Ein MBA ist oft teuer. Damit die Investition sich lohnt, schneidern viele Firmen an den Programminhalten selbst mit

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1 ... SONDERBEILAGE DER FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 28. OKTOBER 2011 A1 Online-Lernen Warum Business-Schools Teile ihrer MBA-Kurse auch via Facebook anbieten Seite 4 beilagen... INHALT... Finanzbranche Die Lehren aus der Krise sind begrenzt: Nur wenige Schulen unterrichten heute mehr Ethik. Seite 2 Ich-Kurse BWL allein reicht nicht mehr. MBA-Kurse stärken nun auch die Persönlichkeit der Teilnehmer. Seite 3 Ranking Die Elite-Schulen bieten Programme an verschiedenen Campus an. Welche weltweit vorne liegen. Seite 5 Golfstaaten Business-Schulen sind mit -Programmen vor Ort. Deutsche Teilnehmer gibt es kaum. Seite 6 Führungskräfte Topmanager drücken nur selten die Schulbank in einem MBA-Seminar. Seite 7 Kosten Immer mehr Arbeitgeber bezahlen die MBA-Programme ihrer Mitarbeiter. Seite 8 Managerkurse nach Maß Ein MBA ist oft teuer. Damit die Investition sich lohnt, schneidern viele Firmen an den Programminhalten selbst mit Melanie Hofman... Exzellent ausgebildete Mitarbeiter sind für Unternehmen das wichtigste Kapital. Doch wenn es um konkrete Investitionen in den Nachwuchs geht, rechnen sie ganz genau nach. Zum Beispiel beim MBA. An namhaften Schulen kosten die Managementprogramme bis zu Euro. Bevor Unternehmen diese Summe aufbringen, wollen sie sichergehen, dass die Rendite stimmt. Daher versuchen sie immer häufiger Einfluss auf die Unterrichtsinhalte zu nehmen. Ein prominentes Beispiel ist die Otto Group startete der erste Otto-MBA an der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg. Die Otto Group identifiziert potenzielle Nachwuchskräfte aus ihrem Unternehmen und diese nehmen dann an einem Auswahlverfahren der Hochschule teil, sagt Markus Reihlen, Studiengangsleiter des MBA in Strategischem Management an der Leuphana. Da der MBA ein akkreditierter akademischer Studiengang ist, müssen die Teilnehmer jedoch auch formale Kriterien erfüllen. Ein akkreditierter Studiengang, von einem Unternehmen finanziert und inhaltlich mitbestimmt das ist für Reihlen kein Widerspruch: Wir definieren als Hochschule die rein akademischen Inhalte, berücksichtigen aber die Fähigkeiten, die sich die Otto Group für ihre jungen Manager wünscht. Trotzdem sei das kein Trainingsprogramm, sondern ein Hochschulabschluss, der den offiziellen Standards genügen muss. Gerade im Theorie-Praxis-Transfer wurde das Programm als sehr gut bewertet: Dieser Punkt ist für Otto und uns sehr wichtig, weil es eben gelingen soll, Theorie so in die Praxis zu übertragen, dass die jungen Manager zu handlungsfähigen Personen werden, sagt Reihlen. Hintergrund des speziellen Otto- MBAs sei eine Diskussion, die auch in anderen Programmen immer wieder auftrete, sagt Heiko Franken, Geschäftsführer der Leuphana Professional School. Viele Unternehmen fragten sich, wie sie mit den vielen Bachelorabsolventen umgehen sollen, die sie derzeit einstellen. Junge Absolventen wollten schon zu Beginn wissen, ob es später die Möglichkeit gebe, einen Master zu machen. Mit einem eigenen MBA können die Unternehmen dann gut punkten. Im Mai startet an der Leuphana ein weiterer Masterstudiengang. Gemeinsam mit den vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften entstand ein Programm, das neben dem Abschluss in Wirtschaftsprüfung auch auf das Examen zum Wirtschaftsprüfer vorbereitet. Weitere Kooperationen sind angedacht. Einflussnahme hat hier nichts Negatives. Unternehmen sollen ihre Führungskräfte den individuellen Anforderungen entsprechend weiterbilden JANA NÄTHER, Geschäftsführerin HHL Executive Lernzeit geben In welcher Form hat Ihr Arbeitgeber Sie unterstützt? Umfrage unter 317 Studierenden und Alumni, Antworten* in % flexible Arbeitszeitregelung zeitliche Freistellung Finanzierung teilweise Finanzierung komplett 14 keine Unterstützung * Mehrfachnennung möglich FTD/jst; Quelle: Swop, MBA-Studie, 2010 Dieser engen Kooperation stehen viele Schulen kritisch gegenüber. Wir verleihen einen Degree in General Management, also achten wir auch darauf, dass die Inhalte allgemein gehalten werden, sagt Jürgen Weigand, Akademischer Leiter der MBA- und -Programme der WHU Otto Beisheim School of Management bei Koblenz. Die Teilnehmer seien oftmals auch Konkurrenten. Da könne man keine Fallstudie eines einzelnen Unternehmens besprechen. Kooperationen sind ihm dennoch wichtig: Ich besuche regelmäßig Unternehmen und spreche mit Managern und Personalverantwortlichen darüber, was sie bewegt und wo sie Schulungsbedarf sehen, sagt Weigand. Auf Wunsch von Unternehmen schneidert die WHU auch ein sogenanntes Customized Program. Dies beinhaltet Elemente des General Management, wird aber auf die Ansprüche des Unternehmens ausgerichtet. Das Unternehmen liefert Informationen und die Teilnehmer lernen an konkreten Fallstudien. Die Handelshochschule Leipzig (HHL) nennt solche Programme Executive Education. Wir konzipieren gemeinsam mit Unternehmen Weiterbildungsmöglichkeiten von zwei bis zehn Tagen, sagt Jana Näther, Geschäftsführerin der HHL Executive. Diese Kurse richten sich beispielsweise an Führungskräfte mit technischem Hintergrund, die in Zukunft auch wirtschaftliche Strategien ausarbeiten. Oder an Berufserfahrene, die ihr Wissen auffrischen sollen. Einflussnahme hat hier nichts Negatives, sondern es soll hier so sein, dass Unternehmen ihre Führungskräfte den individuellen Anforderungen entsprechend weiterbilden, erklärt Näther das Prinzip. Die Kurse seien praxisorientiert, aber mit akademischem Hintergrundwissen. Die Executive-MBA-Programme sind jedoch meistens nur Nachwuchstalenten vorbehalten. Führungskräfte anderer Hierarchieebenen würden in Weiterbildungskursen geschult. Praktiker als Dozenten Bezug zum Geschäftsalltag ist auch an der ESCP Europe in Berlin ein wichtiges Thema. Wir legen Wert darauf, dass in fast allen Veranstaltungen Praktiker dabei sind und ein Praxisbezug hergestellt wird, sagt Ayad Al- Ani, Rektor der ESCP Europe. Im Rahmen ihrer jährlichen Summer-School sucht sich die Hochschule Unternehmen als Kooperationspartner, die teilweise eigene Dozenten in die Veranstaltungen schicken. Gemeinsam versuchen sie, neue Themen zu definieren und diese möglicherweise in den Lehrplan eines einzubauen. Eine andere Möglichkeit dafür hat die IESE Business School gefunden. Im Rahmen ihres Global Executive MBA (G) bietet die Hochschule sogenannte In-Company-Projects. Teilnehmer stellen ein Problem aus der eigenen Firma vor und erarbeiten maßgeschneiderte Lösungen. Parallel arbeiten sie im Unternehmen weiter, können das Gelernte umsetzen und tragen das Feedback zurück in die Kurse. Dass das Konzept funktioniert, belegt Generaldirektor der IESE Franz Heukamp mit folgendem Beispiel: Ein leitender Manager einer großen US- Airline stellte kürzlich vor, wie durch seine Erkenntnisse aus dem G- Projekt die Kapazität der Motoreninspektionen in seiner Airline verdoppelt werden konnte. Die Investition in den Nachwuchs hat sich also gelohnt.

