Symposium war ein voller Erfolg

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1 >Tagung Pflege be(ob)achten an der Fachhochschule Münster: Symposium war ein voller Erfolg Rü d i g e r Os t e r m a n n, Hei k o Pfa f f u n d Fr i eder i k e St ö r k e l Am 10. März 2010 fand an der Fachhochschule Münster das Symposium Pflege be(ob)achten Einblicke anhand statistischer Daten statt. Dieses Symposium ist gemeinsam vom Statistischen Bundesamt und dem Fachbereich Pflege der Fachhochschule Münster organisiert und durchgeführt worden. Ein Vorbericht zu diesem Fachtag ist in der Pflegezeitschrift Ausgabe 1/2010 zu finden. Das Symposium beschäftigte sich in erster Linie damit, welche quantitativen Datensätze in der Bundesrepublik Deutschland für die Pflegewissenschaft zur Verfügung stehen und wie man sie für die empirische Pflegeforschung nutzen kann. Die Teilnehmerresonanz hat die Veranstalter sehr positiv überrascht. Bei etwas mehr als 200 Anmeldungen musste die Teilnehmerliste geschlossen werden, da dann die Kapazitätsgrenze des größten Hörsaals der Fachhochschu- Der Pflegemarkt 1999 bis 2007 Ergebnisse der Pflegestatistik ORR Heiko Pfaff, Referatsleiter Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Gruppe VIII B Soziales Die Pflegestatistik* der Statistischen Ämter der Länder und des Bundes soll Daten zum Angebot von und zu der Nachfrage nach pflegerischer Versorgung im Rahmen der Pflegeversicherung (SGB XI) bieten. Es werden entsprechend Daten zu den Pflegebedürftigen sowie zu den Pflegeeinrichtungen (einschließlich des Personals) erhoben. Seit 1999, der erstmaligen Durchführung der Erhebung, ist im Zuge der Alterung der Bevölkerung ein Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen zu beobachten. Sie nahm von 2,0 Millionen im Jahr 1999 auf 2,2 Millionen im Jahr 2007 zu. Bei den Versorgungsarten zeigt sich zudem meist ein Trend hin zur Pflege durch professionelle Pflegeeinrichtungen allerdings ist die Pflege durch Angehörige weiterhin die zentrale Versorgungsform. Hinsichtlich des Ausmaßes des Pflegebedarfs ist ein steigender Anteil der Pflegebedürftigen der Stufe I zu beobachten. Neben der Zunahme der zu versorgenden Pflegebedürftigen ist auch eine Erweiterung des Angebots der Pflegeeinrichtungen zu verzeichnen: So stieg die Zahl der in den Heimen und ambulanten Diensten Beschäftigten von 1999 bis 2007 um 30 % auf nun insgesamt Personen an. Auffällig ist insgesamt der überdurchschnittliche Anstieg bei den Teilzeitbeschäftigen, die mehr als halbtags tätig sind. Auch bei den Altenpfleger/-innen sind hohe Wachstumsraten zu verzeichnen. Generell hat die Tätigkeit in der Grundpflege bzw. der Pflege und Betreuung an Bedeutung gewonnen. In den Heimen hat das Angebot an Plätzen für teilstationäre Pflege überdurchschnittlich zugenommen allerdings weiterhin auf recht niedrigem Niveau. Es dominieren eindeutig die Angebote für die vollstationäre Dauerpflege. Des Weiteren ist die Zahl der Plätze in 1-Bett-Zimmern stark gestiegen und entsprechend haben Mehrbettzimmer klar an Bedeutung verloren. Die Auslastung der vollstationären Plätze war bei den letzten Erhebungen insgesamt leicht rückläufig. Bei den Vergütungssätzen der Heime sind bundesweit weiterhin deutliche regionale Unterschiede zu verzeichnen. Die Einrichtungen in freigemeinnütziger Trägerschaft (zum Beispiel Diakonie oder Caritas) versorgen immer noch die meisten Pflegebedürftigen, aber es ist seit 1999 ein stetiger Anstieg der Marktanteile der privaten Pflegeheime und ambulanten Dienste beobachtbar. Für die nächsten Jahre ist als Folge der Alterung der