MittelstandsNachrichten

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1 Ausgabe März 2014 Deutsche Industriestrom-Rabatte Stahlbranche drohen 50 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr Die Neuregelung der Industriestrom-Rabatte durch die EU kann die Stahlbranche 50 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten Die Stahlbranche hat einen weitgehend ausgehandelten Kompromiss ein Verfahren gegen Deutschland einge- sieht darin aber illegale Beihilfen und hat zwischen EU und Bundesregierung zu den Industriestrom-Rabatten beanstandet. Das lässt uns überhaupt nicht ruhig schlafen, sagte der Präsident des Wirtschaftsverbandes Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Mittwoch in Berlin. Für eine Branche, die an der Belastungsgrenze steht, ist das überhaupt nicht akzeptabel. Die derzeitigen Pläne würden für die Die hohe Mehrbelastung durch die Ökostromleitet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungs- und Industriekreisen hat sich Deutschland mit der EU-Kommission weitgehend verständigt mit Ausnahme der Frage möglicher Rückzahlungen der Rabatte seit Dies deckt sich mit einem neuen Entwurf von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia zur Förderung erneuerbarer Energien. umlage wird einige deutsche Unternehmen der Branche eine jährliche Mehrbelastung Stahlindustrie ins Wanken bringen. von 50 Millionen Euro und damit rund Foto: Flickr/Billjacobus1/CC BY 2.0 Demnach soll die Industrie zunächst 15 Prozent mehr als die bisherigen Kosten für die Ökostrom-Förderung bedeuten. Für manche Betriebe würden sich die Abgaben aber auch verzehnfachen, rechnete Kerkhoff vor. Energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie sind bislang weitgehend von der Ökostromumlage befreit, damit sie im Zuge der Energiewende in Deutschland keine Nachteile im internationalen Wettbewerb erleiden. Die EU-Kommission mindestens 20 Prozent der Umlage, die derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde beträgt, zahlen. Für besonders energieintensive Branchen soll dies maximal bis zu 2,5 Prozent ihrer Bruttowertschöpfung betragen, also dem Wert produzierter Analyse Rabattschlacht belebt europäischen Automarkt Auf dem europäischen Automarkt geht es wieder aufwärts. Im Februar kamen Fahrzeuge neu auf die Straßen in der Europäischen Union, das sind acht Prozent mehr als vor einem Jahr. Bis auf Frankreich wuchsen die Verkäufe in allen großen Ländern. Angetrieben durch Preisabschläge legte die Pkw-Nachfrage den sechsten Monat in Folge zu. Nach jahrelanger Stagnation ist der Markt damit aber noch nicht über den Berg: Trotz der Steigerung sei der vergangene Monat immer noch der zweitschlechteste Februar seit gut zehn Jahren gewesen, teilte der Herstellerverband ACEA am Dienstag mit. Der Anstieg sei teuer erkauft, sagte Peter Fuß von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. So halte Spanien den Markt durch eine Abwrackprämie künstlich auf hohem Niveau. In Deutschland sorge eine ruinöse Rabattschlacht zwar für steigende Verkäufe, die Margen sänken jedoch, fügte der Automobilexperte und Partner der Unternehmensberatung hinzu. Angeheizt werde der Preiskampf noch durch den Ausverkauf von Chevrolet. Der amerikanische Mutterkonzern General Motors hatte unlängst den Rückzug der US-Ikone aus Europa beschlossen, um seiner Europatochter Opel mehr Freiraum zum Überleben zu geben. Opel nutzte diese Vorlage und verkaufte zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall im Februar 16 Prozent mehr Autos als vor Jahresfrist. Bei Chevrolet schrumpfte der Absatz dagegen um sechs Prozent. Die