Bachelor of Science (B.Sc.)

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1 Hochschule Neubrandenburg Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management Studiengang Pflegewissenschaft/Pflegemanagement Perspektiven der professionellen Pflege für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science (B.Sc.) Vorgelegt von: URN: Betreuer: Zweitkorrektor: Steven Hoffmann urn:nbn:de.gbv:519-thesis Prof. Dr. H.-J. Goetze Dipl. Pflegewirt M. Fünfstück (M.Sc.) Tag der Einreichung:

2 Abstrakt Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist eine Neuausrichtung der Pflege unerlässlich. Der Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte ist sich dieser Entwicklung bewusst. Im Jahr 2008 wurde ein Konzept erarbeitet und sich diesem Thema gewidmet. Dabei sollen die Rahmenbedingungen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte berücksichtigt werden. Ein weiterer Aspekt ist die Auseinandersetzung mit der Kostenstruktur. Dabei gilt ambulant vor stationärer Pflege zu favorisieren. Das Ziel ist dabei, zu untersuchen, ob das Konzept des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte für ambulante Pflegedienste in Bezug auf die Perspektiven der professionellen Pflege anwendbar ist. Im Ergebnis zeigt sich, dass das Konzept des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte die Kosten reduzieren könnte, aber es gibt keine Auskunft über möglichen Perspektiven für die professionelle Pflege im ambulanten Sektor. Daher werden Möglichkeiten für die ambulanten Pflegedienste im Landkreis beschrieben, wie diese sich zukünftig ausrichten können. II

3 Abstract Against the background of demographic change and the growing shortage of skilled labour in the German administrative district Mecklenburgische Seenplatte a reorientation of nursing processes steadily increase in significance. The Regional Planning Association Mecklenburgische Seenplatte is highly aware of this development. In 2008, a concept was developed and dedicated to this subject. The particular conditions of the Mecklenburgische Seenplatte -district are to be taken into account. A continuative aspect is the analysis of the given cost structure. Inpatient care is thereby to be favorised over outpatient treatment. The overall aim is to investigate whether the concept of the Regional Planning Association Mecklenburgische Seenplatte is, as reference, applicable to the perspectives of professional services for ambulatory care. The findings of the given concept of the Regional Planning Association Mecklenburgische Seenplatte highlight, that the financial burden of nursing processes can be reduced, but there is not shown any relevant information on possible perspectives for operating professional care in the outpatient sector. Therefore, opportunities for patient care services are specified and alignments for the future are demonstrated for the specific district level. III

4 INHALTSVERZEICHNIS ANHANGSVERZEICHNIS... VI 1. DER LANDKREIS MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE ZWISCHEN DEMOGRAPHISCHEN WANDEL, PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT UND PROFESSIONELL PFLEGENDE Der demographische Wandel Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Bevölkerung Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Pflegebedürftigkeit Auswirkungen des demographischen Wandels auf professionell Pflegende Professionell Pflegende Die Versorgungssektoren der Pflegebedürftigen DAS KONZEPT DES LANDKREISES MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE Hauptpfeiler der Pflegelandschaft Eckpfeiler der Pflegelandschaft Modellbetrachtungen der Kostenentwicklung THEORETISCHE KOSTENSENKUNG OHNE PERSPEKTIVE METHODISCHES VORGEHEN TÄTIGKEITSFELDER DER AMBULANTEN PFLEGE Angehörigenpflege Family Health Nursing Public Health Nursing Primary Nursing ANGEHÖRIGENPFLEGE, GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND PRÄVENTION, PRIMARY NURSING IV

