Medienart: Print Medientyp: Tages- und Wochenpresse Auflage: 172'920 Erscheinungsweise: wöchentlich

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1 Dies! Das 34 Jeder seiner Schritte ist wohlüberlegt. Roger de Weck auf dem Loorenkopf-Aussichlsturm RIFFRAFF Ein Beispiel für Zürichs Innovationskraft. Das Kino für Independent-Filme zeigt alle im Original. Die Bar dazu ist einen Besuch wert - vor oder nach der Vorführung. Zuletzt habe ich dort gesehen: Les combattants». Eine französische Komödie über zwei seltsame junge Menschen, die auf ebenso seltsame Weise zueinanderfinden. Formidable! reise vor allem mit dem Zug. Da ich viel unterwegs bin - fast jede Woche bin ich an einem Schweizer Ort, wo ich zuvor noch nie war -, ist der Hauptbahnhof Zürich meine Drehscheibe. Ein Stopp beim dreirädrigen Kaffeewagen am Gleisanfang ist mir eine schöne Pflicht. Neugasse Tel LOORENKOPF Als ich 14 war, nahm mich mein älterer Bruder mit hierherauf. Wir rannten gemeinsam von der Stadt zum Aussichtsturm. Damals nannten wir das noch Waldlauf. Die Strecke bergauf zum Loorenkopf ist anspruchsvoll, dann lohnt der phänomenale Blick über den Zürich- und Greifensee alle Mühen. Bis heute jogge ich regelmässig, überall. Diese Strecke ist mir noch immer die liebste. PALMHOF Mit Freunden, mit Branchenkollegen: Diese Beiz und Treffpunkt der Singstudenten im Universitätsquartier ist eine gute Adresse. Das Lokal ist unprätentiös und bietet währschafte, hervorragende Küche. Meist kann ich nicht widerstehen - und bestelle das Cordon bleu. Universitätsstr. 23 Tel Sa/So geschlossen Der 33 Meter hohe Holzturm auf dem Adlisberg ist am einfachsten über Witikon erreichbar KAFFEEWAGEN IM HB Ich habe einen Töff und einen Roller, dafür kein Auto. Ich ELEFANTENHAUS Ich kannte den Zoo ja von Kind auf. Wer sieht, wie er sich verändert hat, schöner und grosszügiger wurde, kann nur staunen. Sinnbilddieser grossartigen Entwicklung ist das neue Elefantenhaus. Ich kann meinem Enkel keine grössere Freude machen, als mit ihm dort hineinzugehen. Ausschnitt Seite: 1/5

2 Zoo Zürichbergstr TAVERNE DA ANGELO Authentisch, einfach, geschmackvoll. Die Taverne beim Lochergut bietet alle Vorzüge der italienischen Küche. Und die so freundliche Bedienung ist dort sehr schnell, das mag ich. Oft bestelle ich die hausgemachten Orecchiette. Badenerstr. 275 Tel So geschlossen UHRENGESCHÄFT GALERIE INAUEN Seit je trage ich alte Swatch-Uhren. Sie sind schön und leicht. Wenn die Plastikuhren nach etwa fünf Jahren altersschwach werden, kaufe ich eine neue bei hauen an der Schifflände 12. Das Geschäft beim Hechtplatz hat eine wirklich tolle Auswahl an alten, ungebrauchten Swatchs und weiteren Uhren. Der Service ist top. Schifflönde 12 Tel ' Ausschnitt Seite: 2/5

3 MEIN ZÜRICH (18): ROGER DE WECK DER HÖFLICHE WELTENBEOBACHTER Roger de Weck steht im Zentrum einer hitzig geführten Debatte um den Service public. Porträt des obersten TV-Machers, der einst nach Zürich kam und erst mal gar nichts verstand. VON TANN CHERIX (TEXT) UND URS JAUDAS (PORTRÄTBILD) PORTRÄT Es war denkbar knapp. Das Volk hatte am 14. Juni das neue Radio- und Fernsehgesetz mit einem Mehr von 3696 Stimmen angenommen. Roger de Weck war das Gesicht der Pro- Kampagne, die Figur, welche die Gegner ins Visier nahmen. Der SRG-Generaldirektor, heftig attackiert und wegen seiner starken Medienpräsenz kritisiert, hatte sich keinen grösseren Fauxpas geleistet. Den Vorwurf, ein abgehobener Intellektueller zu sein, musste er sich aber auch diesmal wieder anhören. Wir treffen uns an einem sonnigen Morgen im Wald. Hier auf dem Adlisberg, den er in ungezählten Joggingrunden feinmaschig erkundet hat, ist aber nichts von dieser Distanziertheit zu spüren. De Weck, Sprössling einer Freiburger Patrizierfamilie, schlendert in Jeans und Lederjacke dem Loorenkopf-Aussichtsturm entgegen, grüsst hier eine Familie beim Bräteln, plaudert dort entspannt mit Wanderern. Fast scheint es so, als befinde er sich noch immer in einem Abstimmungskampf und müsse um die Gunst des Volks buhlen. In diesem der Zeit entrückten Kosmos aus Grün und Braun blickt er nach vorn: «Was ist der Service public der Zukunft im digitalen Zeitalter? Diese Debatte, die vor ein paar Jahren angefangen hat, ist nötig und wichtig. Die SRG wird sich mit ihrem Know-how einbringen: offen, konstruktiv, veränderungsbereit. Und mit der nötigen Zurückhaltung, denn es ist nicht die Auftragnehmerin, die den Leistungsauftrag definiert.» RADIKAL GUT UND RADIKAL SCHLECHT Roger de Weck ist mittlerweile beim Aussichtsturm angelangt. Klar, er will jetzt nach oben, auf die Plattform, die den Blick über See und Stadt freigibt; diejenige Stadt, die mit Unterbrüchen seit über 50 Jahren seine Basis bildet. Er sagt: «Zürich ist grossartig: geerdet, dynamisch und manchmal überraschend radikal.» Radikal? Er, der in Freiburg Geborene, führt aus: «Zürich hat immer wieder radikale Menschen in die Schweizer Politik eingebracht: den Visionär des Industriezeitalters Alfred Escher, den sozialen Kapitalisten Gottlieb Duttweiler, leider auch den Fremdenfeind James Schwarzenbach.» Was hier keime, könne sehr weit gehen, im Guten wie im Schlechten: vom innovativen Dadaismus bis zum Drogenmarkt am Platzspitz. Bezüge herstellen, einordnen, griffig formulieren: Der bald 62-Jährige kann das alles gut. Fürs gemeine Volk manchmal fast zu gut, sagen Kritiker. Auch über Zürich muss er stets in einem grösseren Zusammenhang sprechen, die Schweizer Stadt in einen europäischen Kontext stellen. «Paris und London sind vollgültige Hauptstädte. Dann kommen historische Metropolen wie Rom, Prag oder Wien, die beiden Aufbruchstädte Berlin und neuerdings Brüssel. Danach folgen kulturelle und wirtschaftliche Kraftorte wie Barcelona oder Hamburg.» Und Zürich gehört für ihn klar auch zu Letzteren. Eine Stadt, die sich ihre Sonderstellung selbst erarbeitet habe -vor allem auch in Sachen Integration. «Bei allen Problemen: - Zürich ist hier eine Erfolgsstory. Italiener, Portugiesen, Menschen aus dem Balkan bereichern die Gemeinschaft. Wir haben keine Ghettos.» Roger de Weck spricht positiv von seiner Stadt. Aber er spricht nicht mit der Subjektivität eines Fans, der mittendrin steht. De Weck analysiert aus der Aussenposition. Eben doch irgendwie distanziert. Er sagt selbst: «Das ist meine Stadt. Aber ich bin kein Zürcher.» Als er zehn war, kamen er und seine sechs Ausschnitt Seite: 3/5

