Nichtraucher wollen "Vesuv von Neuss" stoppen

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1 Gegen den Dunst Nichtraucher wollen "Vesuv von Neuss" stoppen Die Nichtraucherlobby hat sich mit dem Bürgermeister von Neuss angelegt. Der "Vesuv von Neuss" soll das Rauchen in seinem Dienstzimmer im Rathaus endlich einstellen. Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp (CDU), bekannter Vielraucher, soll das Qualmen in seinem Dienstzimmer einstellen. Weil die Aufsichtsbehörden sich weigerten, gegen Napp vorzugehen, habe man nun Beschwerde bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eingereicht, sagte der Bundesvorsitzende der Initiative Pro Rauchfrei, Siegfried Ermer, am Donnerstag. Napp habe sein Dienstzimmer kurzerhand zum Raucherzimmer erklärt. Dies sei unzulässig, erklärte Deutschlands größter Nichtraucherverband. Eine Sachbearbeiterin im Landratsamt, der vorgesetzten Behörde, habe die Umfunktionierung des Dienstzimmers zwar als zulässig bezeichnet. Diese Ansicht widerspreche aber eindeutig dem Landes-Nichtrauchergesetz, wonach Einzelbüros nicht als Raucherräume genutzt werden dürften. Das NRW- Gesundheitsministerium habe dies bestätigt, so die Nichtraucherlobby. "Diese Initiative verfolgt mich mit missionarischem Eifer. Das ist doch abstrus", sagte Bürgermeister Napp der Nachrichtenagentur dpa. Er habe in der Angelegenheit auch schon Briefe mit der NRW-Gesundheitsministerin gewechselt und ihr dabei die Frage gestellt, was denn mit dem Rauchverbot im Landtag sei. Seines Wissens rauchten auch etliche Abgeordnete in ihren Einzelbüros.

2 Foto: dpa Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp (CDU) soll das Qualmen in seinem Dienstzimmer einstellen "Vielleicht miete ich es dann als privaten Raum an" Der Nichtraucher-Verband kritisierte, dass sich die Aufsichtsbehörden trotz mehrerer Beschwerden den Ball zuspielten und sich offenbar niemand mit dem "Vesuv von Neuss" anlegen wolle. Der Landrat wolle nur auf Anweisung des Innenministeriums einschreiten und das Innenministerium verweise auf den Landrat. Mit der Aufsichtsbeschwerde wolle man dem unwürdigen Schauspiel nun ein Ende bereiten. Napp habe öffentlich mitgeteilt, dass er in seinem Dienstzimmer weiter rauchen werde. "Während man die 'kleinen Wirte' bei einem Verstoß zu Recht gleich sanktioniert, sehen alle zuständigen Stellen vorsätzlich weg, wenn es um einen der Ihren geht", kritisierte Ermer. Den Gesetzen müsse nun auch in politischen Kreisen Geltung verschafft werden. Eine Sprecherin der Bezirksregierung bestätigte am Donnerstag den Eingang der Beschwerde. Sie werde nun geprüft und der Rhein-Kreis Neuss um Stellungnahme gebeten. Mit einer Entscheidung sei frühestens im Mai zu rechnen. Was er unternehme, falls die Nichtraucher tatsächlich ein Rauchverbot in seinem Dienstzimmer durchsetzten, wisse er noch nicht genau, sagte Napp, aber: "Vielleicht miete ich es dann als privaten Raum an." dpa/cm Axel Springer AG Alle Rechte vorbehalten

3 Bürgermeister "Vesuv von Neuss" kämpft für die Rauch-Freiheit Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp hat Ärger mit der Nichtraucherlobby weil er in seinem Dienstzimmer raucht. Daran soll sich auch nichts ändern. Nun muss die Bezirksregierung entscheiden. Von Tim Röhn Foto: Tim Röhn/** Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp raucht viel und gerne. Nur eine Sache könnte ihn davon abhalten Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, es gibt nur eine Ausnahme: Helmut Schmidt. Nur der ehemalige Bundeskanzler darf rauchen, wann und wo er will. Die Proteste dagegen verlaufen angesichts seiner Beliebtheit im Sande, denn für Schmidt gelten eigene Regeln. Aber für Herbert Napp? Der 66-Jährige ist Bürgermeister der Einwohner-Stadt Neuss bei Düsseldorf. Der CDU-Politiker weigert sich beharrlich, die Raucherei in seinem Dienstzimmer im Rathaus aufzugeben.