5 QUELLENVERZEICHNIS V

6 Anhangsverzeichnis Anhang 1: Übersicht über die bei der Literaturrecherche erzielten Ergebnisse VI

7 1. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zwischen demographischen Wandel, Pflegebedürftigkeit und professionell Pflegende Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte liegt im Südosten Mecklenburg- Vorpommerns und ist der größte Landkreis der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesamtfläche beträgt 5469 km² laut REGIONALPORTAL MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE. 1 Die Bevölkerungszahl 2011 gemäß der STATISTISCHEN ÄMTER DES BUNDES UND DER LÄNDER betrug Einwohner. 2 Die Bevölkerungsdichte beträgt nach eigener Berechnung 49,5 Einwohner pro km². Der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE bezeichnet den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als ländlich-periphere Region. Der Landkreis ist gekennzeichnet durch eine große Entfernung zu Ballungsgebieten, einer wirtschaftlichen Strukturschwäche, eine geringe Bevölkerungs- und Siedlungsdichte und hohe Arbeitslosigkeit. Somit verlässt die junge und qualifizierte Bevölkerung den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Westdeutschland zu finden. Durch die Abwanderung der jungen und qualifizierten Bevölkerung und der zurückbleibenden Bevölkerung, die die Familienplanung abgeschlossen hat, ist die Sterberate größer als die Geburtenrate. Dadurch sinkt die Bevölkerungszahl und steigt der Altersquotient im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Hinzu kommt, dass immer mehr ältere Menschen ihren Wohnsitz in die Mecklenburgische Seenplatte verlagern, besonders im Rentenalter. Der Grund dafür ist, dass der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eine landschaftlich und touristisch attraktive Region ist. Die gestiegene Lebenserwartung und die daraus resultierend rückläufige Sterblichkeit führen zu einer Überalterung der Bevölkerung im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. 3 Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte prognostiziert das Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern. Die Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens 1 Regionalportal Mecklenburgische Seenplatte 2 Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S. 2f 1

8 steigt im Zeitraum 2008 bis 2030 von 81,4 auf 85,2 Jahre und für einen neugeborenen Jungen steigt von 74,6 auf 80,2 Jahre an. 4 Diese Entwicklung der Bevölkerung wird als demographischer Wandel bezeichnet. 1.1 Der demographische Wandel Unter dem Begriff Demographie verstehen WARMBRUNN/WIED die Beschreibung und statistische Aufbereitung von Daten über natürliche Bevölkerungsbewegungen (Geburten, Sterbefälle, Mobilitäts- und Wanderungsprozesse, Alters und Geschlechtsverteilungen, Eheschließungshäufigkeit u.a.). Als Datenquellen dienen meist amtliche Routinedatensammlungen (auch Volkszählungen), mit deren Hilfe strukturelle Veränderungen von Gesellschaften beobachtet und aufgezeigt werden können. 5 Diese strukturelle Veränderung von Gesellschaften wird bezeichnet als demographischer Wandel. Das BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT setzt den Begriff des demographischen Wandels in Deutschland gleich mit einer alternden Gesellschaft. Dahinter verbirgt sich eine steigende Lebenserwartung der Bevölkerung, eine positive Differenz zwischen Zu- und Abwanderungen in Deutschland und eine stabile Geburtenentwicklung bei einer niedrigen Geburtenrate. Die steigende Lebenserwartung und die niedrige Geburtenrate führen zu einem Rückgang der Bevölkerung, welche durch die Einwanderungen nicht kompensiert werden kann. 6 Gemäß dem BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT sind die steigende Lebenserwartung und die Zunahme der Hochbetagten auf die guten Lebensbedingungen, dem medizinisch-technischen Fortschritt und eine flächendeckende Infrastruktur von medizinischen, pflegerischen und rehabilitativen Einrichtungen zurückzuführen. 7 4 Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, Warmbrunn/Wied, 2012, S Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für Gesundheit,

