Das Regionale Entwicklungskonzept der Region Vogelsberg. Antrifttal Alsfeld. Romrod. Schwalmtal. Lautertal. Naturpark

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1 Vulkan aktiv Das Regionale Entwicklungskonzept der Region Vogelsberg Antrifttal Alsfeld Kirtorf Homberg (Ohm) A5 Grebenau Gemünden (Felda) Mücke Romrod Feldatal Schlitz Schwalmtal Lauterbach Wartenberg Gießen Kreis Gießen Ulrichstein Lautertal Herbstein Naturpark Schotten A7 Fulda Kreis Fulda Grebenhain A 45 Freiensteinau Wetteraukreis Main-Kinzig-Kreis A 66 Frankfurt

2 Danksagung Das Regionale Entwicklungskonzept der Region Vogelsberg wurde im Jahr 2014 fortgeschrieben. Zahlreiche regionale Akteurinnen und Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger haben sich mit hohem Engagement an dem Entwicklungsprozess beteiligt. An dieser Stelle danken wir allen Beteiligten, die sich kontinuierlich für die Zukunft unserer Region eingesetzt haben und sich weiter einsetzen werden. Impressum Vogelsberg Consult GmbH Geschäftsführer: Dipl.-Ing. Thomas Schaumberg Aufsichtsratsvorsitzender: Bankdirektor Werner Braun Am Schlossberg 32, Alsfeld/Hessen Tel.: Sitz der Gesellschaft: Alsfeld Registergericht Gießen, HRB Nr Umsatzsteuer ID: DE Alsfeld, August 2014 Im Konzept wurde teilweise die männliche Schreibweise verwendet, welches ausschließlich einer besseren Lesbarkeit dient. Wir gehen selbstverständlich von einer Gleichstellung der Geschlechter aus. Gefördert durch das Land Hessen und die Europäische Union im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative LEADER.

3 Inhaltsverzeichnis 1 Gebietsabgrenzung Vorerfahrungen Lokale Aktionsgruppe Rückblick auf die Förderperiode Umsetzung der Leitprojekte Ergebnisse des Monitoring und der Evaluation Verfahren zur Erstellung des Regionalen Entwicklungskonzeptes Vogelsberg Sozioökonomische Analyse der Region Vogelsberg Gebietsanalyse Bevölkerungsstruktur Bevölkerungs- bzw. demografische Entwicklung Wirtschaftliche Leistungskraft Tourismus und Naherholung Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft Energiewirtschaft Infrastrukturausstattung und Versorgung SWOT- Analyse Regionale Strategie Leitbild Entwicklungsstrategie und strategische Entwicklungsziele Anknüpfungspunkte zu anderen regionalen Kulissen und Strategien Beitrag der regionalen Strategie zu den übergeordneten Zielen des Landes Hessen Handlungsfelder Handlungsfeld Natur- und Kulturraum Handlungsfeld Regionale Erwerbstätigkeit Handlungsfeld Lebensqualität Kooperationen mit anderen Gebieten Aktionsplan... 46

4 5.1 Handlungsfeld 1: Natur- und Kulturraum Handlungsfeld 2: Regionale Erwerbstätigkeit Handlungsfeld 3: Lebensqualität Lokale Aktionsgruppe LAG Vogelsberg Monitoring und Evaluierung Finanzierungsplan nach Handlungsfeldern und Jahren Anhang... 70

5 Abkürzungsverzeichnis B BIP... Bruttoinlandsprodukt BMBF... Bundesministerium für Bildung und Forschung BMFSJ... Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMU... Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUB) BMVBS... Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVI) BVJ... Berufsvorbereitungsjahr D DE... Dorfentwicklung DVS... Deutsche Vernetzungsstelle E EFRE... Europäischer Fond für regionale Entwicklung ELER... Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums ESF... Europäischer Sozialfonds F FFH... Fauna-Flora-Habitate FuE... Forschung und Entwicklung G GAK... Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes GDI... Geodateninfrastruktur GEWAK... Gesellschaft für Wirtschaft, Arbeit und Kultur GIS... Geografisches Informationssystem GRW... Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur GW... Gigawatt H HF 1... Handlungsfeld 1 HF 3... Handlungsfeld 3 HKM... Hessisches Kultusministerium HLB... Hessische Landesbahn HMWEVL... Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung HSL... Hessisches Statistisches Landesamt HSM... Hessisches Sozialministerium I IHK... Industrie- und Handelskammer IKEK... Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept IKZ... Interkommunale Zusammenarbeit INSPIRE... INfrastructure for SPatial InfoRmation in Europe IuK... Information und Kommunikation K KMU... Kleine und mittlere Unternehmen KVA... Kommunale Vermittlungsagentur L LAG... lokale Aktionsgruppe LEADER... Liaison entre actions de développement de l` économie rurale LK-... Landkreis M Mbit... Megabit

