VIEL KULTUR. 4 Jahre Kulturagenten-Programm an der Stadtteilschule Eidelstedt

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1 VIEL KULTUR 4 Jahre Kulturagenten-Programm an der Stadtteilschule Eidelstedt

2 Inhalt 2 VIEL KULTUR 4 Kultursuche 8 Spukversicherung 12 Weiße Flecken der Erinnerung 16 Mary Poppins 20 FREIRAUM_Design 24 FREIRAUM: Bauchladen Monopol 28 SPEISERAUM: Ey cook it! 32 SPIELRAUM: Hotel Kinilk 36 Verlorene Körper 40 Switch&Film 44 Von Okeaniden und Orientalinnen Spurensuche in Hamburgs kolonialem Stadtraum 48 Wieviele Formen hat Licht! 52 Dank 53 Impressum

3 VIEL KULTUR Von September 2011 bis zu den Sommerferien 2015 hat die Stadtteilschule Eidelstedt am Modellprogramm Kulturagenten für kreative Schulen teilgenommen. Genau wie 23 andere Stadtteilschulen in ganz Hamburg und weitere 115 Schulen in Baden- Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Mit Hilfe des Kulturagentenprogramms sollte die Teilhabe an Kunst und Kultur fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen werden den künftigen Akteuren einer kulturinteressierten Öffentlichkeit. Die Schülerinnen und Schüler sollten nachhaltig für Kunst und Kultur begeistert und dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Mit der vorliegenden Dokumentation wollen wir diese vier Jahre ein wenig Revue passieren lassen und einen kleinen Einblick geben in die Projekte, die im Rahmen des Programms an der Stadtteilschule Eidelstedt stattgefunden haben. 2 Es waren insgesamt 12 Projekte aus den Bereichen Theater, Kunst, Performance, Film, Fotografie, Design und Eat-Art mit diversen Bezügen wie beispielsweise zur Hamburger Geschichte, zum Stadtteil, zur Kunstgeschichte oder zur eigenen Schule. Durch die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern und den Kulturpartnern sind dabei sehr unterschiedliche und für alle Beteiligten sehr einmalige künstlerische Erlebnisse und Projekte entstanden. Rund 400 Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge haben dabei Neues entdeckt, haben Stücke geschrieben, Filme gedreht, Bilder gemalt, künstlerische Werkbücher gestaltet, haben fotografiert, Theater gespielt, Möbel entworfen und gekocht. Wichtig war es dabei stets, den Schülerinnen und Schülern interessante und ernsthafte Einblicke in die Welt der Kunst zu eröffnen und ihnen spannende Begegnungen mit Künstlerpersönlichkeiten zu ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler haben so neue Orte in Hamburg oder bekannte Orte neu kennengelernt. Sie waren mal draußen und mal richtig drin in der Schule und sie haben Fragen gestellt und sich Antworten gesucht. Wir wünschen viel Freude beim Durchblättern.

4 Kultursuche Schuljahr 2011/12 Wo und wie und überhaupt ist hier Kunst und Kultur an meiner Schule? Mit dieser Frage hat sich das ausgewählte 6-köpfige Schüler-Filmteam auf Spurensuche mit der Kamera begeben: wo versteckt sich Kunst und Kultur an der Schule? Unter dem Vergrößerungsglas des Detektiven schauten die Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 5, 7, 9 und 10 ganz genau hin und entdecken Altes, Vergessenes und viel Buntes mit ihrer Kamera. Unter Anleitung des Filmemachers und Regisseurs Sören Wendt entstand so im Rahmen eines dreitägigen Workshops ein spannender Kurzfilm über Kultur an der Stadtteilschule Eidelstedt. 4

