Verfahren zur Dichtheitsmessung/ Blower Door

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1 Chance Energie- und Umweltmarkt (Fotos: HWK Münster) Verfahren zur Dichtheitsmessung/ Blower Door Seite 1 von 6

2 Luftdichtheit und Heizenergiebedarf Will man den Statistikern glauben, so werden in privaten Wohngebäuden ca. 80 % der verbrauchten Energie für die Heizung verwendet. Die Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden gibt die Energieeinsparverordnung (EnEV 2002) vor. Auf Grund des zwischenzeitlich erreichten Wärmedämmstandards hat der Lüftungswärmeverlust allerdings inzwischen Größenordnungen angenommen, die nicht selten über dem Transmissionswärmeverlust liegen. Luftdichtheit des Gebäudes ist daher unumgänglich, wenn der berechnete Heizenergiebedarf tatsächlich erreicht und Bauschäden sowie Komforteinbußen vermieden werden sollen. Vorteile ergeben sich durch: Vermeidung von unangenehmer Zugluft, nicht nur an windigen Tagen Erhöhung der Effektivität von Abluftanlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung Erhaltung des Dämmwertes der Wärmedämmung Vermeidung des Feuchteeintrags in die Konstruktion und damit Vorbeugung von Bauschäden und Schimmelbildung Einsparung von Heizenergie Die EnEV 2002 schreibt in 5: (1) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend dem Stand der Technik abgedichtet ist. ( ) Dies hat zur Folge, dass der Ausführende beim Nachweis mangelhafter Dichtheit zur Rechenschaft gezogen werden kann. Es ist daher ratsam, nach Herstellung der luftdichten Ebene und vor dem Bezug des Hauses eine Blower-Door-Messung durchzuführen. Mit der Blower Door verfügt man über ein Messinstrument, das hilft, die Luftdichtheit von Gebäuden zu beurteilen. Bei dieser Überprüfung der Luftdichtheit wird eine Windbelastung simuliert und festgestellt, inwieweit die Gebäudehülle dem natürlichen Winddruck widersteht. Die hierfür erforderliche Druckdifferenz zwischen innen und außen baut ein regelbares Gebläse auf, das in eine Tür oder Fensteröffnung eingesetzt wird. Mit dem regelbaren Ventilator wird im Gebäude zunächst ein Unterdruck erzeugt. Bei konstanter Druckdifferenz zwischen innen und außen wird die Menge der Luft gemessen, die durch den Ventilator transportiert wird. Dieser Volumenstrom wird ins Verhältnis zum beheiztem Gebäudevolumen gesetzt und daraus die Luftwechselrate berechnet. Das gleiche Verfahren wird bei Überdruck angewendet und die beiden berechneten Luftwechselraten gemittelt. Seite 2 von 6

3 Ein Berechnungsbeispiel Bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal dies entspricht ungefähr einer Windstärke von 5 wird diese Gebäudekennziffer als so genannter n 50 -Wert angegeben. Dieser n 50 -Wert darf bei Gebäuden mit Fensterlüftung den Wert 3 h -1 und bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen (auch einfachen Abluftanlagen) den Wert 1,5 h -1 nicht überschreiten. Diese Anforderungen an die Dichtheit der Gebäudehülle sollen dazu beitragen, unnötige Wärmeverluste zu vermeiden. Eine spezielle Dichtheitsprüfung ist zwar nicht vorgeschrieben, allerdings sind mit einer freiwilligen messtechnischen Prüfung der Dichtheit Anforderungserleichterungen verbunden, die den verringerten Infiltrationsluftwechsel berücksichtigen. Der bestandene Blower-Door-Test bringt Vergünstigungen bei der Berechnung des Heizwärmebedarfs. Die Einbeziehung eines Dichtheitsnachweises ist der wirtschaftlichste Weg zur Erfüllung der Anforderungen der EnEV. In den Regelwerken werden für Wohnräume unterschiedliche Luftwechselraten angegeben. Für die Grundlüftung aus hygienischen Gründen werden 0,2 h -1 angesetzt. Die DIN Wärmebedarfsberechnung nimmt eine Luftwechselrate von 0,5 h -1 an und die EnEV setzt ohne Nachweis der Luftdichtigkeit eine Luftwechselrate von 0,7 h -1 an. Dieser Wert wird immer dann verwendet, wenn der spezifische Lüftungswärmeverlust berechnet werden soll und keine Dichtheitsprüfung des Gebäudes durchgeführt wurde. Erfüllung der EnEV-Anforderungen Für Gebäude mit erfolgreich bestandener Dichtheitsprüfung darf eine Luftwechselrate von 0,6 h -1 angesetzt werden. Mit einer Blower-Door-Messung, die die Einhaltung der Luftwechselraten bestätigt, sind also Anforderungserleichterungen verbunden, die sich direkt in einem geringeren Lüftungswärmeverlust niederschlagen und somit günstigere Werte bei der Berechnung des Jahres-Heizwärmebedarfs ergeben. Diese Begünstigungen bewirken, dass die Einbeziehung eines Dichtheitsnachweises einer der wirtschaftlichsten Wege zur Erfüllung der Anforderungen der EnEV ist. Seite 3 von 6

