Tourismusstrategie für den ländlichen Raum Die Entwicklungslinien aus Sicht des Bundes und der EU

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1 Tourismusstrategie für den ländlichen Raum Die Entwicklungslinien aus Sicht des Bundes und der EU 19. April 2012 DVS, Kloster Nimbschen bei Grimma Ralf Wolkenhauer Ländlicher Raum Eine Tourismusstrategie? Ländliche Räume rücken wieder stärker ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und in den Blickpunkt der politischen Wahrnehmung. Beispiel: Tourismusstrategie für den ländlichen Raum im Koalitionsvertrag Demografiestrategie der Bundesregierung und Interministerielle Arbeitsgruppe In Deutschland leben ca. 70% der Menschen außerhalb von Großstädten und 75% der Gemeinden haben weniger als 5000 Einwohner Folie 2 von 25

2 Ländlicher Raum Eine Tourismusstrategie? Ländliche Räume sind vielfältig. Sie sind Lebensraum und Wirtschaftsstandort umfassen land- und forstwirtschaftliche Nutzräume ebenso wie Natur- und Erholungsräume. Die ländlichen Räume sind mit ca. 23 Millionen Arbeitsplätzen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, d.h. fast 60% aller Jobs sind dort angesiedelt. Allein mit dem Tourismus sind in den ländlichen Räumen ca. 1,2 Millionen Arbeitsplätze verbunden Folie 3 von 25 Ländlicher Raum Eine Tourismusstrategie? Daher gilt: Es gibt nicht den ländlichen Raum, die ländlichen Räume sind insgesamt heterogener geworden. Es gibt daher auch nicht eine Tourismusstrategie für den ländlichen Raum. Vielmehr gibt es viele unterschiedliche regionale Ansätze. Deshalb wurde von BMWi und BMELV das Projekt initiert. Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen Folie 4 von 25

3 Projekt Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen Ziel: gesamttouristische Entwicklung bzw. situation in den ländlichen Räumen erfassen, Chancen und Kernprobleme erkennen, Erfolgsfaktoren erörtern und umsetzbare Handlungsoptionen für Stakeholder ableiten Tourismusentwicklung in den ländlichen Räumen ist dabei umfassend zu betrachten: Bauernhof, ländliche Kultur Naherholungsgebiete, Golf-, Bio- und Wellnesshotels Aktivitäten (Wandern, Paddeln.) Angebote ohne Bezug zu Landwirtschaft und Regionalkultur Erlebnis vielfältiger Natur- und Kulturlandschaften Folie 5 von 25 Projekt Tourismusperspektiven für den ländlichen Raum Probleme und Chancen: kleinteilige Anbieter-/Angebotsstruktur vielfach isoliertes Agieren, insbesondere im Berreich Marketing/ Vertrieb, Qualitäts-/ Qualifizierungsdefizite i it Demografische Entwicklung, Fachkräftemangel Unterschiedliche Zuständigkeiten für Tourismusentwicklung Mobilitätsdefizite Trends wie Landleben, Gesundheit, Natur, Nachhaltigkeit Folie 6 von 25

4 Projekt Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen Daraus abgeleitete Zielsetzungen: Förderung der Vernetzung Professionalisierung insbesondere im Marketing Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Anbieter Ableitung von Konsequenzen zur Gestaltung der Rahmenbedingungen durch Politik und Verwaltung Beitrag zur Regionalentwicklung insbesondere bei peripheren, strukturschwachen Regionen Förderung regionaler Identität Folie 7 von 25 Projekt Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen Einige Länder haben eigene Tourismuskonzepte In Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern sind bereits gute Strategien vorhanden Die strategische t Handlungsfelder ld sind in wesentlichen Punkten deckungsgleich - auch mit denen des Projekts für Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen Folie 8 von 25

5 Strategische Handlungsfelder Konsequente Dachmarkenstrategie regions- und segmentbezogene Ansätze, gemeinsame Marke Geprüfte Qualität Zertifizierung Qualifizierung und Weiterbildung der Anbieter Qualitätsfördernde Maßnahmen, Infrastruktur Klares Profil, Markenkern Zielgruppenorientierte Angebote, z.b. Barrierefreie Höfe, Bio- Gesundheit etc. Marketing Netzwerke Regionale Wertschöpfung Nachhaltigkeit, Kooperation Internet t Buchungsplattform ohne (Landes)grenzen Folie 9 von 25 Gutes Beispiel Buchungsplattform Internet - Bundesweites Buchungssystem - qualifizierte, zertifizierte Anbieter - Infos zu Angeboten aus der Region - Gliederung in zielgruppenspezifische Kategorien - Suchmöglichkeit nach Hoftypen, Urlaubsregionen, Themen Folie 10 von 25

