BAYERISCHES ORIENT-KOLLOQUIUM

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1 BAYERISCHES ORIENT-KOLLOQUIUM Erlangen, Wintersemester 2013/ 2014

2 Programm des BAYERISCHEN ORIENT-KOLLOQUIUMS Erlangen, Wintersemester 2013/2014

3 Herausgegeben für die Sektion Vorderer Orient des Zentralinstituts für Regionenforschung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Prof. Dr. Georges Tamer Institut für Außereuropäische Sprachen und Kulturen Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft Bismarckstraße 1, Erlangen

4 VORWORT Im Wintersemester 2013/2014 findet das Bayerische Orientkolloquium in Erlangen wieder in gewohntem Rahmen statt: Ausgewiesene auswärtige und interne Experten der interdisziplinären Nahostforschung werden aus ihren aktuellen Forschungen berichten und Ergebnisse mit einem interessierten Fachpublikum diskutieren. Da das disziplinäre Spektrum der diesjährigen Veranstaltung die Orientalistik, Politikwissenschaft, Kulturgeografie und Wirtschaftswissenschaft umfasst, ist auch thematisch wieder eine spannende Vielfalt geboten, die von der Genesis of Allah über Postsecular Cities bis hin zur gegenwärtigen Lebensmittelkrise im Nahen Osten reicht. Das Bayerische Orient-Kolloquium ist eine fortlaufende Veranstaltung, die in der Regel 14tägig in Erlangen (jeweils im Wintersemester) und Bamberg (jeweils im Sommersemester) stattfindet. Es ist das zentrale Forum für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der Sektion Vorderer Orient des Erlanger Zentralinstituts für Regionenforschung und des Bamberger Instituts für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, Islamwissenschaft und Judaistik. Es bietet Forschern und Studierenden beider Universitäten sowie einer breiteren Öffentlichkeit einen Einblick in aktuelle Forschungsfragen und -ergebnisse auf verschiedenen Teilgebieten der interdisziplinären Nahostforschung sowie der Orientwissenschaften. Im Mittelpunkt stehen Fragen der kulturellen, religiösen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den Gesellschaften des Nahen Ostens sowie der globalen Verflechtungen dieser Gesellschaften (bspw. in Folge von Migrationsbeziehungen). Das Kolloquium wird seit 1989 vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanziell gefördert, wodurch die Einladung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch aus dem Ausland ermöglicht wird. Viele Jahre hat unser Kollege Prof. Dr. Christoph Schumann zunächst in seiner Funktion als Assistent an der Professur für Politik und Zeitgeschichte des Nahen Ostens und später als deren Inhaber das Orientkolloquium in Erlangen mitgestaltet und bereichert. Wir bedauern zutiefst, dass er im vergangenen Sommer viel zu früh verstorben ist. Nicht nur in diesem Orientkolloquium werden uns seine fachliche Versiertheit, sein scharfer Geist und seine große Freundlichkeit fehlen. Das vorliegende Programmheft informiert alle Interessierten über den wissenschaftlichen Werdegang der Referentinnen und Referenten sowie die Hauptthesen ihrer Referate. Erlangen, Oktober 2013

5 ÜBERSICHT Bayerisches Orient-Kolloquium im Wintersemester 2013/14 Seite 24. Oktober 2013 Der arabische Frühling, die erhoffte Demokratisierung und der Islamismus Bassam Tibi, Göttingen November 2013 Oil for Food* (*dieser Vortrag findet in KH statt) Eckart Wörtz, Barcelona November 2013 High Heels and Tesettür : Veiled Women as a Market in Turkey Elif Kocagöz, Erlangen Dezember 2013 Vorboten der Revolution: Arabische Romane und die Kunst des Widerstands Friederike Pannewick, Marburg Dezember 2013 Die offene soziale Frage: Sozioökonomische Proteste und der politische Transformationsprozess in Ägypten Irene Weipert-Fenner, Marburg... 5

