Elterngespräche mit vier Ohren

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1 Studienseminar Koblenz Wahlmodul 531 Elterngespräche mit vier Ohren Margret Sprengart

2 Grundlegende Einstellungen 1. Durch Elterngespräche werden keine Probleme gelöst. 2. Elterngespräche dienen dazu, eine Beziehung aufzubauen, die gegenseitiges Vertrauen ermöglicht. 3. Gespräche mit Schülern in Anwesenheit der Eltern machen Probleme bewusst und eröffnen verschiedene Sichtweisen des Problems.

3 Schrittfolge 1. Aufwärmen: small talk 2. Aktives Zuhören: Eltern tragen ihr Anliegen vor, beschreiben ihre Wahrnehmungen, sprechen von ihren Gefühlen 3. Aufblättern : das Gehörte wird verbal gespiegelt (auf den vier Ebenen: Selbstmitteilung Beziehung Appell Sachebene) 4. Das Ziel klären

4 Schrittfolge (Forts.) 5. Ressourcen aufdecken 6. Vorschläge sammeln 7. Handlungsoptionen auswählen lassen 8. Umsetzung konkretisieren: Was, wie, wo mit wem und wann? 9. Rückmeldung: Wann, wie, an wen und wozu?

5 Beratungskompetenz Die Expertise einer Lehrkraft in der Beratung zeigt sich in der Art der Kommunikation Die Kommunikationsstrategie passt zur Beratungssituation Gütemerkmale sind Offenheit und gegenseitige Wertschätzung Sprache und nonverbale Signale sind kongruent

6 Wissen wird konstruiert 15 % beruhen auf dem verbalen Inhalt 85 % beruhen auf nonverbaler Kommunikation: Mimik, Gestik, Körperhaltung dem Tonfall der Stimme der Formulierung einer Aussage

7 Interesse, Einfühlung und Mitgefühl zeigt die Lehrkraft durch aktives Zuhören: Doppeln Spiegeln Nonverbale Signale Übrigens: Körpersprache kann nicht lügen!

8 Kongruenz Inkongruente Nachrichten Sprache und nonverbaler Ausdruck passen nicht zueinander sind unglaubwürdig machen misstrauisch Kongruente Nachrichten Sprache und nonverbaler Ausdruck sind stimmig erscheinen glaubhaft und vertrauenswürdig

9 Ich-Botschaften sich mitteilen Aktives Zuhören sich einfühlen - Wünsche - Bedürfnisse - Anweisungen - Meinungen - Lob / Tadel - Akzeptanz übermitteln - Interesse bekunden - Mitgefühl zeigen - Missverständnisse klären - Trost / Mut zu- sprechen

10 Gewaltfreie Kommunikation* 1. Beobachten und beschreiben statt zu bewerten 2. Gefühle benennen und nicht aggressiv werden 3. Bedürfnisse formulieren anstatt das Gegenüber zu attackieren 4. einen Wunsch, eine Bitte äußern, ohne Forderungen zu stellen * nach Marshall Rosenberg

11

12 Explizite und implizite Botschaften explizit Es ist heiß heute. Ich ärgere mich. Ihnen traue ich nichts zu. Seien Sie nicht so streng! Ohren Sachebene Selbstoffenbarung Beziehung Appell implizit wischt sich den Schweiß ab runzelt die Stirn übersieht die Hand schaut bittend

13 Ebene der Selbstoffenbarung Sprecher signalisiert: sozialen Status, Absichten, Selbstwertgefühl, Hörer deutet: Körpersprache, Mimik, Augenkontakt, Tonfall, Sprechtempo, Formulierungen, Was gebe ich über mich selbst preis? Wie soll der Lehrer mich und mein Kind wahrnehmen? Wie will ich als Lehrer/in wahrgenommen werden?

14 Beziehungsebene Sprecher: übermittelt Vorurteile und Einstellungen, Erwartungen und Wünsche werden sichtbar, z.b. Wertschätzung, Respekt, Wohlwollen, Gleichgültigkeit, Verachtung Hörer: fühlt sich akzeptiert oder herabgesetzt, respektiert oder bevormundet. Interesse zeigen, sich einfühlen und die Perspektive wechseln behutsam nachfragen doppeln und spiegeln

15 Appellative Ebene Sprecher will Einfluss nehmen: Bitten, Wünsche, Aufforderungen, Manipulationen: versteckte Drohungen und Schmeicheleien Hörer: Was soll ich jetzt denken, machen oder fühlen? sind stets als Ich-Botschaften zu formulieren!

