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1 Regionales Entwicklungskonzept Entdeckungen im für das Wittelsbacher Land Wittelsbacher Land LEADER IN ELER (2007 Kirchen, 2013) Städte, Schlösser, Museen und Natur Östlich von Augsburg liegt der Landkreis Aichach-Friedberg, das Wittelsbacher Land. Rund um die Stammburg der Wittelsbacher findet man altbaierische Kultur in den malerischen Städten Aichach und Friedberg, barocke Wallfahrtskirchen, ländliche Schlösser, Museen und ursprüngliche Natur. Ausführliche Informationen:, c/o Landratsamt Aichach-Friedberg Münchner Straße 9, Aichach, Tel /92-259, Fax 08251/ Regionales Entwicklungskonzept REK

2 REK: Eingang Datum: Name der LAG: LAG Rechtsform: Eingetragener Verein Anschrift der LAG: Münchener Str Aichach Telefon: Fax: Web: Teilnahme an LEADER II Erstmalige Teilnahme an Leader LEADER+ Ansprechpartner für REK: Geschäftsführung c/o Landratsamt Aichach-Friedberg Name: Däubler Vorname: Peter Anschrift: Straße: Münchener Str. 9 PLZ: Ort: Aichach Telefonnummer: Fax: :

3 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Zusammenfassung des Regionalen Entwicklungskonzeptes Mit der Fortschreibung des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) für das Wittelsbacher Land möchte der Landkreis Aichach-Friedberg am nachhaltigen Entwicklungsprozess der letzten Jahre anknüpfen und die weiteren Ziele für die Region festlegen. Öffentliche Fördermittel können, so hat es die Vergangenheit gezeigt, die Entwicklung befördern, anstoßen und auf begrenzte Zeit erleichtern. Aus diesem Grund hat sich der Verein entschlossen, sich mit der Gebietskulisse Landkreis Aichach- Friedberg für LEADER in ELER zu bewerben. Im vorliegenden Regionalen Entwicklungskonzept werden die Ergebnisse der Stärken-Schwächen-Analyse, der Evaluierung, der Zukunftswerkstatt vom Juli 2006 und der darauf tagenden Arbeitskreise zusammengefasst und so festgeschrieben, dass sich eine ganzheitliche, auf Netzwerke, Partnerschaften und Kooperationen ausgerichtete Entwicklungsstrategie für die Region ergibt. In den Arbeitskreisen Tourismus, Kultur, Energie und Umwelt, Gemeindeleben und Soziales, Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie Regionale Produkte wurden Projekte erdacht, diskutiert und entwickelt, die alle darauf abzielen, den Landkreis im Wettbewerb mit vergleichbaren Regionen und unter Berücksichtigung der vorhandenen endogenen Potenziale, konkurrenzfähig zu machen. Sowohl die Evaluierung als auch die Stärken-Schwächen-Analyse haben gezeigt, dass sich der Landkreis auf einem guten Weg befindet und erste Erfolge, gerade in den Bereichen Tourismus, Regionale Produkte (Spezialitätenwirte, Hoflädenkonzept) und Kultur, zu verzeichnen sind. Es hat sich aber auch gezeigt, dass durchaus noch Defizite, beispielsweise in den Bereichen Energie und Umwelt sowie Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung, vorhanden sind. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, die durch LEADER II und LEADERplus begonnene Entwicklung aktiv weiter zu führen und zu intensivieren. Neben den sektoralen Defiziten zieht sich nach wie vor die Tatsache, dass es den Landkreisbürgern an Identität und Identifikation mit ihrer Region fehlt, wie ein roter Faden durch das gesamte Regionalentwicklungskonzept. Der Landkreis Aichach-Friedberg entstand 1972 im Zuge der Gebietsreform und Teile Altbaierns und Schwabens wurden zu einem Bindestrich-Landkreis zusammengeführt, der bis heute darum kämpft, eine gemeinsame Identität herzustellen. Mit Programmen wie LEADER II und LEADERplus konnten Ansätze entwickelt werden, die geeignet sind, dieses Problem offensiv anzugehen und zu lösen. Der Regionalentwicklungsprozess begann mit der Zugehörigkeit des Landkreises zu den so genannten 5b-Gebieten (bis 1999). Im Verlauf dieser Förderperiode hat sich der Kreis in Zusammenarbeit mit der Regierung von Schwaben und dem Amt für Landwirtschaft und Forsten Friedberg entschlossen, sein Konzept im LEADER-II-Programm einzureichen. Im Dezember 1999 fand die Gründungsversammlung für den statt, I