6 MORO... Modellvorhaben der Raumordnung O OloV... Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf ÖPNV... Öffentlicher Personen-Nahverkehr P PKW,... Personenkraftwagen R REK... Regionales Entwicklungskonzept RKW... Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Wirtschaft e.v. RMV... Rhein-Main-Verkehrsverbund S SMART Specific Measurable Accepted Realistic Timely Spezifisch, Messbar, Aktzeptiert, Realistisch, Terminiert SWOT- Analyse... Strengths (Stärken)-Weaknesses (Schwächen)-Opportunities (Chancen)-Threats (Gefahren) Analyse T TAGs... Touristische Arbeitsgemeinschaft V VBK... Vogelsbergkreis VHS... Volkshochschule

7 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Beitrag der LEADER-Förderung in der Region Abbildung 2: Rolle von LEADER bei der Entwicklung in der Region Abbildung 3: Erhöhung der Wertschöpfung - Natur- und Kulturraum Abbildung 4: Stabilisierung der regionalen Erwerbstätigkeit Abbildung 5: Verbesserung der Lebensqualität erreicht Abbildung 6: Vogelsbergkarte Abbildung 7: Verteilung der Betriebe auf Sektoren Abbildung 8: Ertragslage der Betriebe im Vergleich Abbildung 9: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte Abbildung 10: Arbeitslosenquote der zivilen Erwerbspersonen Abbildung 11: Entwicklung der Beschäftigung nach Altersgruppen Abbildung 12: Unbesetzte Stellen nach Qualifikationen Abbildung 13: Entwicklung des Bruttoinlandprodukts Abbildung 14: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte Abbildung 15: Anteil der Ein- und Auspendler an allen Beschäftigten Abbildung 16: Wanderungssalden Abbildung 17: Zahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen Abbildung 18: Zahl der Schüler an beruflichen Schulen Abbildung 19 : Bewerber für Berufsausbildungsstellen Abbildung 20: Übernachtungen im Vogelsbergkreis Abbildung 21: SWOT-Analyse Abbildung 22: Regenerative Deckungsgrad Stromversorgung Mittelhessen Abbildung 23: Regenerative Deckungsgrad Stromversorgung Vogelsbergkreis Abbildung 24: Bedarf an Pflegekräften Abbildung 25: Ortsteiltypisierung Abbildung 26: SWOT-Analyse Abbildung 27: Handlungsfelder

8 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung des Vogelsbergkreises Tabelle 2: Bevölkerung in den Verwaltungsbezirken nach Alter Tabelle 3: Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen Tabelle 4: Handlungsfeld 1 Natur- und Kulturraum Tabelle 5: Handlungsfeld 2 "Regionale Erwerbstätigkeit" Tabelle 6: Handlungsfeld Lebensqualität Tabelle 7: Profilbildung im Tourismus Tabelle 8: Geopark Vogelsberg (Leitprojekt) Tabelle 9: Naturschutzgroßprojekt (Leitprojekt) Tabelle 10: Biodiversitätsberatung Tabelle 11: Hoher Vogelsberg (Leitprojekt) Tabelle 12: Regionale Vermarktung (Leitprojekt) Tabelle 13: Beratung und Qualifizierung (Leitprojekt) Tabelle 14: Übergang Schule Beruf und betriebliche Ausbildung (Leitprojekt) Tabelle 15: Unternehmen - Fit für die Zukunft (Leitprojekt) Tabelle 16: Strategisches Bündnis Fachkräftesicherung Vogelsberg (Leitprojekt) Tabelle 17: Das Image der Region verbessern (Leitprojekt) Tabelle 18: Innenentwicklung fördern (Leitprojekt)sichern und erhalten Tabelle 19: Mobilität im Vogelsberg (Leitprojekt) Tabelle 20: Vogelsberg vernetzt und digital (Leitprojekt) Tabelle 21: Die gesundheitliche Versorgung - zukunftsfähig und attraktiv (Leitprojekt)sichern Tabelle 22: Nahversorgung sichern (Leitprojekt) Tabelle 23: Das soziale Miteinander stärken (Leitprojekt) Tabelle 24: Klimaschutz und Energie im Vogelsberg (Leitprojekt)

