D E R K Ö R P E R D E S M E N S C H E N D I E E R S T E N M I N UTEN L E B E N S B E DR O H L I C H E NO T F Ä L L E D E R T R AU M AP AT I E N T

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Transkript

1 1 2 3 D E R K Ö R P E R D E S M E N S C H E N D I E E R S T E N M I N UTEN L E B E N S B E DR O H L I C H E NO T F Ä L L E D E R T R AU M AP AT I E N T K R AN K H E I T E N U N D VERG I F T U N G E N SCHWANGERSCHAFT UND ÜBERRASCHENDE GEBURT N O T F Ä L L E I M K I N DE S AL T E R 5 8 NOTFÄLLE INFOLGE PHYSISCHER EINWIRKUNGEN 9 10 P S Y C H I AT R I S C H E NOTFÄLLE V E R L AG E R U N G D E S PAT I E N T E N K AT AS T R O P H E N D I E M E D I Z I N I S C H E N O T F AL L H I L F E T E C H N I S C H E S AN L AG E N W O R T E R KL Ä R U N G E N

2 KRANKHEITEN UND VERGIFTUNGEN INHALT 5.1 Krankheiten 5.2 Vergiftungen 5.3 Alkohol und Drogen

3 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n Krankheiten Oft führt eine plötzliche Erkrankung zu einem Notfalleinsatz. Es ist nicht immer sofort erkennbar, daß es sich bei dem Notfall um eine Krankheit handelt. Obwohl der Patient eigentlich von einer Krankheit befallen ist, kann das Erscheinungsbild des Notfalles das eines Unfalles sein. Ein Bewußtloser, der neben einem Fahrzeug auf der Straße liegt, kann das Opfer eines Unfalles mit einem Schädeltrauma und Bewußtseinsverlust sein. Es kann sich aber auch um einen Diabetiker handeln, der infolge einer Hypoglykamie (Unterzuckerung) das Bewußtsein verloren hat. Man kann auch nicht ausschließen, daß ein Unfallbeteiligter plötzlich erkrankt. Nicht selten steigen ältere Personen, die in einem kleinen Verkehrsunfall verwickelt sind, unverletzt aus dem Fahrzeug und werden aufgrund der Erregung plötzlich von Herzproblemen befallen. Es gibt extrem unterschiedliche Krankheitsursachen: angeborene Krankheiten, degenerative Erkrankungen (z.b. von Gelenken oder Blutgefäßen), Krebs, virale und bakterielle Infektionen, Einwirkung von Giftstoffen... Bei einer anscheinend gesunden Person kann plötzlich eine Krankheit (z.b. Herzprobleme) ausbrechen. Selbst bei einem chronisch Kranken kann eine akute Krise auftreten (z.b. chronische Bronchitis), ein "Unfall" im Verlauf einer langjährigen Krankheit. Die Anzahl Krankheiten, die Anlaß zu einem Notruf geben können, ist sehr groß. Es ist nicht Aufgabe des Sanitäters eine Diagnose zu stellen oder die Art der Krankheit genau zu bestimmen. Er soll jedoch fähig sein, den Ernst der Lage zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die lebensrettend sein können. '' Auch in diesen Fällen finden die allgemeinen Erste-Hilfe-Regeln Anwendung, die in Kapitel 2 beschrieben wurden. Bei der Primäruntersuchung wird das ABC-Protokoll befolgt, die Vitalfunktionen beurteilt, die Atembeschwerden beobachtet und die erforderlichen Maßnahmen bei Schock oder Koma getroffen. Bei der Sekundäruntersuchung wird der Allgemeinzustand des Patienten beurteilt. Anhand dieser Erkenntnisse sollte der Sanitäter imstande sein, geeignete MaBnahmen zu treffen, um den Patienten transportfähig zu machen. Ob Krankheit oder Unfall, die Maßnahmen des Sanitäters sind im Grunde genommen immer die gleichen. In diesem Kapitel werden bestimmte Krankheitsbilder jedoch genauer beschreiben, damit Sie bestimmte gefährliche Situationen erkennen und beherrschen können.

4 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n ENGE-, DRUCKGEFUHL ODER SCHMERZEN IN DER BRUST Schmerzen in der Brust können verschiedene Ursachen haben. Der Sanitäter ist jedoch nicht verpflichtet, eine Diagnose zu stellen. Er sollte nur wissen, daß ein drückender Schmerz in der Brust sehr häufig ein Hinweis auf etwas sehr Ernsthaftes ist. Dieses Symptom ist immer als ein Alarmsignal zu bewerten. TABELLE 5.1: KRANKHEITEN, DIE EIN ENGE-, DRUCKGEFÜHL ODER SCHMERZ IN DER BRUST HERVORRUFEN KÖNNEN Angina pectoris Verstopfung einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel(Lungenembolie) Riß eines großen Blutgefäßes Herzbeutelentzündung Rippenfellentzündung Pneumothorax Wahrscheinlich sind Herz und Lungen (und somit die Vitalfunktionen) betroffen. Sie können gefährdet sein und es kann unmittelbare Lebensgefahr bestehen. Nachfolgend werden die zwei häufigsten Erkrankungen, die diese Beschwerden verursachen können, beschrieben: Angina pectoris und Herzinfarkt. Angina pectoris (Herzangina) bedeutet buchstäblich "Einengung der Brust". Es handelt sich hier um eine Herzkrankheit. Das Herz ist ein Muskel und muß deshalb mit Blut (und mit Sauerstoff) versorgt werden. Die Blutversorgung wird durch die Herzkranzgefäße gewährleistet. Werden die Herzkranzgefäße aus irgendeinem Grund verengt, erhält das ABB. 5.1 ERKRANKUNG DER HERZKRANZGEFÄβE Herz mit gesunden Herzkranz gefäßen Verengung der Herzkranzgefäße und Bereich mit verminderter Blutzufahr: Angina Pectoris Vollständiger Verschluß der Herzkranzgefäße mit Infarktzone: Herzinfarkt

