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1 ERFOLG S p i e l z e i t / 1 3

2 Theater? Theater!! Na denn viel Spaß! Sparkasse Bielefeld Auch in dieser Spielzeit werden wir durch projektbezogene Unterstützung wieder dazu beitragen, Kinder und Jugendliche nachhaltig für unser Theater zu begeistern. Seit mehr als 185 Jahren engagiert in Bielefeld: Sparkasse

3 inhalt 8 premierenübersicht 12 gesang 46 tanz 66 spiel 128 bielefelder philharmoniker 130 jung plus x 136 Service 158»starschnitt«

4 L i e b e s Publikum, es hat schon einen speziellen Charme, wenn ein städtisches Theater sich das Wort»Erfolg«auf die Fahnen schreibt und es zum Motto einer ganzen Spielzeit erklärt. Zeugt es von Größenwahn? Gibt es nicht andere Themen, über die nicht alle reden? Um Erfolg geht es doch immer und überall. Viele haben ihn, alle wollen ihn. Ist der Erfolgsdruck nicht schon groß genug? Ja und genau deswegen ist es meines Erachtens höchste Zeit, sich mit diesem Begriff kritisch auseinanderzusetzen, der uns alle permanent beschäftigt: im Beruf wie im Privatleben, gerade jetzt im Augenblick wie aufs ganze Leben gesehen, als Individuum wie als Kollektiv. Das Theater, dessen Erfolg eben nicht nur an seiner ökonomischen, sondern besonders auch an seiner künstlerischen und an seiner sozialen Leistung als Begegnungsstätte in einem lebendigen Gemeinwesen gemessen wird, ist hierfür geradezu prädestiniert. Als Bürgermeister unserer Stadt bin ich sehr stolz auf unser Theater. Es ist wirtschaftlich gesund, zeigt kontinuierlich hervorragende Aufführungen, und die Häuser am Niederwall und am Alten Markt sind Orte mit großem»sympathiefaktor«. Gibt es einen Schlüssel zu dieser Erfolgsgeschichte und wenn ja, wo hängt er? Oder ist es ein Erfolg, der allen Berechnungen zum Trotz ein Geheimnis bleibt? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Der von Natur aus unberechenbare»faktor Mensch«entfaltet zweifellos im Theater eine besonders große Wirkung. Sie potenziert sich noch einmal, wenn diese Menschen und hier handelt es sich immerhin um 350 dann auch noch kreativ zusammenarbeiten: Kunst lebt vom Unverwechselbaren, das wiederum ohne das Einbringen der eigenen Person nicht zu denken ist. Es gibt aber auch Faktoren des Erfolgs, die man benennen kann. Besonders möchte ich an dieser Stelle zwei tragende»säulen«des Theaters Bielefeld hervorheben. Die eine ist die Theaterstiftung Bielefeld, die gerade ihr 10jähriges Jubiläum gefeiert hat: Gegründet wurde diese Initiative aus Verwaltung, Kultur und Wirtschaft mit dem Ziel, das marode Stadttheater-Gebäude zu sanieren und einen modernen Spielbetrieb für ein anspruchsvolles Opern- und Schauspielhaus zu ermöglichen. Wie wunderbar dies gelungen ist, können wir alle Tag für Tag erleben. Allen, die dazu beigetragen haben, möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Die Theaterstiftung Bielefeld ist nicht nur ein Musterbeispiel für bürgerlichen Gemeinsinn, sondern auch ein bundesweites Erfolgsmodell. Die andere Säule ist Michael Heicks, unser Intendant. Ich bin froh, dass er im vergangenen Sommer seinen Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert hat. Michael Heicks und sein Team haben das Theater in die Erfolgsspur gebracht und was bekanntlich noch schwieriger ist dort gehalten. Und das nicht nur mit wenigen Leuchtturmprojekten, sondern durch eine faszinierende Breite der Formate: Vom kleinen Zwei- Personenstück im TAM Drei bis zur großen Oper, vom Kammerkonzert bis zur Symphonie mit über 100 Mitwirkenden, von der Lesung bis zum institutionsübergreifenden Tanzprojekt. Ob und vor allem wie nun aber jede einzelne Aufführung zum Erfolg wird, bleibt letztlich das Geheimnis der Akteure auf und hinter der Bühne und ist nicht zuletzt auch vom Publikum abhängig, das Abend für Abend eine neue Beziehung zur Bühne eingeht. Und das ist gut so. Stellen wir uns vor, Erfolg in der Kunst wäre so berechenbar wie in der Wirtschaft oder im Sport: In einer konfektionierten Kulturlandschaft würden Risiken professionell umschifft und über kurz oder lang jedes Überraschungsmoment abgeschafft. Zum Glück ist es hier mehr so wie in den menschlichen Beziehungen: Man liebt und scheitert, liebt erneut und weiß eigentlich gar nicht genau, warum. In diesem Sinne wünsche ich dem Theater Bielefeld und allen seinen Mitarbeitern eine schöne und erfolgreiche Spielzeit 2012/13! Pit Clausen Oberbürgermeister 2 3

