UMA 1/2001. Umwelt. Expo-Rückblick. Comic DAS JUGENDMAGAZIN. Der Seehund und das Mädchen. Auf Weltreise. Mick spezial.

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1 UMA DAS JUGENDMAGAZIN Der Seehund und das Mädchen Umwelt Auf Weltreise Expo-Rückblick Mick spezial Comic 1/2001 DM 1,50

2 Inhalt Moment mal! 4 7 Auf Weltreise Die Expo im Rückblick 8 15 Lieder stehlen Der Seehund und das Mädchen Zwei Geschichten von Janne Mick spezial Der JUMA-Comic-Held Ein Südsee-Haus für Witten Bauaktion mit Jugendlichen 27 Kölle alaaf! Fotogeschichte vom Karneval Leihst du mir was Studentenleben in Rostock Deutsch studieren Mach-mit-Auflösung 43 Szene Brieffreundschaften 46 Leserbriefe 47 VW-Bus und Arbeitscontainer garantieren grenzenlose Mobilität. Impressum Redaktion JUMA: Frankfurter Str. 40, Köln, Telefon: +221/ ; Telefax: +221/ oder 14 JUMA im Internet: Redaktion: Christian Vogeler (verantwortlicher Redakteur), Dr. Jörg-Manfred Unger, Kerstin Harnisch Pädagogische Beratung: Diethelm Kaminski, Bundesverwaltungsamt Zentralstelle für das Auslandsschulwesen Köln Layout: Helmut Hagen Wissenschaftlicher Beirat: Dietrich Becker, Auswärtiges Amt; Prof. Dr. Peter Conrady, Universität Dortmund; Prof. Dr. Inge Schwerdtfeger, Universität Bochum; korrespond. Mitglied: Kristina Pavlovic, Goethe-Institut München Litho: R&S/Mönchengladbach Druck und Verlag: TSB Tiefdruck Schwann-Bagel GmbH & Co KG, Mönchengladbach; Copyright by TSB ISSN Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder keine Gewähr. Der Verlag behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.texte für Unterrichts- und Lehrzwecke zur Veröffentlichung frei. 2 JUMA 1/2001

3 Bernhard bei der Arbeit über den Dächern seiner Wahlheimatstadt Köln (unten). Die Terrasse gehörte zu seinem letzten Atelier. Text und Fotos: Jörg-Manfred Unger; Illustration: ofczarek! Drang nach Freiheit Bernhard Ofczarek über sich Mein Sternzeichen Löwe Meine Besessenheit Musik machen und hören Meine Sehnsucht Italien Mein Samstag Fußballspiele von Schalke 04 im Radio verfolgen Mein Glück meine Kinder Nico (1982), Gino (1985) und Luna (1990) Meine Leidenschaft die Liebe Meine Stärke die Liebe Bernhard ist glücklich. Endlich ist er frei. Meine Schwäche die Liebe Der Erfinder von JUMA-Maskottchen Meine Wurzel die Freiheitsliebe Mick hat kein Atelier mehr. Er hat einen Meine große Pause italienische Kinofilme alten VW-Bus gekauft und einen Arbeitscontainer aus Holz hineingestellt mit Meine kleine Pause Freunden Postkarten schreiben Meine Energie die Sonne Arbeitsplatte, Fernseher, Radio, Mobilfax, Meine Farben gelb, orange, rot Handy, Internet-Zugang, Papier, Filz-, Farb-, Meine Sucht Cappuccino und Milchkaffee Blei- und Buntstiften. Mein guter Tag draußen in der Sonne zeichnen Jetzt kann ich zeichnen, wo ich will, sagt der Mein kleines Chaos zuviel gleichzeitig beginnen Illustrator und Cartoonist, im Park, auf der Meine Lust im Freien schlafen Wiese, im Café, am Rhein Klar, dass ich nur Meine Neulust neue Städte entdecken da bin, wo es schön ist! Vor lauter Freude Mein Luxus mal hier, mal da arbeiten schickte er JUMA für dieses Heft gleich Mein Name polnisch 4 Episoden von Mick (siehe Seiten 23 26). Dank moderner Technik weiß kein Kunde, wo Bernhard gerade ist. Manche Auftraggeber würden vielleicht neidisch, meint er, wenn sie im Büro sitzen und ich bin in der Sonne am See! Nur der Poststempel verrät ihn, wenn er seine Zeichnungen per Brief verschickt JUMA 1/2001 3

4 Moment mal! Modische Buddha-Perlen Der amerikanische Schauspieler und bekennende Buddhist Richard Gere hat sie am Handgelenk getragen, und jetzt sind sie in der westlichen Welt zur Mode geworden: Ketten aus Halbedelsteinen, die Glück bringen sollen. Manche Träger hoffen auch, dass die Armbänder ihnen Kräfte verleihen. Ein Stein soll für Gesundheit sorgen, ein anderer Tatkraft verleihen und der dritte in der Liebe helfen. Wer s glaubt... Foto: dpa 4 JUMA 1/2001

5 Foto: Walter M. Rammler Abgeseilt Soll ich da wirklich runter? Martin, 16 Jahre, ist skeptisch. Mal während des Unterrichts raus aus der Schule ist ja ganz schön. Aber warum, bitteschön, am Seil und vom Dach? Ganz einfach: Heute probieren die Schüler an Martins Gymnasium einen Koffer des Vereins Stop Crime aus. Dieser Koffer enthält eine Kletterausrüstung und Spiele. Damit will man Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauensbildung unter Jugendlichen fördern. Polizist Karl Klaus Signon erklärt, wie man mit dem Koffer umgeht. Bei 20 Meter Höhe sollen schließlich alle heil unten ankommen. Begehbares Herz Es klingt wie in einem Science-Fiction-Roman von Jules Verne: Einmal die Wege des menschlichen Blutes erkunden und durch ein Herz wandern. Wer dieses Abenteuer erleben will, muss nach Hessen fahren. In der Kinderakademie Fulda steht ein Herz, das man begehen kann. Es ist fünf Meter hoch und 36 Quadratmeter groß. Es gibt noch viele andere Attraktionen dort. Und: Nirgends stehen Schilder Anfassen verboten!. Im Gegenteil: mit vielen Stücken kann man experimentieren. Foto: privat Foto: privat Cinderella kehrt heim Oh Schreck: plötzlich war die Schlange weg! Die Natter heißt Cinderella und gehört Maike (19) aus Bemerode. Eigentlich leben beide in einem Internat in Buldern bei Münster. In den Schulferien nimmt Maike Cinderella mit nach Hause zu ihren Eltern. Ja, wäre sie nicht während der letzten Zugfahrt plötzlich eingeschlafen! Cinderella, die sich unter ihrem Pullover wärmte, wurde es langweilig. Und so schlängelte sich die Natter unbemerkt davon. Nicht einmal eine Wurstscheibe konnte sie aus ihrem Versteck hervorlocken! Das Zugabteil wurde geräumt. 20 Männer kamen zum Bahnhof, um die ungiftige Schlange wieder einzufangen. Die Safari hatte Erfolg. Maike bekam ihre Cinderella zurück. Die hatte sich übrigens unter einer Armlehne versteckt. JUMA 1/2001 5

6 Moment mal! Der Minifußball In den 80-er Jahren war er schon einmal da, jetzt kommt er wieder: der Minifußball, auch footbag oder Hacky-Sack genannt. Wenn man geschickt ist, kann man damit akrobatische Kunststücke machen. Doch zunächst heißt es: üben, üben, üben! Foto: dpa 6 JUMA 1/2001

7 Jahrhundertwörter an der Wand Eine Lesewand mit rund 100 Jahrhundertwörtern ist an einer Schule bei Hannover entstanden. Jugendliche der Klasse 10 schmückten 60 Quadratmeter mit einem Zeilenmeer. Auf den Wellen schwimmt ein Papierschiff. Rote Schlagzeilen darauf erinnern an Ereignisse aus der Vergangenheit. Langsamer Schatten Dein Schatten folgt dir immer. Richtig? Falsch! In diesem Raum bleibt der Schatten fünf Minuten an der Wand. Für den Zauber verantwortlich ist André Heller. Der österreichische Künstler hat in Essen eine alte Schachtanlage umgebaut und einen ganz besonderen Freizeitpark geschaffen. Magisches Licht, farbige Blitze und sphärische Klänge schaffen eine geheimnisvolle Atmosphäre. Foto: dpa Foto: Carla Arnold Foto: dpa Überrasch mal deinen Lieblingslehrer! Was schenkt man einem beliebten Lehrer, der pensioniert wird? Schüler im sächsischen Ebersbach kamen auf eine ganz besondere Lösung. Sie luden den Lehrer und seine Frau in ein Dresdner Hotel ein. Zur Begrüßung schenkten die Schüler den beiden Sekt ein. Dann trugen sie die Taschen ihrer Gäste auf das Hotelzimmer, servierten beiden ein fürstliches Menü und führten sie anschließend in die Dresdner Oper aus. JUMA 1/2001 7

