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1 DAS IHK-MAGAZIN AUS DER LANDESHAUPTSTADT FÜR WIESBADEN RHEINGAU-TAUNUS HOCHHEIM

2 Klimaneutral drucken Eine national und international anerkannte und bereits von vielen Unternehmen genutzte Möglichkeit des Engagements im freiwilligen Klimaschutz bietet der klimaneutrale Druck. Eine unternehmerische Verantwortung Als erstes Druckhaus in Frankfurt am Main sind wir, das Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, in der Lage, die Produktion Ihres Druckauftrages klimaneutral abzuwickeln. Mit Zarbock klimaneutral zu drucken, bedeutet echtes und nachhaltiges Engagement für Ihr Unternehmen in Sachen Klimaschutz. Wir arbeiten dabei ausschließlich mit Klimaschutz-Zertifi katen, die nach dem Gold Standard zertifi ziert sind, der vom WWF (World Wildlife Fund) initiiert und mitgegründet wurde. Ihr Einstieg in den freiwilligen Klimaschutz. Nachhaltig, transparent und glaubwürdig. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gerne Tel.: 069 / nachhaltiger Klimaschutz Sontraer Straße Frankfurt / Main Tel.: 069 /

3 EDITORIAL Die Weichen sind gestellt jetzt dynamisch voran Die Kommunalwahl ist vorbei, die Plakate mit den Köpfen und den politischen Versprechungen sind (weitgehend) aus dem Straßenbild verschwunden. Im Rheingau-Taunus-Kreis kann Landrat Burkhard Albers nach der gewonnenen Stichwahl seine Politik fortsetzen. In der Landeshauptstadt muss sich die Koalition derzeit noch finden. Die im Vorfeld überall spürbare Anspannung scheint verflogen, die verbalen Zuspitzungen sind vergessen und haben einer fast schon merkwürdigen Ruhe Raum gegeben. Das ist grundsätzlich gut. Wir Unternehmer brauchen in erster Linie verlässliche Rahmenbedingungen, damit sich unsere Geschäfte gut entwickeln können. Schrille Töne und parteipolitische Spielchen, die die Lösung der Sachfragen aus dem Blick geraten lassen, sind aus Sicht der Wirtschaft kontraproduktiv. Andreas Voigtländer Vizepräsident der IHK Wiesbaden und Vorsitzender des Handelsausschusses Es muss daher jetzt darum gehen, auf Grundlage stabiler politischer Verhältnisse die drängenden Aufgaben in unserem IHK-Bezirk anzupacken und in die Tat umzusetzen. Im Bereich des Einzelhandels in Wiesbaden wurde in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht, einige neue Projekte wurden angestoßen. Dazu zählen beispielsweise die Neugestaltung der innerstädtischen Fußgängerzone und der Kleinen Schwalbacher Straße sowie die Entwicklung neuer Einkaufszentren wie Lilien-Carré, Luisen-Zentrum und Dern sche Höfe. Dies hat sich in der Summe nachweislich positiv auf den ohnehin schon starken Besucherstrom ausgewirkt. Doch es gibt auch die andere Seite. Wiesbaden hat im vergangenen Jahr gleich in zwei bedeutenden Städte-Rankings in punkto Dynamik deutlich an Boden verloren und wird bei den Zukunftschancen nicht mehr ganz so positiv bewertet. Auch wenn derartige Ergebnisse nicht überbewertet werden dürfen, so zeigt sich doch wie wichtig es ist, Problemlagen zu lösen und Ideen auch in die Tat umzusetzen. So müssen die Sauberkeit und Sicherheit in der Stadt dringend verbessert werden, da sonst nicht nur das Image der Stadt, sondern auch der Einzelhandel, die Gastronomie und der Tourismus darunter leiden. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht und aufmerksam die Meldungen der Tagespresse über Überfälle und Diebstähle liest, weiß, dass hier gehandelt werden muss. Alles andere ist Augenwischerei. Auch darf sich die Frage nach dem Standort der Rhein-Main-Hallen nicht noch mehr in die Länge ziehen. Wir brauchen eine attraktive Messe-, Kongress- und Veranstaltungshalle, die Besucher in die Stadt spült. Die Pläne für den Neubau müssen offen gelegt und alle Standortoptionen geprüft werden. Jede Vorfestlegung auf einen Standort ist unverständlich, sofern nicht die jeweiligen Vor- und Nachteile der Varianten nüchtern gegeneinander abgewogen werden. Dieses Thema lässt keinen weiteren Aufschub zu! Mit gewisser Sorge sehe ich auch das Tempo bei der Entstehung der Law School in der Moritzstraße. Seit dem Wegzug des Landgerichts sehnen sich die dort ansässigen Einzelhändler und Gastronomen den Baubeginn herbei, damit das Quartier endlich wieder durch mehr zahlungskräftige Kundschaft belebt wird. Weitere Themen sind der Platz der Deutschen Einheit, das Stadtmuseum und die Nutzung der Mauritius-Galerie. Kurzum: Die politischen Weichen sind gestellt jetzt dynamisch voran! HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

4 Inhalt TITEL 05 Kommentar 06 Betriebliches gesundheitsmanagement 08 So bleiben Sie fi t: Büroübungen für jeden Tag 09 Schlechte Führung kann kein Arzt heilen 11 Preiswürdig: Soziales Engagement ausgezeichnet 12 Pfl icht und Kür: Die betriebliche Gesundheitsförderung 14 Motivierte Mitarbeiter bringen Erfolg 15 IHK-Gesundheitsausschuss führt Akteure zusammen STAndoRT 16 Wie sicher ist Wiesbaden? 18 Das Pfi ngstturnier wird 75 InTERnATIonAL 19 Afrika: Die Löwen setzen zum Sprung an 21 der Euro-Rettungsschirm ein Fass ohne Boden? 26 Unternehmensmeldungen 30 Vorstellungsgespräch: Kaufl eute im Gesundheitswesen MEnSCHEn 36 Steckbrief: Gabriele Werle-Schmid, Inhaberin von WeitSicht 37 Im Bilde RuBRIKEn 38 Kompakt 41 Neues aus Berlin und Brüssel 42 Kultur: Das bietet der Rheingau im Sommer 43 Termine 45 Wirtschaftsjunioren: Jetzt mal im Ernst IHK-FoRuM Jahre DIHK ein Gespräch mit Prof. Gerd Hardach 58 Namensverzeichnis 51 Impressum 6 TITEL Betriebliches Gesundheitsmanagement bedeutet mehr, als einen Lauftreff zu gründen. 21 InTERnATIonAL Euro-Rettungsschirm: Die weltweite Schuldenkrise strapaziert die Haushaltslage vieler europäischer Staaten dramatisch. unternehmen 23 gründerporträt: pizza in Hütchenform 24 Kooperations- und Nachfolgebörse 26 Jubiläen VERLAGSFOCUS 31 Versicherungen 34 Forderungsmanagement und Factoring 23 unternehmen Deutschlands erste Konopizza-Filiale hat in Wiesbaden eröffnet. Dort gibt es Pizza als Waffel in Hütchenform. 4