Erholung des Marktes kommt nach Meinung von Analysten für viele Massenhersteller noch rechtzeitig. Diese könnten sich nun aus dem Überlebensmodus lösen und erhielten wieder mehr Spielraum, sagte Carlos Da Silva von IHS Automotive. Allerdings komme der Anstieg auch deshalb zustande, weil die Pkw-Nachfrage zuvor so tief in den Keller gerutscht sei. Von der Erholung konnten nicht alle Marken gleichermaßen profitieren. Der angeschlagene Hersteller Peugeot etwa schraubte die Verkaufszahlen seiner Kernmarke mit dem Löwen zwar um knapp sieben Prozent nach oben, die Schwestermarke Citroën schrumpfte jedoch leicht. Beim französischen Lokalrivalen Renault profitierte vor allem die Billigtochter Dacia. Deren Neuzulassungen schnellten um 34 Prozent empor. Renault selbst konnte seine Verkäufe nur um knapp vier Prozent steigern. Als einzige große Marke verkaufte VW im Februar weniger Fahrzeuge. Allerdings hielt sich das Minus mit 0,6 Prozent in Grenzen. Dank Zuwächsen bei Audi, Seat und Skoda steigerte der Wolfsburger Volkswagen-Konzern den Absatz insgesamt um acht Prozent. Ford brachte zwölf Prozent mehr von seinen Wagen an die Kunden als vor einem Jahr. Die Premiumhersteller BMW und Daimler legten ebenfalls zu, jedoch nicht so stark wie einige Massenhersteller.. André Jasch 1

2 Waren, von dem die Vorleistungen abgezogen werden. Weniger energieintensive Betriebe sollen bis zu 5 Prozent der Bruttowertschöpfung zahlen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der EU-Kommission einen zu engen Blick vorgeworfen. Sicher müsse EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia auf die Wettbewerbsgleichheit der Unternehmen in der EU achten, aber man müsse auch sehen, dass die Wettbewerber unserer wichtigsten Unternehmen, auch der Mittelständler, oftmals in ganz anderen Teilen der Welt sind, sagte Gabriel und verwies auf die niedrigen Energiepreise etwa in den USA. Er zeigte sich zuversichtlich, mit der Kommission einen Kompromiss zu finden. Ich bin sehr sicher, dass wir bis Ende März die Kuh vom Eis haben. Der Wirtschaftsminister gestand jedoch ein, dass sich die Gespräche als schwierig herausstellen. Die EU-Kommission will Anfang April neue Leitlinien für Beihilfen im Energiebereich auf den Weg bringen. Die deutschen Befreiungen von der Umlage zur Förderung des Ökostroms nach dem EEG- Gesetz werden in der EU-Kommission kritisch gesehen. Der Anlagenbauer SMS sieht kein Ende der Stahlkrise und will wegen des anhaltenden Auftragsschwundes erstmals in der über hundertjährigen Firmengeschichte Personal abbauen. Wie viele der insgesamt weltweit rund Stellen gestrichen werden, ließ der Düsseldorfer Konzern offen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss das Management aber nicht aus. Neben der schwachen Konjunktur bekommt SMS auch die politischen Unruhen in Russland, der Ukraine sowie in Venezuela zu spüren. Es stünden insgesamt Aufträge von rund 950 Millionen Euro auf dem Spiel. Für Unruhe bei dem familiengeführten Konzern sorgt auch ein überraschender Wechsel im Management, das jahrzehntelang unter der Führung von Heinrich Weiss stand. Weiss, inzwischen Aufsichtsratschef, sagte in Düsseldorf, sein erst vor einem Dreivierteljahr inthronisierter Nachfolger in der Geschäftsführung, Joachim Schönbeck, sei zurückgetreten. Zu den Gründen für den Abgang des Managers wollte sich Weiss nicht äußern. Burkhard Dahmen, Vorstandschef des Tochterunternehmens SMS Siemag, folge ihm als Sprecher im Amt. SMS lebt von der Nachfrage aus der Schwerindustrie, vor allem der Stahlfirmen. Diese Branche mit den deutschen Marktführern ThyssenKrupp