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1 GESCHÄFTS B E R I C H T 2007

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3 INHALT Content b VORWORT Preface DAS UNTERNEHMEN The company LAGEBERICHT Report VERSORGUNGSSICHERHEIT Security of supply GAS GRID MANAGEMENT SYSTEM AUSBLICK Outlook SERVICE Customer service Vorwort des Aufsichtsratsvorsitzenden 4 Preface of the chairman of the supervisory board Vorwort des Vorstandes 5 Preface of the chief executive officer Organisation und Mitarbeiter 6 Organisation and employees Eigentümer und Organe 7 Aufgaben und Ziele 8 Duties and objectives Das gaswirtschaftliche Umfeld 10 Economic climate Das rechtliche Umfeld Österreich 12 The legal environment: Austria Das rechtliche Umfeld EU 13 The legal environment: EU Langfristige Planung / Feasibility Study Long-term plan and Feasibility Study 2007 Netzzugangs- und Kapazitätsmanagement 18 Third party system access and capacity management Gasflusssteuerung 20 Gas flow control Inbetriebnahme GGMS 22 GGMS launch Ausblick 24 Outlook Service für unsere Kunden 25 Customer service JAHRESABSCHLUSS 2007 Bilanz 28 Gewinn- und Verlustrechnung 30 Anhang zum Jahresabschluss 32 Bestätigungsvermerk 36 Impressum 38 3

4 VORWORT Preface b (von links) Mag. Dr. Harald Stindl Vorsitzender des Aufsichtsrates Dr. Thomas Heissenberger Vorstand AGGM faced a heavy workload in 2007 due to the need to implement changes in the legal and regulatory environment. The year also saw important management changes. On 1 May 2007 the Supervisory Board appointed Thomas Heissenberger as the company s chief executive officer. Thanks to his extensive management experience in the sector and regulatory background, Dr. Heissenberger is ideally qualified to consolidate the Company s position as a highly regarded partner of the Austrian gas industry. I should like to express my heartfelt gratitude to his predecessor, Dr. Thomas Starlinger, for his contribution to the successful development of AGGM and his role in establishing it as a universally respected manager of the Eastern control area. I should also like to thank Otto Musilek for his strong support for AGGM as chairman of the Supervisory Board. He stepped down from his position on 11 September 2007 due to his departure from OMV Gas GmbH. AGGM has handled the past year s operational and management changes impressively, and is well prepared for the challenges presented by coming regulatory and market developments. I should like to pay tribute to the management and the workforce for their commitment and their outstanding performance during the year. Das Jahr 2007 hat für die AGGM beachtliche Umsetzungserfordernisse aus Veränderungen der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen gebracht. Gleichzeitig wurden wichtige personelle Weichenstellungen vorgenommen: Mit 1. Mai 2007 wurde Dr. Thomas Heissenberger vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstand der AGGM bestellt. Mit Dr. Heissenberger wurde ein im Gasbereich erfahrener Manager mit zusätzlichem Regulierungsbackground an die Spitze berufen, der im höchsten Maße geeignet ist, die Position des Unternehmens als anerkannter Partner innerhalb der österreichischen Gaswirtschaft weiter zu festigen. Seinem Vorgänger, Dr. Thomas Starlinger, ist an dieser Stelle ein besonderer Dank für den erfolgreichen Aufbau der AGGM und ihre Etablierung als allseits anerkannter Regelzonenführer der Regelzone Ost auszusprechen. Meinen Dank möchte ich auch Direktor Komm.-Rat Ing. Otto Musilek aussprechen, der die Tätigkeit der AGGM mit großem persönlichem Engagement begleitet hat; er hat am 11. September 2007, aufgrund seines Ausscheidens aus der OMV Gas GmbH, seine Tätigkeit als Vorsitzender des Aufsichtsrates zurückgelegt. Die AGGM hat die inhaltlichen und personellen Veränderungen des abgelaufenen Jahres in beeindruckender Art und Weise gemeistert. Für die aus neuen Regulierungen und Marktentwicklungen erwachsenden Herausforderungen der Zukunft ist das Unternehmen gut vorbereitet. Ich danke dem Vorstand und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre engagierte und erfolgreiche Arbeit. 4 Mag. Dr. Harald Stindl