5 TITEL Gesunde Unternehmen Spots zum Titelthema Kommentar Was ist Gesundheit? Gesundheit wird von unterschiedlichen Experten unterschiedlich definiert und bezieht sich auf Kognition, Motivation, Emotion, Biologie oder Verhalten eines Menschen. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation von 1948 als soziales, psychisches und körperlichen Wohlbefinden dürfte heute weithin geteilt werden. Die Umschreibung, dass Gesundheit lediglich die Abwesenheit von Krankheit bedeutet, greift hingegen zu kurz. Gesundheitspolitik vs. Gesundheitsmanagement Die betriebliche Gesundheitspolitik bildet den Rahmen zur Festlegung von Zielen zum Schutz und zur Förderung von Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter und des dabei zur Anwendung kommenden Verständnisses von Gesundheit und der angenommenen Wechselwirkungen. Als Teil der Unternehmenspolitik muss sie den Unternehmenszielen ebenso dienen wie dem Wohlbefinden und der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Betriebliches Gesundheitsmanagement hingegen ist das systematische und nachhaltige Bemühen zur Gestaltung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen und zur Befähigung der Beschäftigten zu einem eigenverantwortlichen, gesundheitsbewussten Verhalten. Quelle: Social Capital & Occupational Health Standard Gesunde Organisation Wann gilt eine Organisation als gesund? Das ist relativ kurz zu beantworten. Gesund ist eine Organisation, deren Führung, Kultur, soziale Netzwerke und Arbeitsbedingungen so geschaffen sind, dass sie die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitglieder ebenso fördern wie ihre Qualität und Produktivität. Quelle: Social Capital & Occupational Health Standard Steuerliche Förderung Arbeitgeber können seit 2009 ihren Mitarbeitern bestimmte gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten, die bis zu einem Betrag von 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuerfrei bleiben Die begünstigten Maßnahmen müssen hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen des Pragraphen 20 des Sozialgesetzbuches V entsprechen. Damit fallen unter die Steuerbefreiung insbesondere die Themenfelder, die im Präventionsleitfaden der Spitzenverbände der Krankenkassen genannt sind. So etwa die Maßnahme mit dem etwas sperrigen Titel Förderung individueller Kompetenzen der Belastungsverarbeitung zur Vermeidung stressbedingter Gesundheitsrisiken. Dr. Gerd Eckelmann, Präsident der IHK Wiesbaden und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses Noch vor ein paar Jahren wurde das Thema Betriebliche Gesundheit in deutschen Unternehmen recht eng unter dem Aspekt der Reduzierung von krankheitsbedingten Kosten betrachtet. Inzwischen hat sich der Fokus geweitet: Gesundheit im Betrieb wird heute in den Kontext der Unternehmenskultur gestellt. Neben der Führungsverantwortung stehen dabei das persönliche Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter sowie unterstützende Strukturen im Unternehmen auf der Agenda. Selbstverständlich ist der Aspekt des Krankenstands in diese Herangehensweise integriert. Die Aufmerksamkeit für Gesundheit als Unternehmenswert hat zugenommen. Zufriedene, leistungsfähige und belastbare Mitarbeiter sind der entscheidende Faktor für langfristig erfolgreiche Unternehmen. In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels gilt dies umso stärker. Es gibt kein einheitliches Gesundheits-Modell, welches sich auf große, mittelständische und kleine Unternehmen branchenübergreifend übertragen lässt. Es kann nur individuell abgestimmte Lösungen in der betrieblichen Gesundheitsförderung geben. In vielen großen Unternehmen ist bereits ein Gesundheitsmanagement etabliert, das von externen Anbietern professionell betreut und in den vorhandenen Strukturen eingebettet wird ein Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Aber auch die kleinen und mittelständischen Betriebe investieren in betriebliche Gesundheitsförderung durch Maßnahmen wie Gesundheitstage, gesunde Ernährung in Kantinen, Bewegungs- und Sportangebote für Mitarbeiter, Führungskräftecoachings sowie Seminare zur Stressreduzierung. Gerade kleine Unternehmen haben oft nicht die Ressourcen und Voraussetzungen, um diese Aufgabe in die Hände eines externen Anbieters zu übergeben. Häufig gibt es auch keinen unternehmenseigenen Ansprechpartner für die betriebliche Gesundheitsförderung. Diese Unternehmen müssen sich auf die Wirkung einzelner Maßnahmen verlassen, die nicht immer zentral gesteuert werden können. Der Vorteil kleiner und mittelständischer Betriebe liegt jedoch darin, dass die Unternehmensleitung näher am Mitarbeiter ist und individuelle Bedürfnislagen wahrnimmt. Dabei gilt es, viele Fragen zu klären. Die IHK Wiesbaden ist auch hier ein kompetenter Ansprechpartner. HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

6 TITEL Gesunde Unternehmen Gemeinsam Laufen nur eine vieler Sportmöglichkeiten, die Betriebe anbieten können. Foto: Pixelio Wenn die Arbeit krank macht Die Regel ist einfach: Gesunde Unternehmen benötigen gesunde Beschäftigte. Denn Betriebe, die auf Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter achten, erhöhen dadurch nicht nur deren Lebensqualität. Sie haben auch Vorteile im Wettbewerb. Denn: Mit der Motivation der Beschäftigten wächst auch die Produktivität einer Firma. Die beiden Zauberworte heißen Betriebliches Gesundheitsmanagement. Der Einstieg ins Arbeitsleben fängt gut an: Man erlernt einen Beruf, der den eigenen Neigungen und Fähigkeiten entspricht und findet danach einen guten Job. Noch besser wird es, wenn man für ein florierendes Unternehmen tätig ist, in einem Büro mit ansprechender Einrichtung und ergonomisch gestalteten Möbeln arbeitet und einen krisensicheren Arbeitsplatz hat. Und es geht noch schöner: Nette Kollegen versüßen den Arbeitstag und werden mit der Zeit zu Freunden. Der Chef ist kommunikativ, an den Belangen seiner Angestellten interessiert und setzt sich für gute soziale Rahmenbedingungen ein. Kurz: Das Betriebsklima ist hervorragend. Da lässt sich das Arbeitspensum gut bewältigen, Verantwortung noch besser tragen und es bleibt auch noch genug Zeit für Familie, Freunde und Hobbys. Herrlich! Und dann klingelt der Wecker, der viele Millionen Arbeitnehmer unbarmherzig aus diesem Traum in die Realität befördert. Und die spricht eine ganz andere Sprache. Denn immer mehr Menschen sind an ihrem Arbeitsplatz schlichtweg unzufrieden. Sie haben sich geistig schon verabschiedet, innerlich gekündigt sozusagen. Es wird Dienst nach Vorschrift verrichtet und dabei leidenschaftslos nicht mehr als unbedingt nötig erledigt. Viele werden krank, weil sie die Belastungen, denen sie sich ausgesetzt fühlen, nicht mehr ertragen können. Stress, Mobbing, körperliche Probleme die Gründe sind vielfältig. Gesundheit am Arbeitsplatz ist jedoch die wichtigste Voraussetzung, um im Job fit und leistungsfähig zu sein. Nirgendwo sonst verbringt man schließlich so viel Zeit. Diesem Befund schließt sich Professor Dr. Thomas Weber, Arbeitsmediziner an den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, an und unterfüttert das Ganze mit weiteren Zahlen: Die Gallup Umfrage des Jahres 2010 hat heraus gefunden, dass nur 13 Prozent der Mitarbeiter eine hohe Motivation und Unternehmensloyalitätaufweisen. 21 Prozent haben innerlich gekündigt und bei 66 Prozent reicht die innere Bindung gerade so für den Dienst nach Vorschrift. Dabei geht es nicht nur um die Gesundheit des einzelnen Mitarbeiters, sondern auch um die Gesundheit des Unternehmens, für das er arbeitet. Die n,m./-- 6 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