4 Kaltluft auf der Spur Eine Blower-Door-Messung bietet nicht nur die Möglichkeit, die Luftwechselrate eines Gebäudes zu bestimmen, sondern zeigt auch auf eindrucksvolle Weise die Leckagen in der Gebäudehülle auf. Schon ohne technische Hilfsmittel kann bei der Unterdruckmessung mit dem feuchten Finger eindringende Kaltluft aufgespürt werden. Professioneller arbeitet es sich allerdings mit einer Thermokamera. Mit diesem bildgebenden Messinstrument wird die Temperaturverteilung eines Bauteils in Farben umgesetzt. Bei einer Temperaturempfindlichkeit von 0,1 Kelvin lassen sich auch kleinste Leckagen sichtbar machen. (Abb.: Energieagentur NRW, Wuppertal) Messung und Beurteilung der Leckagen Auch kleinste Leckagen können an vielen Anschlusspunkten von Bauteilen auftreten, wie schon in der Gebäudeskizze auf der letzten Innenseite dargestellt. Die Beurteilung der Lekkagen nach Dringlichkeit der Sanierung erfolgt über eine Quantifizierung des Volumenstromes und der Strömungsgeschwindigkeit. Die Strömungsgeschwindigkeit wird mit einem thermischen Anemometer gemessen, das direkt die Geschwindigkeit in Meter/Sekunde anzeigt. Strömt die Kaltluft mit mehr als 2 m/s durch eine Leckage, wird sie üblicherweise als störend empfunden und es sollten Maßnahmen zur Abdichtung dieses Bauteils vorgenommen werden. Seite 4 von 6

5 Die Menge der durch eine Leckage strömenden Luft wird mit einem Volumenstrom-Messtrichter bestimmt. Bei solchen Messungen kann festgestellt werden, dass eine Steckdose in einer massiven Außenwand während der Blower-Door- Messung bis zu 10 m 3 /h Luft in das Gebäude lässt. Rechtzeitig Vorsorgen Die Leckagepfade können Die Leckagepfade können bei einer Überdruckmessung mit Hilfe einer Nebelmaschine aufgespürt werden. Bei diesem Verfahren bietet sich eine selektive Vorgehensweise an. Verdachtsstellen in den Wohnräumen sollten einzeln angenebelt werden, um den Weg des Nebels durch die Gebäudehülle nach draußen verfolgen zu können. Bei größeren Nebelaktionen sollte die Nachbarschaft und gegebenenfalls die Feuerwehr informiert werden. Ein Haus mit einer luftdichten Gebäudehülle, das die Anforderungen der einschlägigen Verordnungen und DIN-Normen erfüllt, bedarf von Anfang an einer sorgfältigen Planung. Es empfiehlt sich, ein Luftdichtheitskonzept anhand eines einschlägigen Kriterienkataloges zu erstellen und die fachgerechte Ausführung während der Bauphase kontinuierlich zu kontrollieren. Die baubegleitende Messung bietet die Möglichkeit, aufgetretene Fehler kostengünstig und kurzfristig häufig noch während der Blower-Door-Messung zu beheben. Messungen nach Fertigstellung des Innenausbaus, d.h. ohne kostengünstige Möglichkeit der Nachbesserung, ziehen häufig Streitigkeiten nach sich, die vor Gericht landen lassen Sie es nicht so weit kommen! Das Blower-Door-Verfahren sollte allen ausführenden Betrieben der Bau- und Ausbaugewerbe geläufig sein. Sie sollten sich bewusst machen, dass die fachgerechte Ausführung ihrer Arbeiten mittels dieses Verfahrens geprüft werden kann. Seite 5 von 6

6 Kontakt Sprechen Sie uns an! Das Projekt wird mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr des Landes NRW und der Europäischen Union (EFRE) gefördert. Projektkoordination Handwerkskammer Düsseldorf Zentrum für Umwelt und Energie Mülheimer Straße 6, Oberhausen Dr. Volker Becker Tel.: / Fax: / Baugewerbliche Verbände Tel.: / Dachdecker-Verband Nordrhein Tel.: / Fachverband des Tischlerhandwerks Tel.: / Nordrhein-Westfalen Fachverband Sanitär Heizung Klima Tel.: / Nordrhein-Westfalen Handwerkskammer Aachen Tel.: / Handwerkskammer Dortmund Tel.: / Institut für Umweltschutz Tel.: / der Handwerkskammer Münster Landesinnungsverband des Tel.: / Schornsteinfegerhandwerks Maler und Lackierer Tel.: / Landesinnungsverband Nordrhein Öko-Zentrum Nordrhein-Westfalen Tel.: / Seite 6 von 6 Stand: 01/2004

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