4 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land der mit 63 Mitgliedern startete und inzwischen über 175 Mitgliedschaften verbuchen kann. Die Rechtsform des eingetragenen Vereins für die LAG Wittelsbacher Land hat sich bewährt. Die Konstellation des Vorstands zielt auf eine breite Beteiligung aller Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen ab. Eine Mitarbeit aller Landkreisbürger ist über die verschiedenen Arbeitskreise möglich und wird über entsprechende Pressearbeit forciert. Die in der Satzung geregelten Ziele und Aufgaben des Vereins vereinen sich unter dem Dach des Vereinsmottos und dem Leitbild, das auf sechs Säulen ruht: Leitsatz: Wittelsbacher Land l(i)ebenswert und modern Schaffen von Landkreis- Identität Entwickeln lokaler und regionaler Zusammenarbeit Rückbesinnen auf Traditionen und offen sein für neue Formen des kulturellen Lebens, Freizeit & Erholung Verbessern der Qualität verschiedener Verkehrsangebote Stärken d. Gebiets durch Erhaltung bodenständiger Gastronomie & Schaffung günstiger Voraussetzungen zur Ansiedlung von Handel & Gewerbe Verbessern der bunten Nutzungsmischung in Land- & Forstwirtschaft als Grundlage für Erhaltung und Entwicklung von Natur und Landschaft Für die aktuelle Fortschreibung des REK haben sowohl die Stärken-Schwächen-Analyse 2006 als auch die Zukunftswerkstatt vom Juli 2006 mit ihren Ergebnissen gezeigt, dass die Defizite z. B. im Bereich Tourismus beim Ausbau der Infrastruktur und bei der Qualität der Angebote zu suchen sind. Im Handlungsfeld Kultur fehlen u. a. die Netzwerke und es mangelt an einer eigenen kulturellen Identität. Die ausbaubedürftige Vernetzung und kommunale Beteiligung sind im Bereich Energie und Umwelt ein Problem und bei der Aktiven Landschafts- und Siedlungsentwicklung besteht akut ein großer Handlungsbedarf. Exemplarisch sei hier auf die vielen innerörtlichen Leerstände, bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft mit allen seinen Folgen, hingewiesen. Die Entwicklungsstrategie für das Wittelsbacher Land baut deshalb auf seinem endogenen Potenzial und seinen natürlichen, kulturellen und sozio-ökonomischen Ressourcen auf. Dabei hat sich der touristische Ansatz bei der strategischen Entwicklung als Schwerpunkt herausgebildet. Die Weiterarbeit an einem ganzheitlichen und umweltverträglichen Tourismuskonzept, in das sowohl die Kulturschaffenden, die Landwirte sowie die Unternehmer eingebunden werden, ist für die Verantwortlichen der Weg, der Ziel führend sein wird. Die gesamte Entwicklungsstrategie für das Wittelsbacher Land fußt darauf, dass sämtliche Maßnahmen unter den Aspekten der Ressourcenschonung und des Umweltschutzes ange- II

5 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land legt sind. Jedes einzelne vorgelegte Projekt, muss sich an diesen Vorgaben orientieren und sich der eingehenden Prüfung unterziehen. Diese nachhaltige Regionalentwicklung setzt eine hohe Querschnittsorientierung voraus. Deshalb werden im Wittelsbacher Land, auch im Lichte der fehlenden Landkreisidentität, die Vernetzung und die aktive Kommunikation zwischen allen Akteuren sowie die regelmäßige Information gefördert und priorisiert. Sämtliche Projekte werden auf mögliche Schnittstellen mit anderen Handlungsfeldern hin überprüft, um so den ökonomischen und ökologischen Nutzen für die Region zu maximieren, weil nur so eine langfristige, nachhaltige Entwicklung für den Raum zu erreichen ist. Über den Nachhaltigkeitsbericht für den Landkreis Aichach-Friedberg wird eine permanente Evaluation aller Aktivitäten im Landkreis unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes gewährleistet. Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung in Krumbach hinsichtlich Dorferneuerung und Flurneuordnung ist ebenfalls im REK festgeschrieben. Lokale, nationale und transnationale Kooperationen haben einen immer höheren Stellenwert innerhalb der Regionalentwicklung. Projekte wie der Transnationale Jakobsweg, der Oxenweg oder die Landkreis übergreifende Zusammenarbeit im Bereich Wander- und Radwegekonzept sind nur einzelne Beispiele dafür wie der Landkreis versucht, sich mit anderen Regionen sinnvoll zu vernetzen. Die geplanten Projekte im fortgeschriebenen Regionalentwicklungskonzept für die LAG Wittelsbacher Land kommen aus den Handlungsfeldern Tourismus, Kultur, Energie und Umwelt, Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung, Gemeindeleben und Soziales sowie Regionale Produkte und Dienstleistungen und zudem aus dem Bereich Regionalmanagement, einschließlich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der LAG (siehe Anlage 2). Die Kernbereiche sind dabei wie schon in der Ausgangslage beschrieben die Handlungsfelder Tourismus, Kultur und Energie und Umwelt während die Felder Gemeindeleben und Soziales und Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung zu den Zukunftsbereichen zu zählen sind. Folgende Projekte sind in den einzelnen Handlungsfeldern geplant: Tourismus: Projekte im Bereich Tourismus und Ergänzung der bestehenden Strukturen Projekttitel Priorität Museum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg 1 Geschichtspfad Unter- und Oberwittelsbach 2 Pilgerwege im Wittelsbacher Land 3 Grubet die Geschichte des Eisens 4 Schlossführungen im Wittelsbacher Land 6 Naturerlebnispfad Weichenberg 7 Perlenkette Wittelsbacher Land 8 Naherholungsgebiet Dasinger Paaraue 9 III

