Pred Hebräer 13, 14, WH, Auf der Durchreise

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1 1 Pred Hebräer 13, 14, WH, Auf der Durchreise Ein Tourist ist in einem Kloster. Man bietet ihm eine Mönchszelle zum Übernachten an. Darin steht nur ein Bett und ein Stuhl. Erstaunt fragt der Tourist: 'wo sind denn ihre Möbel?' 'Wo sind denn Ihre?' fragt der Mönch zurück. 'Ich bin ja nur auf der Durchreise', sagt der Tourist 'Wir auch', antworten die Mönche. Wir haben hier keine bleibende Stadt, heißt unsere Jahreslosung. Sind wir deshalb nur auf der Durchreise? Auf der Durchreise sein heißt jedenfalls nicht, dass wir alles, was uns nicht gefällt ignorieren können, weil wir ja hier nicht bleiben und weil ja nur die Ewigkeit zählt. Die Jahreslosung darf nicht wie eine billige Vertröstung auf das Jenseits verstanden werden. Hier und heute ist weiterhin wichtig. Was ich tun kann, soll ich tun. Dass wir hier keine bleibende Stadt haben, ist kein Verbot, hier auf Erden, glücklich zu werden. Aber ich stehe nicht unter dem Druck, dass alles jetzt, hier und heute passieren muss. Da kommt ja noch was. Ich muss mich nicht auf Dauer mit all dem Mist einrichten, der mich kaputt macht. Und nicht alles, was ich tue, muss für die Ewigkeit halten. Ich muss auch nicht immer die Welt retten. Denn dafür ist Gott selbst zuständig. Und ich kann davon ausgehen, dass vieles, was mir jetzt gerade wichtig erscheint, zukünftig nicht mehr sein wird. Leid, das ich jetzt empfinde ist endlich, nicht unendlich. Auch manche Menschen und Institutionen sind nicht so entscheidend für mich, wie ich immer dachte. Jesus sagt einmal: Wenn sie euch nicht wollen, da wo ihr hinkommt, schüttelt den Staub von euren Füßen und geht raus aus der Stadt.

2 2 Auf der Durchreise sein heißt, auf Überraschungen gefast sein. Es passieren Dinge, die nicht jeden Tag gleich passieren. Es gibt keine Alltagsroutine. Gott zeigt mir immer wieder neue Menschen und neue Ideen. Seid bereit, sie zu sehen. Wenn du denkst, dass es zuende ist, kommt immer noch was. Wenn du denkst, es geht nicht mehr, führt Gott dich auf einer neuen Straße. Bei Gott gibt es keine Sackgassen. 2. Sehnsucht nach Zuhause Ich lebe mit der Hoffnung auf eine neue Welt, auf eine Welt, in der Gott bei den Menschen wohnt und kein Unrecht mehr zulässt. Das haben wir im Offenbarungstext gehört. Und deshalb versuche ich schon jetzt, die Welt mit Gottes Augen zu sehen, der mehr in mir sieht als ich und andere und der auch für diese Welt viel mehr Möglichkeiten sieht als ich und andere. Wenn ich mich in Gottes unbekannte Gebiete vorwagen will, kann ich mit dem Gebet beginnen, im Gespräch mit Gott. Im Hören auf seine Worte kann ich Neues entdecken, eine neue Sicht der Dinge, eine offene Tür, die bisher verschlossen schien. Gehen muss ich dann aber selber. Allerdings muss ich damit rechnen, dass die Dinge, die mir heute heilig sind, morgen zu Staub zerfallen. Ich muss loslassen. Ich muss was riskieren. Aber ich werde dabei nicht allein gelassen auf meinem Weg. Wir haben eine Zukunft, die wie Gott ist: einfach unbeschreiblich. Und dennoch gibt es Bilder für diese Zukunft: Gottes ewige Stadt ist so ein Bild, das himmlische Jerusalem. Sie ist das Modell für das, was kommt. Und manche Dinge können wir in unserer Gemeinde anfangen. Die Gemeinde kann ein Ort sein, in dem jeder und jede geliebt wird wie er ist und wie sie ist. Ein Ort an dem geteilt wird und

