The Person. An integrated introduction to personality psychology. Dan P. McAdams. Third Edition

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1 The Person An integrated introduction to personality psychology Dan P. McAdams Third Edition

2 Introduction I- Studying the Person Jedes Individuum ist a) wie alle anderen Personen (spezies-typische Eigenschaften) b) wie einige andere Personen (gleiche Traits bei einigen Personen) c) wie keine andere Person (individuelle Unterschiede). Drei Ebenen der Persönlichkeit: 1. dispositionale Traits 2. charakteristische Anpassungen 3. Lebensgeschichten Breite Dimensionen der Persönlichkeit, die vermutlich internale, globale, stabile individuelle Unterschiede im Verhalten, Denken und Fühlen beschreiben. Traits sind über die Zeit und über Situationen hinweg konstant. Einzelne Fassetten der Persönlichkeit, die persönliche Anpassung an motivationale, kognitive und entwicklungsspezifische Aufgaben beschreiben, meist im Kontext spezieller Zeitpunkte, Situationen, Orte und sozialer Rollen. Internalisierte und sich entwickelnde Geschichten des Selbst, die Personen konstruieren um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu integrieren und ihrem Leben eine gewisse Einheit und ein Ziel zu geben. Lebensgeschichten beinhalten die Integrations- und Identitätsprobleme einer Persönlichkeit (v. a. im modernen Erwachsenenalter). -Freundlichkeit -Dominanz -Tendenz zu Depressionen -Pünktlichkeit Ziele, Absichten und Pläne; Werte und Glaube; kognitive Schemata; Arten von Beziehungen; psychosoziale Stufen; entwicklungsspezifische Aufgaben erste Erinnerungen, Rekonstruktion der Kindheit, Wahrnehmung der individuellen Zukunft, Aufstiegsgeschichten; Bildhaftigkeit und Themen von Geschichten zu 1.: Die Big-Five (die fünf grundlegenden Traits): Extraversion (Extraversion; E): gesellig retiring (zurückhaltend) Spaß mögend nüchtern liebevoll reserviert freundlich zurückhaltend spontan gehemmt gesprächig ruhig Neurotizismus (Neuroticism; N): besorgt ruhig nervös ungezwungen high strung (unruhig?) entspannt unsicher sicher selbst-bemitleidend selbst-zufrieden verletzlich zäh/hart 2

3 Offenheit für Erfahrungen (Openness to Experience; O): originell konventionell einfallsreich sachlich kreativ unkreativ breite Interessen schmale Interessen komplex simpel neugierig gleichgültig Verträglichkeit (Agreeableness; A): gutartig reizbar weichherzig mitleidlos höflich rau vergebend rachsüchtig sympathisch gefühllos verträglich unverträglich Verlässlichkeit (Conscientiousness; C): verlässlich- nachlässig gewissenhaft unvorsichtig zuverlässig unzuverlässig gut organisiert schlecht organisiert selbstdiszipliniert willensschwach nicht aufgebend aufgebend zu 2.: Bsp.: persönliche Konstruktion eines kognitiven Konflikts zwischen Kontrolle und Hingabe bei der Bewältigung der Herausforderung einer intimen Beziehung im jungen erwachsenen Alter. (persönliche Konstrukte nach Kelley (1955) sind bipolare Kategorien die Personen nutzen um Informationen zu nutzen und zu ordnen. Sie sind hoch subjektiv und können als Teil der Persönlichkeit verstanden werden.) zu 3.: Bsp.: Konstruktion einer individuellen Lebensgeschichte mit Hilfe von a) Metaphern wie Licht (für Bewegung; zu finden in Tagebüchern oder so) und b) Charakteren wie Mutter oder Ärztin Die Wissenschaft und die Person Normalerweise läuft Wissenschaft in drei Stufen ab: 1. Unsystematische Beobachtung: Es wird nach Mustern, Regelmäßigkeiten oder Phänomenen Ausschau gehalten um diese dann zu beschreiben. Hierbei kann der Beobachter durch aus subjektiv beobachten und auch mit seiner Umgebung interagieren. Mit zunehmender Beobachtung und Organisation des Beobachteten in Kategorien werden Vorkommnisse mehr und mehr abstrakt und allgemeingültig. 2. Das Aufstellen von Theorien 3

4 Eine Theorie ist ein Satz von untereinander zusammenhängenden Aussagen, die versuchen Phänomene, die beobachtet wurde, zu erklären. Eine Theorie sollte an folgendem beurteilt werden: - Umfang (je mehr eine Theorie erklärt, umso besser) - Sparsamkeit (wenig Erklärungen für viele Beobachtungen) - Kohärenz (logischer innerer Zusammenhang der Teile der Theorie) - Testbarkeit (aus der Theorie sollten Hypothesen testbar sein) - empirische Validität (die Ergebnisse der Testung der Hypothesen, sollte dem entsprechen, was die Theorie besagt) - Zweckmäßigkeit (Theorien, die Probleme lösen, sind umso besser) - Fruchtbarkeit (generativity; aus der Theorie sollten neue Ansätze und Fragestellungen entspringen können) 3. Testen von Aussagen Empirische Testung der widerlegbaren Theorie durch korrelative oder experimentelle Designs. Persönlichkeitspsychologie Geschichte: Beginn in den 30ern u. a. durch die Veröffentlichung von Allports Personality: A Psychological Interpretation. Während die nomothetische (Suche nach allgemeingültigen psychologischen Gesetzen) amerikanische Psychologie mehr auf Reiz-Reaktion fixiert war, wandte sich ideographische (die Einheit jedes Individuums betrachten) die Persönlichkeitspsychologie der ganzen Person zu. Man unterscheidet drei historische Abschnitte der Persönlichkeitspsychologie: Etablierungsphase der Persönlichkeitspsychologie; Entwicklung ausführlicher konzeptueller Systeme, die teilweise heute noch Einfluss haben Fokus auf die Messbarkeit von Konstrukten, die einen direkten und sichtbaren Einfluss auf Verhalten hatten (z. B.: Extraversion oder Ängstlichkeit) 1970-heute Bewusstsein über die komplexe Interaktion von internen und externen Faktoren. Vertreter: Allport, Murray, Catell, Kelley, Erikson; aber auch: Freud, Jung, Adler später: trait vs. situation Debatte (Mischel) Widererstarken von trait- Modellen: Big Five (McRae & Costa) Zusammenfassung: S. 43 4