Gesellschaft auch ein Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen wahrscheinlich. Nach den Ergebnissen einer gemeinsamen Vorausberechnung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus dem Jahr 2008 anhand eines einfachen Status Quo Modells dürfte die Zahl auf 2,9 Millionen im Jahr 2020 steigen. Im Jahr 2030 sind etwa 3,4 Millionen Pflegebedürftige zu erwarten. * Die bisherigen Berichte zur Pflegestatistik sind unter zu finden. le Münster erreicht war. Die Veranstalter haben den Eindruck gewonnen, dass mit diesem Tagungsthema eine aktuelle Fragestellung gut getroffen wurde. Auch ein Blick in die Teilnehmerliste ist sehr aufschlussreich. Neben Mitgliedern von Hochschulen und Forschungseinrichtungen waren auch zahlreiche Vertreter der Wohlfahrtspflege, von Sozialverbänden sowie Ministerien und Statistischen Landesämtern vertreten. Erfreulich war auch die hohe Anzahl von Mitarbeitern deutscher Kommunen und Landkreise, die sich vornehmlich mit Planungsaufgaben im Pflegesektor beschäftigen. Einige Exoten, wie zum Beispiel Architekturbüros oder Softwarefirmen, rundeten das Bild ab. Es war sehr erfreulich, ein so heterogenes Publikum auf diesem Symposium vorzufinden. Die hohe Resonanz auf das Tagungsangebot zeigt in den Augen der Veranstalter auf, dass in Deutschland in der Pflegewissenschaft neben der qualitativen Datenanalyse (zum Beispiel in der Biografiearbeit) auch ein hoher Bedarf an quantitativer Datenanalyse vorliegt. Die Veranstaltung konnte nur deshalb durchgeführt werden, da drei namhafte Softwarefirmen, die im Sozial- bzw. Pflegebereich ihr jeweiliges Produkt anbieten, die lokale Organisation der Tagung finanziell unterstützt haben. Erfreulich war hierbei auch die finanzielle Unterstützung der Robert- Bosch-Stiftung. Durch diese Unterstützung konnten Exkursionen der Alice- Salomon-Hochschule (Berlin), von der Westsächsischen Hochschule (Zwickau) und von der Evangelischen Fachhochschule (Darmstadt) zu diesem Symposium stattfinden. Bei der Tagung wurde nach der Begrüßung, die von Rüdiger Ostermann (Dekan des FB Pflege und Gesundheit an der Fachhochschule Münster), Bernd Becker (Statistisches Bundesamt Gruppenleiter Soziales) und Carsten Schröder (Präsidiumsbeauftragter für Transfer und Partnerschaften der Fachhochschule Münster) vorgenommen wurde, in einem ersten Block die Daten des Statis- 263

2 Gesundheitsausgaben und Krankheitskosten in der ambulanten und stationären Pflege Michael Cordes, Referatsleiter Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Gruppe VIII A Gesundheit Das Statistische Bundesamt hat in den letzten Jahren drei gesundheitswirtschaftliche Rechensysteme* (die Gesundheitsausgaben-, die Gesundheitspersonal- und die Krankheitskostenrechnung) aufgebaut und etabliert. Die Gesundheitsausgabenrechnung ermittelt zunächst mit Hilfe eines Bottom-Up-Ansatzes den volkswirtschaftlichen Ressourcenverbrauch, der im Verlauf eines Jahres für den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit aufgewendet wird. Ausgangspunkt der Krankheitskostenrechnung ist ein ausgabenorientierter Kostenbegriff, bei dem nur der Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen mit Kosten verbunden ist, denen Ausgaben gegenüberstehen. In einem Top-Down-Ansatz können nun die mit der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen verbundenen Kosten aus der Gesundheitsausgabenrechnung übernommen, und mit Hilfe von Verteilungsschlüsseln weiter auf Diagnosen, Alter und Geschlecht quotiert werden. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 252,8 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben. Dies entsprach rund Euro je Einwohner oder 10,4% des Bruttoinlandsproduktes. Mit 27,3 Milliarden Euro entfiel etwa ein Zehntel der Gesundheitsausgaben oder 330 Euro je Einwohner auf die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen. Über den Zeitraum der letzten zehn Jahre betrachtet, sind die Ausgaben in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen mit 63% jedoch mehr als doppelt so stark gewachsen wie die Gesundheitsausgaben insgesamt (29%). Im Jahr 2006, dem zuletzt verfügbaren Jahr der Krankheitskostenrechnung, verteilten sich 42% der Krankheitskosten auf Männer und 58% auf Frauen. Die Gründe für diese ungleiche Verteilung sind vielfältig. Der mit Abstand wichtigste Faktor dürfte der höhere Frauenanteil unter der älteren Bevölkerung sein. Die geschlechtspezifischen Unterschiede spiegeln sich auch im Kostengeschehen der ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen wider. Differenziert nach Diagnosen fällt die deutlich stärkere Konzentration der Krankheitskosten in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen auf nur wenige Krankheitsklassen auf. Im Gesundheitssystem insgesamt vereinen Krankheitskosten für psychische und Verhaltensstörungen sowie Krankheiten des Kreislaufsystems bereits 26% der Krankheitskosten auf sich. Die entsprechenden Anteile in den ambulanten bzw. stationären Pflegeeinrichtungen betragen jedoch 38% bzw. 56%. *Diese und weitere Informationen zu den gesundheitsbezogenen Rechensystemen finden sich unter oder Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes schneller Zugang zu pflegerelevanten Daten Dr. Winfried Eberhardt, Referatsleiter Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn Gruppe VIII A Gesundheit Das Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (IS-GBE) beim Statistischen Bundesamt bietet unter die umfangreichste systematische Zusammenstellung von statistischen Informationen (Tabellen, Texte, Definitionen, Grafiken, Methodiken sowie Ansprechpartnerinnen und -partnern) für das Gesundheitswesen auf Bundesebene. Die mehr als eine Milliarde Zahlen und Kennziffern stammen aus über 100 verschiedenen Quellen, zu einem großen Teil von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder, aber auch aus zahlreichen Erhebungen sowie aus Routine- und Prozessdaten von Institutionen des Gesundheitssystems (Gesundheitssurveys, Register- und Routinedaten, Sozialversicherungsdaten, Daten internationaler und sonstiger Organisationen). Das IS-GBE bietet seit über zehn Jahren schnell, kompakt und kostenlos zuverlässige Gesundheitsdaten. Besondere Stärken des Systems sind eine spezielle Suchmaschine für das Recherchieren relevanter Daten und Dokumente bei minimiertem Metadatenmanagement sowie die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung multidimensionaler statistischer Tabellen. Zum Thema Pflege bietet das IS-GBE ein breites Spektrum an Informationen. Besonders hervorzuheben sind die gestaltbaren Tabellen aus der Pflegestatistik und den Gesundheitsrechensystemen des Statistischen Bundesamtes (s. die Beiträge von Cordes und Pfaff) und aus der Begutachtungsstatistik des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Aber zum Beispiel auch die Erhebung zur Zeitverwendung privater Haushalte und die Statistiken der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung enthalten interessante Informationen zum Thema. Über die reinen Zahlen hinausgehende Analysen stehen mit den Textveröffentlichungen der GBE des Bundes zur Verfügung, unter anderem im Schwerpunktbericht Pflege und in den spezifischen Kapiteln