9 Kurzfassung des Regionalen Entwicklungskonzeptes für die LEADER-Region Vogelsberg zur Bewerbung im Förderzeitraum Die Region Die Region Vogelsberg ist identisch mit den politischen Grenzen des Vogelsbergkreises und umfasst gegenüber der letzten Förderperiode nicht mehr die Gemeinde Birstein aus dem Main-Kinzig- Kreis. Die Leader-Region Vogelsberg liegt in der Mitte von Hessen und wird geprägt durch den erloschenen Vulkan aus dem Jungtertiär, dem größten zusammenhän- genden Basaltmassiv des europäischen Festlandes. Stellenweise gibt es über 300 Meter mächtige Basaltschichten, die sowohl die Erscheinungs- wie auch die Nutzungsgeschichte prägen. Dies zeigt sich z. B. in klimatisch überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen und unterdurchschnittlichen Temperaturen. Zur Region gehören alle 19 Städte und Gemeinden mit über 180 Stadt- und Ortsteilen und aktuell Einwohnern, dies entspricht 73 EW/km². Nur die beiden Städte Alsfeld und Lauterbach sind im Sinne der Raum- ordnung Mittelzentren, die Gesamtregion ist nach den Kriterien des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung ländlich-peripher. Die nächstgelegenen Oberzentren im Umkreis von 50 km sind Fulda im Osten und Gießen im Westen. In den letzten zehn Jahren war ein kontinuierlicher Bevölkerungsrückgang mit einem negativen Geburten- und Wanderungssaldo von knapp 1 % pro Jahr vorhanden. Die Region Vogelsberg gehört zu den Räumen in Hessen mit dem höchsten Bevölkerungsrückgang. Dies wird sich nach aktuellen Prognosen auch in Zukunft mit ähnlicher Dynamik fortsetzen. Der Vogelsberg ist über die Pendlerwege und regionalen Wirtschaftsbeziehungen mit allen umliegenden Räumen verbunden. Er ist traditionell exportorientiert und überwiegend durch klein- und mittelständische Unternehmen geprägt. Die Region Vogelsberg hat sich Ende der 1980er Jahre verstärkt um die Entwicklung der endogenen Potenziale gekümmert. Unterstützt durch die Programme zur Förderung der re- gionalen Entwicklung (LEADER, Ziel 5b und ff.) wurden Themen wie wirtschaftliche Entwicklung, Regionalmarketing, Qualifizierung und Ausbildung identifiziert und kontinuierlich weiter verfolgt. Die Tatsache, dass sich die Region um das größte Vulkanmassiv Europas versammelt, wurde aufgegriffen und in vielen Aktionen umgesetzt. Darüber hat sich die Iden- tifikation der Bevölkerung mit ihrem Vogelsberg deutlich verstärkt. Zuletzt wurde ein, viele Themen der Daseinsvorsorge betreffendes Konzept erarbeitet (MORO Region schafft Zukunft), das in die vorliegende Regionalstrategie eingeflossen ist. Die Steuerung der regionalen Entwicklung mit einer engen Verknüpfung zur wirtschaftlichen Entwicklung wurde in der Vergangenheit durch die Regionalentwicklungsgesellschaft Vogelsberg Consult GmbH übernommen, bei der auch in Zukunft das Regionalmanagement

