Ausgabe 22 Frühjahr 2007 Euro 1,80. magazin. Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e. V.

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1 Ausgabe 22 Frühjahr 2007 Euro 1,80 magazin Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e. V. Stau lass nach Tipps für eine freie Fahrt Autos kommunizieren zum Schutz der Passagiere Sicherheit: Lösungen für die Zukunft Renn-Genie als Talentscout Neue Aufgaben für Michael Schumacher

2 editorial magazin 22 aktuell Inhalt 4 News und Trends unterwegs 10 Geschichten hinter Balken: Die Deutsche Fachwerkstraße 12 Oasen der Ruhe: Streifzüge durch Rügens Landschaft 14 In den Dolomiten: Auf den Spuren der Kriegsgötter 16 Geschwindigkeit und mehr: Meilenwerke in Berlin und Düsseldorf 18 Oldtimer: Automobile Leidenschaft als Ausgleich zum Alltag 19 Verkehrsteilnehmer Känguru: Unterwegs in Australien 20 Zwischen Anmut und Abgrund: Durch das nepalesische Hochland 53 Attraktion mit Tradition: Das Musicalprojekt Neunkirchen/Saar autowelt 22 Rekordjagd in Raum A111: Herausforderung Eco-Marathon 23 Konkurrenz für die Multis: Alternative Biodiesel 24 Kunst, Wirkung und Funktionalität: BMW-Designchef Chris Bangle im Gespräch 25 Zeichen gegen den Jugendwahn: Bischof Dr. Reinhard Marx bei Ford Saarlouis 30 Neue Modelle: Auto-Frühling 2007 service technik Inhalt 26 Dem Ersatzteilklau auf der Spur 28 Neue Autos braucht das Land 32 Feinstaub: Die neuen Regelungen 33 Oldtimer: KÜS erweitert Service 34 Cool bleiben: Richtig umgehen mit der Klimaanlage 46 TITELSTORY Stau lass nach: Tipps für eine freie Fahrt 50 Reifenschäden müssen nicht sein 38 Mit Spezialglas gegen massivste Gewalt: Sicherheitsfahrzeuge 40 TITELSTORY Autos warnen Autos: Car-To-Car-Kommunikation 42 Die Elektronik macht s: Immer mehr Komfort im Mobil 48 Telemedizin: Zwischen Höchstleistung und körperlichen Grenzen 52 Bereifung korrekt: Ein Expertenworkshop gibt Antwort motorsport 43 Projekt: Schüler üben für die Formel 1 44 Skoda und Gerolsteiner: Gemeinsam im (Rad-)Team 46 TITELSTORY Michael Schumacher: Und nach der Formel 1? rubriken 54 Gut zu lesen. Gut zu hören: Neue Bücher, neue CDs 55 Zwischenstopp: Krimi-Autorin Val McDermid 56 Auto-Legenden: Renault Dauphine 57 UPDATE: Es stand im KÜS magazin 58 Aus dem Gruselkabinett der KÜS-Prüfingenieure 59 Recht aktuell: Neue Urteile Impressum Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e. V. Zur KÜS Losheim am See Telefon: Telefax: Redaktion Hans-Georg Marmit (verantwortlich) Roland Bernd Mitarbeiter dieser Ausgabe Klaus Peter Backfisch Jürgen C. Braun Erwin Halentz Konstanze Halentz Volker Hammermeister Ute Kernbach Peter Michaely Elfriede Munsch Frank Nüssel Ludwig Mario Niedermeier Günter Weigel Fotos KÜS, (Eisenack, Uwe Engler, Fried, Krüger, Frank Neumann, Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Herbert Warnke, W3), Jürgen C. Braun, DaimlerChrysler, Fischer/Walsroder Markt, Helmut Gassen, Erwin Halentz, Konstanze Halentz, Volker Hammermeister, Ute Kernbach, Korbach Media, Peter Michaely, Ludwig Mario Niedermeier/MN Infotext, Frank Nüssel, Werner Poggenpohl, Günther Ruschel, UFOP, Günter Weigel, Hersteller- und Archivfotos Layout und Produktion KÜS, Fachbereich Presse & PR Georg Ehl Christian Sabo Druck Merziger Druckerei & Verlag GmbH & Co. KG Gewerbegebiet Siebend Merzig Auflage Exemplare Erscheinungsweise halbjährlich Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bildbeiträge wird keine Haftung übernommen. KÜS magazin ist eine Publikation der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e. V. Liebe Leserinnen, liebe Leser! Sicherheit: Das wichtigste Anliegen der KÜS stellen wir Ihnen in der neuen Ausgabe aus ganz verschiedenen Perspektiven