9 Aus Sicht des Gesundheitswesens gibt es ein Finanzierungsproblem, welches durch den demographischen Wandel verursacht wird. Es stehen immer weniger erwerbstätige Beitragszahler, die in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen, einer steigenden Anzahl an älteren Menschen, die Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung beziehen, gegenüber, betont das BUNDESMINIS- TERIUM FÜR GESUNDHEIT Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Bevölkerung Die Bertelsmann Stiftung hat sich unter anderem mit dem demographischen Wandel auf Bundes-, Länder- und Kreisebene auseinandergesetzt, Modellrechnungen für einen Zeitraum von 2009 bis 2030 durchgeführt und einen Themenreport Pflege 2030 im Jahr 2012 veröffentlicht. In der statistischen Erhebung der Bertelsmann Stiftung wird der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte für das Jahr 2009 verwendet, obwohl der Landkreis erst seit der Kreisgebietsreform vom 4. September 2011 so genannt wird. Hierbei wurden die ehemaligen Landkreise Mecklenburg-Strelitz, Müritz und Demmin sowie die kreisfreie Stadt Neubrandenburg hinsichtlich der Erhebung untersucht. Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte prognostiziert die BERTELSMANN STIFTUNG ein Bevölkerungsrückgang im Zeitraum von 2009 bis 2030, um 19,8 Prozent. Die Bevölkerungszahl sinkt von auf Einwohner. Das Medianalter steigt im Zeitraum 2009 bis 2030 von 46,3 auf 57,3 Jahren an. Der Anteil der Bevölkerung im Zeitraum 2009 bis 2030 der 65 bis 79 Jährigen steigt von auf Einwohner sowie der ab 80 Jährigen von auf Einwohner. 9 Dies ist nach eigener Berechnung ein relativer Anstieg der 65 bis 79 Jährigen von 28,3 Prozent und der ab 80 Jährigen von 75,4 Prozent. 8 Bundesministerium für Gesundheit, Bertelsmann Stiftung, 2013a 3

10 1.3 Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Pflegebedürftigkeit Nach dem REGIONALEN PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE erhöht sich mit der steigenden Lebenserwartung die Wahrscheinlichkeit, dass die ältere Bevölkerung im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte auf pflegerische Dienstleistungen angewiesen ist und pflegebedürftig wird. 10 Gemäß der BERTELSMANN STIFTUNG steigt die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Zeitraum 2009 bis 2030 von auf Pflegebedürftige. 11 Dies ist nach eigener Berechnung ein relativer Anstieg der Pflegebedürftigkeit von 51,3%. Unter dem Begriff Pflegebedürftige versteht die BERTELSMANN STIFTUNG Personen, die im Sinne des SGB XI pflegebedürftig sind und entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, wie Pflegesachleistung und geld, Verhinderungspflege, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege und voll-stationäre Pflege Auswirkungen des demographischen Wandels auf professionell Pflegende Durch die steigende Lebenserwartung, die sinkenden Geburtenzahlen und die Abwanderung von jungen und qualifizierten Arbeitskräften kommt es im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zu einer Steigerung der Nachfrage an pflegerischen Dienstleistungen und zu einer Senkung an qualifizierten Pflegepersonal beziehungsweise für die Ausbildung zur Verfügung stehende Arbeitskräfte. Dies führt zu einem Mangel an Pflegepersonal. 10 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Bertelsmann Stiftung, 2013b 12 Bertelsmann Stiftung, 2012b, S. 20 4