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6 Spukversicherung Schuljahr 2012/13 Geister in unserer Schule? nein, niemals! Oder vielleicht doch? Vielleicht sitzt einer hinter der Tafel und macht, dass ich immer die Antworten vergesse? Gemeinsam mit dem Team des Fundus Theaters haben sich 2 Klassen des 5. Jahrgangs forschend auf die Suche nach diesen geisterhaften Phänomenen gemacht und gemerkt welche Gefühle sie mit verschiedenen Orten ihrer Schule verbinden und wie störend solche Spukerscheinungen für den Schulalltag sein können. Die gefundenen und identifizierten Geister wurden zur näheren Untersuchung ins Fundus-Theater überführt. In einer extra für die Schule entwickelten Theateraufführung haben die beiden Klassen dann entschieden, ob die gefundenen Schulgeister beispielsweise weiter in der Schule wohnen dürfen, einen Namen oder vielleicht sogar ein kleines Geisterhaus bekommen sollen, um in Zukunft ganz offiziell am schulischen Leben teilzunehmen. 8

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8 Weiße Flecken der Erinnerung Schuljahr 2012/13 Was sehe ich eigentlich, wenn ich mir Hamburg anschaue? Im Projekt Weiße Flecken der Erinnerung gingen die Schülerinnen und Schüler des Profilfaches Macht der Bilder des 13. Jahrgangs auf Spurensuche zur Kolonialgeschichte Hamburgs. Die Künstlerin HMJokinen vermittelte in Vorträgen, Gesprächen und erforschenden Stadtrundgängen zunächst einen neuen Blick auf die Kolonialgeschichte Hamburgs eine Sensibilisierung für koloniale Bilder und ihre Dekonstruktion. Dieser forschende Ansatz verknüpfte sich anschließend mit einer künstlerischen Auseinandersetzung angeleitet durch die bildende Künstlerin Annika Unterburg: In kreativ und aufwendig gestalteten Forschungsbüchern hielten die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Spurensuche und ihre Gedanken fest. Diese Bücher wurden in Lesungen und Ausstellungen in Hamburg und Bundesweit präsentiert. Die Schülerin Jessica Köster gewann mit ihrer Arbeit den Bertini-Preis. 12

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10 Mary Poppins Schuljahr 2012/13 Eine Lehrerin mit ganz anderen Methoden? Es waren rund 80 Schülerinnen und Schüler aus fünf Jahrgängen 7, 8, 9 und 12 die aus verschiedenen Perspektiven das Thema der fantastischen Mary Poppins bearbeiteten und ihre neue Version einer ganz besonderen Lehrerin entwickelten. Mal phantastisch, mal ganz real, mal komisch, mal nachdenklich. Dabei bereicherten und ergänzten die künstlerischen Beiträge der Schülerinnen und Schüler aus dem Philosophiekurs, dem Mode- und Film-Projekt das im Zentrum stehende und vom Theaterkurs entwickelte Bühnenstück. Es gab Animationsfilme, fantasievolle und bunte Hüte sowie philosophische Gedanken. Die Schülerinnen und Schüler wurden in den Teilprojekten unterstützt und begleitet von der Kulturwissenschaftlerin Alescha Abendroth, dem Regisseur und Trickfilmer Sören Wendt, sowie dem Theaterpädagogen Marc-André Klotz. Entstanden ist so ein vielschichtiges und buntes Theaterstück, eine phantastische Geschichte um Wissensvermittlung, Lernen, Offenheit und Neugier. 16

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12 FREIRAUM_Design Schuljahr 2013/ /15 Wo sind eigentlich Rückzugsorte für die Schüler? Wie können wir den Prozess der räumlichen Umsortierung an unserer Schule in der Zusammenarbeit mit einem Designer mitgestalten? Dies war die Ausgangsfrage beim FREIRAUM-Projekt. Gemeinsam mit dem Designer Dominik Lutz haben sich die Schülerinnen und Schüler der Profilklasse Kunst und Wort (Jg. 9/10) über zwei Schuljahre Sitzplatzsituationen und Chill-out-Zonen entworfen, Modelle gebaut und zur Abstimmung der Schülerschaft präsentiert. Auch wenn die konkrete Umsetzung dieser Entwürfe letztendlich nicht realisierbar war, so wurden schließlich doch einzelne Objekte unter professioneller Anleitung in die Tat umgesetzt. Für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler war es spannend und nicht immer ganz leicht, den komplexen Weg der Raumgestaltung und Produktentwicklung kennenzulernen. 20