vor. Wohl jeder kennt die leidige Situation: Eben noch war freies Durchkommen, plötzlich steht man im scheinbar nicht endenden Stau. Wohl dem, der dann trotz getrübter Vorfreude auf den Urlaub oder dringender Termine gelassen bleiben kann. Denn der gut gemeinte Rat Ändern lässt sich s nun auch nicht mehr hilft nicht wirklich weiter. Was hilft, erfahren Sie in unserem Artikel rund um die Tipps für eine freie Fahrt. Vermeiden lässt sich ein Stau aus Sicht des Fahrers schwer bis überhaupt nicht. Aber: Das Ärgernis lässt sich in Grenzen halten. Ist es heute noch wirklich vorstellbar, dass vor rund 30 Jahren der Sicherheitsgurt in einem Mittelklassewagen ein aufpreispflichtiges Feature war? ABS, Airbags und Bremsassistent gehören selbstverständlich bereits zum Kleinstwagen. Aber die Forschung geht bereits viel weiter: Wie können Fahrzeuge miteinander kommunizieren, um dem Fahrer ein Höchstmaß seiner menschlichen (natürlichen) Unzulänglichkeit abzunehmen? Mehr als spannend! Ich freue mich, dass unser Autor Ihnen einen Ausblick auf ein Sicherheitsthema geben kann, das sich auf Jahre hin noch spannend und richtungweisend entwickeln wird. Sicherheit: Für Prominente, die als öffentliche Personen erhöhter Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind, gelten in dieser Hinsicht ganz besondere Maßstäbe. Den speziell ausgerüsteten Fahrzeugen, mit denen die celebrities unterwegs sind, sieht man das ganz entscheidende Mehr freilich nicht an. Lesen Sie, was die Sicherheitsfahrzeuge im Inneren kennzeichnet und welche Features von entscheidender Bedeutung sind. Schließlich möchte ich noch auf eine Initiative hinweisen, die Fahrzeugsicherheit und einen zweifellos guten Zweck miteinander verbindet. Mit einem vor Kurzem eingerichteten Modifikationszentrum für ein sportliches Fahrzeug aus der Modellpalette verbindet der Hersteller ein ebenso deutliches wie im Arbeitsprozess wirksames Signal gegen den Jugendwahn in unserer Gesellschaft. Ein Beispiel mit Vorbildcharakter. Allzeit gute und sichere Fahrt wünscht Ihnen Ihr 2 Ausgabe Frühjahr

3 unterwegs unterwegs Auszeit für Körper, Seele und Geist Unterwegs auf Rügen Der Sanddorn ist allgegenwärtig: Die Vitamin-C-reiche, herbsüß schmeckende Frucht wird hier angebaut und folglich nicht nur als Gesundkost angeboten, sondern ist nahezu überall (Lebensmittelmarkt, Geschenkartikelladen) erhältlich. Sanddorn-Eis ist eine beliebte Spezialität. Als eingemachte Frucht verfeinert Sanddorn andere Eissorten ebenso wie süße Quarkspeisen und eignet sich als Brotbelag. Mitunter ist Sanddorn hier auch als pflegender Zusatz in kosmetischen Produkten zu finden. Ich brauchte diese Auszeit jetzt einfach mal, sagte die ältere Dame freundlich und verabschiedete sich von mir. Einen kurzen Zwischenstopp an der Strandpromenade während des wöchentlichen Einkaufs hatte die passionierte Seglerin genutzt, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Keine ungewöhnliche Situation auf der Insel Rügen, wo vor allem im Sommer Reisende von überall her eine Auszeit vom Treiben des Alltags nehmen. Rügen die Insel der Kontraste: Einerseits sind die berühmten Seebäder wie Binz und Sellin durchaus noble Vorzeigeorte. An Gelegenheiten, das Urlaubsbudget chic auszugeben, mangelt es keineswegs, die belebten Strandpromenaden sprechen eine deutliche Sprache. Andererseits finden sich immer wieder preiswerte Quartiere, die insbesondere für Familien mit Kindern ideal sind. Auch Betreuungsangebote für die Kleinen, damit die Großen mal wirklich unter sich sein können, gehören zum Urlaubsalltag. Wer eine wirklich erholsame Auszeit vom Alltag sucht, ist hier richtig. So wie die freundliche Seglerin. Roland Bernd Morgenmuffel