7 TITEL Gesunde Unternehmen Produktivität des Betriebes wird eingeschränkt, im schlimmsten Fall droht eine handfeste Krise. Und nicht zuletzt entsteht auch volkswirtschaftlicher Schaden. Gehen viele Arbeitnehmer vorzeitig in Ruhestand, bedeutet dies eine zusätzliche finanzielle Belastung, die von der Allgemeinheit der Steuerzahler getragen werden muss. Psychische Probleme und Rückenbeschwerden gehören zu den häufigsten Ursachen, dass Menschen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Mobbing, Burn-out-Syndrom oder Bandscheibenvorfälle stehen ebenfalls ganz weit oben auf der Liste. Eine Studie der Allianz Versicherung hat ergeben, dass fast jeder vierte deutsche Arbeitnehmer an einem mehr oder weniger schweren Fall des Burn-out-Syndroms leidet. Und in dem Bericht Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz in Deutschland des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen steht, dass psychische Erkrankungen binnen fünf Jahren von 2003 bis 2008 um 59 Prozent zugenommen haben. Weiter heißt es: Schätzungen zufolge werden die depressiven Verstimmungen bis zum Jahr 2020 nach den Herzerkrankungen an die zweite Stelle der weltweiten Krankheitsbelastungen rücken. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann diesem Trend entgegenwirken. Es beinhaltet die systematische Anwendung von gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits-und Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung und den gesundheitsrelevanten Anteilen des Human Ressources Managements. Man muss selbst etwas tun, aber man braucht auch gute Arbeitsbedingungen, umschreibt Professor Weber das Prinzip. Ein gutes BGM findet auf allen Ebenen eines Betriebes statt. Das heißt: Führungskompetenz und Führungskultur im Unternehmen zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Und die Gesundheit der Mitarbeiter muss als strategische Führungsaufgabe erkannt werden. (Siehe Seite 9). Betriebliches Gesundheitsmanagement zielt auf eine win-win-situation zwischen Mitarbeitern und Unternehmen mit dem Resultat Mitarbeiterzufriedenheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Zumindest in großen Unternehmen wird dies immer häufiger umgesetzt. Ein umfassendes Gesundheitsmanagement hat etwa die R+V Versicherung mit Sitz in Wiesbaden für ihre Mitarbeiter eingeführt. Bereits vor 15 Jahren hatte man damit begonnen, Elemente einer betrieblichen Gesundheitsförderung anzubieten, wie etwa diverse Sportangebote. Doch das große Gesamtkonzept startete erst Wir haben damals angefangen, uns noch mal intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen, erklärt Reinhard Bohn, Abteilungsleiter Personalentwicklung Innendienst bei der R+V. Wir haben das, was wir bereits gemacht haben, auditieren lassen und dann überlegt, wie wir alle Themen in ein großes Ganzes integrieren können. Neben einer Sozialberatung, die Hilfestellung in persönlichen und beruflichen Fragen bietet, wurde die Human Protect Consulting GmbH gegründet. Vor allem bei psychichen Krisensituationen finden Mitarbeiter dort schnelle Hilfe. So wurde auf die Tatsache reagiert, dass die Fehlzeiten am Arbeitsplatz zwar insgesamt rückläufig sind, Fehltage aufgrund von psychischen Beschwerden jedoch kontinuierlich zunehmen. Flexible Arbeitszeitmodelle, Eltern-Kind-Büros, Betriebliches Eingliederungsmanagement, zahlreiche Weiterbildungsangebote und viele Sportgruppen: Alls dies soll dazu beitragen, das selbst gesteckte Ziel attraktiver und nachhaltiger Arbeitsplätze, zu erreichen. Bohn: Für unser BGM haben wir zwei feste Mitarbeiter eingestellt, hinzu kommen der Betriebsrat und viele Ehrenamtliche, die mit uns zusammenarbeiten. Nicht zuletzt bietet die Kantine jeden Tag zwei kalorienreduzierte Gerichte an und verwendet nur gesunde Nahrungsmittel. Kleinere und mittlere Unternehmen werden, alleine schon wegen ihrer Größe und dem notwendigen finanziellen Aufwand, kein derart umfassendes BGM einführen können. Das ist jedoch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Hat ein Unternehmen zehn Mitarbeiter, kann man beispielsweise einen Lauftreff organisieren oder sie dazu motivieren, ins Fitnessstudio zu gehen und auch Geld dazugeben, rät Professor Weber. Einrichtungen, die in großen Unternehmen direkt angesiedelt sind, kann ein kleines Unternehmen nach außen verlagern. Und auch der einzelne Mitarbeiter kann gezielt etwas tun. Die sinnvolle Gestaltung von Ernährung und Bewegung gehört laut Professor Weber ebenso dazu wie ein maßvoller Konsum von Alkohol oder das Rauchen aufzugeben. Darüber hinaus braucht man eine gute Work- Life Balance, also einen vernünftigen Ausgleich zwischen Leistung und Entspannung. Es zeigt sich: Insgesamt stehen viele Unternehmen bei dem Thema noch am Anfang. Text: Florian Grösch, IHK Wiesbaden 01234~ HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

8 TITEL Gesunde Unternehmen Büroübungen für jeden Tag Kleine Sport- und Gesundheitsübungen fürs Büro tragen dazu bei, das Wohlbefinden zu verbessern und orthopädische Probleme zu vermeiden. Die Hessische Wi r t s ch a f t stellt neun Übungen für zwischendurch vor und beschreibt, welche Körperpartien trainiert werden. 1. Schulterkreisen Mit den Händen am Rand eines Schreibtischstuhls locker festhalten. Die Ellenbogen leicht beugen, schwer nach unten sinken lassen und dann sanft zur Seite ziehen. Die Wirbelsäule lang ziehen, den Nacken entspannen und die Schultern bewusst nach außen und unten lösen. Dies entspannt den Schultergürtel, und verbessert Haltung sowie Motorik. Zusätzlich wird die Feinmuskulatur gestärkt. 2. Rückenstrecker Man legt sich auf den Boden und hält sich an den Sesselbeinen fest. Dann die Beine waagrecht nach hinten ausstrecken und diese Position fünf bis zehn Sekunden halten. Fünf bis zehn Mal wiederholen. Die Übung kräftigt die Rückenmuskulatur. 3. Fersenheben Hinter den Schreibtischstuhl stellen und an der Lehne festhalten. Beine hüftbreit, die Füße parallel und einen guten Stand finden. Gewicht auf den Fußballen verlagern und Fersen anheben. Etwa vier Sekunden in der Streckung halten und dann langsam zurückgehen. Fünf bis zehn Mal wiederholen. Ziel: Hilft bei Rückenschmerzen und Müdigkeit. 4. Scheinsitzen Man stellt sich vor den Schreibtischstuhl, nimmt eine hüftbreite Stellung ein und blickt nach vorne. Dann das Gesäß in Richtung Sitzfläche bewegen, aber nicht vollständig hinsetzen. Spannung in den Beinen halten. Dabei ausatmen. Nach einigen Sekunden wieder in die Ausgangsposition zurückgehen, dabei die Beine jedoch nicht gänzlich durchstrecken. Während des Aufstehens einatmen. 20 bis 30 Wiederholungen. Ziel: Die Übung kräftigt den Rücken-, Beinund Hüftstrecker sowie den Po. 5. Wolken fangen Auf die Zehenspitzen stellen und immer höher nach oben greifen. Dann die Spannung bis in die Fingerspitzen halten und sich dabei so lang wie möglich machen. Etwa 20 bis 30 Sekunden halten. Danach in alle Himmelsrichtungen strecken und dehnen. So oft und lange wiederholen, wie es Spaß macht. Gähnen nicht vergessen, das gehört dazu, sonst wirkt die Übung nicht. Ziel: Entlastet den Rücken und macht schnell wieder wach. 6. Powergähnen Schultern aus den Gelenken nach hinten kreisen, den Kopf etwas in den Nacken legen und mit den Augen nach oben gucken. Jetzt ordentlich gähnen. Die Übung löst Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. 7. Handpresse Die Handflächen vor der Brust zusammendrücken, sodass die Arme richtig zittern. Dabei ganz normal weiter atmen. Die Schultern dabei nicht hochziehen. Den Druck 30 Sekunden halten, lösen und die Übung noch zweimal wiederholen. Die Übung kräftigt Schulter, Brustund Armmuskulatur. 8. Augengymnastik Mit aufgerichtetem Oberkörper hinsetzen und Augen fünf bis sieben Sekunden schließen. Anschließend einen Fixpunkt beim Geradeaussehen suchen. Jetzt so tief wie möglich nach unten sehen und anschließend gerade nach vorn. Dann weit nach oben und erneut geradeaus. Nun nach rechts, danach wieder nach vorne. Jetzt nach links und anschließend wieder den Fixpunkt erfassen. In jede Blickrichtung etwa zehnsekunden schauen. Nun die Augen fünfmal gegen und fünfmal im Uhrzeigersinn kreisen lassen und danach entspannen. 9. Die Rückenrolle Aufrecht auf den Schreibtischstuhl setzen. Die Füße nehmen eine hüftbreite Stellung ein. Ober- und Unterschenkel bilden einen rechten Winkel. Die Arme hängen seitlich nach unten und man schaut nach vorne. Nun den Kopf und den Oberkörper langsam auf die Oberschenkel senken. Dabei Wirbel für Wirbel abrollen. Arme und Kopf hängen nach unten, die Handflächen berühren den Boden. Währenddessen langsam ausatmen. Anschließend den Rücken Wirbel für Wirbel wieder nach oben rollen. Erst in der Ausgangsposition den Kopf heben. Während des Aufrichtens langsam einatmen. Die Übung dehnt den Rückenstrecker und sollte fünf bis sieben Mal wiederholt werden. Quelle: 8 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