6 09. Januar 2014 Economic and Social Developments in the Arab World Ahmed Farouk Ghoneim, Kairo Januar 2014 Beyond Rapprochement? Postsecular Ethics of the City* (*dieser Vortrag findet in KH statt) Justin Beaumont, Groningen Januar 2014 The Genesis of Allah Aziz Al-Azmeh, Budapest Februar 2014 Feeling at Home in the West Bank: Die Bedeutung von Haus und Heimat unter nationalreligiösen Siedlern Steffen Hagemann, Kaiserslautern... 9 Die Vorträge finden jeweils donnerstags um Uhr statt. Ort: Erlangen, Kollegienhaus Raum 1.011

7 24. Oktober 2013 Der arabische Frühling, die erhoffte Demokratisierung und der Islamismus Referent: Prof. Dr. Bassam Tibi, Universität Göttingen Zusammenfassung des Vortrags: In der postbipolaren öffentlichen Debatte wird unterstellt, dass der Zusammenbruch der autoritären Regime des Kommunismus der Auslöser einer globalen Dritten Welle der Demokratisierung war. Die MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) blieb jedoch außerhalb dieser Entwicklung. Die Überraschung der Erhebung gegen autoritäre Regime 2011, genannt arabischer Frühling, wurde mit der Hoffnung verknüpft, dass diese Weltregion sich endlich an die globale Demokratisierung anschließen würde. Der Vortrag fasst die Ergebnisse eines Forschungsprojektes über diese Thematik zusammen, das im Juli 2013 als Monographie unter dem Titel The Shari a-state. Arab Spring and Democratization (Routledge Press) erschienen ist. Darin wird argumentiert, dass die als Arab Spring bezeichnete Erhebung längst fällig war, jedoch aus der Retrospektive nicht die an sie geknüpften Erwartungen erfüllt hat. Die Erhebung wurde primär von einer jungen No Future Generation mit der Forderung nach Freiheit und besseren ökonomischen Lebensverhältnissen getragen. Diese Rebellen hatten weder eine Führung noch ein Programm und sie waren dazu noch kaum organisiert. Im Gegensatz dazu hatten islamistische Bewegungen eine im Untergrund agierende und fähige Opposition aufgebaut, die all das erfüllt, was den Rebellen fehlte. Unter diesen Bedingungen folgte darauf eine allein auf Wahlen beschränkte Demokratisierung, die den Islamisten zur Herrschaft verhalf. Diese verstehen unter Demokratie eine Herrschaft der Mehrheit und unterstellen dabei, dass Muslime nur in einem Scharīʿa -Staat angemessen leben sollen. Im Vortrag werden diese Entwicklungen kontextuell erläutert und erklärt. Biographische Angaben: Bassam Tibi ist Professor emeritus an der Universität Göttingen. Er war Visiting Scholar und Research Associate an der Harvard-Universität ( ) und dort auch Bosch Visiting Professor ( ). Seit 2004 ist er A.D. White Professor-at-Large an der Cornell University, zuvor wirkte er als Erma O Brien Distinguished Professor am kalifornischen European Union Center, Scripps College und lehrt seit 2006 jährlich einen Kurs für Islamologie an der Diplomatischen Akademie Wien. Von 1989 bis 1993 war er Mitglied des Fundamentalismusprojekts der American Academy of Arts and Sciences war Tibi Gastprofessor an der University of California in Berkeley und 1995 und 1998 an der Bilkent- Universität in Ankara. Zurzeit ist er Mitglied des Projekts Culture Matters an der Harvard Academy for International Studies und der Fletcher School an der Tufts University. Bassam Tibi wurde 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Literaturhinweis: The Shari a-state. Arab Spring and Democratization, London and New York: Routledge,