8 AUF Die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover ist vorbei. Millionen Besucher waren von den Länderpavillons, von dem Themenpark und von dem Kulturprogramm begeistert. Susanne und Arndt (auf dem Foto oben), beide 19 Jahre alt, haben JUMA gezeigt, was ihnen am besten gefallen hat. An jedem Pavillon gab es einen Stempel für den EXPO- Pass. Er zeigt wie bei einer richtigen Reise, wo man war. 8 JUMA 1/2001

9 WELTREISE Der Wal war das Wahrzeichen der EXPO 2000 Hannover. In diesem Pavillon der Hoffnung diskutierten Jugendliche aus aller Welt über die Zukunft. Texte: Jörg-Manfred Unger; Fotos:Expo 2000/Bubbel-Deutschmann, Unger JUMA 1/2001 9

10 Der Pavillon von Island sah aus wie ein großer Eiswürfel. An seinen Außenwänden floss Wasser herab so als wenn er schmilzt. LÄNDERPAVILLONS Twipsy, das Maskottchen der EXPO 2000 Auf der EXPO 2000 stellten sich 155 Nationen vor. Die Niederländer hatten einen der spektakulärsten Pavillons (1. Bild rechts). 6 Landschaften stapelten sich übereinander und vermittelten das Bild eines Big Mac. Das Motto: Holland schafft Raum. Der Jemen hatte einen Palast gebaut (2. Bid). Er glich bis ins Detail einem jemenitischen Handelshaus, einer Samsara. Winzige Läden umgaben einen Marktplatz, auf dem es nach Gewürzen duftete. Hier standen Schmuck, Textilien und Geschirr zum Verkauf. Auf dem Dach des Pavillons von Estland (3. Foto) rauschte ein Fichtenwald. 10 JUMA 1/2001

11 Fotos: Expo 2000/Bubbel-Deutschmann (2)/Bubbel (2), Unger Sommer Susanne arbeitet 2 Monate, Arndt 4 Wochen täglich 7 Stunden im Pavillon der Hoffnung. Dieser Jugendpavillon sieht aus wie ein Wal und wurde zum Wahrzeichen der EXPO Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Evangelischen Allianz, des Hilfswerkes World Vision und des Christlichen Vereins Junger Menschen (international: YMCA). Susanne und Arndt helfen im Café, sie teilen Prospekte aus, sie führen durch eine Ausstellung weltweiter Hilfsprojekte und sie beantworten Besucherfragen dazu. Beide sind aus Überzeugung hier. Wir sind Christen, sagen sie, und wollen etwas für unseren Glauben tun. Susanne und Arndt bekommen für ihre Arbeit kein Geld. Andere Pavillons haben Angestellte, sagen sie, wir engagieren uns für eine Idee! Die Idee: mit jungen Menschen aus aller Welt Gedanken austauschen und Visionen für die Zukunft entwerfen. In den 6 Monaten der Weltausstellung arbeiten rund junge Leute aus 38 Ländern im Wal. Das schafft internationales Flair und ermöglicht Kontakte. Manche Freundschaften halten über die EXPO hinaus. VON PAVILLON ZU PAVILLON Einmal in der Woche haben Susanne und Arndt frei. Dann werden auch sie zu Besuchern der EXPO. Einmal zeigen sie sich gegenseitig ihre Lieblingspavillons. Susanne führt Arndt zunächst zum japanischen Pavillon. Er besteht im wesentlichen aus Altpapier. Eine Papierfabrik verarbeitet es nach der EXPO wieder. Diese Nachhaltigkeit eines der Themen der EXPO 2000 beeindruckt Susanne. Dann zeigt sie Arndt Nepal. Der Pavillon des Himalayastaates ist einer der schönsten der EXPO. Er besteht aus einer buddhistischen Stupa (1) und aus einem hinduistischen Tempel. So vereinigt er die beiden Religionen des Landes. Die Gebäude sind Handarbeit nepalesische Holz - schnitzer, Steinmetze, Graveure und Weber benötigten 3 Jahre dafür. Island präsentiert sich in einem blauen Kubus. An seinen Außenwänden läuft Wasser herab. So entsteht das Bild eines Eiswürfels, der schmilzt. Im Inneren schießt eine Fontaine in die Höhe so wie in Island die Geysire. Weiter geht es zu den Pavillons von Venezuela, Thailand und Kanada. Schließlich kommen Susanne und Arndt zur cyclebowl. Das englische Wort bedeutet auf deutsch Kreislauf- Schüssel. So heißt der Pavillon des Dualen Systems, ein sogenannter Weltpartner der EXPO Arndt und Susanne im Pavillon von Nepal. Er gehörte zu den schönsten der EXPO.

12 Die cyclebowl war ein echter Publikumsmagnet. Innen tobte ein künstlicher Tornado. Diese Privatfirma entsorgt in Deutschland neben der staatlichen Müllabfuhr Verpackungsabfälle wie zum Beispiel Kunststoff oder Plastik und führt sie der Wiederverwertung zu. Innen- und Außenarchitektur der cyclebowl sind ein Symbol für Kreisläufe. Wiederverwertbare Materialien, Leichtbauweise und das Klimasystem zeugen vom sorgfältigen Umgang mit Rohstoffen. Arndt findet das Thema Recycling gut dargestellt ohne erhobenen Zeigefinger! TOLLE STIMMUNG Eigentlich sind alle Pavillons interessant, sagt Arndt, denn jeder hat viel Mühe, Geld und Zeit investiert. Viele Länder stellen allerdings touristische Aspekte in den Vordergrund. Arndt meint, dass sie nur ihre Sahneseite zeigen und die Probleme im jeweiligen Land kein Thema sind. Trotzdem schwärmt er wie alle jungen Leute von der Afrika-Halle, wo die meisten afrikanischen Länder vertreten sind: Hier wird voller Lebenslust getrommelt, gesungen und getanzt. Eine tolle Stimmung! Susanne gefällt daran, dass die ganze Halle ein einziger Basar ist: Masken aus Kenia, Töpferarbeiten aus Ghana, Holzfiguren aus dem Tschad alles super Mitbringsel (2)! Das kulinarische Angebot ist für manche Gaumen sehr exotisch: Eines der Restaurants hat Krokodil, Büffel und Antilope auf der Speisekarte. FEST DER SINNE Im Jugendmedienpavillon scape begegnen Susanne und Arndt einem Cyberzauber. Installationen, Licht, Farben und Klänge verschmelzen Reales und Virtuelles. Die bizarre Erlebniswelt soll den bewussten Umgang mit neuen Medien fördern und ist interaktiv: Susanne schaltet Lampen aus, indem sie sich entspannt; Arndt nimmt auf einem Sessel Platz, der ferngesteuert ist. Der benachbarte Themenpark beschäftigt sich mit der Gegenwart und mit der Zukunft unseres Planeten. Zunächst gehen Susanne und Arndt in die Halle Wissen. Hier fühlen sie sich wie auf einem anderen Stern. Sie sind umgeben von Info-Wesen große weiße Kapseln, die Töne erzeugen, Bilder zeigen und auf Bewegungen reagieren. Jeder ihrer Schritte verändert diese Welt so wie sich das weltweite Netz im Internet mit jedem Benutzer wandelt. Arndt kritisiert, dass einer der Sponsoren der Halle Mensch eine Gen- Technik-Firma ist und Gen-Technik als Lösung aller Probleme dargestellt wird. Seiner Meinung nach verschweigt man die damit verbundenen Probleme bewusst. An anderer Stelle wird Atomkraft völlig unkritisch gesehen, sagt er und er fügt hinzu: Ich bin eben ein kritischer Erdenbürger! Fotos: Duales System Deutschland, 3 de luxe, Expo 2000/ZKM Team Hannover/Surrey

13 Im lebendigen Tunnel : Die Kunstwelt scape orientierte sich an Formen der Natur, zum Beispiel an Grashalmen. In den 5 Hallen des Themenparks ging es um die Entdeckung einer neuen Welt. Die Roboter in der Halle Wissen hießen Info-Wesen und schwebten wie ein Fischschwarm durch einen tiefblauen Raum (Bild links). Die Botschaft: Der Mensch muss lernen, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden. THEMENPARK Im Supermarkt der Halle Basic needs (Grundbedürfnisse) quoll ein Überangebot an Waren aus den Regalen (Bild rechts). Dazwischen türmten sich Müllberge, die für viele Arme in der Dritten Welt Lebensgrundlage sind. Die zentrale Frage hier war: Was braucht der Mensch unbedingt zum Leben? JUMA 1/

14 Der deutsche Pavillon zeigte in seiner Ideenwerkstatt Büsten von Menschen, die das Land positiv beeinflussten. Links im Bild: die Keramikerin Hedwig Bollhagen (geboren 1907). KULTURPROGRAMM Das Kultur- und Ereignisprogramm der EXPO 2000 umfasste Tausende von Veranstaltungen Rockkonzerte, Kunstausstellungen, Filme, Theateraufführungen Allabendlich lockte eine Performance aus Feuer, Licht, Musik und Wasser die Besucher an den EXPO-See. Flambée hieß das Spektakel (1. Bild rechts). The pink building ( Das rosa Gebäude, 2. Bild rechts) war Teil eines Kunstprojektes. Die Niederländerin Lily van der Stokker hatte die Fassaden einer leeren und fensterlosen Halle mit leuchtenden Farben bemalt. Die Halle sah aus wie eine Pralinenschachtel und war schon von weitem gut sichtbar. 14 JUMA 1/2001