6 Gute Beispiele im Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft Bewertet werden auch Initiativen der Dorfbewohner im Bereich Naherholung / Tourismus - Alleinstellungsmerkmal der Region -Ausbau von Wanderwegenetzen ege et e - Vernetzung touristischer Angebote Beispiel: Wasserwanderanleger Sulzfeld a. Main im Kitzinger Land Folie 11 von 25 Gute Beispiele bei LEADER Das Dorf der Tiere Angebotsdiversifizierung der Gemeinde Dörentrup (NRW) Biodiversitätsaspekte über a) ortsnahe Haltung seltener Rinderrassen mit entsprechenden Informationen b) Station für Wildtierbeobachtung mit umfangreicher medialer Begleitung als Anziehungspunkt touristisches Gesamtkonzept zur Attraktivitätssteigerung der Gemeinde mit positiver Auswirkung auf die örtlichen Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe Folie 12 von 25

7 Status Quo/ Fazit Es liegt im Geschick der einzelnen Regionen/Kreise, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und die regionalen Besonderheiten im positiven Sinne zu nutzen. Dabei hängt es immer auch von den Akteuren vor Ort ab, ob gute Ideen generiert und umgesetzt werden. Fördermittel haben dabei eine unterstützende Funktion, der eigentliche Motor erfolgreicher Projekte sind aber die Menschen (bottom-up-prinzip) Folie 13 von 25 EU Förderung (ELER) ab 2014 alle EU-Förderpolitiken und -instrumente werden auf die Strategie Europa 2020 ausgerichtet: nachhaltiges, intelligentes und integratives Wachstum Gemeinsamer Strategischer Rahmen (GSR) für alle EU-Fonds (EFRE, ESF, Kohäsion, ELER, Fischerei EMFF; 11 thematische Ziele) Fondsübergreifende Partnerschaftsvereinbarung zwischen KOM und MS: u.a. mit quantifizierten Zielbeiträgen Entwicklungsprogramme für ELER mit Beiträgen zu 6 ELER- Prioritäten und deren Schwerpunkten Folie 14 von 25

8 Strategieebenen in der Förderperiode Europa-2020-Strategie - übergeordnete Ziele der Europäischen Union Gemeinsamer Strategischer Rahmen (GSR) Für den ELER, EFRE, ESF, KF und EMFF (die GSR-Fonds ), der die Ziele der Europa Strategie auf von den GSR-Fonds zu adressierende thematische Ziele herunterbricht Partnerschaftsvereinbarung -Auf Ebene des MS mit der Beschreibung der Umsetzung der GSR-Fonds bezogen auf die thematischen Ziele Ländliche Entwicklungs- politik: ELER Weitere GSR-Fonds (EFRE, ESF, KF, EMFF) Ländliche Entwicklungsprogramme Operationelle - Aufgebaut nach den sechs EU-Prioritäten ität für die ländliche Entwicklung Programme (OP) Nach: vti Ländliche Entwicklungspolitik ab 2014; Eine Bewertung der Verordnungsvorschläge der Europäischen Kommission vom Oktober Folie 15 von 25 Förderinstrumente im Rahmen ländliche Entwicklung, Schwerpunkt Tourismus EU ELER EFRE ESF Bund GAK GRW Land - Diversifizierung - Fremdenverkehr, touristische Infrastruktur - Dorferneuerung - LEADER - Mikrokredite - Gründercoaching - Aus- und Weiterbildungsangebote Entwicklungs- programme - Infrastruktur (u.a. öffentliche Einrichtungen) - Regionalmarketing Operationelle Programme (OP) Operationelle Programme (OP) Folie 16 von 25

