Sanierungskonzepte für landwirtschaftliche Unternehmen

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1 Sanierungskonzepte für landwirtschaftliche Unternehmen Was versteht man unter dem Begriff Sanierung? 1 Sanierung ist im betriebswirtschaftlichen Sinne eine komplexe, zielorientierte, zeitlich begrenzte Aktionsfolge mit dem Ziel, für ein krisenbefallenes Unternehmen eine nachhaltige Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Sie dient vor allem der Abwendung einer Zahlungsunfähigkeit oder einer Überschuldung (=Insolvenzgründe). Zahlungsunfähigkeit kann durch endogene oder exogene Gründe verursacht werden: - Endogene Ursachen sind in einem Missverhältnis von Eigenkapital und Fremdkapital oder langfristigem und kurzfristigem Fremdkapital begründet. Als Folge dieser Ursachen, aber auch als Folge falscher Finanzierungsmaßnahmen, kann die Kapitalstruktur sanierungsbedürftig sein. - Exogene Ursachen werden z.b. durch Konjunktureinbrüche oder Wechselkursschwankungen hervorgerufen. Voraussetzung einer erfolgreichen Sanierung ist die Erforschung der Ursachen und die Aufstellung eines Sanierungplanes. Besteht keine Aussicht auf Erfolg der Sanierung, ist die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen. Gesetzlich geregelt ist das Verfahren dazu in der Insolvenzordnung (InsO). 2 Bei vorübergehender Zahlungsunfähigkeit ist keine Sanierung notwendig, wenn die Möglichkeit besteht, die Situation durch Kredite oder Stillhalteabkommen mit den Gläubigern zu bereinigen. Die Arten der Sanierung können vielfältiger Natur sein: - Buchtechnische Sanierung (z.b. Herabsetzung des Nennwertes der Aktien, Zusammenlegung der Aktien, Aktieneinziehung) oder durch Auflösung offener Rücklagen und stiller Reserven. Dabei fließt dem Unternehmen jedoch kein neues Kapital zu

2 - Sanierung durch Zufluss neuer Mittel (Kapitalbeschaffung) - Sanierung durch Veränderungen des Fremdkapitals kann erfolgen durch Umwandlung kurzfristiger Kredite in langfristige Kredite, ferner durch Umwandlung von Krediten in Eigenkapital. - Sanierung durch Änderung der Rechtsform der Unternehmung (Umwandlung). Die Sanierung kann außergerichtlich dann erfolgen, wenn keine Insolvenzantragsgründe ( 16 ff InsO) vorliegen. Gesetzliche Grundlagen Rechtsquellen des Insolvenzrechts in Deutschland für Unternehmen sind im Wesentlichen: - die Insolvenzordnung (InsO) 3 - das Einführungsgesetz zur Insolvenzordnung (EGInsO) 4 - die Verordnung (EG) Nr. 1346/2000 (EuInsVO) 5 - Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (InsOuaÄndG) 6 1. Insolvenzordnung Die Insolvenzordnung (InsO) regelt in Deutschland das Insolvenzverfahren, ein spezielles Verfahren der Zwangsvollstreckung, das dazu dient, mehrere Gläubiger eines zahlungsunfähigen (insolventen) Schuldners gleichmäßig zu befriedigen. Diese Befriedigung findet über die Verwertung des Vermögens des Schuldners und eine geregelte Abführung seiner Einnahmen statt. Die Insolvenzordnung (InsO) kennt zwei verschiedene Insolvenzverfahren: o Regelinsolvenzverfahren: Auf juristische Personen anzuwenden, außerdem auf natürliche Personen, die aktuell selbständig tätig sind oder die selbständig waren und deren Verhältnisse als nicht überschaubar gelten (ab 20 Gläubiger, 304 Abs. 2 InsO), oder bei denen mindestens ein Gläubiger Ansprüche aus Arbeitsverhältnissen geltend macht

3 o Verbraucherinsolvenzverfahren: Für andere natürliche Personen. 2. Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (InsOuaÄndG) vom 7. Dezember 2011 ist eine Reform des deutschen Insolvenzrechts und soll die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Sanierung Not leidender Unternehmen verbessern. Ziel des Gesetzes ist es, die Sanierung von Unternehmen durch einen stärkeren Einfluss der Gläubiger auf die Auswahl des Insolvenzverwalters, durch eine Vereinfachung des Zugangs zur Eigenverwaltung, durch Erweiterung und Straffung des Insolvenzplanverfahrens und durch eine größere Konzentration der Zuständigkeit der Insolvenzgerichte zu erleichtern. Neben der Einführung dieses Gesetzes wurde auch das Insolvenzstatistikgesetz (InStatG) 7 zum 1. Januar 2013 neu eingeführt. Sanierung aus Bankensicht Die Rolle der Bank bei der Sanierung von Unternehmen ist meist entscheidend: Wenn ein Unternehmen seine Kredite nicht mehr bedienen kann, wird die Bank zum maßgeblichen Entscheider über die Zukunft des krisenbehafteten Unternehmens. Gute und ehrliche Zusammenarbeit mit der Bank ist deshalb die oberste Pflicht des Unternehmers bzw. der Geschäftsführung. Banken können anhand unterschiedlicher Indikatoren potenzielle Krisen bei ihren Unternehmenskunden erkennen. Nach Paragraph 18 des Kreditwesengesetzes ( 18 KWG) 8 müssen den Banken vollständige Kreditunterlagen vorliegen, anderenfalls darf sie erst gar keinen Kredit gewähren. Dazu gehören u.a. auch die Jahresabschlüsse der Unternehmen. Damit bekommt die Bank direkten Einblick in die Bilanz und kann sich auf dieser Basis ein eigenes Urteil über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bilden. Abgesehen vom Blick auf die Bilanzen lässt sich auch am Informationsfluss zwischen Unternehmen und Bank Einiges erkennen. Schlechte oder unzureichende Informationspolitik, 7 8

