Gold und Edelmetalle als Investment. Argumente und Hintergründe.

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1 Studie Gold und Edelmetalle Gold und Edelmetalle als Investment. Argumente und Hintergründe. Langfristig attraktiv. Diese Studie zeigt interessierten Investoren Argumente und Hintergründe auf, die für physische Edelmetalle und Edelmetallaktien im Gesamtportfolio sprechen. Schutzgebühr 100,00

2 Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt. Dante Alighieri ( ), italienischer Dichter und Philosoph

3 Studie Gold und Edelmetalle Inhaltsverzeichnis 1. Einführung Vorwort und Prognoseüberblick Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und ihr Verlauf 6 2. Edelmetalle und Rohstoffe als Investment und eigenständige Anlageklasse Einteilung der Anlageklasse Rohstoffe Investmentmöglichkeiten in Rohstoffe Direktanlage an den physischen Edelmetall- und Rohstoffmärkten Investments an den Rohstoff-Future-Terminmärkten Anlage in passive Rohstofffinanzmarktindizes (Rohstoff-Future-Indizes) Physisch hinterlegte Edelmetallanlage in Form von Exchange Traded Funds (ETFs) Investmentfonds Rohstoffwährungen Rohstoffaktien Marktteilnehmer an den Rohstoffterminmärkten Ertragskomponenten und Preisbildung von Rohstoffterminkontrakten Rohstoffe und der Zusammenhang mit dem US-Dollar Edelmetalle als Inflationsschutz und deren Auswirkung in Anlageportfolios Rohstoffaktien und ihre Bewertungsfaktoren Marktanalyse für Edelmetall- und Rohstoffaktien Bewertungsvergleich zwischen Junior-Goldminen und Senior-Produzenten Makroökonomische Entwicklungen und Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte Die großzügige Geldversorgung durch die Notenbanken Die private Verschuldung als Hauptproblem der US-Wirtschaft Die zwei prinzipiellen Lösungswege: Deflation oder Inflation Die Geldillusion als Voraussetzung der Inflationslösung 41 SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

4 Studie Gold und Edelmetalle Inhaltsverzeichnis 3. Edelmetalle Gold Historie und Kurzbeschreibung Angebot Nachfrage Handel und Börsenplätze Einflussfaktoren Übersicht globale Goldaktien Silber Historie und Kurzbeschreibung Angebot Nachfrage Handel und Börsenplätze Einflussfaktoren Übersicht globale Silberaktien Platin Historie und Kurzbeschreibung Angebot Nachfrage Handel und Börsenplätze Einflussfaktoren Übersicht globale Platinaktien Palladium Historie und Kurzbeschreibung Angebot Nachfrage Handel und Börsenplätze Übersicht globale Palladiumaktien Fazit Impressum 64 SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

5 1. Einführung 1. Einführung 1.1 Vorwort und Prognoseüberblick Edelmetalle und vor allem Gold waren in den vergangenen Monaten für manche Schlagzeile gut. Mit dem Ausbruch der Hypotheken- und Finanzkrise in den USA setzte eine sehr volatile Auf- und Abwärtsbewegung ein, wobei physisches Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie beispielsweise Aktien oder Immobilien mit einer positiven Jahresrendite im Wirtschaftskrisenjahr 2008 aufwartete. Damit wurde es seinem Ruf als Krisenwährung mit Sachwertcharakter mehr als gerecht. Wichtige Gründe, die für eine langfristige Anlage in Gold und Edelmetalle sprechen: Ω Gold behauptet seine Rolle als sicherer Hafen in Zeiten globaler Unsicherheiten. Ω Angebotsdefizite und erhöhte Nachfrage führen zu einer Verknappung bei Gold und anderen Edelmetallen. Ω Die Währungshegemonie des US-Dollars schwindet. Ω Internationale Notenbanken nehmen eine Diversifizierung ihrer Währungsreserven durch Gold vor. Ω Gold ist die einzig wahre Währung, die im Gegensatz zu Papierwährungen nicht an Schulden gebunden ist. Ω Gold als Sachanlage bietet langfristigen Investoren in der Regel Inflations- und Kaufkraftschutz. Ω Edelmetalle sind nicht inflationierbar und dem Zugriff der Politik weitgehend entzogen. In Zusammenhang mit der Finanzkrise und dem positiven Verlauf von Gold soll die Studie interessierten Investoren einen Überblick und Hintergrund verschaffen, warum eine Beimischung von physischen Edelmetallen und Edelmetallaktien im Gesamtvermögen sinnvoll erscheint. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Gold und andere Edelmetalle die Grundlage für die Entstehung von Geld bildeten, das in unserer heutigen Zeit als Papiergeld quasi aus dem Nichts durch die internationalen Notenbanken geschaffen wird. Doch der Ursprung des Geldes geht bis in die frühe Geschichte der Menschheit zurück, als Tausch stattfand und somit Handel betrieben wurde. Zur Vereinfachung der Transaktionen und des Handels wurde ein Gut gesucht, welches einen Wert hatte und von allen Beteiligten akzeptiert wurde. Im Laufe der Jahre stellten sich Gold und Silber als ein solches Gut also als Geld heraus. Denn Gold und Silber sind im Gegensatz zu Papierwährungen dauerhaft, wertbeständig, zerlegbar, verlieren im Zeitablauf nicht an Nutzbarkeit, sind leicht zu transportieren und vor allem sind sie knapp, d. h. nicht beliebig vermehrbar. Bis zur Auflösung des Bretton-Woods-Gold- und Währungsstandards im Jahr 1971 durch die USA wurden USD-Banknoten durch physisches Gold der Fed (Federal Reserve, Zentralbank der USA) hinterlegt. Eine Unze Gold konnte bis zu diesem Zeitpunkt gegen einen Fixingpreis von 35,0 USD jederzeit bei der Fed eingelöst werden. Durch die Aufhebung der Einlösungspflicht von USD durch die Fed für Gold regiert seit den 1970er-Jahren ein globales Papiergeldsystem der internationalen Notenbanken ohne Deckung, das nachhaltig und langfristig inflationär wirkt. Der sich über Jahre hinziehende Prozess der Aufhebung der Golddeckung war allerdings Voraussetzung für die Entstehung unseres nicht gedeckten Papiergeldsystems in der heutigen Form. Die Kapitalzuflüsse von Investoren in Rohstoffe und Edelmetalle sind seit dem Jahr 2002 bis zum vollständigen Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stetig angestiegen. Durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers kam es jedoch bei der Betrachtung von Rohstoffen und Rohstoffaktien mit Ausnahme von physischem Gold auf Jahressicht 2008 zu dramatischen Einbrüchen. Für den langfristig und antizyklisch denkenden Anleger bieten sich gerade in solchen Situationen exzellente Einstiegschancen durch reale Sachgüter in Form von physischen Edelmetallen und Rohstoffaktien aller Art. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

