dinge im Bereich B2B von der Idee bis zum Prototyp. Es konzentriert sich dabei auf die Branchen Life Sciences, Retail, Automotive und Logistik. Sein Ziel ist der Aufbau einer kritischen Masse an hoch qualifizierten Forschern und Praktikern im Bereich Ubiquitous Computing, die sich auf dem internationalen Parkett der Technik und der Anwendung bewegen und kurz- bis mittelfristig Wettbewerbsvorteile erarbeiten. Das M-Lab ist ein professionell geführtes Gemeinschaftsprojekt der HSG und der ETHZ. Im Kernteam arbeiten heute sieben Unternehmen mit sechs Doktoranden, einem Projektleiter und drei Professoren (Fleisch, Mattern und Österle) aus Informatik und Betriebswirtschaft über einen Zeitraum von zwei Jahren an unternehmensspezifischen und generellen Problemstellungen des Ubiquitous Computing. Partnerunternehmen des M-Lab sind Novartis, Paul Hartmann, SAP, SAP SI, Swisscom, UBS und Volkswagen. Die Unternehmen bringen Mitarbeiter, Problemstellungen ihrer Branchen, und finanzielle Mittel ein und erarbeiten gemeinsam mit dem Forscherteam Ideen, Lösungswege und Prototypen. Das M-Lab ist für die Unternehmen ein sehr kosteneffizienter Weg, die innovative Kraft des Ubiquitous Computing betriebswirtschaftlich als «Early Mover» zu nutzen. Das M-Lab ist in der internationalen Wissenschaft und Wirtschaft verankert, hat lokale Präsenz, arbeitet global mit den besten Instituten im Bereich Ubiquitous Computing zusammen und kombiniert die geschäftliche (HSG) und die technische (ETHZ) Sicht. Seit November 2001 hat das M-Lab auch einen Schreibtisch im Auto-ID-Center des MIT in Cambridge, Massachusetts. Dort arbeitet das M-Lab-Team eng mit den Forschern des MIT (Research Director ist Prof. Sanjay Sarma) an Fragen der Wirtschaftlichkeitsrechnung (auf Neudeutsch Business Case) und des Informationsmanagements (im Bereich der Phyiscal Markup Language) zusammen. Diese Ergebnisse kommen sowohl den Partnern des Auto-ID-Centers wie jenen des M-Lab zugute. M-Lab-Community Wenn der Forschritt der ehrgeizig geplanten Projektes es erlaubt, dann sollen einige Ergebnisse des M-Lab ab Oktober 2002 einer breiteren Masse von Unternehmen zugänglich gemacht werden. Das Preisgefüge dieses M-Lab-Community-Services soll so gestaltet sein, dass auch kleine und mittelgrosse Betriebe vom entstehenden Know-how am M-Lab profitieren können. Unternehmen können schon heute über ihr Interesse anmelden. M-Lab-Kontaktadresse: Oliver Christ (Projektleiter), Telefon , Fax , IT-basierte Spinn-offs aus dem IWI-HSG: IMG AG, St.Gallen, basierend auf der Innovation «Business Process Redesign auf Basis integrierter ERP-Systeme» Namics AG (vormals Delta), basierend auf der Innovation des Internets Intellion AG, basierend auf der Innovation des Ubiquitous Computing 1/

12 WISSENSCHAFT UND PRAXIS Unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement Nachhaltigkeit bzw. «Sustainability» ist seit dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro ein grosses politisches Projekt auf internationaler und nationaler Ebene. Es ist mittlerweile aber auch zu einem wirtschaftlichen Projekt geworden, welches Unternehmen und Märkte beeinflusst. Ganz unterschiedliche Nachhaltigkeitstreiber sorgen dafür, dass dieses Thema in den Unternehmen eine deutlich zunehmende Aufmerksamkeit findet. Von Thomas Dyllick * Die Treiber reichen von der Herausforderung der Nachhaltigkeitsprobleme selber über politische Programme, öffentlichen Druck, Forderungen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bis zu den Auswirkungen technischer Problemlösungen auf dem Markt, dem Einfluss nachhaltiger Kapitalanlagen und ergrünender Kapitalmärkte sowie Konkurrenzaktivitäten. Hieraus ergeben sich für Unternehmen einerseits Nachhaltigkeitsrisiken, andererseits Nachhaltigkeitschancen. Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen macht zudem deutlich, dass Nachhaltigkeit auf dem besten Wege ist, zu einem Managementprojekt zu werden. So sind neben Umweltmanagementsystemen (ISO er- Familie, EMAS) soziale Managementsysteme getreten (SA 8000, AA 1000), und im Schosse der British Standards Institution wird derzeit mit dem SIG- MA-Projekt (Sustainability: Integrated Guidelines for Management) eine neue Norm für Nachhaltigkeitsmanagementsysteme entwickelt. Prinzipien eines Nachhaltigkeitsmanagements Worum geht es, wenn wir von nachhaltigem Wirtschaften oder von Nachhaltigkeitsmanagement sprechen? Drei Prinzipien spielen hier eine Rolle. Es geht zum Ersten darum, vom Einkommen zu leben, nicht vom Kapital. Während dieses «Prinzip der Kapitalerhaltung» im wirtschaftlichen Bereich schon immer ein gleichermassen erfolgreiches wie auch verantwortungsvolles Wirtschaften gekennzeichnet hat, ist seine Anwendung auf das ökologische und soziale Kapital alles