2 ... FREITAG, 28. OKTOBER 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND A 2 Keine Frage der Moral Auch Business-Schools haben ihren Anteil an der Finanzkrise, doch nur wenige unterrichten heute mehr Ethik als zuvor Constantin Gillies... Masters of the Universe so nannten sich die Banker in Tom Wolfes Roman Fegefeuer der Eitelkeiten. Das war einmal. Spätestens seit der Finanzkrise taugen die Helden der Hochfinanz nur noch als Buhmänner: In der aktuellen Umfrage von Allensbach zur Beliebtheit von Berufen liegt der Banker auf dem letzten Platz. Auch die Business-Schulen stehen zunehmend am Pranger: Die Ausbildungsstätten tragen eine Mitschuld an der Misere, dieser Vorwurf ist seit 2008 vor allem in den USA häufig zu hören. Die Bankerschmieden hätten die falschen ökonomischen Modelle vermittelt. Aber stimmt das wirklich? Und vor allem: Haben die Weiterbildungsanbieter aus der Finanzkrise gelernt und ihre MBA- Curricula angepasst? Auf den ersten Blick scheint das der Fall zu sein. Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht (EBS) in Oestrich-Winkel etwa hat einen neuen Lehrstuhl für nachhaltiges Business und ein Center of Responsible Economy eingerichtet. Daneben veränderte der Platzhirsch die Lehrpläne der berufsbegleitenden MBA-Programme an vielen Stellen. Risikomanagement oder finanzielle Anreizsysteme, bei denen es im Bankensektor immer noch Defizite gibt, spielen jetzt eine größere Rolle, sagt Ulrich Winkler, Vice Dean Education bei der EBS. Außerdem habe man das Thema Business-Ethik an vielen Stellen stärker in das Curriculum einmassiert. Winkler warnt jedoch davor, die Rolle der Hochschulen zu überschätzen. Die Business-Schools tragen nur bedingt eine Mitverantwortung an der Krise, sagt der EBS-Mann. Die Vorstellung sei irrig, man könne mit einem Kurs Fehlverhalten bei Bankern verhindern. Die grundsätzliche moralische Formung passiert in Familie und Schule, sagt Winkler, nachgelagerte Institutionen wie die Business- Schools könnten sie nur begrenzt beeinflussen. Keinen Handlungsbedarf sieht die Frankfurt School of Finance & Management. Wir haben nichts geändert! Das Thema Ethik war immer schon Bestandteil unserer Masterprogramme, sagt Ingolf Jungmann, Vizepräsident und Geschäftsführer der Nachwuchsschmiede der Finanzbranche. Aber lehrten Institutionen wie die Frankfurt School of Finance & Management früher nicht unter anderem den Shareholder-Value-Ansatz, der mittlerweile zumindest umstritten ist? Natürlich, aber solche Modelle werden nie unhinterfragt weitergegeben, entgegnet Jungmann. An den amerikanischen Managerschmieden ist das Mea Culpa nach der Krise etwas deutlicher ausgefallen. Studenten der Harvard Business School entwickelten 2009 in Eigenregie eine Art von hippokratischem Eid, den rund die Hälfte der Absolventen ablegte. Darin mussten sie versprechen, dem... Die Business- Schools tragen nur bedingt eine Mitverantwortung an der Krise ULRICH WINKLER, Vizedirektor EBS allgemeinen Guten zu dienen und im Job mit äußerster Integrität vorzugehen. In Deutschland griff lediglich die EBS die Idee vom Schwur auf, der Großteil der Bildungsanbieter winkte hingegen ab. Wir sind keine Freunde des Eides, sagt auch Geschäftsführer Jungmann von der Frankfurt School. Er hält ein solches Gelübde schlichtweg für ungeeignet. Wir wollen keinen Moralunterricht geben, sondern für Moralprobleme sensibilisieren. Der Knackpunkt ist: Es gibt für die Business- Schulen momentan keinen Grund, ihre Curricula umzustellen ganz einfach, weil sich außer aufgeregten Medien niemand für das Thema Ethik interessiert. Das fängt bei den Kreditinstituten an, den Abnehmern von MBA-Absolventen. Hat die Finanzkrise einen Einfluss auf die Managerausbildung und -auswahl? Zu dieser Frage äußert sich die Deutsche Bank zum Beispiel nicht. Ein Sprecher gibt auf Nachfrage lediglich an, dass die Erfahrungen der Vergangenheit immer in die Ausbildung der Mitarbeiter einflössen und diese regelmäßig einem Update unterzogen werden. Insider finden deutlichere Worte. Es ist nicht erkennbar, dass die Finanzkrise von 2008 einen Einfluss auf die Managerausbildung genommen hat, sagt der Geschäftsführer eines Dienstleisters aus Süddeutschland, der Kreditinstitute bei der Personalauswahl unterstützt. Insgesamt seien die Banken bei der Personalauswahl zwar vorsichtiger geworden, sagt der Marktkenner, doch Ethik-Checks oder Ähnliches fänden nicht statt. Vizepräsident Jungmann von der Frankfurt School fühlt ebenfalls keinen erhöhten moralischen Druck von der Kundenseite: Wenn ein Unternehmer einen Mitarbeiter zu uns schickte, um ihn auf Führungsaufgaben vorbereiten zu lassen, kam der Themenbereich Ethik noch nie auf den Tisch. Also alles beim Alten? Experten widersprechen. Die Finanzkrise führt dazu, dass die Managerausbildung an die Realitäten des 21. Jahrhunderts angepasst wird, sagt Karlheinz Schwuchow, wissenschaftlicher Leiter der Limak Austrian Business School, Linz. Er beobachtet, dass gerade amerikanische Business-Schools ihre Lehrpläne umkrempeln. Die strenge Einteilung in Marketing-, Strategieund Finanzkurs fällt, mehr Vorlesungen werden von Professoren unterschiedlicher Disziplinen gemeinsam gehalten. Auch das alte Harvard-Modell, viele Fallstudien abzuarbeiten, ist auf dem Rückzug. Stattdessen werden Lernende in die reale Wirtschaft geschickt, um hier in Projekten zu arbeiten. Was gelehrt wird, geht über den Kreis der Kern- BWL zunehmend hinaus, beschreibt Schwuchow den großen Zukunftstrend, auf den auch sein eigenes Haus setzt: Die Limak bietet seit letztem Herbst ein MBA-Programm mit dem Titel Creative Process Leadership an, das Manager zu neuem Denken anregen soll. Deshalb wurde das Programm zusammen mit einem ungewöhnlichen Partner aufgelegt: der Kunstuniversität Linz.