5 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.4 Herz weniger Sauerstoff Wenn der Herzmuskel bei einer Anstrengung oder bei Streß mehr arbeiten muß, treten diese Beschwerden auf. Im Falle einer Angina Pectoris läßt der Schmerz bei Ruhe oder nach Einnahme von geeigneten Medikamenten gewöhnlich schnell nach. In diesem Fall ist kein Teil des Herzens nekrosiert (abgestorben). Man spricht von einem Herzinfarkt, wenn die Blutzufuhr zu einem bestimmten Teil des Herzmuskels durch einen kompletten Verschluß einer Herzkranzarterie völlig unterbrochen ist. Der von dieser Arterie versorgte Herzmuskelteil stirbt ab. Im Volksmund spricht man vom "Herz schlag". Der Sauerstoffmangel kann die normale Herzarbeit schwer beeinträchtigen. Als erste Komplikation kann eine Störung der rhythmischen Kontraktionen von Herzvorhöfen und Herzkammern auftreten. Diese Herztaktstörungen können sehr unterschiedlicher Art sein: Das Herz schlägt zu schnell oder zu langsam oder ganz unregelmäßig. Auch der Schwere grad dieser Rhythmusstörungen kann sehr unterschiedlich sein. Der Sanitäter sollte wissen, daß Herzkammerflimmern eine häufige und gefürchtete Komplikation des Herzinfarktes ist. Infolge der mangelhaften Arbeit der Herzpumpe wird die Blutversorgung des Organismus vermindert und es kann zum kardiogenen Schock kommen. Arbeitet das linke Herz nicht mehr genug, kann sich das Blut in den Lungen stauen. In den Lungen sammelt sich Flüssigkeit an und es tritt ein Lungenoedem auf. Beurteilung der Ernst der Lage bei einem Brustschmerz Oben erwähnte Komplikationen verursachen den Tod von 40 bis 50% der Herzkranken. Die meisten sterben vor der Ankunft im Krankenhaus. Daher sollte der Sanitäter bei jedem Verdacht auf Herzinfarkt den NAW anfordern. Das "gute Aussehen" eines Patienten, der uber Brustschmerzen klagt, ändert nichts an der Notwendigkeit, den NAW anzufordern. Ein Kammerflimmern tritt immer plötzlich auf. Es kann auch ein akutes Lungenoedem entstehen und innerhalb von 5 Minuten zu katastrophalen Folgen führen. Wie schon oben erwähnt wurde, können viele Krankheiten ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust hervorrufen. Es ist nicht die Aufgabe des Sanitäters, die Ursache der Brustschmerzen herauszufinden. Er soll jedoch immer wegen der Gefahr schwerwiegender Komplikationen einen Infarkt in Betracht ziehen. Nachstehendes soll nur helfen, Herzpatienten mit Brustschmerzen zu erkennen. Diese Beschreibung hilft nicht bei einer sicheren Diagnose des Herzinfarktes. In der Regel geht man davon aus, daß Patienten mit Brust schmerzen bis zum gegenteiligen Beweis (im Krankenhaus) an einem Herzinfarkt leiden. Das heißt mit anderen Worten, beim geringsten Zweifel ist der NAW anzufordern. Bei der Beurteilung muß der Sanitäter drei Aspekte berücksichtigen: die Art des Patienten, seine Krankengeschichte und die Art der Beschwerden. Beim typischen Infarktpatienten handelt es sich um einen älteren Mann. Aber auch Frauen und jüngere Männer können einen Herzinfarkt er-