aufgepasst: Insbesondere an (Sommer-)Wochenenden besser eine Ausnahme machen und so früh wie möglich losfahren; ab dem frühen Vormittag sind Staus von 10 km und mehr keine Seltenheit; sie machen vor allem bei Hitze die Anreise zur totalen Geduldsprobe und mindern den erholsamen Auszeit-Effekt, der die Insel auszeichnet. Die Anreise per Auto ist sehr zu empfehlen, da der Busverkehr vor allem zwischen den entlegenen (sehr schönen!) Dörfchen und den Ostseebädern nur sehr spärlich verkehrt. Nichts eingekauft für unterwegs? Kein Problem, insbesondere die großen Supermarktketten halten ihre Filialen auch sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet, auf jeden Fall in den Sommermonaten. Enge Straßen! Reisezeiten (z. B. für Tagestouren) bei der Planung etwas großzügiger bemessen als üblich. Vorsicht Schlaglöcher! Entgegenkommenden Autos durch Zur-Seite-Fahren möglichst frühzeitig/vorausschauend Platz machen. Quartierreservierung vorab ist vor allem für Familien empfehlenswert, es ist aber auch nicht aussichtslos, kurzfristig oder spontan eine Unterkunft zu finden. Die Hinweise an den Häusern Zimmer frei oder Zimmer belegt sind nicht zu übersehen. Sehenswürdigkeiten Kreidefelsen Ostseebäder z. B. Binz, Sellin, Glowe, Juliusruh (die letzten beiden für ausgewiesene Strand-Fans) Störtebeker-Festspiele/Naturbühne Ralswiek: 23. Juni bis 8. September 2007 Mo. bis Sa Uhr Hansestädte: Stralsund, Greifswald Umgebung: Fischland Darß-Zingst Tagestouren nach Schweden (auf Angebote örtlicher Reiseveranstalter achten) Gesundheit Ein Rügen-Aufenthalt wird empfohlen bei Erkrankung an oder Neigung zu Katarrhen der oberen und unteren Luftwege und bei Erkrankungen der Haut. Weitere Informationen sind üblicherweise beim Hausarzt zu bekommen. Web allgemeine Informationen Informationen zu den Störtebeker- Festspielen und zur Naturbühne Ralswiek Lachsmanufaktur; kann auch besichtigt werden großes Spaßbad für alle Altersklassen Label des Ahrenshooper Künstlers Lutz Gerlach, der sich von der Insel u. a. zur Rügen Suite inspirieren ließ und zahlreiche weitere Produktionen mit mediativem Charakter veröffentlicht hat Mitbringsel Das traditionelle Fischerhemd mit nicht zu feinen weißen Streifen (längs) auf dunkelblauem Grund und mit Stehkragen. Klassisch sind Kordeln, eine Version mit Knöpfen am Hals kam erst später, gilt aber heute als gleichfalls authentisch. Die berühmten Rügener Kreidefelsen sind auch Namengeber für einen Kuchen, der hier verkauft wird. Schmuck aus Bernstein ist fast überall auf der Insel zu haben; ganz persönliche Reiseandenken sind die selbst gesammelten Hühnergötter vom Strand. Reiseführer Dumont RTB Rügen & Hiddensee mit Stralsund; 12, Euro Marco Polo Rügen/Hiddensee/Stralsund; 8,95 Euro Baedeker Allianz Reiseführer Rügen; 17,95 Euro 12 Ausgabe Frühjahr 2007 [ autonews täglich online: ] 13

4 unterwegs unterwegs Meilensteine für Oldtimer-Fans Die Meilenwerke in Berlin und Düsseldorf Ein Besuch in den Meilenwerken Berlin und Düsseldorf ist für Liebhaber klassischer Automobile ein absolutes Muss. In beiden Meilenwerken unterhält der KÜS-Partner GKK Gutachtenzentrale eine Zweigstelle. Nein, es handelt sich nicht um einen Zufall, sondern um eine Momentaufnahme der Realität. Natürlich kann man das Meilenwerk besuchen wie ein Museum, erklärt Norbert Schroeder, Prokurist und Leitender Sachverständiger der Abteilung Fahrkultur in der GKK Gutachtenzentrale GmbH & Co. KG. Aber die Leute merken, dass hier Bewegung drin ist, sie spüren die Emotionen, die beispielsweise der Käufer eines klassischen Automobils im Meilenwerk empfindet, sagt Schroeder. Der KÜS-Partner GKK Gutachtenzentrale ist ein bundesweit tätiges Unternehmen mit über 150 