5 Die Implementierung und Umsetzung neuer rechtlicher Grundlagen und damit verbundener Aufgaben der AGGM war prägend für das Jahr Wir konnten dabei den uns selbst auferlegten Anspruch erfüllen, unsere Dienstleistungen zeitgerecht und in hoher Qualität zur Verfügung zu stellen. Die im abgelaufenen Jahr erstellte Langfristige Planung stellt einen Meilenstein in der Infrastrukturplanung der Fernleitungsnetze in der Regelzone Ost dar. Mit den genehmigten Ausbaumaßnahmen können die seit Jahren aufgezeigten potenziellen Kapazitätsengpässe beseitigt und die prognostizierten Verbrauchszuwächse in der Regelzone Ost adäquat berücksichtigt werden. Nach Abschluss der erforderlichen Verträge steht einem Baubeginn durch die jeweiligen Netzbetreiber im Frühjahr 2008 nichts mehr entgegen. Zur Steuerung der Gasflüsse bzw. Abwicklung und der damit verbundenen Prozesse wurde Ende 2007 ein neues Gas Grid Management System (GGMS) erfolgreich in Betrieb genommen. Die komplexen Anforderungen und geänderten gesetzlichen Vorgaben bedingten eine Projektlaufzeit von etwa zwei Jahren. Dieses neue IT-System wird die AGGM bei der Erfüllung ihrer Aufgaben künftig bestmöglich unterstützen. Das überdurchschnittliche Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Abwicklung aller Projekte ohne Beeinträchtigung des Tagesgeschäftes ermöglicht. Ich danke dem Team der AGGM für die Leistungsbereitschaft und freue mich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit unseren Marktpartnern im kommenden Jahr! Dr. Thomas Heissenberger For AGGM 2007 was largely shaped by the implementation of a new legal framework and related tasks. We coped with this workload without compromising our self-imposed standards in terms of the high quality and prompt delivery of our services. The long-term plan drawn up during the year just ended represents a major milestone in the planning of transmission network infrastructure in the Eastern control area. The network upgrading measures that were approved should overcome the potential capacity shortages we have been warning against for some time, and should be sufficient meet forecast demand growth in the Eastern control area. Once the necessary contracts have been signed there should be no further obstacle to the commencement of works by the system operators involved in the spring of A new Gas Grid Management System (GGMS) for the control and management of gas flows and the related processes was successfully launched towards the end of Due to the complexity of the demands on the software and changed legal requirements this project took about two years to complete. The new IT system gives AGGM the ideal platform to fulfil its responsibilities. The outstanding energy and dedication shown by the entire workforce made it possible to execute all the projects undertaken without disrupting day-today business. I should like to thank the AGGM team for their contribution, and look forward to working with them to achieve another year of close collaboration with fellow market participants. 5

6 DAS UNTERNEHMEN The company b ORGANISATION UND MITARBEITER Organisation and employees Our people are crucial to the success of AGGM. In the challenging environment in which we operate, their abilities and core skills are central to our results and goal driven approach. Legal changes related to the Energy Security of Supply Act 2006 have imposed additional responsibilities on AGGM and extended our existing duties. In the course of 2007 we were obliged to increase the head count slightly in order to meet these new challenges without compromising quality. As at year end 2007 the Company employed a total of 31 people. AGGM relies on a lean and efficiently run organisation to perform its tasks and achieve its corporate objectives Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein entscheidender Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Unternehmensentwicklung der AGGM. Deren Fähigkeiten und Kernkompetenzen bilden eine zentrale Grundlage für unsere erfolgs- und zielorientierte Handlungsweise. Um diese Stärke unseres Unternehmens weiter auszubauen und damit dem anspruchsvollen Umfeld gerecht zu werden, in dem sich die AGGM bewegt, werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vielfältige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Fachkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung angeboten. Entsprechend unserem Grundsatz, dass unsere Mitarbeiter die wichtigste unternehmerische Ressource darstellen, werden wir den Weg einer aktiven und dynamischen Personalentwicklung auch in Zukunft beschreiten. Aufgrund gesetzlicher Änderungen im Rahmen des im Jahr 2006 beschlossenen Energieversorgungssicherheitsgesetzes wurden der AGGM neue und zusätzliche Aufgaben zugeteilt und bereits bestehende Aufgaben ausgeweitet. Um diesen neuen Herausforderungen in der gewohnten Qualität nachkommen zu können, wurde der Personalstand im Laufe des Jahres 2007 leicht erhöht. Die AGGM beschäftigte somit per Jahresende 2007 insgesamt 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Unternehmensziele und Aufgaben der AGGM werden weiterhin mit einer in personeller Hinsicht schlanken und effizient geführten Organisation erreicht. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AGGM wurden auch in diesem Jahr unter dem Titel Human Capital Management (HCM) über verschiedene Aspekte der Arbeitszufriedenheit befragt. Die Beteiligung an dieser anonymen Umfrage lag wie schon in den Jahren zuvor bei über 90 %. Mit einer Arbeitszufriedenheit von rund 80 % erreichte die AGGM ein Spitzenergebnis im Rahmen des OMV- Konzerns. 6