6 1. Einführung Für einen möglichen Investor in der Anlageklasse Edelmetalle und Rohstoffe stellt sich nun grundsätzlich die Frage, ob der vergangene Rohstoffboom bis zum Jahr 2008 als ein kurzfristiger Hype und im Kontext vergleichbar mit dem der New-Economy-Blase Anfang des Jahrtausends zu sehen ist. Betrachtet man Rohstoffzyklen über einen Zeitraum von 200 Jahren, weisen diese bezüglich ihrer Dauer und Ausprägung im Regelfall einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren auf. Der Start der derzeitigen Rohstoffhausse und Aufwärtsbewegung erfolgte im Jahr 2002 mit immer wiederkehrenden kleineren oder größeren Korrekturphasen bei den Edelmetall- und Rohstoffpreisen. Wertentwicklung Unzen Gold, Silber, Platin und Palladium im Zeitraum 2 Jahre (Preis in USD) intakt ist. Allerdings unterliegen Edelmetalle und Rohstoffe kurzfristig sehr starken Volatilitäten und weisen in Teilen eine starke Verbindung zu den von Rohstoffzyklen kürzer auftretenden global schwankenden Wirtschafts- und Börsenzyklen auf. Diese Wirtschafts- und Börsenzyklen verlaufen in kürzeren Wellen mit einem positiven Konjunkturverlauf im Regelfall von maximal 4 bis 5 Jahren, danach erfolgt eine Rezessionsphase von 1 bis 2 Jahren, bei denen auch Teilsegmente der Rohstoffe, z. B. Industriemetalle und Energie, stark in Mitleidenschaft gezogen werden können. Hierbei werden dann kurzfristig entstandene Überkapazitäten der Unternehmen und Produzenten durch die auftretenden Nachfrageschocks angepasst. Aus unserer Sicht bieten diese temporären Korrekturphasen unter Timingaspekten ideale Einstiegszeitpunkte in das Anlagesegment Edelmetalle und Rohstoffe. Eine Wiederaufnahme des langfristig fallenden negativen Trends bei Rohstoffen wäre denkbar, wenn die Weiterentwicklung der großen Schwellenländer China, Indien, Russland und Brasilien zusätzlich zu den aktuellen negativen Entwicklungen in den westlichen Industrieländern ernstlich ins Stocken geriete. Preisentwicklung Crude Oil im Zeitraum 10 Jahre (Preis in USD) 160 Gold Silber Platin Palladium 140 Quelle: Bloomberg In der Spitze der letzten Rohstoffhausse von 1973 bis 1980 wurden rund 25 % aller globalen Vermögensvolumina in der Anlageklasse Edelmetalle und Rohstoffe investiert, heute liegt das globale Kapitalmarktvolumen von Investoren in Rohstoffprodukte und Anlagekonzepte trotz der bisherigen Preisentwicklung lediglich bei etwa 3 % des Gesamtanlagevolumens. Wir vertreten die Meinung, dass der überlagerte positive und langfristige Ausblick für Edelmetalle und Rohstoffe nach wie vor Crude Oil Quelle: Bloomberg SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

7 1. Einführung Hauptargumente für eine langfristig intakte, jedoch sehr volatile Aufwärtsbewegung bei Edelmetallen und Rohstoffen sind nach unserer Meinung die dauerhafte Verschiebung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage zugunsten der Letzteren. Die Globalisierung der Güterströme und die Einbindung Chinas, Indiens und anderer Schwellenländer in die internationalen Handelsbeziehungen führen u. a. dazu, dass sich die relativen Preise zugunsten der knapp werdenden Edelmetalle und Rohstoffe und zuungunsten des nun reichlich vorhandenen Faktors Arbeit entwickeln. Die 20 Jahre währende Rohstoffbaisse, die der jüngsten Haussephase voranging, führte zu einer Vernachlässigung der Investitionen in die Förderung von Rohstoffen. Die Schwellenländer allen voran China und Indien zeigen auf der Nachfrageseite noch ein riesiges langfristiges Potenzial, bis in Zukunft der Pro-Kopf-Verbrauch der Vereinigten Staaten und der von Europa bei den wichtigsten Rohstoffen und Edelmetallen erreicht wird. In vielen entwickelten Volkswirtschaften und den Emerging Markets besteht eine äußerst expansive Geldpolitik. Unter Berücksichtigung der realen niedrigen Leitzinsen oder auch dem kumulierten Zuwachs der Geldmengen sowohl in den OECD-Staaten als auch den Schwellenländern in Relation zum jeweiligen Bruttoinlandswachstum ist die Versorgung der Weltwirtschaft mit Liquidität extrem angestiegen. Die Folgen sind wie in der nahen Vergangenheit (Technologie- und Immobilienenblase) eine sich künftig über verschiedene Anlageklassen hinweg vollziehende Asset Price Inflation. Kennzeichen von historischen Asset Price Bubbles ist eine nachziehende und fortlaufende Inflation bei Güterpreisen, beispielsweise Erdöl und Dienstleistungen. Vor diesem Hintergrund sind Edelmetalle und Rohstoffe als Sachgüter ein geeignetes Anlageinstrument zum Schutz vor Inflation und zur Erhaltung der Kaufkraft. Durch die extreme Neuverschuldung und Notenbankpolitik speziell in den westlichen Industrieländern ist davon auszugehen, dass langfristig die dortigen Papierwährungen, beispielsweise USD und Euro, durch die inländische Bevölkerung wie auch ausländische Investoren infrage gestellt werden. China, Brasilien, Russland und die arabischen Staaten werden die USA zunehmend auf eine globale mit Rohstoffen gedeckte Weltwährung drängen, da sie nicht mehr bereit sind, den amerikanischen Konsum und das dortige US-Leistungsbilanzdefizit mit ihren Waren gegen einen immer wertloseren und abwertenden USD zu finanzieren. Die bisherige Untergewichtung der Anlageklasse Edelmetalle und Rohstoffe bei institutionellen und privaten Investoren trotz ihrer ausgezeichneten Diversifikationseigenschaften in einem Wertpapierportfolio, und die mangelnde Erfahrung / Vertrautheit haben dazu geführt, dass die Gewichtung der Anlageklasse Rohstoffe und Edelmetalle in Portfolios relativ niedrig ist. Gleichzeitig zeigen empirische Studien, dass Anlagen speziell in physischem Gold eine geringere Korrelation mit traditionellen Finanzanlagen wie Aktien und Renten aufweisen und somit die Schwankungsbreite eines gemischten Anlageportfolios reduzieren können. Eine langfristig weiter anhaltende Edelmetallhausse würde unweigerlich zu einer Erhöhung der Anlagevolumina in diesem Segment führen. Weiterhin gilt es zu berücksichtigen, dass speziell Edelmetallmärkte im Hinblick auf ihre Größe und als Krisenschutz sehr kleine Anlagemärkte darstellen. Ein Beispiel hierfür sind die globalen Gold- und Silbermärkte, deren jeweilige gesamte Jahresproduktion einem Anlagevolumen von gut 50 Mrd. Euro bzw. 7 Mrd. Euro entspricht. Allein die Börsenkapitalisierung des Unternehmens Microsoft Corp. beläuft sich per August 2009 auf rund 160 Mrd. Euro. Somit würde eine kurzfristig erhöhte Nachfrage auf ein begrenztes Angebot treffen, was sich positiv auf die Edelmetallpreise auswirken sollte. Nicht zu vergessen ist die Wirkung von zukünftig auftretenden Umschichtungen von Devisenreserven, z. B. China, die auf dem physischen Gold- und Silbermarkt sehr starke nach oben gerichtete Preisschwankungen hervorrufen würden. Wir gehen der Frage nach, welche Trends die Edelme- SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

