Hintergrundwissen zur Konjunktur

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1 Georg-August-Universität Göttingen Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk Hintergrundwissen zur Konjunktur Was ist ein Konjunkturzyklus? Welche Konjunkturindikatoren gibt es? Welchen Rolle können Konjunkturindikatoren für die Unternehmensplanung spielen? Jörg Thomä

2 Übersicht 1. Konjunkturzyklus 2. Konjunkturindikatoren 3. Bedeutung für den Handwerker 4. Fazit 2

3 1. Konjunkturzyklus Zyklus = regelmäßig wiederkehrender Ablauf Konjunktur = Auf und Ab der wirtschaftlichen Gesamtlage Trend = langfristige Entwicklungsrichtung (Wachstumsrate) Mittelfristige Abweichungen vom Trend werden als Konjunkturschwankungen bezeichnet Neben den konjunkturellen Schwankungen gibt es: jahreszeitlich wiederkehrende saisonale Schwankungen langfristige strukturelle Schwankungen 3

4 Nominaler Umsatz im Vollhandwerk Entwicklung (Quartale ); 1996 = Trend Originalwert ifh Göttingen Quelle: ZDH 4

5 Durchschnittliche Saisonschwankungen im Handwerk Saisonkomponenten; Index (1996=100) Lebensmittelgewerbe Bauhauptgewerbe ifh Göttingen Quelle: ZDH 5

6 Beschreibung des Konjunkturverlaufs: Der Konjunkturverlauf kann an den kurzfristigen Schwankungen des realen Bruttoinlandprodukts gemessen werden Bruttoinlandsprodukt (BIP): Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden Die Veränderungsrate des von Preiseinflüssen bereinigten BIP dient als Messgröße für das reale Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft Rezession: Rückgang des realen BIP, d.h. insgesamt gibt es weniger Waren und Dienstleistungen als im Vorjahr 6

7 Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts Veränderung gegen dem Vorquartal in vh Vj. 09: 0,3 % 4.Vj. 08: -2,4 % 1.Vj. 09: -3,5 % ifh Göttingen Quelle: Sachverständigenrat 7

8 Wirtschaftswachstum in Deutschland Veränderungen des preisbereinigten BIP gegenüber dem Vorjahr in % % (2009) ifh Göttingen Quelle: Statistisches Bundesamt Tiefste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik 8

9 Konjunkturzyklus: vollständiger Bewegungsablauf von Aufschwung über Abschwung bis zum nächsten Aufschwung Ein idealtypischer Konjunkturzyklus umfasst vier Phasen und dauert ca. 3 bis 5 Jahre 9

10 2. Konjunkturindikatoren Neben dem realen BIP lässt sich das wirtschaftliche Auf und Ab auch an anderen Größen ablesen Einschätzungen der aktuellen Wirtschaftslage und Prognosen sollten daher auf Grundlage mehrerer Indikatoren erfolgen Konjunkturindikatoren stehen in zeitlicher Beziehung zur Wirtschaftslage. Sie spiegeln die aktuelle Lage entweder wider, hinken ihr hinterher oder eilen ihr voran Werden an verschiedenen Stellen veröffentlicht, z.b.: - Statistisches Bundesamt - Sachverständigenrat - Berichte zur Handwerkskonjunktur (HWKs, ZDH, Creditreform) 10

11 Frühindikatoren: kündigen den zukünftigen Verlauf an z.b.: Auftragseingänge Ist Ihr Bestand an Aufträgen gegenüber dem letzten Quartal wertmäßig gleichgeblieben, gesunken oder gestiegen? Investitionsbereitschaft Sind für das nächste Quartal Investitionen geplant? Baugenehmigungen Konsumbereitschaft der Verbraucher 11

12 Auftragseingang des Bauhauptgewerbes saisonbereinigt; 2005 = 100; Gleitender 3-Monatsdurchschnitt Jan 2003 Jan 2004 Jan 2005 Jan 2006 Jan 2007 Jan 2008 Jan 2009 ifh Göttingen Quelle: Sachverständigenrat 12

13 Gegenwartsindikatoren: parallel zur Wirtschaftsentwicklung z.b. Vertrauensindikatoren Wie beurteilen Sie Ihre derzeitige Geschäftslage? Wie wird sich Ihre Geschäftslage in den kommenden drei Monaten entwickeln? Umsätze bzw. Produktion Ist Ihre Produktion/Ihr Umsatz gegenüber dem Vorquartal gestiegen, gleichgeblieben, oder gesunken? Investitionen Ist der Wert der im Berichtsquartal durchgeführten Investitionen gegenüber dem letzten Berichtszeitraum gestiegen, gleichgeblieben, oder gesunken? Kapazitätsauslastung Der Auslastungsgrad beträgt derzeit 13