7 EIGENTÜMER UND ORGANE VORSTAND VDir. Dr. Thomas Starlinger, geb vertrat bis selbstständig VDir. Dr. Thomas Heissenberger, geb vertritt seit selbstständig PROKURISTEN Dipl.-Ing. Helmut Deutsch, geb vertritt seit gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied oder einem Prokuristen Martin Icha, geb vertritt seit gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied oder einem Prokuristen Ing. Dkfm. Helmut Wittmann, geb vertritt seit gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied oder einem Prokuristen EIGENTÜMER OMV Gas GmbH AUFSICHTSRAT Dir. Komm.-Rat Ing. Otto Musilek, geb Vorsitzender bis Mag. Dr. Harald Stindl, geb Stellvertreter des Vorsitzenden bis Vorsitzender ab Ing. Mag. Michael Woltran, geb Mitglied bis Mitglied seit Stellvertreter des Vorsitzenden ab Dr. Erhard Fürst, geb Mitglied Mag. Marcus Willmann, geb Mitglied seit VOM BETRIEBSRAT ENTSANDT Sabina Glasner, geb Mitglied Franz Haberl, geb Mitglied 7

8 AUFGABEN UND ZIELE Duties and objectives b (von links) Dipl.-Ing. Helmut Deutsch Gasflusssteuerung & Optimierung VDir. Dr. Thomas Heissenberger Vorstand Martin Icha Finanzen, Controlling, Rechnungswesen Ing. Dkfm. Helmut Wittmann Netzzugang & Kapazitäten AGGM s overriding goal is maintaining uninterrupted gas supplies in the Eastern control area. The control area comprises the provinces of Burgenland, Carinthia, Lower and Upper Austria, Salzburg, Styria and Vienna. It was created when the extensive gas pipeline network in Austria with a total length of over 30,000 kilometres was subdivided into three control areas in the course of liberalisation under the Natural Gas Act Each control area has a control area manager responsible for managing existing network capacity. AGGM was appointed as the control area manager for the Eastern control area. AGGM is a public limited company, and operates independently from all other market participants businesses with regard to its organisation and decision-making powers, and its performance of the duties imposed on it by the Natural Gas Act (sections 12b ff). These duties mainly relate to third party system access and capacity management, gas flow control, the preparation of longterm gas transmission network plans, and crisis management in supply emergencies. By performing these functions AGGM makes a crucial contribution to the sustainability of gas security of supply in the control area entrusted to it. Oberstes Ziel der AGGM ist die Sicherstellung der ununterbrochenen Gasversorgung in der Regelzone Ost. Die Regelzone Ost umfasst die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Kärnten. Sie wurde im Zuge der Liberalisierung des Erdgasmarktes durch das Gaswirtschaftsgesetz 2002 geschaffen, als das dichte Netz an Erdgasleitungen in Österreich mit einer Gesamtlänge von mehr als Kilometer in drei sogenannte Regelzonen zusammengefasst wurde. In jeder Regelzone sorgt ein Regelzonenführer für die Verwaltung bestehender Transportkapazitäten im Leitungsnetz. In der Regelzone Ost wurde die AGGM als Regelzonenführer benannt. Die AGGM ist als Aktiengesellschaft eingerichtet, die sowohl hinsichtlich Organisation als auch Entscheidungsgewalt unabhängig von allen Tätigkeitsbereichen der anderen Marktteilnehmer agiert und die im Gaswirtschaftsgesetz ( 12b ff.) vorgesehenen Aufgaben erfüllt. Diese Aufgaben umfassen im Wesentlichen das Netzzugangsund Kapazitätsmanagement, die Gasflusssteuerung, die Erstellung einer Langfristigen Planung für das Erdgasfernleitungsnetz sowie das Krisenmanagement in Engpasssituationen. Durch Erfüllung dieser Aufgaben leistet die AGGM einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Sicherstellung der Gasversorgung in der ihr überantworteten Regelzone. In den einzelnen Regelzonen sind die verschiedenen Marktteilnehmer wie Versorger, Händler und Kunden zu Gruppen ( Bilanzgruppen ) zusammengeschlossen. Der Zweck dieser Bilanzgruppen besteht im Wesentlichen darin, den Ausgleich von Einspeisung und Entnahme von Erdgas sicherzustellen. Ein Bilanzgruppenverantwortlicher prognostiziert den Bedarf der Bilanzgruppenmitglieder für jede Stunde und plant gemeinsam mit 8