9 TITEL Gesunde Unternehmen Pillen, und im schlimmsten Fall die Krankschreibung: Das droht Führungskräften, wenn die psychosozialen Schutzfaktoren fehlen. Foto: Thorben Wengert Schlechte Führung kann kein Arzt heilen Auf den ersten Blick mag es überraschend sein, wenn ein Arzt sich mit dem Thema Unternehmensführung beschäftigt und sogar eigene Studien, darunter die SHAPE-Studie, darüber erstellt. Dr. Walter Kromm arbeitet und forscht seit vielen Jahren an der Nahtstelle zwischen Gesundheit und Unternehmensführung. In der Hessischen Wi r t s ch a f t beschreibt Dr. Kromm, wie man es besser machen kann, frei nach dem Motto: Gesundheit in Unternehmen hat weniger mit Medizin als mit Führung zu tun. Die sehr häufig praktizierten Strategien zur Förderung der Gesundheit von Mitarbeitern durch das Organisieren von Lauftreffs und low-fat - Kochkursen oder das Aufstellen von Obstkörben führen selten zu einer bedeutsamen Verbesserung der Mitarbeitergesundheit. Weiterhin ist zu bemerken, dass sich gesunde und leistungsfähige Führungskräfte von ihren gesundheitlich belasteten und demotivierten Kollegen deutlich darin unterscheiden, wie sie ihre sozialen Arbeitsumwelten und die Unternehmenskultur in ihrem Betrieb beschreiben. Aufbauend auf diesen Beobachtungen begann ich mich der Frage zu widmen, wie wird ein Unternehmen gesund sowohl hinsichtlich der im Unternehmen agierenden Menschen, als auch in Bezug auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Möchte man Letzteres erreichen, muss man sich den Fragen widmen: Was hilft Leistungsträgern, trotz vieler potenziell gesundheitsgefährdender Einflüsse, gesund zu bleiben? Was sind die wichtigsten gesundheitsbeeinflussenden Faktoren in einem Unternehmen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gesundheit und Betriebsergebnis? Um das heraus zu finden, wurde die SHAPE-Studie (Studie an beruflich hoch ambitionierten Persönlichkeiten) initiiert. Bei der Konzeption der Studie musste ein Perspektivwechsel vollzogen werden. Es galt nicht herausfinden, was Führungskräfte krank macht, sondern was sie gesund erhält. Durch diesen Perspektivwechsel erforschten wir nicht mehr länger nur die Personen, die wegen Krankheit fehlen, sondern analysierten verstärkt, von welchen Faktoren die Qualität der Arbeitsleistung der vielen anwesenden Mitarbeiter abhängt. Befragt wurden Führungskräfte und deren Lebenspartner oder beste Freunde, insgesamt etwa Personen. Damit ist die Studie eines der bisher umfangreichsten Forschungsprojekte an Managern im deutschen Sprachraum. Im Sommer 2008 wurden im Rahmen des Forums HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

10 TITEL Gesunde Unternehmen Leadership and Health bei der Schweizer UBS, die ersten Ergebnisse vorgestellt. Die Ergebnisse des Forums, an dem mehr als 120 Wissenschaftler und Führungskräfte aus Deutschland und der Schweiz mitwirkten, gaben schließlich den Impuls für das Buch mit dem Titel Unternehmensressource Gesundheit. Die Definition der Managerkrankheit besagt, dass in erster Linie von einem hohen workload, also hoher quantitativer Arbeitsbelastung, hoher Verantwortung für Mitarbeiter und hohem Erfolgsdruck, ein gesundheitsgefährdendes Potenzial ausgeht. Die Ergebnisse der SHAPE- Studie widersprechen jedoch dieser Annahme. Führungskräfte erleben zwar einen deutlich höheren workload als die Allgemeinbevölkerung. Allerdings führen diese höheren Anforderungen nicht, wie lange angenommen, automatisch auch zu mehr körperlichen und psychovegetativen Beschwerden. Vielmehr hängt das Fehlen von psychosozialen Schutzfaktoren mit dem Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden zusammen. Ein erhöhtes Krankheitsrisiko ergibt sich also nicht in erster Linie aus hohen Anforderungen sondern aus dem Fehlen von gesundheitsförderlichen Ressourcen, wie beispielsweise Achtung und Wertschätzung. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass bei Frustration des Bedürfnisses nach Wertschätzung und Achtsamkeit weniger Botenstoffe für das Innere Antriebssystem verfügbar sind und die Menschen dadurch daran gehindert werden, ihr Potenzial zu entfalten. Einschränkung des Wachstumsbedürfnisses, also der Freiheit, über Arbeitsausführung und Arbeitsaufgaben weitgehend selbst bestimmen und die eigenen Potenziale entfalten zu können. Einschränkung des Bindungsbedürfnisses, also soziale und emotionale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte. Menschen, die wenig soziale Unterstützung erfahren und denen kaum Freiheiten bei der Ausübung ihrer Arbeitstätigkeit eingeräumt wird, werden gesundheitlich stark von hohen quantitativen Arbeitsanforderungen getroffen. Im Gegensatz dazu erleben Führungskräfte, die hohe Arbeitsanforderungen bewältigen müssen, dann die wenigsten körperlichen Beschwerden, die beste Schlafqualität und schätzen ihre körperliche Gesundheit am positivsten ein, wenn sie über hohe Kontrollmöglichkeiten und gute soziale Unterstützung bei der Arbeit verfügen und Wertschätzung erfahren für das, was sie leisten. Eine achtsame, unterstützende und wertschätzende Unternehmenskultur hilft Leistungsträgern, die potenziell gesundheitsgefährdenden Effekte hoher Arbeitsbelastung abzupuffern. Als Hauptverantwortlichen für den Gesundheitszustand der im Unternehmen agierenden Leistungsträger identifizieren wir die Qualität der Führung: Langfristig gesunde und motivierte Mitarbeiter und der langfristige betriebswirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens sind die zwei Seiten der selben Medaille und beide werden zentral beeinflusst von den Bestimmungsfaktoren guter Führung. Obwohl die ärztliche Kunst in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat, steigt die Zahl der Menschen mit Angststörungen, Depressionen oder Burn-out-Syndromen in den hochentwickelten Industriestaaten ständig weiter an. Aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen ist zu erkennen, dass viele Menschen an Stress leiden, weil sie über zu geringe Kompetenzen zur Stressbewältigung verfügen und die Fähigkeit zur konstruktiven Beziehungsgestaltung nur unzureichend entwickelt ist. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Atmosphäre am Arbeitsplatz, dem Ort, wo die Erwerbstätigen den größten Teil ihrer Wachzeit verbringen. Gesundheit im Unternehmen hat weniger mit Sport-, Ernährungs- und Abnehmprogrammen als mit Führung zu tun. Führungskraft heißt ja deshalb Führungskraft weil von ihr Kraft ausgehen sollte. Das wichtigste Potenzial eines Unternehmens sind deshalb all jene Führungskräfte, die es vermögen ihren Mitarbeitern mehr stärkende und motivierende Erfahrungen zu Teil werden zu lassen und damit bei ihnen die Lust wecken sich einzubringen, mitzudenken, mitzugestalten und ihr kreatives Potenzial zu entfalten. Dennoch dringt die Thematik der achtsamen, wertschätzenden und unterstützenden Führungskultur nur sehr verhalten in die Führungsetagen der Unternehmen und in die Lehrpläne von Business Schools vor. Deshalb ist eine neue Studie geplant SHAPE 2. Aufbauend auf den Erkenntnissen unserer bisherigen Forschungsprojekte und der international publizierten Literatur bezüglich Ertrags- und gesundheitsorientierter Unternehmensführung, sollen in einem mehrjährigen Untersuchungszeitraum diejenigen Interventionen auf ihre Wirksamkeit und gesundheitsökonomische Effizienz untersucht werden, die Führungskräfte befähigen, die Arbeitsbedingungen in ihrem Verantwortungsbereich trotz hoher Anforderungen möglichst gesundheitsgerecht zu gestalten. Der erhoffte Erkenntnisgewinn käme nicht nur den Unternehmen zugute sondern auch den im Unternehmen agierenden Menschen und deren sozialem Umfeld. Text: Dr. med. Walter Kromm, Master of Public Health, Ortenberg Literaturhinweis Dr. Walter Kromm hat zusammen mit Dr. Gunter Frank das Buch Unternehmensressource Gesundheit herausgegeben. Es bietet einen Überblick der Möglichkeiten, wie Betriebe in die Gesundheit von Führungskräften und Mitarbeitern investieren. Erschienen ist es im Symposion-Verlag. 10 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