4 verspätete Einreichung von Unterlagen, eine Häufung von Auskunftsfragen all das können Hinweise auf eine sich anbahnende Krise sein. Nicht zuvor abgestimmte Überziehungen, erhöhter Kreditbedarf und letztendlich natürlich die fehlende Bedienung von Krediten sind deutliche Zeichen für eine problematische Unternehmenssituation. Außerdem bekommt es die Bank in der Regel mit, wenn Kredite anderer Banken gekündigt werden. Folglich interessiert sie sich dann natürlich für die Gründe der Kündigung. Welche Handlungsalternativen hat die Bank? Banken dürfen in Krisensituationen nicht unterschätzt werden. Als Mitspieler an der Seite des Unternehmens machen sie die Sanierung erst möglich, als Gegenspieler können sie Sanierungsversuche verhindern. Die Bank hat also verschiedene Handlungsalternativen. Das Stillhalten bzw. Abwarten der Bank beinhaltet einen Verzicht der Kündigungsrechte. Die Kreditlinie wird aufrechterhalten, um dem Unternehmen die Chance zu geben, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Eventuell kann die Kreditlinie sogar noch weiter ausgeschöpft werden, wenn sie zuvor nicht voll in Anspruch genommen wurde. Die Bank ist so insbesondere rechtlich auf der sichersten Seite, denn die anderen Möglichkeiten bringen durchaus rechtliche Risiken mit sich. Es besteht auch die Möglichkeit zur Kündigung der Kredite. Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung kann die Bank Kredite außerordentlich kündigen, läuft damit aber Gefahr, die unverzügliche Insolvenz auszulösen. Die Bank bekommt unter Umständen weniger Geld zurück als ausgegeben. Weiterhin kann die Bank natürlich zu einem starken Partner im Sanierungsprozess werden. Sie kann bestehende Kredite weiterführen, neue Kredite gewähren oder Forderungen in Kapital umwandeln. Vom Eintritt der Krise bis zur Vorlage eines Sanierungskonzeptes, auf dessen Basis die Bank ihr weiteres Verhalten abwägt, erfolgt oft ein Überbrückungskredit zur Sicherung der Liquidität. Allerdings muss die Geschäftsführung schon zu diesem Zeitpunkt deutlich machen, dass sie gewillt ist, das Unternehmen erfolgreich aus der Krise zu führen. Liegt dann erst einmal ein erfolgversprechendes Sanierungskonzept vor, kann die Bank einen Sanierungskredit gewähren und die Sanierung auf diese Weise zuverlässig vorantreiben. Das Konzept muss den Ansprüchen der Bank allerdings auch tatsächlich gerecht werden.

5 Dabei orientieren sich die Banken in der Regel an den Anforderungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) 9. Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.v. würde 1932 gegründet und repräsentiert rd Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, damit etwa 83% aller deutschen Wirtschaftsprüfer. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Das IDW wahrt die Interessen seiner Mitglieder und unterstützt deren Berufsausübung durch fachlichen Rat und berufsständische Standards. Es fördert die Aus- und Fortbildung der Wirtschaftsprüfer und ihres beruflichen Nachwuchses und leistet umfassenden Mitgliederservice. Themen der Rechnungslegung und Prüfung, des Steuer- und Berufsrechts sowie der betriebswirtschaftlichen Beratung sind Gegenstand der Tätigkeit des IDW. Der Fachausschuss für Sanierung und Insolvenz (FAS) des IDW hat die Anforderungen an die Erstellung von Sanierungskonzepten formuliert und Bestandteile eines Sanierungskonzeptes festgelegt. 10 Diese Bestandteile sind im Wesentlichen: 1. Beschreibung von Auftragsgegenstand und umfang 2. Basisinformationen über die wirtschaftliche und rechtliche Ausgangslage des Unternehmens, einschließlich Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage 3. Analyse von Krisenstadium und Ursachen mit Überprüfung der Insolvenzgefahr 4. Darstellung des Leitbildes mit dem Geschäftsmodell des sanierten Unternehmens 5. Maßnahmen zur Bewältigung der Unternehmenskrise entsprechend dem Krisenstadium und folgliche Abwendung der Insolvenzgefahr 6. Integrierter Unternehmensplan, einschließlich Liquiditäts-, Ertrags- und Vermögensplanung 7. Zusammenfassende Einschätzung der Sanierungsfähigkeit ES 6 nf1.pdf