16 Sachebene Sprecher übermittelt: Daten, Fakten, Sachverhalte Hörer prüft: Wahrheitsgehalt (wahr/unwahr) Relevanz (belanglos/bedeutsam) Vollständigkeit (hinlänglich/unvollständig) Den Sachverhalt beschreiben, nicht kommentieren oder bewerten! auf eine neutrale Sprache achten eigene Wahrnehmungen als Ich-Botschaft formulieren

17 Beraten findet auf der Sachebene statt. Folgen von Entscheidungen aufzeigen und begründen auf gesetzliche Grundlagen verweisen an Fristen erinnern Hinweise zur Umsetzung geben

18 Vorschläge statt Rat-Schläge Stets um Vorschläge seitens der Eltern bitten Erst fragen, ob man selbst einen Vorschlag machen darf Dann möglichst mehrere Vorschläge machen Den Eltern die Wahl lassen

19 Inhalt sachlich verständlich analytisch Über sich selbst Ich-Botschaften Wünsche, Bedürfnis Kritik/Lob, Kommunikation Appell argumentieren fair bleiben überzeugen Beziehung aktiv zuhören Gefühle benennen Feedback geben/nehmen

20 Was das miteinander Reden erschwert unterschiedliche Einstellungen zu Erziehungsfragen Missverständnisse Konfrontationen zu hohe Erwartungen Unsicherheiten in der Gesprächsführung unzureichende Kommunikationskompetenz

21 Hemmschuhe Vorurteile Unsicherheiten fehlende Offenheit unklare Erwartungen unerfüllbare Wünsche belehren bzw. klagen und beschuldigen

22 Giraffensprache statt Wolfssprache nach Rosenberg Wolfssprache Misstrauen, Ärger, Unverstandensein, Enttäuschung nach Schuldigen suchen bewerten, beschuldigen, anklagen, schimpfen, drohen, schreien, weinen Der Kontakt zu den eigenen Gefühlen u. Bedürfnissen ist gestört Giraffensprache Empathie, Mitgefühl, Abstand und Vertrauen, Zuversicht doppeln und spiegeln nachfragen um Vorschläge bitten sich seiner Gefühle bewusst werden und seine Wünsche äußern

23 Was Eltern sagen Zuhause hat er es noch gekonnt. Das heißt übersetzt auf der Sachebene: Ich habe mit meinem Sohn geübt und hatte den Eindruck, er habe alles verstanden. Beziehung: Ich zweifele an Ihrer Kompetenz. oder Sie als Fachmann können mir sicherlich raten. Selbstoffenbarung: Es ist mir wichtig, dass mein Sohn gute Leistungen erzielt. ; Ich mache mir Sorgen. Appell: Bitte, überprüfen Sie nochmals Ihren Eindruck! oder Helfen sie ihm, weniger Angst zu haben!

24 Redebeispiel: Sie sind doch noch Referendarin, oder? Sachebene: Selbstkundgabe: Beziehung: Appell:

25 Redebeispiel: Sie sind doch noch Referendarin, oder? Sachebene: Sie sind noch in der Ausbildung zum Lehrer. Selbstkundgabe: Ich traue Referendaren nicht so viel zu wie fertigen Lehrern. Beziehung: Ich habe Verständnis für Ihre Situation, ist sicherlich unangenehm. Appell: Überdenken Sie bitte noch mal die Benotung der HÜ meines Sohnes!

26 Redebeispiel: Beim vorigen Lehrer hatte Nico immer eine Zwei. Sachebene: Selbstkundgabe: Beziehung: Appell:

27 Redebeispiel: Beim vorigen Lehrer hatte Nico immer eine Zwei. Sachebene: Nicos Noten haben sich bei Ihnen verschlechtert. Selbstkundgabe: Ich habe Ihren Unterricht im Blick, das sag` ich Ihnen. Beziehung: Das muss an Ihnen liegen, ich halte Sie für den schlechteren Lehrer. Appell: Verbessern Sie Ihren Unterricht und fordern sie nicht so viel!

28 Wozu zu schweigen ist! Sie wollen doch sicherlich noch etwas werden, oder? Sachebene: Es gibt Hinweise, dass Sie auf Ihre Beförderung hin arbeiten. Selbstoffenbarung: Ich kann das gut verstehen, ich würde das auch wollen. Beziehung: Ich könnte Ihnen dabei behilflich sein. Appell: Berücksichtigen Sie diesen Aspekt bei der Benotung!

29 Literatur Fachhochschule Nordschweiz, Pädagogische Hochschule, Kurs Feedback, Kommunikation, Weiterbildung im Kollegium, Februar 06 unter Gordon, Thomas (1981): Lehrer-Schüler-Konferenz. Wie man Konflikte in der Schule löst. Heyne Verlag Rosenberg, Marshall B. (2001): Gewaltfreie Kommunikation, Aufrichtig und einfühlsam miteinander sprechen. Verlag Junfermann, Paderborn Schulz von Thun, Friedemann (1998): Miteinander reden, 3 Bände, Rowohlt Sachbuch, Reinbek bei Hamburg

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