6 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.5 leiden. Man kann jedoch davon ausgehen, daß die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes bei einem Mann unter 35 und bei einer Frau unter 40 Jahren sehr gering ist. Oft sind Infarktpatienten starke Raucher, Diabetiker, sie haben einen hohen Blutdruck oder einen hohen Cholesterinspiegel. Gewöhnlich kann der Patient selbst und/oder seine Angehörigen sagen, daß er oder sie "etwas am Herzen hat". Oft trägt der Patient Herzmedikamente bei sich (Tabletten, die unter die Zunge gelegt werden, Hautpflaster...). Der Patient klagt über Schmerzen hinter dem Brustbein. In der medizinischen Fachsprache spricht man von "retrosternalem" Schmerz. Der Schmerz strahlt manchmal in Schulter und Arm, häufig zum linken Arm hin, aus. Manchmal strahlt er in den Kiefer und Hals aus. Bei einer Angina Pectoris laßt der Schmerz nach und beim Herzinfarkt nicht. Am Notfallort ist es jedoch nicht möglich zwischen beiden zu unterscheiden. Der Sanitäter handelt also immer, als läge ein Infarkt vor. Verschiedene Patienten verspüren nur einen Druck auf der Brust. Bei anderen ist der Schmerz unerträglich. Der Patient sitzt meistens rührlos. Er hat Angst (Todesangst). Hinzu kommen manchmal Schweißausbrüche und Blässe. Andere Personen spüren keine oder kaum Schmerzen, aber leiden unter Übelkeit. Erbrechen tritt häufig auf. Oft sagen die Patienten, sie hätten einen "verdorbenen Magen" oder eine Magenverstimmung Der Sanitäter muß sie wirklich überreden, mit zum Krankenhaus zu kommen Der Sanitäter muß mit Widerstand rechnen und darf nicht nachgeben. Sowohl der oben beschriebene Herzinfarkt als auch die Angina pectoris können zu schwerwiegenden Komplikationen fuhren Man kann einen Herzstillstand (siehe Kapitel 3.2), ein Lungenoedem (Atemnot, Atembeschwerden, rosa Schaum auf den Lippen, da Flüssigkeit aus den Lungen hochsteigt) oder einen Schock (siehe Kapitel 3.4) beobachten. Maßnahmen bei Schmerzen in der Brust Jeder Schmerz oder jedes Engegefühl in der Brust muß ernst genommen werden. Dem wachen Patienten soll beruhigend zugesprochen werden. Hektik steigert den Streß und wirkt sich nachteilig auf das Herz aus. Dem Patienten wird jede Anstrengung untersagt Er darf also nicht bis zur Trage gehen. NAW anfordern Ist der Patient kurzatmig, erhält er mittels einer Maske ( 10 bis 15 1/min) Sauerstoff Ansonsten wird der Sauerstoff mit einer Sauerstoffbrille verabreicht. Der Patient wird so gelagert, wie er es als angenehm empfindet. Jeder Patient mit Herzproblemen muß schnell und so sicher wie möglich zum nächsten Krankenhaus transportiert werden. Dies sollte jedoch in Ruhe geschehen. Eine rasende Fahrt mit heulenden Sirenen kann den Patienten nur verängstigen.

7 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.6 Wenn der Patient nicht ins Krankenhaus gebracht werden möchte, wird ihm erklärt, daß ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist, um die Schäden am Herzen so gering wie möglich zu halten. Vielleicht hat die Meinung des Notarztes mehr Gewicht. Den Patienten ist aufmerksam zu beobachten und das Krankenhaus soll benachrichtigt werden. Bei akutem Lungenoedem wird der Patient sitzend gelagert und erhält über eine Maske mit Reservoirbeutel Sauerstoff (10 bis 15 l/min). Bei Herzstillstand wird eine Wiederbelebung eingeleitet. Bei Schock wird der Patient mit hochgelagerten Beinen auf dem Rücken gelegt und es wird ihm über eine Maske mit Reservoirbeutel Sauerstoff (10 bis 151/min) verabreicht. Wird der Patient sitzend transportiert, sollte dies auf einer Trage und nicht mit dem "Krankenwagenstuhl" geschehen. Sollte sich die Lage nämlich plötzlich verschlimmern, kann der Patient auf der Trage schnell hingelegt werden.

8 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n " S C H L A G A N F A L L " O D E R G E H I R N S C H L A G Beschreibung Ein Schlaganfall entsteht infolge einer Erkrankung der Blutgefäße, die das Gehirn mit Blut und Sauerstoff versorgen. Der medizinische Fachausdruck hierfür lautet"apoplektischer Insult". Es handelt sich um eine akute Störung der Hirndurchblutung. Bei einem Gefäßverschluß wird das Gewebe blutstromabwärts nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Das Gefäß kann durch ein Blutgerinnsel verstopft werden (man spricht dann von einer "Thrombose", "Thrombus" ist das griechische Wort für geronnenes Blut). Ein Gefäß kann ebenfalls platzen und eine Gehirnblutung verursachen. Der Sanitäter kann nicht in das Gehirn hineinsehen; er kann lediglich feststellen, daß ein Teil des Gehirns nicht mehr normal funktioniert. Beurteilung Die Beschwerden des Patienten und die Merkmale des Schlaganfalls können sehr unterschiedlich sein. Sie hangen von der Lokalisierung und vom Ausmaß des Insults ab. Ein ansprechbarer Patient klagt hauptsächlich über heftige Kopfschmerzen. Er kann verwirrt sein. Ein anderes Mal liegt eine Bewußtseinstrübung vor. Das Ausmaß der Bewußtseinsstörung wird mit der WASA-Methode beurteilt (siehe Kapitel 2). Häufig ist eine Kraftlosigkeit oder der Verlust der Kontrolle über die Extremitäten festzustellen, und dies im allgemeinen nur auf einer Körperseite. Ein charakteristisches Merkmal ist ein hangender Mundwinkel. Manchmal treten Sprachstörungen auf Die Tatsache, daß der Patient nicht mehr fließend sprechen kann, heißt allerdings nicht, daß man ihn nicht mehr versteht. Auch ein ungleicher Pupillendurchmesser kann auf einen Schlaganfall hinweisen. Gelegentlich können Atembeschwerden vorliegen. Auch können Krampfanfälle auftreten. Maßnahmen Ist der Patient bei Bewußtsein, sollte man ihm beruhigend zusprechen. Wegen der Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen sind die Patienten gewöhnlich sehr verängstigt. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 151/min) verabreichen. Patienten halbsitzend transportieren. Bei Bewußtseinstrübung NAW anfordern. Auf freie Atemwege achten. Atmung überprüfen. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 15 1/min) verabreichen, und gegebenenfalls kreislaufunterstützende Maßnahmen ergreifen. Nierenschale und Absauggerät für den Fall bereitstellen, daß der Patient erbricht. Patienten in die stabile Seitenlage bringen und so transportieren.