15 Fotos: Schwinge, Unger, Expo2000/Dröse/Roman Mensing MOSAIK DEUTSCHLAND Der Deutsche Pavillon liegt in der Mitte des EXPO-Geländes. In der Ideenwerkstatt Deutschland begegnen Susanne und Arndt Büsten von Menschen, die Deutschland positiv beeinflusst haben. Dazu gehören der Begründer der Love-Parade Dr. Motte, der Jugendbuchautor Janosch, die Tennisspielerin Steffi Graf, die Schauspielerin Romy Schneider aber auch die Lehrerin Irmela Schramm, die in Berlin ausländerfeindliche Graffiti entfernt. Der Film Deutschland mittendrin zeigt ein Nachbarschaftsfest in einem Berliner Innenhof: Menschen kommen zusammen, tauschen Erinnerungen aus und sprechen über ihre Wünsche an das 21. Jahrhundert. Brücken symbolisieren den Weg dahin. In der Multimedia-Show Mosaik Deutschland stellen sich die 16 Bundesländer vor. Außerdem ist jedes Bundesland mit einem Ausstellungsstück vertreten. Aus Baden Württemberg kommt zum Beispiel der erste Benz-Patent-Motorwagen von 1886 das erste Auto. Der Deutsche Pavillon interessiert mich eigentlich weniger, meint Arndt, weil ich Deutschland ja kenne, aber die Darstellung ist ganz o.k.! ERSCHÖPFT, ABER GLÜCKLICH Die Zeit drängt. An einem Tag ist die EXPO nicht zu schaffen. Selbst eine Woche ist knapp, wenn man alles sehen will. Susanne will Arndt aber unbedingt noch den Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate zeigen. Ungarn, Dänemark, Estland, die Schweiz und Jordanien müssen warten, obwohl sie auf der Liste der Lieblingspavillons der beiden stehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ein malerisches Wüstenfort gebaut. Es erscheint abends in fantastischem Licht. Susanne und Arndt brauchen orientalische Geduld, um hineinzukommen. Sie verbringen fast eine Stunde in der langen Warteschlange. Aber das Warten lohnt sich: Die Araber zaubern auf Quadratmetern eine Welt wie aus Nacht. In einem 360-Grad-Kino stellen sie beeindruckend Tradition und Moderne ihrer 2000-jährigen Geschichte vor. Um 21 Uhr 30 schließen die Pavillons. Susanne und Arndt sind erschöpft, aber glücklich. Nun wartet noch Flambée Human Facets (menschliche Facetten) auf sie, ein 30-minütiges Theater-Spektakel mit Licht-, Video- und Computeranimation am EXPO-See. Auf der Zuschauertribüne sagt ein Mädchen zu seiner Mutter: Am liebsten ginge ich hier nie wieder weg! Worterklärungen: 1. Die Stupa buddhistischer Sakralbau 2. Das Mitbringsel das Souvenir Pause muss sein. Der Rundgang auf der EXPO machte müde und hungrig. JUMA 1/

16 Lieder stehlen Rockstars besuchen Schulen und diskutieren mit Pennälern. Das Gesprächsthema: Raubkopien von Musik-CDs. Anstatt die Scheiben im Laden zu kaufen, fertigen Jugendliche die CDs in Heimarbeit. Mr. President die Gruppe kämpft gegen das Schwarzbrennen. Zehn Mark für die neueste Scheibe von Madonna - gerade mal ein Drittel des Ladenpreises. Zu haben ist das Sonderangebot auf dem Schulhof; allerdings ist das Titelblatt nicht vollständig. Eine Kopie steckt in der Hülle. Und die CD ist von Hand beschriftet. Jugendliche kopieren zu Hause auf dem Computer oder mit einem CD-Recorder die akutellen Scheiben der Stars. Diese Raubkopien verkaufen sie an ihre Mitschüler. Das ist der Plattenindustrie ein Dorn im Auge (1): Schätzungsweise 60 Millionen CDs werden jährlich in Deutschland kopiert. Davon sind 10 Millionen nicht für den eigenen Bedarf, sondern um Geschäfte zu machen hat die Musikindustrie durch Raubkopien vermutlich 220 Millionen Mark verloren. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird alles noch schlimmer. Denn immer mehr Familien in Deutschland besitzen einen Personalcomputer mit CD-Brenner. Damit lässt sich spielend leicht eine CD kopieren. Der CD-Rohling kostet gerade einmal 2 Mark. Plattenfirmen und Musiker sehen ihre Felle davonschwimmen (2) und gehen in die Offensive. An Schulen zwischen Hamburg und Chemnitz, Mainz und Berlin reichen sich mehr als 30 Stars der deutschen Musikszene die Türklinke in die Hand (3). Smudo von den Fantastischen Vier hat die Diskussionstournee gestartet. Wir müssen den Fans klar machen, meint er, dass die Leistung der Künstler auch bezahlt werden muss. Wenn nur noch wenige Fans die CDs im Laden kaufen, sind als erstes die Nachwuchsbands bedroht. Thomas Hofmann, Geschäftsführer der Plattenfirma 3 P, rechnet vor: Gerade beim Aufbau eines neuen Künstlers zählt jede verkaufte CD Exemplare sind das Die 3. Generation geht in die Schulen. mindeste für den Durchbruch. Wird ein großer Teil raubkopiert, schafft es kaum noch ein Künstler. Nach Meinung der Plattenbosse vernichten Raubkopien eine Nachwuchsband. Künstlerin Sabrina Setlur meint in diesem Zusammenhang: Jeder Künstler sollte die gleiche Chance bekommen, wie ich sie gehabt habe. Neben Smudo und Sabrina Setlur sind auch Mr. President, Jazzkantine, Sasha, Liquido, die Prinzen, Subway to Sally, die 3. Generation und Guildo Horn in die Schulen gegangen. Sie haben sich alle der Initiative Copy kills music angeschlossen und werben bei den Jugendlichen darum, von Raubkopien die Finger zu lassen (4). Für zu Hause darf jeder Musik auf Kassette oder CD überspielen. Wer die Songs selbst anhört oder für 16 JUMA 1/2001

17 Popstar Sasha seine CDs sind heiß begehrt. Jeder Künstler sollte die gleiche Chance bekommen, wie ich sie gehabt habe. Sabrina Setlur, Sängerin Fotos: M. Gaviano / WEA, M.Bothor / BMG, M.Ziegler / WEA, 3p epic Freunde als Geschenk einen Sampler zusammenstellen möchte, kann das ganz legal tun. Strafbar macht sich ein Jugendlicher erst, wenn er die kopierte Musik verkauft oder bei einer Disko-Veranstaltung spielt. Wer erwischt wird, muss mit Geld- und Gefängnisstrafen rechnen.so sehr Musiker und deren Fans die Initiative Copy kills music auch unterstützen viele Jugendliche hören dennoch nicht auf die Argumente von Smudo und Co. Ein anonymer Raubkopierer mit dem Künstlernamen Copycat ärgert sich: Warum soll ich eine Kampagne unterstützen, die völlig nutzund talentlose kommerzielle Möchtegern- Bands fördert und dabei die Taschen reicher Produzenten füllt? Und Raubkopierer Banana Joe meint: Jahrelang Billigmusik produzieren und sich dann wundern, wenn für so was keiner mehr bezahlen will. Musik besitzt bei vielen Leuten keinen hohen Wert mehr. Hat die Musikindustrie selbst mit Schuld an dem Problem? CDs sind teuer. Jugendliche können sich nur noch wenige Scheiben kaufen. Das Interesse wechselt zu anderen Medien und Freizeitbeschäftigungen. Nach jüngsten Prognosen steigt der Preis für CDs in Europa bald auf 40 Mark. Damit werden sicherlich noch mehr Jugendliche zu Raubkopien greifen. Jens Markus Wegener von der Musikfirma Public Propaganda in Hamburg sucht die Schuldigen anderswo: Jugendliche sind keine Kriminelle, wenn sie gedankenlos Musik kopieren. Es sind die Eltern, denen das Rechtsbewusstsein fehlt. 1. Es ist ihr ein Dorn im Auge sie findet es störend 2. Die Felle davonschwimmen sehen seine Chancen schwinden sehen 3. Sich die Türklinke in die Hand geben sich in rascher Folge abwechseln 4. (Von etwas) die Finger lassen (etwas) liegen lassen, nicht machen Text: Harald Fette JUMA 1/