und Salzgitter kämpft mit einer schwachen Nachfrage und Überkapazitäten hatte SMS noch einen Auftragseingang von rund 5,3 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr waren es einschließlich des zugekauften Hochofenbauers Paul Wurth zwei Milliarden Euro weniger. Wir müssen uns auf dieses geringere Auftragsvolumen einstellen und die Strukturen anpassen, erklärte Dahmen. Es gebe kein Licht am Ende des Tunnels, daher sei Kurzarbeit keine Option. Bis Ende 2015 will Dahmen die Kosten senken und dafür alle Bereiche unter die Lupe nehmen Verwaltung, Einkauf und auch Materialeinsatz. Nicht nur der Auftragseingang blieb 2013 nach Angaben des Managements hinter den Erwartungen. Auch das Vorsteuerergebnis liege deutlich unter den 258 Millionen Euro des Vorjahres. Unverändert stark ist nach Angaben von Weiss aber die Liquidität mit 1,7 Milliarden Euro. Damit gebe es Luft für Übernahmen, etwa eines kleineren Werkzeugmaschinenbauers in Asien, betonte Weiss. Autoindustrie EU belegt Zulieferer wegen Preisabsprachen mit hohen Strafen Europas Autozulieferer müssen Strafen von fast einer Milliarde Euro zahlen. Schaeffler und SKF trifft es am härtesten Die EU-Kommission hat gegen mehrere Lieferanten von Kugellagern für die Automobilindustrie wegen verbotener Preisabsprachen ein Bußgeld von insgesamt fast einer Milliarde Euro verhängt. Die höchste Strafe entfiel mit 370,5 Millionen Euro auf den fränkischen Wälzlagerhersteller Schaeffler. Der schwedische SKF-Konzern muss 315,1 Millionen Euro bezahlen. Zudem wurden vier japanische Firmen zu Strafen in unterschiedlicher Höhe verdonnert. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia bezeichnete das Verfahren am Mittwoch als wichtigen Meilenstein im Kampf gegen Kartelle im Markt für Autoteile. Ich hoffe, dass die verhängten Geldstrafen Unternehmen abschrecken werden, sich an solch illegalem Verhalten zu beteiligen und helfen, den Wettbewerb in dieser Branche wiederherzustellen. Wenn illegale Absprachen nicht verfolgt würden, könne dies die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie beeinträchtigen und die Preise für Autos künstlich erhöhen. Das Kartell habe von 2004 bis 2011 Preise abgesprochen. Der Markt für Kugellager in Europa wird auf mindestens zwei Milliarden Euro geschätzt. Die EU-Kommission ermittelt bereits seit über zwei Jahren gegen Autozulieferer und hatte im vergangenen Jahr Herstellern von Kabelbäumen Geldstrafen von insgesamt 142 Millionen Euro aufgebrummt. Die Industrie hatte mit weiteren hohen Strafzahlungen gerechnet. Schaeffler hatte deshalb bereits 380 Millionen Euro wegen zu erwartender Bußgelder zur Joaquín Almunia muss für Ordnung auf dem europäischen Markt sorgen. Preisabsprachen sind verboten. Foto: Consilium 2

3 Seite gelegt. Ein Sprecher des Familienunternehmens aus Herzogenaurach sagte, man habe die Verhaltensregeln bereits zu Beginn der EU-Ermittlungen verschärft, um Verstöße künftig früher zu erkennen und zu verhindern. Auch SKF teilte mit, man habe Trainingsprogramme und Compliance-Regeln überarbeitet. Was geschehen ist, ist unakzeptabel und darf nie wieder passieren, sagte Vorstandschef Tom Johnstone. Die Strafen fielen insgesamt niedriger aus, als es der Bußgeldkatalog der EU vorsieht, da die Unternehmen mit den Behörden zusammenarbeiteten beziehungsweise darauf verzichteten, juristisch dagegen vorzugehen. Die japanische Firma JTEKT entging einer Strafe sogar ganz, weil sie die Preisabsprachen ans Tageslicht gebracht hatte. Die EU-Kommission hatte in den vergangenen zwei Jahren Razzien bei Herstellern von Sitzgurten, Airbags, Lenkrädern, Klimaanlagen und Motorkontrollsystemen veranlasst. Parallel hatte das deutsche Bundeskartellamt im September Lieferanten von Autoblechen, Hutablagen und Kofferraumisolierungen durchsucht. In einigen Bereichen laufen die Ermittlungen noch. Finanzen US-Firmen in Deutschland fürchten Kosten durch Energiewende Die US-Unternehmen in Deutschland fürchten eine Explosion der Energiepreise, investieren aber weiter in den Standort Viele US-Unternehmen in Deutschland sorgen sich wegen der Energiewende um ihr Geschäft. 