14 Geschäftsklima* des Handwerks und reale BIP-Entwicklung Punkte Geschäftsklima des Handwerks BIP (Veränderung ggü. dem Vorjahresquartal) Prozent *Mittelwert aus guter und befriedigender Geschäftslage; aktuell und erwartet ifh Göttingen Quelle: ZDH; Statistisches Bundesamt 14

15 Investitionstätigkeit im Handwerk (1. Quartal) Saldo aus Meldungen zu gestiegenen und gesunkenen Investitionen ifh Göttingen Quelle: ZDH-Konjunkturbericht 15

16 Spätindikatoren: Ergebnisse der Wirtschaftsentwicklung z.b. Beschäftigte Die Zahl der Beschäftigten (einschließlich Lehrlinge) ist gegenüber dem Vorquartal gestiegen, gleichgeblieben, oder gesunken? Verbraucherpreisindex (Inflation) Offene Stellen, Arbeitslosenquote Gewinn- und Lohneinkommen Steuereinnahmen des Staates 16

17 ZDH-Konjunkturbericht für das erste Quartal 2009: Anteil der befragten Handwerksunternehmen mit gesunkener Beschäftigung: Gesamthandwerk Pers. DL-Gewerbe Gesundheit Lebensmittel I/2009 Kraftfahrzeuge I/2008 Gewerbl. Bedarf Ausbau Bau ifh Göttingen Prozent der befragten Unternehmen 17

18 Steuerschätzung Mai/November 2009 Abweichungen zu den Schätzungen von Mai und Nov Mrd Mrd Mrd Mrd ifh Göttingen Quelle: BMF Ist-Steueraufkommen 2008: 561,2 Mrd. Euro 18

19 3. Bedeutung für den Handwerker Konjunkturindikatoren als wichtige Informationsquelle für Politik und Interessenvertretung des Handwerks Aber sind Konjunkturindikatoren auch ein hilfreiches Instrument für die Unternehmensplanung im Handwerk? Allgemein: Konjunkturelle Entwicklung als Rahmenbedingung unternehmerischen Handelns Einfluss auf Absatz, Beschaffung und Kreditversorgung geeignete Anpassungsmaßnahmen setzen rechtzeitige Versorgung mit relevanten Daten voraus Veränderung Überstundenzahl, Einführung Kurzarbeit, Anpassung Preisgestaltung, Veränderung von Lieferfristen bzw. Zahlungszielen 19

20 trifft dies auch für Handwerksunternehmen zu? mittel- und langfristige Unternehmensplanung im Handwerk zu wenig vorhanden (Relevanz von Konjunkturdaten) Konjunkturdaten sind für einige Handwerksbranchen wichtiger als für andere (Rolle der Konjunkturabhängigkeit) Möglichkeit eines Vergleichs mit der Branchenentwicklung Fällt die Entwicklung meines Betriebs aus der allgemeinen Entwicklung heraus? Konjunkturdaten sollten eine größere Rolle spielen! 20

21 4. Fazit Verschiedene Konjunkturindikatoren spiegeln die Wirtschaftslage wider Eine Einschätzung der aktuelle Konjunktur sollte sich daher auf verschiedene Indikatoren stützen Bei der Interpretation beachten: zeitliche Beziehung zum Konjunkturgeschehen und Ausschluss saisonaler Einflüsse im Falle des Handwerks: Konjunkturindikatoren getrennt nach Gewerbegruppen betrachten Auch für die Unternehmensplanung im Handwerk sind Konjunkturindikatoren eine relevante Informationsquelle (bzw. sollten es sein ) 21

22 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 22

23 Gewerbegruppen Bauhauptgewerbe Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer, Gerüstbauer Ausbaugewerbe Maler und Lackierer, Klempner, Installateur, Heizungsbauer, Elektrotechniker, Tischler, Raumausstatter, Glaser, Fliesen-, Platten-, Mosaikleger, Stukkateure Handwerke für den gewerblichen Bedarf (Metall) Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Landmaschinenbauer, Kälteanlagenbauer, Metallbauer, Gebäudereiniger, Informationstechniker, Schilder- und Lichtreklamehersteller

24 Gewerbegruppen Kraftfahrzeughandwerk Karosserie- und Fahrzeugbauer, Kraftfahrzeugtechniker Nahrungsmittelhandwerke Bäcker, Konditoren, Fleischer Gesundheitsgewerbe Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker Personenbezogene Dienstleistungen Friseure, Schuhmacher, Uhrmacher, Damen- und Herrenschneider, Fotografen, Textilreiniger, Kosmetiker

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