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14 FREIRAUM: Bauchladen Monopol Schuljahr 2013/14 Wie fühle ich mich an bestimmten Orten in der Schule? Wo bin ich gerne, wo nicht und warum? Auch in einem zweiten FREIRAUM-Projekt ging es um die Verortung in den Schulräumlichkeiten. Diesmal mit performativen Ansatz und im Themenfeld von Raum und Gefühl. Mit Methoden und Formen des performativen Agierens ging es darum, sich den Lebensort Schule anzueignen und sich darin kreativ zu positionieren mit dem eigenen Körper und im Austausch mit den Mitschülern. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler des 7. Jahrgangs entwickelten nach einer performativen Recherchephase auf dem gesamten Schulgelände gemeinsam mit den Künstlerinnen Sophia Guttenhöfer und Caroline Christa vom Performance-Kollektiv Bauchladen Monopol gestische Interaktionen und gewannen einen ganz neuen Blick auf ihre Schule. 24

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16 SPEISERAUM: Ey cook it! Schuljahr 2013/14 Essen und Kunst was hat das mit einander zu tun? Essen ist Kommunikation gemeinsam mit anderen, zu verschiedenen Anlässen und in unterschiedlichen kulturellen, persönlichen, religiösen und nationalen Kontexten. Im Projekt SPEISERAUM: Ey cook it! befassten sich die Schülerinnen und Schüler genau mit diesen Aspekten des Themas Speise und Essen aber auch mit der Essraum-Situation in den schuleigenen Räumlichkeiten. Miteinander Nahrung zuzubereiten, gemeinsam zu speisen und zu genießen sowie Freude und Kreativität im Umgang mit Lebensmitteln standen dabei im künstlerischen Fokus. Unter Anleitung der Künstler Per Schumann und Malte Zaccharias kreierten die Schülerinnen und Schüler eine eigene Kochatelier-AG und bauten einen mobilen Küchenwagen, mit dem sie auf den Schulhof und in den Stadtteil zogen und ihre leckeren Kochkünste präsentierten (und verkauften!). 28

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18 SPIELRAUM: Hotel Kinilk Schuljahr 2013/14 Was ist Traum und was Realität? Im Projekt Hotel Kinilk haben sich die rund 20 Schülerinnen und Schüler des Theaterkurses (Jg. 10) thematisch mit Traumvorstellungen und der individuellen Haltung zur Realität beschäftigt. In der Zusammenarbeit mit der Regisseurin, Choreografin und Drehbuchautorin Rica Blunck haben sie dazu Texte geschrieben, die Handlungen und Figuren des Stückes entwickelt, die dabei immer mehr absurde und teilweise fast dadaistische Züge bekamen. Am Anfang war all das etwas ungewohnt, aber schon bald wurden die Möglichkeiten deutlich, die diese szenische Form eröffnen. Und so trafen in dem Stück schließlich diese besonderen Charaktere in einer alten Hotelhalle aufeinander. Ihre Träume wurden wahr und sie gingen ganz in ihrem individuellen Glück auf. Alles war plötzlich so, wie sie es immer haben wollten. 32

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20 Verlorene Körper Schuljahr 2013/14 Welche Spuren aus Hamburgs kolonialer Vergangenheit können wir entdecken? Die 21 Schülerinnen und Schüler der Profilklasse Macht der Bilder (Kunst- und Geschichte), Jahrgang 13, forschten gemeinsam mit den Künstlerinnen HMJokinen und Annika Unterburg zu Hamburgs Kolonialgeschichte, zu Vorstellungen des westlich geprägten Orientalismus und insbesondere dessen Genderbild. Nach einer intensiven Recherchephase an verschiedenen Orten der Stadt wurden von den Schülerinnen und Schüler eigene künstlerische Positionen zum Thema erarbeitet. Es entstanden so spannende Performances, Videofilme und Lesungen, die in der Schule und im Mai 2014 im Bürgerhaus Eidelstedt präsentiert wurden. 36