71 Prozent sehen in den steigenden Energiekosten ein Risiko für die Attraktivität des Standorts, teilte die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) am Dienstag zu ihrer Umfrage mit. Kritisch bewerten die Firmen auch die Höhe der Arbeitskosten: Nur elf Prozent bewerten sie als gut oder sehr gut. Jeder fünfte Top-Manager befürchtet, dass sich die Standortbedingungen hierzulande in den kommenden Jahren eher verschlechtern werden. Diese Skepsis ist ein Warnsignal, betonte AmCham-Präsident Bernhard Mattes. Der Standort Deutschland sollte nicht noch teurer werden. Deutschlands weiße Weste bekomme durch die hohen Energiekosten einen hässlichen Fleck, sagte auch AmCham-Vizepräsident Ralf Brinkmann, im Hauptberuf Chef der deutschen Tochter des Chemieriesen Dow Chemical. Anderswo könne Gas zu einem Drittel der Kosten bezogen werden, Strom für die Hälfte. Dennoch wollen die Unternehmen ihr Engagement in Deutschland ausbauen. Fast 80 Prozent rechnen in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen. Fast jedes zweite Unternehmen will deshalb verstärkt investieren, 41 Prozent planen Neueinstellungen. Die US-Unternehmen am Standort blicken mit großer Zuversicht in die Zukunft, sagte Mattes. Unsere Umfrage zeigt, dass Deutschland bei US-Investoren beliebt bleibt. Fast 60 Prozent wollen ihre Aktivitäten in den kommenden drei bis vier Jahren ausbauen. Gelobt wird vor allem die Qualifizierung der Mitarbeiter, US-Unternehmen wie Amazon machen in Deutschland zusammen knapp 100 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Foto: Flickr/A nosa disco necesitanos/cc BY-SA 2.0 die von 98 Prozent der Firmen als gut oder sehr gut bezeichnet wird. Trotz der Unsicherheit wegen der Energiewende bleibt Deutschland bisher der mit Abstand beliebteste Standort in Europa. Für fast jede dritte amerikanische Firma ist es die Nummer eins, weit vor Großbritannien (17 Prozent) und Polen (12 Prozent). Allerdings glauben auch drei Viertel der Manager, dass Asien in den kommenden zehn Jahren Europa abhängen und sich zum wichtigsten Industriestandort weltweit entwickeln wird. Große Hoffnungen setzen die US-Unternehmen auf die geplante transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft. Rund 70 Prozent erwarten dadurch einen Wachstumsschub. Wenn sich jetzt die zwei größten Wirtschaftsräume der Welt auf eine umfassende Partnerschaft einigen, können wir global Maßstäbe setzen, sagte AmCham-Präsident Mattes. Der Ausbau unserer Beziehungen ist notwendig, um den Industriestandort Deutschland und Europa zu sichern. An der Umfrage beteiligten sich Top- Manager von 44 US-Unternehmen in Deutschland, von Amazon bis Proctor & Gamble. Sie stehen für einen Jahresumsatz von mehr als 92 Milliarden Euro und beschäftigen hierzulande gut Mitarbeiter. 3