5 L i e b e s Publikum, in diesem Jahr stellt sich das Theater Bielefeld mit dem Spielzeitmotto»Erfolg«einem allgegenwärtigen Thema. Erfolg schillert, jeder strebt ihn an, er macht schön, glücklich und begehrenswert. Alle wollen Anerkennung, Gelingen, Glück, Sieg, den ersten Preis, das große Los, Beförderung, Gehaltserhöhung, Wachstum, Weiterentwicklung, Aufschwung. Im Theater sieht der Idealfall so aus: Die Vorstellungen sind ausverkauft, der Haushalt stimmt, alle Beteiligten haben ihre künstlerischen Ziele verwirklicht, der traditionelle Anspruch an Bildung und Unterhaltung wurde erfüllt, die dem Stück anhaftenden Vorstellungen wurden werkgetreu umgesetzt, jeder einzelne Zuschauer hat genau das Erwartete bekommen und wurde zugleich lustvoll überrascht, bereichert und zum Nachdenken über ganz neue Aspekte angeregt; die Gegenwart wurde abgebildet und zugleich kritisch durchleuchtet; die Inszenierung ist ein Publikumserfolg, erhält hymnische Kritiken, vereinbart künstlerischen, finanziellen und persönlichen Erfolg summa summarum: alle sind glücklich, keiner meckert, jeder kann ruhig schlafen und denkt dabei beseelt über die großen Widersprüche unserer Welt nach. Schön wär s, aber leider lassen sich all diese Erfolgskriterien schwer vereinbaren. Liebes Publikum, das Theater Bielefeld versucht trotzdem, all dem gerecht zu werden, aber wie Sie aus eigener Erfahrung wissen, kann man schlecht gleichzeitig auf allen Hochzeiten tanzen. Gutes Theater ist erfolgreiches Theater, erfolgreiches Theater ist gut. Erfolg auf ganzer Linie ist das unerfüllbare Gebot der Stunde. Die Forderung nach Erfolg ist gesellschaftlich so dominant, dass man förmlich gezwungen ist, in jedem einzelnen Lebensbereich zu glänzen. Wir sollen erfolgreich lernen und lieben, mit Erfolg Karriere machen und Kinder großziehen, uns selbst und andere erfolgreich managen, attraktiv und gebildet, reich und beliebt sein. So entsteht für jeden Einzelnen von uns ein enormer Druck, umfassenden Zielvorgaben zu entsprechen, die sich aber realistisch betrachtet nicht einlösen lassen. Scheitern ist die Regel, Erfolg die Ausnahme. Um dem zu entkommen, könnte es hilfreich sein, das Scheitern in den Erfolgsplan zu integrieren. Machen wir uns nichts vor: Angesichts der gesellschaftlichen Komplexität sind die Voraussetzungen des Erfolges unübersichtlich und die Umstände seiner Erfüllung unwägbar. Immer wieder drängt sich Scheitern unerwartet und vielfältig auf, sei es als die Verlierer im Wettkampf, als Derangierte und Prekäre, als Dritte Welt, als unternehmerische Insolvenz oder ganz einfach: als Inszenierung, die den Erwartungen nicht entspricht. Die alte Frage nach dem guten Leben beantwortet sich heute durch Erfolg. Ist die Unterscheidung zwischen Erfolg und Misserfolg überhaupt sinnvoll? Ist sie hilfreich zur Bestimmung der eigenen Lebenssituation? Die Logik des Immer-mehr-und-immer-besser hat einen Dämpfer bekommen. Brauchen wir gerade in Zeiten wirtschaftlicher Anspannung mehr Freiheit von der Erfolgsbestimmtheit? Die mit dem Streben nach Erfolg verbundene Kosten-Nutzen-Rechnung erscheint in vielen Lebensbereichen fragwürdig. Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freundschaft lassen sich nicht kalkulieren, sie entziehen sich dem Erfolgsdenken. Der zwischenmenschliche Bereich bleibt zum Glück unberechenbar. Was ist gut und was ein Erfolg? Erfolg wird erst durch die zu Grunde liegenden Maßstäbe präzisiert, und jeder hat die Freiheit, diese selbst zu bestimmen. Wir können untersuchen, herausfinden und entscheiden, was wir als Erfolg werten möchten. Wir können unsere eigenen Erfolgskriterien entwickeln. In dieser Spielzeit werden wir uns den Fragen nach Gründen für Erfolg und Scheitern stellen, wir werden Helden und Verlierer beobachten, Glanz und Versagen entdecken und uns gemeinsam mit Ihnen auf die hoffentlich erfolgreiche Suche nach Alternativen zum Kosten-Nutzen-Kalkül begeben. Ihr Michael Heicks Intendant 4 5