6 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Projekte zur Förderung des Übernachtungstourismus Projekttitel Priorität Schaffung von Zeltmöglichkeiten 5 Steigerung des Bettenangebots durch innovative Maßnahmen 10 Kooperationsplattform Tourismus 11 Touristische Projekte innerhalb nationaler und transnationaler Kooperationen Projekttitel Priorität Europäische Kultur- und Handelswege (Oxenweg), transnational 1 Europäische Jakobswege, transnational 2 Innovationen für Rad- und Wanderwegkonzepte 3 Gemeinsames radtouristisches Konzept 4 Wanderreiten 5 Schlacht auf dem Lechfeld 6 Qualifizierung von Gästebegleitern 7 Bootswandern auf der Paar 8 Bayerischer Hiasl 9 Dokumentation der erdgeschichtlichen Entwicklung des Donaumooses 10 Kultur: Projekttitel Priorität Weiterentwicklung der Kulturdatenbank 1 Druckoffizin der Kunstpension Blumenthal 2 Kunstausstellung Wittelsbacher Land 3 Virtuelles Wittelsbacher Land 4 Mini-HeimatXpert 5 Einrichtung eines Ausstellungs- und Veranstaltungsraums im Wittelsbacher Schloss Friedberg 6 Gesamtkonzept der Büchereien in Aichach 7 Nutzungskonzepte für erhaltenswerte historische Bausubstanz 8 Deutschherren-Orte im Wittelsbacher Land 9 Dokumentation der Schlösser und Burgen im Wittelsbacher Land 10 Hofmarkmuseum 11 Kulturelle Kooperation mit dem Donaumoos (nationales Kooperationsprojekt) 12 Energie und Umwelt: Projekttitel Priorität Energetische Modernisierung von Gebäuden 1 Musterprojekt Vom öffentlichen Altbau zum Passivhaus 2 Funktionsanalyse Erneuerbare Energien 3 Der energieoptimierte Bebauungsplan 4 Musterprojekt Erstes öffentliches Nichtwohngebäude im Passivhausstandard im Landkreis Aichach-Friedberg 5 Energielehrpfad im Wittelsbacher Land 6 Pflanzenöl im Wittelsbacher Land 7 IV

7 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung: Projekttitel Priorität Kulturspuren 1 Weitblicke ins Land 2 Aichacher Stadtgarten/Paartal 3 Netzwerk 4 Rundweg/Eisbachtal 5 Naturerfahrung mit und für Kinder 6 Naturschätze 7 Heimatstube Baindlkirch (Siedlungsentwicklung) 8 Landschaftsfilm über das Wittelsbacher Land 9 Burggraben Stunzberg 10 Neue Nutzung für alte Bauten (Siedlungsentwicklung) 11 Mühlenumwege 12 Dorfmittelpunkte Hollenbach (Siedlungsentwicklung/Dorferneuerung) 13 Hollenbacher Dorfwirtschaft (Siedlungsentwicklung/Dorferneuerung) 14 Gemeindeleben und Soziales: Projekttitel Priorität Mitanand und Füranand im Wittelsbacher Land, mit dem ein Netzwerk bürgerschaftlichen Engagements geschaffen werden soll 1 Platz für Alt und Jung in Hollenbach (Dorferneuerung) 2 Mehrgenerationenhaus/-netzwerk Kissing 3 Regionale Produkte und Dienstleistungen: Projekttitel Priorität Gesunde Ernährung durch regionale Produkte 1 Eventgastronomie 2 Programm Kulinarische Reise 3 Förderung innovativer Produkte und Dienstleistungen durch einen Wettbewerb 4 Wochenmarkt Aichach 5 Kooperation der Hofläden 6 Hinzu kommt ein Projekt aus der Querschnittsaufgabe Regionalmanagement einschließlich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie das Kooperationsprojekt Kompetenznetzwerk Regionalmanagements in Bayern. V

8 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Der Finanzierungsplan des Regionalen Entwicklungskonzepts für das Wittelsbacher Land gestaltet sich folgendermaßen: Handlungsfelder Gesamtkosten Förderfähige Kosten Fördermittel nach Leader Sonstige öffentliche Mittel Private Mittel HF Tourismus HF Kultur HF Energie und Umwelt HF Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung HF Gemeindeleben und Soziales HF Regionale Produkte überregionale Kooperationen transnationale Kooperationen LAG-Management (einschl. Öffentlichkeitsarbeit) Gesamtsumme VI

9 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Inhaltsverzeichnis 0 Evaluierung Abgrenzung und Lage des Gebietes Ausgangslage Naturräumliche Gliederung Sozio-ökonomische Struktur und Demografie Wirtschaftliche Struktur/Land- und Forstwirtschaft Kultur und Soziales Bisherige Aktivitäten Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT) Lokale Aktionsgruppe Chronologische Entwicklung des LEADER-Prozesses im Wittelsbacher Land Organisationsstruktur der LAG Zusammensetzung Zusammenfassung Leitbilder und Zielvorstellungen Entwicklungsstrategien und Handlungsfelder Handlungsfeld Tourismus Handlungsfeld Kultur Handlungsfeld Energie und Umwelt Handlungsfeld Aktive Landschafts- und Siedlungsentwicklung Handlungsfeld Gemeindeleben und Soziales Handlungsfeld Regionale Produkte und Dienstleistungen Querschnittsaufgaben: Öffentlichkeitsarbeit der LAG und Regionalmanagement 47 7 Umsetzung von Hauptmaßnahmen