8 1. Einführung Trotz eines starken Rückgangs der Ölpreise schrumpfen die Volkswirtschaften in den USA, Japan und Deutschtalle und Rohstoffe zukünftig beeinflussen und wie sich deren Zukunftsaussichten trotz anhaltender Wirtschaftskrise darstellen. Weiterhin zeigen wir dem langfristigen Investor Möglichkeiten für eine Vermögensanlage in Edelmetallen und Edelmetallaktien auf. Dabei wünschen wir Ihnen eine informative und unterhaltsame Lektüre. 1.2 Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und ihr Verlauf Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise kann aus unserer Sicht in bisher 5 Phasen eingeteilt werden, die wir Ihnen im Einzelnen darstellen. Phase 1: Auftakt der Finanzkrise im Zeitraum von August 2007 bis März 2008 Erste Ausfälle bei Subprime-Hypotheken lösen allgemeine Anspannungen im Finanzsektor aus. Es besteht eine verbreitete Unsicherheit über das Ausmaß und die Verteilung der möglichen Verluste. Zwei Hedgefonds der Investmentbank Bear Stearns mit Anlageschwerpunkt in Wertpapieren auf die Immobilienkreditmärkte geraten im August 2007 in eine Schieflage. In der Folge kommen dadurch die Interbankenmärkte zum Erliegen, die Krise ist geboren. Ihre Intensität nimmt bis März 2008 schubweise zu, z. B. im Januar 2008 durch den Verlust von 6 Mrd. Euro am Terminmarkt durch die französische Bank Société Général im Januar Ihren ersten Höhepunkt erreichte die Krise im März 2008 durch den Beinahezusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns, die dann durch die Bank J. P. Morgan Chase übernommen wurde. In der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der westlichen Industrieländer zeigen sich bereits leichte wirtschaftliche Abschwächungstendenzen. Die westlichen Notenbanken Fed, EZB und Bank of Japan (BOJ) starten mit Zinssenkungen zur Stützung der Liquidität auf den Geldmärkten. Parallel befinden sich die aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Brasilien, Russland etc. noch in einem kräftigen Wachstum bei steigender Inflation. Die Preissteigerungsraten in diesen Ländern befinden sich zu dieser Zeit noch weit über dem eigentlichen Inflationsziel der dortigen Notenbanken die Folge sind Zinserhöhungen durch die Notenbanken der aufstrebenden Länder zur Bekämpfung der Geldentwertung. Phase 2: Der Weg zum Lehman-Brothers-Konkurs im Zeitraum von März 2008 bis Mitte September 2008 Die Übernahme der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns & Co Inc. durch die amerikanische Geschäftsbank J. P. Morgan Chase im März 2008 sorgt vorübergehend für eine Beruhigung an den Kapitalmärkten. Doch die Verluste und Abschreibungen der Banken häufen sich, da die Konjunkturschwäche die Preise von Vermögenswerten drückt. Die Krise greift auf weitere Länder über, beispielsweise Großbritannien und Deutschland, mit der Folge der Verstaatlichung und Stützung von Banken zur Verhinderung eines Runs auf die Kreditinstitute, z. B. Northern Rock in Großbritannien und IKB in Deutschland. Die Liquiditätskrise deckt die zugrunde liegende Solvenzkrise auf, wodurch der Druck auf Finanzinstitute zunimmt. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

9 1. Einführung land. Es erfolgen zunächst weitere massive Zinssenkungen und höhere Liquiditätsfazilitäten an die westlichen Banken. Staatsnahe US-Immobilienfinanzierer werden Anfang September unter Zwangsverwaltung gestellt. In den Emerging Markets verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum ab Juli 2008, bleibt jedoch dort noch positiv. Dies führt aber zu einer starken Exportabschwächung in Mitteleuropa und im Speziellen in Deutschland. In den aufstrebenden Ländern erfolgen weitere Zinserhöhungen aufgrund hoher Inflationsraten. Phase 3: Weltweiter Vertrauensverlust im Zeitraum 15. September 2008 bis Ende Oktober 2008 Der Untergang der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 löst einen umfassenden Run auf die wichtigsten Refinanzierungsmärkte aus. Weitere Finanzinstitute brechen zusammen. In den USA müssen der weltgrößte Versicherer AIG und die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie die größte amerikanische Sparkasse Washington Mutual durch den amerikanischen Staat und Steuerzahler vor dem Konkurs mit dreistelligen bis vierstelligen Milliardenbeträgen in USD gestützt werden, um einen vollständigen Systemzusammenbruch der Finanz- und Kapitalmärkte zu verhindern. Ein sehr großer Vertrauensverlust belastet die Märkte und Volkswirtschaften weltweit. Eine Beruhigung erfolgt erst nach beispiellosen und breit staatlich angelegten Rettungs- und Garantiemaßnahmen der Staaten und Wirtschaftspolitik. Zukünftige Wirtschafts- und Gewinnprognosen werden im Zuge des Vertrauensverlusts und einer strengeren Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen kräftig nach unten revidiert. Die globalen Frachtraten des Baltic Dry Index, das Fieberthermometer für den Zustand der Weltwirtschaft, brechen von ihrem Höhepunkt von etwa USD pro Tonne Frachtgut bis Mitte 2008 auf bis zu 650 USD pro Tonne Frachtgut im Oktober / November 2008 ein. Es kommt zu kräftigen Zinssenkungsmaßnahmen durch die Zentralbanken, die auch ihre Swaplinien ausweiten. Das führt zu einer schnellen und übermäßigen Ausweitung der Zentralbankbilanzen. Weiterhin erfolgen umfangreiche Bankenhilfspakete sowie Einlagen- und Schuldgarantien. Auch in den Emerging Markets gibt es einen Vertrauenseinbruch, und die Refinanzierungsbedingungen werden verschärft. Dazu ergeben sich starke Währungsabwertungen, z. B. in Russland, Brasilien sowie Osteuropa. Nun senken auch die Notenbanken der Emerging Markets die Zinsen und stellen Liquidität bereit. Phase 4: Globale Konjunkturschwäche von Ende Oktober 2008 bis März 2009 Die internationalen Kapitalmärkte bleiben extrem volatil, da zunehmend negative Konjunkturdaten und Gewinnausweise der Unternehmen veröffentlicht werden. Dazu bleibt die Unsicherheit hinsichtlich kontinuierlicher staatlicher Eingriffe in das Banken- und Wirtschaftssystem. Die anhaltende globale Konjunkturschwäche sorgt für wachsende Kreditverluste. In den westlichen Industrieländern sinken die Ausgaben, wodurch der Güterhandel und das Bruttosozialprodukt so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit unter Druck geraten. Der massive Wirtschaftseinbruch und der dramatische Rückgang der Ölpreise von 147 USD pro Barrel im Juli 2008 auf 36 USD im Oktober 2008 und März 2009 sorgen in vielen Ländern für einen kurzfristigen Rückgang des Preisniveaus bzw. der Inflation. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