4 Innovation Elektrotechniker steuern Modelltruck mit Datenbrillen Eine Datenbrille versetzt den Fahrer eines Trucks in die virtuelle Realität. Den Lkw braucht er dann nicht mehr zu betreten Das fahrerlose Führerhäuschen ist bald keine Seltenheit mehr. Foto: fh-zwickau Mit dem ARTruck hat die Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau ein Modellfahrzeug entwickelt, das über eine Datenbrille gesteuert und überwacht werden kann. Der Truck ist darüber hinaus ein Beispiel für den Einsatz von innovativer Energiespeicherung und autonomer Fahrzeugführung. In der Demonstration trägt die Versuchsperson eine Datenbrille und kann gleichzeitig den Modelltruck mit einer Fernbedienung steuern. Am Führerhaus des Trucks befindet sich eine Kamera, welche die Fahrt aus der Sicht des Truckfahrers per Funk zur Datenbrille überträgt. Mit der Datenbrille sieht man also den realen fahrenden Truck aus der Vogelperspektive und kann sich gleichzeitig virtuell die Fahrerperspektive einblenden lassen. Der Datenbrillenträger wird dadurch in eine augmentierte Realität versetzt, dies bedeutet die Verschmelzung der realen Umgebung mit digital generierten Darstellungen. Für Smartphones und Tablets gibt es bereits unzählige AR-Apps, um sich zum Beispiel die Flugrouten von Flugzeugen oder 3D-Möbel aus dem IKEA- Katalog anzeigen zu lassen. Damit der User jedoch wirklich in eine gleichzeitig virtuelle und reale Welt versetzt werden kann, wie es beispielsweise vom Holodeck bekannt ist, muss man eine Datenbrille tragen. Dann ist man nicht mehr der Gamer eines Videospiels, welcher sich nur vor dem Computermonitor oder dem Smartphonedisplay befindet, sondern man ist mitten im Spiel. Bei Datenbrillen muss man also nicht mehr ins 3D-Kino gehen und still sitzen bleiben, sondern man kann wie im realen Leben mit echten und auch mit virtuellen Menschen oder Gegenständen interagieren. Solche Datenbrillen können nicht nur für Videospiele, sondern auch zur Unterstützung für alltägliche Aufgaben sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Freizeit eingesetzt werden. Die Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule nutzt bereits jetzt diese Technik in der Ingenieurausbildung, um einerseits zukünftige Entwickler zu lehren, wie solche Datenbrillen gebaut werden, und andererseits, um zu zeigen, wie man diese Datenbrillen einsetzt, damit Problemstellungen anderer Ingenieurdisziplinen rationaler gelöst werden können. Der in der Demonstration verwendete Modelltruck besitzt keine herkömmlichen Akkus, sondern Superkondensatoren, die im Vergleich zu handelsüblichen Batterien nicht nur eine wesentlich höhere Lebensdauer und Zyklenfestigkeit besitzen, sondern auch besonders schnell und effizient geladen werden können. Als Energiespeicher der Zukunft bilden Superkondensatoren ebenfalls ein Thema in der Lehre und Forschung der Fakultät Elektrotechnik. Ein drittes Kernthema der Fakultät Elektrotechnik sind autonome Fahrzeuge, also Autos, die ohne Fahrer ihren Weg finden. An der Fakultät gibt es dafür das Studentenprojekt Team S.A.D.I, was sich mit der Entwicklung und Umsetzung eines autonomen Modellfahrzeugs beschäftigt. Dieses Modellfahrzeug folgt mittels interner Sensoren automatisch dem Modell- 4

5 truck. Der Datenbrillenträger sieht also noch zusätzlich in der Datenbrille die Perspektive des Fahrers im Modellfahrzeug. Wird der Truck in eine Linkskurve gesteuert, sieht man den realen Truck durch die Datenbrille nach links abbiegen, gleichzeitig bekommt man virtuell die Fahrt aus dem Truck-Führerhaus angezeigt. Zusätzlich sieht man ebenfalls in der Datenbrille aus der Perspektive des Modellfahrzeug- Fahrers, wie das Auto dem Truck links abbiegend folgt. Innovation Wissenschaftlich erwiesen: Konsum macht glücklich Konsumieren macht zufrieden: Wer viel für Bildung, Freizeit, Kleidung und Gastronomie ausgibt, ist am glücklichsten Je mehr wir konsumieren können, desto