6 Unsere Gegenwart ist der permanente Dehnzustand. W a s Erfolg ist Nach Kierkegaard lässt sich das Leben mit zwei Formen von Verzweiflung beschreiben: dem verzweifelten Sich-Abstrampeln in Notwendigkeiten und dem verzweifelten Sich-Abstrampeln in Möglichkeiten. Nun könnte man das verzweifelte Abstrampeln in Notwendigkeiten ja noch aushalten, denn offenbar geht s nicht anders, was aber um Gottes willen ist mit all den Möglichkeiten und Verheißungen, die sich bieten und die man nur ergreifen und umsetzen muss, um ein erfolgreiches, segensreiches Leben zu führen? Unsere Gegenwart ist der permanente Dehnzustand: Von der einen Seite kommt eine Verheißung, von der anderen Seite kommt schon die nächste; man könne dies sein, man könne jenes sein und es geht immer noch besser. Permanent dehnen wir uns also über unsere eigentliche, eigene Mitte hinaus, zur einen, zur anderen, zu allen Seiten. Und bei jenen, bei denen es erfolgreich klappt, sieht es nüchtern betrachtet aus wie eine Überdehnung: Sozialgestörte basteln Finanzprodukte zusammen, die andere arm und sie reicher machen und mit denen sie sich am Ende auch noch Politiker kaufen oder blonde Starschauspielerinnen. Hochstapler und Spät pubertierende strömen in die Politik und bekommen Posten, bis sich relativ schnell ihr Dilettantismus entlarvt. Millionen von Kindern und Jugendlichen strömen in die Castingagenturen, um ein Star zu werden, egal wie. Man könnte jetzt Kierkegaard revidieren und fragen: Fühlen wir uns überhaupt noch notwendig vor lauter Möglichkeiten, möglichen, erfolgreichen Ich-Entwürfen? Überrennen also die Möglichkeiten die Notwendigkeiten, so dass wir die Pflichten vergessen und permanent den Möglichkeiten hinterher rennen? Ein einziges, großes Gerenne von Individuen, denen kein moralisches Gesetz und keine Tradition mehr sagt, wer sie zu sein haben und wie sie sich zu verhalten haben, sondern deren einziges Gesetz zu sein scheint, erfolgreich zu werden? Dazu kommt noch ein weiteres, erschöpfendes Problem: Es reicht nämlich offenbar auch nicht mehr gut zu rennen oder das Spiel gut zu spielen, sondern man muss heute fragen: Renne ich denn gerade in die beste Richtung; ist das Spiel, das ich gerade spiele, überhaupt das richtige, das beste Spiel? Es gibt eine Untersuchung des Soziologen Alain Ehrenberg über unsere Gegenwart all der Möglichkeiten, gemeinhin wohl mit Multioptionsgesellschaft beschrieben. Das Buch heißt Das erschöpfte Selbst und darin steht der Satz:»Die Depression ist nicht die Krankheit des Unglücks, sondern die Krankheit des Wechsels, die Krankheit einer Persönlichkeit, die versucht, nur sie selbst zu sein: Die innere Unsicherheit ist der Preis für diese Befreiung.«Vermutlich ist das die neue Kultur des inneren Unglücks. Und sie hat allein damit zu tun, dass wir umstellt werden von Erfolgsmöglichkeiten, die wir leben könnten. Moritz Rinke Wir lieben und wissen nichts von Moritz Rinke hat am im Theater am Alten Markt Premiere. Die Stückbeschreibung finden Sie auf Seite 95 Was Erfolg ist, kann man am besten verstehen, wenn man sich Hollywood anschaut. In Hollywood sind alle, die man kennt, erfolgreich. In Hollywood tragen die, die man kennt, die prächtigsten Kleider, sie liegen wie Farrah Fawcett am Pool, werden photographiert wie Meisterwerke, feiern in Bungalows die wildesten Parties und leben nach Pacific Standard Time. In Hollywood lebt man frei und unbeschwert, heißt John, Jack oder Gilda und lässt sich in den größten und teuersten Autos herumfahren, was heute noch wichtiger ist als früher. Heute sind die Wege weiter und zu Fuß gehen ist beschwerlicher und die Studios sind mehr als doppelt so groß wie früher und Paramount ist sehr groß und Warner Brothers ist auch ziemlich groß und niemand, der heute in Hollywood lebt, muss noch hungern, denn hungern war früher, als die Zeiten noch nicht so waren wie jetzt und viele noch dachten: Gold graben, das ist es, dabei ist es Film. Und wenn man Hollywood verstanden hat, dann muss man so ziemlich nichts anderes mehr verstehen, weil man dann schon eine ganze Menge verstanden hat, und man kann nicht alles verstehen. Wer in Hollywood Erfolg haben will, sollte aussehen wie ein Held, Held ist am besten, und das ist in Bielefeld nicht anders. Heldin ist auch ziemlich gut, aber meist nicht so gut bezahlt, weshalb Frauen auch in Hollywood eher von Altersarmut betroffen sind als andere. In Hollywood muss man sein wie alle anderen, nur viel viel besser, dann kommt der Erfolg, dann hält die Welt an und staunt: wie kann jemand so groß sein und so schön und so überirdisch und so himmlisch! Wie kann das sein, und sollte man den nicht besser bezahlen. Und jetzt kommt was Trauriges: alle diese Menschen aus Hollywood, die man kannte, sind gestorben, und alle, die man kennt, werden noch sterben, so ist Carole Lombard zum Beispiel gestorben. Sie ist trotz großem Erfolg und großer Schönheit und Glamour und allem gestorben. Und das ist dann auch seltsam, wenn man daran denkt, wer da noch alles gestorben ist, also umgebracht wurde, wie komisch das ist: dieses großartige Hollywood und was alles gleichzeitig passiert. Und die Welt wunderte sich sicher, dass so jemand hat sterben können, wie die Carole Lombard, und das ist wirklich traurig, dass sie gestorben ist. Es ist nach ihrem Tod auch nichts wieder gut geworden, so wie überhaupt nach 1942 nichts wieder gut geworden ist, auch wenn man allerorten hört, alles sei wieder gut geworden. Und alle Filme sind über kurz oder lang Leichenschauhäuser, und es gibt nichts, was trauriger ist, als schwarz-weiß Filme, weil alle, die da jung und schön im Film herumspringen und so tun, als wäre dieses junge und schöne Herumspringen und die Leidenschaften und alles für die Ewigkeit, jetzt tot sind, und wenn sie jetzt nicht tot sind, dann sind sie bald tot. Und To Be or Not to Be war besonders, weil von Anfang an ein Leichenschauhaus. Anne Lepper Anne Leppers Käthe Hermann erlebte im Januar 2012 seine Uraufführung im TAM DREI und wurde zum Mülheimer Stückemarkt eingeladen. 6 7