9 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n A T E M B E S C H W E R D E N Atembeschwerden können lebensbedrohlich sein. Mehrere Krankheiten können zu Atembeschwerden führen: Lungenentzündung, Lungenoedem, Vergiftungen, allergische Reaktionen... Der Sanitäter sollte Atembeschwerden erkennen und dem Patienten beistehen können. Beurteilung Ein wacher Patient klagt über Atemlosigkeit: "er kriegt keine Luft, er ist außer Puste" (in der medizinischen Fachsprache "Dyspnoe"). Liegen ernste Atembeschwerden vor, kann der Patient benommen, un ruhig oder auch bewußtlos sein. Die Atmung ist sehr schnell und oberflächlich. Anschließend verlangsamt sich die Atmung durch Erschöp fung und kann sogar völlig stillstehen. Maßnahmen Der Sanitäter erkundigt sich beim Patienten oder seinen Angehörigen über mögliche Ursachen der Beschwerden: Tritt die Atemnot zum ersten Mal oder häufig auf? Wurde der Patient in der Nähe eines Brandes aufgebunden und besteht somit Verdacht auf eine CO-Vergiftung? Leidet der Patient an einer chronischen Bronchitis? Welche Medikamente nimmt der Patient ein? Die Medikamente werden mit ins Krankenhaus gebracht. Bei schwerwiegenden Problemen (Bewußtseinstrübung) NAW anfordern. Patienten beruhigend zusprechen. Atemwege freihalten. Eine Atemwegsverlegung durch Fremdkörper immer in Betracht ziehen. ABB. 5.2 ANZEICH EN VON ATEMBES CHWERD EN bläuliche Hautfarbe angespannte Gesichts- und Halsmuskel Schmerzen, Druckgefühl im Brustkorb angespannte Bauchmuskeln Patient kann keine volständige Sätze sprechen flatternde Nasenflügel (bei sehr ernsten Atemproblemen) zusammengepreßte Lippen bei der Ausatmung Husten und bellendeatemgeräusche pfeifende Geräusche Bewußtseinstrübung

10 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.9 Bei großen Problemen mit Sauerstoff über Maske und Beutel beatmen. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 151/min) verabreichen. Leidet der Patient an chronischer Bronchitis, wird eine Sauerstoffbrille benutzt (1,51/min). Patienten halbsitzend oder sitzend transportieren. Einige schwere Erkrankungen, die Atmungsprobleme verursachen können Ein Patient mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis leidet an einer chronisch aspezifischen Atmungserkrankung. Die kleinen Bronchien sind verengt durch Eiter- oder Schleimabsonderungen (chronische Bronchitis). Bei bestimmten Patienten sind die Lungenbläschen beschädigt (Emphysem). Meistens handelt es sich um ältere Personen die Raucher sind oder waren. Andere Patienten haben eine "Staublunge" (z.b nach jahrelange Arbeit in einer Zeche). Diese Patienten haben gewöhnlich ein chronisches Lungenleiden und nehmen ständig Medikamente ein. Bei einer plötzlichen Verschlimmerung der Krankheit rufen sie ärztliche Hilfe. Sauerstoff ist bei Patienten mit einer chronischen Bronchitis mit Vorsicht zu verwenden. Der verabreichte Sauerstoff kann in der Tat den Atemreflex unterdrücken, da der Körper den Eindruck gewinnt, er erhielte genug Sauerstoff Aus diesem Grund sollte der Sauerstoff mit schwachem Flow ( 1,5 1/min) über eine Sauerstoffbrille verabreicht werden. Wird die Atmung schwächer oder setzt sie aus, wird immer mit einer Atembeutel-Ventil-Masken-Einheit 100% Sauerstoff verabreicht. Den NAW anfordern, falls dies noch nicht geschehen ist. Asthmakranke leiden unter Atemnot, da die Muskeln der kleinen Bronchien sich zusammenziehen und so die Atemwege verlegen. Die Luft gelangt nur noch mühsam bis in die Lungenbläschen und wird noch mühsamer ausgeatmet. Oft handelt es sich um junge Patienten, die im allgemeinen nicht ständig unter Atemnot leiden, aber von Zeit zu Zeit "Asthmakrisen" haben. Oft wissen diese Patienten, daß sie z.b. gegen Tiere oder Pflanzen allergisch sind, und daß eine Krise ausgelöst wurde, weil sie diesen Substanzen ausgesetzt waren. Im allgemeinen ist eine pfeifende Atmung zu hören und es sind die oben beschriebenen Anzeichen für Atemnot zu erkennen. Diese Patienten möchten sitzen bleiben und stützen sich auf beide Arme ab. Manchmal erfolgt die Ausatmung durch zusammengepreßte Lippen hindurch. Bei einer schweren Krise wird der NAW angefordert. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 151/min) verabreichen. Im Zweifelsfall (Asthma oder chronische Bronchitis?) wird Menschen über 50 Jahre und (ehemaligen) Rauchern Sauerstoff über. eine Sauerstoffbrille mit einem niedrigen Flow (1,51/min) gegeben. Kennzeichnend für eine Hyperventilation ("schneller als normal atmen") ist eine zu schnelle und zu tiefe Atmung. Hierdurch wird das Kohlendioxid (CO2) in großen Mengen ausgeatmet und der CO2-Blutspiegel gesenkt. Das kann zu verschiedenen Problemen führen. Meistens fängt der Patient nach einer großen Erregung oder aus Angst zu hyperventilieren an. Der Patient fühlt eine Leere im Kopf Es entstehen Angstzustände. Oft