3 ... FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 28. OKTOBER 2011 A 3 Im Meeting mit sich selbst Fachwissen allein macht noch keinen guten Manager. Business-Schulen setzen nun die Persönlichkeit auf den Lehrplan Axel Gloger... Mit Speck fängt man Mäuse, so lautet eine alte Bauernregel. Auch die Business-Schools nutzen Lockmittel, um für ihre Programme zu werben. Besonders gefragt sind zurzeit Kurse zum Thema Persönlichkeit, die in die MBA- und Executive-MBA-Programme eingeflochten werden. Diese Angebote haben eindeutig zugenommen, sagt Nick Barniville, MBA-Director bei der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Mit Lehrstoff, der die Persönlichkeit weiterbringt, können sich die Business-Schools von ihrer Konkurrenz noch abheben. Denn die Betriebswirtschaftslehre allein bringt keine Punkte mehr. BWL ist wie Milch im Supermarktregal ganz gleich, wo der Kunde hingeht, die Angebote sind überall ähnlich: Kurse in Marketing, Finanzierung und Personal sind die Grundsubstanz jedes MBA-Studiums. Auch am Arbeitsmarkt gewinnt das Thema an Bedeutung: Persönlichkeit wird im Wettlauf um die Positionen an der Spitze immer wichtiger, sagt Bettina Sturm, Inhaberin der Karriereberatung Dein Copilot. Beste Fachkenntnisse werden in den Top-Jobs stillschweigend vorausgesetzt aber wer in turbulenten Zeiten führen will, muss mehr bieten. Seine Wirkung auf Mitarbeiter und Kollegen einschätzen, zielorientiert kommunizieren, beherzt entscheiden und gut delegieren können solche Fähigkeiten sind für obere Führungspositionen wichtig, erklärt Edmund Mastiaux vom Zentrum für Management und Personalberatung (ZfM). Deshalb setzt der Executive MBA der Universität St. Gallen beispielsweise auf das Soft-Skill-Plus neben den am Markt gängigen und austauschbaren Leistungsversprechen wie Exzellenz oder World Class Faculty wird die Entwicklung der Persönlichkeit sogar besonders herausgestellt. Damit unterstützen wir unsere Teilnehmer auf dem Weg zur Führungsposition, sagt Markus Seitz, Managing Director des Executive MBA. Die Lehrinhalte sind nur Persönlichkeit wird im Wettlauf um die Positionen an der Spitze immer wichtiger BETTINA STURM, Karriereberaterin Dein Copilot eine Hälfte des Nutzens, die andere Hälfte ist die persönliche Entwicklung. Um dieses Versprechen einzulösen, gibt es einige Angebote jenseits des üblichen BWL-Programms. Sie reichen von Karriereberatung über Stress- und Gesundheitschecks bis hin zu Sport und Einzelcoachings. Aber gehören Kurse in Sport und Stressbewältigung wirklich in ein Executive-MBA-Programm, das immerhin stolze Euro kostet? Solche Kurse könnte man schließlich auch wesentlich günstiger bekommen zum Beispiel beim Fitness-Center um die Ecke. Seitz beantwortet diese Frage mit einem entschiedenen Ja: Berufstätigkeit ist heute stark leistungsorientiert, sagt er, dafür braucht es nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch mentale und physische Fitness. Ein Sportmediziner vom VfB Stuttgart helfe den MBA-Studenten, achtsam gegenüber sich und den anvertrauten Mitarbeitern zu sein. Gesundheit sei ein Schlüssel zum Erfolg im Beruf. Wer stark und fit ist und seine Grenzen einschätzen kann, verringert das Risiko, im Job auszubrennen. Selbst gestandene Manager können in den Executive-Studiengängen noch etwas dazulernen. Klar, wir haben es hier mit sehr erfahrenen Teilnehmern zu tun, sagt Konstantin Korotov, Direktor des Center for Leadership Development an der ESMT. Seine Studenten haben im Schnitt zehn Jahre und mehr Berufserfahrung. Aber viele kommen in einem kritischen Moment ihrer Karriere zurück an die Universität: Der typische Executive-MBA-Student steht an einem Punkt, wo es nicht mehr reicht, einfach professionell gut zu sein. Wer Mitarbeiter führt, harte strategische Nüsse knacken muss und manchmal auch die Aufgabe hat, Entscheidungen schnell durchzudrücken, braucht mehr als ein paar angelernte Führungsfähigkeiten. Dieses Plus versprechen die MBA- Schulen zu liefern. Sie wollen die ESMT-Studenten auf die dünne Luft, die in den Führungsetagen herrscht, vorbereiten. Bei uns können die Teilnehmer beispielsweise lernen, wie man negatives Feedback übermittelt und harte Entscheidungen kommuniziert, aber dabei trotzdem die Würde des Gegenübers wahrt, sagt Führungsexperte Korotov. Solche Themen werden in Workshops und Diskussionsrunden trainiert. Überdies kann der persönliche Coach das Führungsverhalten in einer eins-zueins-gesprächssituation reflektieren. Mindestens 15 Prozent des Studiums befassen sich mit Themen rund um die persönliche Weiterentwicklung, ergänzt Nick Barniville, MBA-Direktor an der Berliner Business School. Mit solchen Angeboten versuchen die Bildungseinrichtungen, die Führungskräfte für ihren Berufsalltag zu wappnen. Unsere Executive-Studenten sollen ihre Selbstwahrnehmung schulen und ein Gefühl dafür bekommen, wo die eigenen Stärken und Grenzen liegen, erklärt Alberto Ribera von der IESE Business School in Barcelona. Im Büroalltag sei für so eine Form der Rückmeldung sonst nicht die Zeit. Außerdem gehörten die sogenannten Ich-Themen zu den Tabus im Management. Ehrliches Feedback gibt es laut Ribera in der Arbeitswelt selten und Selbstreflexionen werden unter Alphatieren meist unterdrückt. Deshalb lernen unsere Studenten, wie sie zu einem konsistenten Selbstbild gelangen, sagt der Mann, der im Executive MBA den Kurs Managing Oneself lehrt. Eine Teilnehmerin des Executive- Lehrgangs an der Universität St. Gallen bestätigt diese Sichtweise. Hier gibt es Gelegenheit zur Selbstreflexion, sagt die Studentin, dabei hilft es sehr, dass in der Universität eine gewisse Distanz zum Büroalltag besteht. Außerhalb von hierarchischen Beziehungen und Terminzwängen lässt es sich offenbar besser über die künftige Rolle in der Arbeitswelt nachdenken. Zwar laufen Executive MBA berufsbegleitend, aber während der ein- bis zweiwöchigen Lernblocks gibt es genügend Freiräume, um sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Die erfahrenen Studenten lernen außerdem nicht allein und können sich gegenseitig hilfreiches Feedback geben: Die Lernsettings sind vorwiegend interaktiv, sagt Führungsexperte Korotov. Das schaffe Raum für eine breite Perspektive. Man lernt von seinen Mitstudenten, dass ein Sachverhalt selten nur eine schwarze und eine weiße Seite hat, sondern auch zig Grautöne dazwischen. Das helfe den Studenten beim späteren Umgang mit Kollegen. Viele Unternehmen begrüßen es, wenn sich ihre Mitarbeiter weiterbilden. In Führungspositionen ist ein gutes Zeit- und Konfliktmanagement gefragt, sagt Christa Stienen, Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Personalmanager (BPM). Trainings wie ein Executive MBA könnten einen Beitrag leisten, solche Fähigkeiten zu verbessern. Durch Bücher oder Frontalvorträge sei dies nur schwer möglich. Deshalb ist es gut, dass die Business- Schools solche Themen stärker als früher in ihre Lehre einbinden, sagt die Expertin. Die Kurse bewirkten nachhaltige Veränderungen. Die Persönlichkeiten wachsen, werden reflektierter, beschreibt Professor Korotov seine Erfolge. Über 21 Monate kommen die Studenten immer wieder zusammen, mal für drei Tage, mal für zehn Tage. Das ist intensiv, das prägt fürs Leben.