5 Part 1; The Background: Human Nature and Cultural Context II- Human Evolution On Human Nature: Our evolutionary Heritage Principles of Evolution DARWIN: Vorraussetzung für das Leben ist die Möglichkeit zur physischen Reproduktion. Individuelle Organismen sind das Produkt einer langen Kette von evolutionären Ereignissen, in denen reproduzierende Systeme um begrenzte Ressourcen konkurrieren. Einige Systeme sind auf langer Sicht erfolgreicher und produzieren in der nächsten Generation lebensfähigerer Kopien (natürliche Selektion). Um erfolgreich zu sein müssen Organismen sich an die Umwelt und die Konkurrenz anpassen (was Verhalten und physische Merkmale angeht). Heute Erweiterung durch das Wissen über Genetik (Stichwort: selfish gene). Der Organismus zeigt Verhalten, das der Replikation seiner Gene dient, ohne dieses zu wissen (direkt: durch eigene Nachfahren; indirekt: durch Nachfahren von Verwandten; beides zusammen ist die inklusive Fitness). The Environment of Evolutionary Adaptedness Menschen gibt es erst seit 2 Millionen Jahren (erstes Leben vor 3,5 Milliarden Jahren). 99% der Zeit waren sie Jäher und Sammler. Stets in Gruppen, denn die Natur des Menschen ist sozial. Kooperative Aktivität half nicht nur der Gruppe als solches sondern auch der inklusiven Fitness jedes Individuums. In den Gruppen kam es auch zu Konflikten. Durch Aggressionen (oder Cleverness) wurden einige Gruppenmitglieder dominanter als andere und es ergab sich eine hierarchische Struktur. Menschen bildeten Familien, an denen besonders auffällig ist, dass die Nachkommen lange zeigt gepflegt wurden, bis sie selber geschlechtsreif waren. Es entwickelte sich Sprache und verschiedene Kulturen, in denen überall bestimmte universelle Muster auftraten (Sport, gemeinsames Arbeiten, Inzest Tabus, Beerdigungszeremonien, Religion (!) ). The adapted Mind Neben physischen Veränderungen hat v. a. die Entwicklung des Hirns zur Überlegenheit des Menschen geführt ( kognitive Nische ). Der menschliche Geist besteht aus evolutionstheoretischer Sicht aus mehreren zusammenarbeitenden Subsystemen oder Modulen für verschiedene Anpassungen an die Umwelt. Das menschliche Verhalten besteht aus mehr als zwei Instinkten. Reproduktionsprobleme (erfolgreicher intersexueller Wettbewerb, Gefährtenauswahl, erfolgreiche Empfängnis (soziale und sexuell richtige Verhaltensweisen), Behalten des Gefährten, Aufbau einer wechselseitigen dyadischen Allianz mit dem Partner, Aufbau und Unterhaltung von Koalitionen, elterliche Obhut und Sozialisation, Investition in Verwandte, die keine Nachkommen sind) werden durch Taktiken und Strategien bewältigt. Man kann zwischen distalen und proximalen Erklärungen für Verhalten unterscheiden. Distal ist z. B. Replikation als Grund für Sex. Proximal hingegen das Vergnügen an Sex, was allerdings subtil bzw. indirekt vom distalen Grund beeinflusst ist. 5

6 Mating Männer versuchen so viele Frauen wie möglich zu befruchten, während die ja viel länger braucht um Nachkommen zu zeugen, sehr genau auswählt, mit wem sie sexuellen Kontakt haben möchte. Das schnelle Geschlecht (der Mann, für ihn reicht ja der Akt aus um Nachfahren zu zeugen) will öfter und muss deswegen um Zugang zu dem langsamen Geschlecht konkurrieren, was es dem langsamen Geschlecht ermöglicht genau auszuwählen. - Hierbei spielen aber auch proximale Faktoren eine Rolle (z. B. kulturelle Normen ). - Außerdem spielt natürliche Selektion oft auch hinter dem Verhalten eine Rolle. Motivationale oder emotionale Mechanismen wie Verlangen müssen sich nicht unbedingt in Verhalten äußern. - Ferner sollte das keine moralische Rechtfertigung sein, denn wir können ja immer noch entscheiden welche Verhaltensmuster wir auswählen. Tatsächlich neigt der Mann mehr zu Promiskuität und wählt weniger sorgfältig seine Partner aus. Auch über die Kulturen hinweg kann man sehen, dass es viel öfter Polygamie bei Männern gibt als bei Frauen. Hieraus resultiert der Evolutionstheorie nach ein Konflikt zwischen den Geschlechtern. Männer werden aggressiv weil Frauen sich weigern (sexuell vorenthaltendes Verhalten) und Frauen, weil Männer zu oft aus Sex beharren (sexuell aggressives Verhalten). Untersuchungen zeigen: Nur sexuell vorenthaltendes Verhalten scheint zwischen den Geschlechtern zu variieren. Aber Männer empfinden sexuelle Untreue schlimmer, während Frauen emotionale Untreue schlimmer finden. Andere Geschlechtsunterschiede zeigen sich direkt bei der Partnerwahl: Frauen wollen einen Sexualpartner mit hohem sozialen Status und einem Gesicht, dass einerseits etwas Süßes ausdrückt (große Augen, Lächeln) und andererseits in Übereinstimmung mit der Evolutionstheorie Reife und soziale Dominanz ausdrückt (markantes Kinn, dicke Augenbrauen, eine dem hohen Status entsprechende Kleidung). Männer hingegen wollen eine Frau, die sexuelle Reife (hohe Wangenknochen, schmale Wangen, Jugend (große Augen, kleine Nase, schmales Kinn), Gesundheit und Freundlichkeit (großes Lächeln, Augenbrauen direkt über den Augen und dickes Haar) ausdrückt. Aus der Wahl der Sexualpartner entwickelt sich ein Konkurrenzkampf. Deswegen tragen Frauen Make-Up auf, pflegen sich und ziehen sich gut an. Männer hingegen versuchen ihre Ressourcen zu zeigen und damit zu prahlen. Beide Geschlechter stehen auf prosoziales Verhalten und versuchen deswegen Humor, Hilfsbereitschaft und Sympathie auszudrücken. Frauen (und deren Angehörige) scheinen eher engagiert zu sein enge Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen als Männer, nicht zuletzt, weil Männer nie zu 100% wissen, ob es sich wirklich um ihre Kinder handelt. Geschlechterunterschiede werden v. a. dann salient, wenn die Geschlechter im Umgang mit der evolutionären Umgebung verschiedenen Aufgaben ausgesetzt sind (z. B. bei sexueller Fortpflanzung; hier sind die Unterschiede vermutlich in verschiedenen Mustern von Verlangen begründet). Neben den distalen Gründen können in kulturellen, religiösen, politischen und sozialen Regeln oder Normen proximale Gründe für Geschlechterunterschiede gefunden werden. In vielerlei Hinsicht (v. a. wenn es darum geht den guten Aufzug der Nachkommen zu gewährleisten) stimmen Geschlechter in der Wahl ihres Partners überein. 6