andere als selbstverständlich. Zum Zweiten geht es darum, kurzund langfristige Aspekte zu integrieren. Dieses «Prinzip der Dauerhaftigkeit» verlangt, wirtschaftliche Entwicklungen in zeitlicher Perspektive so auszurichten, dass sie auf Dauer aufrechterhalten werden können. Von einer für das Nachhaltigkeitsziel grundsätzlich problematischen Bedeutung ist dabei die finanzwirtschaftliche Praxis einer Abdiskontierung zukünftiger Erfolge auf die Gegenwart, wonach gleich grosse Erträge geringer zu bewerten sind, wenn sie erst in der Zukunft eintreten. Zum Dritten geht es schliesslich darum, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in die Entscheide und Massnahmen integriert zu betrachten. Dies impliziert ein dreidimensionales Erfolgskonzept, somit eine dreidimensionale Wertschöpfung («triple bottom line»). Dahinter steht eine sehr viel breitere Konzeption von «Kapital», die im Rahmen des wirtschaftlichen Kapitals neben dem Finanzkapital auch Das Institut für Wirtschaft und Ökologie (IWÖ-HSG) an der Universität St.Gallen unterstützt durch vielfältige Aktivitäten die Integration ökologischer Aspekte in die Wirtschaftspraxis. Eine wichtige Plattform für die Diskussion aktueller Forschungsergebnisse ist das St.Galler Umweltmanagement Forum, das im November 2001 zum dritten Mal stattfand. Der Themenschwerpunkt 2001 war «Unternehmerische Nachhaltigkeit Auf dem Weg zu einem Sustainability Controlling». Vorgestellt wurden dabei u.a. die Konzeption einer «Sustainability Balanced Scorecard», aktuelle Tendenzen in der unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung und das Bewertungskonzept für den «Dow Jones Sustainability Index». Ziel des eintägigen Forums ist die Förderung der Kommunikation zwischen Teilnehmenden und Referenten sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. So werden vormittags in konzentrierter Form Schlüsselinformationen durch ausgewiesene Experten aus Forschung und Praxis vermittelt. Dabei wird ein Drittel der Zeit für den Dialog mit den Teilnehmenden reserviert. Am Nachmittag werden dann die Erfahrungen der Teilnehmenden systematisch in Workshops eingebunden. Die Ergebnisse der Tagung werden im Internet dokumentiert (www.iwoe.unisg.ch/forum2001). Der intensive Austausch mit Unternehmen auf dem Forum hat dem IWÖ-HSG neben einem hervorragenden Ruf als praxisnaher Konferenzveranstalter wichtige Anstösse für die Initiierung neuer Forschungsprojekte gebracht. 12 1/2002

13 WISSENSCHAFT UND PRAXIS Realkapital und intellektuelles Kapital umfasst, darüber hinaus aber auch natürliches Kapital, womit natürliche Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen gemeint sind, sowie soziales Kapital, welches Humankapital, aber auch gesellschaftliches Kapital (z.b. Beziehungen zu den Sozialpartnern) umfasst. Der Nutzen nachhaltiger Unternehmensleistungen Nachhaltige Unternehmensleistungen sind Marktleistungen, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte im Sinne des dreidimensionalen Erfolgskonzeptes integrieren. Die Frage des wirtschaftlichen Nutzens nachhaltiger Unternehmensleistungen dürfte für eine weitere Verbreitung nachhaltiger Unternehmensstrategien von zentraler Bedeutung sein. Fünf Nutzendimensionen lassen sich unterscheiden: 1. Verminderung bzw. Beherrschung von Risiken: Nachhaltigkeitsprobleme, z.b. in den Bereichen Klimaschutz, Mobilität, Armut, Gentechnologie oder Biodiversität, verlangen nach Lösungen. Solche werden auf politischem Weg, durch den Druck von NGOs und durch Marktkräfte bewirkt. Hieraus ergeben sich Risiken für die betroffenen Branchen und Unternehmen, die sich in Form von Handlungsrisiken (z.b. Verhinderung von Freisetzungsversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen), Finanzrisiken (z.b. Haftungs- und Kreditrisiken) oder Reputationsrisiken (z.b. Boykottmassnahmen) manifestieren. Nachhaltigkeitsmanagement ist diesbezüglich als Strategie einer aktiven Verminderung und Beherrschung solcher Unternehmensrisiken zu sehen. 2. Verbesserung von Image, Reputation und Glaubwürdigkeit: Nachhaltigkeitsstrategien können einerseits als aktive oder auch antizipative Massnahmen im Hinblick auf den Schutz vor möglichen Risiken angesehen werden (Sicherung von Glaubwürdigkeitspotenzialen z.b. im Falle von Chemieunternehmen oder Mobilfunkanbietern), sie stellen andererseits aber auch unabhängig von drohenden Risiken eine Möglichkeit zum Aufbau positiver Image- oder Reputationspotenziale dar. Angesichts der hohen Bedeutung immaterieller Faktoren für die Börsenbewertung spielt hier ein gezieltes Reputationsmanagement eine besondere Rolle. 