4 ... FREITAG, 28. OKTOBER 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND A 4 Mit Facebook zum Examen Immer mehr Business-Schulen bieten MBA-Kurse auch über soziale Netzwerke an und erschließen damit eine neue Zielgruppe an der Mannheim Business School auch Präsenzstudiengänge; der Anteil von Onlineelementen, etwa Simulationen oder E-Learning-Tools, liege bei rund fünf Prozent. Seinen Anfang nahm der Online-Boom in den USA. Die University of Phoenix ist den meisten Rankings zufolge die erfolgreichste Onlineuniversität. Dort kann man auf Bachelor oder Master studieren und sogar promovieren alles via Internet. Die Hochschule hat dazu einen eigenen E-Campus eingerichtet, auf den man auch via Smartphone oder Tablet zugreifen kann. Über Gruppenchats werden Debatten geführt und Teamarbeit organisiert. Melanie Hofmann Wir müssen an die Zukunft denken und uns daran orientieren RICK STURGE, Business Development Director an der LSBF Ein Klick auf den Gefällt-mir-Knopf auf der Facebook-Seite des LSBF Global MBA genügt, um sich zu diesem Onlinestudium einzuschreiben. So einfach war das noch nie: kein Auswahlverfahren, keine Fristen, keine Studiengebühren. Denn studieren kann auf Facebook erst mal jeder. 80 Lehrstunden Lernmaterial stehen den Facebook-Studenten der London School of Business and Finance (LSBF) zur Verfügung einen zeitlichen Rahmen gibt es dafür nicht. Ein faszinierender Punkt an dem Programm ist, dass die Studenten die Freiheit haben, überall zu studieren, wo es ihnen am besten passt, sagt Elena Kaplun von der LSBF. Mithilfe von Videovorlesungen, Fallstudien und Podiumsdiskussionen, beispielsweise der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte oder dem IT-Spezialisten Accenture, studieren die Teilnehmer vier Hauptfächer: Strategic Planning, Organisational Behaviour, Corporate Finance und Marketing-Management. Erst wer später die Abschlussprüfung machen will, muss zahlen. Für jedes der acht Module werden rund 1140 Euro veranschlagt das ist ein bisschen günstiger als das normale MBA-Programm an der LSBF. Da der Facebook-MBA ein vollwertiger akademischer Abschluss ist, müssen die Studenten für die Prüfung formale Zulassungsbedingungen erfüllen: einen Bachelorabschluss und mindestens drei Jahre Praxiserfahrung. Seit dem Start im November 2010 hat die Seite Fans bei Facebook bekommen etwa Studenten nutzen die Plattform im Monat aktiv. Es ist allerdings noch unklar, wie viele Studenten nach dem Studium auch einen Abschluss machen. Zum Konzept des Global MBA gehört es, dass auch Leuten, die nicht für ein Zertifikat bezahlen können oder keines benötigen, qualitativ hochwertige Materialien zur Verfügung gestellt werden. Das klingt eher nach Marketingtrick als nach Altruismus. Wir müssen an die Zukunft denken und uns daran orientieren, sagt Rick Sturge, Business Development Director an der LSBF. Er unterscheidet zwischen einer alternden alten Welt und einer jugendlichen neuen Welt. Im Kampf um Talente müsse man sich an die Anforderungen der Generation Facebook anpassen. Es geht nicht darum, stundenlang in einem Klassenzimmer zu lernen, sagt Sturge. Es gehe um Qualifikation. Er sieht den Facebook-MBA auch als Alleinstellungsmerkmal, als Innovation. Zudem schaffe Facebook einen Zugang zu Studenten, die sonst vielleicht von einem MBA-Programm abgeschreckt wären. Reine Online-MBA-Studiengänge gibt es in Deutschland bisher nur an Fernunis. Die Euro-FH in Hamburg beispielsweise bietet einen MBA in International Management an. Je nach Vorkenntnissen und Arbeitserfahrung dauert das Fernstudium 14, 18 oder 24 Monate. Es folgt dabei aber einem festen Curriculum. Auch die meisten anderen Executive-MBA- Programme nutzen das Social Web nur als eine von vielen Maßnahmen. Ein Kernelement unseres MBA ist die Teamarbeit, sagt Ralf Bürkle von der Mannheim Business School. Denn nur so lassen sich nach unserer Auffassung Schlüsselqualifikationen wie Team- und Konfliktfähigkeit, interdisziplinäres Arbeiten und Denken oder interkulturelle Kompetenz sinnvoll trainieren und verbessern. In einem reinen Online-MBA-Studiengang sei das nicht möglich. Daher seien die MBA-Studiengänge Netzwerken in Madrid Für das neue Semester hat die University of Phoenix gerade die Phoenix Lecture Series vorgestellt, Videolehrveranstaltungen wie 3-D-Hologramme und mit vielen anderen digitalen Effekten. Wir wollen unsere Studenten so ausbilden, dass sie auf eine Arbeitsumgebung des 21. Jahrhunderts vorbereitet werden. Unsere Ausbildungsmethoden und der akademische Inhalt müssen diese neue Welt reflektieren, sagt Bill Pepicello, Präsident der University of Phoenix. Auch die IE Business School in Madrid bietet einen Global MBA an. Über den sogenannten Media Campus können Studenten flexibel überall auf der Welt studieren zweimal in den 15 Monaten des MBA-Programms müssen sie jedoch für eine Woche nach Madrid kommen, um mit Klassenkameraden und Professoren zu netzwerken. Die Aufnahmebedingungen sind dieselben wie für den Vollzeit- MBA in Madrid. Die Onlinestudenten an der IE Business School sind mit 31 Jahren durchschnittlich etwas älter als die Vollzeitstudenten mit 28 Jahren. Sie haben auch etwas mehr Berufserfahrung als die anderen. Eigenen Angaben zufolge machen 100 Prozent der Programmstarter des Media Campus auch ihren Abschluss an der Onlineuniversität. Soweit sind die meisten europäischen Managementschmieden noch nicht. Rick Sturge von der LSBF hofft, dass von den aktiven Nutzern zumindest ein einstelliger Prozentsatz nachher die Prüfung ablegt. Damit wären wir zufrieden. Das Programm hat uns immerhin keinen Cent extra gekostet, die Materialien hatten wir sowieso.... IMPRESSUM... Financial Times Deutschland Am Baumwall Hamburg Tel. 040/ Redaktion: Volker Bormann (verantw.), Helmut Broeg, Barbara Domschky, Swantje Friedrich, Johanna Hergt, Tina Stadlmayer, Gestaltung: Nicolai Gogoll, Merle Schröder, Bildredaktion: Christian Kollrich, Andreas Boschmann, Infografik: Jens Storkan, Bildbearbeitung: EBV der G+J Wirtschaftsmedien, Chefin vom Dienst: Dr. Hiltrud Bontrup, Korrektorat: Helmut Hillger, Kirstin Oehme-Mattheis Verlag: G+J Wirtschaftsmedien AG & Co. KG, Verlagsgeschäftsführerin: Ingrid M. Haas, Postanschrift: Brieffach 02, Hamburg, Verlagsleiter: Jan Honsel, Albrecht von Arnswaldt, Gesamtanzeigenleiterin: Helma Spieker, Anzeigenleiter: Jens Kauerauf (FTD, htsi, enable), Martina Hoss (Capital, impulse, BÖRSE ONLINE), Syndication: Picture Press Bild- und Textagentur GmbH, Koordination: Petra Martens, Anfragen: Isabella Kamauf, Tel. 040/ , Financial Times, Financial Times Deutschland and FTD are registered trade marks of The Financial Times Limited and used under licence. Druck: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, Augsburg; BZV Berliner Zeitungsdruck GmbH, Berlin; Druck- und Verlagszentrum GmbH & Co. KG, Hagen; Mannheimer Morgen Großdruckerei und Verlag GmbH, Mannheim