11 TITEL Gesunde Unternehmen Soziales Engagement europaweit ganz vorne Das Amt für Soziale Arbeit der Stadt Wiesbaden wurde in London mit dem European Employee Volunteering Award 2011 ausgezeichnet. Über 250 Organisationen aus 22 Ländern hatten sich an dem erstmalig durchgeführten Wettbewerb beteiligt. Ausgezeichnet werden damit Unternehmen und Verwaltungen, die das bürgerschaftliche Engagement ihrer Mitarbeiter fördern. Das Amt für Soziale Arbeit erhielt den Preis für die Entwicklung einer Corporate Citizenship-Strategie und deren Umsetzung. Hierfür wurde ein eigenes Servicebüro eingerichtet, das verschiedene aufeinander abgestimmte Angebote für Unternehmen entwickelt und umsetzt. Beginnend mit dem leichten Einstieg im Rahmen eines jährlichen Aktionstages, über ein langfristiges Mentoring-Programm im Bereich Bildung und Integration, bis hin zur Etablierung einer lokalen Anerkennungskultur. Bis heute haben rund 290 Unternehmen und Beschäftigte durch die Projekte des Servicebüros einen Zugang zu bürgerschaftlichem Engagement gefunden. Insgesamt Menschen haben von den Ergebnissen der Projekte profitiert. FG Sue Bird (links), Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission, überreichte den Preis an (von links) Arno Goßmann, Leiter des Amtes für Soziale Arbeit, Elisabeth Ganss, Geschäftsführerin der Dow Corning GmbH und IHK-Vizepräsidentin, Juliane Philipp- Lankes, Amt für Soziale Arbeit Wiesbaden und der Unternehmensberater Prof. Dr. Tom Sommerlatte, der das Projekt begleitet hat. Foto: UPJ BUSINESSFORBUSINESS. Das Regionalportal für den Mittelstand. B NEU WIESBADEN Für Sie: mit kostenlosem Branchenbuch-Eintrag Kureck. DAS WIRTSCHAFTSLEBEN UNSERER REGION Ob fünfeckige Badewannen oder kreisrunde Whirlpools Produkte von Reichwein stecken in vielen Wiesbadener Bädern. Kein Wunder: Wiesbadener Bauherren vertrauen unserer Fachkompetenz und unserem zuverlässigen und freundlichen Service rund um Baustoffe schon seit 120 Jahren. Reichwein BAUZENTRUM EIN ECHTES STÜCK WIESBADEN. SEIT HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

12 TITEL GEsunDE unternehmen Pflicht und Kür in der betrieblichen Gesundheitsförderung Ein Unternehmen, das ein Bewegungsangebot für seine Mitarbeiter gestaltet oder einen Früchtekorb in der Kantine bereitstellt, betreibt betriebliche Gesundheitsförderung aber kein betriebliches Gesundheitsmanagement. Der Unterschied liegt in der systematischen Steuerung. Doch wo liegt der Unterschied zwischen betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM)? Die Gesundheitsförderung, so steht es in der Luxemburger Deklaration nachzulesen, umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Das BGM hingegen ist das systematische und nachhaltige Bemühen zur Gestaltung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen zur Befähigung der Be- schäftigten zu einem eigenverantwortlichen, gesundheitsbewussten Verhalten. Unternehmen stehen einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: Innovationsfähigkeit erhalten, psychische Belastungen der Mitarbeiter wahrnehmen und reduzieren, demografischer Wandel, Fachkräftemangel. Ein Unternehmen, das sich mit betrieblicher Gesundheitsförderung befasst und sie im Unternehmen intensiv betreibt, wird diesen Herausforderungen trotzen können. Denn aktiv sein in der unternehmenseige- nen Gesundheit bedeutet, die Pflege einer gesunden Unternehmenskultur, ein verbessertes Betriebsklima, eine Steigerung der Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft der Mitarbeiter. Das wiederum erhöht das innovative Pozential, den Unternehmenserfolg, macht das Unternehmen interessant für Fachkräfte und erhöht den Wettbewerbswert. Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein komplexes und vielschichtiges Handlungsfeld. Bei genauerer Betrachtung, bewegt man sich zwischen den beiden Polen Individuum (individuelle Gesundheitsförderung auf der Verhaltensebene), und Organisation (betriebliche Verhältnisebene), sowie im Pflicht- und Kürbereich. Abb. 1: Der Pflichtbereich, gesetzlich verankert und verpflichtend für jedes Unternehmen, ist auf der Achse Pathogenese abgezeichnet, befasst sich mit Themen wie Arbeitssicherheit und Unfallverhütung, der Frage also was verhindert Krankheit?. Die Kür Salutogenese hingegen ist sehr viel breiter aufgestellt, hierzu zählen alle Maßnahmen die zur Gesunderhaltung dienen und Ressourcenentwicklung bedeuten. 12 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

13 TITEL GEsunDE unternehmen Aufwand und Nutzen der Gesundheitsförderung Nutzen Gestaltung der Arbeitsplätze Grafi k: IHK Wiesbaden Teamevent mit Körperlichem Einsatz Gesundheitstag Gesunde Unternehmenskultur Führungsstil Prozessoptimierung unter Berücksichtigung der Arbeits- Bewältigungsfähigkeit Komplexität Bedürfnislage der Mitarbeiter? analysiert werden. Grundsätzlich gibt es vier Hauptbausteine in der betrieblichen Gesundheitsförderung: 1. Unternehmenskultur 2. Führung 3. Persönliches gesundheitsverhalten 4. Unterstützende Systeme Die Wirksamkeit der Maßnahmen zeigt die Grafik links. Mit dem Nutzen steigt auch die Komplexität, was mitunter auch mit eine stärkere finanzielle Belastung zur Folge hat. Die Grafik zeigt auch: Schon mit einfachen Mitteln lassen sich erste Erfolge erreichen. Text: Dr. Nicole Zinckernagel, IHK Wiesbaden Welcher individuelle Weg für das eigene Unternehmen der richtige ist, muss mit der Beantwortung von Fragen wie Welches Ziel wollen wir mit betrieblicher Gesundheitsförderung erreichen? und Wie ist die Die IHK Wiesbaden ist auch kompetenter Ansprechpartner bei Fragen zur Gesundheitsförderung und zum Gesundheitsmanagement. Dr. Nicole Zinckernagel,