aus dem Bericht Gesundheit in Deutschland. Diese und weitere Dokumente werden übersichtlich präsentiert, wenn zum Beispiel nach dem Begriff Pflege gesucht wird oder in der Recherche nach Themen ein entsprechender Punkt ausgewählt wird. tischen Bundesamtes zu Pflege und Gesundheit vorgestellt. Nach der Mittagspause gaben dann Ulrich Schneekloth (TNS Infratest Sozialforschung) und Peter Pick (MDS) einen Überblick zur weiteren Datensituation von pflegebedürftigen Menschen in Deutschland. Zum Abschluss der Veranstaltung stellten Alain Junger (Centre Hospitalier Universitaire Vaudois) und Walter Sermeus (Catholic University Leuven) die Datenlage zur Pflege in der Schweiz bzw. Belgien dar. Michael Isfort (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung) rundete das Programm mit seinem Beitrag zur Pflegeberichterstattung in Deutschland ab. Die genaueren Inhalte der Beiträge sind den jeweiligen Kurzfassungen (s. Seite 263 bis 276) zu entnehmen. Unter https://www.fh-muenster.de/fb12/ weiterbildung/tagung_pflege_beobachten sind darüber hinaus die Folien der Beiträge zu finden. Aus den ausgewerteten Evaluationsbögen geht hervor, dass der größte Teil der Teilnehmer mit der Veranstaltung sehr zufrieden war und sich in ein bis zwei Jahren eine Fortsetzung dieser Veranstaltung wünschen. Die Veranstalter werden sich in einer Nachbesprechung Ende Mai 2010 mit diesem Wunsch auseinandersetzen << 264

3 Fotos: Fachhochschule Münster Die Lebenssituation Hilfe- und Pflegebedürftiger Ergebnisse der MuG-Studien Dipl.-Sozialwissenschaftler Ulrich Schneekloth, Forschungsbereichsleiter/Prokurist TNS Infratest Sozialforschung, Familie, Bildung, Bürgergesellschaft Im Anschluss an die zu Beginn der 1990er Jahre durchgeführten Studien zu den Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung (MuG I: Häusliche Pflege, und MuG II: Altenheime, ) wurden inzwischen, ebenfalls gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, auch die Folgeuntersuchungen MuG III (Häusliche Pflege: ) und MuG IV (Altenheime: ) erstellt. Die Studien liefern grundlegende Erkenntnisse zur Lebenssituation von Hilfe- und Pflegebedürftigen in Deutschland und untersuchen die Effekte des demografischen Wandels. Das methodische Fundament bilden große Repräsentativerhebungen in jeweils etwa Privathaushalten, davon etwa 3600 Haushalte mit Hilfe- und Pflegebedürftigen, sowie bei jeweils etwa 4200 Bewohnerinnen und Bewohnern aus rund 600 Alteneinrichtungen. (Proxy-Auskünfte der Pflegekräfte von zufällig ausgewählten Bewohnerinnen und Bewohnern). Die Querschnitts-Stichproben und die Erhebungsinstrumente wurden vergleichbar angelegt, sodass Trendanalysen möglich sind (10-Jahres-Trend Vergleich). Die Ergebnisse zeigen, dass nach wie vor zwei von drei Pflegebedürftigen privat im eigenen Haushalt versorgt werden. Häuslich vor stationär kann in Deutschland im Falle von Pflegebedürftigkeit auch deshalb tatsächlich gelebt werden, weil die Pflegebereitschaft der Angehörigen trotz der spürbar werdenden Konsequenzen des demografischen Wandels ungebrochen ist. Die von der Pflegeversicherung finanzierten professionellen ambulanten Leistungen ergänzen und stabilisieren die häusliche Pflege, sie können die privaten Hauptpflegepersonen aber nicht ersetzen. Entscheidend ist, dass die professionelle und die private ( informelle ) Pflege ein Netzwerk bilden und optimal darauf abgestimmt sind, das häusliche Pflegearrangement zu stärken und die beteiligten Akteure zu entlasten. Auch die vollstationären Pflegeeinrichtungen stellen sich den Trends des demografischen Wandels. Die sogenannte Dauerpflege hat inzwischen mit flexibleren Konzepten reagiert und auch innerhalb der scheinbar in Beton gegossenen Strukturen für eine individuellere Lebensgestaltung im Alltag gesorgt. Teilstationäre Plätze oder Kurzzeitpflege ergänzen die Angebote. Nicht hinreichend gut funktioniert allerdings das sogenannte Überleitungsmanagement. Dies hängt auch damit zusammen, dass ein Wechsel in ein Pflegeheim auch heute noch immer als Einbahnstraße ohne einen Weg zurück konzipiert ist. Sammel-Veröffentlichungen: Schneekloth U. & Wahl H.