5 ... FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 28. OKTOBER 2011 A 5 Die besten -Programme der Welt Rang Programme in Europa Rang 2010 Rang 2009 Drei-Jahres-Durchschnitt (Rang) Name der Schule Land Name des Programms Gehalt heute (in $) Gehaltsanstieg (in %) Karrierefortschritt (Rang) Berufserfahrung (Rang) Erreichte Ziele (Rang) Weibliches Lehrpersonal (in %) Studentinnen (in %) Frauen im Beirat (in %) Anteil ausl. Dozenten (in %) Anteil ausl. Studenten (in %) Anteil ausl. Beiratsmitglieder (in %) Internationale Erfahrung (Rang) Sprachen Dozenten mit Doktortitel (in %) FT-Doktorandenbewertung (Rang) FT-Forschungsbewertung (Rang) Kellogg/Hong Kong UST Business School China Kellogg-HKUST Trium: HEC Paris/LSE/New York University: Stern Frankreich/Großbritannien/USA Trium Global Columbia/London Business School USA/Großbritannien Global Americas & Europe Insead Frankreich/Singapur/Ver. Arab. Emirate Insead G University of Chicago: Booth USA/Großbritannien/Singapur Duke University: Fuqua USA MBA Global Executive University of Pennsylvania: Wharton USA MBA for Executives IE Business School Spanien UCLA/NUS USA/Singapur UCLA-NUS London Business School Großbritannien/Ver. Arab. Emirate Ceibs China International Kellogg/York University: Schulich Kanada Kellogg-Schulich Iese Business School Spanien Global Chinese University of Hong Kong China Washington Univ.: Olin/Fudan Univ. School of Management USA/China Washington-Fudan IMD Schweiz Kellogg/WHU-Otto Beisheim School Deutschland Kellogg-WHU Northwestern University: Kellogg USA National University of Singapore School of Business Singapur Asia Pacific Arizona State University: Carey China Carey/SNAI New York University: Stern USA UC Berkeley/Columbia USA Berkeley-Columbia Imperial College Business School Großbritannien Korea University Business School Südkorea Columbia Business School USA One MBA: CUHK/RSM/UNC/FGV São Paulo/Egade China/Niederlande/USA/Brasilien/Mexiko One MBA Cornell University: Johnson USA University of Toronto: Rotman Kanada One-Year MBA for Executives City University: Cass Großbritannien University of Oxford: Saïd Großbritannien ESCP Europe Frankr./Großbrit./Deutschl./Spanien/Italien European University of Michigan: Ross USA Essec/Mannheim Frankreich/Deutschland Essec & Mannheim Warwick Business School Großbritannien Georgetown University: McDonough USA University of Western Ontario: Ivey Kanada/China UCLA: Anderson USA WU (Vienna Univ. of Econ. and Business)/Univ. of Minnesota: Carlson Österreich Global Rotterdam School of Management, Erasmus University Niederlande Rice University: Jones USA MBA for Executives Emory University: Goizueta USA Weekend University of Pittsburgh: Katz USA/Brasilien/Tschechien Worldwide Purdue/TiasNimbas/CEU/Gisma USA/Niederlande/Ungarn/Deutschland International Masters in Management Cornell University: Johnson/Queen s School of Business USA/Kanada Cornell-Queen s National Taiwan University College of Management Taiwan NTU University of Texas at Austin: McCombs USA Cranfield University School of Management Großbritannien University of Maryland: Smith USA Vanderbilt University: Owen USA Henley Business School Großbritannien Villanova School of Business USA Temple University: Fox USA Aalto University School of Economics Finnland/Südkorea/Singapur National Sun Yat-Sen University Taiwan Texas A&M University: Mays USA Tongji University/ENPC China Shanghai International MBA (Simba) University College Dublin: Smurfit Irland Fundação Instituto de Administração Brasilien International Yonsei University Südkorea Corporate MBA Georgia Institute of Technology USA Global Euromed Management Frankreich/China World Med Part-time MBA Ashridge Großbritannien Part-time University at Buffalo School of Management USA/Singapur Georgia State University: Robinson USA Das vollständige Ranking finden Sie unter FTD/jst; Quelle: Financial Times 2011 diploma.de Private staatlich anerkannte Hochschule bundesweite Studienzentren Präsenz- o. Fernstudium Bachelor Master akkreditierte Studiengänge Wirtschaft / -ing. / -recht Tourismus Therapie/Pflege Frühpädagogik Grafik-Design Medien Mechatronik Tel.: / iftd. Die FTD-App. Auch fürs ipad: General Management Studienschwerpunkte: Internationales Management, Internationales Marketing, Internationale Rechnungslegung, Planung, Controlling, Organisation, Personalmanagement, Marketing Informationsmaterial anfordern: Geschäftsstelle der Allfinanz Akademie c/o FernUniversität Hagen, Universitätsstr. 41, Eugen-Schmalenbach-Gebäude, Hagen, Kennwort: Financial Tel.: 02331/ Fax: 02331/ MBA Master of Business Administration Finanzmanagement und Controlling Studienschwerpunkte: Finanzmanagement, Internationale Rechnungslegung, Controlling, Gründungscontrolling, Beteiligungscontrolling, Steuern, Planung, Organisation, Personalmanagement - 4 Semester Fernstudium in deutscher Sprache, ohne Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit, Workshops in Hagen und z.t. in München - Akkreditiert vom British Accreditation Council, London, UK Über 1200 Absolventen seit 1990! 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6 ... FREITAG, 28. OKTOBER 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND A 6 Campus am Golf Business-Schmieden setzen auf die boomenden Emirate und bieten dort Kurse an. Deutsche Firmen reagieren noch zögerlich auf das Studium Barbara Domschky... Als Fifa-Präsident Joseph Blatter im Dezember 2010 Katar als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bekannt gab, nahm Sheikh Mohammed bin Hamad Al-Thani, Sohn des Emirs von Katar und Vorsitzender der Bewerbungskommission, die Trophäe entgegen: Danke, dass Sie Katar eine Chance geben, wir werden Sie nicht enttäuschen, bedankte sich der junge Prinz sichtlich berührt bei der Jury. Damit wird das kleine Land im Nordosten der arabischen Halbinsel der erste Ausrichter eines globalen Sportereignisses im gesamten Nahen Osten. Mitgejubelt haben sicherlich auch einige deutsche Unternehmen. Denn die Bank of America Merrill Lynch schätzt die Investitionskosten der Veranstaltung auf rund 65 Mrd. Dollar. Und da deutsche Ingenieurskunst in der Region einen guten Ruf genießt, könnte das Projekt Fußball- Weltmeisterschaft 2022 für viele Industriezweige zu einem lukrativen Geschäft werden. Die Teilnahme an -Programmen findet derzeit nur auf persönliche Abstimmung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern statt PHILIPP ENCZ, Pressesprecher