14 TITEL GEsunDE unternehmen Motivierte Mitarbeiter für den Erfolg Dass Mitarbeiterorientierung, die Förderung beruflicher Entwicklungen, ein faires Miteinander und die Identifikation mit dem Unternehmen das Engagement der Mitarbeiter erhöhen, ist in den Führungsetagen deutscher Unternehmen zumindest in der Theorie bekannt. Diese Erkenntnisse stehen auch in direktem Zusammenhang mit dem finanziellen Unternehmenserfolg, Krankenstand und Fluktuation. Das Potenzial engagierter Mitarbeiter wird von zahlreichen Unternehmen nur unzureichend erkannt und nicht zielorientiert genutzt. Laut einer aktuellen Studie gehen lediglich vier von zehn deutschen Arbeitnehmern vollends motiviert in ihren Arbeitsalltag. Unzufrieden mit der eigenen Arbeit ist fast jeder Fünfte. Drei Viertel der Mitarbeiter sind im Großen und Ganzen zufrieden. Das ist eine abnehmende Tendenz zu einer ähnlichen Studie aus dem Jahr Doch kein Unternehmen kann damit einverstanden sein, im Großen und Ganzen zufriedene Mitarbeiter zu beschäftigen. Welche Erfolge könnte ein Unternehmen mit hoch motivierten Mitarbeitern haben, die zufrieden mit ihrer Arbeit sind? Für die Motivation der Mitarbeiter sind verschiedene Faktoren entscheidend: Neben der Identifikation mit dem Unternehmen, sind die Teamorientierung, das Zeigen von Interesse an der eigenen Person und Wertschätzung ausschlaggebend. Bessere Bezahlung spielt eine untergeordnete Rolle, emotionale Gründe sind entscheidend. In der Praxis ist die mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur in vielen Betrieben ausbaufähig. Während den sicherlich wichtigen Themen Kunden- und Leistungsorientierung in allen befragten Unternehmen eine große Bedeutung beigemessen wird, ist die Bereitschaft im Bereich Mitarbeitermotivation und Förderung der Teamarbeit zu investieren, gering. Die laut der Studie Erfolgreichen am Markt haben die Bedeutung des Engagement der Mitarbeiter als wichtigsten Wettbewerbsfaktor erkannt. Der Fokus der weniger Erfolgreichen liegt beim Preis. Sie haben ein festes Budget zur fachlichen Mitarbeiterweiterbildung, fordern und fördern jedoch nicht die Identifikation mit dem Unternehmen Für den finanziellen Erfolg kann erwiesenermaßen die Unternehmenskultur zu einem Drittel verantwortlich sein. Wie ist das nun im echten Leben. Die meisten Unternehmen sind in Abteilungen gegliedert, die in den jeweiligen Aufgabenbereichen ihren Job machen, wie beispielsweise Einkauf, Vertrieb, Marketing und Buchhaltung. Eine gute Teambildung geschieht meist in einzelnen Abteilungen selten werden alle Abteilungen eines Unternehmens von den Mitarbeitern als Team wahrgenommen. Gründe dafür, warum etwas nicht einwandfrei funktioniert oder Reklamationen auftauchen werden in anderen Abteilungen oder in der Unternehmenspolitik gesucht. Sympathien und eben auch Antipathien bestimmen viele Handlungsabläufe. Wenn die Chemie unter den verschiedenen Abteilungen nicht passt, dann werden Blockaden aufgebaut, die ein Unternehmen intern selten lösen kann. Teamentwicklungsprozesse mit externen Beratern und Trainern außerhalb eines Unternehmens bringen unerwartete Potenziale zum Vorschein. Konflikte werden offengelegt und können mit effektiven Lösungen bewältigt werden. Eine gute Unternehmenskultur bedeutet also nicht nur die Motivation und Wertschätzung der Mitarbeiter, sondern bietet auch eine große Chance interne Blockaden zu entdecken und Wege für erfolgreiches und zielorientiertes Arbeiten im Team zu fördern. Es gibt viele sinnvolle Angebote auf dem Markt doch sie müssen genutzt werden. Dabei spielt die Unternehmensgröße keine Rolle. Mitarbeiter verzinsen diese Investitionen durch neues, erhöhtes Engagement. Text: Holger Jo Scholz, Firmenberater, Rüdesheim am Rhein Bild: Pixelio 14 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

15 TITEL GEsunDE unternehmen Ausschuss soll Gesundheitsstandort stärken Ziel des 2009 gegründeten IHK-Gesundheitsausschusses ist es, alle Akteure aus dem Bereich Gesundheit zusammen zu führen, sie miteinander ins Gespräch zu bringen, vorhandene Angebote transparenter zu machen, neue Produkte zu entwickeln und die Attraktivität des Gesundheitsstandortes als Ganzes zum Nutzen aller Akteure zu stärken. Obwohl die meisten Unternehmen aus diesem Bereich der Industrieund Handelskammer nicht angehören, hat die IHK ein großes Interesse an einer positiven Entwicklung der Gesundheitsbranche: Die pharmazeutische Industrie, die Medizintechnik, die Bio- und Gentechnologie und der Groß- und Facheinzelhandel mit medizinischen und orthopädischen Produkten sind Zulieferindustrie. Ihre Produkte und Dienstleistungen werden ausschließlich für den Kernbereich der Gesundheitswirtschaft erbracht. Auch Wellness- und gesundheitsbezogene Sport- und Freizeitangebote sowie der Gesundheitstourismus, Gesundheitskongresse oder allgemein Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote tragen zur Wertschöpfung der Branche bei. Für sie sind gute Rahmenbedingungen, zu denen auch die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes zu einem attraktiven Gesundheitsstandort gehört, von großer Bedeutung - auch für ihren individuellen Erfolg. Dafür setzt sich die IHK ein. Aktionen des IHK-Gesundheitsausschuss Am 1. Februar 2011 veranstaltete die IHK das erste Gesundheitsforum zum Thema Revolution von oben Rollenstruktur des gesundheitlichen Mittelstandes gerät unter die Räder. Vertreter aller Segmente der Gesundheitsbranche haben die Möglichkeit genutzt, sich fachübergrei- fend zu Potenzialen am Gesundheitsmarkt auszutauschen. Weil das Interesse an diesem Themenkomplex so groß war, wird es an einem runden Tisch diskutiert werden. Text: Dr. Nicole Zinckernagel, IHK Wiesbaden MITgLIEdER des AuSSCHuSSES: Dr. Gerd Eckelmann (Vositzender), Emmi Bödeker, Maximilian Guido Broglie, Sven Clasen, Petra Dittmann, Dr. Verena Drebing, Dr. Jost Elborg, Hani El-Khouri, Karin Engel, Christa Adlheid Ewen, Thomas Geiger, Theresia Grüning, Dr. Gisela Hank-Haase, Dr. Wolfgang Hartmann, Frank Höhn, Torsten Hornung, Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, Jutta Killgen, Dr. Christina Klein, Oliver Kramer, Elmar Kunz, Silvia Küpper, Dr. Ekkehard Ludwig, Dr. Holger Meireis, Daniel Maximilian Metzler, Karl Nüser, Dr. Hamid Peseschkian, Dr. H. Christian Piper, Dr. Franz-Josef Prott, Hans Joachim Schade, Rose-Lore Scholz, Prof. Dr. Uwe Schwien, Dirk Seyberth, Thilo Söhngen, Ingrid Strack, Holger Syhre, Prof. Dr. Ralph Tunder, Dr. Reinhard Völker, Lothar Wondrak, Henning Wossidlo, Oliver Zimmer, Dirk Zinckernagel STANDORT DER WIRTSCHAFT VON MORGEN. Individuell Zentral Passt! Jetzt Maßgrundstück sichern! Stadtentwicklungsgesellschaft Rüsselsheim Telefon HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

16 Standort Menschen nehmen auch Störungen der öffentlichen Ordnung wahr, die nicht strafrechtlich relevant sind wie etwa der Alkoholkonsum auf dem Luisenplatz in Wiesbaden. Foto: Andreas Schlote Sicherheit in der Stadt Sicherheit und Ordnung sind für viele Menschen zentrale Themen in ihrer Kommune. Eigene Opfererfahrungen, von anderen Gehörtes, Medienberichte, aber auch einzelne, Aufsehen erregende Gewalttaten wie die brutalen Überfälle in Berliner und Münchener U-Bahnen auf Fahrgäste bringen die Kriminalität in der Stadt immer wieder auf die Tagesordnung. Auch in Wiesbaden wurde im März dieses Jahres ein Mensch in einer Parkanlage ums Leben gebracht, Taten wie diese schüren die Furcht der Menschen. Das Gesamtbild der kommunalen Sicherheit, und der Eindruck, den die Menschen von ihrer Stadt haben, besteht allerdings nicht nur aus diesen seltenen brutalen Einzeldelikten. Die Bewohner nehmen häufig auch Störungen der öffentlichen Ordnung, die keine strafrechtliche Relevanz besitzen, als bedrohlich wahr. Das können Alkohol konsumierende und laute Jugendliche sein, die an einem öffentlichen Platz herumstehen, Drogenkonsumenten und Obdachlose, aber auch mehr oder weniger aggressive Bettler, die die Innenstädte und Einkaufszonen bevölkern. Häufig prallen hier einfach unterschiedliche Auffassungen davon, wie man sich in der Stadt zu verhalten hat, aufeinander. Die Interessen aller dieser kommunalen Nutzer, also der Einwohner, Gewerbetreibenden, Touristen, Arbeitspendler, aber auch die der eben genannten Störer, in der Balance zu halten, ist ein komplexes Unterfangen. Hoch- und Ingenieurbau Brücken- und Verkehrsbauwerke Trinkwasseranlagen Abwasserbauwerke Industrieböden und Beschichtungen Zugelassener Fachbetrieb nach dem WHG Qualitätssicherung: ISO Gütezeichen Zentrale Niederlassung Wiesbaden Dresden Weidenbornstr. 7 9 Ebertplatz 7 9 Tel. 0611/ Tel / Fax 0611/ Fax 0351/ Jahre 16 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