wohler fühlen wir uns. Das behaupten die Soziologen Heinz-Herbert Noll und Stefan Weick vom GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. In ihrer gerade neu erschienenen Studie zur Struktur von Konsumausgaben und subjektivem Wohlbefinden führen sie triftige Argumente für diese These an. Die beiden Wissenschaftler sind in ihrer Schrift vor allem zwei Fragestellungen nachgegangen: Zum einen wollten sie generell herausfinden, inwiefern sich die Verbrauchsstrukturen verschiedener Haushaltstypen und Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Zum anderen untersuchten sie, wie und in welchem Maße das subjektive Wohlbefinden von dem an Konsumausgaben gemessenen Lebensstandard und den Strukturen des privaten Verbrauchs beeinflusst wird. Wie nicht anders zu erwarten, zeigen sich die Unterschiede im Einkommen der Haushalte eindeutig in den Verbrauchsstrukturen. So entfallen beispielsweise in Haushalten mit Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze mehr als zwei Drittel aller Ausgaben auf Grundbedürfnisse. Mit steigendem Einkommen nehmen die anteiligen Ausgaben für Wohnen, Kleidung und Ernährung deutlich ab, während Ausgaben für Lebensmittel, Miete und Energie machen nicht so glücklich wie Ausgaben für Bildung, Freizeit und Kultur. Foto: Flickr/CC BY-SA 2.0 Ausgaben für weniger elementare Zwecke wie Mobilität, Freizeit und Kultur oder auch Haushaltsausstattung sowie Beherbergung und Bewirtung deutlich zunehmen. Hierbei unterscheiden sich interessanterweise die Verbrauchsstrukturen von Zuwanderern bis auf wenige Ausnahmen kaum von denen der Einheimischen. Lebenszufriedenheit, das ist schon lange bekannt, korreliert vergleichsweise eng mit dem Haushaltseinkommen. Mit anderen Worten: Die Lebenszufriedenheit nimmt mit steigendem Einkommen deutlich zu. Noll und Weick konnten nun aber darüber hinaus nachweisen, dass dies nicht nur für das Einkommen gilt, sondern auch auf die Höhe der Konsumausgaben zutrifft, d. h. dass die Lebenszufriedenheit mit der Höhe der Konsumausgaben steigt. Allerdings hat der Glücklichmacher Konsum auch seine Grenzen. So konnten die beiden Forscher zeigen, dass sich die Lebenszufriedenheit durch steigende Kauffreude nicht linear erhöht, sondern die Zufriedenheitsgewinne bei steigendem Ausgabenniveau tendenziell wieder abnehmen. Besonders zufrieden machen übrigens die Ausgaben in den Bereichen Bildung, Bekleidung, Freizeit sowie in der Gastronomie. Hier deutet sich an, dass ein durch vergleichsweise hohe freizeitbezogene Ausgaben geprägter Lebensstil das subjektive Wohlbefinden besonders positiv beeinflusst. Wenn wir hingegen unser Geld für Ernährung, Wohnen oder Energie ausgeben, steigert dieses unser Wohlbefinden nicht wesentlich. Interessant ist außerdem, dass ein niedriges Konsumniveau, das jedoch nicht aus der Not, sondern aus einem freiwilligen Verzicht resultiert, die Lebenszufriedenheit nicht weiter negativ beeinträchtigt. Arbeitsmarkt Männer verdienen 22 Prozent mehr als Frauen Frauen erhalten für ihre Arbeit ein Viertel weniger Lohn als Männer. Besonders groß sind die Unterschiede im Westen Deutschlands Die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland auch 2013 nicht kleiner geworden. Frauen erhalten für ihre Arbeit insgesamt 22 Prozent weniger Geld, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde lag bei 15,56 Euro, während Männer auf 19,84 Euro kamen. Die Differenz bleibt damit das vierte Jahr in Folge unverändert. Im Westen ist die Lücke allerdings dreimal so hoch wie im Osten. Dort bekommen Frauen 23 Prozent weniger Lohn als Männer. In den neuen Bundesländern ist die Differenz 5