Siemens Doch auch jenseits von Fußball ist die Golfregion ein blühender Markt. Laut einer aktuellen Studie von Germany Trade & Invest (GTAI) heben sich vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hervor. Mit Direktinvestitionen von rund 76 Mrd. Dollar 2010 ist das Land der zweitgrößte Markt in der Region hinter Saudi-Arabien. Der Großteil des gesamten Projektvolumens verteilt sich auf die Bereiche Bauwirtschaft (40 Prozent), Infrastruktur (21 Prozent) sowie Öl und Gas (17 Prozent). Einige Business-Schulen haben das Potenzial der Region frühzeitig erkannt und bereits vor Jahren einen eigenen Campus am Golf eröffnet. So beispielsweise die britische Cass Business School der City University London, die sich im arabischen Emirat Dubai 2007 mit einem zweijährigen Teilzeit- ein zweites Standbein aufgebaut hat: Der Nahe Osten und Nordafrika waren schon immer eine der wichtigsten Regionen für unsere Schule, begründet Ehsan Razavizadeh, Chef des Dubai Campus, die Entscheidung. Eine gute Wahl, wie auch die Einschätzung von GTAI belegt. Die Handelsmetropole Dubai gehört zu den ökonomischen Gewinnern des Arabischen Frühlings und empfiehlt sich als sicherer Standort für internationale Firmen. Die Mehrheit der Teilnehmer hätten Geschäftsbeziehungen in die Region und könnten von den guten Netzwerkmöglichkeiten vor Ort profitieren, sagt Hochschulleiter Razavizadeh. Konzipiert wurde das Programm in Zusammenarbeit mit dem Dubai International Financial Center (DIFC), das in der Region Bildungsprogramme finanziert. Neben anderen Vertretern in der Region wie der Abu Dhabi Islamic Bank oder der deutschen ING Investment Management steht das DIFC den Teilnehmern auch als Berater zur Seite. Der richtet sich vor allem an Manager aus Wirtschaft und Finanzen in den Golfstaaten, dem Nahen Osten und den benachbarten Regionen. Neben den Schwerpunkten Energie und Finanzwirtschaft bietet die Cass Dubai mit diesem Programm als erster -Anbieter auch eine Spezialisierung in islamischer Finanzwirtschaft an. Der große Vorteil der Cass in Dubai liegt laut Razavizadeh im Zugang zum regionalen und internationalen Netzwerk der Schule. Der Führungsnachwuchs nutze die Chance des breiten Angebots vor Ort vor allem zum Branchenwechsel und als Karrieresprung. Für Cindy Joe, jetzt Geschäftsführerin für Nahost und Nordafrika der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields, spielte neben dem Karrieresprung auch die Zeiteinteilung eine Rolle, als sie 2009 ihren an der London Business School (LBS) in Dubai begann. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen, die jeden Monat aus China, Russland oder den USA zu den Seminaren nach Dubai flogen, konnte Joe ihre Arbeit und ihre beiden Kinder mit dem Programm verbinden. Ihr Arbeitgeber unterstützte sie mit flexiblen Arbeitszeiten und Bildungsurlaub. Das waren viele Nächte ohne Schlaf", so Joe. Aber durch das Programm in Dubai habe sie Fachkräfte aus vielen Branchen und mit verschiedenem kulturellen Hintergrund kennengelernt. Die Vorteile einer Schule mit Standorten rund um den Globus hat auch die französische Insead erkannt eröffnete die Hochschule einen eigenen Campus in Abu Dhabi. Das Emirat ist das kulturelle, industrielle und kommerzielle Zentrum der Vereinten Arabischen Emirate, sagt Patrick Parker, stellvertretender Marketingleiter des Insead Campus Europa. Nach Fontainebleau bei Paris und Singapur sei ein Standort in der Golfregion der nächste logische Schritt für die Schule gewesen. Der Insead Global (G) in Abu Dhabi dauert 15 Monate und ist auf insgesamt neun Module von je einer Woche verteilt. Die erste Hälfte verbringen die Teilnehmer je nach geografischem Schwerpunkt auf dem von ihnen gewählten Campus. Im zweiten Teil kommen sie als Gruppe an allen drei Standorten zusammen. Die Kosten für den G Abu Dhabi liegen mit rund Dollar gleich auf mit dem Programm in Frankreich, aber weit unter Singapur mit rund Dollar. Transport und Unterbringung sind darin nicht enthalten. Der der Cass-Schule in Dubai fällt da mit rund Dollar vergleichsweise günstig aus. Wenig deutsche Teilnehmer So international die Ausrichtung der beiden Schulen, so bunt ist auch die Zusammensetzung ihrer Teilnehmer. Der aktuelle G-Jahrgang der Insead besteht aus 105 Teilnehmern mit 37 Nationalitäten, davon sind rund acht Prozent Deutsche. Die Mehrheit kommt aus dem Industriesektor mit 24 Prozent, gefolgt von IT mit 20 Prozent und der Finanzwirtschaft mit 13 Prozent. Etwas kleiner fallen die Kurse des der Cass Dubai aus nahmen insgesamt 61 Studenten aus 24 Nationalitäten teil, darunter ein deutscher Student. Die magere Bilanz der fünf Jahrgänge in Dubai: Insgesamt nahmen nur sechs deutsche Manager am teil. Doch trotz des Investitions- und Baubooms halten sich deutsche Unternehmen und ihre Mitarbeiter bei -Programmen in der Region zurück. Die Teilnahme an -Programmen findet derzeit nur auf persönliche Abstimmung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern statt, sagt Philipp Encz, Pressesprecher von Siemens. Teilweise beteilige sich das Unternehmen auch an den finanziellen Kosten eines Programms. Momentan liege der Fokus jedoch noch auf der internen Fortbildung denn auf -Kooperationen mit Hochschulen in der Golfregion.

7 ... FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 28. OKTOBER 2011 A 7 Seminare fürs Fußvolk Topmanager fordern von ihren Mitarbeitern, sich laufend weiterzubilden. Die Führungselite drückt jedoch fast nie selbst die Schulbank Axel Gloger... Zeit wirkt auf Wissen wie Inflation auf ein Sparbuch: Beides nagt am Wert. Jahr für Jahr schrumpft der Bestand fast unmerklich. Deshalb ist es eine gute Idee, ab und an das Wissenskonto aufzufüllen, ein Berufsleben lang, sagt Annette Gebauer, Inhaberin der Beratung Interventions for Corporate Learning (ICL) in Berlin. Dafür muss nicht einmal die Berufstätigkeit unterbrochen werden, wie der Executive MBA zeigt. Hier laufen Arbeit und Lernen parallel. Und die Zahl dieser Angebote wächst: Im Oktober nächsten Jahres wird die Handelshochschule Leipzig (HHL) einen Executive Master an den Start bringen, den sie gemeinsam mit der spanischen EADA durchführt. Vergleichbare Angebote gibt es zum Beispiel von der WHU in Koblenz, der Mannheim Business School und der Universität St. Gallen. Das mittlere Management und erfahrenerer Führungsnachwuchs nutzen solche Angebote. Wer jedoch nicht zum Executive Training geht, sind die Topmanager. Sie haben, so vermuten sie, ausgelernt trotz des Imperativs vom lebenslangen Lernen. Diese Erfahrung jedenfalls macht Rudolf Repgen, Bildungsmanager der IESE Business School. Wenn er Top- Führungskräfte trifft, nutzt er die Gelegenheit, sein Advanced