3. Verbesserung von Produktivität bzw. Effizienz: Insbesondere im Ökologiebereich haben sich Strategien der gezielten Verbesserung der Öko- Effizienz fest etabliert, weil sie vielfältige Verbesserungen der Produktivität ermöglichen. Aber auch im Sozialbereich finden sich Ansatzpunkte für eine Stärkung der Motivation und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern und Partnern durch eine explizite Einbeziehung sozialer Anliegen in die Entscheidungsverfahren (z.b. Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen, Berücksichtigung der Anliegen von Anwohnern und Betroffenen bei der Ansiedlung oder auch Finanzierung neuer Anlagen). 4. Differenzierung im Markt: Eine bewusste Ausrichtung der Produkte und Leistungen an Kriterien der Nachhaltigkeit eröffnet Differenzierungsmöglichkeiten im ökologischen und sozialen Bereich. Ökologische oder soziale Produktdifferenzierungen finden sich heute in vielen Märkten (z.b. Bio- Lebensmittel, Niedrigenergiehäuser, Fair Trade Produkte, Kosmetika ohne Tierversuche etc.). Sie stellen eine interessante Möglichkeit zur Differenzierung des eigenen Leistungsangebots dar, indem Kunden ein Mehrwert im Nachhaltigkeitsbereich verschafft wird. 5. Innovationschancen durch nachhaltige Marktentwicklungen: Sehr viel grundlegenderer Natur sind Marktentwicklungen, welche aufgrund des Drucks von Nachhaltigkeitsproblemen zu breitflächigen Transformationen ganzer Bedürfnisfelder oder Märkte führen. Zu denken ist hierbei an neue Formen und Technologien in den Bereichen Energiegewinnung, Bauen und Wohnen, Kommunikation, Transport und Verkehr, Lebensmittel und Ernährung, Pharmazeutika sowie Ressourcenproduktiviät und -management. Die fünf Nutzendimensionen zeigen, wie nachhaltige Unternehmensleistungen über den Nutzen für das Unternehmen hinaus gleichzeitig einen Mehrwert für Kunden und gesellschaftliche Anspruchsgruppen schaffen. * Professor für Umweltmanagement, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie und Vorstand der Betriebswirtschaftlichen Abteilung, Universität St.Gallen 10. Ehemaligen-Forum Freitag, 7. Juni 2002,Weiterbildungszentrum HSG Management der Ungewissheit die Herausforderung der Zukunft Neue und unberechenbare Risiken in Wirtschaft und Gesellschaft fordern ein Management der Ungewissheit. Dieses Forum ergründet Ursachen und Konsequenzen der zunehmenden Unsicherheiten und versucht, aus unterschiedlichen Perspektiven Lösungen zur Bewältigung dieser Unsicherheiten aufzuzeigen und zu diskutieren. Das ausführliche Programm liegt dieser «alma» bei. Weitere Informationen unter 1/

14 INTERVIEW Studierende sollen sich vermehrt mit Lateinamerika beschäftigen Seit einigen Jahren existiert an der Universität St.Gallen ein Fonds für Lateinamerika-Studien. Er soll Anreize dafür schaffen, dass sich akademischer Nachwuchs professionell mit Lateinamerika beschäftigt. Ein Interview mit Professor Dr. Jean-Max Baumer und Dr. Alfred Signer, Absolvent der HSG und seit kurzem Präsident des Fonds. Alma Herr Professor Baumer, Sie und Dr. Alfred Signer gehören zu den Verantwortlichen für den Fonds der Universität St.Gallen für Lateinamerika-Studien. Was ist der Zweck dieses Fonds? Baumer Der Hauptzweck des Fonds besteht im Schaffen von Anreizen, damit sich akademischer Nachwuchs in der Schweiz professionell mit Lateinamerika beschäftigt. Wirtschaft und Staat brauchen Universitätsabsolventinnen und -absolventen, die mit Lateinamerika vertraut sind. Dabei genügt es nach unseren Erfahrungen nicht, dass unsere Hauptzielgruppe, die Studierenden, Spanisch oder Portugiesisch spricht oder sprechen lernt. Vielmehr ist es das zentrale Anliegen des Fonds und seiner Sponsoren, dass an den Schweizer Universitäten im Allgemeinen und an der Universität St.Gallen im Besonderen das Interesse wach bleibt, sich mit den sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen in Lateinamerika fundiert auseinander zu setzen. Die Schweizer Wirtschaft und Verwaltung braucht mit Lateinamerika vertraute Absolventen und Absolventinnen, die mehr als nur gerade Buenos dias oder Bom dia sagen können. alma Herr Signer, bestimmt unterstützt der Fonds Studienprojekte in Lateinamerikanistik, die von Studierenden und Forschenden an Universitäten eingereicht werden? Signer Leider nein; der Fonds ist aus finanziellen Gründen ausser Stande, Forschungsarbeiten an sich zu finanzieren. Stattdessen werden abgeschlossene und besonders gut gelungene Forschungsarbeiten in Form von Dissertationen und Diplomarbeiten mit Preisen ausgezeichnet. alma Wie sehen diese Preise aus und welchen Bedingungen unterliegen sie? Baumer Die Preise richten sich nach den Noten; Dissertationen mit Note 5,5 erhalten Fr , mit Note 6,0 Fr Preisgeld. Auch Dissertationen anderer Schweizer Universitäten qualifizieren sich für den Lateinamerika-Preis. Diplomarbeiten mit Note 5,5 erhalten Fr , mit Note 6,0 Fr Preisgeld. Die Auszeichnung von Diplomarbeiten beschränkt