10 angesiedelt sein wird. So sind alle Städte und Gemeinden und die wichtigsten Wirtschaftund Sozialpartner eingebunden. Insbesondere die enge Verknüpfung zu weiteren Förderpro- grammen z.b. Qualifizierungen im Rahmen von ESF werden unter dem Dach der Vogelsberg Consult GmbH bereits durchgeführt. Dieser Schwerpunkt soll in Zukunft fortgesetzt werden. Das Leitbild Das Leitbild der Region Vogelsberg lautet: Der Vogelsberg ist eine dynamische und anpassungsfähige Region mit hoher Lebensqualität in der Mitte Hessens. Im Erarbeitungsprozess wurde das Leitbild aus dem Jahr 2007 somit bestätigt und auch für die kommende Förderperiode als passend angesehen. Es knüpft an die überdurchschnittliche wirtschaftliche Dynamik der Region im Bereich Arbeitsmarkt und Bruttoinlandsprodukt an. Gleichzeitig ist die Region jedoch durch einen stetigen Rückgang der Bevölkerung geprägt. Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft beweist die Region hinsichtlich der Entwicklung regionaler Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels. Die Region Vogelsberg hat ihre Handlungsmöglichkeiten erweitert und zum Wohl der Menschen genutzt. Eine Vielzahl von innovativen Vorhaben aus den Bereichen Anpassung der Infrastrukturen, gesundheitlicher Versorgung und Bildung waren erfolgreich und wurden übertragen. Die Lebensqualität hat sich für alle spürbar verbessert. Der Mut neue Wege zu gehen hat zugenommen. Die jungen Bevölkerungsgruppen erkennen für sich gute Entwicklungsperspektiven in der Region Vogelsberg. Die strategischen Entwicklungsziele Aufbauend auf der Gebietsanalyse, der SWOT und den Diskussionen im Beteiligungspro- zess ergibt sich für die Region Vogelsberg ein relativ breites Spektrum an Handlungsbedar- fen und -ansätzen. Vor dem Hintergrund der demografisch bedingten Herausforderungen in sozialer, wirtschaftlicher und naturräumlicher Hinsicht lassen sich für den Vogelsberg drei strategische Entwicklungsziele definieren: Erhöhung der Wertschöpfung aus Natur- und Kulturraum Bei diesem Entwicklungsziel im Themenfeld Natur- und Kulturraum stehen die Aspekte Pfle- Zukunft in ökologisch sensiblen Regionen und der Geopark als Beispiel für die Be- ge durch Nutzung bei Erhalt der Biodiversität unter den Bedingungen des Klimawandels und der Notwendigkeit einer Energie und Verkehrswende im Mittelpunkt. Den Schwerpunkt bilden das Naturschutzgroßprojekt mit der Entwicklung eines Modells für die Landwirtschaft der wusstmachung der geologischen Basis. Hier stehen die Funktion Rückzugsgebiet für gefähr- E-Mobilitätskonzepten und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind Bestand- dete Arten, Erholungsraum und Wassergewinnungsgebiet im Vordergrund. Damit leistet der Vogelsberg einen Beitrag zum Klimaschutz, der über den Erhalt dieser wertvollen Ökosysteme hinaus auch beispielsweise Standort für Windenergieproduktion ist. Die Erprobung von teile des Klimaschutzkonzeptes. Gleichzeitig sollen damit ein Beitrag zur Steigerung der Le- bensqualität und zur Erhöhung des verfügbaren Einkommens geleistet werden. Stabilisierung und Ausbau der regionalen Erwerbstätigkeit

11 In Folge des demografischen Wandels ist schon heute in einigen Branchen ein Mangel an Fachkräften vorhanden, der bedingt durch die Bevölkerungsprognosen noch deutlich zunehmen wird. Dieser kann zu einer Entwicklungsbremse für hiesige Unternehmen werden. Trotz schrumpfender Gesamtbevölkerung haben sich die Beschäftigtenzahlen in den vergangenen Jahren jedoch positiv entwickelt. Weitere Reserven können nur mobilisiert werden, wenn Unternehmen vermehrt in Ausbildung und Qualifizierung investieren sowie Arbeitsbedingungen schaffen, die die Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf gewährleisten. Nur so kann das strategische Ziel der Stabilisierung und des Ausbaus der regionalen Erwerbstätigkeit erreicht werden. Anpassung an den demografischen Wandel bei gleichzeitigem Erhalt und Verbesserung der Lebensqualität Das strategische Entwicklungsziel der Anpassung an den demografischen Wandel bei gleichzeitigem Erhalt und Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung ist die Herausforderung der Zukunft. Für zentrale Bereiche wie Gesundheit, Bildung, soziale und technische Infrastrukturen sowie Mobilität für alle Altersgruppen müssen aufbauend auf den Erkenntnissen und Pilotprojekten des MORO-Prozesses innovative Lösungen entwickelt, erprobt und umgesetzt werden. Mobilität bzw. die Erreichbarkeit von Angeboten/Einrichtungen für alle Bevölkerungsgruppen ist eine Voraussetzung für die Teilhabe an Bildung und gesellschaftlichem Leben. Zur Erhöhung der Erreichbarkeit müssen neue Modelle mit intelligenter Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen (multimodale Mobilität) entwickelt und umgesetzt werden. Auch die weiteren Bereiche von Lebensqualität stehen vielfach auf dem Prüfstand und im Erarbeitungsprozess wurde vor allem der Schwerpunkt auf außerschulischen Bildungseinrichtungen, Vereinen/Ehrenamt, Kultur, Gemeinschaftseinrichtungen, Vernetzung und Netzwerken sowie dem Gesundheitsbereich gelegt. Die Region hat schon lange eine Tradition bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Prozessen und Konzepten (z. B. Kinder- und Jugendparlament). In der Regionalstrategie ist folglich das Thema querschnittsorientiert angelegt. Aus Sicht der Jugendlichen sind wichtige Schwerpunkte im Bereich Übergang Schule und Beruf, Ausbildung, berufliche Karriere, die Region als Wohnort sowie Treffpunkte. Als Partner/Unterstützer für die Umsetzung Jugendprojekte wurden Unternehmen, der Kreis und die Kommunen genannt. Die drei Handlungsfelder Nachdem die Gebiets- und SWOT-Analyse die Themenvielfalt des REK 2007 bestätigt und im Bereich Lebensqualität ergänzt hat, wurde die Breite des inhaltlichen Ansatzes auch für das REK 2014 beibehalten. Die Handlungsfelder stimmen inhaltlich mit denen von 2007 weitgehend überein, haben jedoch teilweise eine deutliche Komprimierung bzw. Akzentuierung erfahren. Die Handlungsfelder wurden bewusst breit gewählt, um Vernetzungen, Kooperationen und Querbezüge schon innerhalb der Handlungsfelder deutlich hervorheben zu können. Unterhalb der Ebene der Handlungsfelder wurden Entwicklungsziele und messbare Teilziele erar-