8 07. November 2013 Oil for Food * (*dieser Vortrag findet in KH statt) Referent: Dr. Eckart Wörtz, Barcelona Centre for International Affairs (CIDOB) Zusammenfassung des Vortrags: Der Nahe Osten ist nicht nur der größte Ölexporteur der Welt, er ist auch ihr größter Getreideimporteur. Die Nahrungsmittelkrise von 2008 hat Schockwellen durch die Region gesandt. Steigende Preise haben nationale Budgets belastet und zu politischer Instabilität beigetragen. Selbst die reichen Golfländer mussten erkennen, dass Geld allein kein Brot kauft, als namhafte Exporteure wie Argentinien, Russland oder Vietnam aus Sorge um ihre eigene Nahrungsmittelsicherheit Ausfuhrbeschränkungen erließen. In seinem Vortrag stellt Eckart Wörtz sein jüngstes Buch Oil for Food. The Global Food Crisis and The Middle East vor und zeigt, wie historische Erfahrungen die Wahrnehmung zunehmend volatiler Weltmärkte beeinflussen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Hungersnöte nur durch Nahrungsmittellieferungen des Alliierten Middle East Supply Centers in Kairo verhindert und in den 1970er Jahren drohten die USA mit einem Nahrungsmittelboykott als Antwort auf das arabische Ölembargo. Dies führte zum gescheiterten Versuch, den Sudan als einen arabischen Brotkorb zu entwickeln, sowie zu einem Programm subventionierter Weizenproduktion in der saudischen Wüste, das jetzt wegen Wassermangels eingestellt wird. Nichtsdestotrotz haben Golfländer seit 2008 ähnlich umstrittene Landinvestitionen in Entwicklungsländern mit erheblichen Ernährungsproblemen gestartet. Biographische Angaben: Eckart Wörtz ist Senior Fellow am Barcelona Centre for International Affairs (CIDOB) und unterrichtet am Institut Barcelona d Estudis Internacionals (IBEI). Zuvor war er Visiting Fellow an der Princeton Universität und Leiter der Wirtschaftsabteilung des Gulf Research Center (GRC) in Dubai. Er hat langjährige Erfahrung im Bankenbereich und hat namhafte Institutionen in den Golfländern beraten, wie die Industrie und Handelskammer von Jeddah oder das saudische Planungs- und Wirtschaftsministerium. Er hat an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg studiert, wo er einen M.A. in Politische Wissenschaften und einen Dr. phil. in Wirtschaftliche Staatswissenschaften erhielt. Seine Doktorarbeit behandelte soziale Auswirkungen der Strukturanpassungspolitik in Ägypten. Er ist Autor von Oil for Food (Oxford University Press, 2013) und Herausgeber von GCC Financial Markets (Berlin: Gerlach Press 2012). Artikel von ihm sind in Globalizations, The Brown Journal of World Affairs, Foreign Policy, The Handbook of Oil Politics und anderen Sammelbänden erschienen. Er ist Kommentator für regionale und internationale Medien wie Financial Times, BBC und Al Arabiya und bloggt auf und Literaturhinweis: Oil for Food, Oxford University Press,

9 21. November 2013 High Heels and Tesettür : Veiled Women as a Market in Turkey Referentin: Dr. Elif Kocagöz, Universität Erlangen Abstract: Women with veil who used to be excluded from public areas and educational institutions because of the ban on headscarf beginning in the 1980s, are now more easily involved in social life due to the democratic and economic changes in Turkey over the last decade. Perhaps their current visibility in public areas accounts for an increased interest in special consumer items such as stylish clothing and cosmetics. This consequently creates a new understanding of veiling a conversion so strong that it led to the establishment of a whole business sector with its own high fashion magazines, designers, image makers etc. We are now facing a new Muslim women s image on the basis of fashion and consumption. What are the characteristics of this market? Who are those women and how can we understand them as consumers? How are their consumption practices being shaped? Which new economies are being created? Some questions to be answered from a marketing perspective. Short Biography: Elif Kocagöz, Dr., was born in Kahramanmaras, Turkey. She studied Business Administration at Uludag University and received her doctorate at Erciyes University with her thesis about women s cosmetics consumption. She worked as a research assistant and as an assistant professor at Nevsehir University between 2005 and She taught courses for bachelor and master programs in Turkey. Since 2011 Dr. Kocagöz gives lectures (Consumer Behavior and Culture, Marketing Strategies for International Nonprofit Organizations) for the master program Development Economics and Administrative Sciences at FAU Erlangen-Nürnberg. She has written book chapters and papers about marketing and consumer behavior. Selected Literature: Doctoral Thesis: Kadınların Makyaj Malzemelerini Satın Alma Davranışlarının İncelenmesi: Planlanmış Davranış Teorisinin Bir Uygulaması, Erciyes Üniversitesi, Sosyal Bilimler Enstitüsü, Doktora Tezi, Kayseri. (Analysing the Purchasing Behavior of Make-up Products of Women: An Application of the Theory of Planned Behavior) 3