11 Die BERTELSMANN STIFTUNG prognostiziert für das Jahr 2030, dass im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte insgesamt 2604 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen werden. 13 Der demographische Wandel ist nicht der Hauptgrund für den Pflegepersonalmangel, wie SÜNDERKAMP berichtet, denn es ist viel mehr die Unattraktivität des Berufes. Das Berufsbild ist gekennzeichnet von Schicht- sowie Wochenend- und Feiertagsarbeit. Hinzu kommen die geringe Wertschätzung und die schlechte Entlohnung für einen physisch und psychisch höchst anspruchsvollen Beruf. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zeigt, wie miserabel die Entlohnung ist. Des Weiteren wächst der ökonomische Druck auf das Pflegepersonal. Die Pflegekräfte stoßen bereits an ihre Grenzen und können nur das Pflegeverständnis realisieren, was ökonomisch machbar ist. Nicht realisierbar ist die Verbindung von pflegerisch-medizinischen Maßnahmen mit der zugewandten Fürsorge zum Menschen, was gute Pflege auszeichnet. 14 Dadurch wechselt das Pflegepersonal früher als andere Berufsgruppen den Beruf, wie HASSELHORN ET AL. anhand der NEXT Studie ermittelten. Insgesamt denken 18,5 Prozent von 3131 befragten Pflegekräften in Deutschland mehrmals im Monat über einen Berufsausstieg nach. 15 Bei der Bertelsmann Stiftung wird nicht deutlich, welche Berufsgruppen zum Pflegepersonal gehören. Es ist davon auszugehen, dass als Pflegepersonal die professionell Pflegenden bezeichnet werden. Deshalb wird im folgenden Abschnitt auf den Begriff professionelle Pflege und professionell Pflegende eingegangen. 1.5 Professionell Pflegende Der INTERNATIONAL COUNCIL OF NURSES, kurz ICN, hat eine Definition von Pflege veröffentlicht. Diese Definition wurde vom Deutschen Berufsverband für 13 Bertelsmann Stiftung, 2012a 14 Sünderkamp, 2011, S Hasselhorn et al., 2005, S

12 Pflegeberufe e.v., kurz DBfK, wie folgt übersetzt, Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung. 16 Des Weiteren verdeutlicht der ICN, dass unter Pflege die professionelle Pflege verstanden wird, die von Altenpfleger/-innen, Gesundheits- und Krankenpfleger/- innen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen durchgeführt wird. 17 ARETS ET AL. fügen noch hinzu, dass die Krankenpflegehelfer/-innen ebenfalls zu den professionell Pflegenden gehören. 18 Daher ist davon auszugehen, dass ebenfalls die Altenpflegehelfer/-innen zu den professionell Pflegenden gehören. Dabei zählen Krankenpflegehelfer/-innen und Altenpflegehelfer/-innen in einem Betrieb als Pflegekraft und die anderen genannten Berufsgruppen als Pflegefachkraft. Somit sind die Pflegekräfte den Pflegefachkräften unterstellt. SÜNDERKAMP fügt hinzu, dass die professionell Pflegenden für den Pflegebedürftigen ein unterstützendes Netzwerk aus Angehörigen aufbauen müssen, weil die professionelle Pflege die Angehörigenpflege nicht ersetzen soll, sondern nur unterstützen und ergänzen Deutscher Bundesverband für Pflegeberufe e.v. 17 Deutscher Bundesverband für Pflegeberufe e.v. 18 Arets et al., 1999, S Sünderkamp, 2011, S

13 Letzteres ist besonders entscheidend im Sektor ambulante Pflege im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, wenn nachfolgend betrachtet wird, wo hauptsächlich die Pflegebedürftigen betreut werden. 1.6 Die Versorgungssektoren der Pflegebedürftigen Der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE berichtet, dass die Mehrheit der älteren Bevölkerung im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte so lange wie möglich, in der eigenen Häuslichkeit verbleiben möchte, wo sie eigenverantwortlich leben können. Daher wird es als Pflicht angesehen diesen Anspruch gerecht zu werden. In der Vergangenheit haben hauptsächlich pflegende Angehörige die häusliche Pflege übernommen. Durch die Abwanderung und die beruflichen Verpflichtungen ist es vielen pflegenden Angehörigen nicht mehr möglich. Daher steigt die Nachfrage an pflegerischen Dienstleistungen. 20 Die Verteilung der Pflege auf die verschiedenen Sektoren vergleicht die BERTELS- MANN STIFTUNG ebenfalls im Zeitraum von 2009 und Die Versorgung der Pflegebedürftigen durch die ambulante Pflege steigt von 24,6 auf 26,2 Prozent, in der stationären Pflege von 25,7 auf 28,6 Prozent und in der Angehörigenpflege sinkt die Versorgung der Pflegebedürftigen von 49,1 auf 45,1 Prozent. 21 Werden die ambulante Pflege und die Angehörigenpflege zusammengefasst, ergibt sich im Jahr 2009 und im Jahr 2030 ein prozentualer Wert von 73,7 und 71,3. Das bedeutet, dass der Versorgungssektor ambulante Pflege fast dreiviertel der gesamten Pflege ausmachen. Die Angehörigenpflege wird mit zugezählt, weil Pflegebedürftige die Pflegegeld beziehen und von ihren Angehörigen gepflegt werden ein Beratungseinsatz nach 37.3 SGB XI zulassen müssen. Daher müssen die Rahmenbedingungen und das Leistungsangebot der ambulanten Pflege dementsprechend angepasst werden. 20 Regionaler Planungsverband, 2008, S Bertelsmann Stiftung, 2013b 7