-W. (Hrsg.) (2006) Selbständigkeit und Hilfebedarf bei älteren Menschen in Privathaushalten. Pflegearrangements, Demenz, Versorgungsangebote. Stuttgart, Kohlhammer. Schneekloth U. & Wahl H.-W. (Hrsg.) (2009) Pflegebedarf und Versorgungssituation bei älteren Menschen in Heimen. Demenz, Angehörige und Freiwillige, Beispiele für Good Practice. Stuttgart, Kohlhammer. Anzeige Der Dienstplan. Für die moderne Pflege. Halle 3 Stand B06 Dienstpläne für die Gesundheitswirtschaft 265

4 Pflegequalität in Deutschland Dr. Peter Pick, Geschäftsführer Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.v. (MDS) In Deutschland gab es Ende zugelassene Pflegeeinrichtungen, davon ambulante Pflegedienste und Pflegeheime. Die MDK haben seit Start der MDK-Qualitätsprüfungen 1997 bis Ende 2006 in diesen zugelassenen Einrichtungen Qualitätsprüfungen (stationär , ambulant ) durchgeführt und so einen umfassenden Überblick über die Versorgungsqualität in der Pflege gewonnen. Die Ergebnisse der MDK-Qualitätsprüfungen wurden in zwei Qualitätsberichten des MDS zusammengefasst und veröffentlicht. Die folgenden Aussagen und Auswertungen beziehen sich auf Daten des 2. Berichtes des MDS zur Qualität in der ambulanten und stationären Pflege. Grundlage dieses Berichtes sind Statistiken zu Prüfungen von ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen der Jahre 2004 bis Vergleichend dazu werden Daten des 2. Halbjahres 2003 aus dem 1. Qualitätsbericht des MDS herangezogen. Zentrales Kriterium für die Bewertung aller Items in beiden Berichten ist die Angemessenheit der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in der Pflege. Das Vermeiden von Druckgeschwüren, die Ernährung und Flüssigkeitsversorgung und der fachgerechte Umgang mit Menschen mit Demenz sind zentrale Qualitätskriterien bei der Qualitätsprüfung des MDK. Liegen bei diesen Parametern Qualitätsdefizite vor, besteht die Gefahr, dass dies zu Gesundheitsbeeinträchtigungen der Pflegebedürftigen führt. Die von den MDK erhobenen Daten zeigen, dass der Grad der Erfüllung der ausgewählten Kriterien der Struktur- und Prozessqualität mit der Qualität der pflegerischen Versorgung der Versicherten korreliert. Dieser allgemeine Zusammenhang findet sich sowohl bei den Daten aus dem 2. Halbjahr (HJ) 2003 als auch bei den Daten aus dem 1. HJ Daraus kann zunächst allgemein gefolgert werden, dass Pflegeeinrichtungen mit einer besseren Zielerreichung bei Struktur- und Prozesskriterien bessere Ergebnisse in der Versorgungsqualität erreichen. Bei der Dekubituspropyhlaxe und -therapie war die Versorgungsqualität (stationär) gemessen an der Schnittstelle von Prozess-und Ergebnisqualität im 2. HJ 2003 bei 56,9 % der einbezogenen Bewohner angemessen, im 1. HJ 2006 erhöht sich das Ergebnis für eine angemessene Versorgungsqualität auf 64,5 %. Mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz vom 1. Juli 2008 werden ab 2011 alle Pflegeeinrichtungen jährlich geprüft. Zudem werden die Ergebnisse von Qualitätsprüfungen jeder geprüften Einrichtung im Internet und in der Einrichtung