9 den Versorgern die Deckung der Nachfrage. Überschreiten die benötigten Mengen das prognostizierte Volumen, muss die erforderliche Ausgleichsmenge, die über einen Ausgleichsenergiemarkt bezogen wird, vom Regelzonenführer abgerufen werden. Dazu betreibt ein Bilanzgruppenkoordinator eine Verrechnungsstelle für die Organisation und die Abrechnung der Ausgleichsenergieversorgung innerhalb einer Regelzone. Durch diese Organisationsstruktur wird eine sichere Versorgung mit Erdgas gewährleistet, welche für das Funktionieren des liberalisierten Erdgasmarktes unerlässlich ist. Die AGGM als Regelzonenführer wendet gegenüber ihren Vertragspartnern das sind Netzbetreiber, Bilanzgruppenverantwortliche und der Bilanzgruppenkoordinator das Gleichbehandlungsgebot an: Alle Marktteilnehmer werden bei Vorliegen gleicher Voraussetzungen gleich behandelt. The various market participants, including suppliers, wholesalers and consumers, are consolidated into groups ( balancing groups ). The main purpose of the latter is to balance gas injection and withdrawal. The balancing group representatives forecast balancing group members hourly demand and plan its fulfilment in conjunction with the suppliers. In the event that the amounts actually required exceed forecast volume the necessary balancing gas must be called off by the control area manager; it is procured via the balancing market. To this end a balancing group coordinator operates a settlement agency which organises the supply of balancing energy and the settlement of balancing energy accounts in its control area. This organisational structure safeguards security of supply, which is essential for the proper functioning of liberalised gas markets. AGGM behaves impartially to its contractual partners the system operators, balancing group representatives and balancing group coordinators. All market participants are given equal treatment in given situations. 9