7 Getting along and Getting ahead Sozioanalytische Theorie (HOGAN 1982): Menschen sind biologisch prädispositioniert, in sozialen Gruppen zu leben, die hierarchisch strukturiert sind. Unsere evolutionären Vorfahren hatten durch Kooperation in Gruppen einen Vorteil gegenüber Angreifern. Ein hoher Status in der Gruppe führt zu höherer Fitness, da man die Wahl hat, was Partner, Essen oder Wohnort angeht. Noch heute geht es darum Aufmerksamkeit zu bekommen, gemocht zu werden und Macht zu besitzen ( getting along and getting ahead ). Dieses ist nur in ritualisierten sozialen Interaktionen möglich, in denen das Individuum spezielle Rollen spielt und Skripten folgt. Die Individuen die diese genetischen Tendenzen am besten ausführen passen sich in einer sozialen Umgebung am besten an und gewinnen daraus ihre soziale Identität, die wenn sie gut ist, dem distalen Ziel der Fortpflanzung den Weg ebnet. Die Zuschauer des sozialen Rollenspielens ändern sich mit dem Alter. Der Umgang mit den Eltern, also wie wir uns unseren Eltern gegenüber geben, bilden unsere Charakterstruktur. Das erwachsene Rollenspielen gegenüber einem größeren Publikum wie Freunden oder Kollegen bildet unsere Rollenstruktur. Stehen beide Strukturen in Konflikt miteinander (wobei die Charakterstruktur später im Unbewussten verweilt) kommt es zu Identitätskrisen (z. B. beim Arbeiterjungen der später Probleme mit dem Leben und Sichdarstellen in einem Eliteumfeld hat). Einige Personen können sich besser anpassen, sie spielen ihre Rollen besser und kommen besser mit sozialen Riten klar. Diese Personen haben meist die Akzeptanz anderer und Positionen mit viel Einfluss. Ein Perönlichkeits-Trait (das zudem relativ stabil und konsistent ist) ist Schüchternheit (Unwohlfühlen und Gehemmtsein in Anwesenheit anderer). Schüchternheit ist ein Handicap bei sozialen Interaktionen und führt zu weniger Fitness. Studie: Schüchterne Jungen heiraten später (Ehen sind wenig stabil) und haben weniger stabile Karieren. Schüchterne Mädchen folgen eher dem konventionellen Muster von Heirat, Kind und Hausarbeit. Interessant ist dabei, dass die Männer von schüchternen Frauen erfolgreicher waren.» unter bestimmten Umständen können auch Traits wie Schüchternheit zur Erhöhung der Anpassung führen (hier über den Umweg des Mannes, der mehr Erfolg hatte, weil die schüchterne Frau sich alleine um die Kinder kümmerte) Hurting and Helping Aggression Aggressionen als adaptives Verhalten. Der aggressivere überlebt länger und reproduziert sich erfolgreich. Die menschliche Aggression ist sehr flexibel und kann verschiedene Formen annehmen. Wie aggressiv Menschen im Vergleich zu anderen Spezies sind wird kontrovers diskutiert. Psychologen unterschieden zwischen instrumenteller Aggression und feindlicher Aggression, die kein Ziel verfolgt als die Gewalt an sich. Viele aggressive Vorkommnisse scheinen eine Kombination aus beidem zu sein. Altruism Altruismus und Aggression könnten als zwei Seiten einer Münze gesehen werden. Das Leben in hierarchischen Gruppen besteht aus Wettbewerb und Kooperation. 7

8 Aggression könnte die Gruppe auseinander bringen, deswegen müssen Mechanismen und Normen antisoziale Aggression unter Kontrolle halten. Menschen sind moralische Tiere. Drei Bedingungen des Gruppenlebens sind Grundlage der menschlichen Moral: - der Wert der Gruppe (Abhängigkeit der Mitglieder beim Essen suchen oder Verteidigen) - wechselseitige Hilfe - interne Konflikte (Interessenkonflikte, Wettbewerb) Die Intragruppenkonflikte mussten zerstreut werden durch ein Balancieren der individuellen und der kollektiven Interessen auf dyadischem Level durch Eins-zu-Eins-Interaktionen, Versöhnungen nach Kämpfen und auf höheren Levels durch friedvolle Schlichtung von Konflikten, Anerkennung von altruistischem Verhalten und Ermutigung zu individuellen Beiträgen zur Qualitätssteigerung der sozialen Umgebung. Menschliche Moral besteht aus verschiedenen Tendenzen und Fähigkeiten: 1. sympathiebezogene Traits: a) Bindung, Hilfe und emotionale Ansteckung b) gelernte Anpassung an und spezielle Behandlung von Behinderten und Verletzten c) kognitive Empathie 2. normbezogene Charakteristika: a) vorgeschriebene soziale Regeln (oft implizite Regeln) b) Internalisierung von Regeln und Erwartung von Bestrafung (z. B. Entwicklung eines Gewissens) 3. Wechselseitigkeit: a) Konzept von Geben, Handeln und Rache (Sinn für Fairness und Gerechtigkeit) b) moralische Aggression gegen Verletzter der reziproken Regeln 4. miteinander auskommen (getting along) a) Friedenschaffen und Vermeidung von Konflikten b) Anpassung von widersprüchlichen Interessen durch Verhandlung ( + Individuen, die ausgebildet werden um Konflikte zu vermeiden (z. B. Richter oder Botschafter) c) Teilnahme an Gemeinden und Aufrechterhaltung guter Beziehungen ( Identifikation mit der Gruppe, Entwicklung von Strategien, die die Position der Gruppe verbessern) Man kann zwei Arten von Altruismus unterscheiden: Altruismus basierend auf kin selection: Aufgabe individueller Ziele, um Nachfahren oder Verwandten zu helfen (und somit auch Weitergabe der eigenen Gene). Kommt öfter vor bei - engen Verwandtschaften - in Gruppen, die eng zusammen leben und somit Verwandtschaftbünde gemein haben - bei Spezies, die Verwandte von Nicht-Verwandten unterscheiden können reziproker Altruismus: kommt öfter vor bei - niedrigem Risiko für den Helfenden - hohem Nutzen für den Empfänger - hoher Wahrscheinlichkeit für eine Umkehrung der Situation in Zukunft Ein anderer Ansatz (HOFFMAN 1981) beschreibt eine angeborene biologische Tendenz anderen in Not zu helfen. Grundlage ist Empathie. (HOFFMANN vermutet eine Beteiligung des limbischen Systems.) Andere unterscheiden zwei Arten von Motivation zu Hilfe: 8