7 premieren premieren Gesang Tanz Spiel WIEDERAUFNAHME RIGOLETTO Giuseppe Verdi / , Stadttheater WIEDERAUFNAHME GALA DER Grossen GEFÜHLE , Stadttheater THE WHO S TOMMY Pete Townshend / Des McAnuff , Stadttheater SAUL Georg Friedrich Händel / , Stadttheater HOFFMANNS ERZÄhlungen Jacques Offenbach / , Stadttheater DIE FLEDERMAUS Johann Strauß / , Stadttheater EUGEN ONEGIN Pjotr I. Tschaikowsky / , Stadttheater CITY OF ANGELS Cy Coleman / Larry Gelbart / David Zippel , Stadttheater URAUFFÜHRUNG O R L A N D O Martin Grütter / Michael Langemann / Vito Žuraj Kooperationsprojekt von Deutsche Bank Stiftung und Theater Bielefeld / , Stadttheater TANZGASTSPIEL DON Q. EINE NICHT IMMER getanzte REVUE ÜBER DEN VERLUST der WIRKLICHKEIT Gauthier Dance // Dance Company Theaterhaus Stuttgart / , Stadttheater TANZTHEATER von Reinhild Hoffmann, Susanne Linke und Henrietta Horn Auch / Effekte / Ein neues Stück // , Stadttheater URAUFFÜHRUNG TRAU, SCHAU, WEM? Gregor Zöllig / , Theaterlabor im Tor 6 URAUFFÜHRUNG TOHUWABOHU Gregor Zöllig / , Stadttheater URAUFFÜHRUNG TANZSPOTTING V Tanzstücke des Tanztheater-Ensembles , Theater am Alten Markt URAUFFÜHRUNGEN ZEITSPRUNG Projekt mit Laiendarstellern Zeitsprung Wurzelwärts / , Stadttheater Zeitsprung Vertrauensselig / , Theaterlabor im Tor 6 RISK Zeitsprung trifft Volxtheater / , Theaterlabor im Tor 6 URAUFFÜHRUNG DEMUT VOR DEINEN TATEN BABY Laura Naumann / , TAM ZWEI ERFOLG Lion Feuchtwanger / , Theater am Alten Markt DIE ORCHESTERPROBE Federico Fellini / , Stadttheater WIEDERAUFNAHME IPHIGENIE AUF TAURIS Johann Wolfgang Goethe / , Theater am Alten Markt WIEDERAUFNAHME HERMINIE Claude Magnier / , Theater am Alten Markt URAUFFÜHRUNG ZWISCHENLANDUNG Carmen Priego / , Theater am Alten Markt ROSEL Harald Mueller / , TAM DREI DIE FAMILIE SCHROFFENSTEIN Heinrich von Kleist / , Theater am Alten Markt WEIHNACHTSSTÜCK DIE ABENTEUER VON pettersson UND FINDUS Sven Nordqvist / , Stadttheater WIEDERAUFNAHME EINE SOMMERNACHT David Greig / Gordon McIntyre Herbst 2012, Theater am Alten Markt KABALE UND LIEBE Friedrich Schiller / , Stadttheater GELBER MOND DIE BALLADE von LEE UND LEILA David Greig / , TAM ZWEI DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG MILES ODER DIE PENDELUHR aus MONTREUX Henning Mankell // In Kooperation mit der Hochschule für Musik Detmold / März 2013, Theater am Alten Markt URAUFFÜHRUNG VERSCHWÖrer Tobias Rausch / , Theater am Alten Markt URAUFFÜHRUNG ALLE ANDEREN Maren Ade / , TAM DREI wiederaufnahme die dreigroschenoper Bertolt Brecht / Kurt Weill // Winter 2012/13, Stadttheater wiederaufnahme hedda gabler Henrik Ibsen / Frühjahr 2013, Theater am Alten Markt TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN Arthur Miller / , Stadttheater Ein neues stück , TAM ZWEI DIE SPANISCHE FLIEGE Franz Arnold / Ernst Bach / , Theater am Alten Markt WIEDERAUFNAHME MÄNNERBESCHAFFUNGSMASSNAHMEN Dietmar Loeffler / Herbst/Winter 2012, Theater am Alten Markt WIR LIEBEN UND WISSEN NICHTS Moritz Rinke / , Theater am Alten Markt PARALLELE WELTEN Projekt mit Laiendarstellern Nuran David Calis / Canip Gündogdu , Theater am Alten Markt 8 9

8 extras Macht hoch die Tür, die Tor macht weit Fest! Ein Theatertag für die ganze Familie von zwei bis zwei im Theater am Alten Markt Eine Spielzeit beginnt mit einem Theaterfest. Daran gibt es nichts zu rütteln. Das steht fest! Für unsere kleinen, größeren und doppelt so großen Besucher werden wir auch in diesem Jahr wieder unsere Bühnen mit so manchen musikalischen und szenischen Kostproben füllen im Theater am Alten Markt und Open Air. Adventliches vom TAM-Balkon vom 01. bis täglich um 17 Uhr Auch in diesem Jahr werden sich die Türen eines Adventskalenders der besonderen Art öffnen: Vom 01. bis 23. Dezember präsentieren Mitglieder aller Ensembles des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker täglich um 17 Uhr kleine musikalische, tänzerische oder literarische Überraschungen rund um den Balkon des Theaters am Alten Markt. Dabei gibt es mal Besinnliches, mal Heiteres, mal Klassisches, mal Swingendes, mal Bekanntes und mal Unbekanntes. Abonnenten-Soiree Der Festliche Auftakt Theater- und Konzertfreunde bielefeld in der Rudolf-Oetker-Halle Die Rudolf-Oetker-Halle platzt aus allen Nähten, wenn die Theater- und Konzertfreunde Bielefeld e.v. und das Theater Bielefeld zum Festlichen Auftakt einladen ein Startschuss für viele spannende und unterhaltsame Theater- und Konzertabende. Künstlerinnen und Künstler aller drei Sparten gewähren einen Einblick in das Programm und auch in diesem Jahr wird wieder das große Geheimnis gelüftet: Wer ist der Träger des Bielefelder Opern- bzw. Theatertalers 2012?» und ewig lockt das Abo«frühjahr / sommer 2013 im Stadttheater Was wird in der nächsten Saison gespielt? Auf welche Klassiker und Neuentdeckungen kann ich mich freuen? Antworten erhalten Sie wie immer bei der Abonnenten-Soiree, bei der wir zuallererst unseren treuesten Besuchern, den Abonnenten, einen kleinen Vorgeschmack auf das Programm der kommenden Spielzeit geben. Freuen Sie sich auf musikalische und szenische Kostproben aus allen drei Sparten des Theaters und mit den Bielefelder Philharmonikern! NRW Theatertreffen 2013 Bereits zum zweiten Mal, nach 2001, richtet das Theater Bielefeld Ende Juni 2013 das NRW- Theatertreffen aus und präsentiert somit in allen Spielstätten des Theaters die besten Inszenierungen des Landes. Alle 19 Stadt- und Landestheater in NRW haben die Möglichkeit, jeweils eine Inszenierung zu nominieren. Eine Jury wählt vorab die besten für das Theatertreffen aus. Freuen Sie sich auf eine Woche voller spannendem Theater, mit einem umfangreichen Rahmenprogramm und sommerlicher Festival-Atmosphäre