10 05. Dezember 2013 Vorboten der Revolution: Arabische Romane und die Kunst des Widerstands Referentin: Prof. in Dr. Friederike Pannewick, Universität Marburg Zusammenfassung des Vortrags: Arabische Literaten haben in den letzten beiden Jahrzehnten trotz scheinbar unverrückbarer und stabiler autokratischer Herrschaftssysteme immer wieder versucht, gegen die Unterdrückung von Meinungs- und Ausdrucksfreiheit anzuschreiben. Nicht selten in Ländern wie Syrien oder Irak, aber auch in Ägypten - haben sie dabei ihre persönliche Sicherheit und Freiheit aufs Spiel gesetzt. Der Vortrag präsentiert einerseits ausgewählte Romane aus den zwei Jahrzehnten vor dem sogenannten Arabischen Frühling und andererseits Beispiele für neue ästhetische Ausdrucksformen wie Graffiti und Streetart, die im Zuge der revolutionären Umbrüche an Popularität gewonnen haben. Zu Zeiten der Diktatur herrschte oft schwarzer Humor und subversive Satire unter dem Deckmantel mythischer oder historischer Figuren und Geschichten vor, um auf indirekte Weise dennoch widerständisches Denken zu artikulieren. Dies wurde durch die neuen Ausdrucksmöglichkeiten im öffentlichen Raum des Internets und der revolutionären Straße radikal verändert. Satire gegen Herrscher und autokratische Systeme wird nun offen und unverschleiert geäußert, die Formensprache der arabischen Ästhetik hat sich verändert und dies hat natürlich auch Rückwirkungen auf traditionelle schriftliche Genres wie Dichtung oder Roman. Biographische Angaben: Friederike Pannewick, Prof. Dr., ist Universitätsprofessorin an der Philips-Universität Marburg, Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS). Nach einer Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Projekt Kulturelle Selbstbehauptung der Palästinenser zur Erstellung eines Lexikons moderner palästinensischer Lyrik promovierte sie 2000 zunächst als Stipendiatin der Studienstiftung in Arabistik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin mit einer Dissertation zum Thema Das Wagnis Tradition. Arabische Wege der Theatralität. Nach einer weiteren Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin übernahm sie 2001 die Leitung des Projektes Cultural Mobility in nahöstlichen Literaturen im Arbeitskreis Moderne und Islam am Wissenschaftskolleg zu Berlin; 2005 entstand ebendort das von der Thyssenstiftung bis 2011 geförderte Folgeprojekt Travelling Traditions Comparative Perspectives on Near Eastern Literatures (Leitung zusammen mit Dr. Samah Selim). Von war Friederike Pannewick Associate Professor for Arabic Studies an der Universität Oslo, Department for Cultural Studies and Oriental Languages (IKOS). Sie erhielt 2012 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG. Literaturhinweis: Opfer, Tod und Liebe. Visionen des Märtyriums in der arabischen Literatur. München, W. Fink Verlag

11 19. Dezember 2013 Die offene soziale Frage Sozioökonomische Proteste und der politische Transformationsprozess in Ägypten Referentin: Dr. des. Irene Weipert-Fenner, Universität Marburg Zusammenfassung des Vortrags: Īsh, ḥurriyya, adāla ijtimā iyya - Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit - gehörten zu den zentralen Forderungen der ägyptischen Revolution Steigende Preise, Arbeitslosigkeit und geringe Löhne sowie ein marodes Bildungs- und Gesundheitssystem führen aber auch drei Jahre nach dem Sturz Mubaraks zu Protesten, werden jedoch bisher im politischen Diskurs kaum thematisiert. Um die Konflikte über die soziale Frage und deren Rolle im Transformationsprozess besser zu verstehen, werden im Vortrag die Vorstellungen von gerechter Ordnung der wichtigsten politischen Akteure anhand ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen herausgearbeitet und mit denjenigen sozialer Akteure verglichen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den für eine nachhaltige Lösung der sozioökonomischen Krise zentralen Fragen: Welches Wirtschaftssystem wird angestrebt und welche Rolle wird dem Staat hierbei zugesprochen? Wie will man den Übergang vom Kumpelkapitalismus des Mubarak-Regimes zu einer jeweiligen gerechten Ordnung bewerkstelligen und wie hängt dies mit der politischen Transformation zusammen? Biographische Angaben: Irene Weipert-Fenner ist seit September 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin am interdisziplinären Forschungsnetzwerk Re-Konfigurationen am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Universität Marburg. Magister in Politikwissenschaft, Arabistik und Philosophie 2008 an der Universität Erlangen-Nürnberg und Bamberg. Promotion 2013 Universität Frankfurt Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Bamberg Stipendiatin am Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen der Universität Frankfurt wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Literaturhinweis: Wegbereiter oder treibende Kraft? Die Rolle der Arbeiter in der ägyptischen Revolution, in: Revolution und Regimewandel in Ägypten, Hg. von Thomas Demmelhuber, Holger Albrecht, Nomos, Baden-Baden, S