17 Standort Es ist heute nicht mehr alleine Aufgabe der Polizei, die Sicherheit und Ordnung in einer Stadt zu gewährleisten, auch andere Akteure wie private Sicherheitsdienste, kommunale Ordnungsbehörden, freiwillige Polizeidienste und private Vereine sind in deutschen Städten aktiv. In diesem Kontext wird die Herstellung kommunaler Sicherheit zu einer Aufgabe, die erstens ein koordiniertes und gemeinsames Vorgehen aller relevanten lokalen Akteure notwendig macht. Und die zweitens die Prävention als Mittel zur Schaffung von Sicherheit und zur Reduzierung von Ängsten, die durch Kriminalität verursacht werden, stärker in den Vordergrund stellen sollte. Gerade die Sekundärprävention, also etwa die Reduzierung von Tatgelegenheiten, stellt ein geeignetes Instrument dar, um im kommunalen Kontext festgestellte Probleme bekämpfen zu können. Wichtig ist hier, dass vor jeder Aktion eine sorgfältige Analyse erfolgt, und dass Instrumente ausgewählt werden, die als Good Practice anderswo schon erfolgreich eingesetzt wurden. Beispielhaft zu nennen ist die Videoüberwachung, die durchaus ihren Nutzen im Kontext kommunaler Sicherheit hat, aber, wie internationale Studien gezeigt haben, nicht in jedem Zusammenhang sinnvoll anwendbar ist. Wenn also Videokameras auf Parkplätzen erfolgreich Kriminalität reduziert haben, heißt dies noch nicht, dass sie es auch in öffentlichen Parks bewerkstelligen. Hier hilft oft auch ein Blick über die Landesgrenzen hinweg, um zu sehen: Was wirkt, was nicht? Aber gerade in der Prävention liegen noch Chancen, unsere Städte sicherer und damit lebenswerter zu machen. So zum Beispiel im Konzept Kriminalprävention durch Gestaltung des öffentlichen Raums. Denn besonders die Implementation präventiver Aspekte schon in die Planung öffentlichen Raumes ist besonders effektiv und auch kostengünstiger als späteres Nachbessern. Hier sind vor allem Planer gefordert, offen für präventive Konzepte zu sein. Von besonderer Bedeutung ist, dass kriminalpräventive Anstrengungen evaluiert werden, um bereits während der Durchführung kontinuierlich Probleme zu erkennen und diese für zukünftige Projekte vermeiden zu helfen. Der Gedanke der Evaluation ist in Deutschland in den letzten Jahren populärer geworden, obschon in der Praxis häufig noch Probleme auftreten. Auch hier existiert noch Verbesserungspotenzial. Ein Mangel an Präventionsinstitutionen und -initiativen herrscht eigentlich nicht in Deutschland. Jetzt geht es darum, die Qualität ihrer Arbeit für die Zukunft weiter zu verbessern. Gol dbeck_wi E93_05. pdf Sei t e , 12: 46 Text: Andreas Kohl M.A., Europäisches Zentrum für Kriminalprävention e.v., Münster Veranstaltung Andreas Kohl ist am Montag, 16. Mai, Referent des Handelsforums der IHK Wiesbadenzum Thema Wie sicher ist Wiesbaden? Kriminalität im Spannungsfeld zwischen Statistik und Wahrnehmung. Beginn ist um 19 Uhr im großen Saal der IHK, Wilhelmstraße 24-26, in Wiesbaden. Die Anzahl der Straftaten in Wiesbaden ist laut aktueller Kriminalstatistik rückläufig und die Aufklärungsquote steigt. In vielen anderen Städten ist die Situation vergleichsweise schlechter. Eine Verschiebung ist jedoch auch bei der Art der Delikte festzustellen. Fälle schwerer Körperverletzung, Raubdelikte und Wohnungseinbrüche nehmen zu. Handelt es sich dabei um ein allgemeines gesellschaftliches Problem? In seinem Vortrag beleuchtet Kohl neben der allgemeinen Kriminalitätslage in Wiesbaden die Wahrnehmung ansässiger Händler. Vorgestellt werden Möglichkeiten der kommunalen Kriminalprävention sowie Best Practice-Beispiele und Handlungsansätze anderer Städte. Weitere Informationen und Anmeldung: IHK Wiesbaden, Anja Moedebeck, Telefon , Gebäude undsolar aus einer Hand Gewerbebau mit System: wirtschaftlich, schnell und nachhaltig konzipieren bauen betreuen. HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI GOLDBECK Süd GmbH, Am Martinszehnten Frankfurt/Main, Tel. 069 /

18 Standort Links: Der Turnierplatz von Rechts: Vielseitigkeitsweltmeister Michael Jung vor dem Biebricher Schloss. Fotos: Reit- und Fahrverein Wiesbaden Pfingstturnier wird 75 Vom Stadtturnier zum internationalen Sportereignis nicht nur der Austragungsort des Wiesbadener Pfingstturniers hat sich im Laufe seiner Geschichte geändert, auch der Aufwand ist gestiegen werden 350 ehrenamtliche Helfer Stunden arbeiten, um Fachpublikum, Familien, Reiter und Pferde drei Tage lang zu begeistern. Wenn vom 10. bis 13. Juni 2011 im Biebricher Schlosspark auf Quadratmetern Zelte stehen, fünf Kilometer Kabel und fünf Kilometer Wasserschläuche liegen und Quadratmeter Gummimatten den Rasen vor 200 Tonnen Sand schützen, dann findet zum 75. Mal das Internationale Pfingstturnier statt. Das Fachpublikum wird die sportlichen Leistungen der Weltelite analysieren, viele Eltern mit ihren Kindern Tiere und Wettbewerb mit Picknickdecke und Kühltasche erleben. Pferdebesitzer und Reiter werden an Ständen wieder Zubehör vom Sattelfett bis zum Reitstiefel finden. Der große Kutschenkorso durch die Wiesbadener Innenstadt wird am Dienstag, 7. Juni, das Pfingstturnier ab 18 Uhr ankündigen; die Wiesbadener Pferdenacht das Turnier am 10. Juni 2011 eröffnen. Bei den Springwettbewerben sieht das Publikum die besten Reiter der Weltrangliste bei sportlichen Höchstleistungen. Der Große Preis von Wiesbaden wird am Pfingstmontag ausgetragen. Höhepunkt der Dressurwettbewerbe ist traditionell die Grand Prix Kür international unter Flutlicht am Sonntagabend um 21 Uhr. Vom Kleinfeldchen in den Schlosspark Der Wiesbadener Reit- und Fahrclub feiert mit dem Internationalen Reit- und Springturnier das 75-jährige Jubiläum. Als der neu gegründete Club den Wettbewerb im Jahr 1929 zum ersten Mal ausrichtete, war das ein lokal begrenztes Ereignis. Bis heute hat sich das Turnier in den vier Disziplinen Springen, Dressur, Vielseitigkeit und Voltigieren zu einer festen Größe im internationalen Pferdesport entwickelt. Auf dem Sportplatz Kleinfeldchen fing alles an. Doch schon im zweiten Jahr, 1930, war die Turnierfläche zu klein. Der Reit- und Fahrclub zog mit der Veranstaltung auf die frühere Rennbahn in Wiesbaden-Erbenheim um. Aber auch die bot auf die Dauer zu wenig Platz. Zusammen mit der Stadt baute der Club das Turniergelände unter den Eichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Feld allerdings nicht mehr zur Verfügung. Die Amerikaner erteilten dem Reit- und Fahrclub 1949 die Erlaubnis, die Tradition der Wiesbadener Pfingstturniere im Biebricher Schlosspark weiterzuführen. Das erste Turnier wurde 1952 auf dem neuen Platz ausgetragen fand das Pfingstturnier ausnahmsweise im September statt. Der Vorstand musste es wegen der Maul- und Klauen-Seuche in den Herbst verschieben. In diesem Jahr wurde auch erstmals ein Wettbewerb der RIDERS TOUR im Schlosspark ausgetragen. Seitdem kämpfen die Springreiter nicht nur um Weltranglisten- Punkte sondern auch um Wertungspunkte für den Rider of the Year. Text: Anette Schminck, IHK Wiesbaden 18 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011