6 Der genaue Inhalt des Sanierungskonzeptes ist vom jeweiligen Krisenstadium abhängig. Es müssen alle vorhergegangenen Krisenstadien und deren Ursachen analysiert und aufgearbeitet werden, damit eine sachgerechte Aussage über die Sanierungsfähigkeit getroffen werden kann. Sanierungskonzepte folgen einem 2-Stufen-Konzept. Die erste Stufe beinhaltet die Maßnahmen, um die akute Gefahr der Insolvenz abzuwenden. In der zweiten Stufe geht es um die nachhaltige Fortführung des Unternehmens mit branchenüblicher Rendite bei angemessener Eigenkapitalausstattung. 1. Die Fortbestehensprognose Bei dieser Prognose geht es darum, ein Gesamturteil über die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu erstellen. Grundlage bildet das entsprechende Unternehmens-, bzw. Sanierungskonzept oder der Business Plan, jeweils (eigentlich selbstverständlich) in Kombination mit einer umfassenden Finanzplanung. Ergibt sich daraus eine höchstwahrscheinliche, zukünftige Zahlungsfähigkeit, wird von einer positiven Fortbestehensprognose gesprochen. Insofern ist die positive Fortbestehensprognose nichts anderes, als eine Zahlungsfähigkeitsprognose letztendlich also eine rein liquiditätsorientierte Betrachtung, bei der das laufende und das kommende Geschäftsjahr einbezogen wird. 2. Die Fortführungsprognose Die Prognose folgt hingegen dem allgemeinen Bewertungsgrundsatz nach 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB 11 : Bei der Bewertung ist von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen. Das bedeutet, dass nicht nur eine liquiditätsorientierte Betrachtung, sondern auch eine Vermögensvorschau vorgenommen wird. Dadurch lässt sich feststellen, ob nicht nur die Zahlungsfähigkeit sondern auch eine ausreichende Vermögensmasse zur Schuldendeckung html

7 für den Prognosezeitraum vorhanden ist. Damit geht die Fortführungsprognose noch deutlich über die Fortbestehensprognose hinaus. Im erfolgreichen Sanierungskonzept müssen beide Prognosen positiv ausfallen. Zusammengefasst bedeutet dies: Die Fortbestehensprognose ist insolvenzrechtlich geprägt und entspricht einer Zahlungsfähigkeitsprognose für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Sie ist aber auch Teil der Fortführungsprognose. Damit diese positiv ausfällt, dürfen keine tatsächlichen oder rechtlichen Gegebenheiten (wie z. B. eine Überschuldung) entgegenstehen. Wer leistet bei der Erstellung von Sanierungskonzepten Hilfestellung? Zunächst sind speziell für landwirtschaftliche Betriebe Unternehmensberater Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, aber auch Banken bei der Sanierung von Unternehmen gefragt. In Deutschland gibt es des Weiteren bei den Ämtern für Landwirtschaft die Möglichkeit die Hilfe von so genannten sozio-ökonomischen Beratern anzunehmen. Die sozio-ökonomische Beratung bietet Familien, die sich in schwierigen betrieblichen oder finanziellen Situationen befinden, ihre Hilfe an. Die Beratung umfasst u.a.: - die Überprüfung des Betriebes auf finanzielle Reserven und Anpassungsmöglichkeiten - das Ausarbeiten eines Konzeptes zur Einkommens- und Vermögenssicherung mit konkreten Empfehlungen zur zukünftigen Entwicklung - eine Intensivberatung während der Konsolidierungsphase - Hilfestellungen bei der Aufgabe oder Umstellung des Betriebes Diese Beratung ist in der Regel im Gegensatz zur Beratung durch erstgenannte Institutionen kostenlos. Zusammenfassung Ein Sanierungskonzept beinhaltet neben Angaben zur Wirtschaftlichkeit und wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens auch Angaben zur Wettbewerbs- und Renditefähigkeit. Hierbei handelt es sich natürlich um Prognosen, die trotz allem objektiv nachvollziehbar sein müssen. Überdies muss das Sanierungskonzept auch darstellen, inwieweit das Management

8 überhaupt gewillt und in der Lage ist, das Unternehmen erfolgreich aus der Krise zu führen und die Maßnahmen umsetzen kann. Die Erfolgsaussichten einer Sanierung sind zwar maßgeblich von diesem Konzept abhängig, vor allem aber auch von der Überzeugungskraft der handelnden Personen. Juli 2015

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