10 LAGEBERICHT Report b DAS GASWIRTSCHAFTLICHE UMFELD Economic climate Central and Western Europe are blanketed by gas grids that permit complete coverage of most areas. Due to the wide range of environmentally friendly applications for natural gas, demand in Western Europe exceeds production capacity in the region. With the exception of small fields including some in Austria European production is largely concentrated in the North Sea. Russia, which is the world s leading producer and has large reserves, is a major source of Europe s natural gas supplies. For political reasons the European Union wishes to avoid excessive dependence on gas imports from Russia, and is pressing for increased supply diversification. Austria s favourable geographical position in the heart of Europe makes it an important transit country for natural gas. The natural gas transfer station in Baumgarten, Lower Austria, is one of Europe s key gas hubs. In future, additional gas imports may come not just from Russia or Norway, but also from new sources. The planned Nabucco pipeline would carry gas from the Caspian to Austria, via Turkey and South-Eastern Europe. Another form of diversification would result from the construction of a liquefied natural gas (LNG) import terminal on the Croatian island of Krk. Global gas demand is expected to grow rapidly over the next few years. The industrialised countries especially in Europe plan to increase their gas use in order to reduce dependence on oil. A major attraction of natural gas is its superior environmental performance as compared to other fossil fuels. Mittel- und Westeuropa ist von einem Netz an Gasleitungen durchzogen, das eine weitgehend flächendeckende Versorgung mit Gas möglich macht. Aufgrund vielfältiger und sauberer Anwendungsmöglichkeiten liegt der Verbrauch an Erdgas in Westeuropa über den regionalen Produktionsmöglichkeiten: Von kleineren Feldern darunter auch in Österreich abgesehen, liegt der Schwerpunkt der europäischen Förderung in der Nordsee. Ein wichtiges Herkunftsland für Erdgas ist Russland, das nicht nur aktuell den höchsten Anteil an der weltweiten Förderung hält, sondern auch über große Reserven verfügt. Aus politischen Gründen ist die Europäische Union bestrebt, eine zu große Abhängigkeit von den Erdgaslieferungen aus Russland zu verhindern, und drängt auf eine stärkere Diversifizierung der Bezugsquellen. Die weltweit größten Erdgasreserven befinden sich im Nahen Osten und könnten über zusätzliche Pipelines oder Transportschiffe als Flüssigerdgas (LNG) nach Europa gebracht werden. In Österreich selbst gibt es kleinere Erdgasfelder. Aufgrund bedeutender Erdgasfunde in Niederösterreich in den 1950er Jahren konnte vorübergehend der gesamte österreichische Bedarf an Erdgas aus eigenen Vorkommen gedeckt werden. Derzeit beträgt der Anteil der inländischen Förderung rund ein Fünftel der Gesamtaufbringung. Die günstige geografische Lage im Zentrum Europas macht Österreich naturgemäß zu einem wichtigen Transitland für Erdgas. Österreich schloss 1968 als erstes westliches Land einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag mit der damaligen Sowjetunion ab. Dieser Schritt hatte weit reichende Folgen: Österreich bezieht nicht nur bis heute einen wesentlichen Teil des benötigten Erdgases aus Russland. Die Erdgasstation im niederösterreichischen Ort Baumgarten zählt heute zu den bedeutendsten Erdgasdrehscheiben Europas. Die Anbindung der Erdgasnetze in alle Himmelsrichtungen ist aber nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Transits, sondern vor allem auch der Versorgungssicherheit Österreichs zu sehen. Zusätzliche Gasimporte könnten künftig aus Russland oder Norwegen kommen, aber auch aus neuen Richtungen: Das geplante Nabucco-Pipeline-Projekt soll Gas aus dem kaspischen Raum über die Türkei und Südosteuropa nach Österreich bringen. Eine weitere Diversifizierung der Erdgasversorgung könnte durch die Errichtung eines Terminals für den Import von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) auf der kroatischen Insel Krk erfolgen. 10

11 In den kommenden Jahren wird weltweit ein starkes Wachstum des Erdgasverbrauchs erwartet. In den industrialisierten Ländern, vor allem in Europa, soll ein verstärkter Einsatz von Gas die Abhängigkeit vom Öl vermindern. Ein wesentlicher Grund für die Attraktivität des Erdgases liegt in der im Vergleich zu anderen Primärenergieträgern höheren Umweltfreundlichkeit: Erdgas hat von allen fossilen Energien den geringsten Gehalt an Kohlenstoff. Bezogen auf den gleichen Energiegehalt wird bei der Verbrennung von Erdgas rund ein Viertel weniger des Treibhausgases Kohlendioxid produziert als bei der Verbrennung von Heizöl; gegenüber anderen Energieträgern (Braunkohle, Steinkohle) fällt die Bilanz noch günstiger aus. Angesichts eines generell steigenden Energiebedarfes und der zusätzlichen Verlagerungseffekte zum Erdgas besteht eine zentrale Herausforderung in der Bereithaltung entsprechender Transportkapazitäten. Aufgrund drohender Engpässe im Netz der Regelzone Ost wurden 2007 umfangreiche Ausbaumaßnahmen beschlossen, die im Abschnitt Versorgungssicherheit dieses Geschäftsberichts näher erläutert werden. 11