19 International Die Löwen setzen zum Sprung an Mit Angola, Ghana und Nigeria stellen sich drei Länder der deutschen Wirtschaft vor, die vor allem aufgrund ihres Rohstoffreichtums große Potenziale für Investitionen und den Ausbau von Handelsbeziehungen bieten. Und alle drei senden starke Wachstumssignale an die Weltwirtschaft aus. Nachdem das letzte Jahrzehnt durch ein starkes Wachstum der wirtschaftlichen Beziehungen Afrikas mit China geprägt war, erhoffen sich die afrikanischen Regierungen nun auch ein Anziehen der Nachfrage von europäischer und hier insbesondere von deutscher Seite. Die Vorzeichen sind besser als je zuvor: Afrika hat die Weltwirtschaftskrise nahezu unbeschadet überstanden und steuert in diesem Jahr auf ein Wirtschaftswachstum von rund 7 Prozent zu. Das ist Vorkrisenniveau. Die deutsche Politik hat bereits reagiert und für einen Ausbau des Netzes deutscher Auslandshandelskammern gesorgt. Während in Ghana und Angola neue, so genannte Delegiertenbüros errichtet wurden, ist die Repräsentanz in Nigeria ausgebaut worden. Wegweisende Chancen in Afrika. Foto: DIHK Mit Angola präsentiert sich ein Land, das seit dem Ende des 30-jährigen Bürgerkrieges im Jahr 2002 eine fulminante Entwicklung genommen hat. Finanziert durch seine riesigen Erdölreserven baut das Land derzeit seine marode Infrastruktur auf. Neben Straßen, Schienen und Häfen gehört auch das Gesundheitswesen zu den Sektoren, in denen das Land mit Hilfe ausländischer Technologie in kürzester Zeit seinen Rückstand gegenüber anderen Wachstumsmärkten aufholen möchte. Auch die Versorgung der eigenen Bevölkerung möchte das Land möglichst rasch in den Griff bekommen: Das an Wasserressourcen reiche Land möchte seine riesigen landwirtschaftlichen Flächen mit ausländischem Know-how kultivieren und wie bereits in den siebziger Jahren Exporteur von Nahrungsmitteln werden. Große Probleme ergeben sich durch das hohe Maß an Bürokratie in Verbindung mit einer begrenzten Transparenz von Entscheidungsprozessen der öffentlichen Hand. Die steigende Anzahl vor Ort niedergelassener deutscher Unternehmen zeigt jedoch, dass auch mit einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Korruption und der Bereitschaft, vor Ort mit dem eigenen Unternehmen präsent zu sein, erfolgreiche Geschäfte in Angola gemacht werden können. Ghana gilt als Musterknabe unter Afrikas Staaten, wenn von einer demokratischen Regierungsführung auf Basis rechtstaatlicher Prinzipien die Rede ist. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land bei der Optimierung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen noch einen weiten Weg vor sich hat. Ein Ausbau der Infrastruktur auch in die Nachbarländer hinein ist Voraussetzung, um Ghanas Anspruch als Tor nach Westafrika zu realisieren. Exportorientierte deutsche Unternehmen könnten Ghana dann als sicheren Hafen nutzen und von dort aus weitere Länder in der Region erschließen. Grund zu Optimismus bieten die jüngsten Ölfunde vor der ghanaischen Küste im Golf von Guinea: Das Land wird in den kommenden fünf Jahren in die Top Ten der afrikanischen Erdölexporteure aufsteigen. Dank der verantwortungsvollen Regierungsführung ist damit zu rechnen, dass die zusätzlichen Einnahmen in die Entwicklung des Landes investiert werden und damit breiten Bevölkerungskreisen zugute kommen. Das erhöht die Kaufkraft der Men- HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

20 International schen und die Investitionsmöglichkeiten der ghanaischen Regierung, was zu einer Erweitung der Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen führt. Nigeria hat es zuletzt in die von Top-Ökonomen erstellte Liste der Next-Eleven geschafft. Die Aufnahme des rohstoffreichen Landes in den Kreis lukrativer Zukunftsmärkte ist auch aufgrund der hohen Kaufkraft seiner Bevölkerung und seiner regionalen Integrationsfunktion gerechtfertigt. Viele international agierende Unternehmen, die die Märkte West- und Zentralafrikas bedienen möchten, haben ihren Sitz in der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos. Hier kann die deutsche Wirtschaft bereits seit 1978 auf eine eigene Repräsentanz zurückgreifen. Die deutschnigerianische Energiepartnerschaft ist weiterer Ausdruck der wirtschaftlichen Bedeutung des westafrikanischen Schwergewichts für deutsche Unternehmen. Aber auch das politische Klima spielt beim wirtschaftlichen Austausch eine entscheidende Rolle. Die aktuellen Entwicklungen in der Elfenbeinküste haben vor Augen geführt, dass die politische Situation besonders in Westafrika von einer dauerhaften Stabilität noch weit entfernt ist. Andererseits zeigt das anziehende Interesse deutscher Unternehmen für bilaterale Aktivitäten wie Delegationsreisen und Wirtschaftsforen mit Angola, Ghana und Nigeria, dass das Abwägen von Chance und Risiko immer häufiger zu einem Engagement IHK Veranstaltung vor Ort führt. Dabei profitieren deutsche Firmen von einer äußerst hohen Reputation, die Made in Germany in den Ländern genießt. Das Ziel vieler afrikanischer Regierungen, die Abhängigkeit von asiatischen Investoren zu verringern und stattdessen hohe qualitative, aber auch soziale und ökologische Standards bei sich zu etablieren, soll vor allem mit Unterstützung der deutschen Wirtschaft erreicht werden. Text: Heiko Schwiderowski, DIHK AFRIKA Geschäftschancen in Angola, Ghana und Nigeria Termin: 30. Mai 2011, 15 bis 18 Uhr, in der IHK Wiesbaden. Die Besucher erhalten Infos zu Rahmenbedingungen, Chancen und Risiken, Zahlungsund Sicherungsmöglichkeiten, Erfahrungsberichte, Möglichkeit individueller Gespräche mit den Experten. Programm und Anmeldung: Geschäftsbereich International, Telefon , Was kompliziert aussieht, kann ganz einfach sein! Gutscheincode: HeWi % Rabatt bis Kompliziert ist anders. Einfach und zuverlässig ist der Onlineshop für Präsentationsmappen Hier finden Sie eine große Auswahl an hochwertigen Mappen aus besten Materialien, die nach Ihren Vorgaben bedruckt werden. Durch die leichte Bedienerführung und übersichtliche Struktur erhalten Sie mit nur wenigen Klicks Ihre Mappe im individuellen Layout für gelungene Präsentationen und das zu super Preisen. Eine professionelle Präsentation braucht eine professionelle Verpackung. Für jeden die richtige Mappe Präsentationsmappen Firmenmappen Angebotsmappen Pressemappen Projektmappen 20 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2011 F ÜR JEDEN DIE RICHTIGE MAPPE

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