9 G e s a n g Liebe Gäste, liebes Publikum, liebe Fans, Fragen nach Wurzeln und Identität treiben uns an, sie führen nicht nur uns heutige Menschen auf Spurensuche, sondern auch die Protagonisten der sieben Neuproduktionen des Musiktheaters 2012/13 wer bin ich, wie bin ich zu diesem Individuum geworden? Innere Wandlungen sind mit Neugier, Risiko, Mut, Ängsten verknüpft wann in dieser Kette kommt das Wort»Erfolg«? Und wer fällt das Urteil? Helen malkowsky operndirektorin Aus dem gequälten und gehänselten kleinen Tommy wird erst der Superstar am Flipper, dann sogar eine Art Messias. Die Anforderungen der Gesellschaft werden für ihn genauso zum Prüfstein wie für den alttestamentarischen König Saul, von Gott erwählt, vom Volk geliebt. Doch durch die mit David entstehende Konkurrenzsituation nagen Zweifel und Neid, beginnen Anspruch und Realität unaufhaltsam auseinanderzudriften. Und Hoffmann? Er sucht: durch die Frauen die Liebe und durch die Liebe sich selbst. Sein Blick in den inneren Spiegel wird zum Ereignis für andere, sein Abbild zur verhandelbaren Ware er scheitert als Liebender und wird als Künstler gefeiert. Der Knall des Champagnerkorkens als großer Befreiungsschlag? In der Fledermaus erheben alle Beteiligten genau das zum herrschenden Prinzip, was Onegin und Tatjana zum tragischen Schicksal wird Unverbindlichkeit und die Ungleichzeitigkeit von Gefühlen.»Your are nothing without me«damit setzt der erfundene Detektiv in City of Angels seinem Drehbuch-Autor die Pistole auf die Brust, und in Orlandos 300-jähriger Reise durch Zeit und Raum vervielfältigen sich Quellen und Mutationen noch weiter: 2000 Ichs in 60 bis 70 verschiedenen Zeiten existieren mehr oder weniger friedlich in jedem Organismus. Eine sich unablässig drehende Spirale der Veränderung also, Verwandlungen, Maskeraden, Aufrichtigkeit: Im vielschichtigen Spiel mit Zeit, Raum und Identität liegt der nach wie vor so unmittelbare wie unergründliche Zauber des Musiktheaters. Unsere neue Saison schickt Opern- und Musicalfiguren vom Barock bis zur Moderne auf die Suche nach sich selbst und ihren innersten Bedürfnissen. Kann diese Suche Erfolg haben? Oder ist der Weg... Kommen Sie doch einfach mit wir freuen uns auf Sie! Ihre Helen Malkowsky 12 13

10 Rigoletto W i e d e r a u f n a h m e Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Versdrama»Le Roi s amuse«von Victor Hugo In italienischer Sprache mit deutschen Übertexten im Stadttheater g a l a der grossen gefühle W i e d e r a u f n a h m e im Stadttheater Was für Welten! Am herzoglichen Hof verführt der Chef eine Schöne nach der anderen und lässt sich zusammen mit seiner Männerbande singend und lachend durch ein Leben treiben, in dem schon der kleinste Ansatz von Moral im Keim erstickt wird. Natürlich hält er sich, zur allgemeinen Belustigung, auch einen Hofnarren. Dieser Rigoletto lässt seinerseits keine Gelegenheit aus, beißenden Spott über die Gehörnten und Entehrten zu gießen und sich an denen zu rächen, die ihm das Leben zur Hölle machen. Und zu Hause hält er seine geliebte Tochter Gilda wie eine Puppe versteckt: Wehe, sie beginnt zu leben! Nun lässt sich hier wie dort das wahre Leben nicht zurückhalten. Leidenschaften und Gefühle brechen sich Bahn: Das neueste Abenteuer des Herzogs scheint eine echte Herzensangelegenheit zu sein. Dass es sich dabei ausgerechnet um Gilda handelt, setzt eine Handlung in Gang, die in einem dunklen Aufriss die Unmenschlichkeit zweier deformierter Welten zeigt und unweigerlich in den Tod mündet. Schlaglichtartig und mit krassen Brüchen folgen die Szenen aufeinander, trotzdem gehört Rigoletto zu den dramatisch zwingendsten Opern des 19. Jahrhunderts. Dies ist vor allem Verdis Musik zu verdanken, die in jeder Hinsicht aufs Ganze geht. In Victor Hugos Drama Le Roi s amuse fand Verdi alles, was sein unbändiger Ausdruckswille begehrte: Große Leidenschaft, politischen Biss, zarte Gefühle, Fluch und Mord und mit Rigoletto, Gilda und dem Herzog drei zutiefst ambivalente Figuren. Eine Steilvorlage für seine begnadete Charakterisierungskunst. Liebe, Eifersucht und Hass das gesamte Gefühlskarussell zwischenmenschlicher Beziehungen hat die Opernliteratur von jeher geprägt. Auf der Bühne findet nicht selten Ausdruck, was in der Realität gern verschwiegen wird.»eine musikalische Eheberatung in sechs Sitzungen«ist das heimliche Programm unserer Operngala, die besonders Perlen der französischen, slawischen und deutschen romantischen Opernliteratur zum Leuchten bringt. Im Kapitel»Auf Freiersfüßen«findet sich u. a. das Quartett»Bestürmen denn die läst gen Freier«aus Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai. Unter den in der Oper allenthalben zu hörenden»liebeserklärungen«seien die Arie des Gremin aus Tschaikowskys Eugen Onegin oder die Arie»Salut! Demeure chaste et pure«aus Gounods Faust genannt. Bei der»hochzeit«darf natürlich der Hochzeitsmarsch aus Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum ebenso wenig fehlen wie das Vorspiel zum 3. Akt und der Brautgemach-Chor»Treulich geführt«aus Richard Wagners Lohengrin. Doch auch die zu kurz Gekommenen finden Gehör:»Die Kehrseite der Medaille«versammelt eifersüchtige Ehemänner, unerhörte Liebhaber (z. B. Pierrot aus Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt) oder verführerische, doch letztlich scheiternde Sirenen wie Georges Bizets Carmen mit ihrer»habanera«. Der größte Skandal bleibt indes dem»grande finale«vorbehalten, in dem das Strafgericht aus Eduard Künnekes Die große Sünderin sein Urteil fällt Musikalische Leitung: Witolf Werner / Szenische Einrichtung: Nora von Linden Konzept: Helen Malkowsky, Jón Philipp von Linden Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic / Inszenierung: Roman Hovenbitzer Bühne: Hermann Feuchter / Kostüme: Roy Spahn 14 15