12 beitet. Damit liegen strategische Schwerpunkte für die Umsetzung des REK im Zeitraum von vor. Die Leitprojekte Unterhalb der Ebene der Handlungsfelder wurden im Beteiligungsprozess 16 Leitprojekte formuliert, von denen drei gleichzeitig Leuchtturmprojekte sind. Handlungsfeld Natur- und Kulturraum Leit- und Leuchtturmprojekte Profilbildung im Tourismus Geopark Vogelsberg Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg Naturpark Hoher Vogelsberg Regionale Vermarktung Regionale Erwerbstätigkeit Beratung und Qualifizierung Übergang Schule Beruf und betriebliche Ausbildung Unternehmen Fit für die Zukunft Das Image der Region verbessern Lebensqualität Innenentwicklung fördern Mobil im Vogelsberg Vogelsberg vernetzt und digital Gesundheitliche Versorgung zukunftsfähig und attraktiv Nahversorgung sichern Soziales Miteinander stärken Klimaschutz und Energie im Vogelsberg Im Handlungsfeld Natur- und Kulturraum wird damit an die herausragende Bedeutung der Region Vogelsberg im Bereich Natur, Landschaft und Tourismus angeknüpft. Die fünf Leitprojekte sollen zur Profilbildung als Tourismusregion auch im Rahmen von Natur- und Geopark beitragen. Der Naturraum ist zukunftsfähig weiterzuentwickeln und zu pflegen, dies u. a. auch in Verbindung mit der Vermarktung regionaler Produkte.

13 Die Aspekte des Klimaschutzes spielen in der Landschaftspflege eine große Rolle, so dass Projekte zur energetischen Nutzung im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes angedacht sind. Im Handlungsfeld Regionale Erwerbstätigkeit wurden vier Leitprojekte entwickelt, die regionale und einzelbetriebliche Strategieansätze zur Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs und zur Attraktivität des Vogelsberges als Wohn- und Arbeitsort insgesamt beinhalten. Im Handlungsfeld Lebensqualität sind sieben Leitprojekte entwickelt worden, mit denen die drängendsten Herausforderungen zum Erhalt bzw. der Weiterentwicklung der Lebensqualität beschrieben sind. Mit dieser regionalen Strategie liegt ein, verglichen mit dem REK aus dem Jahr 2007, deutlich weiteres Themenspektrum vor, das auf der einen Seite die künftige Bandbreite an Themen und Handlungsnotwendigkeiten deutlich macht und auf der anderen Seite Ausdruck des breiten Netzwerks in der Region ist. Außerdem werden nicht alle Leitprojekte in alleiniger Verantwortung des Regionalmanagements umgesetzt. So bestehen u. a. mit dem Geopark, den Tourismusorganisationen, der Gesundheitsfachstelle beim Kreis und der Energiegenossenschaft Vogelsberg hochprofessionelle Unterstützer bzw. Verantwortliche für die Themenbereiche. Die Umsetzung der regionalen Entwicklungsstrategie Bei der Vogelsberg Consult GmbH ist das Regionalmanagement angesiedelt. Damit wird seitens des Managements eine hohe Kontinuität im Erarbeitungsprozess sichergestellt. Die Zusammensetzung der LAG wurde im Prozess geprüft und erfüllt die formalen Voraussetzungen. Insbesondere die Wirtschafts- und Sozialpartner stehen dabei für die Themen in den Handlungsfeldern Natur- und Kulturraum sowie Regionale Erwerbstätigkeit. Die Bürgermeister der Städte und Gemeinden, die auch im Entscheidungsgremium sind, sind als Querschnittsakteure allen Themenbereichen zuzuordnen. Insgesamt ist die thematische Bandbreite der Handlungsfelder sowie der Leit- und Leuchtturmprojekte somit im Entscheidungsgremium (LAG) ausgewogen abgebildet. Die Finanzierung des Regionalmanagements ist bis 2022 sichergestellt. Das Prozessmonitoring und die Evaluierung Die Erfolgskontrolle und Prozesssteuerung wird auf den Ebenen Inhalte und Strategie, Prozess und Struktur sowie Aufgaben des Regionalmanagements erfolgen. Zu zwei Terminen (2016 und 2018) werden regionale Evaluierungsworkshops stattfinden und eine weitere Konkretisierung der Handlungsfeldteilziele mit Terminierungen und Etappenzielen vorgenommen.