Management Program vorzustellen: Haben sie Interesse zu kommen?, fragt er vorsichtig. Klar, gerne, antwortet der Topmanager, welches Thema soll ich unterrichten? Auf die Idee, dass die Frage als Einladung zur Teilnahme gedacht war, kommt der angesprochene Vorstand gar nicht. Lehren ja, lernen nein, so lautet überspitzt der Eindruck, den Repgen aus Kontakten mit manchen Topleuten mitnimmt. Wer einmal in einem Büro auf der obersten Etage angekommen ist, geht nicht auf Kurse und sieht Seminarräume nur noch vom Rednerpult aus. Indizien dafür gibt es zuhauf etwa ein Seminar der Insead Business School in Paris: Keine deutschen CEOs an Bord, so lautete die Botschaft bei einer der letzten Runden des Avira-Programms, einem Executive-Training, das sich speziell an die oberste Führungsebene richtet. John Kayser, Vorstand der Akademie Forum Führung, bestätigt diese Beobachtung. Die oberste Führungsebene geht nicht ins Seminar, sagt der Coach und Weiterbildungsmanager. Die Erfahrung aus seinen Trainings und Seminaren zeigt ihm, dass die Regel nach wie vor gilt: Klassische Weiterbildung ist etwas für Leute, die noch eine Führungskraft über sich haben. Für den Vorstand selbst aber gilt das nicht mehr kein Vorgesetzter, kein Seminarbesuch. Dieses Verhalten ist offenbar Standard. Es gehört in der Topliga zum guten Ton, sich der Weiterbildung zu verschließen, sagt Christian Scholz, Inhaber des Lehrstuhls für Organisation, Personal und Informationsmanagement an der Universität des Saarlandes. Wertschöpfung durch Wissen wird zwar immer wichtiger, aber einlösen müssen diese Forderung die Mitarbeiter, nicht die Chefs. Die suchen nicht mehr nach dem Neuen in der Welt, ihren Hunger nach Wissen halten sie für gestillt, sie haben fertig gelernt, kritisiert der Saarbrücker Hochschullehrer. Ein bitteres Bild. Zwar macht Wissen deutsche Unternehmen stark. Es ist der einzige Rohstoff, über den das Land in ausreichender Menge verfügt. Aber Weiterbildung gilt eher als die Sache der unter 40-Jährigen, die noch einen Weg vor sich haben: Lernen dient der Karriere, lautet die Diagnose von Roland Deiser, Leiter des European Corporate Learning Forum (ECLF), eine Plattform für Weiterbildungsverantwortliche führender europäischer Unternehmen. Ein Vorstand aber hat keine weitere Karriere mehr warum also weiterlernen? Zumal Lernen nicht zum Ritus der Alpha-Männer gehört. Sie haben voll gepackte Terminkalender, die selten vier Tage am Stück für eine zusammenhängende Aktivität außerhalb des Büros hergeben würden. Zudem zählen Perfektion und ein Schuss Unnahbarkeit zur Aura, die auch die Die suchen nicht mehr nach dem Neuen in der Welt, ihren Hunger nach Wissen halten sie für gestillt CHRISTIAN SCHOLZ, Professor, Universität des Saarlandes Was gut ankommt beim Firmenchef Effizienz Lernen muss für einen Vorstand so bequem sein wie ein Einkauf bei Aldi. Schnell rein, schnell raus, so sollte das Lernangebot aus der Sicht des Kunden konzipiert sein, damit es in den eng getakteten Alltag der Spitzenkräfte passt. Low Profile Die CXO-Liga will von der Außenwelt nicht als lernbedürftig erkannt werden. Deshalb haben jene Formate Erfolg, bei denen sich das Lernen jenseits der Blicke von interner und externer Öffentlichkeit vollzieht. Kein Firmenchef will den Eindruck erwecken, dass sein Wissen als ergänzungsbedürftig erscheint. Interaktivität Langatmige Vorträge von Lehrpersonen gelten in Vorstandskreisen als unbeliebt. Die Top-Liga bevorzugt praxisnahes, am besten sofort in einer Arbeits- oder Entscheidungssituation anwendbares Wissen. Umwege zu neuem Wissen sind nicht erlaubt. Untergebenen von ihren obersten Chefs erwarten. Der Mächtige muss etwas darstellen, sagt Boris Grundl, Toptrainer und mehrfacher Buchautor. Mercedes S-Klasse, eigener Fahrer, gute Kontakte zu Spitzenpolitikern, Visitenkarten mit Stahlstich, gelegentlich der Flug im Privatjet all das gehört zu den Insignien der Mächtigen. Aber unter Seminarteilnehmern sitzen und zuhören? Nein, das geht nicht. Nur auf den, der vorn steht, fällt ja das Licht, sagt Grundl. Wissen auf die Schnelle Dennoch holen sich auch Firmenvorstände neues Wissen nur anders als ihre Untergebenen. Mal ist es ein Berater oder Trainer, der dem Vorstand einen Vorgang in der Welt da draußen im Detail erklärt. Mal ist es die verschämte Google-Abfrage auf dem Smartphone unter dem Tisch, wenn in einer Präsentation ein neuer, unbekannter Begriff fällt. Und wenn die Bedingungen stimmen, sind auch Seminare erlaubt, aber eben sehr spezielle Angebote. Nur empfangendes Lernen geht gar nicht, beschreibt IESE-Programmleiter Repgen die Anforderungen der First-Class-Klientel, die CEO-Liga will unter Anleitung neue Wege erdenken, Entscheidungen verbessern und von den Peers im Seminar lernen. Deshalb sind es eher spezialisierte Programme, in die sich die obersten Führungskräfte trauen. Sie wollen unter sich sein, Clubatmosphäre genießen und auf keinen Fall auf einen ihrer Mitarbeiter treffen. Überdies wollen sie den Stoff noch komprimierter als in den üblichen MBA-Programmen. Repgen nennt diesen Bedarf Just-in-time-Wissen, also die gelungene, aber schwer produzierbare Mischung aus akademischer Fundierung und sofort anwendbarem Praxiswissen. Als Lieferanten kommen die großen Schulen vom Weltmarkt in Frage. Harvard, Stanford und Wharton. Nur solche Namen gelten in diesen Kreisen als akzeptiert. Es muss der Rolls-Royce vom Bildungsmarkt sein gut, glanzvoll, teuer. Aber neben den führenden Business-Schools gibt es auch noch andere Stellen, an denen Topmanager ihr Wissen auftanken können. Diese freilich sind einem breiteren Publikum unbekannt. Denn für Events, auf denen die Führungselite lernt, gibt es selten Programmbroschüren und schon gar keine Onlineanmeldeformulare. Wie diese Angebote dennoch zu ihren Kunden finden, zeigte Heinz Goldmann. Der 2005 verstorbene Megastar unter den Kommunikationstrainern brachte es im Geschäft mit der Management-Oberliga zu besonderer Finesse. Er kannte seine Zielpersonen alle persönlich. Regelmäßig lud er sie per Brief zu seinen Trainings ein. Damit gar nicht erst Zweifel über die Adressaten seiner Angebote aufkam, verwendete Goldmann stets die Etiketten Only for CEOs und Invitation only Teilnahme also nur für die Geschäftsleitung und nur auf Einladung. Seine Zwei-Tages-Seminare wie Der Unternehmer als Spitzenkommunikator wurden bis ins letzte Detail perfekt durchgestylt, einschließlich der zur Zielgruppe passenden Symbolik: Im Schlosshotel Kronberg lassen sich auch statusbewusste Vorstände gerne etwas beibringen. Und ein Preis von 8500 Euro für zwei Tage Goldmann-Seminar signalisierte jedem zweifelsfrei: Das ist kein Angebot für das Fußvolk.