11 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.10 glaubt er von einer Herzkrise (infolge des Engegefühles in der Brust) befallen zu sein. Verängstigt atmet der Patient noch schneller. Verschiedene Patienten spüren ein Kribbeln an Finger, Zehen und um den Mund (so, als ob diese Körperteile "einschliefen"). Eine Hyperventilation kann ebenfalls bei schweren Erkrankungen auftreten: Atmungsprobleme oder Schock. Dem Patienten beruhigend zusprechen und ihm erklären, was geschieht, und daß seine Probleme durch eine zu schnelle und tiefe Atmung entstehen. Es hat nicht viel Sinn, den Patienten in einer Plastiktüte atmen zu lassen. Man empfiehlt häufig diese Maßnahme, damit der Patient Ausatemluft (und somit das ausgeatmete CO 2 ) einatmet und so den CO 2 -Gehalt im Blut erhöht. Diese MaBnahme kann beängstigend sein (Plastiktüte ist gleich Erstickung). Es ist wichtig zwischen einer emotionalen Hyperventilation und einer Hyperventilation infolge einer schweren Erkrankung, bei der oft Lebensgefahr besteht, zu unterscheiden. Beide Probleme werden völlig verschieden behandelt. Wird eine Hyperventilation durch eine lebensbedrohliche Erkrankung verursacht, wird immer Sauerstoff verabreicht; bei einer "emotionalen" Hyperventilation ist es jedoch besser, keinen Sauerstoff zu geben. Es ist manchmal schwer, den Unterschied zu machen. Daher geben wir hier einige allgemeine Ratschläge. Die meisten Patienten mit einer "emotio nalen" Hyperventilation sind junger als 30 Jahre und bei der Befragung kommt schnell ein emotional geladenes Ereignis zu Tage. Im Zweifelsfalle kann immer Sauerstoff verabreicht werden. Eine "emotionale" Hyper ventilation ist niemals lebensgefährlich und die Sauerstoffanwendung schafft daher kein zusätzliches Risiko, wahrend eine schwere Erkrankung, die zu einer Hyperventilationskrise führt, immer eine zusätzliche Sauerstoffgabe erfordert. Ein akutes Lungenoedem tritt auf wenn das linke Herz nicht richtig arbeitet, und das Blut nicht genügend aus den Lungen in den Körper gepumpt wird. Blut und Flüssigkeit sammeln sich daraufhin in den Lungen an, diese werden buchstäblich "überschwemmt". Das akute Lungenoedem tritt gewöhnlich bei älteren Menschen mit einem Herzleiden auf Manchmal entsteht es infolge eines Herzinfarktes. Der Patient klagt dann zu gleicher Zeit über Brustschmerzen. Er klagt immer über Atemnot und weist all Anzeichen der Atemnote auf. Manchmal sammelt sich rosa Schaum auf seinen Lippen. Immer den NAW anfordern. Patienten in sitzender Lage lassen, außer bei Schockanzeichen. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 15 l/min) verabreichen. In seltenen Fällen kann ein spontaner Pneumothorax auftreten. Ohne Verletzung kann im Rippenfell ein kleiner Riß entstehen. So kann es zu einem Spannungspneumothorax kommen.

12 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.11 Dann und wann spürt der Patient nur einen heftigen Schmerz in der Brust, wenn der Pneumothorax entsteht. Manchmal sieht man, daß sich beide Brustkorbhälften nicht gleichzeitig heben. Der Patient ist kurzatmig. Ein Spannungspneumothorax wird von Schockanzeichen und Stauung der Halsvenen begleitet. Den Patienten wahrend des Transportes sitzen lassen und Sauerstoff mit einer Maske mit Reservoirbeutel ( I O bis I 5 1/min) verabreichen. Bei starker Atemnot und Schockanzeichen immer den NAW anfordern.