9 - Hilfe auf Grund von persönlicher Sorge, d. h. jmd. in Not zu helfen, um die eigene Erregung über diese Situation zu reduzieren (egoistische Motivation) und - echte Empathie (altruistische Motivation) Studien zeigen, dass beide Arten von Motivation eine Rolle spielen. Altruismus tritt schon in der Kindheit auf (z. B. bei Babys, die schon im Alter von zwei Jahren schreien, wenn andere schreien). Die altruistische Persönlichkeit: - starke Gefühle für andere in Not - ein hohes Maß an Verantwortlichkeit anderen zu helfen - Fähigkeit zur Perspektivübernahme BIERHOFF et al. (1991) erweitert dieses Bild um den Glauben an die gerechte Welt (Vertrauen in die Fähigkeit positive Ergebnisse zu erzielen und das eigene Schicksal zu kontrollieren). The Evolution of Love: Attachment Theory Bindungstheorie (JOHN BOWLBY & MARY AINSWORTH): Die durch Liebe gekennzeichnete Bindung zwischen einem Kind und seinen Eltern oder anderen Betreuern in den ersten Lebensjahren ist ein genereller Prototyp für spätere Liebesbeziehungen. Menschen sind instinktiv und biologisch prädispositioniert emotionale Beziehungen einzugehen um die Vorteile dieser Beziehungen abzugreifen (evolutionäre Bedeutung der engen Mutter-Kind-Beziehung: Reduzierung des Risikos verletzt zu werden). Attachment in Infancy Bindungsverhalten: Saugen, Festhalten, Folgen, Vokalisieren und Lächeln. Unter Beachtung der emotionalen Entwicklung ist Bindungsverhalten der erste Ausdruck von Angst und Liebe (v. a. Angst vor Fremden und Trennung). Im zweiten und dritten Lebensjahr baut das Kind Erwartungen über die Natur von Beziehungen auf, die ein Arbeitsmodell umfassen. Wenn die Bindung sicher ist, entwickelt sich ein grundsätzliches Vertrauen in die Umgebung einhergehend mit dem Selbstvertrauen, das benötigt wird, um die Welt zu erforschen. Die Bindung ist hierbei stets der sicherere Ausgangspunkt. Sollte die Bindung hingegen unsicher sein, empfindet das Kind seine Umwelt als gefährlich und beängstigend. Secure and Insecure Attachments Eine Möglichkeit um die Qualität von Bindungen zu untersuchen ist das von AINSWORTH entwickelte Strange-Situation-Paradigma. Hierbei kommt ein Kleinkind mit seinem Betreuer (meist Mutter oder Vater) in ein Labor, dann kommt ein Fremder, der Betreuer verlässt kurz den Raum, kommt zurück, der Fremde verlässt den Raum und etwas später noch einmal der Betreuer, dann kommt der Fremde zurück und schließlich auch der Betreuer. Es wird das Verhalten des Babys in den zwei Wiedervereinigungsphasen untersucht. Man unterscheidet drei Bindungsmuster: 9

10 A-Babys: unsicheres Bindungsverhalten; vermeidendes Muster gegenüber dem Betreuer bei Wiedervereinigung B-Babys: sicheres Bindungsverhalten; sie erforschen ihre Umgebung mit großer Entspanntheit und dem Betreuer als Basis. Wenn dieser aber weg ist, kommt es zu weniger Untersuchung der Umgebung. Bei Wiedervereinigung begrüßen sie den Betreuer mit viel Enthusiasmus und machen dann weiter mit der Erforschung der Umgebung. C-Babys: unsicheres Bindungsverhalten; widerstehendes (Mischung aus Annäherung und Vermeidung)Verhalten bei Wiedervereinigung; auch aggressives Verhalten gegenüber dem Betreuer möglich Der Bindungsstil ist sicher, wenn Mütter sensitiver (im Hinblick auf Kommunikation, Reaktion auf Weinen, Erkennen von Signalen der Babys, mehr Vorsicht im Umgang mit der Mutter) mit ihren Kindern umgehen. Auch die Synchronie der Interaktion (Reziprozität) spielt eine Rolle. 2 oder 3 Ein sicherer Bindungsstil später führt zu - besseren Fähigkeiten in Vorschuljahren - aktiverem Verhalten in der Untersuchung der Umgebung (3 Jahre) - höherer Qualität der Erforschung der Umgebung - höherer Qualität bei imaginären Spielen - höherer Kompetenz bei Problemlösen - schnellere und leichtere Anpassung an Fremde - weniger negative Reaktionen (2 Jahre) - Viktimisieren weniger und werden selber weniger viktimisiert (Vorschule) - einer Vergrößerung der Geschlechterunterschiede wie Aggression (männlich) und Abhängigkeit (Frauen) (4 Jahre) - besserem Umgang mit anderen Kindern (4 oder 5 Jahre) Über Langzeitauswirkungen (Erwachsenenalter) ist bisher nichts bekannt. Scheinbar scheint ein sicherer Bindungsstil Grundlage von sozialer, emotionaler und Entwicklung der Persönlichkeit zu sein. Sind einige Personen ein Risiko für Kinder, weil sie keinen sicheren Bindungsstil garantieren können? Eher nicht, da ein sicherer Bindungsstil eher aus der Interaktion erwächst und wenig mit Traits des Betreuers zu tun hat. Allerdings wirken sich chronisch negative Affekte (Depressionen) bei Müttern wohl auf einen Bindungsstil aus. Sozioökonomischer Status scheint keine Auswirkung zu haben. Missbrauch von Kindern» A-Babys oder D-Babys (widersprüchliche Literatur) dissorganisiertes Muster; sind konfus und unorientiert bei Wiedertreffen mit der Mutter; wenig Erforschung in Anwesenheit der Mutter; Mutter kann nicht beruhigen; wird vermutlich als ähnlich furchterregend angesehen wie die unbekannte Umgebung; später oft erhöhtes Aggressionsniveau. Schadet Tagesbetreuung? Widersprüchliche Ergebnisse, abhängig von der Qualität der Betreuung. Ferner Problem bei der Anwendung der Strange-Situation, da Kinder in Tagesbetreuung anders auf Fremde reagieren (Gewöhnung). 1

11 Vater-Kind-Bindungen können Mutter-Kind-Bedingungen stark ähneln, unterscheiden sich dennoch in einigen Punkten. Mütter verbringen mehr Zeit mit dem Kind, was zu höherer Verantwortlichkeit führt. Da Väter zudem physischer, eigentümlicher und emotional erregender mit Kindern spielen, scheint die Vater-Kind-Beziehung mehr aufs Spaß haben zu beruhen, während Mutter-Kind-Beziehungen mehr auf gefühlter Sicherheit basiert. Beide Arten der Bindung scheinen unabhängig zu sein, korrelieren aber miteinander. Evolutionäre Bedeutung eines (un)sicheren Bindungsstils für Fitness: - Aufwachsen in stressiger Umgebung» unsicherem Bindungsstil» höhere Quantität bei der Reproduktion (Wsk., dass Kind überlebt in so einer Umgebung geringer) - Aufwachsen in nicht stressiger Umgebung» sicherem Bindungsstil» höhere Qualität bei der Reproduktion (durch besseres Bindungsverhalten» stabile Beziehung und so) Adult Attachments In den letzten Jahren wurde die Bindungstheorie auf Erwachsene erweitert. Meistens werden die von Erwachsenen berichteten Arbeitsmodelle der Kindheitsbindungen und die romantische Beziehung zwischen jungen Erwachsenen hinsichtlich sicherer vs. unsicherer Bindungsqualität untersucht (Adult Attachment Interview, MAIN). MARY MAIN unterscheidet vier Kategorien: Erwachsenen-Bindungs-Interview Stil der Antworten Bindungstyp der Kinder sicher / autonom fehlend (dissmissing) nachdenkend (preoccupied) ungelöst überzeugender und konsistenter Bericht der Kindheit relativ inkohärente Berichte der eigenen Kindheit (Widersprüche, plötzliches Umschwenken in eine andere Sprache, Probleme sich auf die Fragen des Interviews zu konzentrieren) moderat kohärente Berichte mit magischen oder bizarren Anteilen bzgl. Details die mit der Bindung zu tun haben wie z.b. Verlust sicher (B-Baby) vermeidend (A-Baby) widerstehend (C-Baby) dissorganisiert (D-Baby) HAZAN & SHAVER sehen eine Weiterführung von kindlichen Bindungsstilen in der Liebe zwischen Erwachsenen (attachment styles). sicher: kein Problem mit Nähe und gegenseitiger Abhängigkeit, keine Angst verlassen zu werden oder vor zuviel Nähe vermeidend: Problem mit zuviel Nähe, Intimität, Abhängigkeit oder dem Aufbau von Vertrauen, ambivalent: ich empfinde andere als zögerlich, was ihre Suche nach meiner Nähe angeht, oft Zweifel an der Liebe des anderen, ich möchte so nah mit einer Person zusammenkommen, wie es nur geht, was andere oft erschreckt Die Bereitstellung von Unterstützung ist für Kinder und Erwachsene die Schlüsselfunktion einer sicheren Bindung. Ein sicherer Bindungsstil führt zu: - mehr positiver als negativer in alltäglicher sozialer Interaktion (vermeidend: weniger Intimität und weniger pos. Interaktionen; ambivalent: reiche Mischung aus pos. und neg. Interaktionen) - mehr Neugierde und Erforschung 1