10 1. Einführung Preisentwicklung Crude Oil im Zeitraum 2 Jahre (Preis in USD) Phase 5: Verstärkung des Abschwungs, der aber an Dynamik verliert ab Mitte März Im Zuge weiterer staatlicher Maßnahmen erholen sich die Vermögenspreise etwas. Aber nach wie vor gibt es Anzeichen von Marktstörungen, da die staatlichen Eingriffe das Vertrauen in das globale Finanzsystem nicht vollständig wiederherstellen. Weiterhin bestehen anhaltende Kreditverluste. Auf wirtschaftlicher Ebene bleiben der Konsum und die Produktion weiter rückläufig, Überkapazitäten und Personal werden massiv abgebaut. Möglicherweise sind erste Hinweise auf eine wirtschaftliche Bodenbildung auf niedrigem Niveau zu erkennen. Crude Oil Quelle: Bloomberg Die Zinsen werden in den USA, Europa und Japan fast auf null gesenkt und es erfolgt eine Liquiditätsbereitstellung nun auch für Nichtbanken / Industrieunternehmen. Die Notenbanken kaufen zum Teil ihre eigenen emittierten Staatsanleihen zur Bereitstellung von genügend Liquidität zurück, was zu einem zukünftigen Ponzi-Pyramidensystem à la Bernie Madoff führen wird. In den USA und Europa sowie in Japan werden globale Konjunktur- und Rettungspakete in Billionenhöhe initiiert. Es erfolgen weitere Zinssenkungen in einigen Ländern und Liquiditätszuführungen durch die Notenbanken. Weiterhin werden Bilanzierungsvorschriften für die Banken und Versicherungen gelockert. In den aufstrebenden Ländern wie Brasilien, Russland und China kommt es bereits zu sehr starken Erholungen an den Aktienmärkten. Weiterhin stabilisieren sich die Devisenwechselkurse und an den westlichen Aktienbörsen stellt sich seit März 2009 eine deutliche Reduzierung der Kapitalmarktverluste aus dem Jahr 2008 ein. Der dramatische Einbruch der US- und europäischen Wirtschaft löst in den aufstrebenden Ländern massive Exporteinbrüche und Rückgänge des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 3. und 4. Quartal 2008 aus. Dadurch entsteht eine Umkehr der bisherigen Kapitalzuflüsse von den Emerging-Market-Staaten, z. B. Russland, zurück in die USA. Die Notenbanken der Emerging- Market-Länder reagieren darauf mit weiteren Zinssenkungen und Devisenmarktinterventionen sowie Konjunkturpaketen ähnlich wie in den westlichen Ländern. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

11 1. Einführung Langfristige Ursachen der aktuellen Wirtschaftsund Finanzkrise Die aktuelle Krise lässt sich bei näherer Betrachtung nicht wie gerne von Politikern, Notenbanken, Vorständen der globalen Top-30-Geschäfts- und -Investmentbanken sowie der jeweiligen nationalen Bankenaufsicht gewünscht auf den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers als Auslöser reduzieren. Die genannten verantwortlichen Institutionen sind seit Ende der 1980er-Jahre maßgeblich an der heutigen Wirtschaftskrise als Impulsgeber und Hauptverursacher beteiligt. Für die Wirtschaft im Allgemeinen und die Unternehmen des Finanzsektors im Besonderen brachte die Krise seit ihrem Ausbruch im August 2007 extreme Belastungen, wie sie seit der großen Depression von 1929 bis 1941 nicht mehr vorhanden waren. Nach ersten, Anfang 2007 vom Subprime-Hypothekenmarkt ausgehenden Turbulenzen wurde nach und nach zuerst die Finanzbranche und dann die globale Wirtschaft von der Krise erfasst, die Mitte September 2008 historische Ausmaße annahm. Die Finanzinstitute kämpften lange Zeit mit illiquiden Kapital- und Refinanzierungsmärkten, schrieben massive Verluste und mussten zum Teil gestützt werden. Am folgenreichsten war der Konkurs von Lehman Brothers, der die Dynamik der Krise beschleunigte. Andere Kreditinstitute wurden kurz vor dem Bankrott von größeren Unternehmen oder der öffentlichen Hand übernommen. Der Staat intervenierte zur Stabilisierung der Finanzmärkte in bisher ungekanntem Ausmaß. Mittelfristig wird die Stabilität der Finanzinstitute von der Wechselwirkung zwischen den Maßnahmen, die sie verlustbedingt ergriffen haben, und der weiteren volkswirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Diese Wechselwirkung fällt immer dann besonders stark ins Gewicht, wenn die Finanzinstitute ihre Eigenkapitalpolster aufgebraucht haben. In der Anfangsphase der Krise wurden die Wertberichtigungsverluste bei Wertpapierportfolios durch Kapitalzu- führungen aus dem privaten Sektor gedeckt. Angesichts der im Zuge des rasanten Konjunktureinbruchs immer größer werdenden Verluste in den Kreditportfolios der Institute war der Bankensektor letztlich aber auch in hohem Maße auf staatliche Unterstützung angewiesen. Die Geschwindigkeit und der Verlauf der wirtschaftlichen Erholung werden entscheidend davon abhängen, inwieweit es den Finanzinstituten in einem schwierigen Umfeld gelingt, ihre Eigenkapitalbasis zu sichern und ihre Fremdkapitalquote in den Griff zu bekommen, ohne zugleich die Kreditvergabe allzu stark einzuschränken. Längerfristig betrachtet lassen sich aus der Krise wichtige Schlussfolgerungen für die Struktur und Stabilität des Finanzsystems ziehen. Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie stark die Wechselwirkungen innerhalb des Finanzsystems sein können. Die komplementären Rollen der unterschiedlichen Akteure entlang der Verbriefungskette, die enge Verflechtung von Finanzmärkten und Finanzinstituten sowie die gegenseitige Abhängigkeit von Kapitalmarkt- und Refinanzierungsliquidität wurden in der Vergangenheit von den Marktteilnehmern und wohl auch von den Aufsichtsinstanzen mehr als unterschätzt und teilweise missbraucht. Analysiert man den wirklichen Ursprung der Krise, so sind die ersten negativen Entwicklungen gekennzeichnet von der Erfindung von Wertpapierverbriefungen gekoppelt mit Derivaten durch die Investmentbanken J. P. Morgan und Goldman Sachs in den Jahren 1987 bis Parallel erfolgte eine massive Deregulierung der Kapitalmärkte unter Zustimmung der internationalen Politik und Notenbanken, begleitet durch sinkende Zinsen in Japan, den USA und Europa. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind die Zinsen von etwa 8 bis 9 % in Europa und den USA stetig auf ein heutiges Zinsniveau nahe 0,30 % (Libor) gesenkt worden. Die Welt und speziell die Top-30-Geschäftsund -Investmentbanken sowie die Verbraucher wurden mit billigem Geld überversorgt. Dadurch sind in den letzten 20 Jahren mehrere Asset Price Bubbles entstanden, die mit der Entwicklung der SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