4 Deswegen hat er jetzt Ärger mit der Nichtraucherlobby, sogar die Düsseldorfer Bezirksregierung wurde eingeschaltet. Es ist ein großes Thema in der Stadt, dem Bürgermeister wurde ein Spitzname verpasst: "Vesuv von Neuss". Ein paar Pflanzen in der "Glücksecke" Nach einer Beschwerde der Initiative "Pro Rauchfrei" muss die Bezirksregierung darüber entschieden, ob Napp weiter qualmen darf. Juristisch ist das eine schwierige Angelegenheit: Das neue NRW- Nichtraucherschutzgesetz, das am 1. Mai in Kraft tritt, sieht vor, dass in öffentlichen Einrichtungen ein Rauchverbot herrscht. Dort könnten aber "abgeschlossene Räume eingerichtet werden, in denen das Rauchen gestattet ist ( )." Voraussetzung ist, dass die Räume "ausdrücklich als Raucherräume, zu denen Personen unter 18 Jahren keinen Zutritt haben, gekennzeichnet werden." Wer Herbert Napp in seinem Büro im Neusser Rathaus einen Besuch abstattet, sucht eine entsprechende Kennzeichnung vergeblich, aber schon das einmalige Einatmen genügt dem Gast, um zu erkennen: Hier wird geraucht. In dem geräumigen Zimmer mit dem vornehmen Holzboden und den drei großen Landschaftsbildern an den Wänden gibt es einen einfachen Schreibtisch, eine Sitzecke mit Ledersesseln und -sofas sowie eine lange Tafel mit acht Stühlen. Es gibt auch einen Bereich, den Napp "Glücksecke" nennt, weil eine Frau, die etwas mit Feng Shui zu tun hat, dort ein paar Pflanzen aufgestellt hat. Auf den Tischen in Napps Büro stehen Aschenbecher, es gibt kaum helles Inventar, das vergilben könnte. Ohnehin, das macht der Bürgermeister gleich zu Beginn des Gesprächs klar, würde das nicht passieren: "Ich lüfte nämlich ständig." Das große Glück des Bürgermeisters Napp, noch bis 2015 im Amt, sitzt auf seinem Stuhl an der langen Tafel und zündet sich eine Gauloises an. Langsam atmet er ein und aus. "Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Da wollen mich Leute in meiner Entscheidungsfreiheit einschränken. Ich fühle mich belästigt", sagt er. Seit 1998 ist er im Amt und damit dienstältester Bürgermeister in der Geschichte der Stadt. So ein Theater wie in diesen Tagen hat er noch nicht erlebt. In Neuss diskutieren die Menschen emotional über die Sache, viele halten es mit den Nichtraucher-Initiativen, die sagen: Der Bürgermeister darf nicht mehr qualmen. Sie erinnern daran, dass auch Schulklassen Napp in seinem Büro besuchen. Der Politiker entgegnet, bei solchen Terminen rauche er natürlich nicht. Die Aktivisten sagen auch: Was ist denn mit unangemeldeten Besuchern? Die seien doch hochgradig gefährdet. Napp entgegnet, er habe ein Vorzimmer; niemand komme unangemeldet. Und die Sekretärin? Sei Raucherin. Sein Büroleiter? Ebenfalls Raucher. Napp hat Glück, dass es im