Mitarbeitern, das auf eine mehr als 30-jährige Erfahrung bei der Kfz- und Verkehrs-Gutachtenerstellung zurückblicken kann und zu den renommiertesten Ansprechpartnern speziell bei der Wertermittlung von klassischen Fahrzeugen und Exoten zählt. Neben der Durchfüh- dem Dach von architektonischen Preziosen, erklärt Martin Halder, Erfinder und Initiator beider Meilenwerke. Dabei setzen wir auf eine effiziente Nutzung unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Gebäudesubstanz, fährt Halder fort eine Idee, die dem Meilenwerk-Team bereits zahlreiche Preise eingebracht hat und dem Nebeneinander von Fachbetrieben für Handel und Instandsetzung von klassischen Autos und Motorrädern, für Ersatzteile und Accessoires, von Eventflächen und Gastronomie, einen ganz besonderen Rahmen verleiht. Das Meilenwerk ist mehr als ein Museum, da es gewerbliche Nutzungen vereint, die zwar einen musealen Auftritt, aber einen wirtschaftlichen Hintergrund haben, fasst Martin Halder zusammen. Das im September 2006 eröffnete Meilenwerk Düsseldorf entstand in einem denk- depot Europas einen stilvollen Rahmen. Es wurde zwischen 1899 und 1901 errichtet und 1924 umgebaut. In die Sanierung des Quadratmeter umfassenden Gebäudes wurden während der vierjährigen Planung und der einjährigen Bauzeit über elf Millionen Euro investiert. Binnen knapp vier Jahren besuchten bereits mehr als eine Million Menschen das Meilenwerk in Berlin. Ein besonderer Clou beider Meilenwerke sind die gläsernen Einstellboxen, die Besitzer von Klassikern mieten können. In Düsseldorf reicht das Spektrum der abgestellten Automobile vom Ferrari F 40, der wie eine zum Sprung bereite Raubkatze in seiner Box kauert, bis zum kantigen VW K 70, vom Vorkriegs-Bentley bis zum Youngtimer mit frappierender Jahreswagen-Ausstrahlung. Doch Miet-Interessenten müssen Geduld haben: Für einen Ist es ein Zufall, der den neuwertigen Porsche 959, Sportwagen-Ikone aus den Achtzigern, und den betagten Mercedes-Benz 190 SL aus den Fünfzigern, der offenbar viele Jahre in einem dunklen Versteck geschlummert hat, direkt hinter einem der Eingangstore des Düsseldorfer Meilenwerks zusammengeführt hat? Wie zwei Skulpturen stehen die beiden Klassiker da, während daneben ein zum Verkauf stehender Ferrari 328 von 1989 gewienert wird. Und wie um die Szenerie mit der passenden Hintergrundmusik zu untermalen, heult in einer der Werkstätten der Motor eines Austin-Healey auf und verfällt in einen grummelnden Leerlauf. Plötzlich hängt Benzinduft in der Luft. Nachtaufnahme des Meilenwerks Berlin (oben). Die Wiebehallen, früher ein Straßenbahndepot, liegen im Stadtteil Tiergarten. Wer sich einen Klassiker zulegen will, findet in Berlin und Düsseldorf ein vielfältiges Angebot. Im Hintergrund erkennt man die gläsernen Einstellboxen, die als Standplätze vermietet werden. Klassiker-Werkstätten sind in beiden Meilenwerken ansässig. Wie das Oberteil einer Muschel spannt sich das moderne Dach über den ehemaligen Ringlokschuppen, der heute das Meilenwerk Düsseldorf beherbergt. rung von HU und AU sowie Ein- und Anbauabnahmen erstellt die GKK in den Meilenwerken Berlin und Düsseldorf seit 1. März 2007 im Auftrag der KÜS auch Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer gemäß 23 StVZO, nachdem das Monopol der Altorganisationen und die daraus resultierende Benachteiligung der KÜS-Prüfingenieure in diesem Bereich weggefallen sind. Dass die GKK für ihre Abteilung Fahrkultur keine besseren Stützpunkte als die Meilenwerke in Berlin und Düsseldorf wählen konnte, beweist ein Blick auf die Idee hinter diesen beiden faszinierenden Oldtimer-Erlebniswelten. Das Meilenwerk-Konzept setzt auf die Synergiewirkung von Automobil-Klassikern