12 1. Einführung Realwirtschaft und den eigentlichen Aufgaben dieser Top-30-Geschäfts- und -Investmentbanken in einem Wirtschaftskreislauf nichts mehr zu tun haben. Die Notenbanken und die Politik agierten in den vergangenen Jahren bei aufkommenden Wirtschafts- und Kapitalmarktkrisen wie eine Art Drogendealer, der die Wirtschaftsteilnehmer (Banken, Industrie, Privatpersonen) mit extrem billigem Geld durch niedrige Zinsen versorgte. Diese niedrigen Refinanzierungskosten wurden von den führenden großen Geschäfts- und Investmentbanken genutzt, um deren Eigenhandel zu Spekulationszwecken an den Börsen- und Kapitalmärkten massiv aufzustocken. Anhand verschiedener Beispiele sollen nochmals einige negative Entwicklungen und Ungleichgewichte belegt und offengelegt werden, die seit dem Jahr 1990 durch die Entscheidungsträger von Politik, Notenbank und die Top 30 der globalen Geschäfts- und Investmentbanken entstanden sind: Beispiel 1 Der Anstieg der globalen Derivate und Termingeschäfte im Jahr 1990 von rund 5 Billionen USD auf heute mehr als 700 Billionen USD wiegt in seiner Dimension folgenschwer. Wenn man bedenkt, dass heute das globale Bruttoinlandsprodukt lediglich ca. 52,0 Billionen USD p. a. beträgt, also die gesamte weltweite jährliche Wirtschaftsleistung ein Bruchteil des heutigen Derivate- und Terminmarktvolumens ausmacht, so müsste es eigentlich im Verhältnis genau umgekehrt sein. Ein exportorientierter Unternehmer kann durchaus sinnvoll seine Währungsrisiken, z. B. in die USA, von 20 % an seiner Gesamtumsatzleistung des Unternehmens am Termin- und Derivatemarkt absichern. Aber die heutigen vorhandenen Derivate decken das 14-Fache der globalen jährlichen Wirtschaftsleistung ab. Dies ist in diesen Dimensionen eine reine Spekulation von wenigen angloamerikanischen / europäischen auf Eigenhandel und Renditezielen von 25 % p. a. ausgerichteten Großbanken ohne wirklichen Bezug zur Realwirtschaft. Beispiel 2 Aktuell werden weltweit pro Tag rund 82 bis 83 Millionen Barrel (Fass Rohöl, 159 Liter) physisches Rohöl produziert, parallel beträgt der Handel an den Terminbörsen von Rohöl ca. 2,0 Billionen Barrel pro Tag. Eine Absicherung eines Teils der täglichen physischen Menge Rohöl am Terminmarkt ist nachvollziehbar und erklärbar, nicht aber die Art von renditeorientierten Ungleichgewichten am Terminmarkt durch die Spekulation der Eigenhandelsbestände der großen Geschäfts- und Investmentbanken auf Rohöl. Die Entwicklung der Erdölpreise als einer der relevanten Grundstoffe (Inputfaktor) für die globale Wirtschaft spielt bei der Inflationsentwicklung eine extrem relevante Rolle. Die Abkopplung und die Entwicklung des Terminmarktes zum tatsächlichen physischen Markt und zur Realwirtschaft bildeten in der Vergangenheit die Grundlage für eine immense, verdeckte Inflationsentwicklung. In der Messung der Kerninflation in den USA und Europa durch den Staat und die Notenbank wird die Entwicklung der Energiepreise seit Anfang der 1980er-Jahre im Warenkorb außen vor gelassen. Somit darf man die Richtigkeit und Seriosität der Inflationsmessung der Warenkörbe in den USA wie auch Europa mehr als in Zweifel ziehen. Beispiel 3 Vor der Einführung des Euro im Jahr 1999 hatte Deutschland mit der Währung Deutsche Mark eine hohe Kaufkraft im Ausland aufgrund seiner Leistungsfähigkeit und weltweiten Exportüberschüsse, gepaart mit dem niedrigsten Zinsniveau von 5,50 bis 6 % innerhalb der damaligen EU. Länder wie Italien, Griechenland und Spanien wiesen zu dieser Zeit aufgrund ihrer extremen Staatsverschuldung und negativen Tendenz ihrer Staats-Rating- Bonität ein Zinsniveau von 10 bis 12 % auf. Durch die Euroeinführung wurde bei allen Teilnehmerländern das jeweilige Länder-Zinsniveau auf das von Deutschland angepasst, obwohl die meisten Länder vor Einführung der Eurowährung und bis heute nie diese Leistungsfähigkeit unterstützt durch Leistungsbilanz- SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

13 1. Einführung überschüsse entwickelt haben. Die Staatsverschuldung in den letzten Jahren ist in diesen schwachen Eurowährungsländern weiter kontinuierlich stark angestiegen. Hätte man durch einen Volksentscheid die deutschen Bürger abstimmen lassen, wäre es voraussichtlich nie zu einer Einführung der Eurowährung gekommen. Die Politik und die Notenbank haben trotz ihres Wissens von ökonomischen Ungleichgewichten der Euroteilnehmerländer, die bis heute bestehen, uneingeschränkt die Euroeinführung um den Preis des Kaufkraftverlusts der DM in Kauf genommen. Weiterhin entstanden in Italien, Spanien, Irland, Griechenland etc. über Nacht durch die Euroeinführung und Anpassung der dortigen Zinsen auf das deutsche Zinsniveau ein Bau- und Kreditboom für Immobilien. Die Folge war seit 1999 ein immenser Preisanstieg bei Immobilien aller Art in diesen Ländern, wodurch die Entstehung von Spekulations- und Preisblasen an den dortigen Immobilienmärkten ausgelöst wurde. Die Haupttriebfeder dieser Spekulationsblasen war ohne Zweifel die Einführung des Euro mit der Folge eines niedrigen Zinsniveaus auf deutschem Niveau für ganz Europa, das wissentlich gedeckt und forciert wurde durch die Politik und europäischen Notenbanken. Somit gibt es nicht nur eine amerikanische Immobilienkrise und -blase, sondern auch eine staatlich verursachte europäische Variante. Weiterhin konnte mit der Einführung des Euro ein möglicher drohender Staatsbankrott, z. B. von Italien und Griechenland Ende der 1990er-Jahre, in die Zukunft verschoben werden. Das Tragische an dem von den europäischen Staaten und Notenbanken künstlich geschaffenen Immobilienboom ist, dass Investitionen in einem solchen Ausmaß in den Immobiliensektor dieser Länder nicht nachhaltig und innovativ sind. Wirtschaftliche Innovationskraft entsteht durch die Entwicklung von neuen Branchen, Technologien, Produkten und Dienstleistungen, nur diese können auf Dauer die Wirtschaftsstruktur dieser Länder und damit Gesamteuropa nachhaltig verbessern. Dazu wurden die leistungsfähigsten Länder in Europa wie Deutschland und die Niederlande im Zuge der anhaltenden heutigen Wirtschaftskrise, ausgelöst durch niedrige Zinsen und die Einführung des Euro, zu Kollektivbürgen mit Staatsgarantien für Länder wie Irland, die Region Osteuropa und die südeuropäischen Länder. Beispiel 4 Seit den 1960er-Jahren weisen die jährlichen Staatshaushalte Budgetdefizite aus. Das heißt nichts anderes, als dass die Politik unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit mehr ausgibt als sie einnimmt, und dass sie keine Schulden abbaut. Dadurch ist über Jahrzehnte ein riesiger Schuldenanstieg und -berg entstanden, der den Wohlstand der Gesellschaft kurz- und mittelfristig negativ beeinflussen wird. Durch die immens hohen Garantiepakete der Staaten in der aktuellen Wirtschaftskrise im Verhältnis zu den einzelnen Bruttoinlandsprodukten der Länder sind wir nun an einem Punkt of no return, d. h., die Staatsschulden können nur durch Inflationierung und zukünftige Währungsreformen in den USA, Japan und Europa langfristig konsolidiert werden. In Deutschland z. B. sind die zwei größten Einnahmeblöcke des Staates die Lohnsteuer und die Mehrwertsteuer. Durch die demografische Entwicklung werden die Lohnsteuereinnahmen zukünftig automatisch geringer, was nur durch eine längere Lebensarbeitszeit kurzfristig geglättet werden kann. Parallel muss und wird die Mehrwertsteuer durch die jeweilige Regierung signifikant erhöht werden, damit die jährlichen Staats- und Budgetdefizite nicht völlig aus dem Ruder laufen und ein Staatsbankrott kurzfristig vermieden werden kann. Die großen Gewinner werden langfristig die Sachwertbesitzer durch deren Investments in Immobilien, Land, Aktien, Edelmetalle und weitere Sachanlagen sein, vorausgesetzt, sie sind nicht stark fremdfinanziert. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