5 Neusser Rathaus viele Menschen gibt, die dem Zigarettenkonsum verfallen sind. Das alles klingt wie eine Provinz-Posse, aber für viele Menschen ist es eine ernste Angelegenheit. Napp hat unzählige Briefe bekommen. In einigen stand: "Beugen Sie sich nicht!" In anderen: "Lassen Sie es endlich!" Einer schrieb: "Ich hoffe, Sie sterben an Lungenkrebs wie Rudi Carrell." Das war hart. "Meine größte Schwäche ist eben die Raucherei" Herbert Napp versucht, sich nicht so viele Gedanken darüber zu machen. Er ist eine rheinische Frohnatur, er sieht die ganze Geschichte mit einem Augenzwinkern. Er könnte versprechen, künftig nur noch auf dem Balkon zu rauchen, immerhin steht der Sommer vor der Tür. Aber Napp sagt: "Nein, das werde ich nicht tun. Ich bin im Recht und bleibe standhaft. Man sollte nicht päpstlicher sein als der Papst." Ja, natürlich habe er in seiner Position eine Vorbildfunktion: "Aber die Leute wollen doch keinen Heiligen als Bürgermeister. Ich bin ein normaler Mensch mit Stärken und Schwächen. Meine größte Schwäche ist eben die Raucherei." Wie viele Zigaretten er täglich raucht, das will Napp nicht verraten. Nicht einmal seine Ehefrau wisse das. Mit 17 hat er mit dem Rauchen angefangen, mit 50 für drei Jahre aufgehört, dann wieder losgelegt: "Für mich ist es ein Genuss. Und ich werde mir diese Freiheit nicht nehmen lassen." Es geht ihm auch ums Prinzip. Napp sagt, als Beamter unterstütze er natürlich die Nichtraucherschutzgesetze. Wenn man ihn als Privatmann fragen würde, sähe das allerdings anders aus. Und wie? "Das geht mir alles ein bisschen zu weit", sagt Napp: "Als Raucher hat man immer weniger Rechte." Ab dem 1. Mai sind sogar abgetrennte Raucherräume in nordrhein-westfälischen Restaurants und Kneipen verboten. "Und wenn die Gäste beim Rauchen vor der Tür zu laut reden, bekommt der Besitzer Ärger wegen des Schallschutzes. Das ist traurig", sagt er. Einmal im Jahr geht's zum Arzt Napp steht jetzt auf seinem Balkon und blickt auf den Marktplatz. Früher war das hier mal eine der Hauptverkehrsadern von Neuss, jetzt gibt es Eisdielen und kleine Geschäfte, die Menschen spazieren über den Asphalt, eine Straßenbahn fährt vorüber. Napp hat mit dafür gesorgt, dass diese Fußgängerzone entsteht, und er ist stolz darauf. Unter seiner Ägide wurden Investoren nach Neuss gelockt, um hier und nicht in Mönchengladbach eine große Skihalle zu bauen. Die Automobilsparte des Rüstungskonzerns Rheinmetall hat sich in der Stadt niedergelassen. Herbert Napp war anders als Helmut Schmidt weder Bundeskanzler noch Verteidungs- oder Finanzminister, ihm wurde auch nirgendwo die Ehrendoktorwürde verliehen. Napp hat sich auf einer anderen Ebene verdient

6 gemacht, und wahrscheinlich sieht er auch darin sein vermeintliches Recht begründet, sich dem Willen der Nichtraucher nicht zu beugen genauso wenig wie Schmidt. Napp bläst den Rauch seiner Zigarette nach oben in die Luft. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es hier ohne Rauchen wäre", sagt er. Napp qualmt fast ohne Unterbrechung, wenn er alleine ist. Beim Telefonieren, beim Lesen, beim Aus-dem-Fenster-schauen. Er könne dabei so gut nachdenken, sagt er. Trotzdem könnte bald Schluss sein mit der Raucherei, selbst ohne Beschluss der Bezirksregierung. Einmal im Jahr lässt sich Herbert Napp von seinem Hausarzt komplett durchchecken. Herz, Lunge, Niere, Darm. Napp geht zweimal in der Woche in die "Muckibude", dazu joggt er. Bislang sagte der Arzt stets, gesundheitlich sei alles in Ordnung. Nun steht der nächste Termin an. Napp, dreifacher Vater, fürchtet sich nicht, aber er hat ein mulmiges Gefühl. "Falls ich krank bin, werde ich nie wieder eine Zigarette anrühren." Axel Springer AG Alle Rechte vorbehalten

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