unter malgeschützten halbkreisförmigen Ringlokschuppen mit über Quadratmetern Grundfläche, der von 1930 bis 1931 als Teil des Wagen- und Lokomotiv- Betriebswerkes Wersten errichtet wurde. Nach einjähriger Bauzeit und einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro war das neue Düsseldorfer Oldtimer- Mekka bereits zur Eröffnung voll vermietet. Martin Halder rechnet mit rund Besuchern pro Jahr, nachdem bereits über Oldtimer-Fans an den beiden Eröffnungstagen kamen. Wie in Berlin ist der Eintritt frei. Dem bereits im Mai 2003 unter dem Motto Forum für Fahrkultur eröffneten ersten Meilenwerk in Berlin bietet hingegen das einstmals größte Straßenbahn- Zur Eröffnung im September 2006 pilgerten bereits über Fans in das neue Düsseldorfer Oldtimer-Mekka. Pro Jahr werden rund Besucher erwartet. Platz zum Beispiel im 88 Einstellboxen umfassenden Parksystem in Berlin besteht eine dreistellige Warteliste, sagt Martin Halder. Derweil warten auf Norbert Schroeder bereits die nächsten Klassiker zur Begutachtung. Und Meilenwerk-Initiator Martin Halder will auch in Zukunft nichts dem Zufall überlassen. Deshalb plant er weiter: Für Hamburg, München, Frankfurt, Wien und Zürich laufen bereits die Standortanalysen für weitere Meilenwerke. Peter Michaely Weitere Informationen im Internet unter und 16 Ausgabe Frühjahr 2007 [ autonews täglich online: ] 17

5 autowelt autowelt Gestalterische Inspiration auf einen realen Bezugspunkt kanalisieren BMW-Designchef Chris Bangle im Interview Er gilt als ebenso genial wie umstritten, als Arbeitstier, aber auch als Mensch voller Emotionen, Leidenschaften und Visionen. Über seine Visionen, seine Inspirationen und das Zusammenspiel von Kunst und Funktionalität sprach Chris Bangle mit Jürgen C. Braun von KÜS magazin. Mr. Bangle, wie bedeutsam ist Ihrer Meinung nach das Design eines Fahrzeugs für seinen wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg? Chris Bangle: Das Design ist ein Teil des gesamten Entstehungsprozesses, aber es hat sicherlich einen großen Anteil an der Marktstrategie und damit auch am wirtschaftlichen Erfolg eines Autos oder auch einer gesamten Marke. Bei BMW sind die Emotionen, die das Aussehen eines Fahrzeuges erzeugt, allerdings von besonders großer Bedeutung. Ohne Design geht nichts, aber Design ist nicht alles. Es müssen alle Komponenten zusammenpassen, das ist wie mit einer Partnerschaft in einer guten Ehe, wie die Liebe, die man zu seiner Familie hat. Ihre Formensprache gilt als sehr umstritten, das von Ihnen favorisierte Gesamtbild vieler konvexer und konkaver Formen als ebenso futuristisch wie disharmonisch. Vor allen Dingen der neue 7er BMW wurde seinerzeit kontrovers aufgenommen. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um? Ich bin ein Mensch, der offen für den Dialog ist, ich setze mich mit der Meinung anderer auseinander. Kritik kann etwas Konstruktives sein, ich versuche, auch die positiven Seiten daraus zu gewinnen. Als ich 1992 vom Fiat Centro Stile zu BMW kam, standen wir vor einer Riesenherausforderung. Wir hatten enorme Hausaufgaben zu machen, aber wir haben unseren Weg gefunden. Sie haben unter vielen BMW-Vorstandsvorsitzenden gearbeitet angefangen bei Wolfgang Reitzle, der Sie damals geholt hat, über Joachim Milberg, Helmut Panke bis hin zum neuen Chef Norbert Reithofer. Wie gelingt es immer wieder, den Vorstand von der Stichhaltigkeit und Richtigkeit Ihrer gestalterischen Elemente zu überzeugen? Ich bin sehr glücklich, in diesem Haus, bei dieser Marke, die von so großer Leidenschaft und Begeisterung geprägt ist, arbeiten zu dürfen. Es geht nicht darum, dass ich den Vorstand von etwas überzeugen will. Ich habe viel mehr Ideen, als umsetzbar