18 Der Seehund und das Mäd 18 JUMA 1/2001

19 chen Text: Christian Vogeler; Fotos: Michael Kämpf Tanja Rosenberger (29), die Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog Zwei Geschichten von Janne Janne hat Hunger. Wo bleibt der Fisch? Neugierig schaut sie sich um. Da! Die grünen Gummistiefel und den blauen Eimer kennt sie. Schnell rutscht Janne ins Wasser. Genau vor ihrer Nase bewegt sich etwas Silbernes. Nichts wie hinterher und zugeschnappt! Heute hat Janne Frühdienst. Seit 5 Uhr 30 kümmert sie sich um die Bewohner der Seehundstation Friedrichskoog: eine Gruppe erwachsener Seehunde und viele kleine Jungtiere, die Heuler. Die erste Fütterung ist um 6 Uhr. Janne wirft den erwachsenen Seehunden die Fische nicht direkt vor die Nase. Sie winkt mit dem Fisch und schleudert ihn dann ins Wasser. So beginnt eine muntere Jagd quer durch das große Becken. Auch die jungen Seehunde müssen ihre Beute jagen. Janne steht im Becken und zieht die Fische durch das Wasser. Drei kleine Heuler versuchen ihr Glück. Janne ist satt. Faul liegt sie mit ihren Freunden am Schwimmbecken. Die Sonne scheint. Das macht müde. Eine Runde schwimmen kann man ja immer noch. Wie gut, dass man hier nicht gestört wird! Um 9 Uhr erwartet Janne die ersten Besucher. Angemeldet sind verschiedene Gruppen. Jetzt im Sommer ist das Interesse besonders groß: Kindergartengruppen, Schulkassen und Feriengäste wollen die scheuen Seehunde sehen, Projekttage machen oder die Arbeit der Station kennen lernen. Janne hat schon wieder Hunger. Kommt keiner? Anscheinend nicht. Vor Seehunde gehören zur Familie der Robben. Sie werden bis zu 1,8 Meter lang und bis zu 130 kg schwer. Ihr Lebensraum sind die Meere nördlich des Äquators. Seehunde fressen Fische. Im Wasser sind sie Einzelgänger. An Land versammeln sie sich zu größeren Gruppen. Jungtiere werden in den Monaten Juni und Juli geboren. Janne kam im Jahr 2000 als erster Heuler in die Seehundstation. Heuler sind Jungtiere, die ihre Mutter verloren haben. Das Heulen ist ein Kontaktlaut zur Mutter. Der Seehundjäger bringt nur tatsächlich verlassene und gesunde Tiere zur Station. Sie kommen zunächst in ein Quarantänebecken, werden untersucht und markiert. Später bringt man sie in Kleingruppen zusammen. Im Alter von 8 Wochen können die Seehunde lebenden Fisch fangen und kommen in ein Auswilderungsbecken. Im frühen Herbst bringt der Jäger sie ins Meer zurück. JUMA 1/

20 Deine Schulzeit geht zu Ende. Der Kopf raucht vom Lehrstoff der letzten Jahre. Das Ende des Tunnels ist langsam erkennbar doch wie geht es weiter? Was kommt nun? Gleich wieder die nächste Schulbank drücken? Oder erst einmal etwas anderes machen, etwas Wichtiges für dich und für andere tun? Ein Jahr aussteigen, einsteigen ins Engagement für die Umwelt! Das bietet dir das Freiwillige Ökologische Jahr in Schleswig-Holstein. Text aus einer Info-Broschüre der FÖJ-Betreuungsstelle in Plön (Schleswig-Holstein) ein paar Wochen gab es nur Milchpulver zu essen, später pürierten Fisch. Außerdem hat ein Arzt Janne Blut abgenommen. Damals hatte sie ein Schwimmbecken für sich allein. Erst später kam sie zu den anderen. Jannes Besuchergruppe steht am Rand des großen Beckens. Die Fütterung beginnt. Ein Eimer Fisch und Stangen mit bunten Bällen spielen eine wichtige Rolle. Tanja, die 29-jährige Leiterin der Station, erklärt Jannes Arbeit mit den erwachsenen Seehunden. Erst einmal müssen alle aus dem Wasser kommen. Die Stangen mit den Bällen sind verlängerte Hände für die Tiere. Am Beckenrand bleiben sie davor liegen. Auf den Rücken legen, durch eine Röhre kriechen, ins Wasser rutschen das sind Übungen, die zum Training gehören. Diese Arbeit ist jedoch keine Show, sondern Teil eines wissenschaftlichen Programms. So trainiert man das Verhalten der Seehunde zum Beispiel für ärztliche Untersuchungen. Meistens klappt alles ganz gut. Kein Wunder! Als Belohnung gibt es einen Fisch. Wie gut, dass es an Jannes Becken ruhig ist! Hier gibt es niemanden, der klatscht. Draußen im Watt gibt es viele Störungen: den Tourismus, den Wassersport, die Schifffahrt, den Flugverkehr, die Fischerei. Doch davon hat Janne noch nichts mitgekriegt. Janne führt die Zuschauer an drei große Fenster im Becken. Hier kann man den erwachsenen Tieren beim Schwimmen zusehen. Ganz nah gleiten sie vorbei; mal auf dem Rücken, mal mit einem kurzen Blick durch die Scheibe. Wer guckt hier eigentlich wen an? Die machen ne echte Show, meint einer der Besucher. Endlich! Janne bekommt wieder etwas zu essen. Der Aal ist schnell, doch schon hat sie ihn. Janne ist eine sehr gute Schwimmerin. Ohren und Nase verschließen sich unter Wasser automatisch. So kann kein Wasser eindringen. Scharf sehen kann sie unter Wasser auch. Über Wasser ist Janne etwas kurzsichtig. In der Entfernung erkennt sie nur Bewegungen. Doch dafür kann der Seehund gut hören und riechen. Drei Heuler warten auf die Fütterung. Sie liegen am Rand ihres Beckens. Hierhin kommen keine Besucher (unten links). Vor der Fütterung wäscht Janne die Fische (unten rechts). Im Wasser zieht Janne die Fische durch das Becken. So simuliert sie die Situation im Meer. Später lernen die Seehunde das Jagen lebender Fische (großes Bild). 20 JUMA 1/2001

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22 Einsatzbesprechung mit Tanja, Janne und den anderen Mitarbeitern der Station. Die Fütterung und Pflege der Tiere, die Betreuung der Besucher, die Kontrolle des Wassers um das alles kümmern sich die Mitarbeiter der Station. Bis zu fünf Praktikanten und ein FDJler unterstützen die beiden festen Mitarbeiter dabei (Bild oben). Interessiert verfolgen die Besucher Jannes Arbeit mit den erwachsenen Seehunden. Am Unterwasserfenster können sie beobachten, wie die Tiere schwimmen (Bilder links). Letzte Station von Jannes Gruppe ist die große Ausstellung. Hier können sich die Besucher über den Seehund und seinen Lebensraum informieren. Spielerische Aufgaben für kleine und große Leute erleichtern das Verständnis. Quizbögen und Infozettel hat die FÖJ-lerin selbst entworfen. Zeichnen ist Jannes Hobby. Sie hofft, dass sie das später einmal Janne, 19 Jahre, macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Seehundstation Friedrichskoog. Nach dem Abitur wollte sie zunächst als Aupair- Mädchen ins Ausland. Doch dann entschied sie sich für die Arbeit mit Tieren und bewarb sich bei der Betreuungsstelle für FÖJ-ler in Schleswig-Holstein. Zwei Tage vor dem Abitur bekam sie die Zusage. Zum FÖJ gehört nicht nur die Arbeit im Natur- und Umweltschutz, sondern auch der Besuch von Seminaren zu ökologischen und umweltpolitischen Fragen. Nach dem FÖJ beginnt Janne ein Studium der Biologie in Kiel. beruflich verwenden kann. Die Tiere des Wattenmeers in den Broschüren sind ihr gut gelungen. Janne, Heuler, trifft Janne, FÖJ-lerin. Zum Kuscheln ist der Seehund nicht, auch wenn er so aussieht. Das Tier hat sehr scharfe Zähne. Vorsichtig berührt Janne den Seehund. Bald kommt er wieder ins Meer zurück. Wird sie ihn jemals wiedersehen? Wahrscheinlich nicht. Erwachsene Seehunde wandern mehrere hundert Kilometer im Meer. Nur die Flossenmarke erinnert daran, dass Seehund Janne einmal in Friedrichskoog war. Neugierig schauen die Besucher auf Monitoren und aus dem Fenster der Station zu. Der Bereich mit den Heulern ist für Besucher gesperrt. So bleiben die Jungtiere ungestört. In der Hauptsaison dauert der Dienst 12 Stunden. Von morgens bis abends kommen die Besucher. Im Winter ist es ruhiger, denn die Heuler sind wieder im Meer. Doch auch die erwachsenen Seehunde brauchen Pflege. Die Tiere können aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihre natürliche Heimat zurück. Zu Forschungszwecken bleiben sie in der Station und erfüllen noch eine wichtige Aufgabe: Sie helfen dabei, das Verständnis der Menschen für die Seehunde zu verbessern. 22 JUMA 1/2001

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25 S mick :51 Uhr Seite 25 JUMA 1/