12 - höherer Selbstachtung und weniger Depressionen (werden nicht von existenten negativen Erfahrungen übermannt, da auch genug positive Erfahrungen abrufbar sind) HAZAN & SHAVER: Erwachsene Bindungsstile sind die Erben von internalisierten Beziehungsmodellen der Kindheit. Zusammenfassung: S. 43 1

13 III- Freud and the Psychoanalytic Tradition Sigmund Freund Carl Jung Alfred Adler Anna Freud Heinz Hartmann Melanie Klein Harry S. Sullivan Karen Horney Erich Fromm Erik Erikson Margaret Mahler Hein Kohut Begründer der Psychoanalyse und einflussreichster Theoretiker früher Kollege Freuds, der allerdings die Rolle der Sexualität anders sah und deswegen eine konkurrierende analytische Psychologie begründete (Bedeutung des kollektiven Unbewussten und Mythischen). ebenfalls früher Kollege Freuds, Begründer der individual psychology Tochter Freuds, Fokus auf den Anpassungsmöglichkeiten des Egos und des Selbst, frühe Ego-Psychologin Vater der Ego-Psychologie, Entfernung von Freuds Annahmen über Instinkte hin zum Ego als anpassungsfähiger und effektiver Vertreter der Persönlichkeit erste Objekt-Beziehungs-Theoretikerin, Annahme: die von Kindern empfundene Liebe oder der Hass gegenüber Objekten werden zu unbewussten Repräsentationen, die Einfluss auf soziales Verhalten haben interpersonal theory; Fokus auf Strategien von Menschen um mit Angst umzugehen, durch die Etablierung eines Selbstsystems in der Kindheit; Einsamkeit in späterer Kindheit kann dementsprechend durch Intimitäten mit Freunden übergangen werden. gegen Freuds Ödipuskomplex; Fokus auf sozialen und kulturellen Einfluss, weniger auf biologischen, bei der Formierung des Selbst; sieht drei Wege für (neurotische) Menschen Herausforderungen zu bewerkstelligen: sich auf Menschen, von ihnen weg oder gegen sie bewegen Integrative Theorie aus Marx und Freud; hohe Bedeutung sozialer und kultureller Kräfte bei der Bildung der Persönlichkeit Ego-Psychologe; bekannt v. a. für sein stage-modell (8 Lebenskrisen müssen in der Entwicklung bewältigt werden: über Kindheit: Vertrauen vs. Nicht-Vertrauen bis hin zu Integrität vs. Verzweiflung ) Objekt-Beziehungs-Theoretikerin; Fokus auf Prozess der Trennung und Individuation in den ersten drei Jahren Selbst-Psychologe, ähnelt der Objekt-Beziehungs-Theorie, fokussiert aber auch das Problem einer kohäsiven Entwicklung des Selbst in den frühen Lebensjahren Alle Psychoanalytiker teilen eine gewisse Sicht der menschlichen Natur, der in vier Aspekte unterteilt werden kann: 1) Determinismus (Verhalten und Erfahrungen sind determiniert durch unkontrollierbare Kräfte) 2) Konflikt (die vielen in der Kindheit erworbenen Kräfte stehen in Konflikt miteinander wodurch Angst entsteht) 3) das Unbewusste (kein Bewusstsein über die Kräfte) 4) psychoanalytische Interpretation (durch sie kann etwas Wissen über die Kräfte gewonnen werden (z. B. Interpretation von Träumen)) The Unconscious In Freuds Sicht ist das bewusste Erfahren nur die Spitze eines Eisbergs, der Rest liegt im Unbewussten. 1

14 Seine klinischen Fälle, sah er als unter unterdrückten (verdrängte) Konflikten sexueller oder aggressiver Art leidende Neurotiker. Er entwarf ein topographisches Modell des menschlichen Funktionierens, bestehend aus Unbewusstem, Präbewusstem (heute: Gedächtnis; Infos, die nicht da sind aber abgerufen werden können) und Bewusstem. Das im Unbewussten liegende Material wurde aus einem bestimmten Grund unterdrückt. Es dringt durch symbolische Form, wie in neurotischen Symptomen oder indirekt befriedigt in Träumen, Fantasien oder Kunst ins Bewusste. Unterdrückung ist unvermeidlich und findet alltäglich statt. Unconscious Information Processing Kognitionspsychologen nehmen mittlerweile an, dass Freud gar nicht so Unrecht hatte. Die meiste Informationsverarbeitung verläuft anhand von Algorithmen, die nicht bewusst wahrgenommen werden. Hierdurch können emotionale Reaktionen ausgelöst werden, wie z. B. automatisches Mögen oder Nicht-Mögen. Man kann das psychologisch Unbewusste auch als Reihe impliziter Prozesse sehen, wie implizites Gedächtnis, implizite Wahrnehmung, Gedanken oder implizites Lernen. Die Auffassung, dass es zwei Arten der Verarbeitungen gibt, deckt sich mit Freuds Ideen eines a) primary und eines b) secondary process. zu a): spontaner und müheloser Prozess, oft ausgehend von sexuellen oder aggressiven Trieben, verbunden mit dem Unbewussten; z. B. zu finden in Träumen zu b): rationales Denken, verbunden mit realer Wahrnehmung, bewusst und bewusst Der Unterschied zu modernen sozial-kognitiven Ansätzen ist, dass dort aggressive und sexuelle Triebe keine Rolle spielen. Vergleichbar ist Freuds Modell auch mit dem von EPSTEIN. Er unterscheidet ein experential ( heiße Emotionen, spontane und unfreiwillige Verarbeitung, kaum bewusste Kontrolle, evolutionär älteres System, allerdings nicht mit Trieben verbunden) von einem rational system ( kühle Logik, realistisch und relativ logisch, Kontrolle über bewusste Gedanken). Repression and Repressors Defensive Wahrnehmung (perceptual defense) scheint ein empirisch belegtes Konzept zu sein. Zwischen 1940 und 1960 wurden Versuche durchgeführt, in denen deutlich wurde, dass Menschen länger brauchen Stimuli wahrzunehmen, die Ängste produzieren oder mit Traumata zusammenhängen. Auch sexuelle Stimuli werden später wahrgenommen. WEINBERGER et al. (1979): Aktuelle Studien zeigen, dass einige Menschen eher Unterdrücker/Verdränger sind. Personen mit wenig Angst auf eine Bewusstem Niveau und einem defensivem Lebensstil (Verdränger) berichteten weniger Betroffenheit bei der Präsentation von sexuellen oder aggressiven Stimuli als Personen mit wenig Angst und wenig Defensivverhalten oder Personen mit viel Angst und viel Defensivverhalten. Hingegen zeigten physiologische Maße bei Verdrängern mehr innere Erregung. Auch haben sie wie eine zweite Studie zeigte (DAVIS & SCHWARTZ 1987)- weniger Erinnerungen an negative Ereignisse ihrer Kindheit.» beides ist in Einklang mit Freuds Theorien Aber sie zeigten auch weniger Erinnerungen an positive Erinnerungen, was darauf hindeutet dass Unterdrückung oder Verdrängung ein generelleres Phänomen ist. 1