9 Abstimmung der Gemeinschaftsaufgaben GAK GRW Ziele Kleinere Infrastrukturmaßnahmen zur Erschließung landwirtschaftlicher und touristischer Entwicklungspotenziale Ausbau einer leistungsfähigen g Infrastruktur Voraussetzung für die Ansiedelung von Unternehmen schaffen Zuwendungsempfänger Gemeinden, Gemeindeverbände, natürliche u. juristische Personen Folie 17 von 25 Abstimmung der Gemeinschaftsaufgaben GAK GRW Zuschuss für förderfähige f Kosten Zuschuss bis 65 % bei Gemeinden, im Rahmen eines ILEK bis zu 75% Zuschuss bis zu 35% für natürliche Personen eines ILEK bis zu 45%, Zuschuss bis zu 60% (in Ausnahmefällen bis zu 90%) Angleichen: einheitliche Förderintensität und Abgrenzen: GAK: in Gemeinden bis 5000 Einw. GRW: größere Gemeinden Folie 18 von 25

10 Artikel 20: ELER ab 2014 Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe und sonstiger Unternehmen Gründungsbeihilfen (auf Basis eines Geschäftsplans) u.a. für nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten: Landwirte, Haushalts- Mitglieder, Kleinst-/ kleine Unternehmen in ländlichen Gebieten (max Euro) Nichtlandwirtschaftliche Investitionen: Kleinst-/ kleine Unternehmen in ländlichen Gebieten Somit bleibt die Diversifizierung hin zu nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten weitgehend unverändert Folie 19 von 25 ELER ab 2014 Artikel 21: Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten ermöglicht die Unterstützung kleinerer (touristischer) Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen u.a. in Freizeitinfrastruktur, Fremdenverkehrsinformation und Ausschilderung von interessanten Sehenswürdigkeiten. Berücksichtigung ggf. vorhandener lokaler Entwicklungsstrategien keine Eingrenzung des Kreises der Begünstigten Somit bleibt die Förderung kleinerer touristischer Infrastrukturmaßnahmen weitgehend unverändert Folie 20 von 25

11 ELER ab 2014 Atik Artikel l42: LEADER-AnsatzA Gebietsbezogene lokale Strategien (REK) Lokale öffentlich-private Partnerschaften in Form von lokalen Aktionsgruppen Bottum-up-Ansatz Multi-sektoraler l Ansatz und Umsetzung; Interaktion verschiedenster lokaler Akteure bei Projektumsetzung in verschiedensten Sektoren der ländlichen Wirtschaft Innovation im lokalen l Kontext t Netzwerkaktivität zwischen den verschiedensten lokalen Akteuren Vorbereitung und Umsetzung von Kooperationsprojekten Keine signifikante Änderung des Rechtstextes bezüglich Definition LEADER gegenüber dem Art. 61 der geltenden ELER-VO 1698/ Folie 21 von 25 Der LEADER-Ansatz und der Kontext zu anderen Fonds (u.a. Multifondsansatz) Explizite ite Notwendigkeit der Abstimmung mit anderen Fonds (ESF,EFRE) Fondübergreifende Koordinierung von: Kapazitätsaufbau, Auswahl, Genehmigung und Finanzierung von REK und LAG en Fakultative Möglichkeit, mehrere Fonds für ein REK zu nutzen, Projekte werden einzelnen Fonds zugeordnet und nach deren Regeln finanziert. Gemeinkosten können zu Lasten eines Lead- Fonds gehen und sind nach dessen Regeln abzuwickeln Folie 22 von 25

12 LEADER 2014 Lokale Entwicklung im Rahmen von Leader kann ab 2014 grundsätzlich mit allen 6 Prioritäten (Art. 5 neue ELER-VO) in Beziehung gesetzt werden. Besonders einschlägig dürfte allerdings die Priorität 6 sein, die u.a. auch die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten als Förderziel nennt. Dabei werden u.a. folgende Förderschwerpunkte konkretisiert: Förderung der Diversifizierung, Gründung neuer Kleinbetriebe und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Begünstigung der lokalen Entwicklung in ländlichen Gebieten Folie 23 von 25 LEADER 2014 Ohne den Tourismus s konkret zu benennen, lassen diese Förderschwerpunkte den Lokalen Aktionsgruppen (LAG) breitesten Spielraum, über ihre Lokalen Entwicklungskonzeptionen die Förderung des ländlichen Tourismus mit einzubeziehen! Über einen fakultativen Multifondsansatz können auch die Strukturfonds EFRE und ESF im Rahmen solcher Lokaler Entwicklungskonzeptionen an der Förderung des Tourismus im ländlichen Raum beteiligt werden Folie 24 von 25

13 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Folie 25 von 25

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