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27 Ein Südsee-Haus für Witten Sarah, 13 Jahre, Julia, 14 Jahre, und Yahya, 25 Jahre, bauen gemeinsam ein Papua-Haus. Fünf Wochen lang sind Yahya und 10 weitere junge Indonesier aus Papua-Neuguinea zu Gast in der evangelischen Kirchengemeinde Hattingen-Witten. In dieser Zeit bauen sie gemeinsam mit deutschen Jugendlichen das Haus im Garten der Wittener Kirche. Sie sprechen verschiedene Sprachen, doch verstehen tun sie sich auch so. Mit Händen und Füßen zeigt man, was man meint. Die praktischen Erfahrungen der deutschen Jugendlichen sind recht unterschiedlich. Bisher habe ich nur einen Meerschweinchenstall gebaut, erzählt Sarah. Yayha, der zuhause in einer Holzfabrik arbeitet, erklärt ihr den richtigen Gebrauch von Säge und Hammer. Und Yosina Rumbiak Kapissa, die Pfarrerin der indonesischen Gemeinde, berichtet: Das Einhalten fester Zeiten, die Disziplin und der Teamgeist bei der Arbeit das machen uns die Deutschen vor. Die Papuas sind handwerklich recht geschickt. Elektrische Werkzeuge gibt es in ihrem Dorf nicht. Doch schon nach kurzer Zeit arbeiten sie damit an dem Wittener Papua-Haus. Das Papua-Haus im Rohbau. Es soll später einmal als Treffpunkt dienen. Während der Bauzeit essen, feiern und wohnen alle gemeinsam in den Räumen der Kirche. Wegen der kulturellen Unterschiede ist Toleranz gefragt. Unser deutsches Frühstück mit Brot, Butter und Marmelade ist völlig neu für unsere Gäste, berichten die Wittener Mädchen. Die deutschen Pfarrer Dieter Weinbrenner und Ingo Neserke finden den Austausch zwischen den unterschiedlichen Formen der gemeinsamen Religion besonders spannend: Bei den abendlichen Andachten staunen wir über die Frömmigkeit unserer Gäste. Lieder und Bibeltexte beherrschen sie perfekt. Text: Christian Vogeler; Fotos: Jörg Fruck Wir dagegen haben viel freiere Formen im Gottesdienst. So können wir gegenseitig voneinander lernen. Später soll das Papua-Haus als Treffpunkt für verschiedene Gruppen der Kirchengemeinde dienen. Da man unbehandeltes Holz aus Deutschland verwendet, wird es vielleicht fünf Jahre halten. Die Partnerschaft mit Sarmi wird sicherlich viel länger bestehen. Bereits in zwei Jahren fahren deutsche Jugendliche zum Gegenbesuch auf die Südseeinsel. Gemeinsam überlegt man bereits jetzt, was man dort gemeinsam erbauen kann. Yahya (rechts) zeigt Julia und Sarah, wie man mit Werkzeugen umgeht. JUMA 1/

28 Kölle alaaf! Für echte Kölner ist der Karneval die schönste Zeit des Jahres. Er beginnt jedes Jahr am um Punkt 11 Uhr 11 und dauert bis zum Karnevalsdienstag, der meistens im Februar liegt. Überall in der Stadt begegnet man in dieser Zeit fröhlichen Menschen mit Masken und in bunten Kostümen. Ihr Karnevalsruf: Kölle alaaf!. Im Kölner Heinrich-Mann-Gymnasium kurz HMG geht es heute Abend hoch her. Die Karnevals-AG hat einen geselligen Abend organisiert, den man in Köln Sitzung nennt. Zahlreiche Gruppen und Redner treten auf der Bühne vor ihr Publikum. Es besteht aus Schülern, Lehrern und Eltern. Einmal im Jahr ist Karneval am Rhein É am Aschermittwoch ist alles vorbei. 2 1 Karneval ist die tollste Zeit Ÿberhaupt! 3 Mensch, hat die Frau eine Stimme! An dem Schal habe ich Ÿber 4 Wochen lang gestrickt. É und das ist unsere Religionslehrerin?! Klatschmarsch! Als Hšhepunkt des Abends empfangen wir das Lehrerballett. Hoffentlich blamieren sie uns nicht! Die singen so schršg wie sie stehen. Biologielehrer Georg Hollander leitet die Karnevalssitzung. Er leitet den 11-er Rat, der aus Lehrerinnen und Lehrern besteht JUMA 1/2001

29 Julia, 16, spielt E-Gitarre in der Karnevalsband. Ob Florian mir zuhšrt? Endlich gibt es mal keinen 5 rger mit den 6 Nachbarn. Im Foyer serviert Daniel, 16, kühle Getränke. Kein G-Dur! Ein A-Moll! 7 Schon wieder eine Niete! Andere verkaufen Lose. Vorsicht, hei und fettig!!! Wer nichts wagt, der nichts gewinnt É Jedes Los ein Gewinn! Mein Gott, ist der langsam! Mathematiklehrer Heinz Schumacher verkauft Getränkebons. 8 Wer rechnet heute denn noch mit dem Kopf? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn ein Bon 80 Pfennig kostet, wieviele bekommt er dann fÿr 10 Mark? JUMA 1/

30 Kerstin, 17, macht die Garderobe. SpŠte 60-er Jahre! Die hštte die Mottenkugeln vorher rausnehmen kšnnen! Wer zieht denn so was an? Die Karnevalsvorbereitungen begannen bereits im Oktober. Jeden Samstag wurden Kostüme entworfen, genäht und zugeschnitten, Wagen gebaut, bemalt und beklebt, die Organisation vorbereitet Daniel befestigt Buchstaben auf einem Wagenschild Auf dem Richtfest feiert man den Abschluss der Vorbereitungen. Die Leiterin der Karnevals-AG, Heidi Größchen, dankt im Karnevalskeller allen Beteiligten. 11 ãkÿttò ist kšlsch und bedeutet ãkommtò. Ein Hoch auf die Karnevals-AG! Mit Euch macht Schule Spa! Drei Mal Kšlle alaaf!!! Frau Größchen tauft die neuen Mitglieder der AG mit Konfetti. 12 Jetzt geht der Stress erst richtig los! Hiermit ernenne ich dich zum Karnevalsjecken! Meine Frisur ist hin! Was zum Essen wšr mir lieber! 30 JUMA 1/2001

31 Kerstin bekommt den Ehrenorden, weil sie sich sehr um die jüngeren Schüler gekümmert hat. 13 Manche Lehrer sind richtig nett! Hoffentlich fšllst du durchs Abitur, damit du weiter bei uns mitmachen kannst! Als Höhepunkt des Tages gibt es Linsensuppe für alle. 14 Die Teller kšnnten grš er sein! Schüler, Eltern und Lehrer werden am großen Karnevalszug am Sonntag durch die Stadt teilnehmen. Sie planen die Organisation ihrer Gruppe. 15 Der Traktor fšhrt nur 20 km/h! In der Schule findet ein Probelauf statt Uhr aufstehen Ð keine Diskussion! Am besten gehe ich gar nicht erst ins Bett. Wenn wir am Sonntag genauso schnell sind, Ÿberholen wir alle anderen. Der Bus kommt um 9 Uhr 30. JUMA 1/

32 Schüler, Eltern und Lehrer packen 598 Säcke mit Kamelle (Bonbons), Popkorn, Kartoffelchips, Weingummi, Puffreis, Schokolade, Lutschern und Keksen. Sie wollen die Süßigkeiten während des Karnevalszuges unter die Zuschauer werfen. 17 Bonbons verpacken ist etwas anderes als Bonbons essen! Sonntagmorgen, 8 Uhr 30. Die Zugteilnehmer werden geschminkt. 18 Mensch, juckt das! 304, 305,306 É Du siehst aus wie ein Kanarienvogel. Ein Umzugswagen transportiert Fahrräder, Handwagen, große Kopfbedeckungen, Kamellesäcke, Schilder und Verpflegung Ob sich das Wetter hšlt? Um 9 Uhr 30 bringt ein Bus die Teilnehmer zum Aufstellungsort. Sind die PlŠtze nummeriert? Wehe, da kommt ein Kratzer dran! Sind alle da? 32 JUMA 1/2001

33 Die Gruppe 25 Jahre HMG stellt sich auf. Die Blumensträuße sind ihr Wurfmaterial Das HMG-Fahrrad führt die Gruppe an. 6 Uhr ist einfach zu frÿh! Ganz schšn eng hier! Unter den KostŸmen erkennst du sie nicht immer! Meine StrŠu chen sind nur fÿr sÿ e Jungs É Hauptsache, wir halten das Gleichgewicht! Die Gruppe der Bushaltestellen bietet ein farbenfrohes Bild! 23 Soviele Haltestellen und kein Bus in Sicht! Die Fans des 1. Fußballklubs von Köln freuen sich über den Aufstieg in die erste Liga. 24 Wenn die Fu baller immer so gut in Form wšren wie wir É WennÕs regnet, ist die Farbe futsch! Ob die Schminke hšlt? Ein Sack Flšhe ist leichter zu hÿten. Das Fernsehen überträgt den Karnevalszug wie in jedem Jahr live. Und hier kommen die Teilnehmer des Heinrich-Mann- Gymnasiums É 25 Reportage: Jörg-Manfred Unger; Fotos: Dieter Klein Kamelle! DarfÕs auch Schokolade sein? JUMA 1/