14 1. Einführung Beispiel 5 Um den Einfluss und das Machtpotenzial der heutigen globalen Geschäfts- und Investmentbanken auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik aufzuzeigen, genügt eine historische Betrachtung auf ihren Anteil der Wertschöpfung in einer Volkswirtschaft. Lag der Gewinnanteil aller börsennotierten Banken in den USA im Jahr 1980 und ihr Verhältnis zu allen anderen Wirtschaftsbranchen noch bei etwa 10 %, stieg dieser Gewinnanteil der US-Finanzinstitute im Verhältnis zu allen börsennotierten Unternehmen und Branchen in den USA bis zum Jahr 2007 auf 45 %. Das bedeutet nichts anderes, als dass die heutige wirtschaftliche Wertschöpfungskette und das gesamte Wachstum der USA zu 45 % durch Finanzinstitute und Banken beeinflusst werden, die zum großen Teil Eigenhandels- und Spekulationsgeschäfte betreiben. Diese in einem so hohen Volumen betriebenen spekulativen Eigengeschäfte (siehe globales Derivatevolumen zum globalen BIP) haben keinen wirklichen Bezug zur Realwirtschaft mehr, sondern sind verantwortlich für die steigenden Güterpreise und die verdeckte Inflationsentwicklung bzw. den Kaufkraftverlust der westlichen Währungen. Treten bei den jeweiligen Geschäfts- und Investmentbanken immense Gewinne auf, werden diese wie in der Vergangenheit privatisiert, große Verluste werden hingegen zulasten des Staates, der Bürger und der Währung sozialisiert. Hierzu verwenden diese globalen Geschäftsund Investmentbanken die Drohkulisse too big to fail gegenüber Staat und Politik. Sollte eine noch größere Bank als Lehman Brothers in Konkurs gehen, so würde deren Derivate- und Terminmarktportfolio im Eigenhandelsbestand in Billionenhöhe einen Dominoeffekt am Bankenmarkt auslösen, bei dem sämtliche Handelspartner der in Konkurs gehenden Bank in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies würde unweigerlich über Nacht einen globalen Bankenrun durch die Kunden auslösen. Man kann sich die gesellschaftlichen Folgen einer sol- chen Krise nur bedingt ausmalen, da dies ganz gravierende negative Auswirkungen auf das bestehende Geldund Währungssystem und die Gesellschaft haben würde. Aufgrund des riesigen bestehenden globalen Derivatevolumina an den Terminmärkten im Verhältinis zum Weltbruttoinlandsprodukt und zum darauf basierenden Machtpotenzial einiger weniger Geschäfts- und Investmentbanken, müsste die Politik eigentlich sämtliche verantwortlichen Banken mit hohen Derivatebeständen in deren Eigenhandelsbuch zu 100 % verstaatlichen. Danach müssten diese Banken durch die globale Politik und den Staat aufgeteilt und zerschlagen werden. Die hohen Volumina von Derivaten müssten kontrolliert abgebaut werden und beispielsweise auf maximal 10 bis 20 % von deren Eigenkapital begrenzt werden. Dies wäre konsequent allerdings nur möglich, wenn alle relevanten Länder, z. B. die USA, UK, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Spanien, Italien etc., gemeinsam einer solchen Maßnahme zustimmen würden. Folgt nur ein Land der Verstaatlichung und Zerschlagung seines Bankensektors, schwächt dieses kurzfristig bis mittelfristig seinen Bankensektor und damit die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft. Die Schweiz überlegt aktuell, diesen Sonderweg für die Banken UBS und Credit Suisse zu gehen, weil das Risikopotenzial im Verhältnis zu deren Bruttoinlandsprodukt so immens ist und das gesamte Wirtschaftssystem und die Währung der Schweiz bedroht. Es sei aber gesagt, dass die Volumina von Derivaten an den Terminmärkten in Europa und den USA genauso bedrohlich für die Staaten wirken. Von einer kompletten Verstaatlichung der systemrelevanten Banken in Europa und den USA ist derzeit keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil, in den USA bezahlen aktuell die relevanten Geschäfts- und Investmentbanken schnellstmöglich ihre staatlichen Stützungsgelder zurück, um wieder wie bisher vollständig unabhängig zu sein, als sei nichts passiert. Die Sozialisierung der Bankenverluste zulasten der Währung, des Staates und seiner SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

15 1. Einführung Bürger hat ja innerhalb der Wirtschaftskrise bestens funktioniert. Nun gilt es wieder, die Gewinne aus Eigenhandelsgeschäften zu 100 % innerhalb der Top-30-Investmentbanken zu belassen. Der Staat soll zukünftig nur wieder Kontrollfunktion übernehmen und bei zukünftigen Spekulationsverlusten dieser angeblich systemrelevanten Banken einspringen. Weiterhin wird die amerikanische Notenbank, die als der Hauptverursacher diverser Spekulationsblasen der letzten Jahre gilt, zusätzlich belohnt, indem Sie zukünftig als Oberaufseher für sämtliche Banken in den USA fungiert. Hier wird der sogenannte Bock zum Gärtner gemacht. Die Entscheidungen, die Marktteilnehmer und öffentliche Entscheidungsträger zur Bewältigung der Krise getroffen haben, werden Einfluss auf die künftige Struktur des Finanzsektors und die Gesellschaft haben. Ihre Maßnahmen werden sich nicht nur darauf auswirken, wie schnell die Finanzintermediäre ihr Engagement in der gegenwärtigen Situation an das verfügbare Kapital anpassen, sondern auch darauf, welche institutionellen Veränderungen die Krise nach sich ziehen wird. Die Entscheidungen des privaten und des öffentlichen Sektors werden zudem bestimmen, ob sich der langjährige Trend zur Internationalisierung fortsetzt oder ob er zum Stillstand kommen wird. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

16 2. Investment und eigenständige Anlageklasse 2. Edelmetalle und Rohstoffe als Investment und eigenständige Anlageklasse 2.1 Einteilung der Anlageklasse Rohstoffe Anlageklasse Commodities (Rohstoffe) Hard Commodities Soft Commodities / Agrarrohstoffe Energie Metalle Nahrungs- und Industrielle Tierische Genussmittel Agrarrohstoffe Rohstoffe Fossile Energie und Edelmetalle in Form Getreide in Form Baumwolle Lebenrind Kernenergie in Form von: Gold, Silber, von: Mais, Weizen, Wolle Mastrind von: Rohöl, Erdgas, Platin, Palladium etc. Reis, Gerste Holz Mageres Schwein Kohle, Uran, Ölsande Kautschuk Fisch Industriemetalle in Öle und Ölsaaten in Zellstoff Geflügel Erneuerbare Energien / Form von: Form von: Sojabohnen, Alternative Energien Aluminium, Blei, Kokos-, Palmöl in Form von: Solar, Kupfer, Nickel, Zink, und Sonnenblumenöl Wind, Wasser, Zinn, Titanium etc. Biomasse, Geothermik, Genussmittel in Form Brennstoffzellen Ferrusmetalle in Form von: Kaffee, Kakao, von: Eisenerz, Chrom Tee, Tabak, Zucker, CO 2 -Emissionsmarkt und Aufbereitung von Orangensaft Stahlschrott Globaler Wassermarkt Quelle: Eigene Darstellung Die Vielfalt der Rohstoffe lässt sich grundsätzlich in zwei Rohstoffsegmente unterteilen, in die Teilbereiche Hard Commodities und Soft Commodities. Diese beiden Gruppen sind Materialien in einem unverarbeiteten Zustand, die für die Herstellung von Gütern benötigt werden. Die globale Produktion von physischen Commodities beläuft sich jährlich auf über 2 bis 3 Bio. US-Dollar. Rohstoffe haben einen Anteil am Welthandelsvolumen von rund 25 %. Während sich die sogenannten harten Rohstoffe in zwei Untergruppen (Energie und Metalle) unterteilen lassen, bestehen die weichen Agrarrohstoffe aus drei Teilseg- menten (Nahrungs- und Genussmittel, industrielle Agrarrohstoffe und tierische Rohstoffe). Der Bereich Energie unterteilt sich in fossile (Rohöl, Erdgas, Kohle, Uran, Ölsande) und alternative Träger (Solar, Wind, Wasser, Biomasse, Geothermik, Brennstoffzellen). Bei den Metallen unterscheidet man zwischen Edelmetallen (Gold, Silber, Platin, Palladium), Industriemetallen (Kupfer, Nickel, Zinn, Zink, Aluminium, Blei) und Ferrusmetallen (Eisenerz, Mangan, Chrom, Stahlschrott) sowie Metalle der seltenen Erden (z. B. Tantal, Niob etc.). Die Nahrungs- und Genussmittel lassen sich einteilen in Getreidesorten (Mais, Weizen, Reis, Gerste), Öle und SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