11 T h e W h o s tommy alexander kalajdzic generalmusikdirektor Rockoper in zwei Akten Musik und Gesangstexte von Pete Townshend / Libretto von Pete Townshend und Des McAnuFF / Ergänzende Musik von John Entwistle und Keith Moon / Deutsch von Anthony Gebler Premiere im Stadttheater Das Doppelalbum Tommy der englischen Rockband The Who war eines der großen Kultereignisse der späten 1960er-Jahre. The Who war berüchtigt für ihr Ritual, bei Konzerten Gitarren zu zertrümmern, doch Tommy steht für etwas ganz anderes, nämlich für die Affinität mehrerer Rockbands dieser Zeit zu theatralischen Formen. Der Begriff»Rock-Oper«fand hier seinen Prototyp. Tommy erzählt die Geschichte eines Jungen, der taub, stumm und blind aufwächst. Eltern, Ärzte, Psychologen und Wunderheiler(innen) scheitern mit ihren Versuchen, an ihn heranzukommen. Eines Tages entdecken die Jugendlichen, dass Tommy ein Genie am Flipperautomat ist. Das größere Wunder geschieht, als seine Mutter den Spiegel zerschlägt, in dem Tommy als Kind das Verbrechen ansah, das ihn traumatisiert hat. Geheilt wird er zum gefeierten Star Mit Tommy wollte Songwriter Pete Townshend weniger das Psychogramm eines kranken Menschen zeichnen als vielmehr die typische Verlaufskurve einer Pubertät in symbolträchtige Bilder bannen. Hits wie Pinball Wizard, I m Free oder See Me, Feel Me brachten The Who mit Tommy 1969 in die Charts, 1975 wurde der Stoff von Ken Russell verfilmt brachte der Regisseur und Produzent Des MacAnuff eine Musical-Fassung heraus, die überaus erfolgreich am Broadway lief und der Bielefelder Neuproduktion zugrunde liegt. Musikalische Leitung: William Ward Murta / Inszenierung und Choreographie: Götz Hellriegel Bühne und Kostüme: Dietlind Konold präsentiert von sarah kuffner sängerin Die Originalproduktion am Broadway wurde produziert von Pace Theatrical Group und Dodger Productions mit Kardana Productions 16 17

12 YOU DON'T ANSWER MY CALL WITH EVEN A NOD OR A WINK BUT YOU GAZE AT YOUR OWN REFLECTION! YOU DON'T SEEM TO SEE ME B U T I T H I N K Y O U C A N S E E Y O U R S E L F. HOW CAN THE MIRROR AFFECT YOU? CAN YOU HEAR ME OR DO I SURMISE THAT YOU FEAR ME? CAN YOU FEEL MY TEMPER RISE, RISE, RISE, RISE DO YOU HEAR OR FEAR OR DO I SMASH THE MIRROR? (au s: Th e Wh o s To m my) 18 19