14 Unter Betrachtung dieser Ausgangslage und der Prognose für das Jahr 2030 gilt es zu klären, ob der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ein geeignetes Konzept zur Verfügung stellt, dass die zukünftigen Herausforderungen bewältigen kann. 2. Das Konzept des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte Der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE geht von insgesamt sechs Herausforderungen aus, die es zu bewältigen gilt: Die Zahl der älteren und potenziell pflege- bzw. unterstützungsbedürftiger Bevölkerungsgruppen nimmt mit steigender Lebenserwartung zu. Parallel verringert sich die Zahl potenziell pflegender Familienangehöriger und damit auch die Möglichkeit zum langfristigen Erhalt der Pflege in der Häuslichkeit Viele Pflegebedürftige müssen zu früh (und auch gegen ihren Willen) professionelle stationäre Pflegeangebote in Anspruch nehmen Immer weniger Pflegebedürftige können die Kosten aus eigenem Einkommen/Vermögen tragen. Zugleich entstehen deutlich Engpässe bei der Gewährleistung qualitativ hochwertiger professioneller Pflege. Bei einer überwiegenden Überverantwortung der Pflege an privatwirtschaftliche Träger droht für die öffentliche Hand eine dramatische Kostenfalle (dies gilt sowohl für die stationäre als auch für die ambulante Pflege). Zugleich kann allein privatwirtschaftlich organisierte Pflege trotz allem Bemühen der Träger und des Pflegepersonals immer weniger ein Angebot gewährleisten, das den Menschen ein würdiges Altwerden ermöglicht. Es mangelt nicht zuletzt an einer kompetenten und neutralen Beratung, die ältere und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörigen frühzeitig über unterschiedliche Unterstützungsangebote informiert Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S. 6 8

15 2.1 Hauptpfeiler der Pflegelandschaft Gemäß dem REGIONALEN PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE soll diesen Herausforderungen mit der Bildung von regionalen Netzwerken entgegengewirkt werden. Mit Hilfe dieser regionalen Netzwerke soll die Pflege in der Häuslichkeit langfristig erhalten bleiben. Es sollen Interventionen erarbeitet werden, die eine präventive Pflegelandschaft mit einer Kombination von Beratungsleistungen und der Förderung ehrenamtlichen Einsatzes ausbilden sollen, um den älteren Menschen und ihren Angehörigen Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. 23 Somit soll die Nachfrage an professioneller Pflege und die Kosten dafür reduziert werden. Dafür müssen die Politik, die Verwaltung, die Kostenträger, die Verbände ein gemeinsames Ziel verfolgen unter solidarischen Einbezug der pflegebedürftigen Menschen. 24 Das regionale Pflegenetzwerk soll laut REGIONALEN PLANUNGSVERBAND MECK LENBURGISCHE SEENPLATTE zukünftig aus folgenden Akteuren bestehen: - Primäre Leistungserbringer, wie ambulante und stationäre Pflegeanbieter, Familienangehörige und ehrenamtliche Helfer - Regionalpolitische Partizipation, wie Fachausschüsse, kompetente Bürger, kommunale Seniorenbeauftragte - Wissenschaft und Best-Practice, wie Universitäten, Hochschulen, Pilotprojekte (Tele-Medizin, Modell Agnes, Community-Nurse) - Sekundäre Leistungserbringer, wie Haus- und Fachärzte, Rehabilitationseinrichtungen, Krankenhäuser, Apotheken, Sanitätshäuser - Sonstige Beteiligte, wie Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften, Familien- und Seniorenzentren, Mehrgenerationenhäuser - Kostenträger, wie Kranken- und Pflegekassen, kommunale Sozialleistungsträger Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S. 7 9