17 2. Investment und eigenständige Anlageklasse Ölsaaten (in Form von Sojabohnen, Palm-, Kokos- und Sonnenblumenöl) und Genussmittel (Kaffee, Kakao, Tee, Tabak, Zucker und Orangensaft) sowie den globalen Wassermarkt. Für die industriellen Agrarrohstoffe erfolgt eine Unterscheidung in Baumwolle, Wolle, Holz, Zellstoff und Kautschuk. Abgerundet wird dies durch die tierischen Rohstoffe (Lebendrind, Mastrind, mageres Schwein, Geflügel und Fisch). 2.2 Investmentmöglichkeiten in Rohstoffe Der Zugang zur Anlageklasse Edelmetalle und Rohstoffe erschließt sich über eine überraschend große Anzahl verschiedener Anlageinstrumente, deren Chance-Risiko- Profil wir in diesem Teil skizzieren. Ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit gibt es nachstehende Möglichkeiten, in das Segment Edelmetalle und Rohstoffe zu investieren Direktanlage an den physischen Edelmetallund Rohstoffmärkten An den physischen Märkten kaufen und verkaufen die Händler die Edelmetalle und Rohstoffe gegen tägliche Cashzahlung. Häufig ist deshalb auch von Kassamärkten die Rede. Je nach Liquidität werden die Preise an den Kassamärkten ein- bis zweimal täglich aktualisiert. Sehr liquide ist hingegen der Markt für Rohöl, bei dem die Preise über einen Link zu den Futures fast in Echtzeit aktualisiert werden. An den physischen Märkten kommen neben Kontrakten mit physischer Lieferung hauptsächlich Finanzinstrumente wie Kassa- und Barkontrakte zur Anwendung. Im Gegensatz zu Futures handelt es sich bei Kassakontrakten um außerbörsliche Geschäfte, die individuell zwischen Käufer und Verkäufer ausgehandelt werden. Der Handel erfolgt in aller Regel über das Telefon oder wenn auch seltener über Auktionen. Da diese Geschäfte over the Counter ablaufen, sind sie nicht standardisiert und werden somit einzeln für den jeweiligen Rohstoff ausgehandelt. Angaben über Qualität (z. B. verschiedene Ölsorten) und Menge des Rohstoffs, Lieferbedingungen und -adresse sind aber in aller Regel auch in diesen Kontrakten enthalten. Die Lieferung erfolgt grundsätzlich innerhalb von 1 bis 45 Tagen. Während bei einem Kontrakt mit physischer Lieferung die tatsächliche Lieferung an den Käufer vorgesehen ist, sieht ein Barkontrakt den Barausgleich vor. In Bezug auf die Verwahrung der Metalle wird Gold beispielsweise in Unallocated und Allocated Gold Accounts eingeteilt: Sammelverwahrung und Einzelverwahrung. Diese Unterscheidung ist aus mehreren Gründen sehr wichtig: Gold in Einzelverwahrung, auf Allocated Accounts, wird vom Händler im Namen des Kunden verwahrt. Die Barren sind anhand einer Gewichtsliste durch die Barrennummer, das Gesamtgewicht, die Feinheit und die Scheideanstalt, in der die Barren gegossen wurden, identifizierbar. Das Metall wird physisch von anderen Barren in den Tresorräumen separiert. Dieser Vorgang ist nötig, damit der Kunde auch im Falle einer Insolvenz des Händlers einen direkten Anspruch auf sein Gold hat, ohne dass es in die allgemeine Insolvenzmasse fällt. Für Investoren können physische Edelmetalle im Regelfall über die jeweilige Hausbank, das Edelmetallhandelshaus Pro Aurum oder direkt bei den Edelmetallraffinerien Heraeus Holding und Umicore erworben werden. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

18 2. Investment und eigenständige Anlageklasse Die Sammelverwahrung (Unallocated Accounts) ist die handelsübliche Form der Goldverwahrung und schlussendlich auch die einzige Form, in der Gold zinstragend ist. Sie ist einfacher und kostengünstiger, da sie ähnlich wie die Buchungen auf einem Girokonto auch ins Soll gebucht werden kann. Dies ist bei der Einzelverwahrung nicht möglich. Die Sammelverwahrung ermöglicht so den Goldtransfer ähnlich dem Giralgeldverkehr. Zu beachten sind hierbei das Recht auf Eigentum und ein mögliches Kreditverhältnis. Eine Goldposition auf einem Unallocated Account verschafft dem Kunden das Recht auf den entsprechenden Goldbestand, nicht aber auf spezielle, abgesonderte Barren. Die jeweiligen Positionen sind durch allgemeine Goldbestände des Händlers gegenüber dem Kunden gedeckt. In diesem Falle besteht ein Ausfallrisiko des Händlers aufseiten der Kunden, die ihr Gold in Sammelverwahrung halten. Umgekehrt, also im Falle eines Negativsaldos, hat der Händler ein Kreditrisiko gegenüber dem Kunden. Ein Händler kann in diesen Fällen grundsätzlich ein reines Handelsunternehmen sein, wobei in der Regel diese Funktion von Banken übernommen wird Investments an den Rohstoff-Future- Terminmärkten Eine Direktanlage an den Futures-Märkten (Terminmärkten) ermöglicht theoretisch die Nachbildung der bekannten Rohstoffindizes als passive Strategie; allerdings müsste der Investor das Rollen der Kontrakte bei einer Direktanlage selbst übernehmen, was Kapazitäten beim Management und bei der Überwachung der Rohstoffposition stark in Anspruch nimmt. Darüber hinaus werden die bekannten Rohstoffindizes in den USA selbst als Futures gehandelt. Für die meisten Anleger ist die einfachere und wahrscheinlich effizientere Alternative zu einer Direktanlage in Futures die Anlage in Produkte, die an Rohstoffindizes gebunden sind. Diese sind z. B. Zertifikate oder Exchange Traded oder Commodity Funds auf Rohstoffindizes bzw. deren Subindizes Anlage in passive Rohstofffinanzmarktindizes (Rohstoff-Future-Indizes) Hierbei handelt es sich im Prinzip um Schuldverschreibungen der ausgebenden Bank. Der rechtliche Anspruch richtet sich gegen das ausgebende Institut. Es besteht kein Anspruch auf den Rohstoff selbst, vielmehr hat der Anleger nur ein Recht auf Auszahlung eines Differenzbetrages in Währung (meist Euro oder US-Dollar). Das Risiko besteht im Ausfallrisiko der Schuldverschreibung bzw. des Emittenten / Kreditinstituts. Dies ist im Rahmen der Finanzkrise am Beispiel von Lehman Brothers sehr deutlich geworden. Wirksame Alternativen zur Vermeidung von Emittentenrisiken stellen Sondervermögen in Form von Exchange Traded Funds und sonstigen Treuhandvermögen dar. Der Markt der Zertifikate ist wie bei allen anderen Investmentbereichen auch im Rohstoffsektor sehr unübersichtlich. Zertifikate gibt es auf Aktien, Aktienbaskets oder Aktienindizes, einzelne Rohstoffe (z. B. Gold, Rohöl, Kupfer) oder Rohstoff-Future-Indizes. Ein Vorteil bei Zertifikaten und Exchange Traded Funds auf die einzelnen Rohstoffe ist, dass im Vergleich zur Direktanlage keine Mehrwertsteuer anfällt. Die einfachste und effizienteste Alternative zur Direktanlage in Futures ist eine Anlage in Zertifikate, die an Rohstoffindizes gebunden sind. Die ausgebende Bank investiert hierbei in der Regel in die Future-Märkte und übernimmt gegen eine geringe Gebühr das fortlaufende Rollen der Rohstoffkontrakte. Eine in diesem Zusammenhang wichtige Frage für den geeigneten Langfristinvestor ist die Auswahl des passenden Rohstoff-Futures-Index. Der Anleger hat den Vorteil, dass er mit den Indizes in der Regel eine große Bandbreite der möglichen Rohstoffe abdeckt. Die vier bekanntesten Rohstoff-Future-Indizes sind: Reuters / Jeffries CRB Index (RJ / CRB) Goldman Sachs Commodities Index (GSCI) Rogers International Commodities Index (RICI) Dow Jones / AIG Commodities Index (DJ / AIG) SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