10 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land 8 Umweltschutz und Nachhaltigkeit Geplante Zusammenarbeit zwischen ländlichen Gebieten Projektplanungsübersicht und Projektauswahlkriterien Projektplanungs- und Finanzierungsübersicht Kriterien für die Auswahl der LEADER-Projekte durch die LAG Anlagen: Anlage 0a Evaluierungsbericht Anlage 0b Evaluierungsbogen Anlage 0c Grafische Auswertung der Befragung Anlage 0d Beschluss zum Evaluierungsbericht (Vorstandssitzung vom ) Anlage 1 Statistische Grunddaten zur Beschreibung der Ausgangslage Anlage 2 Projektplanungsübersicht Anlage 3a Einzelprojektbeschreibungen Entwicklungsstrategien Anlage 3b Einzelprojektbeschreibungen Zusammenarbeit Anlage 4 Finanzierungsplan Anlage 5 Absichtserklärungen für Kooperationsprojekte Anlage 6 Konzept transnationales Projekt Jakobsweg Anlage 7 Hauptmaßnahmen Bestätigung des Amtes für ländliche Entwicklung Anlage 8 Maßnahmenliste des Landschaftspflegeverbands Aichach-Friedberg Anlage 9 Dokumentation der Zukunftswerkstatt im Juli 2006 Anlage 10 Pressespiegel 2006 Anlage 11 Satzung des Anlage 12 Mitgliederliste des Anlage 13 Werkvertrag mit Frau Schweiger-Wilhelm zur REK-Erstellung Anlage 14 Arbeitskreistreffen zur Vorbereitung des REK 2

11 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land 0 Evaluierung Die Evaluierung der Arbeit der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) wurde in drei Schritten (Fragebogen, Workshop Zukunftswerkstatt und qualitative Leitfadeninterviews mit den Projektträgern) durchgeführt. Bedingt durch den Umstand, dass der Landkreis Aichach-Friedberg 1972 als künstliche Verwaltungseinheit geschaffen wurde, identifizieren sich bis heute viele Bürgerinnen und Bürger nicht mit dem Bindestrichlandkreis. Die LAG hat als Klammer das Wirken der Wittelsbacher in den Mittelpunkt gestellt. Im Norden des Landkreises stand im heutigen Aichacher Stadtteil Oberwittelsbach die Stammburg des Herrschergeschlechts und im Süden des Landkreises repräsentiert u. a. das Friedberger Schloss die Aktivitäten des Adelshauses. Ein Hauptziel der LAG ist, die Identität der Landkreisbewohner mit ihrem Lebensraum zu initiieren und zu stärken, weil es erst dann möglich ist, gemeinsam eine nachhaltige, Ziel führende Regionalentwicklung auf tragende Fundamente zu stellen. Die Entwicklungsziele im Landkreis sind bis heute: Initiierung regionaler Wirtschaftskreisläufe, Verstärkte Regionalvermarktung mit Berücksichtigung der Dienstleister, Entwicklung eines Logos und einer Corporate Identity, Entwicklung eines Qualitätssiegels, Stärkung des Tourismus, der Gastronomie und des Beherbergungsgewerbes, Förderung kleiner Unternehmen, Förderung regenerativer Energien, Natur-, Landschafts, und Umweltschutz, Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich Umweltbildung, Verbraucheraufklärung und Bewusstseinsbildung für die Nahversorgung, Schaffung von Identifikation und Heimatbewusstsein, Kulturpflege, Einbindung der Jugend und Zusammenarbeit mit Partnerregionen. Die Evaluierungsergebnisse zeigen, dass im Landkreis durch LEADER ein positiver Entwicklungsprozess in Gang kam. Eine hohe Bürgerbeteiligung, positive Präsenz in den Medien, ein stetig steigender Vernetzungsgrad zwischen Politik, Wirtschaft- und Sozialpartnern sowie auf Projektebene gut funktionierende lokale, interkommunale und transnationale Kooperationen machen den Mehrwert von LEADER sichtbar. Um den Entwicklungsprozess auch in Zukunft positiv gestalten zu können zu können, ist es nötig, noch stärker themenübergreifend zu arbeiten und sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, die sich aus der Stärken-Schwächen-Analyse ergeben. Als Konsequenz daraus wurde bereits die bestehende Palette von Handlungsfeldern in der Fortschreibung des Regionalentwicklungskonzeptes um die Themen Aktive Landschaftsund Siedlungsentwicklung, Gemeindeleben und Soziales und um die Projektgruppe Regionale Produkte erweitert. Der Arbeitskreis Jugend ruht derzeit, die relevanten Themen daraus wurden in die anderen Handlungsfelder integriert. 3