sich auf die Universität St.Gallen. Nebst den erforderlichen Noten gibt es vier Prämierungsbedingungen: Lateinamerika muss der zentrale Forschungsgegenstand sein; das Thema muss aus einer an der Universität St.Gallen gelehrten Disziplin stammen; die Forschungsarbeit muss mit den liberalen Überzeugungen der Sponsoren vereinbar sein, und schliesslich muss das Werk von Respekt für lateinamerikanische Geschichte und Kultur getragen sein. alma Hat die Schweizer Wirtschaft an jeder Universität einen derartigen Fonds etabliert? Signer Einen derartigen Fonds gibt es aus vielen historischen Gründen nur an der Universität St.Gallen. Die Vertreter der Sponsoren aus der Schweizer Wirtschaft und der Universität St.Gallen sind indessen anlässlich der letzten Reglementsrevision des Fonds zur Auffassung gekommen, dass der Fonds grundsätzlich gute Abschlussarbeiten zum Thema Lateinamerika aller Schweizer Universitäten prämieren sollte. Überlegungen zur Praktikabilität haben uns allerdings zur Einsicht gezwungen, dass wir das administrativ nur schaffen können, wenn wir uns bei der Prämierung von Arbeiten aller Schweizer Universitäten auf Dissertationen beschränken. Diplomarbeiten zu Lateinamerika-Themen müssen somit zwingend an der HSG geschrieben werden, wenn eine Auszeichnung durch den Lateinamerika-Fonds anstrebt wird. Preise für an der HSG oder an anderen Schweizer Universitäten geschriebene und vom Beirat prämierte Arbeiten werden jährlich am Dies Academicus der Universität St.Gallen vom Rektor überreicht. alma Wieso gibt es einen Fonds für Lateinamerika- Studien nur an der Universität St.Gallen? 1/

15 INTERVIEW Baumer Die historischen Gründe sind vielfältig wurde an der HSG ein Lateinamerika-Institut gegründet, als dieser Subkontinent noch wenig bekannt war, aber infolge schwerer politischer Unsicherheiten in Asien (China, Korea, Indochina) als wichtiger Teil der westlichen Hemisphäre ins Bewusstsein rückte. Die meisten nordamerikanischen und europäischen Lateinamerika-Institute wurden in dieser Zeit ins Leben gerufen. Vor allem die Wirtschaft hatte an ihnen ein grosses Interesse und förderte sie grosszügig. Das Institut an der HSG existierte bis 1992; die Schliessung erfolgte aus zwei Hauptgründen: finanziellen sowie lehr- und forschungsbezogenen. Wie alle HSG-Institute musste auch das Lateinamerika-Institut finanziell selbsttragend sein; aber im Unterschied zu allen anderen Instituten wies es keine disziplinäre, sondern eine geografische Orientierung auf. Ein winziger Assistentenstab war aber durch vielfältige Anfragen auch ausserhalb der HSG-Studiengebiete überfordert. Auch die strenge Fokussierung auf rein wirtschaftliche Abklärungen erwies sich als immer schwieriger, da die Privatwirtschaft inzwischen in ganz Lateinamerika breit etabliert war. Ausserdem hätte man ja vor allem wissenschaftliche Fragen erforschen müssen, die wiederum die Praxis begreiflicherweise nicht unmittelbar interessieren. Die Verschuldungskrise Lateinamerikas in den Achtzigerjahren reduzierte dann das Interesse vieler Förderer und erschwerte zusätzlich die Situation. Der zweite Hauptgrund war die fehlende Synergie zwischen meinem Hauptberuf in Volkswirtschaftslehre und dem Spezifikum Lateinamerika. Ich zog am Strick in zwei ganz verschiedene Richtungen, denn es gab keine Vorlesungen über Lateinamerika. Während meine Kollegen neue Lehrbücher über Volkswirtschaftslehre studierten, rannte ich dem Auftragsgeld für Studien nach, die für meine Lehrveranstaltungen praktisch nicht verwertbar waren. Es war eine berufliche Zerreissprobe. Ich musste mich schliesslich nach 21 Jahren für meinen Hauptberuf entscheiden. So kamen die Förderer und die HSG überein, das Institut zu schliessen. Entlassungen gab es nicht, denn die Belegschaft bestand schon seit vielen Jahren aus meinen HSG-Assistenten, die für das Institut statt für meine Professur arbeiteten. Je hälftig aus den noch verbliebenen Reserven des Instituts und seiner Förderungsgesellschaft sowie aus dem Kapital des «Armin Bollinger-Stipendienfonds an der HSG» wurde der Fonds gegründet, um damit eine Lateinamerika-Orientierung der HSG in anderer Form zu erhalten. alma Ganz praktisch: Wie kommt jemand, der eine mit 5,5 oder 6 oder gleichwertig benotete Dissertation Dr. Alfred Signer und Professor Dr. Jean-Max Baumer. anderswo als in St.Gallen geschrieben hat, zu einer Preisentscheidung des Beirats des Fonds und hoffentlich zu seinem verdienten Preis? Signer Kandidaten mit formal beschlossener Doktoratsnote senden bis spätestens am 15. Dezember ihren Lebenslauf, ein die Note bestätigendes Empfehlungsschreiben ihres Referenten sowie ein Exemplar der Arbeit an das Rektorat der Universität St.Gallen. Der Beirat prüft die Arbeit und die Universität unterrichtet