sind. Es geht darum, einen tragfähigen Konsens zu finden, kontinuierliche Authentizität in die Formensprache zu finden. Ich will ja niemandem etwas verkaufen. Das Geheimnis bei BMW ist die Tatsache, dass alle Entscheidungen Superhirn und Querdenker: Chris Bangle mischt mit seinen anstößigen gemeinsam unter einem großen konvexen und konkaven Formen die Modellreihen des Hauses BMW auf. 24 Spannungsbogen von Harmonie, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft getroffen werden, Das ist wie bei einem guten Orchester, das sich zusammenrauft. Automobildesign ist ein Spiel von Millimetern, eine Gratwanderung zwischen Form und Funktionalität. Wie gehen Sie mit dieser Balance um, die ja fast ein Tanz auf der Rasierklinge ist? Man darf den Blick für das Wesentliche nicht verlieren. Design, das aus einer funktionalen Begründung geboren wird, ist beständiger als solches, das einer Modeströmung entspringt. Sehen Sie sich überwiegend als Künstler oder als Mitarbeiter mit der Aufgabe, durch seinen Job zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beizutragen? Künstler brauchen keine Aufgabe von Bedeutung, sie leben alleine von der Inspiration. Unsere Aufgabe ist es, die Kunst mit Inhalten, mit Begeisterung, mit Leidenschaft zu füllen. Wir müssen unsere Auffassung von gestalterischer Inspiration auf einen realen Bezugspunkt kanalisieren. Unsere Kunden müssen froh und glücklich sein, einen BMW fahren zu dürfen um dann zu sagen: Wow, was für ein Auto! Ausgabe Frühjahr 2007 Mit Chris Bangle sprach Jürgen C. Braun. Bischof Dr. Reinhard Marx zu Gast im Ford-Modifikationszentrum Arbeitsplätze älterer Menschen als Schwerpunkt beim Werksbesuch Was die meisten der Kfz-Schlosser und Autoelektriker in der Halle gemeinsam haben: Sie sind seit 30 (und mehr) Jahren Ford-Mitarbeiter. Manche sind über 55 Jahre alt und verfügen daher über jede Menge Erfahrung in der Automobilproduktion. Und aus ganz verschiedenen Gründen kommt die Arbeit am Fließband für sie nicht mehr in Betracht. Die Mitarbeiter werden bei der Produktion des Ford Focus ST eingesetzt: 51 Beschäftigte montieren seit Herbst 2005 im Drei-Schicht-Betrieb die speziellen Teile des Ford Focus ST Spoiler, Seitenschürzen und spezielle Leitungen der Klimaanlage. Auch das markante ST-Zeichen wird hier, im Ford- Modifikationszentrum, angebracht. Eine probate Lösung, die die Beschäftigten in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung fanden. Nun bietet die Spezialwerkstatt ihnen eine neue Herausforderung. Ford-Werkleiter Jacques Pollenus hat Grund zur Freude: Wir wollen auf die Erfahrung der Kollegen nicht verzichten, denn Erfahrung garantiert Qualität. Aus diesem Grund ist dieses spezielle Team hier eingesetzt. Prominente Fürsprache bekam das Projekt aus dem Bistum Trier: Bischof Dr. Reinhard Marx besuchte das Ford-Werk in Saarlouis. Schwerpunkt seines Rundgangs durch den Produktionsbereich waren die Arbeitsplätze älterer Mitarbeiter im Fahrzeug-Modifikationszentrum. Bischof Dr. Marx sprach mit den Beschäftigten und informierte sich ausführlich über das Ford-Programm zur Integration der älteren und teilweise leistungsgeminderten Mitarbeiter. Täglich werden bis zu 75 Ford Focus in der Halle zu Ford Focus ST veredelt. Überdies bereiten die Mitarbeiter Fahrzeuge für Großabnehmer auf und bauen Sonderausstattungen etwa für Fahrschulen, Taxibetriebe und Behörden ein. Ebenso werden für die Fahrzeugmodelle Ford Focus und Ford Focus C-MAX hier die verschiedenen Anhängerkupplungen, Spoiler, DVD-Anlagen, Sicherheitstrennnetze und Ausstattungspakete montiert. In den Umbau der ehemaligen Lagerhalle zum Modifikationszentrum mit Arbeitsbühnen, Krananlagen, Lagerplätzen und elektronischem Steuerungssystem wurden rund 2,6 Millionen Euro investiert. 25