12 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land 1 Abgrenzung und Lage des Gebietes Der Landkreis Aichach-Friedberg entstand im Zuge der Gebietsreform in Bayern 1972 aus Großteilen der bisherigen Landkreise Aichach und Friedberg sowie aus Einzelgemeinden der damals bestehenden Landkreise Fürstenfeldbruck, Neuburg an der Donau und Schrobenhausen. Im Jahr 1994 hat sich die Gemeinde Baar dem Landkreis angeschlossen. Das Landkreisgebiet ist keine historisch gewachsene Region, sondern eine künstlich geschaffene Verwaltungseinheit. Geographisch gesehen liegt der Landkreis im östlichsten Teil des Regierungsbezirks Schwaben und grenzt an die schwäbischen Landkreise Augsburg und Donau-Ries. Die kreisfreie Stadt Augsburg liegt an der Westgrenze des Landkreises. Gemeinsame Grenzen gibt es mit den fünf oberbayerischen Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm, Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg am Lech (vgl. Karte 1). Innerhalb des Gebietes der LAG gibt es keine kreisfreie Stadt. Die Bevölkerung ist überwiegend bayerischen Ursprungs, weshalb der Kreis auch als der altbaierische Landkreis in Schwaben bezeichnet wird. Die unterschiedlichen Mentalitäten im eher schwäbisch geprägten Süden des Kreises und die altbaierischen Teile im Norden werden immer wieder als trennend empfunden und es ist genuine Aufgabe der regionalen Entwicklung dieser starken Zweiteilung entgegen zu wirken. Gerade in einer Zeit der sich auflösenden Grenzen, einer Periode der zunehmenden Mobilität und Flexibilität ist es nötig, ganz besonders auch die Grenzen in den Köpfen, zu überwinden, um zu einer Region zusammenzuwachsen, in der die heterogenen Strukturen voneinander profitieren, in dem sie ohne ihre Wurzeln zu verleugnen - ihr kreatives Potenzial gemeinsam nützen. Auf einer Fläche von 780,52 km² leben Einwohner (Stand: ), was einer Bevölkerungsdichte von 163 Einwohnern pro km² entspricht. Das Zielgebiet, die Fläche des gesamten Landkreises Aichach-Friedberg, ist Gebietskulisse für LEADER in ELER. Im Bereich des gibt es keine Teilgebiete, die gleichzeitig Mitglied in mehreren Lokalen Aktionsgruppen sind. Hinsichtlich der Abgrenzung des Raumes für die LAG hat sich keine Änderung gegenüber der Gebietskulisse in LEADERplus ergeben. Das Landkreisgebiet ist in sich kohärent und hervorragend dazu geeignet, eine einheitliche Entwicklungsstrategie umzusetzen. Die Problematik, dass es sich bei der Gebietskulisse um keine gewachsene Region handelt, sondern um eine willkürlich geschaffene Verwaltungseinheit, zieht sich wie ein roter Faden durch die Entwicklungsstrategie des Landkreises. Es wurde daher der gesamte Landkreis Aichach-Friedberg zur Gebietskulisse für das 4

13 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land LEADER-Programm erklärt und diese Entscheidung auch in 3 Abs. 2 der Vereinssatzung manifestiert (vgl. Anlage 11). Aus Gründen der bereits erwähnten mangelnden Identifikation können einzelne Teilbereiche des Gebiets nicht von der Gebietskulisse für LEADERplus herausgelöst werden. Dies würde der Legitimation der Bewegung Wittelsbacher Land bei der Bevölkerung und bei den politischen Entscheidungsträgern irreparablen Schaden zufügen und damit das gesamte Projekt gefährden, das erst durch den LEADER-Prozess (LEADER II und LEADERplus) seit 1995 in Gang gekommen ist. Die Mitgliederstruktur zeigt deutlich, dass der komplette Landkreis an den Planungen der regionalen Entwicklung interessiert und auch beteiligt ist. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Tatsache, dass alle 24 Gemeinden des Landkreises Mitglied im sind. Im Zielgebiet gibt es kein ILEK und es beabsichtigt zum momentanen Zeitpunkt auch keine Landkreisgemeinde ein ILEK zu erarbeiten. Quelle: eigener Entwurf 5

14 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land 2 Ausgangslage 2.1 Naturräumliche Gliederung Das Wittelsbacher Land wird insgesamt zum Donau-Isar-Hügelland gerechnet, das erdgeschichtlich in der jüngeren Tertiärzeit, also vor etwa 15 Millionen Jahren, gebildet wurde. Der Westen der Region ist vom Lech geprägt, der in seinem Verlauf die Aindlinger Terrassentreppe formte, die stufenartig zur Lechebene abfällt. Die Lechebene besteht im Untergrund aus Schotter und bildete eine weitgehend bewaldete Auenlandschaft aus, die häufig durch Hochwasser überschwemmt wurde. Flussregulierung und Verbauung haben diese Gefahr beseitigt, brachten jedoch starke Veränderungen im Grundwasserstand mit sich und daraus resultierend eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Dem Auwald wurden durch den sinkenden Grundwasserspiegel und die fehlenden Überflutungen die Existenzbedingungen entzogen und er musste kultivierten Acker- und Wiesenflächen weichen. Die hohe Qualität der Lößböden, vor allem im südlichen Landkreisgebiet, ist hervorragend für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Ausgedehnte Waldgebiete finden sich im Süden, entlang der Linie Augsburg-Friedberg, die als Naherholungsgebiete begehrt und beliebt sind und teilweise unter Natur- bzw. Landschaftsschutz stehen. Am Ostrand der Lechebene entlang fließt die Friedberger Ach. Bedeutendster Fluss des Landkreisgebietes ist die Paar, deren besonderes Potenzial sich vor allem in der naturnahen Flusslandschaft im Gebiet des tertiären Hügellands offenbart. Im Nordosten hat das Wittelsbacher Land im Bereich von Pöttmes einen rund achtprozentigen Flächenanteil am Donaumoos, dem größten Niedermoor in Süddeutschland. 2.2 Sozio-ökonomische Struktur und Demografie Die naturräumliche Gliederung wirkt sich deutlich auf die Siedlungsstruktur im Wittelsbacher Land aus. Die Siedlungsschwerpunkte im Landkreis, nicht nur nach Lesart der Regionalplanung, liegen im Talbereich der Lechleite. Innerhalb dieser Achse leben über 50 % der Bevölkerung. Die Kommunen in diesem Teil des Kreises zählen weitgehend zum Verdichtungsraum des Oberzentrums Augsburg und orientieren sich in ihrer Entwicklung in hohem Maße auch daran. Dieser Tatsache wird in der Regionalplanung (vgl. Regionalplan der Planungsregion 9) Rechnung getragen. Im Regionalplan werden die Gemeinden Aindling, Todtenweis, Petersdorf, Rehling, Affing, Dasing, Adelzhausen und Eurasburg dem Verdichtungsraum Augsburg zugerechnet. Die Stadt Friedberg und die Gemeinde Kissing gehören sogar zur engeren Verdichtungszone der Großstadt. Kissing wird dabei als Siedlungsschwerpunkt ausgewiesen. 6