den Kandidaten über das Ergebnis. alma Herr Baumer, Sie haben vorher gesagt, dass eine zu prämierende Arbeit mit den liberalen Überzeugungen der Sponsoren des Fonds vereinbar sein müsse. Öffnet das dem Beirat nicht Tür und Tor für konservative Beurteilungen? Kritische Arbeiten, zum Beispiel solche, welche der heutigen Globalisierung nicht das Wort reden, könnten doch so aus Abschied und Traktandum fallen, selbst wenn sie fundiert sind und die formalen Notenvoraussetzungen erreicht haben. Baumer Das sehe ich mit Blick auf die internen Prämierungsrichtlinien des Fonds und bei der derzeitigen Zusammensetzung des Beirats keineswegs so. Zwar muss eine zu prämierende Arbeit den liberalen Einstellungen der Sponsoren auf der Grundlage einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entsprechen. Das schliesst indessen kritische Arbeiten keineswegs aus. Die Förderung eines verantwortungsvollen privaten Wirtschaftssektors ist ein weiteres entscheidungleitendes Kriterium des Beirats, und da liegt in der Welt und in Lateinamerika eben vieles im Argen. Zum Beispiel ist der Beirat des Lateinamerika-Fonds besorgt darüber, dass es sehr viele konkrete Hindernisse gibt, die den Trickle-down der Vorteile der globalisierten Weltwirtschaft auf die Armen Lateinamerikas konkret behindern. Das gibt bestimmt sehr viel Raum für gute kritische Arbeiten, die wir prämieren wollen. An- 16 1/2002

16 INTERVIEW derseits stehen wir aber auch dazu, dass der Beirat keine Arbeit belohnen wird, welche grundsätzlich dem Credo freiheitsbeschränkender Konzepte verpflichtet ist. Signer Die internen Preiskriterien sehen auch vor, dass eine Arbeit der Fairness gegenüber und dem Respekt vor Lateinamerika verpflichtet sein muss. Eine zu prämierende Arbeit muss die oft schwierigen politischen und wirtschaftlichen Probleme in Lateinamerika angemessen differenziert beurteilen. Der landeseigenen Geschichte und Kultur ist Rechnung zu tragen. Der Beirat will keine Arbeiten prämieren, die aus globaler oder europäischer Warte belehren, pauschalisieren oder gar verunglimpfen. Konservative Sprüche ohne Substanz, wie gut benotet auch immer, werden uns nicht zu Prämierungen verleiten. Wir wollen die Fettnäpfe rechts und links unseres Weges vermeiden. alma Sie beide, die «guten Willens» sind, haben also im Beirat des Lateinamerika-Fonds das Sagen? Signer (lacht) Das haben wir, in den Grenzen der Reglementsbestimmungen und der internen Richtlinien, aber keineswegs alleine: Der Beirat besteht aus mindestens fünf vom Senat gewählten Mitgliedern, wovon zwei Professoren an der Universität St.Gallen sein müssen. Die Meriten von Professor Baumer und seine aufgeschlossenen Bemühungen um Lateinamerika sind allen Absolventen in St.Gallen präsent. Es ist insbesondere sein persönliches Verdienst, dass in St.Gallen immer noch mehr Arbeiten zu lateinamerikanischen Themen geschrieben werden als an jeder anderen Schweizer Uni. Baumer Alfred Signer, 1973 Absolvent der HSG, ist kürzlich zum Präsidenten dieses Fonds gewählt worden. Das Reglement des von der Privatwirtschaft und von privaten Gönnern gesponserten Fondsvermögens verlangt, dass ein Vertreter der Schweizer Wirtschaft den Präsidenten des Fonds stellt. Dr. Signer arbeitet im Länderrisikomanagement der UBS AG in Zürich, einem der Sponsoren des Fonds. Seine praktischen Lateinamerika-Erfahrungen hat er sich von 1979 bis 1984 in Brasilien beim Nutzfahrzeugbauer Mercedes Benz do Brasil in São Paulo geholt. alma Zurück zum Zweck des Lateinamerika-Fonds, der Förderung von Universitätsabsolventen und -absolventinnen mit vertiefter Lateinamerika-Erfahrung. Der Fonds möchte dies auf dem Weg der Ausrichtung von Preisen für gute Dissertationen und HSG-Diplomarbeiten zu Lateinamerika-Themen erreichen. Ist das nicht etwas elitär? Müsste der Fonds nicht auch andere Instrumente haben, die auf die Mittelklasse der Studenten mit Interesse an Lateinamerika zielen? Signer Einerseits hoffen wir natürlich, dass sich mehr Absolventen mit Lateinamerika befassen, wenn es etwas zu gewinnen gibt. Aber ganz klar, jeder Hochschulstudierende, der sich mit Lateinamerika befasst, liegt auf der Zielkurve des Fonds, auch jene, die keine Preise erhalten. Die Frage, wie man das Interesse an Lateinamerika allen Studierenden näher bringen soll, ist deshalb in der Tat berechtigt. Der Beirat wird sich intensiv mit diesem Problemkreis befassen müssen. Früher war es einer der Schwerpunkte der Lateinamerika-Förderung an der Hochschule St.Gallen, das Lateinamerika-Institut oder die HSG-Bibliothek mit wissenschaftlichen Werken zu bestücken helfen, die sich besonders mit Lateinamerika befassen. Im Zuge der zu erwartenden elektronischen Vernetzung von Universitätsbibliotheken und des elektronischen Zuganges zu