8 ... FREITAG, 28. OKTOBER 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND A 8 Treue auf Zeit Wenn Firmen die Kosten für das -Studium übernehmen, binden sie die Arbeitnehmer an sich Peter Ilg... Thomas Arnold hat zwei stressige Jahre hinter sich, für die sein Arbeitgeber tief in die Tasche gegriffen hat. Der 39-jährige Senior Manager im Einkauf bei MAN in München absolvierte berufsbegleitend einen zweijährigen Executive MBA an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Im Mai 2011 war er fertig, und schon zwei Monate später wurde er zum Vice President Purchasing ernannt. Arnolds Einsatz hatte sich gelohnt für ihn und für den Hersteller von Lkw, Bussen, Motoren und Kraftwerken. Laut einer Sprecherin der ESMT liegen die Studiengebühren bei rund Euro. MAN übernahm zudem Fahrt- und Übernachtungskosten und stellte Arnold für den Unterricht bei voller Bezahlung von der Arbeit frei. Insgesamt hat MAN in die Qualifizierung des Einkäufers um die Euro investiert. Ich habe mich im Gegenzug vertraglich verpflichtet, die Kosten anteilig zurückzuzahlen, falls ich das Unternehmen vor Ablauf einer Zwei-Jahres-Frist nach Studienabschluss verlassen sollte, sagt der diplomierte Betriebswirt. Rund 50 Teilnehmer hat die ESMT zurzeit in ihrem aktuellen - Programm. Wie viele davon selbst nicht zahlen müssen, das will die Managementschule nicht preisgeben. Auskunftsfreudiger ist Ulrich Winkler, Vizedekan Education, an der EBS Business School in Oestrich-Winkel. In unserem Executive-Master-Programm, das wir in Kooperation mit der Durham Business School in Großbritannien durchführen, haben wir aktuell 20 Teilnehmer. Rein rechnerisch Das komplette Wissen der MBAs. Jetzt bestellen: oder Tel. 089/ Jetzt portofrei bestellen! Grob über den Daumen gepeilt, haben sich die Investitionen nach etwa zwei Jahren amortisiert BERNHARD FREY, Head of Human Resources Marketing & Recruiting MAN Truck & Bus Bei Interesse an einer Anzeigenschaltung wenden Sie sich bitte an: Murat Kalavaoglu 040/ oder Sonderthema Erscheinungstermin Privatschulen/Internate MBA International Ranking Berufliche Weiterbildung MBA in Europa Executive Education MBA in Deutschland Lesen Sie sich nach oben. Kommende Sonderthemen der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND Ergänzend zur tagesaktuellen Berichterstattung bietet die FTD in ihren Sonderbeilagen ausführliche Analysen und detaillierte Hintergrundinformationen zu verschiedenen Schwerpunktthemen: bezahlt etwa die Hälfte ihre Ausbildung selbst, die andere Hälfte kommt von den Unternehmen. Tatsächlich aber werden viele unterschiedliche Modelle praktiziert. Die Spanne reicht von einer vollen bis zur teilweisen Übernahme der Studiengebühren, vollständiger Bezahlung der Teilnehmer selbst bis hin zu bezahltem Urlaub und anteiliger Kostenübernahme der Studiengebühren durch die Firmen. Die Gebühren belaufen sich in jedem Fall auf Euro. Winkler hat festgestellt: Selbstzahler haben eine höhere Erwartungshaltung und sind schwieriger zufriedenzustellen, als diejenigen Teilnehmer, die auf Firmenkosten studieren. Weil es um viel Geld geht, sollte für alle Beteiligten Klarheit herrschen. Sandra Flämig, Fachanwältin für Arbeitsrecht, sagt: Jede Bindungsverpflichtung des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber schränkt ihn in seiner grundrechtlich verbrieften Berufsfreiheit nach Artikel zwölf Grundgesetz ein. Und daran muss sich der Arbeitgeber halten. Ein Arbeitgeber könne den Arbeitnehmer nur dann und nur solange an sich binden, wie er sachliche Gründe hat, also ein nachweislich betriebliches Interesse. Wenn ein Unternehmen in den Mitarbeiter investiert, will es wenigstens so lange etwas von ihm haben, bis dieser die Kosten für seine Ausbildung und im Idealfall einen Gewinn durch sein neues Wissen erwirtschaftet hat. Die Rückzahlung ist somit eine Frage der Amortisation der Investition. Juristen sagen dazu Verhältnismäßigkeit. Maßgeblich dafür sind Dauer und Kosten der Ausbildung. Grundsätzlich gilt: Je teurer und je länger das Studium, umso länger die Bindungszeit. Das Bundesarbeitsgericht hat Faustregeln definiert: Ein Monat Fortbildung legitimiert eine Bindung bis zu sechs Monaten. Sechs bis zwölf Monate Fortbildung rechtfertigen eine Bindung von maximal drei Jahren. Mehr als zwei Jahre Fortbildung bedeuten eine Bindung von höchstens fünf Jahren. Das ist dann auch die absolute Obergrenze. Bei Teilzeit-Executive-MBAs liegt die Bindungsdauer nach einem zweijährigen Studium bei höchsten drei Jahren, sagt Flämig. Zulässig ist die Bindungsklausel auch nur dann, wenn die neuen Fähigkeiten nicht allein im betrieblichen Interesse liegen, sondern auch andere Unternehmen davon profitieren können. Der Marktwert muss nach der Ausbildung steigen, sei es im eigenen Unternehmen selbst oder in einer anderen Firma. Ob der Absolvent bei seinem Arbeitgeber tatsächlich aufsteigt, hat keinen Einfluss auf die Zulässigkeit der Bindungsklausel. Die Rückzahlungssummen sind meist gestaffelt: Bei einer Bindungsdauer von drei Jahren und Euro Kosten sind für jeden Monat vor Ablauf der Bindungsfrist 833 Euro fällig. Das ist eine stolze Summe. Daher rät Rechtsanwältin Sandra Flämig: In der vertraglichen Vereinbarung muss stehen, dass der Arbeitnehmer nur dann erstatten muss, wenn der Arbeitnehmer selbst kündigt oder seine Kündigung provoziert hat. Sollte er betriebsbedingt gekündigt werden, hat er keine Rückzahlungen zu leisten, weil die Kündigung nicht in seinem Verschulden liegt. Flämig empfiehlt in jedem Fall eine Prüfung des Vertrags von einem Anwalt, bevor er unterschrieben wird. MAN unterstützt zurzeit mehrere Arbeitnehmer, die ihren Executive MBA an der ESMT machen. Bei allen sind die Vereinbarungen nahezu identisch mit denen von Arnold, sagt Bernhard Frey, Head of Human Resources Marketing & Recruiting bei der MAN- Tochter Truck & Bus. Ganz grob über den Daumen gepeilt haben sich die Investitionen nach etwa zwei Jahren amortisiert. Daher auch dieselbe Bindungsfrist bei den Münchnern. Frey hat in sieben Jahren noch nicht erlebt, dass ein Absolvent vor Ablauf der Frist das Unternehmen verlassen hat. Ausgeschlossen ist eine Rückzahlung beim Heilmittelhersteller Heel in Baden-Baden. Das Unternehmen finanziert seinen Mitarbeitern MBAs ohne Rückzahlungsverpflichtung. Neun MBA-Studenten beschäftigt das Unternehmen derzeit und würde gerne noch weitere einstellen. Nicole Koo Tze Mew aus Toronto arbeitet seit Mai 2011 bei Heel. Sie hat in Ontario Gesundheitswissenschaft studiert und kam dann nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Sie ist im Bereich Medical Education als Management-Assistant tätig. Mit Arbeitsbeginn hat sie ein zweijähriges, berufsbegleitendes MBA-Studium in General Management an der Steinbeis-Hochschule Berlin begonnen. Die Option auf das Studium war ein wichtiger Grund für sie, eine Stelle bei Heel anzunehmen. Eine Rückzahlungsklausel gibt es in meinem Vertrag nicht, freut sich die 24-Jährige. Wir hatten zwar schon Pech und Mitarbeiter haben uns kurz nach ihrem MBA-Abschluss verlassen, sagt Francois Dugimont, Direktor Human Resources bei der Firma Heel. Doch das sei nur in wenigen Fällen vorgekommen. Die Mehrzahl ist geblieben. Zwischen und Euro investiert Heel in das Studium von Koo Tze Mew und den anderen MBAs. Wir übernehmen die Kosten, betreuen die Studenten während ihrer Ausbildung so gut wie möglich und bei der Verteidigung der Master- Thesis sind wir vor Ort, um ihnen den Rücken zu stärken. Eine moralische Verpflichtung hat für Dugimont eine deutlich wichtigere Funktion als eine finanzielle. Doch auch das Geld spielt bei seinen Überlegungen eine Rolle: Gute Studenten amortisieren bereits während ihres Studiums 80 bis 90 Prozent ihrer Studiengebühren, weil sie das Erlernte postwendend in die Praxis umsetzen. Für Dugimont ist das Gegenleistung genug.

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