12 DAS RECHTLICHE UMFELD ÖSTERREICH The legal environment: Austria The European Union has created a legal framework for the gas market which was largely implemented by Austrian market liberalisation in The Energy Security of Supply Act 2006 brought further adjustments to the legal environment. It introduced measures including action to enhance market transparency designed to stimulate competition, improve consumer protection and strengthen regulation, as well as arrangements aimed at increasing security of supply. The Act transposed the provisions of EU Directive 2003/55/EC concerning common rules for the internal market in natural gas that had not been anticipated by the legislation passed in The Energy Security of Supply Act 2006 thus represents the most significant shift in the legal and regulatory environment in which AGGM operates since the formation of the Company. Among the main changes are: binding long-term plans; a redesigned system for capacity management at the control area entry points; separate recording of network capacity requirements for shipments to and from storage facilities in the control area, and exports from it; assessment by the control area manager of the cross-border transport capacity situation; and the preparation by AGGM of action plans aimed at overcoming seasonal congestion by means of market mechanisms. Durch das Versorgungssicherheitsgesetz 2006 kam es zu einer ersten Anpassung der rechtlichen Grundlagen für die österreichische Gaswirtschaft. Das Gesetz brachte Maßnahmen zur Belebung des Wettbewerbes darunter eine Erhöhung der Transparenz, Verbesserung des Konsumentenschutzes, eine Erhöhung der Regulierungstiefe und mehrere Regelungen zur Hebung der Versorgungssicherheit. Die rechtlichen Vorgaben der EU-Richtlinie 2003/55/EG über gemeinsame Vorschriften für den Erdgasbinnenmarkt, soweit nicht schon im Jahr 2002 vorweggenommen, wurden damit in nationales Recht umgesetzt. Das Versorgungssicherheitsgesetz 2006 ist somit die größte Veränderung des rechtlichen und regulatorischen Umfelds für die AGGM seit ihrem Bestehen. Die wesentlichsten Veränderungen betreffen folgende Funktionen und Tätigkeiten der AGGM: q Im Bereich der Langfristigen Planung ist eine breitere Mitwirkungspflicht der Marktteilnehmer vorgesehen. Auch für die Umsetzung der in der Langfristigen Planung definierten Projekte sind bessere Bedingungen etabliert: Den Projekten in der Langfristigen Planung wird öffentliches Interesse zuerkannt. Die Kosten der Projekte werden im Tarifprüfungsverfahren der Netzbetreiber anerkannt. Zur Minimierung des Investitionsrisikos für die Kunden als auch für die Netzbetreiber ist der Abschluss von Verträgen auf Basis gegenseitiger Verpflichtungen vorgesehen. q Das Kapazitätsmanagement an den Einspeisepunkten der Regelzone wird zur Erhöhung der Flexibilität der Versorger und Verbesserung der Versorgungssicherheit vollkommen neu gestaltet. q Die Anforderungen an das Netzsystem durch An- und Abtransporte von und zu den Speicheranlagen in der Regelzone sowie von Exporten aus der Regelzone werden unter dem Titel Sonstige Transporte erstmals gesondert erfasst. Die Fahrpläne für diese Sonstigen Transporte und die Einspeisung zur Versorgung von Endkunden werden getrennt abgewickelt. q Die Kapazitätssituation bei grenzüberschreitenden Transporten durch die Regelzone wird durch den Regelzonenführer beurteilt. q Der Regelzonenführer erstellt gemeinsam mit den Marktteilnehmern einen Maßnahmenplan, um saisonale Engpässe mit marktwirtschaftlichen Mitteln beseitigen zu können. Als Folge dieser Vielzahl an neuen Regeln und Anforderungen hat die AGGM interne Prozesse neu definiert, Schnittstellen nach außen mit den Partnern vereinbart und vor allem die Anforderungen an die für die Abwicklung der neuen Prozesse notwendige IT-Unterstützung festgelegt. 12