transparent gemacht. Die geprüften Einrichtungen erhalten Pflege-Noten in fünf Qualitätsbereichen. Die ersten Transparenzergebnisse zeigen, dass ca. zwei Drittel aller Pflegeheime gute Noten, ein Viertel mittlere Noten und ca. 10% der Einrichtungen schlechte Noten erhalten. Damit gibt es erstmals Transparenz über die konkrete Versorgungssituation von Pflegeeinrichtungen. Mit der aktuellen Evaluation der Transparenzvereinbarungen liegen dem MDS Transparenzberichte von 928 stationären und 231 ambulanten Einrichtungen vor. NURSINGdata: der schweizerische Minimaldatensatz Pflege Alain Junger, RN, MPA Information System für die Pflege, CHUV (University Hospital of Lausanne), OFS BFS, Lausanne (Schweiz) Das Ziel des Projekts NURSINGdata ist die Erarbeitung eines schweizerischen Pflegeinformationssystems, welches eine Datenerhebung in allen drei Pflegebereichen (Hauspflege, sozialmedizinische Einrichtungen, Spitäler), in allen Spezialbereichen (gemäß Unterteilung der medizinischen Tätigkeit) sowie in allen vier Sprachregionen ermöglicht. Dieses Pflegeinformationssystem soll kompatibel sein mit den anderen schweizerischen Systemen, wie z.b. die Statistiken des BFS und die medizinischen Klassifikationen (CIM-10, CH-OP, TARMED, etc.). Es soll auch für internationale Vergleiche herangezogen werden können. Dabei ist die schweizerische Datenschutzgesetzgebung zu berücksichtigen. NURSINGdata besteht nicht nur aus einer Variablenliste und zwei Referenzklassifikationen, sondern auch aus einem Informationsmodell (Modell Pflege als Objekt) und einem Vorschlag für ein Datenerhebungsmodell ( Austrittszusammenfassung ). Das Informationsmodell sollte zum Standard für die Erhebung von Pflegedaten werden. Das Datenerhebungsmodell kann hingegen noch hinterfragt werden. Welche Lösung auch immer gewählt wird, es bleibt noch einiges zu tun, besonders im Bereich der Schulung. Für den weiteren Verlauf des Projekts zeichnen sich vier Tätigkeitsbereiche ab, die wie folgt zusammengefasst werden können: 1. Das Modell Pflege als Objekt und die Variablenliste, also das CH-NMDS, ermöglichen die kohärente Erhebung all dieser Daten und stellen den Bezug zwischen den Daten sicher. Es wäre sinnvoll, sie in die schweizerische Gesundheitsstatistik zu integrieren, denn die Pflegedaten enthalten wichtige Informationen. 2. Das gegenwärtige Datenerhebungsmodell basiert auf der Austrittszusammenfassung. Letzteres besteht zur Zeit nur in seinen Grundzügen und sollte im Interesse der betroffenen Projektpartner bald weiterentwickelt werden, denn es wäre schwierig, es für rein statistische Zwecke durchzusetzen. Um diese beiden Aspekte des Problems kümmern sich gegenwärtig die Bundesämter insbesondere das Bundesamt für Statistik die Kantone insofern, als sie auch selbst über die Datenerhebung bestimmen können die SVPL und H+ für ihre eigene Verwendung und weil die Einrichtungen die Datenerhebung und die Austrittszusammenfassung letztendlich selbst umsetzen müssen. 3. Die Referenzklassifikationen sollten beibehalten und weiter entwickelt werden, denn sie müssen sowohl auf klinischer als auch auf wissenschaftlicher Ebene vertieft werden. Zudem sollten sie mit den anderen in der Schweiz verwendeten Nomenklaturen vernetzt werden, wobei auch die internationalen Entwicklungen berücksichtigt werden sollten. Mit diesem Aspekt des Projekts sollte sich der SBK (Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) befassen, der den globalen Überblick über diesen Aspekt des Berufs hat und über die nötigen nationalen und internationalen Kontakte verfügt. 