Fachbibliotheken sehen wir keinen Sinn mehr darin, den physischen Aufbau von Bibliotheken mit lateinamerikanischer Fachliteratur zu fördern. Aus diesem und aus anderen Gründen suchen wir Förderungsalternativen, um alle Studierenden an der HSG und in der Schweiz vermehrt an Lateinamerika zu interessieren. Unter anderem wäre es denkbar, dass der Fonds eine eigene Website aufbaut, um dort Links zu möglichst vielen lateinamerikanischen Tages- und Wochenzeitungen sowie zu wirtschaftlichen, zu sozialwissenschaftlichen und zu rechtlichen Publikationen in und über Lateinamerika anzubieten. Neben dieser Idee wird der Beirat noch viele andere Alternativen suchen und prüfen wollen. Baumer Gerne packen wir die Gelegenheit beim Schopf, um alle HSG-Studierenden, Absolventen und Mitglieder des Lehrkörpers einzuladen, uns ihre Ideen zu unterbreiten, wie die Mehrheit der Studierenden an der HSG und an Schweizer Universitäten wirkungsvoll dazu gebracht werden kann, sich grundsätzlich und im Rahmen der an der Universität St.Gallen gelehrten Disziplinen vertieft mit Lateinamerika zu befassen. 1/

17 EHEMALIGE IM PORTRÄT Der Stoff, aus dem die Träume sind «Für die meisten Kunden haben wir nur einen einzigen Stoff: den idealen.» Mit diesem Credo hat das Textilunternehmen Création Baumann auch heute noch Erfolg. An der Bern-Zürich-Strasse in Langenthal ist das Darben der Textilindustrie kein Thema. Dem Betrieb geht es gut, die Arbeitnehmenden sind zufrieden. Philippe Baumann, Absolvent der Universität St.Gallen und Geschäftsführer, hat im vergangenen Jahr die Führung der Geschäftsleitung übernommen. Von Reto Pfändler Die heutigen Beziehungen von Philippe Baumann zur Universität haben eher exemplarischen Charakter. Sein Unternehmen diene Marketingstudentinnen und -studenten als Fallbeispiel, erzählt er. Gleichzeitig ist HSG- Professor Christian Belz Mitglied des Verwaltungsrates der Création Baumann AG. Sonstige Beziehungen zur HSG pflegt der erfolgreiche Textilunternehmer keine mehr. Besondere Studienkollegin Trotzdem denkt Philippe Baumann gerne an seine Zeit in St.Gallen zurück. Ein Grund, weshalb er die HSG für sein Studium wählte, war die Distanz zum Elternhaus in Langenthal. «Ich wollte selbstständig sein», sagt Philippe Baumann. Und das wäre mit einem Studium an der Universität Bern nicht möglich gewesen. Denn als Langenthaler wohnt man während der Studienzeit in der Kantons- und Bundeshauptstadt zu Hause. Zudem besuchten gute Freunde die HSG, deren guter Ruf auch im «Bernbiet» bekannt ist. In St.Gallen angekommen, präsentierte sich vor allem der Anfang des Studiums als sehr anspruchsvoll und herausfordernd. Als Negativpunkt führt Philippe Baumann denn auch nur den Prüfungsstress an. Gerne erinnere er sich an die vielen Freunde, den Sport, die Zeit für die Kultur und an eine ganz besondere Studienkollegin. Ihr Name ist Prisca Inderbitzin, und sie wurde die Philippe Baumann führt die Création Baumann in vierter Generation. (Foto: pd) 18 1/2002

18 Ehefrau des ehemaligen Studenten aus Langenthal. Mittlerweile sind sie Eltern von zwei Söhnen, Lorenz ist drei und Alexander zwei Jahre alt. So scheint der Fortbestand des Familienunternehmens Création Baumann auch für die fünfte Generation gesichert. Seit bald zwei Jahren führt Philippe Baumann in vierter Generation das Langenthaler Textilunternehmen. Sein Vater Jörg Baumann übergab die operative Führung seinem Sohn und blieb selber Präsident des Verwaltungsrates. In den nächsten Jahren wolle er den Generationswechsel erfolgreich abschliessen, nennt Philippe Baumann als nächstes Ziel. Wichtig sei ihm aber auch, die Arbeit so zu organisieren, dass genügend Zeit für die Familie bleibe. EHEMALIGE IM PORTRÄT Ziel erreicht Einmal den Betrieb zu übernehmen, sei für ihn schon klar gewesen, als er sich für das Studium an der HSG entschieden habe, erinnert er sich. Gleichzeitig war es Philippe Baumann wichtig, nach dem Studium mehrere Jahre Berufserfahrung in anderen Branchen und Firmen zu sammeln. So war er während zwei Jahren bei der Ascom als Lizenzverantwortlicher eines Verschlüsselungssystems tätig. Zu seinem praktischen «Rucksack» gehören aber auch Tätigkeiten in Italien bei Adia International, in den USA bei Donghia Fabrics und in Genf bei ATAG Ernst&Young. Zeitgleich mit der Übernahme der Geschäftsführung durch ein Mitglied der vierten Generation überstieg der Umsatz von Création Baumann erstmals die 70-Millionen-Franken-Grenze. Philippe Baumann ist der Patron von rund 200 Beschäftigten in der Schweiz und weiteren 56 Angestellten im Ausland. Mehr als drei Viertel aller Produkte aus Langenthal gelangen in den Export. Dieser Exportanteil wurde über Jahrzehnte erarbeitet. Begonnen hatte damit der Grossvater von Philippe Baumann zusammen mit seinem