13 DAS RECHTLICHE UMFELD EU The legal environment: EU Seit dem 1. Juli 2007 können alle EU-Bürger ihren Versorger frei wählen. Die EU-Kommission hat sich aber im Vorfeld dieses Datums kritisch geäußert und festgestellt, dass sieben Jahre nach Beginn der Liberalisierung der Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt noch immer zu schwach ausgeprägt sei. Ein neues Maßnahmenpaket der EU soll sicherstellen, dass alle Anbieter hohe Anforderungen im Hinblick auf Dienstleistungsqualität, Nachhaltigkeit und Sicherheit erfüllen. Dazu zählen unter anderem folgende Punkte: q Das Eigentum und der Betrieb der Netze sollen entflochten, somit der Betrieb der Strom- und Gasnetze von den Versorgungsund Erzeugungstätigkeiten getrennt werden. q Schutzvorkehrungen sollen sicherstellen, dass sich Unternehmen aus Drittländern, die bedeutende Anteile an einem EU-Netz übernehmen wollen, den gleichen Entflechtungsanforderungen unterwerfen wie EU-Unternehmen. q Durch Errichtung einer Agentur für die Zusammenarbeit der einzelstaatlichen Energieregulierungsbehörden soll die Tätigkeit der nationalen Regulierungsbehörden ergänzt werden, um grenzüberschreitende Fälle angemessen behandeln zu können. q Maßnahmen zur Verbesserung der Markttransparenz im Hinblick auf Netzbetrieb und Versorgung sollen Gleichheit beim Zugang zu Informationen und transparentere Preisgestaltung gewährleisten, das Vertrauen in den Markt stärken und dazu beitragen, Marktmanipulationen zu verhindern. q Zur Erleichterung des Handels sollen EU-Netzbetreiber verstärkt zusammenarbeiten und gemeinsame Marktvorgaben, technische Bestimmungen und Sicherheitsnormen entwickeln sowie notwendige Investitionen planen und koordinieren. q Bei einer engeren Vernetzung der einzelstaatlichen Märkte sieht die EU-Kommission bessere Chancen, dass die Mitgliedstaaten sich bei Gefährdung der Energieversorgung gegenseitig unterstützen. Die Diskussion über die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Verbesserung des Wettbewerbs in diesen Sektoren wird von der AGGM aufmerksam und konstruktiv begleitet. Dies umso mehr, als Teile dieser Vorschläge in Österreich bereits umgesetzt sind. Since 1 July 2007 all EU citizens have been free to choose their gas suppliers. However, prior to this deadline the European Commission made critical comments, and expressed the view that competition on the electricity and gas markets was still too weak seven years after the first steps towards liberalisation. A new package of proposed EU legislation is aimed at ensuring that all suppliers meet high service quality, sustainability and supply security standards. The proposed measures include: further action to unbundle network ownership and operation, so as to separate the operation of electricity and gas networks from integrated companies supply and generation or production activities; imposition of the same unbundling requirements on companies from third countries as those that apply to EU companies; the establishment of an Agency for the Cooperation of Energy Regulators to complement the activities performed by the national regulators; steps to increase market transparency by ensuring that market participants have equal access to information, and that pricing is more transparent; and common market and technical codes, and safety standards in order to facilitate crossborder trade. AGGM is following the discussion on the European Commission s proposals for strengthening competition in these sectors closely, and contributing to it constructively. The fact that some of the proposals have already been implemented in Austria makes this all the more important. 13

14 Ein-/Ausspeisepunkt Ausspeisung aus Transitleitung Netzübergang Station allgemein Transitleitung Regelzonenfernleitung in Planung DUBLIN Baumgarten: eine Drehscheibe der Erdgasversorgungsrouten nach Mitteleuropa LONDON ZEENRUGGE E PARIS MONTOIR DE BRETAGNE B FERROL BILBAO FOS-SUR-MER MADRID BARCELONA LISSABON SAGUNTO SINES

15 HELS HEL HELSINKI TAL NN TA TALLINN N OSLO SL Laa Bad Leonfelden Oberkappel Arnreith Schärding Simbach RIGA WAG Kompressor OMV Laa Groß Göttfritz 3 Speicher OMV-NÖ Produktion OMV Kirchberg Rainbach Reichersdorf PVS EVN West II 4 5 Linz Wilfleinsdorf Speicher Thann Laufen VILNIU VI VILNIUS Spital/Pyhrn MINSK K Regelzone Tirol WARSCHAU BERLIN LIN IN e l e g Finkenstein z Hornstein Eggendorf Freilassing R o n O e s Bruck/Mur Gratkorn Lichtenwörth t Semmering Grafendorf GSG Grafendorf Begas Kompressor Grafendorf Fürstenfeld St. Margarethen Weitendorf Sulmeck/ Greith Ettendorf Waisenberg Ebenthal KIEV Fehring Murfeld Arnoldstein PRAG RAG AG AG WIEN BRATISLAVA BUDAPESTT ERN R LLJUBLJANA J A BUKAREST ZAG AGREB AG B BELGRAD AD ROVIGO Edelsthal Schwechat Krift Regelzone Vorarlberg 2 Hart Speicher Reitsham Puchkirchen KOPENHAGE KO K O EEN Baumgarten 1 Wien Ebelsberg Kronstorf Produktion RAG MOSKAU AU K KRK S SARAJEVO SOFIA PANIGAGLIA NIG IG G PODGORICA RIC ER EREGLISI SKOPJE TIRANAA RO ROM OM IZMIR REVYTHOUSSAA AATHEN THE ISTANBUL ISTA IST BUL UL