12 09. Januar 2014 Economic and Social Developments in the Arab World Referent: Prof. Dr. Ahmed Farouk Ghoneim, Universität Kairo, Ägypten Abstract: The Arab countries are facing major social and economic challenges, among which are high unemployment, inefficient social safety net systems, weak knowledge base and low productivity, increasing prices of food staples, and water shortage. The lecture explains the political economy reasons that can be behind such challenges, and shows how the response of the old governing regimes led to exacerbating those problems, as well as being the reason for the phenomenon of the 2011 Arab uprisings. Moreover the lecture addresses the economic impact of the Arab uprising, and pays due attention to inherent growth potentials. In conclusion, Ghoneim presents and discusses the political economy explanations of what has been going on in the Arab region and the prospects for the future after accounting for the rise of political Islam. Short Biography: Ahmed Farouk Ghoneim is Professor of Economics at the Faculty of Economics and Political Science, Cairo University. He is a research fellow at the Economic Research Forum for Arab Countries, Iran and Turkey (ERF), in Cairo, Egypt as well as at the Center for Social and Economic Research (CASE) in Poland. He works as a consultant to several international and national organizations including the World Bank, WTO, UNCTAD, UNDP, WFP, and the WIPO. He holds a Ph.D. in Economics and focuses on trade policy, trade in services, regional trade integration, the multilateral trading system, the World Trade Organization, competition, and the economics of Intellectual Property Rights areas in which he has published widely. He has also undertaken several studies associated with political economy, and economic development issues. He held different policy oriented positions, such as advisor on foreign trade issues to the Minister of Foreign Trade and advisor to the Minister of Industry on foreign trade issues and international agreements. He advised several governments on different trade policy issues, and helped in capacity building programs in a number of countries. Selected Literature: Prospects for Egypt's Integration in the World Economy after the 25th of January Revolution: A Political Economy Perspective, in: Gasiorek, Michael (ed.), The Arab Spring: Implications for Economic Integration, jointly published by FEMISE, CEPR, and VOXEU, available at The Private Sector in Post Revolution Egypt, Carnegie Middle East Center, available at 6

