Seelendürre Depressionen und ihre Auswirkungen. Julius Kurmann Dr. med. Chefarzt Luzerner Psychiatrie MAS Philosophie + Management unilu

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1 Julius Kurmann Dr. med. Chefarzt Luzerner Psychiatrie MAS Philosophie + Management unilu 22. September 2016

2 Depression Depression gilt heute als häufigste psychische Erkrankung und zählt zu den fünf häufigsten Erkrankungen des Menschen. Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden depressive Störungen bis 2020 voraussichtlich sogar die zweithäufigste Erkrankung sein.

3 Häufigkeit der Depression Lebenszeitprävalenz 15 % Männer 7 12 % Frauen %

4 Depression ist nicht gleich Depression Stimmungsschwankungen sind Ausdruckserscheinungen menschlichen Erlebens Es gibt einen Unterschied zwischen Trauer und Depression Trauer ist die schmerzliche Folge eines Schicksalsschlages, aber einen natürlich-menschliche Reaktionsweise. Depression hingegen ist eine Krankheit, die einer entsprechenden Therapie bedarf

5 Depressionen verändern seelisches Erleben körperliche Funktionen zwischenmenschliche Beziehungen haben leistungsmässig-berufliche Auswirkungen

6 Krankheitszeichen A) Seelisches Erleben Depressive Herabgestimmtheit von abnormem Ausmass, was Intensität und Dauer anbelangt Verlust von Interesse und Freude Verlangsamung und Einengung des Denkens Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl Unbegründete Selbstvorwürfe Gedanken an Tod, auch von eigener Hand

7 Depressives Grübeln Ich kann nichts, ich bin nichts, man mag mich nicht und schuld bin ich auch noch selber daran.

8 Krankheitszeichen B) Körperliche Funktionen Bewegungsstörungen entweder passiv, antriebsarm, kraftlos oder gespannt-rastlos, angetrieben Schlafstörungen Appetitstörungen, meist Gewichtsverlust Sexuelle Unlust Verschiedene Körpersymptome können vorkommen oder allenfalls verstärkt werden

9 Krankheitszeichen C) Zwischenmenschliche Beziehungen Im Kontakt entweder klagsam jammerig appellativ oder aggressiv gereizt - ablehnend Vermeidung, Rückzug Entscheidungsunfähigkeit

10 Krankheitszeichen D) Berufliche Folgen: Alltägliche Arbeiten können nicht mehr bewältigt werden Verlangsamung der Arbeitsabläufe Mangelnde Flexibilität Leistungsabfall Drohender Arbeitsplatzverlust

11 Krankheitszeichen Immer daran denken: Depressive sind suizidgefährdet!

12 Suizidversuche bei Depressionen 40 % der Betroffenen versuchen einen Suizid 15 % der Suizidversuche enden erfolgreich 42 % der Betroffenen haben in der Woche vor dem Tod ihren Hausarzt aufgesucht

13 Biologische Basis Hirnstoffwechselstörung Genetische Belastung Persönlichkeit labiles Selbstwertgefühl Leistungsorientierung Hohe Verletzbarkeit Bedürfnis nach Anerkennung Depression Soziale Situation Beziehung soziales Netz berufliche Einbettung Auslöser Verluste Körperliche Erkrankungen Konflikte Belastungen

14 Altersdepression Grundsätzliche Problematik: Depressionen im Alter werden oft nicht als Krankheit, sondern als schwer beeinflussbares Schicksal angesehen. Die Altersdepression führt aufgrund der oft vorhandenen kognitiven Einschränkungen zu weiterem Verlust von sozialen Kompetenzen und Lebensqualität. Die Altersdepression führt oft zu einer Selbstvernachlässigung und damit zu einem erhöhten Suizidrisiko.

15 Altersdepression Risikofaktoren: Zunahme von Multimorbidität (gleichzeitig mehrere Krankheiten vorhanden), die jede für sich auch wieder eine Depression begünstigen können, wie bspw. Schlaganfall, chronische Schmerzen, Schlafproblem Verlust der Selbständigkeit infolge körperlicher Erkrankung Vereinsamung und/oder qualitativ schlechte Beziehungen Mangelnder sozialer Rückhalt Rollenwechsel bei Eintritt in den Ruhestand

16 Altersdepression Risikofaktoren: Soziale Entwurzelung bei Umzug in kleinere Wohnung Finanzielle Sorgen Negative Lebensbilanz Konflikt mit Angehörigen

17 Behandlung Zeitlich: Akutbehandlung Rückfallprophylaxe Langzeitbehandlung

18 Behandlung Ort: Ambulant (Hausarzt, Psychiater, Psychotherapeut) Halbstationär in Psychiatrischer Tagesklinik Stationär in Psychiatrischer Klinik

19 Behandlung Biologische Therapie: Antidepressiva Lithiumprophylaxe Lichttherapie Schlafentzug Elektrokrampftherapie

20 Behandlung Psychotherapie: Psychoedukation Psychotherapeutisches Basisverhalten Störungsspezifische Therapie Bei der Altersdepression, insbesondere auch «Lebensrückblicktherapie»

21 Behandlung Soziotherapie: Angehörigenarbeit Einbezug des Arbeitgebers Selbsthilfegruppe

22 Was kann der Depressive tun? Ärztliche Hilfe annehmen Medikamente wie verordnet einnehmen Jeden Tag planen Sich kleine und erreichbare Ziele setzen Versuchen, Kontakte zu pflegen Körperlich aktiv sein Sich etwas Gutes gönnen Stimmungstagebuch führen

23 Was kann der Angehörige tun? Geduldiger, unterstützender Umgang Keine Vorwürfe machen, der Depressive kann nichts für sein Unvermögen Sich nicht vom Negativen des Depressiven mitreissen lassen, versuchen positiv zu bleiben In Aktivitäten mit einbeziehen Erfüllbare Anforderungen stellen Suizidgedanken ernst nehmen und Arzt informieren

24 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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