4 Geschwister in die Deutschschweiz. Der Vater war an den Hauptsitz der Schweizerischen Bankgesellschaft befördert worden. Der kleine Garton aus Genf mit dem angeborenen Augenfehler wurde in eine ihm völlig unbekannte Welt gestossen. Es gab blaue Trams, und die Leute sprachen eine Sprache, die er nicht verstand. In den ersten Wochen in der Schule blieb er stumm. Wie war das für ihn? «Hart», sagt Roger de Weck lapidar. «Bei den Spielen auf dem Pausenplatz ist man nicht dabei. So einfach ist das.» Er büffelte, lernte Deutsch und Schweizerdeutsch und gründete bald seine erste Schülerzeitung, «Globe» hiess sie. Im Gymnasium lancierte er «J'accuse». Die Gymileitung des Ramibühls untersagte den Verkauf des widerborstigen Blatts auf dem Schulareal. Der Romand, der mittlerweile perfekt Deutsch sprach und schrieb, sah sich bestätigt: Er würde Journalist werden. De Weck war schon damals klar in seinen Vorstellungen. Sein Plan war, in St. Gallen Wirtschaftsgeschichte zu studieren, weil ihn das Wechselspiel zwischen Wirtschaft und Politik interessiert. Er vergass trotz allem nicht, auszugehen. Die Mädchen vom Gymnasium Hohe Promenade traf man im Pfauen, und man war damals im Niederdorf im Ausgang, etwa in der Casa-Bar. Noch wichtiger waren das Select und natürlich das Odeon. ABSAGEN DER ZÜRCHER Nachdem de Weck sein Studium in St. Gallen abgeschlossen hatte, bewarb er sich in der ganzen Schweiz bei Zeitungen. Die NZZ sagte ab; auch der, bei dem er einst Chefredaktor werden sollte, wollte ihn nicht. Die «Tribune de Geneve» bot ihm eine Volontariatsstelle. Die Stadt seiner Kindheit wurde so zum Startpunkt einer journalistischen Karriere, die ihn bis auf den Chefsessel der deutschen «Zeit» hievte und schliesslich zum obersten Radio- und Fernsehmacher der Schweiz machte. Seit 2011 ist er nun Generaldirektor der SRG S SR. Der seit bald vier Jahrzehnten verheiratete Vater vier erwachsener Kinder ist in dieser Zeit erst recht zu einer Person des öffentlichen Interesses geworden - mehr noch, seit er sich mit Interviews in diesen Abstimmungskampf eingebracht hat. So greif- und angreifbar war der Intellektuelle noch nie. Roger de Weck, der Weltenbeobachter: von Anhängern gelobt und von Kritikern wegen seines Einstehens für die europäische Einigung hart attackiert. Er scheint damit gut umgehen zu können. Seine Aussage zu Zürich sagt viel darüber aus, wie er diese exponierte Rolle interpretiert: «Zürich ist dann am schwächsten, wenn es selbstbezogen ist und meint, der einzige Massstab für die Restschweiz zu sein.» IN DIESER SERIE BEREITS ERSCHIENEN: 2012: Valentin Landmann, Bice Curiger, Phenomden, Roger Schawinski, Mono Vetsch. 2013: Stress, Corine Mauch, Udo Jürgens, Big Zis, Valentina, Viktor Giacobbo. 2014: Ellen Ringier, Joel Basman, Bligg, Boris Blank, Michael von der Heide. 2015: Gülsha Ausschnitt Seite: 4/5

5 ee Die Vorzüge der italienischen K inne du Angelo beim Lochergut. Ausschnitt Seite: 5/5

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