13 SAUL christiane linke sängerin Oratorium in drei Akten von Georg Friedrich Händel Libretto von Charles Jennens In englischer Sprache mit deutschen Übertexten Premiere im Stadttheater Ein Herrscher, unangefochten. Er ist stark, wird geliebt und verehrt. Er fühlt sich berufen, von Gottes Gnaden. Doch dann ist da ein anderer: Jung, klug, schön und stark sogar einen Riesen hat er besiegt. Unaufhaltsam schwindet die Macht des Machthabers, wird aufgezehrt von innen und außen. Wahnsinn ergreift Besitz von ihm. Er weiß nicht, an wen er sich wenden soll. In seiner Not greift er zum letzten Mittel: Er ruft die Stimme, die er selbst verdammt hat. Sie hilft ihm nicht, er nimmt sich das Leben. Hat der Mächtige versagt? Hat Gott ihn verlassen und sich dem anderen zugewandt? Ist dieser andere einfach besser? Zehnmal so viele Feinde soll er getötet haben. Ist es das? Wird man so zum König der Könige? Und wird man so aus dem Feld geschlagen von einem, der als Freund, Helfer und Heiler kam? Die biblische Geschichte von Saul und David ist ein unerschöpfliches Lehrstück über die Mechanismen der Macht. In fast zynischer Kompromisslosigkeit verwebt sie den Fall des alten Königs mit dem Aufstieg des strahlenden Newcomers. Dabei geht es um mehr als um einen politischen Showdown, ist doch jeder Schritt der Kontrahenten ein Zusammenspiel von machttaktischen, religiösen und psychologischen Motiven. Und es ist eine Auseinandersetzung unter permanenter Beobachtung der Öffentlichkeit. melanie forgeron sängerin Georg Friedrich Händel verbindet in Saul die Spannung zwischen privater (Familien-)Tragödie und öffentlicher Staatskrise so geschickt, dass das Oratorium in seiner dramatischen Wirksamkeit und emotionalen Tiefe seinen Opern in nichts nachsteht. Im Gegenteil: Wie David gleich einem Meteor in das Gefüge von Sauls Familie stürzt und nicht nur den König und sein Volk, sondern auch dessen Kinder Merab, Michal und Jonathan im Innersten berührt, fordert eine szenische Deutung geradezu heraus. Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic / Inszenierung: Jörg Behr Bühne: Marc Weeger / Kostüme: Eva-Mareike Uhlig Mit freundlicher Unterstützung der Hanns-BiseGGer-Stiftung 20 21

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15 HOFFmanns erzählungen thomas wehling schauspieler Phantastische Oper in fünf Akten von Jacques Offenbach Libretto von Jules Barbier nach dem gleichnamigen Drama von Jules Barbier und Michel Carré In französischer Sprache mit deutschen Übertexten Premiere im Stadttheater Ein koloratöser Puppengesangsautomat, eine Sängerin, die nicht singen darf, eine Prostituierte, deren Honorar sich nicht nach Geld berechnet (sondern nach Schlimmerem) und schließlich die unerreichbare Schöne Mit der Liebe hat es sich der Dichter Hoffmann wahrlich nicht leicht gemacht, doch in der letzten Oper von Jacques Offenbach ist ohnehin eher der Weg das Ziel. Die Suche nach der Traumfrau ist zugleich die Suche nach der eigenen Identität. Nach vier amourösen Abenteuern mit Frauen, die mehr»typen«als Individuen sind, bleibt nur noch die Muse übrig, und damit wird Hoffmanns Scheitern offenbar. Denn diese Muse ist zu Beginn aus einem Weinfass gestiegen, und damit sie am Ende als»kunst«über die»liebe«triumphieren kann, darf sie sich um etwaige Kollateralschäden nicht weiter scheren Seele und Leber des Dichters eingeschlossen sünne peters sängerin Hoffmanns Erzählungen ist ein wahres Kaleidoskop an Albtraumsituationen, wie sie typisch sind für E. T. A. Hoffmann, der für die Titelfigur der Oper Pate stand kein Wunder, zählt er doch zu den phantasievollsten Dichtern der literarischen Romantik. Jacques Offenbach, der»kölner in Paris«und Erfinder der Operette (Orpheus in der Unterwelt, Die schöne Helena, Ritter Blaubart), starb über der unfertigen Komposition zu Hoffmanns Erzählungen, und dieser Umstand bescherte dem Werk eine etwas chamäleoneske Karriere: Seit der Uraufführung sind immer wieder neue Fassungen erschienen, die sich auf scheinbar oder tatsächlich authentisches Material beriefen und die Dramaturgie der Oper veränderten. Der Beliebtheit des Werks und seiner musikalischen Hits, darunter die berühmte Barcarole oder die Ballade von Klein-Zack, tat dies indessen keinen Abbruch. Musikalische Leitung: Elisa Gogou / Inszenierung: Helen Malkowsky Bühne: Saskia Wunsch / Kostüme: Henrike Bromber Mit freundlicher Unterstützung der Hanns-BiseGGer-Stiftung 24 25

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17 Silvester im Theater Bielefeld»Muss ja«- Die Silvestergala Ein Abend zwischen Sparrenburg und Spinnerei, Jahnplatz und Champagnerlaune. Was? Wie? Schon wieder ein Jahr vorüber? Und? Wie isses gelaufen?»muss ja.«- für einen Bielefelder eine Antwort ungebremster Euphorie. Dieses Jahr geht es zum Lachen nicht in den Keller, sondern ins Theater. wir lassen Glanz und Elend der vergangenen 365 Tage bissig Revue passieren. Wen dürfen wir auf einen goldenen Schemel stellen, wen trocken in der Pfeife rauchen?»muss ja«die Silvestergala Ein Abend zwischen Sparrenburg und Spinnerei, Jahnplatz und Champagnerlaune 17 Uhr und 21 Uhr im Stadttheater ZWISCHENLANDUNG Ein Liederabend von Carmen Priego 17 Uhr und 21 Uhr im Theater am Alten Markt Auf dem Weg ins neue Jahr legen Sie mit der Uraufführung von Carmen Priego im Theater am Alten Markt eine musikalische Zwischenlandung ein oder erleben im Stadttheater mit Kabarettist Ingo Börchers, den Musical Stars Roberta Valentini, Veit Schäfermeier und Brigitte Oelke sowie den Ensembles des Theaters die champagnerlaunige Silvestergala Muss ja! Einen lustvollen Abend lang rückt die freundliche Stadt am Teutoburger Wald in den Mittelpunkt. Getreu dem Motto: Global denken. Lokal amüsieren. Wen interessiert noch Stuttgart 21, wenn über die Strassenführung am Jahnplatz debattiert wird. Und worüber man nicht reden kann, darüber soll man singen. Und wenn das Leben schon kein Wunschkonzert ist, dann soll Musik erklingen. Deshalb werden, wie es sich für eine Gala gehört, zahlreiche Ensemblemitglieder des Theaters und natürlich auch die Bielefelder Philharmoniker aus dem lustigen einen unvergesslichen Abend machen. Das freut den Kabarettisten. Für einen Abend ins Volle greifen. Ein kleiner Mann im grossen Haus. Freuen Sie sich mit ihm!»muss ja«- festliche Silvestergala, launiger Jahresausklang und zugleich ein perlendes Bekenntnis zu Ostwestfalens Oberzentrum. Gehen Sie hin. Bevor es andere für Sie tun. IHR INGO BÖRCHERS Wofür Sie sich auch entscheiden, es erwartet Sie ein kurzweiliges bis rauschhaftes, in jedem Falle aber vergnügliches Theatererlebnis. Im Anschluss an die Abendvorstellungen laden wir in beiden Häusern ein zum großen Tanz ins neue Jahr. Im Stadttheater geben wir dafür ab 0:30 Uhr sogar die große Bühne frei. Die Silvesterfeier und der Mitternachtssekt sind im Preis inbegriffen. Mehr zu dem Liederabend Zwischenlandung lesen Sie auf Seite 80. Der Vorverkauf läuft ab ! 28 29