13 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n DIABETES Diabetes oder Zuckerkrankheit ist eine Krankheit der endokrinen Drüsen. Die Bauchspeicheldrüse bildet ein Hormon (das Insulin), daß den Zuckerstoffwechsel in den Körperzellen steuert. Bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin, wird die Aufnahme von Zucker aus der Blutbahn durch die Körperzellen gestört, der Blutzuckerspiegel steigt und die Körperfunktionen laufen unregelmäßig ab. Diabetiker schlucken entweder Tabletten oder spritzen Insulin, um den Blutzucker auf das richtige Niveau zu halten. Wenn die Blutzuckerkonzentration zu tief wird, spricht man von "Hypoglykämie" (hypo = zu tief Glykämie = Blutzuckerspiegel). Hierzu kommt es, wenn der Patient zu wenig Zucker eingenommen oder zu viel Insulin gespritzt hat. Die Gehirnzellen sind gefährdet, wenn sie zu wenig Zucker erhalten, um richtig funktionieren zu können. Im Gegensatz zu den anderen Körperorganen benutzen die Gehirnzellen beinah ausschließlich Zucker als Energiequelle. Der Blutzuckerspiegel kann auch zu hoch sein (Hyperglykämie). Eine Hyperglykämie fuhrt zwar zu einer Reihe Beschwerden' macht aber nur sehr selten einen Notfalleinsatz des Sanitäters erforderlich. In bestimmten schweren Fällen kann jedoch ein Koma auftreten. Beurteilung der Hypoglykämie Anfangs klagt der Patient über Kopfschmerzen oder Schwindel. Dann wird der Patient blaß, schwitzt und spürt Herzklopfen. Er kann sogar aggressiv werden, so als ob er zuviel getrunken hätte Er kann ohnmächtig und/oder bewußtlos werden. In manchen Fällen kommt es zu einem Harnabgang und zu Krämpfen. Treten bei einem Patienten Anzeichen von konfusem Verhalten, von Bewußtseinstrübung oder Krämpfen auf, sollte der Sanitäter den Patienten oder Umstehende auf Diabetes hin befragen. Maßnahmen bei Hypoglykämie Den Patienten immer fragen, ob er zuckerkrank ist. Wenn ja, fragen, ob der Patient mit Tabletten oder Spritzen behandelt wird. Bei einer Bewußtseinstrübung oder bei Bewußtlosigkeit den NAW anfordern. Der Notarzt wird dem Patienten intravenös eine Zuckerlösung verabreichen. Wie bei allen bewußtlosen Patienten wird überprüft, ob die Atemwege frei sind. Atmung kontrollieren. Erbrochenes wird abgesaugt. Einem bewußtseinsgetrübten Patienten nie zu trinken geben. Die Flüssigkeit könnte in die Lungen gelangen und eine Lungenentzündung hervorrufen. Manchmal setzen die Angehörigen oder Bekannte des Diabetikers eine intramuskuläre Spritze. Diese Injektion enthält Glukagon, ein Medikament, das die Glykämie erhöht. Der Sanitater darf diese Injektion nicht geben. Er wurde hierfür nicht ausgebildet. Der Sanitäter sollte die Familie bedenkenlos handeln lassen. Sie wurde darin geschult und es ist sehr nützlich. Im weiteren Text wird gezeigt, welche Maßnahmen bei Krämpfen ergriffen werden müssen.

14 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.13 Maßnahmen bei Bei Bewußtseinstrübung NAW anfordern, Durchlässigkeit der Atemwege Hyperglykämie überprüfen und Sauerstoff verabreichen.

15 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n KRÄMPFE Krämpfe sind zuckende anormale Bewegungen von Armen und Beinen, die gewöhnlich beide Körperseiten befallen Sie treten auf infolge einer anormalen Funktionsweise bestimmter Gehirnteile. Krämpfe können bei einem epileptischen Anfall auftreten. Epilepsie befällt Patienten, die ansonsten bei guter Gesundheit sind. Sie kann angeboren sein oder nach einem schweren Unfall mit Hirntrauma auftreten. Die meisten Epileptiker nehmen Medikamente ein und fuhren im übrigen ein völlig normales Leben Umstände, bei denen ebenfalls Krampfe auftreten können: Fieber bei Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren (siehe "Kindliche Notfälle") Vergiftungen Hypoglykämie apoplektischer Insult Hirntrauma Alkoholmißbrauch (oder Alkoholentzug) Sauerstoffmangel (z.b. beim Ersticken) Gehirntumore Gehirninfektionen. Beurteilung eines Krampfanfalles Es ist wichtig, die Krampfe genau zu beobachten. Im nachhinein kann der Arzt auf Grundlage der Beobachtungen Schlußfolgerungen über die Art der Krämpfe ziehen. Dem Arzt sind somit alle Beobachtungen exakt mitzuteilen. Die bekannteste Form von Krämpfen ist der epileptische Anfall. Diese Krise tritt plötzlich auf 1. Der Patient verliert das Bewußtsein und stürzt zu Boden. Manchmal schreit er. 2. Die Muskel versteifen sich. Während dieser Phase kann es zum Zungenbiß oder zu Harnabgang kommen. Die Krise dauert gewöhnlich 30 Sekunden. 3. Danach folgen ruckartige und unkontrollierte Bewegungen. Sie halten zwischen 2 bis 3 Minuten an, wobei (manchmal blutiger) Schaum vor dem Mund tritt und das Gesicht blau (Zyanose) anläuft. 4. Am Ende entspannt sich der Patient und bleibt während einer halben Stunde oder mehr ohne Bewusstsein. Der Sanitäter findet den Epileptiker beim Notfalleinsatz gewöhnlich in der letzten Phase mit getrübtem Bewußtsein vor. Die Aussagen der Augen zeugen und Anzeichen wie eine blutende Zunge oder der Harnabgang lassen an einen epileptischen Anfall denken. Ein Krampfanfall kann ebenfalls nur ein bestimmtes Körperteil (Arm, Bein oder Gesicht) betreffen. In diesen Fällen kommt es nicht zur Bewußtlosigkeit. Trotzdem kann sich der Anfall nach und nach über den ganzen Körper ausbreiten. Ein epileptischer Anfall dauert nur ein paar Minuten. Wenn die Krise ausnahmsweise länger anhält oder wenn mehrere Krisen schnell aufein-