6 Frauen verdienen im Durchschnitt fast ein Viertel weniger als Männer. Foto: Flickr/Victor1558 mit acht Prozent deutlich geringer. Die großen Lohnunterschiede führen die Statistiker auf eine unterschiedliche Branchen- und Berufswahl zurück sowie auf die Tatsache, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleiden. Zudem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit und sind weniger lang in ihren Berufen beschäftigt vor allem wegen längerer Auszeiten nach der Geburt von Kindern. Vergleicht man Männer und Frauen mit ähnlicher Qualifikation und ähnlichem Job, so liegt der Verdienstunterschied pro Stunde nur bei sieben Prozent. Hierfür liegen zwar erst Daten für 2010 vor. Dies dürfte 2013 allerdings ähnlich gewesen sein, sagte ein Statistiker. Unternehmen Fünfhundert deutsche Firmen sind Umsatzmilliardäre Firmen mit Umsätzen über einer Milliarde Euro erwirtschaften ein Drittel aller Umsätze in Deutschland In Deutschland gibt es 501 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Sie meldeten 2012 Lieferungen und Leistungen von zusammen 1,9 Billionen Euro an, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag nach Auswertung der Umsatzsteuervoranmeldungen mit. Das entspricht rund einem Drittel der Umsätze aller erfassten Unternehmen in Deutschland. Die übrigen Großunternehmen mit Einnahmen von mindestens 50 Millionen Euro kamen auf einen Anteil von 30,2 Prozent, die Mittelständler mit 1,0 bis 50 Millionen Umsatz auf 28,1 Prozent. Im Vergleich zu 2011 erhöhte sich die Zahl der Umsatzmilliardäre um acht. Insgesamt sind rund 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland steuerpflichtig. Sie kamen zusammen auf Einnahmen von 5,8 Billionen Euro (ohne Umsatzsteuer). Das entspricht einem Wachstum von 1,1 Prozent im Vergleich zu Rückgrat der Wirtschaft ist das Verarbeitende Gewerbe: Es erzielte mit rund zwei Billionen Euro den höchsten Umsatz. Auf Platz zwei folgt der Handel einschließlich der Instandhaltung und Reparatur von Fahrzeugen mit 1,8 Billionen Euro. Die höchsten Umsätze erzielten die in den beiden norddeutschen Stadtstaaten ansässigen Firmen: In Hamburg kamen sie auf durchschnittlich 4,8 Millionen Euro, in Bremen auf 3 Millionen In Hamburg erzielen Firmen durchschnittlich die höchsten Umsätze. Euro. Bei den Flächenländern nimmt Baden-Württemberg mit 2,1 Millionen Euro je Unternehmen den Spitzenplatz ein, während in Thüringen mit 0,7 Millionen Euro am wenigsten erwirtschaftet wurde. Der Bundesschnitt liegt bei 1,8 Millionen Euro. Foto: flickr/metro Centric 6

7 Österreichische Finanzen Hermes-Bürgschaften des Bundes begrenzen Exportrisiken Sollten durch Bürgschaften abgesicherte Exportgeschäfte ausfallen, trägt der Bund das Risiko zu 95 Prozent Der Konflikt des Westens mit Russland um die Ukraine sorgt bei deutschen Export-Unternehmen für wachsende Nervosität. Scharfe Wirtschaftssanktionen könnten das Geschäft etwa der deutschen Maschinenbauer, der Elektroindustrie und anderer Branchen, die ihre Waren nach Russland oder die Ukraine exportieren, stark beeinträchtigen. Um die Risiken nicht alleine schultern zu müssen, können Großkonzerne wie Mittelständler auf die sogenannten Hermes-Bürgschaften zurückgreifen. Damit greift ihnen der Bund unter die Arme. Einen kleinen Teil des Risikos müssen sie aber doch über einen Selbstbehalt oft fünf Prozent übernehmen. Auch Gebühren müssen die Firmen für die Garantie zahlen. Die Hermesdeckungen der Bundesregierung für die Märkte Russland und Ukraine werden derzeit im üblichen Rahmen und mit der üblichen Prüfzeit erteilt, versicherte das