19 2. Investment und eigenständige Anlageklasse Der Reuters / Jeffries CRB Index (Commodity Research Bureau) ist der älteste der vier Indizes. Der CRB wurde 1956 eingeführt und besteht aus 19 gleichgewichteten Rohstoffen (Zucker, Kaffee, Aluminium, Gold, Nickel, Kupfer, Silber, Baumwolle, Sojabohnen, Rinder, Weizen, unverbleites Benzin, Mais, Heizöl, Rohöl, Kakao, Schweine, Orangensaft und Erdgas), die alle an US-Börsen gehandelt werden. Seit 1986 werden Futures auf den Index an der New York Futures Exchange gehandelt. Der CRB RJ wird monatlich einem Rebalancing ausgesetzt, wodurch die Indexgewichte regelmäßig auf ihren Ausgangswert zurückgesetzt werden. Dadurch wird Kapital aus den Kursgewinnen der ertragreichsten Rohstoffe auf die weniger ertragreichen umgeschichtet. Struktur des Reuters / Jefferies CRB Index Energie 39 % Industriemetalle 13 % Edelmetalle 7 % Landwirtschaft 34 % Viehwirtschaft 7 % Quelle: Bloomberg Struktur S & P GSCI-Index Energie 65,50 % Industriemetalle 6,50 % Edelmetalle 4,10 % Landwirtschaft 17,80 % Viehwirtschaft 6,10 % Quelle: Bloomberg Der Rogers International Commodities Index wurde von Jim Rogers, dem ehemaligen Mitstreiter des Hedgefonds- Managers George Soros, im Jahr 1998 begründet. Derzeit enthält er 35 Rohstoffe, deren Gewichtung nach ihrer Bedeutung im Welthandel von einem Kommitee unter Vorsitz von Jim Rogers selbst bestimmt wird. Wie beim RJ /CRB gibt es ein monatliches Rebalancing. Der RICI hat die größte Anzahl von Rohstoffen, von denen auch nicht alle an den Terminbörsen gehandelt werden. Nach dem GSCI ist er derjenige, der den größten Energieanteil aufweist. Ein an den Wert des RICI gebundener Future wird an der Chicago Mercantile Exchange gehandelt. Rogers International Commodities Index Der GSCI-Index (Goldman Sachs Commodities Index) wurde 1991 entwickelt. Der GSCI bildet aktuell 24 Rohstoffe entsprechend ihrem Weltproduktionsanteil ab. Der Future-Handel findet an der Chicago Mercantile Exchange statt. Er ist der mit dem größten Energieanteil innerhalb des Index aller hier betrachteten vier Rohstoffindizes. In den vergangenen Jahren war er deswegen auch derjenige mit der höchsten Volatilität. Beim GSCI werden die Gewichte einmal im Jahr neu bestimmt, dazwischen gibt es kein Rebalancing. Energie 44,00 % Industriemetalle 14,00 % Edelmetalle 7,10 % Landwirtschaft 31,90 % Viehwirtschaft 3,00 % Quelle: Bloomberg SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

20 2. Investment und eigenständige Anlageklasse Der DJ / AIG-Index (Dow Jones AIG Commodity Index) ist der jüngste der vier Indizes. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe erfolgt nach der wirtschaftlichen Bedeutung des jeweiligen Rohstoffes innerhalb der Weltwirtschaft. Die Bedeutung wird aus aktuellen Produktionszahlen sowie aus Zahlen der Handelsaktivitäten ermittelt. Eine Überprüfung erfolgt am Anfang des Jahres. Der Index enthält derzeit 19 Rohstoffe, wobei folgende Regel gilt: Eine Gruppe darf nicht mehr als 33 % einnehmen und jeder Rohstoff muss im Einzelnen mit mindestens 2 % gewichtet sein. Die größten Positionen sind Rohöl und Erdgas. Futures auf den DJ / AIG werden am Chicago Board of Trade (CBoT) gehandelt. Durch die gleichmäßigere Verteilung der Gewichtung hat der RJ / CRB beispielsweise auch eine geringere Volatilität und ein niedrigeres Verlustpotenzial (Drawdown) als die anderen Indizes. Dabei bezeichnet das Drawdown den größten prozentualen Verlust, den der Index hatte (den Verlust von einem Hoch im Chart bis zum Tal). Anleger sollten bei der Wahl des Index nach ihren eigenen Präferenzen für die Edelmetall- und Rohstoffsegmente gehen und den Index wählen, der in seiner Zusammensetzung und Gewichtung ihren Vorstellungen am nächsten kommt. Ein Index, der in einer bestimmten Phase eine Outperformance erzielt, garantiert zukünftig keine überdurchschnittlichen Erträge. Struktur Dow Jones / AIG Commodity Index Energie 33,00 % Industriemetalle 20,30 % Edelmetalle 10,80 % Landwirtschaft 29,20 % Viehwirtschaft 6,70 % Quelle: Bloomberg Insgesamt unterscheiden sich die Indizes hauptsächlich in der Gewichtung der Rohstoffe bzw. Rohstoffsegmente. Aufgrund der Produktionsgewichtung ist der GSCI sehr stark auf Energie fokussiert, was in den letzten Jahren vor der Wirtschaftskrise zu einer Outperformance dieses Index führte. Der RJ / CRB-Index umgeht das Gewichtungsproblem, indem er alle Rohstoffe gleich bewertet. Dadurch hat der Energiebereich ein verhältnismäßig geringes Gewicht im RJ / CRB-Index. Der DJ / AIG gewichtet nach Produktionsmengen und Liquidität, während im RICI ein Kommitee nach Ermessen die Gewichtung im Index bestimmt. Zum anderen unterscheiden sie sich im Rebalancing, das bei RJ / CRB und RICI monatlich erfolgt. Beim GSCI und beim DJ / AIG erfolgt ein jährliches Rebalancing der einzelnen Positionen und Teilsegmente. SÜDWESTBANK Studie Gold und Edelmetalle

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