16 Im Mittelpunkt dieser Akteure befindet sich die trägerunabhängige Beratungsstelle, der Pflegstützpunkt. Der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBUR- GISCHE SEENPLATTE erläutert, dass die Pflegestützpunkte eine qualifizierte und unabhängige Informationsvermittlung für Pflegebedürftige und deren Angehörige gewährleisten sollen. Die Pflegestützpunkte sollen die Angebotstransparenz verbessern, die Kundensouveränität stärken und die häusliche Pflege sichern. Des Weiteren sollen die Pflegestützpunkte an zentralen Orten eingerichtet werden unter Berücksichtigung der Erreichbarkeit und der altersstrukturellen Bedingungen. Sie können auf die Unterstützungsangebote sowie die Fachkompetenz aller Träger zurückgreifen. In den Pflegestützpunkten sollen die Mitarbeiter/- innen als Casemanger/-innen fungieren und flexibel, individuell und bürgernah arbeiten, dies soll gewährleistet werden durch Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote. 26 Derzeit gibt es für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Demmin und in Neustrelitz Pflegestützpunkte, wie auf der Webseite Pflegestützpunkte Mecklenburg-Vorpommern zu entnehmen ist 27. Insgesamt sollen zwanzig Pflegestützpunkte flächendeckend aufgebaut werden entsprechend der Ausführung des REGIONALEN PLANUNGSVERBANDES MECK- LENBURGISCHE SEENPLATTE. 28 Bei der Betrachtung des Pflegestützpunktes in Neustrelitz ist zu sehen, dass der Pflegestützpunkt sich beim Landratsamt befindet. Das bedeutet am Rand von Neustrelitz und nicht zentral im Stadtgebiet gelegen, wo die Erreichbarkeit erschwert wird. Im Bereich Demmin ist der Pflegestützpunkt zentraler gelegen und es wird eine bessere Erreichbarkeit ermöglicht. Die Öffnungszeiten beschränken sich auf zwei Tage in der Woche, wobei eine Terminvereinbarung, auch in der Häuslichkeit möglich ist. Vor Ort befinden sich ein/eine Pflegeberater/-in und ein/eine Sozialarbeiter/-in. 26 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Pflegestützpunkte in Mecklenburg-Vorpommern 28 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S. 8 10