13 16. Januar 2014 Beyond Rapprochement? Postsecular Ethics of the City* (*dieser Vortrag findet in KH statt) Referent: Dr. Justin Beaumont, Universität Groningen Abstract: In this paper I argue for postsecular ethics of the city in the relational analysis of faith, no religious faith and urban space beyond rapprochement. Building on Klaus Elder and Jürgen Habermas, Cloke and Beaumont (2012) embraced geographies of postsecular rapprochement in the city as those urban spaces of partnership between people of faith and those of no religious faith who come together to offer care, welfare and justice to socially excluded people. Despite growing attention to the postsecular in human geography and the social sciences and humanities more generally, the reception of the concept remains somewhat skeptical even hostile. I argue that a way out of this deadlock requires a judicious coming together of theoretical insights on individuation (Jung), rebellion and transcendental ethics (Camus) and collective intentionality (Searle). A postsecular ethics of the city offers a way to creatively confront critical theory and the postsecular by simultaneously emphasizing (1) motivations for rebellion (2) inevitable failure of attempts at human perfection and (3) struggle for social justice without abandoning values such as the intrinsic worth of human life. The paper concludes with reference to a new theoretical and empirical research agenda that emerges from the argument. Short Biography: Justin Beaumont is Lecturer in the Department of Spatial Planning & Environment at the University of Groningen, The Netherlands. He has developed new enquires on social interventions within postsecular cities, as well as faith-based organizations and social justice in urban areas. He is currently undertaking research on problems of the postsecular and the ethical turn in urban theory. Beaumont has guest edited special issues and also had published articles on similar topics at Progress in Human Geography, International Journal of Urban and Regional Research, Environment and Planning A, Urban Studies and the TESG. Selected Literature: Exploring the Postsecular: the religious, the political and the urban (with Arie L. Molendijk and Christoph Jedan, 2010, Brill), Postsecular Cities: space, theory and practice (with Chris Baker, 2011, Continuum) and Faith-based Organizations and Exclusion in European Cities (with Paul Cloke, 2012, Policy Press), Working Faith: faith-based organizations and urban social justice (with Paul Cloke and Andrew Williams, 2013, Paternoster) and Spaces of Contention: spatialities of social movements (with Walter Nicholls and Byron Miller, 2013, Ashgate). 7

14 23. Januar 2014 The Genesis of Allah Referent: Prof. Dr. Aziz Al-Azmeh, Central European University Budapest Abstract: It must be surprising, upon reflection, that little research has been undertaken about the emergence of Allah as a unique, transcendent cosmocratic deity, beyond vague references to monotheistic traditions. The implicit assumption has been that this emergence must somehow be self-explanatory and self-evident. It will be argued that closer scrutiny will reveal that these implicit assumptions are unjustified, and that an account of this emergence is possible in terms of the structures of Arab polytheism and of the religious history of the late antique near east in general. Short Biography: Aziz Al-Azmeh was born on 24 July 1947 in Damascus, Syria. He received a Ph.D. in Oriental Studies from St Anthony s College at the University of Oxford under supervision of Albert Hourani. He is University Professor at the Department of History and Director of the Center for Religious Studies, Central European University in Budapest. He is a long-term fellow at Wissenschaftskolleg zu Berlin and Fellow at the Institutes for Advanced Study in Uppsala and Budapest. Moreover he is Directeur de Recherches Associe at the Maison des Sciences de l Homme in Paris. Selected Literature: The Emergence of Islam in Late Antiquity, Cambridge University Press,

15 06. Februar 2014 Feeling at Home in the West Bank: Die Bedeutung von Haus und Heimat unter nationalreligiösen Siedlern Referent: Dr. Steffen Hagemann, Technische Universität Kaiserslautern Zusammenfassung des Vortrags: Der Bau von Siedlungen hat für die ideologischen, nationalreligiösen Siedlerinnen und Siedler eine besondere Bedeutung. Anders als etwa für ultra-orthodoxe Jüdinnen und Juden geht es nicht allein um die Schaffung von physischem Wohnraum: Für ideologische Siedler sind die Häuser nicht Orte des Alltags, sondern mythologische Orte, deren Bedeutung sich erst in der theopolitischen und historischen Kontextualisierung der Siedlungen ergibt. Zugleich befinden sich die Siedlerinnen und Siedler in der andauernden Auseinandersetzung mit der palästinensischen Bevölkerung um die Authentizität ihrer Ansprüche. Im Vortrag werden Praktiken und Diskurse der Siedler untersucht, in denen die Bedeutung von Haus und Heimat verhandelt werden. Welche Bedeutung haben Haus und Heimat in ihrer physischen wie konzeptuellen Dimension? Wie ist der Diskurs der Siedler in jüdischen und israelischen Konzeptionen verankert? Wie haben sich Vorstellungen von Haus und Heimat im diachronen Vergleich verändert? Biographische Angaben: Steffen Hagemann, Dr., wiss. Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwissenschaften der TU Kaiserslautern. Studium der Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung und des Öffentlichen Rechts an den Universitäten Marburg, Tel Aviv und Berlin. Promotion zur religiösen Siedlerbewegung an der Freien Universität Berlin. Literaturhinweis: Israel. Analyse und vergleich politischer Systeme, Schwalbach/Ts.,

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