18 D I E Fledermaus Operette in drei Akten von Johann Strauss Libretto nach Henri Meilhac und Ludovic Halévy von Carl HaFFner und Richard Genée Premiere im Stadttheater guido wachter schauspieler»ha, welch ein Fest!«als Oscar Bie das trunken-taumelnde zweite Fledermaus-Finale einmal in Worte fasste, fingen vor Begeisterung die Worte selbst an, zu tanzen:»hüpfet, ihr Gefühle, die ihr vom Tritt des Lebens schwere Füße bekommen habt.«solch Überschwang ist dem Werk schon in die Wiege gelegt. Es war ein Glücksfall, wie sich 1874 die Konstellation aus Komponist, Librettist, Zeit und Ort zusammenfügte, als Strauß und Genée Die Fledermaus schufen. Erst wenige Jahre zuvor hatte Offenbach das Operetten-Virus nach Wien gebracht, wo es einen perfekten Nährboden vorfand. Und schon schenkte Strauß der neuen Gattung ihr Meisterwerk. melanie kreuter sängerin Champagnerlaune herrscht von vorn bis hinten. Das besagte Finale kulminiert in einem Verbrüderungstaumel, der in der Größe des Augenblicks die Umarmung der ganzen Welt nicht weniger beschwört als Beethoven in seiner IX. Symphonie nur: Statt Schiller singt man selig»duidu, duidu lalala«. Doch die wahre Größe der Fledermaus liegt in der Konsequenz, mit der die sinnlose Entfesselung der Sinne plausibel wird, nämlich durch das Gefesseltsein (fast) aller Figuren an ihre bürgerlichen Zwänge. Wohnzimmer und Gefängnis, Taschenuhr und Glockenschlag, Stubenmädchen, Gefängniswärter Die Räume, Zeiten und sozialen Rollen des Stücks suggerieren vor allem eines: Begrenzung. Genau das richtige Klima, um den Reiz von Rausch und Fest als Zufluchtsort der Sehnsüchtigen genüsslich zu entfalten und die Musik subversiv werden zu lassen. Betörend unterläuft sie den Wahrheitsgehalt jeder bürgerlich normierten Gefühlsregung. Welch ein Fest für alle Sinne! Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic / Inszenierung: Helen Malkowsky präsentiert von 30 31

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20 E U G e n ONEGin eric laporte sänger Lyrische Szenen in drei Akten von Pjotr I. Tschaikowsky Text nach Alexander S. Puschkin von Konstantin S. Schilowsky In russischer Sprache mit deutschen Übertexten Premiere im Stadttheater Jahrein, jahraus liest die junge Tatjana Romane und taucht in eine fantastische Welt ein. Als Gutstochter bietet ihr das Landleben ohnehin nicht viel Abwechslung, doch sie nimmt anders als ihre hübsche Schwester Olga an den raren Festlichkeiten nur ungern teil. Da tritt eines Tages unversehens ein Mann in das Haus ihrer Mutter, der mit allen Attributen ihrer erträumten Romanhelden ausgestattet zu sein scheint: Eugen Onegin. Mit seinem Freund, dem Dichter Lenski, stattet er dem benachbarten Gutshof einen Besuch ab und bringt Tatjanas Herz beträchtlich zum Klopfen. Kaum sind beide abgereist, schreibt sie ihm voller Hoffnung eine flammende Liebeserklärung und wird enttäuscht. Erst Jahre später begreift Onegin, welche Lücke er damit selbst in sein Leben gerissen hat Obwohl Tschaikowsky gerade nicht die sattsam bekannten Opernklischees wie Mord, Intrige, Verführung und ausgestellte Dramatik nutzt, gerade nicht das bekannte Personal aus Königen, Göttern, Prinzessinnen und Zauberern beschäftigt, sondern»ein Stück bürgerlichen Alltagslebens mit dem Gefühlsleben wirklicher Menschen«auf die Bühne bringen wollte, ist Eugen Onegin eine der tragischsten Geschichten, die die Gattung Oper aufzuweisen hat. Ein Stück über den verpassten Moment. Es war sicherlich kein Zufall, dass die Komposition dieses Werks mit Tschaikowskys eigener Heirat und ihren unglücklichen Folgen zusammenfiel: Die von intensiven Gefühlen durchdrungene Musik machte Eugen Onegin zur erfolgreichsten seiner Opern. Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic / Inszenierung: Lotte de Beer mit freundlicher unterstützung von 34 35

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