34 Leihst du mir was, leih ich dir das Wer von euch kennt das nicht: Da kommen Freunde oder Geschwister und möchten von euch die neueste CD, den Lieblingspulli oder ein Buch ausleihen. Wenn man Glück hat, bekommt man die Sachen schnell zurück. Wenn man Pech hat, muss man Freund, Bruder oder Schwester daran erinnern, dass sie die geliehenen Dinge zurückgeben. JUMA wollte wissen, wer was an wen verleiht. Julian, Michael, Frederick und Kathi aus Burscheid im Rheinland zeigen euch, was man bei ihnen ausleihen kann und was nicht. Julian (15) An wen verleihst du deine Sachen? An meine Eltern, meine Brüder, an ein paar sehr gute Freunde aus meiner Klasse. Die, von denen ich weiß, sie gehen vorsichtig mit meinen Dingen um und sie geben diese Dinge auch zurück. Was leihst du dir? Meistens CDs, auch mal Spiele. Und die auch nur von guten Freunden. Gibst du die geliehenen Sachen schnell zurück? Ich bemühe mich. Ich finde es nicht schön, wenn mich Leute daran erinnern, dass ich ihnen noch etwas zurückgeben muss. Verleihst du Geld? Schon aber nicht viel, ein paar Mark an nette Freunde und Klassenkameraden. Sehr guten Freunden und meinen Brüdern würde ich auch schon mal mehr leihen. Was verleihst du, Julian? Fast alles. Ich nenne hier mal mein Snowboard, CDs, Spiele, zum Beispiel mein Rummy-Spiel, mein Lieblingssweatshirt und meinen Rucksack. Was verleihst du nicht? Mein Handy würde ich überhaupt nicht verleihen und mein neues Kickboard nur sehr, sehr ungern und nur an ganz zuverlässige Leute. Das neue Kickboard. Wer es von Julian leihen will, muss sehr zuverlässig sein. Leihst du dir Geld? Ja, wenn s Taschengeld nicht reicht, frag ich meine Eltern. In der Schule leihe ich mir schon mal Geld von meinen Klassenkameraden, so 1 bis 2 Mark. Würdest du dein Sparbuch für einen persönlichen Wunsch plündern (1)? Kann ich mir nicht vorstellen. Momentan gibt es nichts, was ich unbedingt haben möchte. Und ich wünsche mir größere Sachen zu Geburtstagen oder zu Weihnachten. Allerdings kann ich mir vorstellen, mein gespartes Geld abzuheben, wenn es jemandem aus meiner Familie schlecht gehen sollte. 34 JUMA 1/2001

35 Michael (15) Was leihst du dir? Ich bin Computerfan. Also würde ich sagen: vorwiegend die etwas intelligenteren Videospiele. Sweats leihe ich mir auch schon mal. Gibst du die geliehenen Sachen schnell zurück? Manchmal muss man mich schon dran erinnern. Das ist mir dann peinlich und tut mir Leid. Ich verspreche, mich zu bessern. Verleihst du Geld? Schon, an meine besten Freunde und die nettesten Klassenkameraden, so ein paar Mark. Immer vorausgesetzt, ich bin flüssig. Meinen Eltern würde ich natürlich auch was geben. Leihst du dir Geld? Manchmal bei Freunden ein paar Mark. Im allgemeinen versuche ich, mit meinem Taschengeld irgendwie auszukommen. Was verleihst du, Michael? An Leute, die Musik machen, mein Keyboard. Sonst Videospiele, meinen Billardqueue, CDs, Lieblingssweatshirt, Zelt, Isomatte (2) oder Luftmatratze, Wolldecke oder auch den CD-Spieler. Was verleihst du nicht? Rudi. Das ist mein altes Kuscheltier, der Rabe, den ihr hier seht. Eigentlich brauch ich ihn nicht mehr. Aber irgendwie ist er immer noch so eine Art Talisman. An wen verleihst du deine Sachen? An meine besten Freunde. Da weiß ich, wo sie sind und wo ich sie notfalls auch ganz schnell wieder abholen kann. Würdest du dein Sparkonto für einen persönlichen Wunsch plündern? Einen Motorroller fänd ich irgendwann schon toll. Aber deswegen gleich das Sparbuch,nullen (3)? Man muss sich dann doch überlegen, ob man den Wunsch unbedingt zum Leben braucht. Insbesondere, wenn man nur ein bisschen neben der Schule jobbt. Da würd ich, glaube ich, doch eher Geld für persönliche Notlagen von Familienmitgliedern abheben. E CDs kann man sich bei Michael leihen. Seinen Talisman Rudi dagegen gibt er nicht her. JUMA 1/

36 Was verleihst du, Kathi? Ich würde mein neues schickes Kleid und andere Klamotten, meine Bücher, CDs, Schuhe, Kassetten und auch meinen weißen Kuschelsessel verleihen. Das Stoffkrokodil bleibt zu Hause. Doch ihren Sessel würde Kathi verleihen. Was verleihst du nicht? Schmuck, mein grünes Stoffkrokodilchen, und mein Schlafkissen. An wen verleihst du deine Sachen? An gute Freundinnen und an meine Schwester, wenn sie mal nett ist. Was leihst du dir? Vorwiegend leihe ich mir Bücher und Klamotten. Sweatshirts, Pullis und so. Und auch ab und zu mal eine CD. Vielleicht mal was zum Schminken. Gibst du die geliehenen Sachen schnell zurück? Meistens ja. Ich hab allerdings auch schon mal vergessen, etwas bald wieder zurück zu geben. Da kann ich verstehen, dass manche Leute sauer werden. Kathi (14) Verleihst du Geld? Ja, da bin ich eigentlich großzügig. Zumindest an die besten Freundinnen und auch an ein paar zuverlässige Jungs. Ein paar Mark würde ich schon verleihen. Leihst du dir Geld? Ja, allerdings nur kleinere Beträge, meistens ein paar Mark. Zuerst versuche ich es bei meiner Mutter. Würdest du dein Sparkonto für einen persönlichen Wunsch plündern? Für etwas ganz Unwiderstehliches, Supertolles vielleicht. Reise? Superkleid? Roller? Das habe ich mir schon mal überlegt. Aber ehrlich, eigentlich würde ich das Geld nur im Notfall abheben. Wenn jemand krank wäre oder jemand, den ich sehr mag, meine Hilfe braucht. 36 JUMA 1/2001

37 Frederick(15) An wen verleihst du deine Sachen? An meine besten Freunde. Da bin ich sicher, dass ich sie irgendwann auch wiedersehe. Was leihst du dir? Hauptsächlich CDs. Ab und zu mal Klamotten. Gibst du die geliehenen Sachen schnell zurück? Eigentlich ja. Ich bin ziemlich genau mit so was. Wenigstens hoffe ich, dass auch meine Freunde mich für zuverlässig halten. Verleihst du Geld? Ja, aber sehr ungern. Vielleicht mal 2 Mark an die besten Freunde. An supernette Mädels gebe ich natürlich auch was ab. Meistens bekomme ich das Geld auch innerhalb von zwei Wochen zurück. Ab und zu muss ich Leute daran erinnern, dass sie mir noch Geld schulden. Das find ich dann ziemlich blöd. Was verleihst du, Frederick? Ich verleihe mein Fahrrad, meinen Fussball, den Baseballschläger plus Handschuh, meinen Lieblingspulli, meinen tragbaren CDSpieler und natürlich CDs. Was verleihst du nicht? Nummer Eins: Meinen Laptop auf den habe ich wahnsinnig lange gespart, der ist zur Zeit mein Heiligtum. Nummer Zwei: mein Handy. Frederick hat keine Probleme damit, seine Baseballausrüstung zu verleihen. Leihst du dir Geld? Ungern. Wenn, dann bei netten Klassenkameraden. Vielleicht noch bei meinen Eltern oder bei meiner Schwester. Und ich geb s schnell zurück. Würdest du dein Sparkonto für einen persönlichen Wunsch plündern? Oh nein. Dazu bin ich zu geizig. Ich glaube, wenn man sein Bankkonto einmal überzieht (4), kommt man aus den Miesen so schnell nicht heraus (5). Jedenfalls nicht, wenn man Schüler ist und wenig Geld hat. Ich spare lieber vom Taschengeld einen Teil so wie für meinen Laptop. Wenn jemand aus meiner Familie krank wäre und Geld benötigte, sähe alles natürlich anders aus. Da würde ich dann schon das Ersparte abheben. 1. Das Sparbuch plündern Geld vom Sparbuch abheben 2. Isomatte Schlafmatte aus isolierendem Material 3. Das Sparbuch nullen Alles Geld vom Sparbuch abheben, so dass der Kontostand Null beträgt. 4. Das Konto überziehen Mehr Geld abheben, als auf dem Konto liegt 4. Aus den Miesen herauskommen Von den Schulden wegkommen Text: Jutta Schütz; Fotos:Benito Barrajas JUMA 1/

38 U Studentenleben in Rostock { Rostock ist eine Universitätsstadt in den neuen Bundesländern. Hier leben rund Studentinnen und Studenten. JUMA hat vier davon besucht. Sie studieren Deutsch als Fremdsprache an der philosophischen Fakultät. 38 JUMA 1/2001