15 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Zwischen Augsburg und seinem Umland waren in den letzten Jahren starke Wanderungsbewegungen zu verzeichnen. Der Landkreis Aichach-Friedberg wurde als Wohnort, begründet durch niedrigere Grundstückspreise als in der Großstadt, gerade auch für junge Familien mit Kindern attraktiv. Diese Entwicklung führte zu einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahlen, besonders in dieser Kohorte. Bedingt durch die Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz kommt es jedoch zu einem erhöhten Verkehrs- und Pendleraufkommen zwischen dem Oberzentrum Augsburg und seinem Verflechtungsbereich, dem der Landkreis Aichach-Friedberg zugerechnet wird. Profitieren von diesem Trend können vor allem die städtischen Zentren Aichach und Friedberg mit ihren jeweils dazugehörigen Gemeindeteilen, in denen verstärkt Baugebiete ausgewiesen wurden. Als historische Gemeinsamkeit für die beiden Teilräume Aichach und Friedberg gilt das Wirken des bayerischen Herrschergeschlechts der Wittelsbacher, deren Stammburg im Aichacher Stadtteil Oberwittelsbach stand. Die Gründung der Stadt und des Schlosses Friedberg gehen ebenfalls auf die Wittelsbacher zurück. Diese gemeinsamen historischen Wurzeln sind der Nenner, auf den sich die Vertreterinnen und Vertreter des nördlichen und südlichen Landkreisgebietes verständigt haben. Die Auswahl des Namens Wittelsbacher Land für die Lokale Aktionsgruppe ist der Versuch und das Bestreben die Bewohnerinnen und Bewohner der so genannten künstlichen Verwaltungseinheit Aichach-Friedberg in ihrer Identität zu stärken und ein Zusammenwachsen zu fördern und zu intensivieren. Die Identifikation mit der Bezeichnung Wittelsbacher Land für den Landkreis Aichach-Friedberg hat inzwischen ein anderes Niveau erreicht. Bedenkt man, dass im Jahr 1998 zu Beginn der Planungen für eine regionale Entwicklung im Rahmen der 5b-Förderung noch überhaupt keine Vorstellungen und Visionen für ein Wittelsbacher Land vorhanden waren, ist der Begriff heute weitgehend akzeptiert und vor allem auch öffentlich präsent und wirksam. Diese Tatsachen sollen allerdings nicht davon ablenken, dass eine letztendliche Verankerung und Durchdringung bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Landkreises immer noch fehlt. Gemeinsame Identifikationsmomente werden vor allem über gemeinsame Projekte und über die Einbindung der Bevölkerung (Bottom-up-Prozess) initiiert. Die Problematik der fehlenden Identität zieht sich wie ein roter Faden durch das Wittelsbacher Land. Wie bereits angeführt hat die Zwangsehe der ehemaligen Landkreise Aichach und Friedberg in der Bevölkerung keine positive Resonanz gefunden. Die Menschen orientieren sich nach wie vor mental an ihrer Herkunft und können häufig noch keinen Bezug zum Gesamtlandkreis bzw. zum Wittelsbacher Land herstellen. Eine weitere Problematik ergibt sich aus der Tatsache, dass viele Arbeitnehmer mit ihren Familien München aus wirtschaftlichen Gründen (Mietpreise, höhere Lebenshaltungskosten, mangelnde Kinder- 7

16 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land gartenplätze um nur ein paar Beispiele anzuführen) verlassen und gerne auf die Achse München-Augsburg ausweichen. Betroffen von diesem Trend sind vor allem die Gemeinden Mering, Kissing und Merching sowie die Stadt Friedberg mit ihren Ortsteilen. So positiv sich die wachsenden Einwohnerzahlen auf die Entwicklung dieses Bereichs auswirken, so schwer wiegt die berühmte Kehrseite der Medaille, was in diesem Fall bedeutet, dass die Gemeinden vor der großen Aufgabe stehen, die Neubürgerinnen und Neubürger entsprechend in das öffentliche und kulturelle Leben zu integrieren, um sich selbst nicht zu Schlafstädten bzw. dörfern zu degradieren. Gerade in diesem Bereich sind gemeinsame Projekte, die die Lebensqualität vor Ort verbessern und stärken, besonders förderlich, notwendig und erfolgreich. Weit weniger dicht besiedelt ist das eigentliche Hügelland, nördlich und östlich der Stadt Aichach. Insgesamt dominiert in dieser Teilregion eindeutig noch der dörflich-ländliche Charakter. Gemessen an den Einwohnerzahlen ist aber auch dort eine Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen, allerdings ist die Steigerung hier nicht so signifikant wie in den Gemeinden, die in der Augsburger Peripherie liegen. Die Attraktivität der eher abseitig liegenden Gemeinden wurde vor allem durch die verbesserte Verkehrsinfrastruktur und hier vor allem die Anbindung an den Augsburger Verkehrsverbund gesteigert. Die Zugehörigkeit des Kreises zu den überregional bedeutsamen Entwicklungsachsen Richtung München bzw. Fürstenfeldbruck begünstigt sowohl die wirtschaftliche als auch die demoskopische Entwicklung im Wittelsbacher Land. Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung im Wittelsbacher Land (1989 bis 2006) Jahr Bevölkerung (Stichtag ) Quelle: Eigene Statistik 8