Bruder in den Dreissigerjahren. Jörg Baumann, sein Vater, trat 1962 ins Unternehmen ein und übernahm 1976 die Leitung. Zu Beginn der Sechzigerjahre belief sich der Umsatz gerade auf 4,5 Millionen Franken nicht einmal die Hälfte davon wurde im Export erwirtschaftet. Vor rund 22 Jahren wurde Création Baumann konsequent und weltweit als Markenname eingeführt. Mit Erfolg, denn schon 1985 erreichte der Umsatz erstmals die Grenze von 40 Millionen Franken. Bekannte Objekte Die Chance, mit einem Produkt aus Langenthal in Kontakt zu kommen, besteht bei einer ganzen Reihe Création Baumann steht für hochwertige Vorhangund Dekorationsstoffe. (Foto pd) von bekannten Objekten auf der ganzen Welt. Textilien von Création Baumann wurden jüngst beispielsweise im Pariser Hotel Ritz Carlton, im Tokioter Imperial Hotel, in der Schweizer Botschaft in Berlin, im Madrider Finanzministerium, bei der Swiss Re in Zürich, im Louvre in Paris und im Schauspielhaus in Zürich eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen schweizerischen Textilunternehmen kann sich Création Baumann auf dem Markt behaupten. Erfolgreich hat sich das Unternehmen als Anbieter von hochwertigen Vorhang- und Dekorationsstoffen positioniert. Diese Position zu halten und auszubauen, hat sich Philippe Baumann zum Ziel gesetzt. Das Rüstzeug dazu hat er sich sicherlich auch an der Universität St.Gallen geholt. «Unternehmensführung hat viel mit Erfahrung zu tun», ist er jedoch überzeugt. Deshalb plädiert er dafür, das betriebswirtschaftliche Studium mit Berufserfahrung zu verbinden. Erst dann ergäben sich nachhaltige Resultate, sagt er. An der HSG habe er vor allem gelernt, gewissenhaft und hartnäckig auf ein Ziel hinzuarbeiten. Die Idee der sinnvollen Verbindung von Studium und Praxis setzte Baumann während des Studiums zusammen mit drei Freunden in der studentischen Arbeits- 1/

19 EHEMALIGE IM PORTRÄT vermittlungsstelle «Publink» um. Während drei Jahren vermittelte Publink Teilzeitstellen und Praktika. Studentenschaft wie auch Firmen hätten diese Dienstleistung sehr geschätzt, erinnert er sich. Kultur und Stakeholder Im Gespräch mit Philippe Baumann wird seine enge Verbindung zu Langenthal und zum Unternehmen immer wieder deutlich. In Langenthal ist er aufgewachsen, und hier hat er auch die Primar- und Sekundarschule besucht. Danach folgte das freie Gymnasium in Bern. In seiner Freizeit spielt Baumann Tennis oder widmet sich kulturellen Aktivitäten. Er ist im Vorstand des Kunsthauses Langenthal und im Verwaltungsrat des Design Centers. Zusammen mit seiner Frau ist er auch Mitglied eines Literaturclubs. Am liebsten liest Philippe Baumann Prosa mit lebensphilosophischem Hintergrund. Als Beispiel nennt er die «Ansichten eines Clowns» von Heinrich Böll. Nicht ganz alltäglich ist auch sein Verhältnis zum Unternehmen, zu seinen Beschäftigten und zum Erfolg. So fehlt im Unternehmensleitbild die Erwähnung der Aktionäre. Vielmehr heisst es: «Die Interessen der Firma und die sozialen Ansprüche der Mitarbeiter sollen in gleicher Weise befriedigt werden.» In der Umsetzung sieht es so aus, dass die Beschäftigten seit mehreren Jahren in den Genuss von Prämien kommen, die sich nach dem Erfolg des Geschäftes richten. Damit würden Anreize für alle geschaffen, sich voll zu engagieren, sagt Baumann. So werde aber auch die Basis gelegt für ein langfristiges erfolgreiches Bestehen des traditionsreichen Unternehmens. Mit den edlen Stoffen aus Langenthal wird wohl ein Stück Schweizer Textilgeschichte noch lange weiter geschrieben werden können. Denn auch diese Branche sehnt sich nach dem Stoff, aus dem die Träume sind. Einladung zu einem Aulavortrag Donnerstag, 17. Januar 2002, Uhr, Aula der Universität St.Gallen Wolfgang Schürer Dr. h.c. der Universität St.Gallen, Distinguished Professor der Georgetown University, Washington, D.C., spricht zum Thema Lebenslanges Lernen: Brauchen wir eine erweiterte Universität? Wolfgang Schürer, der an der HSG das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Lizentiat abschloss, gründete 1969 das Internationale Studentenkomitee ISC, bis heute eine der nachhaltigsten studentischen Initiativen. Rund drei Jahrzehnte lang stand er an der Spitze des vom ISC organisierten Internationalen Management Symposiums und verankerte damit das Markenzeichen «HSG» weltweit in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gründete er seine eigene Beratungsfirma, die heute international tätig ist. Wolfgang Schürer ist daneben Vorsitzender der «Stiftung Lindauer Nobelpreisträger-Treffen am Bodensee», ist Mitglied verschiedener Verwaltungs- und Stiftungsräte und Vizepräsident der HSG Alumni verlieh ihm die Universität St.Gallen die Ehrendoktorwürde der Wirtschaftswissenschaften, und vor kurzem ernannte ihn die Georgetown University in Washington, D.C., zum «Distinguished Professor in the Practice of International Business Diplomacy». Das Rektorat der Universität St.Gallen freut sich, mit Wolfgang Schürer die Reihe der Aulavorträge wieder aufnehmen zu dürfen, und lädt ganz herzlich zu diesem Anlass ein. 20 1/2002