14 1 Gebietsabgrenzung Naturraum: Der Vogelsberg als erloschener Vulkan aus dem Jungtertiär erstreckt sich als größtes zusammenhängendes Basaltmassiv des europäischen Festlandes auf einer Fläche von über km². Der stellenweise über 300 Meter mächtige Basalt prägt die Erscheinungsform und Nutzungsgeschichte dieses hessischen Mittelgebirges. Taufstein (774 Meter) und Hoherodskopf (764 Meter) kennzeichnen als höchste Erhebungen die Landschaft. Die klimatischen Verhältnisse prägen den Vogelsberg signifikant, was sich an den starken Niederschlagsmengen, vor allem im zentralen Oberwald mit bis zu mm/qm und den unterdurchschnittlichen Temperaturen zeigt. Infolge seiner spezifischen Geologie und seines niederschlagreichen Klimas verfügt er über einen besonders hohen floristischen und faunistischen Artenreichtum. Die Fläche der Region Vogelsberg umfasst km 2 und damit die gesamte Fläche der Gebietskörperschaft Vogelsbergkreis und ist gemeindescharf als Gebietskulisse abgegrenzt. Der Landkreis Vogelsberg entstand 1972 im Zuge der Gebietsreform aus den Altkreisen Alsfeld und Lauterbach und einem Teil des Landkreises Büdingen. Der Vogelsbergkreis (VBK{ XE "VBK" \t "Vogelsbergkreis" }) ist ein Teilgebiet Mittelhessens. In der Region leben Einwohner/-innen (73 E./km 2 ). Der Vogelsberg ist nach den Kriterien des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung ein ländlich-peripherer Raum. Die relevanten Merkmale zu dieser Typisierung sind die geringe Bevölkerungsdichte sowie die Lageungunst. Letztere wird am Verlauf der Fernverkehrswege sinnfällig: Autobahnen und ICE-Linien führen zwar i. d. R. am Vogelsbergkreis vorbei, die Region Vogelsberg ist aber von außen gut erreichbar. Disperse Siedlungsstruktur: Im Vogelsberg gibt es zehn Städte und neun Gemeinden. Die bevölkerungsstärksten Orte der Region liegen i. d. R. am Rand des Gebietes (Alsfeld mit , Homberg/Ohm mit 7.530, Lauterbach mit , Mücke mit 9.349, Schlitz mit 9.564, Schotten mit Einwohner/-innen; (Hessisches Statistisches Landesamt (HSL{ XE "HSL" \t "Hessisches Statistisches Landesamt" }), 2013). Nur die beiden Städte Alsfeld und Lauterbach sind im Sinne der Raumordnung Mittelzentren. Die nächstgelegenen Oberzentren im Umkreis von 50 km sind Fulda im Osten und Gießen im Westen. Wirtschaftliche Zusammenhänge und Verbindungen: Der Vogelsberg ist über die Pendlerwege und regionalen Wirtschaftsbeziehungen mit allen umliegenden Räumen verbunden. Er ist traditionell exportorientiert. Institutionell und organisatorisch ist die Region komplett in die Gebietskulisse der Kreishandwerkerschaft Vogelsberg, der Tourismusdestination Vogelsberg sowie der MORO{ XE "MORO" \t "Modellvorhaben der Raumordnung" }-Region eingebunden und ist Bestandteil des Bezirks der IHK{ XE "IHK" \t "Industrie und Handelskammer" } Gießen-Friedberg, der Agentur für Arbeit Gießen, der Region Mittelhessen sowie des Regierungsbezirkes Gießen, um die wichtigsten herauszugreifen. Die sich aus dieser Tatsache ergebenden Arbeits- und Kooperationsbeziehungen erleichtern die Bildung von stabilen Netzwerkbeziehungen und die Durchführung gemeinsamer Projekte. Die Region Vogelsberg hat sich Ende der 80er Jahre verstärkt um die Entwicklung der endogenen Potenziale gekümmert. Unterstützt durch die Programme zur Förderung der regionalen Entwicklung (LEADER{ XE "LEADER" \t "Liaison entre actions de développement de l` économie rurale" }, Ziel 5b und ff.) wurden Themen wie wirtschaftliche Entwicklung, Regionalmarketing, Qualifizierung und Ausbildung identifiziert und kontinuierlich weiter verfolgt. Die Tatsache, dass sich die Region um das größte Vulkanmassiv Europas versammelt, wurde aufgegriffen und in vielen Handlungsfeldern und Aktionen umgesetzt. Darüber hat sich die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Vogelsberg deutlich verstärkt. 1