Wirtschaftsministerium. Dabei ist das politische, und damit in Verbindung auch das wirtschaftliche Risiko, das der deutsche Staat hier übernimmt, zweifellos in den vergangenen Wochen rasant gestiegen. Angesichts der wachsenden Unsicherheiten plädierte denn auch der Präsident des Handelsverbandes BGA Anton Börner dafür, das Instrument Hermes geräuschund störungsfrei zu halten. Durch den Krim-Konflikt sind Unternehmen besorgt um ihre Geschäftsbeziehungen zu Russland. Ferner sind Arbeitsplätze und Ressourcen in Gefahr, sollten Fronten sich weiter verhärten und eine der beiden Seiten EU oder Russland die Androhung der Sanktionen wahrmachen. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft mit Exportkreditgarantien in Höhe von 27,9 Milliarden Euro geholfen. Davon wurden rund 70 Prozent an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben. Regional lag der Schwerpunkt der Hermesdeckungen in den Unternehmen können für die Absicherung ihrer Exporte auf die Hermes-Bürgschaften des Bundes zurückgreifen. Foto: Flickr/Glyn Lowe Photoworks/CC BY 2.0 vergangenen Jahren bei den Schwellen- und Entwicklungsländern. Und dabei stand das Russland-Geschäft ganz oben. Nach der Türkei, für die Exporte von 2,47 Milliarden Euro vom Bund garantiert wurden, rangierte Russland mit 2,38 Milliarden Euro auf Rang zwei. Weit dahinter lag die Ukraine. Deutsche Firmen sicherten 2013 Ausfuhren dorthin im Umfang von 0,601 Milliarden Euro ab. Noch im Jahr zuvor, 2012, lag Russland mit einem Deckungsvolumen von 3,23 Milliarden Euro sogar eindeutig an der Spitze. Die Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) sind Bestandteil der deutschen Förderpolitik, mit der die Ausfuhren der hiesigen Wirtschaft vorangebracht werden sollen. Schon 1949 wurde dieses Instrument aus der Taufe gehoben. Damit will die Regierung in erster Linie Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Beantragt ein Unternehmen solche Bürgschaften, muss es vor allem zwei Kriterien erfüllen: ein überschaubares Ausfallrisiko für den Bund als Bürgen und die Förderungswürdigkeit. Förderungswürdig ist ein Exportgeschäft in der Regel, wenn es den allgemeinen Exportinteressen, der Arbeitsplatzsicherung sowie strukturpolitischen oder auch außenpolitischen Zielsetzungen dient. Von der Risikoseite her vertretbar ist eine Deckung bei einer vernünftigen Aussicht auf einen schadenfreien Verlauf des zur Deckung beantragten Exportgeschäfts, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Mit dem Verfahren zur Übernahme von Hermesdeckungen sind vom Bund die Kreditversicherung Euler Hermes AG und die Wirtschaftsprüfer der Pricewaterhouse- Coopers AG WPG beauftragt. Die Frage, ob ein großes Exportgeschäft vom Bund abgesichert wird, entscheidet aber ein Interministerieller Ausschuss (IMA). In dem sitzen neben dem Wirtschaftsministerium noch das Finanz- und das Außenministerium sowie das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Beratend sind Sachverständige aus der Wirtschaft und dem Bankenbereich tätig. Und auch die Frage, ob man wegen höheren Risikos vielleicht Deckungen in dem einen oder anderen Fall weniger freigiebig gewährt, ist eine, die auf politischer Ebene entschieden wird. Impressum Herausgeber: Dr. Michael Maier. Redaktion: Thomas Gollmann, Anika Schwalbe, Jennifer Bendele, Gregor Schulmeister, André Jasch. Layout: Nora Lorz. Copyright: Blogform Social Media GmbH, Kurfürstendamm 206, D Berlin. HR B B. Telefon: +49 (0) 30 / , Fax +49 (0) 30 / Erscheinungsweise wöchentliches Summary: 52 Mal pro Jahr. Bezug: Mediadaten: 7

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