16 VERSORGUNGSSICHERHEIT Security of supply b LANGFRISTIGE PLANUNG/FEASIBILITY STUDY 07 Long-term plan and Feasibility Study 2007 Maintaining security of supply calls for close cooperation between gas wholesalers and AGGM. The wholesalers are responsible for providing sufficient amounts of natural gas at the control area entry points and storage facility transfer points to ensure that all final consumers are fully supplied, even at peak load on the coldest winter day. It is AGGM s job to ensure that the gas is transported across the transmission network, from the entry points to the distribution systems and thus to final consumers. AGGM employs a wide range of tools to meet this objective in full, 24 hours a day, 365 days a year. Long-term plans are one of the key mechanisms for maintaining supply security. They are based on a comprehensive analysis of the future demands on the transmission network. For some time now, AGGM has been calling attention to the problem of congestion on existing pipeline systems in its long-term plans. A forecast up to and including 2030 was prepared in This predicts increases of 56% in maximum hourly transportation and of 66% in gas demand between the 2007 and 2030 gas years. Planned gas-fired power stations are the main factor responsible for these projected growth rates. In an integrated planning process forming part of the 2007 feasibility study, congestion in the south and west of our control area was simultaneously investigated. This project culminated in the appraisal of four options. The assessment identified the V3+West option as the best solution. This is largely based on use of existing capacity on the TAG system, and construction of a new pipeline following the existing Semmering route in order to provide the additional capacity required in the south. Capacity needs in the west would also be met by a new pipeline. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bedarf es der engen Zusammenarbeit zwischen Erdgashändler und AGGM: Aufgabe der Erdgashändler ist es, die für ihre Endkunden notwendigen Erdgasmengen an den Einspeisepunkten in die Regelzone und in den Erdgasspeichern bereitzustellen, damit alle Endkunden auch bei Spitzenbedarf am kältesten Wintertag voll versorgt werden können. Aufgabe der AGGM ist es, dafür zu sorgen, dass das Erdgas von den Einspeisepunkten über das Fernleitungsnetz bedarfsgerecht zu den Verteilernetzen und damit zu den Endkunden transportiert wird. Um dieses Ziel an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich immer zu 100 % zu erfüllen, setzt die AGGM ein ganzes Portfolio an Instrumenten ein. Die Langfristige Planung ist ein zentrales Instrument zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit. Die zukünftigen Anforderungen an das Fernleitungsnetz werden umfassend analysiert. Aufgrund dieser Auswertung werden gemeinsam mit den betroffenen Netzbetreibern allfällige notwendige Ausbaumaßnahmen entwickelt und der E-Control Kommission zur Genehmigung vorgeschlagen. Die AGGM überwacht sorgfältig die Durchführung der Ausbaumaßnahmen. In den Langfristigen Planungen der AGGM wird seit Jahren auf Engpässe in Transportkapazitäten der vorhandenen Leitungen hingewiesen. Die Attraktivität des Erdgases als Energieträger führt zu Projekten für neue Gaskraftwerke in Österreich, aber auch zu einer wachsenden Zahl industrieller Großkunden. Dies verschärft die Kapazitätssituation weiter. Die Fernleitungen in den Süden der Regelzone sind im Winterhalbjahr bis an ihre Grenzen ausgelastet. Im Sommer werden die Fernleitungen durch den geringeren Verbrauch über die gesamte Regelzone grundsätzlich entlastet. Die gleichzeitige Befüllung der Erdgasspeicher in Oberösterreich und der Betrieb der bestehenden Kraftwerke in Niederösterreich führt aber zu Kapazitätsengpässen in Ost- West-Richtung. Im Hinblick auf die Kapazitätsengpässe in den Fernleitungen und der Notwendigkeit, zu deren Behebung neue Fernleitungen zu planen, wurde im Jahr 2007 eine Prognose bis zum Jahr 2030 erstellt. Diese Prognose sieht eine Steigerung der maximalen Stundenleistung vom Gasjahr 2007 bis 2030 um 56 % vor, der Gasverbrauch wird um 66 % zunehmen. Hauptverantwortlich für diese Steigerungen sind projektierte gasbetriebene Kraftwerke. In einem integrierten Planungsprozess wurden im Rahmen der Feasibility Study 07 die Kapazitätsengpässe sowohl im Süden wie im 16

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