39 Ein Ort zum Studieren Thorsten, 23, studiert neben Deutsch als Fremdsprache (DaF) Germanistik, Religion und Geschichte. Er ist im 6. Semester und im 2. Semester DaF. Sein Studienziel: das 1. Staatsexamen für das Lehramt an der Sekundarstufe. Mit Deutsch als Fremdsprache erhofft er sich ein zweites Standbein : Damit kann man zum Beispiel an einer Schule im Ausland Deutsch unterrichten. Das DaF-Studium gefällt ihm, weil es nicht so theoretisch ist. Begeistert berichtet er von der Umsetzung eines Theaterstücks im Unterricht. Thorsten hat sich sofort nach dem Zivildienst in Rostock immatrikuliert, weil Universitäten in Westdeutschland oft überfüllt sind. Er hatte Angst vor Massenbetrieb und Anonymität. In Rostock ist alles überschaubar. Im Fachbereich kennt jeder jeden. Dabei hat die philosophische Fakultät Studentinnen und Studenten. Aber in den Seminaren sitzen 20 bis höchstens 40 Kommilitoninnen und Kommilitonen. Im Norden, am Meer Der zweite Grund: Thorsten kommt aus Ostfriesland und das liegt am Meer. Den Wechsel von Nord- zu Ostsee konnte er sich vorstellen, einen Umzug nach Frankfurt oder München nicht: Ich brauche das Maritime, Thorsten aus Ostfriesland Thorsten (siehe Pfeil) besucht eine 45-minütige Vorlesung zum Thema Textproduktion. Im Hörsaal findet jeder Platz (großes Foto). Nach der Vorlesung trifft sich Thorsten (rechts) mit Kommilitonen im Studentenkeller. Sie diskutieren bei Kaffee, Tee und belegten Brötchen über Gott und die Welt (Foto rechts). sagt er, Möwengeschrei bedeutet frische Luft und Nähe zum Strand. Außerdem ist seiner Ansicht nach der Charakter von Mecklenburgern und Ostfriesen ziemlich ähnlich: norddeutsch kühl. Die Semesterferien 5 Monate im Jahr verbringt er bei seinen Eltern und dem 20-jährigen Bruder im ostfriesischen Dorf Berumbur. Es ist 500 Kilometer von Rostock entfernt. Lehramtsstudenten in Mecklenburg- Vorpommern müssen mindestens ein Semester im Ausland studieren. Thorsten plant sein Auslandssemester im niederländischen Groningen. Dafür will er ein Stipendium im Rahmen des europäischen Erasmus-Programms beantragen. Auch Groningen liegt im Norden und in der Nähe vom Meer. Als Wessi im Osten Ein Wessi im Osten? Die Wessi-Ossi- Diskussion ist hier kein Thema, versichert Thorsten. Er hat diese Frage satt: Ich weiß gar nicht, wer aus dem Westen kommt und wer aus dem Osten. Es interessiert mich auch nicht! Er lebt in einer WG mit 2 Kommilitonen, mit denen er sich gut versteht. Die Wohnung liegt zentral. Man braucht nur wenige Minuten bis zur Uni und in die Innenstadt. Jeder bewohnt ein Zimmer. Küche, Diele und Bad teilen sich die drei. Bis zum 4. Semester bekam Thorsten BaFög, ein Teil davon als Darlehen. Nachdem ihm ein Schein fehlte, fiel er aus der Regelstudienzeit heraus die Bafög-Zahlungen waren zu Ende. Jetzt bekommt Thorsten Geld von seinen Eltern. In den Semesterferien jobbt er, zum Beispiel als Betreuer einer Zeltfreizeit mit Kindern und Jugendlichen oder am Fließband des Volkswagenwerks in Emden. Wie stellt Thorsten sich seine Zukunft vor? Ich träume von einer Anstellung als Lehrer und von einer Kleinfamilie mit 2 Kindern, sagt er, Geld und Karriere interessieren mich nicht. JUMA 1/

40 Ein Semester im Ausland { Katarzyna Katarzyna, 22, ist Polin und studiert im 3. Jahr Slawistik und Deutsch in Stettin, Polen. Sie will Lehrerin oder Dolmetscherin werden. Die Institute für Slawistik in Stettin und in Rostock arbeiten eng zusammen. Sie bieten auch einen Studentenaustausch an, für den es Stipendien gibt. So kam Katarzyna für ein Gastsemester nach Rostock. Sie hat etwa 20 Stunden pro Woche belegt. Im Semester davor hat sie zwei Monate in Moskau, Russland, studiert. Katarzyna bezog ein Zimmer im Studentenwohnheim Warnemünde, 20 S-Bahn-Minuten von Rostock entfernt. Warnemünde ist ein Seebad direkt an der Ostsee. Es hat eine schöne Promenade am Meer und einen kilometerlangen Strand. Dort joggt Katarzyna einmal in der Woche mit ihrer französischen Freundin Marie- Annick. Das Zimmer von Katarzyna ist sehr einfach. Es ist im Studentenwohnheim, einem hässlichen Plattenbau, und stammt noch aus DDR-Zeiten. Der Anfang dort war schwer: Ich habe nicht gedacht, dass es solche Gebäude in Deutschland noch gibt. Kontakte zur Welt In der Mensa isst Katarzyna (großes Foto, rechts) Seelachsfilet, Bohnen und Salzkartoffeln. Freundin Natascha, 22, aus Omsk, Russland, entschied sich für Hähnchenspieß, Bohnen und Pommes Frites. Rechts: Jogging auf der der Strandpromenade von Warnemünde. Katarzynas Leidenschaft ist das Internet, das sie fast täglich eine Stunde lang nutzt: Ich bekomme über 20 s in der Woche, lese polnische Zeitungen und surfe zu Museen wie aus Polen dem Marc-Chagall-Museum in Nizza. In der realen Welt organisiert das Auslandsamt der Universität Rostock alle 2 3 Wochen Ausflüge, an denen auch deutsche Studentinnen und Studenten teilnehmen. Gerne würde Katarzyna noch ein Semester in Rostock bleiben, aber das Stipendium ist leider nicht verlängerbar. Nach dem Studium will sie in den Niederlanden leben. Ihr Freund ist nämlich Niederländer. 40 JUMA 1/2001

41 Glück nach der Wende Susann, 25, kommt aus Schwerin. Das liegt bis 1990 in der DDR. Sie ist 14, als der sozialistische Staat zusammenbricht. Genau im richtigen Moment, wie sie heute meint: Für uns Jugendliche war die Zeit der Wende unheimlich spannend. Für die Erwachsenen brach dagegen eine Welt zusammen. Mit 18 besteht Susann das Abitur. Ihr Verhältnis zu ihren Eltern verschlechtert sich, so dass sie von zu Hause auszieht. Sie verbringt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf Burg Lohra in Thüringen. Die Burg- und Denkmalpflege macht Susann Spaß. Nach einem Semester Anglistik und Psychologie an der Universität Leipzig macht sie ein einjähriges Praktikum in einer ostdeutschen Restaurationsfirma. Dort lernt sie, wie man Kirchen instand setzt. Als ihre Augen unter dem Staub und unter der Farbe leiden, bricht sie diese Tätigkeit ab. Sie schreibt sich an der Universität Rostock für ein Lehramtsstudium ein. Ihre Fächer sind Germanistik und Biologie. Später kommt Deutsch als Fremdsprache hinzu. Sie jobbt in einer Kneipe. Dort lernt sie viele Leute kennen. Mein soziales Netz ist sehr eng, stellt sie fest, nicht zuletzt deshalb bin ich sehr glücklich hier. Susann ist WG-erfahren. Heute lebt sie lieber allein. Sie hat in Rostock eine Wohnung gemietet und nach ihrem Geschmack eingerichtet. schule Schwedischunterricht geben. Bei einem Schulpraktikum in Schweden lernt sie Schlittschuh laufen, weil es an jeder Schule Eislaufflächen gibt. Und sie lernt ihren Freund Umberto, 25, aus Italien in Schweden Im 5. Semester geht sie nach Schweden. In Luleå studiert sie von Januar bis Juni Pädagogik. Susann profiert gleich mehrfach von ihrem Auslandsaufenthalt: In einem Sprachenzentrum lernt sie Schwedisch. So kann sie zurück in Rostock an einer Privatkennen. Mit ihm will sie demnächst ein halbes Jahr gemeinsam verbringen, am besten in Südeuropa. Dort, wo Susann nach dem Studium wegen des Klimas und wegen der Leute am liebsten unterrichten würde. Susann aus Schwerin Susann hat es sich in ihrer Wohnung gemütlich gemacht. Seitdem sie für die Uni lesen muss, {liest sie nicht mehr so gerne. Deutsch im Süden JUMA 1/