15 Es scheint aber kein generelles Gedächtnisdefizit zu sein, denn Verdränger erinnern mehr emotionale Erfahrungen andere, als stark emotionale Erfahrungen der eigenen Person (DAVIS 1987). HANSEN & HANSEN (1988) vermuten, dass Verdränger assoziatives Netzwerk für negative Emotionen besitzen, das wesentlich weniger komplex und mehr von anderen Erinnerungen getrennt ist, als bei Personen, die nicht verdrängen. Dieses wird auch von ihnen empirisch belegt. Verdrängung als Coping-Strategie kann zu erhöhtem Risiko für Krankheiten führen (z. B. Asthma oder Krebs). A Collective Unconscious: Carl Jung Anders als Freud fokussierte Jung nicht Aggression und Sexualität, sondern glaubte, dass Menschen motiviert werden durch eine Reihe unbewusster Faktoren und Kräfte (interne Triebe und Bilder über Einsamkeit, Tod, Adrogynie, Weisheit, Unwissenheit und Sexualität und Aggression- alles Resultate unseres evolutionären Erbes). Die Hauptstrukturen dieses kollektiven Unbewussten sind Archetypen, allgemeingültige Präsispositionen, aus denen Bilder und Verhaltenssequenzen gebildet werden können. Sie sind zu finden in alten Mythen, Träumen oder universalen Symbolen. 3 Bsp.: Anima: der unbewusste weibliche Teil im Mann Animus: der unbewusste maskuline Aspekt in der Frau Beide wirken als unbewusste Filter zum Erschließen des Verhaltens des anderen Geschlechts in der Interaktion zwischen Mann und Frau. Shadow: Schatten, die dunkle Hälfte der Persönlichkeit, Verlangen nach unakzeptable und sozial unangemessene Verhaltensweisen; abgebildet in Metaphern von Dämonen oder dem biblischen Sündenfall Empirisch ist Jungs Ansatz kaum zu beweisen. The Formation of Personality Freud sieht den Geist des Menschen als Maschine, die Energie braucht. Diese stammt aus zwei Arten von biologischen Instinkten: a) Sexualität und andere Lebensinstinkte und b) Aggression und andere Todesinstinkte. Lebensinstinkte dienen dem individuellen Überleben und der Repüroduktion. Die Form der Energie der Lebensinstinkte ist die Libido. Die Person investiert seine Libido in verschiedene Objekte (Personen oder Aktivitäten), die Befriedigung der Instinkte versprechen. Die erogenen Zonen (Mund, Anus und Genitalien) sind mit Libido geladen. In der Entwicklung eines Menschen wandert die Libido von einer erogenen Zone zur nächsten. Nach Freud entfernten sich die Psychoanalytiker von der Bedeutung der Libido und konzentrierten sich stattdessen auf die Bedeutung früher interpersonaler Beziehungen (Objekt (hier einer Person) -Beziehungen) für die Entwicklung der Persönlichkeit. 1

16 The Early Years Orale Phase: Psychosexuelle Entwicklung beginnt für Freud mit dem Saugen an der mütterlichen Brust (dem ersten Ziel der sexuellen Instinkte). In der oralen Phase ist das Kind komplett abhängig von seiner Mutter, was die Befriedigung seiner körperlichen Bedürfnisse angeht. Wenn sie regelmäßig befriedigt werden, nimmt das Kind seine Umgebung als vorhersehbar und spannungslindernd (Spannung durch Hunger z. B.). Dieses ist die Grundlage für eine gute psychosexuelle Entwicklung. Es kann aber auch zur Fixation in der oralen Phase kommen:» 2 Arten oraler Persönlichkeiten: 1) früher Fixation» oral passiver Persönlichkeitstyp (fröhlich, stark abhängig, Erwartung an die Welt ihn zu bemuttern ) 2) späte Fixation (nachdem das Kind anfängt mit Zähnen zu beißen)» oral sadistische Persönlichkeit (zynisch, pessimistisch und beißend sarkastisch) Anale Phase: anhalten und gehen lassen von Kot; regelmäßiger Auf- und Abbau von Spannung; erfolgreiches Toilettentraining führt zu einem gewissen Maß an Meisterung der sexuellen Instinkte (Libido unter der Kontrolle sozialer Pläne). 2 Arten analer Persönlichkeiten: 1) strenges, rigides Toilettentraining» anal zurückhaltende Persönlichkeit (Hartnäckigkeit, Geiz und zu krasses Planen des Lebens; wenig Spontaneität und Flexibilität; Auslöser: Anstrengungen anzuhalten) 2) anal expulsive Persönlichkeit (stetiges gehen lassen in impulsiver Art; unordentlich, unorganisiert, grausam, destruktiv) Anders als Freud haben sich andere Analytiker auf die Bedeutung der Beziehung zwischen Mutter und Kind für spätere Bindungen bezogen. So kann das Saugen an der mütterlichen Brust als erster Aufbau einer sicheren vertrauensvollen Beziehung verstanden werden, und die anale Phase als erster Gewinn von Unabhängigkeit und Selbstmeisterung. Grundsätzliche Annahme: Eine gute Zeit im ersten Jahr erhöht die Wsk. für eine gute Zeit danach (was Objekt-Beziehungen und autonomes Selbst angeht). MARGARET MAHLER (1975): Theorie der frühen Entwicklung: erster Monat: Kind in anfänglicher Phase eines normalen Autismus (biologische Bedürfnisse lassen keine Objektsuche zu) zweiter Monat: normale Symbiose mit der Mutter; Einheit mit der Mutter dann kritischer Prozess zwischen Trennung und Individuation: Monat: Selbst und Andere werden unterscheidbar, check back mit Mutter bei erster leichter Entfernung (Differenzierung der Körperbilder) Monat: durch mehr Bewegungsmöglichkeiten mehr Erforschung der Umgebung; bei Abwesenheit der Mutter gehemmte Erforschung, stattdessen Suche nach der inneren bildhaften Mutter (Übungsphase) Monat: Annäherung-Vermeidung-Konfikt; Konflikt zwischen Trieben zur Wiedervereinigung und kompletter Loslösung (Annäherungsphase) 1