16 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.15 ander folgen, spricht man vom Status epilepticus. Ein Status ist eine lebensbedrohliche Situation, da die Atmung durch die kontinuierlichen Muskelkrämpfe gestört wird. Maßnahmen bei einem Krampfanfall Der Patient wird, wenn möglich, in stabiler Seitenlage auf den Boden gelegt. Alle Gegenstände, die den Patienten verletzen konnten, werden entfernt Niemals versuchen, Armen und Beine festzuhalten oder die Muskelzuckungen zu verhindern. Dies könnte zu Knochenbrüchen oder Muskelverletzungen führen. Nie versuchen, etwas in den Mund einzuführen, um einen Zungenbiß zu verhindern. Dies würde nur dazu führen, daß Zähne brechen oder die Zunge verletzt wird. Sobald die Krise vorüber ist, wird der Patient in die stabile Seitenlage gebracht, damit kein Speichel in die Lungen gelangt. Wenn erforderlich, absaugen, Atmung und Puls kontrollieren. Sauerstoff mit einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 15 l/min) verabreichen. Umstehende fragen, ob die epileptische Erkrankung des Patienten bekannt ist. Umstehende befragen und nach Hinweisen für eine CO-Vergiftung oder eine Hypoglykämie oder Hirnverletzungen... suchen. In solchen Fällen immer den NAW anfordern. Wenn die Krise bei der Ankunft der Sanitäter noch immer anhält, wenn sie mehrere Minuten dauert oder wenn wiederholt neue Krisen auftreten, sofort den NAW anfordern. Patienten immer für zusätzliche Untersuchungen ins Krankenhaus bringen. Sorgfältig nach Wunden und Verletzungen durch den Anfall suchen (z.b. Kopfhautverletzungen, Schulterluxation...)

17 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n AKUTER BAUCHSCHMERZ Ein akuter Bauchschmerz kann verschiedene Ursachen haben: Nierensteine, Blinddarmentzündung, Gallenkrise, Bauchspeicheldrüsenentzündung Der Sanitäter braucht keine Diagnose zu stellen. Aber er soll bei folgenden akuten Bauchschmerzen mit einem Schock rechnen: Riß einer Bauchaorta Bauchschwangerschaft älteres Bauchtrauma mit Milzprellung, die mit einer Verzögerung zu bluten beginnt. Magengeschwür mit Magendurchbruch und heftigen Leibschmerzen Die wichtigste Maßnahme ist der schnelle und sichere Transport ins Krankenhaus. Maßnahmen bei akutem Bauchschmerz Das Auftreten von Schockanzeichen uberwachen. Sobald der Schock eintritt, geeignete Maßnahmen treffen und den NAW anfordern. Auf Erbrechen vorbereitet sein. Wenn der Patient erbricht, wird das Erbrochene abgesaugt. Bei Bewußtseinstrübung stabile Seitenlage herstellen. Nicht versuchen, eine Diagnose zu stellen. Nichts zu essen oder zu trinken geben. Ist der Patient wach, soll er die für ihn angenehmste Position einnehmen. Bestimmte Patienten lindern die Bauchschmerzen durch eine Lagerung mit angezogenen Knien. 7. BEWUßTLOSIGKEIT Bewußtlosigkeit oder Koma ist ein schlafähnlicher Zustand. Bewußtlosigkeit entsteht, wenn das Gehirn nicht mehr richtig funktioniert Die Ursachen sind verschiedenartig: Hirn- und Schädeltrauma, Schlaganfall, Sauerstoffmangel durch Ertrinken oder Ersticken, Alkoholvergiftung, CO, Medikamente oder Drogen, Hypoglykämie Beurteilung der Bewußtlosigkeit Den Grad der Bewußtlosigkeit anhand der WASA-Skala beurteilen sowie die Elemente suchen, anhand denen nachher die Glasgow-Koma-Skala vervollständigt wird. Die Umgebung des Patienten beobachten: Ein Ofen läßt den Verdacht auf eine CO-Vergiftung zu, ein Unfall den eines Schädel-Him-Traumas. Präzise Fragen an Umstehende und an Familienangehörige stellen. (Ist der Patient gefallen? Ist der Patient Diabetiker?) Zustand der Pupillen kontrollieren: erweiterte Pupillen (Mydriase) sind ein Anzeichen für Sauerstoffmangel oder eine Amphetamin- oder Kokain-Vergiftung; verengte Pupillen (Miosis) lassen den Verdacht auf eine Heroinvergiftung zu; ungleiche Pupillen (Anisocorie) deuten auf eine Gehirnverletzung (Gehirnblutung nach einem Sturz) hin.