42 Studium mit Tradition Jutta, 22, kommt aus Finnland. Sie ist an der Universität Jyväskylä im 3. Studienjahr Deutsch und Französisch. Beide Fächer möchte sie später an einer finnischen Schule unterrichten. Jutta kennt Rostock seit langem. Ihre Eltern studierten beide Anfang der 70-er Jahre hier. Sie lernten sich in einem Studentenkeller kennen, der noch heute ein Studenten-Treffpunkt ist. Ein Studium in der DDR war damals in Finnland Mode, sagt Jutta. Am Studentenleben hat sich offenbar nichts geändert, stellt Jutta nach Gesprächen mit ihren Eltern fest, nur die Häuser sind jetzt bunter und das Telefonieren ist nicht mehr so schwer. Juttas Mutter studierte in Rostock Germanistik und Slawistik. Sie ist heute Lehrerin. Juttas Vater absolvierte sein gesamtes Medizinstudium in Rostock. Er ist heute Arzt. Auch Juttas Schwester studiert in Rostock Medizin. Nach schlechten Erfahrungen in einem Studentenhaus wohnt Jutta jetzt bei ihr. Wir haben auch noch Freunde, Bekannte und sogar entfernte Verwandte in der Gegend, sagt Jutta. Kein Wunder, dass die Germanistik-Studentin { sich für 2 Semester Auslandsstudium in Rostock entschied fast ein ganzes Jahr. Mit ihren Studienfächern muss sie ohnehin zwei Monate ins Ausland. In Finnland bekommen alle Studenten 54 Monate lang ein Stipendium und Wohngeld. Damit können sie studieren, wo sie wollen. Jutta erläutert: Das Geld reicht nur knapp zum Leben, man muss sich etwas dazu verdienen. Kneipen, Kultur und Sport Jutta beim Einkaufsbummel in der Rostocker Innenstadt (oben) und mit Inline-Skates vor ihrem Haus (links). Der Studienort Rostock bietet viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Das Studentenleben in Rostock gefällt Jutta sehr: Es gibt zahlreiche Studentenkneipen und -cafés, wo man sich tagsüber und abends trifft. So eine Kneipenkultur gibt es in Finnland nicht. Auch die vielfältigen Sportmöglichkeiten der Stadt mit Einwohnern nutzt sie gern: Ich spiele Jutta aus Finnland Badminton und Tennis, jogge und skate. Einkaufen gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen; außerdem geht sie gerne ins Kino und sie besucht Theateraufführungen und Konzerte. Das kulturelle Leben lässt nichts zu wünschen übrig, stellt Jutta fest. Probleme hat Jutta nur mit dem Rostocker Klima: Im Winter gibt es keinen Schnee, es ist feucht und nasskalt; im Sommer regnet es oft bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius. Text: Jörg-Manfred Unger; Fotos: Michael Kämpf 42 JUMA 1/2001

43 Auflösung unserer Mach-mit-Aktion aus JUMA 3/99 (3. Teil) Wer ist der Goethe deines Landes? Polen Bei uns ist Adam Mickiewicz ( ) ein ebenso berühmter Dichter wie Goethe in Deutschland. Er besuchte zuerst eine Dominikanerschule, dann studierte er an der Universität Wilno. Während seines Studiums gründete er zusammen mit einigen Kommilitonen die Bewegung der Liebhaber von Lehre und Keuschheit. In dieser Zeit schrieb er z. B. die Ode an die Jugend. Nach seinem Studium arbeitete er als Lehrer für Literatur und Rechtsgeschichte an einem Gymnasium reiste er in verschiedene Städte, u. a. nach Prag, Dresden, Berlin und Weimar, wo er Goethe kennen lernte. Weitere Aufenthalte in Paris, Lausanne, Rom und Konstantinopel schlossen sich an starb er in Konstantinopel an Cholera. Eines seiner bekanntesten Werke Herr Thadäus wurde letztes Jahr verfilmt und als Meisterwerk anerkannt. Martha, Opoczno Italien Dante Alighieri wurde 1265 in Florenz geboren. Seine Gedichte sind die ersten Beispiele wissenschaftlicher Italienischer Prosa. Seine Werke spiegeln in einzigartiger Weise die Kultur des späten Mittelalters wieder. Sein Hauptwerk ist die in toskanischer Sprache geschriebene Göttliche Komödie. Es ist die Schilderung einer visionären Wanderung des Dichters durch Hölle, Fegefeuer und Paradies. Im Verlauf dieser Wanderung ergeben sich viele Begegnungen und Gespräche, die ein Bild der damaligen Zeit geben. Zeitgeschichte stehen neben seinen Gedanken zu Mythologie, Philosophie, Theologie, Astronomie und Kultur. Diego, Pola Lettland Ich denke, dass der Goethe meines Landes Rainis ist. Er ist der größte lettische Dichter, dessen Werke nicht nur in Lettland, sondern in der ganzen Welt bekannt sind. Er wurde 1865 als Sohn eines Handwerkers und einer Weberin geboren. Schon während seiner Schulzeit schrieb er seine ersten Gedichte und Theaterstücke. Nach seinem Studium arbeitete er als Anwalt und Redakteur. Neben vielen eigenen Werken über Natur, Liebe und das Zeitgeschehen hat er auch viele Werke berühmter Schriftsteller wir Ibsen, Shakespeare, Goethe und Schiller ins Lettische übersetzt. Er starb Zu Ehren des Dichters wird in Lettland alljährlich das Fest der Poesie gefeiert. Ritija, Tukums Rumänien Mihai Eminescu ist der bedeutendste rumänische und moldawische Dichter des 19. Jahrhunderts und Schöpfer der rumänischen Literatursprache. Er schrieb vor allem Gedichte in denen sich die sozialen, politischen, finanziellen und psycho- logischen Probleme seiner Zeit widerspiegeln, wie z.b. Der arme Dionis oder Kaiser und Proletarier. Neben seinem Grab in Bukarest steht ein Akazienbaum, den er in seinen Gedichten oft erwähnte. Milotschka, Moldau Dänemark Der größte Dichter unseres Landes ist unserer Meinung nach Hans Christian Andersen ( ).1835 brachte er ein Heft mit Märchen für Kinder heraus, welches ihm zu internationalem Ruhm verhalf. In seinen insgesamt fast 160 Märchen schaffte er es, gesellschaftliche Kritik in eine für Kinder verständliche Sprache zu bringen. Seine Märchen werden noch heute auf der ganzen Welt gelesen. Trine, Karina und Camilla Syrien 1923 wurde Nizar Kabbani in Damaskus geboren. Kurz nach Abschluss seines Studiums an der Universität Damaskus wurde er Diplomat. Sein Beruf gab ihm die Gelegenheit Kairo, Ankara, London, Madrid, Peking und Beirut kennenzulernen. Die internationalen Begegnungen haben seine Wortkunst vertieft und erweitert gründete Kabbani einen Buchverlag und veröffentlichte seine ersten Gedichte. Er wurde schnell gerühmt als der Kämpfer für die Rechte der arabischen Frauen und für die Freiheit der Liebe. Er wird als Denkmal der arabischen Poesie des 20. Jahrhunderts betrachtet. Bilal, Damaskus Usbekistan Der große usbekische Dichter und Denker Alischer Nawoi ( ) ist eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte Mittelasiens. Er war der Begründer der usbekischen Sprache und Literatur. In seinen Werken vergleicht er die usbekische Sprache mit der Persischen. Er kämpft für die Verbreitung und Autorität der usbekischen Sprache. In den Gedichten Nawois sind Ideen der Menschenliebe, Gerechtigkeit, Gottesliebe, Tugend und Freundschaft. Seine romantische, emotionale Sprache verzaubert jeden Leser. Uktamali und Husniddin, Namangan JUMA 1/

44 s z e n e Stimmwunder Ein neuer Star ist Ayman. Das erste Lied mit dem Titel 1000 Mal, das Ayman veröffentlicht hat, ist auf Anhieb unter die 50 beliebtesten Songs in die Hitparade gekommen. Seine zweite Single Mein Stern kletterte sogar auf Platz vier der Hitparade. Zu verdanken hat das der 25-Jährige seinen Berliner Produzenten, die ihn als Background-Sänger hörten. Ayman hat eine goldene Kehle. Seine Stimme hat Soul, ist sanft und eindringlich zugleich. Melancho Garagenband Selbst eine renommierte englische Musikzeitschrift bescheinigte der Gruppe Fenton Weills : Das sind Deutschlands Garagen-Superstars. Garagenmusik das ist rauer, ungehobelter Gitarrensound. Die Jungs aus dem Ruhrgebiet spielen ihre Musik live und benötigen keine Studiotricks, um gute Songs zu produzieren. Übrigens interessieren sich die Bandmitglieder für Film; sie haben einmal beim Festival des unabhängigen Films zum Stummfilm Zorro aus den 20er Jahren musiziert. Das Publikum war begeistert. Diva von Lübeck Greta Schloch ist einzigartig. Sie textet mit skurrilem Humor und komponiert eine Musik dazu, die nur schwer einzuordnen ist. Eine mögliche Beschreibung: Synthie- Pop mit musikalischen Ausbrüchen in alle Richtungen. Aufgewachsen ist Greta mit Rock, Disco, Soul, Pop und Jazz. Diese Mischung ist in ihrem Sound immer noch präsent, wenn auch in dezenter Form. Die gelernte Grafik-Designerin tüftelt im Studio und spielt auf mehreren Instrumenten - bis ein Song fertig ist. 44 JUMA 1/2001

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