4. Die Schulung und das Erstellen des Schulungsmaterials sind wichtige Faktoren für die Qualität der erhobenen Daten und deren Aussagekraft. In diesem Bereich wird der Beitrag der Ausbildungsleiterinnen und -leiter sowie ihrer Kollegen von ausschlaggebender Bedeutung sein. Es geht nicht nur um die Schulung der für die Datenerfassung verantwortlichen Personen, sondern auch um die Ausbildung der Pflegefachleute im Bereich der Beschreibung und Dokumentierung ihrer Tätigkeit, des diagnostischen Vorgehens, der Forschung, usw. Hinter NURSINGdata stecken Fachwissen und Fachkompetenzen im Zusammenhang mit Pflegeinformationssystemen, die sich nicht bloß auf die Statistiken beschränken. Die Darstellung der Pyramide (Aggregationsmodell) soll ständig daran erinnern, dass sich NURSINGdata an die gesamte Welt der Pflege richtet. 266

5 Belgian Nursing Minimum Dataset Prof. Dr. Walter Sermeus, Catholic University Leuven, Faculty of Medicine, School of Public Health, Centre for Health Services & Nursing Research Belgium has a long tradition in collecting nursing data for health care management. The first research initiative on a nursing minimum data set started in 1985 leading to a Royal Decree in 1987 in which the collection of a nursing minimum dataset (NMDS) became mandatory for all Belgian acute hospitals. The NMDS consists of patient data, 23 nursing intervention data and nursing personnel data (number and qualification) on the level of the nursing ward. From 1988 until 2006, 25 million nursing data from patient records were abstracted to the NMDS. The available data have been used in the financing scheme for acute hospitals especially for medical-surgical, paediatric and intensive care units. The way hospitals are financed is by using a two layer system. For each nursing ward, minimum nurse staffing ratios are calculated depending on the number of inpatient days and type of nursing ward. On top of this minimum staffing ratios, the NMDS is used to determine the relative level of care intensity. Depending on this relative level, additional nurse staffing is financing ranging from 0% extra (for nursing wards with the baseline intensity levels) up to 33% extra from nursing wards with the highest intensity levels. Overall 6% to 7% of the hospital operating budget is determined by the NMDS. In 2002, the initiative was taking for updating the NMDS. First reasons were that the NMDS dates from 1985 and was not in line anymore with current nursing practice. Also other countries had some developments in these NMDS (such as Switzerland, The Netherlands, Ireland, Portugal etc.). The main reason for updating however was to integrate and link the NMDS with other data-elements from hospitals such as DRGs. From 2002 until 2006, a new NMDS was developed. It was based on the Nursing Intervention Classification which has been internationally validated. 78 nursing interventions have been identified for inclusion in the dataset, what allow more sensitive analysis for specific patients groups. The dataset is now fully integrated in the hospital discharge dataset. Since 2008, the new NMDS is in use by all Belgian hospitals. A new research project has been started in 2009 to analyse the NMDS-data for inclusion in the hospital financing mechanism. The development of nursing related groups (NRGs) which will complement DRGs from a nursing perspective, will be developed. Autorenkontakt: Rüdiger Ostermann und Friederike Störkel, FB Pflege und Gesundheit, FH Münster. Heiko Pfaff, Gruppe VIII B - Soziales, Statistisches Bundesamt. Kontakt: ruediger. Pflegeberichterstattung in Deutschland Anforderungen an Grunddaten für eine pflegerische Versorgungsplanung Prof. Dr. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.v. (dip), Mitglied des geschäftsführenden Vorstands, Professor für Pflegewissenschaft an der Katholischen Hochschule (KatHO) NRW, Abteilung Köln Die pflegerische Versorgung der Bevölkerung auf lange Sicht sicher zu stellen, ist eine zentrale Aufgabe von Politik, Verbänden und Einrichtungen. In den letzten Jahren haben sich gravierende Veränderungen im Gesundheits- und Pflegewesen ergeben. Nicht nur die vom statistischen Bundesamt regelmäßig erhobenen Daten der Pflegestatistik belegen, dass der ambulante und der vollstationäre Pflegebereich wachsende Versorgungsleistungen erbringen muss. Im Krankenhaus zeigt sich wegen Mehrbelastung (Zunahme der Patientenversorgung) und Rationierungen von Pflegenden eine Arbeitsverdichtung für das Pflegepersonal mit Auswirkungen auf die Patientenversorgung und letztlich auf die Patientensicherheit. Um steuerungsrelevante Daten und planungstechnische Grundlagen zu bekommen, bedarf es neben den amtlichen Statistiken auch ergänzender Berichterstattungselemente. Die in amtlichen Statistiken ausgewiesenen Strukturdaten sind ein wesentlicher Parameter, jedoch nicht die alleinigen Hinweise, die benötigt werden. Ergänzt werden können diese Daten durch Einschätzungen zu Veränderungen auf dem Personal- und dem Anbietermarkt durch die Einrichtungen selbst. Darüber hinaus müssen die bestehenden Daten auch mit Hinweisen zum Pflegeaufwand von Patienten und Bewohnern kombiniert werden, um sie hinsichtlich der Qualität der pflegerischen Versorgung analysieren zu können. Zyklische und ergänzende Befragungen über Befragungsinstrumente können hier eine sinnvolle Hilfe darstellen. Es stellt sich die methodisch anspruchsvolle Frage, ob es zukünftig gelingen wird, in einer Kombination aus Einschätzungsfragen und Strukturdaten die entscheidenden Indikatoren zu finden, die eine tatsächliche Vorausplanung ermöglichen. Ein wesentlicher Aspekt für eine pflegerische Versorgungsplanung ist die Aufgabe der sektoriellen Betrachtung in der Diskussion. Schon heute lässt sich die strenge Gliederung zwischen den Sektoren (Krankenhaus, ambulante und vollstationäre Pflege) nicht mehr Aufrecht erhalten. Ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegekräfte gehen zunehmend in den ambulanten Pflegesektor, ebenso werden dort auch ausgebildete Altenpflegekräfte eingestellt. Dies legt die Notwendigkeit nahe, sich über die Sektoren hinaus mit Fragen der personellen Sicherstellung zu beschäftigen. Regionalisierung statt Sektorierung gilt es in den Fokus der Betrachtung zu stellen. Veränderungen im Ausbildungspanorama (z.b. über Bachelorstudiengänge für Pflegende und Modularisierung) werden darüber hinaus zu gravierenden Umwälzungen führen. Diese Veränderungen müssen im Vorfeld sowie im Nachgang ebenso regelmäßig untersucht werden wie es gilt, die bestehenden Datenlagen zu verbessern und weiter auszudifferenzieren. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.v. führt seit Jahren die Pflege-Thermometer-Reihe durch, die sich als eine solche Ergänzung zu bestehenden Daten versteht. Darüber hinaus wurde in diesem Jahr erstmalig die Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW an das dip vergeben, um den genannten Aspekten Rechnung zu tragen. Anzeige GeoCon Dienstplan 8.0 Sie pflegen Menschen. Wir Ihre Zeit dafür. Generell Aktuell. Individuell. Professionell. Halle 3 Stand B06 Dienstpläne für die Gesundheitswirtschaft 267

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