6 technik technik Autos kommunizieren miteinander zum Schutz der Passagiere Sicherheit: Funknetze Lösung der Zukunft Wie kann man Autos noch sicherer machen? Zahlreiche Airbags und sehr fester Stahl gehören heute zum sehr hohen Standard. Es gilt, die Unfallvermeidung weiter zu optimieren. Und was Premium-Hersteller wie Mercedes und Lexus derzeit mit aufwendigen PreCrash-Systemen praktizieren, soll schon in drei Jahren massenfähig sein nur minimal anders im Vergleich zu den jetzigen Premium-Angeboten. Unfallträchtig: Überholmanöver mit Fahrzeug im toten Winkel (oben). Zukunftsvision: Ein optisches Signal im Außenspiegel, ein Warnton und Vibrationen im Fahrersitz warnen vor möglicher Kollision. Statt auf Radartechnik setzt die Industrie auf Funknetze, wie wir sie von unseren Computern kennen. WLAN für die Straße. Die Idee ist so bestechend einfach, dass fast jeder Hersteller mitzieht: Jedes Auto bekommt eine Netzwerkkarte und einen Empfänger für GPS. Es bildet mit den anderen Fahrzeugen sogenannte Adhoc- Netzwerke. In ihnen tauschen die Autos Informationen aus ohne jedes Zutun seitens des Fahrers. Unter dem Kürzel Car2Car oder V2V, das V steht für Vehicle, arbeiten verschiedene Arbeitskreise an der Umsetzung der Technik im Auto. Wie kann das konkret aussehen? Zum Beispiel so: Das System warnt vor einem voraus am Straßenrand stehenden Fahrzeug oder einem Auto, das gerade nach einer Vollbremsung zum Stillstand gekommen ist. Aber auch ein Krankenwagen im Einsatz oder das Nahen einer Baustelle kann dem Fahrer frühzeitig übermittelt werden. Und an unübersichtlichen Kreuzungen ohne Ampel, zum Beispiel an Landstraßen, werden sich die Fahrzeuge in Zukunft ebenfalls miteinander verständigen und entsprechende Warnsignale an die Fahrer weiterleiten. Welche Warnsignale eingesetzt werden und in welchem Umfang dies geschieht, das bleibt der individuellen Konfiguration des Automobilherstellers überlassen. Denkbar sind akustische und optische Warnungen ebenso wie Signale über Vibration. So könnte ein Fahrer, der auf der Autobahn nach links ausscheren will, aber Gefahr läuft, ein Fahrzeug im toten Winkel zu übersehen, sowohl über Pieptöne als auch über eine Warnung im Display und eine Vibration etwa in der linken Sitzhälfte aufmerksam gemacht werden. Bei Kollisionsgefahr, etwa wenn sich zwei Fahrzeuge mit einer gefährlichen Geschwindigkeit einer Kreuzung nähern, könnte auch eine leichte Bremsung eingeleitet werden. Obwohl die Technik im Wesentlichen vorhanden ist, wird es noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern, bis erste entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge auf den Markt kommen werden. Neben GM arbeiten auch alle anderen großen Hersteller an der Fahrzeug-Kommunikation. Sie funktioniert indes nur, wenn die Autos über einheitliche Standards miteinander in Verbindung treten. Laut GM wird eine Basisausrüstung nur wenige hundert Euro kosten, da zwar ein GPS-Empfänger, nicht aber ein eigentliches Navigationssystem erforderlich ist. Mehrere Jahre werden allerdings vergehen, bis auch genügend Fahrzeuge auf den Straßen fahren, um eine echte Kommunikationsstaffel zu realisieren. Für erste Effekte müssen nach Berechnungen der Wissenschaft rund fünf Prozent der Fahrzeuge im Bestand mit der V2V-Technik versehen sein. Daher planen die Automobilhersteller, auch preiswerte Nachrüstlösungen anzubieten. Günter Weigel Auch ohne Sichtverbindung zwischen den Fahrzeugen sehen sich Adhoc-Netzwerke und ermöglichen so einen frühzeitigen Hinweis. 40 Ausgabe Frühjahr 2007 [ autonews täglich online: ] 41

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