15 2 Vorerfahrungen Die Region Vogelsberg hat an allen bisherigen vier LEADER-Förderphasen mithin seit 1992 partizipiert. Vom Globalbudget in der eigenen Bewirtschaftung mit fünf Leitprojekten, eigenverantwortlich durchgeführt von drei Partnern in der ersten Phase bis hin zu multisektoralen Entwicklungskonzepten mit Einzelbewilligungen. In den darauf folgenden Phasen, konnte die Region einen großen Erfahrungsschatz in der regionalen Zusammenarbeit, der Diskussion und Setzung von Prioritäten sammeln. Der Informations- und Erfahrungsaustausch in der multidisziplinären Lokalen Aktionsgruppe Vogelsberg hat insgesamt zu einer Versachlichung der regionalen Diskussion über die Schwerpunkte der regionalen Entwicklung weit über das LEADER-Programm hinaus geführt. 2.1 Lokale Aktionsgruppe Vorbemerkung: Die Begriffe LAG Vogelsberg, Beirat der Vogelsberg Consult GmbH und Regionales Entwicklungsforum Vogelsberg werden synonym verwendet. Sie bezeichnen dieselbe Institution. Das Regionalmanagement der Vogelsberg Consult GmbH beinhaltet das LEADER Management, Beratung von Unternehmen und Beschäftigten zu Qualifizierung und Ausbildung, Beratung von Unternehmen zu Finanzierung und Förderung sowie die Durchführung weiterer Projekte zur regionalen Entwicklung. In der lokalen Aktionsgruppe, die im Vogelsberg unter der Bezeichnung Regionales Entwicklungsforum Vogelsberg (vgl. Grafik im Anhang) firmiert, sind seit 1992 folgende Organisationen und Gruppierungen vertreten. Verwaltung: Landrat und ein weiteres Mitglied des Kreisausschusses Vier Mitglieder aus den im Kreistag vertretenen Parteien Zwei Vertreter der Städte und Gemeinden des Vogelsbergkreises Unternehmen (je ein/e Vertreter/-in): Wirtschaftsförderung Vogelsberg-Region e. V. (43 Unternehmen) Kreishandwerkerschaft für den Vogelsbergkreis IHK-Gießen-Friedberg Kreisbauernverband Vogelsberg e. V. Organisationen und Vereinigungen (je ein/e Vertreter/-in): Kulturinitiativen im Vogelsbergkreis Organisationen des Tourismus und der Gastronomie im Vogelsbergkreis Deutscher Gewerkschaftsbund Region Mittelhessen Verbände nach 29 Bundesnaturschutzgesetz Fraueninitiativen im Vogelsbergkreis Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften im Vogelsbergkreis Agentur für Arbeit Die Zusammensetzung des LEADER-Entscheidungsgremiums erwies sich hinsichtlich der Zusammensetzung, den Erfahrungen, den Kenntnissen über die Region und der Qualifikation der Mitglieder als ausgesprochen sinnvoll. Einzelne Mitglieder sind schon seit über 15 Jahren als Vertreter/-in ihrer jeweiligen Gruppierung im Entwicklungsforum engagiert. Im Fall einer erfolgreichen Bewerbung ist für die kommende Förderperiode eine Ausweitung des Gremiums um einen Vertreter/-in der Jugendorganisationen geplant. 2