17 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Tabelle 2: Bevölkerungsentwicklung im Wittelsbacher Land/nach Gemeinden ( ) Gemeinde Bevölkerungsstand (Gebietsstand von 1994) (* Verdichtungsraum) Adelzhausen* Affing* Aichach Aindling* Dasing* Eurasburg* Friedberg* Hollenbach Inchenhofen Kissing* Kühbach Merching Mering* Obergriesbach Petersdorf Pöttmes Rehling* Ried Schiltberg Schmiechen Sielenbach Steindorf Todtenweis* Baar Quelle: Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung; eigene Statistik Das Wittelsbacher Land hat im Vergleich zu anderen Regionen in Bayern eine relativ junge Bevölkerung. Rund 21,2 % der Einwohner sind unter 18 Jahre alt, ein Wert der gegenüber dem restlichen Bayern deutlich höher liegt (rund 18,6 %). Tabelle 3: Bevölkerungsstruktur im Wittelsbacher Land ( )/nach Altersgruppen Jahr bis 18 Jahre 18 bis bis bis 65 mehr als Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Statistik kommunal 2006 Eine markante sozio-strukturelle Besonderheit in der Region ist die bereits angeführte altbaierische Abstammung weiter Bevölkerungsschichten im Wittelsbacher Land, die sich, 9

18 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land eben wegen ihrer Herkunft, definitiv nicht mit Schwaben identifizieren können, obwohl der Kreis seit der Gebietsreform verwaltungsrechtlich dem Regierungsbezirk Schwaben zugeordnet ist. Diese historisch und ethnologisch bedingten Unterschiede zwischen Altbaiern und Schwaben sind im Alltag häufig weitgehend aufgehoben, jedoch werden die signifikanten mentalen Unterschiede zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern des nördlichen bzw. südlichen Landkreises gerade bei Bräuchen und Festen sehr deutlich. Im Norden bzw. Nordosten dominiert eindeutig die altbaierische Mundart und insgesamt orientiert und identifiziert sich die Bevölkerung mehr in Richtung Oberbayern während im Süden des Landkreises bzw. westlich des Lechs der schwäbische Einfluss deutliche Priorität hat. Für den sozio-kulturellen Bereich ist es kein Widerspruch, dass die Bevölkerung der südlichen Landkreisgemeinden wie z. B. Mering, Merching und Kissing zwar nach München und in die oberbayerischen Nachbarlandkreise auspendelt, aber in ihren Fest- und Feiergewohnheiten sich an den Lechrainer bzw. schwäbisch geprägten Traditionen orientiert und ausdrückt. Besonders wichtig sind den Menschen im Aichacher Raum die zahlreichen Wallfahrten wie z. B. nach Inchenhofen, Maria Birnbaum, Herrgottsruh oder Maria Kappel. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Leonhardiritt in Inchenhofen ( Leahad ), der jährlich im November stattfindet und sich enormen Zuspruchs erfreut. 2.3 Wirtschaftliche Struktur/Land- und Forstwirtschaft Bei der Beschreibung der wirtschaftlichen Struktur des Wittelsbacher Landes ist ebenfalls wieder auf die Thematik des Spannungsverhältnisses der zentrennahen Bereiche im Südwesten und der peripher ländlichen Gebiete im Nordosten einzugehen. Die Gebiete, die sehr nahe an Augsburg liegen oder sich sogar schon im Einzugsbereich von München befinden (erwähnt seien hier vor allem die Gemeinden Mering, Kissing und die Stadt Friedberg), weisen eine deutlich dynamischere ökonomische Entwicklung auf als die abseitig gelegenen Teilräume. Um wertgleiche Lebensbedingungen zu schaffen, wie es die Leitphilosophie der bayerischen Landesentwicklung und Regionalplanung vorgibt, gilt es die Potenziale und Kräfte in einer Region zu entdecken, zu bündeln und sinnvoll zu unterstützen. Für die wirtschaftlichen Strukturen im Kreis ist eine langfristige, nachhaltige und auf Kernkompetenzen ausgerichtete Entwicklung unabdinglich. In verschiedenen Projekten und mit ausgereiften Netzwerkstrukturen sollte es möglich sein, den Standort Wittelsbacher Land für Investoren und Unternehmer attraktiv zu machen. Mit innovativen Anschubprojekten und -finanzierungen wie es gerade z. B. auch Programme wie LEADER in ELER bieten, ist eine positive Stimmung bei den Wirtschafts- und Sozialpartnern zu erreichen. Eine nachhaltige Wirtschaftsförderung und entwicklung ist im Zeitalter von Globalisierung und Mobilität nur in Allianzen möglich. Die Wirtschaft in der Region ist überwiegend klein- und 10