20 ORIGINALTON Verschlägts uns die Sprache? Modern Talking»: «Studis» können sich grammatisch im Deutschen nicht mehr richtig ausdrücken, manche «Profs» radebrechen in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Fachchinesisch. «Teenies» wie «Oldies» übertreffen sich im sprachlichen «Mainstream» mit englisch klingendem «Wording». Bei «Events» der Pop-Szene, von Mode, Sport oder Werbung, da, wo sich im «Global Village» Medien, Wissenschaft und Management eingerichtet haben, ist Anglodeutsch bzw. Denglisch im Plapperton oder als Wichtiggequatsche «angesagt». Im Fernsehen rücken sie an (oder in?) «Locations» wie dem «Big Brother-Container» oder «Contests» wie Miss-Wahlen nur noch auf Dummdeutsch mit der Sprache heraus. «Content» Fehlanzeige. Das Deutsche verschludert offenbar mit rasender Geschwindigkeit zu unverständlichen Gruppen-, Fach- und Sondersprachen. Englisch ist «in». Gegenwärtig führt die Beschleunigung internationaler technisch-wissenschaftlicher Entwicklung dazu, dass wir es im deutschen Sprachraum mit immer neuen und vorher namenlosen Phänomenen zu tun bekommen. Sehr geschmeidig ist die deutsche Sprache für dergleiche Wortsuche nicht. Vorzugsweise das Englische liefert das weltläufig klingende Sprachmaterial für «Laptop», «Reengineering» oder «Skateboard». Vielfach hat sich das Deutsche verabschiedet und einem oft miserablen, gleichwohl sehr funktionalen Englisch Platz gemacht. Aus verstümmelten Wörtern wie «FlexTime», englisch-deutschen Wortbastarden wie «Werbemix», idiomatischen Floskeln wie «just in time», deutsch flektierten Verben wie «gebrieft» entsteht funktionaler Managementjargon als Gemeinsprache. Immer neue Errungenschaften aus der anglo-amerikanischen «Businesswelt» drängen in den deutschen Kulturraum und bringen ihre Namen schon mit. Marketing und Management sind inzwischen längst zum sprachlichen Allgemeingut geworden, während «Shareholder-Value», «Start up» und «Cashflow» fast noch Fachbegriffe sind. So weit, vielleicht so gut. Werner Wunderlich ist Germanist und Medieävist. Er betreut das Kulturfach Medien und ist Leiter der Assessment-Stufe. Als Publizist und Kritiker ist er für Zeitungen und Opernhäuser tätig. Aber muss deswegen die deutsche Sprache auf einer primitiven Schwundstufe für die alltägliche Verständigung und im Geschäftsbereich benutzt werden? Müssen eher banale Sachverhalte durch bombastisches Wortgeklingel und stilistisch überhöhende Wortbildungen als Komposita mit «Kultur» oder «Philosophie» zur «Verkaufsphilosophie» oder «Markenkultur» aufgepäppelt werden? Unfreiwillig komisch, wenn man unschuldig nach dem Grundwort fragt. Muss umgekehrt Alltagssprache mit dem Wort «Management» andere Nomen verbinden, um simple Zeitplanung oder schlichte Verständigung eindrucksvoll erscheinen zu lassen: «Time Management», «Informationsmanagement»? Hier soll weder gesinnungstüchtiger Sprachübung noch idiotischem Sprachpurismus das Wort geredet werden. Und weder dem Volksmund noch jedem Grossmaul sollen sprachliche Eloquenz und stilistische Eleganz abverlangt werden. Aber: Wird die Sprache verramscht, verarmt das Denken mittels ihrer Begriffe und Formulierungen. Umso wichtiger, dass in der neuen Studienarchitektur der Universität St.Gallen der überlegte und angemessene Gebrauch des Deutschen wie jeder anderen vermittelten und verwendeten Landessprache gepflegt wird. Als Reflexionskompetenz, als kulturelle Kompetenz. Denn warum sollten ausländische Studierende an englischsprachigen Einrichtungen einer Schweizer Universität studieren, wenn man das in Cambridge und Oxford, Harvard oder Stanford viel besser kann? Eben dann, wenn neben der unbezweifelten fachlichen Attraktion die angestrebte Internationalität als ihre Voraussetzung die eigene Sprache pflegt und beherrscht. Wie anders sollten Studierende Denk- und Verstehensweisen ihrer eigenen Kultur und anderer Kulturen kennen lernen und anwenden können? Werner Wunderlich 1/

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Master of Science in General Management. www.wiwi.uni-tuebingen.de

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Master of Science in General Management. www.wiwi.uni-tuebingen.de Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Master of Science in General Management www.wiwi.uni-tuebingen.de GENERAL MANAGEMENT IN TÜBINGEN In einer landschaftlich und historisch reizvollen Umgebung kann die

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