3 3 ein Ort, an dem Menschen ehrlich miteinander umgehen. Unsere Stadt wird so kann ein wenig werden, wie die ewige Stadt einmal aussehen wird. Auch wenn wir es auch unter Christen nur in Ansätzen schaffen. Die Stadt ist in der Geschichte immer wieder ein Symbol für das Verlässliche, für den Rückzugsort, für Heimat, gewesen. Früher hat man um die Städte eine Mauer gezogen und deutlich gemacht, wer innerhalb dieser Mauern ist, kann sich sicher fühlen. Aber innerhalb der Mauern hat es immer auch Kriminalität, Gewalt und Unterdrückung gegeben. Hinter den Stadtmauern gibt es Einsamkeit, und heutzutage viel schlechte Luft. Es gibt großartige Konsumtempel und die Gier nach mehr. Und es gibt Armut. Die Unsicherheit ist heutzutage in der Stadt größer als an anderen Orten. Und die Sehnsucht nach Sicherheit und Zuhause ist nirgends so groß wie in unseren Städten. Die Band Silbermond hat diese Sehnsucht so besungen: Gib mir ein kleines Stückchen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt. Wir haben diesen Text als Überschrift für den Jugendgottesdienst an Weihnachten 2010 genommen. Im Video zu diesem Lied werden Szenen von Terror und Gewalt gezeigt. Der Titel heißt: Irgendwas bleibt. Wir haben Sehnsucht nach einem Ort, an dem alles gut ist, der Heimat ist und Zuhause. Manche richten ihre Wohnung so ein, dass es ein richtiges Zuhause ist. Sie merken vielleicht erst spät, wenn es zwischen den Menschen in dieser Wohnung nicht stimmt, dass Wände und Möbel allen noch kein Zuhause sind. Es gibt diese menschengemachte absolute Sicherheit nicht.

4 4 3. Die Zukunft sehen Die Christinnen und Christen im ersten Jahrhundert lebten in großer Unsicherheit. Sie wurden wegen ihres Glaubens verfolgt. Keine Stadtmauer bot ihnen Sicherheit. Sie mussten fürchten, wegen ihres Glaubens verhaftet zu werden. Und trotzdem hatten sie Hoffnung für die Zukunft. So geht es vielen Christen weltweit immer noch. Gestern habe ich ein Mail aus Sri Lanka bekommen. Die Christen dort fürchten schwere Zeiten, weil gerade das Rechtssystem des Landes außer Kraft gesetzt wird. Die Sicherheit, die auch bisher schon für die Kirche in diesem Land nicht sehr groß war, wird noch geringer. Die Jahreslosung 2013 wurde für Menschen aufgeschrieben, die in einer ähnlichen Situation waren. Das Bild von der kommenden Stadt, vom himmlischen Jerusalem spielt im ganzen Hebräerbrief eine große Rolle und es steht in der ganzen Bibel für die Hoffnung, die wir als Christen haben, wie auch in dem Text aus Offenbarung 21. Diese neue Stadt, die Gott hier auf Erden bauen möchte, hat schon der Prophet Sacharja in seiner ersten Vision (1,8-17) beschrieben. Dieses neue Jerusalem wird im Reich Gottes schon jetzt auf dieser Erde sichtbar. Gestern und vorgestern bin ich auf einer Theologentagung in Süddeutschland gewesen. Und es wurde u.a. darüber diskutiert, ob das Reich Gottes heute schon sichtbar ist. Ich gehörte zu denjenigen, die gesagt haben, dass es sichtbar ist. Denn unser Bild von der ewigen Stadt kann unsere jetzigen Stadt bestimmen. Damit ich Kraft habe, zu verändern, Kraft habe, daran zu arbeiten, dass Menschen in meiner Stadt besser leben und glücklicher sind. Dannwird etwas sichtbar vom Reich Gottes.

5 5 Aber um zu sehen, müssen wiir den Zusammenhang zwischen jetziger Stadt und zukünftiger Stadt begreifen. Der Tübinger Neutestamentler Hans-Joachim Eckstein hat es so formuliert: Eine Hoffnung, die unsere Gegenwart nicht tiefgreifend verändert, ist nicht wirklich aus der Zukunft bei uns angekommen. Denn da wo Hoffnung einkehrt, verwandelt sich die Gegenwart. Der britische Theologe NT Wright hat dazu ein anderes Bild gebraucht: Wir als Christen sind noch nicht im Himmel, aber wir können die Melodie des Himmels schon miteinander auf Erden singen. Ein schönes Bild für die Kraft des Zukünftigen in unserer Gegenwart. So können wir als Gemeinde ein gemeinsamer Chor sein, der mitten in dieser sich veränderten Welt als Gemeinschaft die Melodie des Himmels singt und damit ein Stück Himmel auf Erden sichtbar wird. Und ich bedauere die Theologen, die nichts sehen, ehrlich. Dem Schreiber des Hebräerbriefes ist das wichtig gewesen, er fordert seine Leserinnen und Leser dazu auf, diese Melodie konkret in ihrem Gemeindeleben umzusetzen, indem man Gastfreundschaft übt, Gefangene besucht und sich um Ausgegrenzte kümmert. Dem Fremden und fremd Gewordenen in Liebe zu begegnen. Anfang des 13. Kapitels steht dieser wunderbare Vers, dass manche, wenn sie gastfrei waren, ohne ihr Wissen, Engel beherbergt haben. Eine wunderbare Perspektive. Denn auch wer auf der Durchreise ist, muss wissen wohin er unterwegs ist. Amen. Lied: Der du die Zeit in Händen hältst

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