17 Dabei ist noch zu betrachten, dass Pflegeberatung im Sinne des Casemanagements keine qualifizierte und unabhängige Informationsvermittlung für Pflegebedürftige und deren Angehörige ist, wie der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECK- LENBURGISCHE SEENPLATTE darstellt, sondern KUHLMEY/SCHAEFFER betonen, dass es die Aufgabe der Casemanager/-innen ist, sich über den gesamten Verlauf von Pflegebedürftigkeit, Krankheit und Behinderung hinweg erstreckende Begleitung Pflegebedürftiger und die Sicherung einer dem individuellen edarf entsprechenden, lückenlosen und kontinuierlichen Versorgung gezielt und effizient eingesetzt und möglichst optimale Ergebnisse erzielt werden. Dabei müssen Grenzen von Organisationen und Professionen überschritten und enge Kooperationen mit allen an der Versorgung des jeweiligen Falls beteiligten Instanzen/Gesundheitsprofessionen hergestellt werden. 29 Fraglich ist, ob der Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte sich der wichtigen Rolle der Pflegestützpunkte bewusst ist. Anhand der Darstellung liegt eine differenzierte Vorstellung eines Pflegestützpunktes vor. Die Darstellung von Kuhlmey/Schaeffer ist spezialisierter und erfasst das breite Spektrum der Fähigkeiten, die vorhanden sein müssen. Eine Ansiedlung des Casemanagement bei einem ambulanten Pflegedienst ist wenig sinnvoll, außer es besteht ein Vertrag im Rahmen der integrierten Versorgung. Ohne einen Vertrag im Rahmen der integrierten Versorgung wäre die Angebotstransparenz und unabhängige Betreuung und Begleitung nicht gegeben. 2.2 Eckpfeiler der Pflegelandschaft Des Weiteren will der REGIONALEN PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE das Ehrenamt mit Hilfe von finanziellen und ideellen Anreizsystemen weiter fördern. Durch das Ehrenamt soll die Alltagsbewältigung unterstützt werden, auch mit niederschwelligen Hilfsmöglichkeiten. Die Förderung des Ehrenamtes muss unterstützt werden durch Sensibilisierung und Motivation. Es soll dargestellt werden als wichtige Ressource zum Erhalt und zur Verbes- 29 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S. 8; Kuhlmey/Schaeffer, 2008, S

18 serung der Lebenssituation von Hilfebedürftigen. Außerdem müssen Strategien entwickelt werden, wie das Ehrenamt eingebunden, unterstützt und qualifiziert werden kann. 30 Bei der Internetrecherche zum Thema Ehrenamt in der Pflege im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist aufgefallen, dass hauptsächlich das Ehrenamt im Bereich Hospiz auftritt. Für den Bereich Pflege findet sich nur das FAMILIENZENTRUM NEUSTRELITZ E.V., welche in diesem Bereich Öffentlichkeitsarbeit leistet. Mit dem Aufruf Kinder betreuen, Menschen vorlesen, eine Interessengruppe aufbauen, einem alten Menschen helfen, seinen Alltag bereichern 31 Mit diesem Aufruf sucht der Verein Bewerber für den freiwilligen Dienst. Das Projekt Vorlesepatenschaft, welches seit 2002 in der Trägerschaft des Vereins ist, bietet Freiwilligen die Möglichkeit in Alten- und Pflegeheimen den Menschen vorzulesen und ihren Alltag zu bereichern. 32 In der Sitzung des Kreistages der CDU-FRAKTION MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE am wurde sich mit dem Thema Den Weg für das Ehrenamt frei machen beschäftigt. Hier wurde sich ausgetauscht, wie das Ehrenamt attraktiver und mehr Freiwillige für gesellschaftlich wichtige Aufgaben gewonnen werden könnten. In der Sitzung ging es hauptsächlich, um die Stärkung der kommunalen Gefahrenabwehr und Brandschutz. Über den Bereich Pflege wurde nichts besprochen. 33 So kann zu dem Entschluss gekommen werden, dass es noch keine weiteren Entwicklungen gegeben hat, um das Ehrenamt in der Pflege zu etablieren. Eine weitere Intervention zur Umsetzung des Konzeptes des REGIONALEN PLANUNGSVERBANDES MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE ist die Schaffung integrierter Versorgungsangebote. Darunter wird die bessere Verzahnung medizinischer und pflegerisch-sozialer Betreuung verstanden, um Informations- 30 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Familienzentrum Neustrelitz e.v. 32 Familienzentrum Neustrelitz e.v. 33 CDU Fraktion Mecklenburgische Seenplatte,