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22 Switch&Film Schuljahr 2014/15 Wie wird aus einem Buch ein Film? Beim Projekt Switch & Film schlüpften die Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs in verschiedene Rollen, haben Drehbücher entwickelt und geschrieben und in Szene gesetzt, haben gelernt ihren ganz eigenen schauspielerischen Ausdruck zu finden und so möglichst professionell vor und hinter der Kamera zu agieren. In all diesen Projektschritten wurden sie dabei von Profis unterstützt: von der Theaterpädagogin Anna Winter und dem Filmemacher Sören Wendt. Der Film, der dabei schließlich entstanden ist, bezieht sich auf das Jugendbuch So voller Wut von Pete Smith und thematisiert Gewalt an Schule. Um eine möglichst authentische Filmatmosphäre zu schaffen, drehten und spielten Schülerinnen und Schüler für die umfangreichen Filmaufnahmen auch an ganz spezifischen Drehorten außerhalb der Schule in einem Gerichtsgebäude, am Eidelstedter Platz und vor dem Gefängnis Santa Fu. 40

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24 Von Okeaniden und Orientalinnen Spurensuche in Hamburgs kolonialem Stadtraum Schuljahr 2014/15 Wie wird anhand von Spuren im Stadtraum ein bestimmtes Bild des Fremden geprägt? Mit den Künstlerinnen HMJokinen und Annika Unterburg auf Spurensuche zu verschiedenen Orten öffentlichen Erinnerns und Vergessens alles im Kontext des Semesterthemas Lebenswelten und Weltbilder verschiedener Kulturen. Dabei ging es für die 21 Schülerinnen und Schüler des Profils Macht der Bilder (13. Jg.) bei diesem stadtbezogenen künstlerisch-forschenden Lernen vor allem darum, genau hinzusehen: wie können Bilder der Macht gebrochen und dekonstruiert werden? Die Schülerinnen und Schüler wurden für den bisher kaum vorhandenen Umgang mit Kolonialgeschichte sensibilisiert. Ihre künstlerischen Auseinandersetzungen dekonstruieren das Vorgefundene. Mit den künstlerischen Forschungsbüchern, mit Filmen und Performances beginnen somit ihre intensiven, kritischen und ganz individuellen Spurensuchen. 44

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26 Wieviele Formen hat Licht! Schuljahr 2014/15 Wie viele Formen hat Licht eigentlich? Die fotografische Auseinandersetzung mit Licht in verschiedenen technischen und natürlichen Formen stand im Mittelpunkt dieses Kunstprojekts des 8. Jahrgangs. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit Lichtkunst und fotografischem Erleben von Licht auseinander. Die professionelle fotografische Inszenierung der selbstgebauten Objekte wurde gemeinsam mit der Hamburger Fotografin Anja Beutler zunächst in der Schule realisiert. In einem weiteren Schritt ging es auf die Profibühne von Kampnagel, wo mit Hilfe von dessen Beleuchter Michael Lentner einen ganzen Tag lang kreativ mit Licht gearbeitet wurde die Bilder eigener Objekte wurden dabei auf die Körper der ganz in weiß gekleideten Mitschüler projiziert. So entstanden Fotos von buntem Licht, graphischen Lichtprojektionen und leuchtender Bewegungen, Schatten und Dunkelheit: ein breites fotografisches Spektrum in der Auseinandersetzung mit zahlreichen Formen von Licht. 48

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28 Dank Wir danken allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sowie Lehrerinnen und Lehrern für die Mitgestaltung und Unterstützung bei all diesen Projekten Alescha Abendroth, Daniel Baum, Anja Beutler, Rica Blunck, Gyde Borth, Caroline Christa, Dorothee de Place, Sophia Guttenhöfer, Martin Hanke, Julie Heitmann, Marcus Hille, Peter Hoffmann, Hannimari Jokinen, Marc-André Klotz, Dominik Lutz, Wiebke Madsen, Justyna Orzechowska, Christian Scheithe, Per Schumann, Julia Sonntag, Annika Unterburg, Sören Wendt, Gesine Wesemeyer-Grunert, Anja Winter, Rita Wolf, Malte Zaccharias Und natürlich allen beteiligten Schülerinnen und Schülern für ihre Kreativität, ihr Mitwirken und ihren Einsatz! 52 Impressum Redaktion: Julie Heitmann, Julia Strobel Gestaltung: Christian Jaxy Fotos S : Herbert Flick Verantwortliche Kulturagentinnen: Julia Strobel und Andreja Dominko

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