16 2.2 Rückblick auf die Förderperiode Umsetzung der Leitprojekte Zur Erstellung des REK wurde ein breiter Beteiligungsprozess durchgeführt. Öffentlich wurde zur Mitarbeit aufgerufen, fünf Arbeitsgruppen bearbeiteten die Handlungsfelder Natur- und Kulturraum, Erwerbstätigkeit und Lebensqualität Zu einzelnen Vorhaben wie z. B. Verpackungscluster, Vogelsberg Campus oder Bioenergieregion Mittelhessen wurden Arbeitsgremien zur Entwicklung und Steuerung der Vorhaben geründet. Die Förderperiode wurde mit großem Erfolg abgeschlossen. Einige Leitprojekte entwickelten eine hohe Dynamik und Ausweitung ihres Maßnahmen- und Wirkungsspektrums. So entstand aus dem Leitprojekt BioRegio Vogelsberg im ersten Schritt ein Kooperationsvorhaben mit der LAG{ XE "LAG" \t "lokale Aktionsgruppe" } Gießener Land die Bioenergieregion Mittelhessen, der es in den folgenden sechs Jahren gelang, dieses Leitprojekt mit einer Vielzahl von zusätzlichen Einzelmaßnahmen inhaltlich und räumlich erheblich zu erweitern. Finanziert wurde dieses Vorhaben mit zusätzlichen Mitteln aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, den Landkreisen Vogelsberg und Gießen sowie dem Institut für ländliche Strukturforschung. Für die Phase 2014 bis 2020 sollen im Rahmen eines Kooperationsprojektes der mittelhessischen LEADER-Gruppen die Zielsetzungen Steigerung der Energieeffizienz, regionales Bioenergiepotenzial erschließen, Wärmeerzeugung aus regenerativen Quellen, wertvolle Grünlandstandorte erhalten verfolgt werden. Aus LEADER und dem Landesprogramm zur Förderung der energetischen Verwertung nachwachsender Rohstoffe wurden insgesamt 19 Vorhaben (Biogasanlagen, Nahwärmenetze und Hackschnitzelverfeuerungsanlagen) bei einem Investitionsvolumen von 12,2 Mio. mit 1,44 Mio. gefördert. Das Leitprojekt Vulkanpark Vogelsberg mit den Maßnahmen u. a. der Inwertsetzung der Geotope, dem Vulkaneum, der Machbarkeitsstudie Geopark sowie der Optimierung des Wanderangebotes der Region wurde konsequent und erfolgreich umgesetzt. Die Investition in Premiumwanderwege und Geotope wurden an verschiedenen Orten mit LEADER-Mitteln in Szene gesetzt. Das Vulkaneum wird in Schotten 2015 eröffnet werden gefördert aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE{ XE "EFRE" \t "Europäischer Fond für regionale Entwicklung" }) und dem Programm Aktive Kernbereiche. Der Geopark Vogelsberg wurde 2013 gegründet und soll ein Leitprojekt der Phase bis 2020 sein. Der Aktionsplan zur Umsetzung besteht aus Zertifizierung, Entwicklung von Umweltbildungsangeboten, Marketíng etc. Das Leitprojekt Vogelsberg Campus erfuhr ebenfalls eine Ausweitung und inhaltliche Ergänzung. Zur Verbesserung der Berufsorientierung wurden jährlich Ausbildungsmessen organisiert. Ergänzt wurde dieses Angebot durch die jugendgerechte Vorstellung von Unternehmen und Berufsbildern im Schulunterricht, Beruferallyes in den Ferienzeiten, Seminare für Ausbilder/-innen zum Umgang mit schwierigen Jugendlichen, durch den Betrieb der internetgestützten Praktikums- und Ausbildungsbörse und die Etablierung von Kompetenzfeststellungsverfahren in der Region. Im Bereich der Erwachsenenbildung und der Qualifizierung von Beschäftigten wurde im HESSENCAMPUS Vogelsberg eine trägerunabhängige Bildungsberatung etabliert und ein Selbstlernzentrum aufgebaut. Beschäftigte von KMU{ XE "KMU" \t "Kleine und mittlere Unternehmen" } wurden im Rahmen der Qualifizierungsoffensive hinsichtlich Weiterbildungsmöglichkeiten und -förderung beraten. Hinzu kam die Organisation und Durchführung von Seminaren. An allen Vorhaben war und ist das Regionalmanagement der LAG Vogelsberg entweder verantwortlich für Durchführung oder operativ bzw. steuernd beteiligt. Finanziert wurden diese Maßnahmen aus Mitteln der Arbeitsagentur, des Ausbildungsmarktbudgets des Hess. Sozialministeriums, des Hess. Kultus und Wirtschaftsministeriums, der Europäischen Union und aus Mitteln des Vogelsbergkreises. 3

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