18 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.17 Maßnahmen Auf den Selbstschutz achten: bei Verdacht auf CO-Vergiftung Turen und bei Bewußtlosigkeit Fenster öffnen. Bei Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung ist der Patient sofort aus dem vergifteten Raum zu retten. Bei Bewußtlosigkeit immer sofort den NAW anfordern. Bei einer Bewußtlosigkeit sind die Vitalfunktionen gefährdet. Somit muß der Sanitäter als erstes das ABC-Protokoll beachten. Atemwege eines Bewußtlosen immer freimachen. Kopf überstrecken und Kinn hochziehen. Wenn nötig, beatmen mit Sauerstoffgabe mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 151/min). Dies ist besonders wichtig bei einer CO-Vergiftung. Wenn der Patient atmet und ein Puls vorhanden ist, wird der Patient am besten in der stabilen Seitenlage und mit Sauerstoffgabe transportiert. Wenn der Unfallhergang den Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule oder des Schädels zuläßt, muß eine Halskrause angelegt werden.

19 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n D I E O H N M A C H T Definition und Beurteilung der Ohnmacht Eine Ohnmacht ist ein Unwohlsein, bei dem der Patient zusammenbricht und zeitweise das Bewußtsein verliert. Es ist eine leichte Komaform, die spontan aufhört. Es ist eine der häufigsten Anlasse für einen Krankenwageneinsatz. Diese Ohnmachtsanfälle treten unter ganz verschiedenen Umständen auf: mangelnde Durchblutung des Gehirns: infolge einer kurzen Funktionsstörung des Herzens, einer kurzen Herzrhythmusstörung, bei plötzlichem Aufstehen, bei einer großen körperlichen Anstrengung, bei Streß (oder z.b. beim Anblick von Blut) wird der Herzrhythmus verlangsamt, die Blutgefäße dehnen sich aus und der Blutdruck fällt plötzlich ab Vergiftungen, z B. Kohlmonoxidvergiftung (Ofen oder schlecht eingestellter Warmwasserbereiter) Ohnmacht infolge psychischer Probleme Medikamenteneinnahme, z B bei Einnahme einer Tablette gegen Herzangina im Stehen Herzrhythmusstörungen vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Alle Medikamente, die beim Patienten gefunden werden, mit zum Krankenhaus nehmen. Das Vorhandensein eines Warmwasserbereiters oder eines Ofens notieren. Fenster und Türen öffnen und Patienten aus dem Zimmer bringen. Gewöhnlich weißt der Patient überhaupt nicht mehr, was während der Ohnmacht geschehen ist. Es müssen also Umstehende befragt werden. Maßnahmen bei einer Ohnmacht Vitalfunktionen des Patienten überwachen. Beobachten, ob der Patient spontan wieder zu sich kommt (Ohnmacht) oder ob er bewußtlos bleibt (Koma). Wenn der Patient im Koma bleibt, werden die oben beschriebenen Maßnahmen getroffen. Wenn der Patient zu sich kommt, sollten die Vitalfunktionen weiter überwacht werden: Ist die Atmung schneller oder langsamer als vorher? Ist der Puls langsamer oder schneller als vorher? Ist der Patient blaß? Schwitzt er? Patienten auf den Rucken legen. Bei Atembeschwerden oder Brustschmerzen wird er sitzend gelagert. Die Beine leicht erhöhen (auf einer aufgerollten Decke), um den Rückfluß des Blutes zum Herzen zu erleichtern. Sauerstoff mit Hilfe einer Maske mit Reservoirbeutel (10 bis 15 l/min) verabreichen. Bei Erbechen oder Übelkeit stabile Seitenlage herstellen. Absauggerät und Nierenschale bereithalten. Bei Bewußtseinstrübung NAW anfordern. Manchmal sind die durch den Sturz verursachten Verletzungen schlimmer als die Ohnmacht. Durch den Sturz kann es zu Halsverletzungen oder Schädelverletzungen kommen. Den Patienten nach Hals- oder Nackenschmerzen fragen und gegebenenfalls eine Halskrause anlegen.

20 K r a n k h e i t e n u n d V e r g i f t u n g e n 5.19 Patienten, die in Ohnmacht gefallen sind, sollten von einem Arzt untersucht werden. Ist kein Arzt zur Stelle wird der Patient ins Krankenhaus gebracht.

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