19 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land mittelbetrieblich strukturiert. Diese kleinen und mittleren Unternehmen haben den Vorteil, dass sie sehr flexibel und zeitnah auf die sich ständig ändernden Anforderungen im regionalen und globalen Wettbewerb reagieren können. Allerdings brauchen sie für diese herausfordernden Aufgaben Unterstützung und Förderung, um die sich sehr schnell ändernden Trends in den einzelnen Branchen besser abfedern zu können. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat mit eine der signifikantesten Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur des Wittelsbacher Landes ausgelöst. So gab es im Jahr 1998 noch 2200 Betriebe während im Jahr 2005 nur noch 1606 existierten und die Tendenz ist weiter fallend. Der rasante Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe hat zur Folge, dass dringend alternative Einkommensquellen für die betroffenen Landwirte und ihre Familie erschlossen werden müssen. In diesem Bereich kommt der Regionalentwicklung mit einem sektoral übergreifenden Konzept eine herausragende Bedeutung zu. Bereits in der LEA- DERplus-Phase hat der den Bereich der bäuerlichen Landwirtschaft und den damit verbundenen Strukturwandel mit allen Konsequenzen im Fokus seiner Aktivitäten gesehen und ein Großteil der Projekte wurde vor diesem Hintergrund entwickelt und durchgeführt. Exemplarisch sei an dieser Stelle das Hofladenkonzept für das Wittelsbacher Land. Tabelle 4: Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe ( ) Jahr Anzahl der Betriebe Quelle: Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (1999/2005); Kreisdaten (1999/2005) Ein Resultat der schwindenden Arbeitsplätze in der Landwirtschaft ist die hohe Auspendlerquote im Landkreis, die sich gegenwärtig noch stetig nach oben entwickelt. Aus den aktuellen Wirtschaftsdaten ergibt sich, dass von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nur noch 440 Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig sind (Stand: ). Der Pendlersaldo im Kreis liegt momentan bei Das Hauptziel aller Pendler ist Augsburg, allerdings ist der Münchener Arbeitsmarkt ebenfalls sehr attraktiv geworden. Nach Daten der INIFES Sozialplanung von 2001 arbeiten rund 75 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nicht an ihrem Wohnort, sondern nehmen täglich einen mehr oder weniger langen Anfahrtsweg zu ihrem Arbeitsplatz auf sich. Die Schaffung von wohnortnahen Arbeitsplätzen, vor allem in den zentralen Orten wie den Städten Aichach und Friedberg, könnte die hohe Auspendlerquote und die daraus resultierenden Belastungen wie z. B. das erhöhte Verkehrsaufkommen reduzieren. 11

20 Regionales Entwicklungskonzept für das Wittelsbacher Land Für mehrere Jahrzehnte bildete das Produzierende Gewerbe das Rückgrat der heimischen Wirtschaft. So waren 1985 nahezu zwei Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im Wittelsbacher Land in diesem Sektor angesiedelt. Während die relative Bedeutung des produzierenden Gewerbes in den vergangenen zwei Dekaden kontinuierlich zurückging, wurde in absoluten Zahlen ein Maximum von nahezu Arbeitsplätzen in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erreicht. Innerhalb dieses Sektors gibt es keinen Leuchtturm, aber es lassen sich Schwerpunkte in der Metall verarbeitenden Industrie, im Ernährungsgewerbe, Maschinenbau und der Holz verarbeitenden Industrie erkennen. Tabelle 5: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Wittelsbacher Land nach Wirtschaftssektoren ( ) Jahr Land- und Forstwirtschaft Produzierendes Dienstleistung Gewerbe absolut % absolut % absolut % Quelle: Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (1999/2005): Statistik Kommunal 2000/2005 Im Dienstleistungsbereich wurde die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den vergangenen zwanzig Jahren verdoppelt und mit mehr als Arbeitsplätzen liegt dieser Wirtschaftssektor seit der letzen Erhebung im Jahre 2004 nicht nur bei der Zahl der Beschäftigten sondern auch bei der Bruttowertschöpfung an erster Stelle (siehe Tabelle 5). Innerhalb des Dienstleistungssektors spielt der Tourismus eine immer gewichtigere Rolle. Die hohen Wachstumsraten der letzten Jahre (siehe Tabelle 6) werden aber ohne vermehrte Anstrengungen in Zukunft so nicht mehr fortgeführt werden können, da die vorhandenen Kapazitäten im Übernachtungsbereich bereits ausgeschöpft sind. Hier hilft nur ein Ausbau der Kapazitäten, wie er auch vom angestrebt wird. Tabelle 6: Entwicklung touristischer Kennzahlen im Wittelsbacher Land (1997 bis 2006) Kennzahl Gästeankünfte Übernachtungen Quelle: Regio Augsburg Tourismus GmbH (2001/2006): Geschäftsberichte 2000/2006 Aus der Tatsache, dass der Landkreis Aichach-Friedberg bei der Anzahl von Gästebetten pro Einwohner im bayerischen Vergleich ganz am Ende liegt (vgl. Tabelle 7) lässt sich ableiten, dass hier noch Entwicklungspotenzial vorhanden ist. 12

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