19 verluste zu vermeiden und ein umfangreiches System sozialer Infrastrukturangebote in besiedlungsarmen Regionen zu sichern. Dabei soll das Modell Agnes analysiert werden und die Übertragbarkeit auf den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. 34 Bei der Analyse des Modells Agnes beziehungsweise Agnes zwei fällt auf, dass dieses Modell darauf aufbaut Haus-, Fachärzte und medizinische Versorgungszentren im ländlichen Raum zu unterstützen und zu entlasten gemäß der Arbeitsgemeinschaft INNOVATIVE GESUNDHEITSVERSORGUNG IN BRANDENBURG, kurz IGiB. 35 Als zentrale Tätigkeit einer sogenannten Agnes zwei Schwester beschreibt die IGIB das Fallmanagement. In enger und direkter Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten soll sie betreuungsintensive Patienten/-innen in einem bestimmten Zeitraum durch Hausbesuche unterstützen. Das Tätigkeitsfeld Fallmanagement beinhaltet das Überleitungsmanagement innerhalb der Sektoren des Gesundheitswesens und das Schnittstellemanagement zwischen den Ärzten und anderen Akteuren im Gesundheitswesen. Die Agnes zwei Schwester unterstützt die Ärzte bei der Koordination von Terminen, den Therapieprogrammen, kontrolliert die häusliche Pflege sowie die Medikation. Des Weiteren unterstützt sie die Angehörigen und vermittelt soziale Dienste. Die Agnes zwei Schwester entlastet die Ärzte von logistischem und bürokratischen Aufwand. Dadurch haben die Ärzte mehr Zeit zur Verfügung, um sich der medizinischen Diagnostik und Therapie zu widmen. Den Patienten/-innen ist somit eine verbesserte ärztliche Versorgung in den Praxen gewährleistet. Durch die Agnes zwei Schwester wird den Patienten/-innen zusätzlich für die Häuslichkeit eine kompetente und qualifizierte Person zur Verfügung gestellt, die sie durch das komplexe medizinische Versorgungssystem begleitet und unterstützt. Somit ist die medizinische Versorgung gesichert und die Qualität der Versorgung steigt Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg, 2012, S Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg, 2012, S. 2 13

20 Das Modell Agnes zwei dient der ambulant medizinischen Versorgung der Patienten/-innen. Das bedeutet, dass es der ärztlichen Entlastung in ländlichen Regionen dient und ein Anreizsystem darstellt, damit sich neue und jüngere Ärzte in ländlichen Regionen niederlassen. Das Pflegepersonal ist weiterhin der ärztlichen Delegation unterstellt und hat keine Handlungsautonomie. Das Modell dient nicht als Möglichkeit der Verbesserung der ambulant pflegerischen Versorgung. Der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE stellt im Konzept als weitere Intervention die Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufes vor. Diese Attraktivitätssteigerung soll mit Hilfe von Anreizsystemen geschaffen werden, die nicht allein als kommunale Aufgabe gesehen wird, sondern als gesamtstaatliche Aufgabe. 37 Des Weiteren ist sich der REGIONALE PLANUNGSVERBAND MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE bewusst, dass die professionelle Pflege eine größere Bedeutung erhalten muss. Das Berufsbild ist mit hoher physischer und psychischer Belastung verbunden, bei geringer Entlohnung sowie Anerkennung in der Gesellschaft. Dieser Attraktivitätsverlust verbunden mit einer ländlich-peripheren und strukturschwachen Region führt letztendlich zu einem zu erwartendem Fachkräftemangel. 38 Aus diesem Grund wurde am 07. September 2011 landesweit ein Aktionstag Berufswahl Pflege Deine Chance in MV gestartet. Das MINISTERIUM FÜR AR- BEIT, GLEICHSTELLUNG UND SOZIALES MECKLENBURG VORPOMMERN wollte mit diesem Tag für die Berufe in der Pflege werben. An diesem Aktionstag waren Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen sowie die Kommunen beteiligt. Es wurden Einblicke in das Berufsbild Pflege gegeben. Außerdem wurde dargestellt, dass Pflegeberufe einen sicheren Berufseinstieg ermöglichen und gute Aussichten bestehen für eine Übernahme nach der Ausbildung in einen sicheren Arbeitsplatz sowie Aufstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Mit diesem Aktionstag sollte 37 Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, 2008, S

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