17 2.-3. Jahr: Etablierung eines stabilen Selbst unter dem Bewusstsein, dass die Mutter das Kind auch liebt, wenn die nicht anwesend ist The Oedipus Complex Hauptevent der Persönlichkeitsentwicklung nach Freud. Alter: 3-5. Phallische Phase (Libido konzentriert sich auf die Genitalien): Faszination über eigene Geschlechtsorgane, beginnende Neugier für sexuelle Praktiken der Erwachsenen, möglicher Beginn von Masturbation. es kommt zum Oedipus Komplex: auf unbewusstem Niveau sexuelles Verlangen des Sohnes nach seiner Mutter; Der Junge investiert seine Libido in ein weibliches Liebes Objekt, was nur in seiner Fantasie existiert, und seiner Mutter entspricht (Vorgang der Objektwahl). Dem Jungen steht aber eine maskuline Kraft, sein Vater, im Weg» Kastrationsangst (symbolisch für den Verlust seiner Kraft (und seinem Liebesobjekt))» unbewusster Wunsch den Vater zu töten. Normalerweise wird der oedipale Komplex gelöst, indem aus der Objektwahl eine Identifikation mit dem Vater wird. Dieses ist einerseits eine Niederlage gegenüber dem übermächtigem Vater und ein Verlust der imaginierten Omnipotenz, andererseits ein Gewinn eines moralischen Fundaments (vom Vater). Freud nennt das das Superego (dt.: Über-Ich). Ohne Über-Ich würde das Kind ein rücksichtsloser cleverer Tyrann mit Defiziten in Herausforderungen des Lebens in moralischen Gemeinschaften. Statt einer Lösung kann es zu Konfusionen zwischen Objektwahl (unbewusst gewollt) und Identifikation (wenn Objektwahl nicht möglich) kommen. Die Lösung des Oedipus Komplex ist ein Prototyp für das Unterdrücken von Instinkten und Etablierung von Institutionen oder soziale Organisationen an ihrer Stelle. Bsp. Totem and Taboo: früher: Vater als Patriarch, der die Frauen der Horde sexuell besitzt und sie den jüngeren anbietet; dann wird der Vater von jungen Männern getötet und gegessen (totem meal; symbolisch für Identitätsübernahme) und es werden durch sie neue soziale Regeln aufgestellt, u. a. das Inzesttabu. Hieraus werden dann andere weiterreichende moralische Strukturen. Oedipus Komplex bei Mädchen: Anziehung zur Mutter» dann, Enttäuschung, weil beiden Penis fehlt (Penisneid)» unbewusste Anziehung zur stärkeren Vaterfigur; Lösung: stattdessen Identifikation mit der Mutter; da Mädchen von Beginn an kastriert sind, können Frauen ein schwächeres und weniger unabhängiges Superego (+ weniger Moralsensibilität) oder Superego mit der Möglichkeit moralische Entscheidungen flexibeler zu treffen (alternative Annahme) modernerer Ansatz: kein Begehren nach Penis sondern nach Kraft und Privilegien für Frauen A Reinterpretation of the Oedipus Complex; Chodrow s Theory of Gender Oedipus Komplex ist schwer zu operationalisieren und konnte daher nicht empirisch bestätigt werden. 1

18 Uminterpretation von NANCY CHODROW (1978) zu Erklärung von Geschlechtsunterschieden: Mutter übt den Haupteinfluss auf Kinder aus. sie behandelt dabei ihre Kinder entsprechend ihrem Geschlecht; da der Sohn immer anders als sie ist (nämlich männlich), ist die Beziehung zur Tochter zunehmend emotionaler und symbiotischer. dennoch sieht die Autorin wie Freud einen Punkt, an dem die Tochter von der Mutter enttäuscht ist (Freud: oh, Mama hat kein Pimmel) und sich dem Vater zuwendet; dennoch ist das Band zwischen Mutter und Tochter stärker, so dass die Tochter ihr weibliches Selbst in der Beziehung zur Mutter findet; dieses ist für den Sohn nicht möglich, da der Vater nicht so gegenwärtig ist wie die Mutter, er findet seine Maskulinität in der Unterschiedlichkeit zur Mutter; er kann nur ahnen, wie sein männliches Selbst ist, handelt also nach Mustern, die er erahnt und denen der Mutter entgegen stehen.» Tochter nimmt Mutterrolle auf, Sohn hat mütterlichen Fähigkeiten auch später unterdrückt. The Structure of Adult Personality zurück zu Freud; nach der Lösung des Oedipus Komplexes» Latenz (Libido ist im Urlaub ; Energie aus den Instinkten wird in Spiel, Schule oder Beziehungen ausgelebt) hierdurch entstehen Werte, Regeln, Fähigkeiten (generell kann man sagen, dass Freud nicht viel zu der Latenzphase zu sagen hatte!) mit Beginn der Pubertät kommt das Kind in die genitale Phase, in der es biologisch dafür bereit- die Libido in sozial angemessener und für das Selbst befriedigender Art rauslassen kann. Die Energie aus den Trieben muss dabei einerseits durch genitale Liebe anderseits aber auch durch produktive Arbeit ausgedrückt werden, wobei Konflikte zwischen beidem stets Angst auslösen. Sowie Konflikte zwischen den drei Teilen des menschlichen Geistes: Freuds Modell der Psyche: das Es (id): liegt im Unbewussten; Heimat der Triebe (Sex & Aggression) und ihrer Energie; ist chaotisch und unterliegt keinen Einschränkungen moralischer oder logischer Art; funktioniert nach dem Lustprinzip (pleasure principle; Vergnügen durch Reduktion von Spannung, ausgelöst durch Impulse) das Ich (ego): Moderator zwischen der äußeren Welt und ihrer Logik und den blinden Impulsen des Es` auf Basis der Energie aus dem Es; Realitätsprinzip (aufsparen der Befriedigung der Instinkte bis ein passendes Objekt oder eine äußere Bedingung erscheint/gegeben ist); arbeitet bewusst (bei selbstreflektierten Entscheidungen) und unbewusst durch Verteidigungsmechanismen, die unbewusst die äußere Welt verzerren um Angst zu reduzieren Verteidigungsmechanismen: - Unterdrückung (Verdrängung) - Projektion störende Gedanken auf andere projizieren - Entwicklung von Reaktionen störende Gedanken durch gegenteilige über schreiben - Rationalisierung besonders vernünftigen Grund finden - Regression ein primitives oder früheres Verhalten annehmen - Verlagerung eines Gedanken auf ein anderes nicht störendes Objekt - Sublimation sozial Unerwünschtes in Erwünschtes uminterpretieren 1

19 das Über-Ich (superego): eine primitive Internalisierung sozialer Normen und Werte, erworben durch Identifikation mit den Eltern ( aufessen der Eltern ); verlangt streng und unflexible nach dem Verzicht auf die instinktiven Bedürfnisse des Es; wie auch das Es der äußeren Welt über blind (kein Realitätsprinzip); das Ich muss also Konflikte lösen - gefährliche Realität der äußeren Welt erzeugt Angst - die neurotische Angst vor einer unkontrollierbaren Befreiung der instinktiven Energie des Es - moralische Ängste (Schuld, Bedauern) des idealistischen Über-Ichs Ego-Psychologen nach Freud gehen davon aus, dass das Ich (ego) mehr ist als ein hilfloser Verteidiger sondern die Möglichkeit hat integrativ zu handeln und ein breites Arsenal an Waffen gegen Angst hat (bedeutend optimistischere Sicht als Freud). Studien zeigen, dass Verteidigungsmechanismen existieren und verscheiden entwickelt bzw. reif sind. PHEBE CRAMER (1991): Kinder in vier verschiedenen Altersstufen sollen Geschichte erzählen anhand von ausgewählten Bildern. Jüngere Kinder zeigten dort mehr Verleugnung (denial; primitivster Verteidigungsmechanismus; Leugnen der Angst auslösenden Situation), weniger Projektion (weniger primitiver Verteidigungsmechanismus; Attribution von internen ängstlichen Zuständen auf äußere andere, Vorraussetzung: Entwicklung eines Gewissens (Unterscheidung Gut und Böse))) und am wenigsten Identifikation (am reifsten; Replikation von Verhalten anderer, erst bei Erwachsenen, da Vorraussetzung: klare Differenzierung zwischen Personen). DOLLINGER & CRAMER (1990): Traumatisierte Kinder neigen dazu mehr Verleugnung zu benutzen als andere Kinder in diesem Alter. Je beängstigter/aufgebrachter die Kinder waren desto weniger wurden reife Defensivmechanismen genutzt. Umkehrschluss: Altersgemäße Mechanismen scheinen am besten Angst zu reduzieren. Bei Erwachsenen hängt die Nutzung reifer Strategien mit hoher sozialer Anpassung und beruflichem Erfolg zusammen. Kausaler Zusammenhang?» Vermutlich Reziprozität zwischen Strategie und Status. Development in the Adult Years: Jung s View Jung sieht anders als Freud- Entwicklung als einen lebenslangen Prozess, den er Individuation nennt. Hierbei ist das Ziel alle Aspekte der Persönlichkeit (bewusst und unbewusst) zu entwickeln und in eine große Einheit zu integrieren (Symbol dafür ist das Mandala (Sanskrit für Kreis). Die Entwicklung ist abhängig vom Persönlichkeitstyp, der durch a) Einstellungen und b) Funktionen determiniert ist. Es können acht verschiedene Persönlichkeitstypen entstehen aus einer Kombination von: a) zwei Einstellung (je nach Persönlichkeitstyp eine davon bewusst und dominant, die andere unbewusst): Extraversion (Orientierung auf die externe, objektive Welt) Introversion (Orientierung auf die interne, subjektive Welt) b) vier Funktionen (je nach Persönlichkeitstyp eine davon bewusst (dominant), die andere unbewusst): 1

20 - Denken (rationale und intellektuelle Analyse der Welt) - Fühlen (emotionales Erfahrend er Welt durch Schmerz, Ärger, Angst, Sorge, Freude oder Liebe) - Spüren (sensing; konkrete Fakten über ein Ereignis, wie es aussieht oder sich anhört) - Intuitiv wissen (intuiting; über Fakten und Gefühle hinausgehendes Erfassen der unbewussten Essenz eines Ereignisses) Die verschiedenen Funktionen, Einstellungen und Archetypen der Persönlichkeit organisieren sich um das Selbst herum, welches sie zu einer einheitlichen, stabilen Person im Gleichgewicht zusammenbringt. Über die Zeit der Individuation hinweg können Teile nach vorne treten und andere in den Hintergrund. Vor allem die Lebensmitte (etwa 40 Jahre; nach Jung die wichtigste Entwicklungsphase) markiert eine besondere Verschiebung von Einstellungen und Funktionen von Materialismus, Sexualität und Fortpflanzung zu inneren spirituellen kulturellen Werten und einer philosophischeren Erforschung des Selbst. The Interpretation of Lives Freud entwickelte einen Weg Lebensgeschichten anhand ihrer versteckten, unbewussten Bedeutungen zu erforschen und zu interpretieren. Kernannahme ist, dass die Wahrheit zwischen den Zeilen und hinter dem Offensichtlichem liegt. Neurotische Symptome sind symbolische Manifestationen von unbewusster Angst oder unbewusstem Verlangen. Eine Möglichkeit um Unbewusstes an die Oberfläche zu bringen ist freie Assoziation, bei der der Patient alle Gedanken zu einem Stimulus erläutert, sobald sie auftreten. Ein Problem zwischen Therapeut und Patient ist der Transfer (unbewusster Transfer des Patienten von Dynamiken aus einer problematischen Beziehung auf die Beziehung zum Therapeuten) und der Gegentransfer (unbewusste Gefühle des Therapeuten auf Patientin). Methods of Interpretation Wie ein Text hat menschliches Verhalten mehrere Bedeutungen und ist wie ein Vertrag Resultat aus einem Kompromiss unsere inneren Konflikte. Das Verhalten besteht aus einem manifestem (augenscheinlichem) Teil und einem latenten (verborgenem) Teil. Der manifeste Level besteht aus verschiedenen Ebenen, aus dem offenes, direktes und knappes Verhalten entsteht. Er wird von latentem und somit unbewusstem Material überbestimmt (overdetermined), da es mehr verstecktes Material gibt. Bei Traumanalysen geht man von manifestem zu latentem Material über (via freiem Assoziieren z.b.). Andersherum hat der Patient bereits in einem unbewussten Prozess, den Freud Traumarbeit (dreamwork) nennt, aus latentem Material einen manifesten Traum erzeugt. Hierbei sind die wichtigsten Strategien: - Kondensation (condensation; Verdichtung: viele latente Elemente werden ein manifestes Bild oder Thema) - Deplatzierung (displacing; die Akzentuierung wird von einem wichtigen aber angstauslösendem Objekt oder Thema auf ein andere triviales verschoben) - Symbolismus (symbolis; Aufbau von Bildern oder Vorgängen, die versteckte aber allgemeine Bedeutungen haben; z.b. einer Box ähnliche Objekte für Vagina) 2

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