Anforderungskatalog. zur Bewertung und Zertifizierung mobiler Apps: Check your App / Datenschutz. Version 1.5 Stand 5.

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1 Anforderungskatalog zur Bewertung und Zertifizierung mobiler Apps: Check your App / Datenschutz Version 1.5 Stand 5. September 2013 Der Anforderungskatalog nebst Anlagen und der entsprechende Inhalt sind geistiges Eigentum des TÜV Rheinland, welches nicht von Dritten für eigene kommerzielle Zwecke (z.b. eigene Dienstleistungen und Produkte) verwendet oder vervielfältigt werden darf. Dies gilt weder im gesamten noch auszugsweise! Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 1 von 9

2 INHALTSVERZEICHNIS Einleitung... 3 Prüfprozess... 4 Ebene 1: Eigenerklärung und Funktionstest... 4 Ebene 2: Kontrolle der Berechtigungen... 4 Ebene 3: Bewertung des Datenverkehrs... 5 Anforderungen... 5 Konformität zwischen Eigenerklärung und Test... 5 Kriterien zur Bewertung der Eigenerklärung... 5 Bewertung der Eigenerklärung zu Rahmenbedingungen... 5 Bewertung der Eigenerklärung zu rechtlichen Vereinbarungen... 5 Bewertung der Eigenerklärung zum Datenzugriff und zur Datenverwendung... 5 Bewertung der Eigenerklärung zu Sonderverhalten... 6 Bewertung der Eigenerklärung zu verwendeten Funktionen... 6 Kriterien zur Bewertung des Datenverkehrs... 6 Kriterien zur Bewertung der angeforderten Berechtigungen und ihrer Nutzung... 7 Bewertung der Güte verwendeter Verschlüsselungs- und Hashverfahren... 7 Verschlüsselungsverfahren für die Datenübertragung... 7 Verschlüsselungsverfahren für das Ablegen sensitiver Daten auf dem Gerät... 7 Hashverfahren für das Ablegen sensitiver Daten... 8 Sonstige Anforderungen... 8 Anlagen... 9 Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 2 von 9

3 Einleitung Mit der zunehmenden Vielfalt mobiler Apps, die für Smartphones angeboten werden, stellt sich für einen Benutzer heute immer wieder die Frage, inwiefern diese Apps vertrauenswürdig sind. Moderne Smartphones können eine Vielfalt an sensitiven Daten enthalten persönliche Daten des Nutzers, Positionsdaten, Adressbücher, s und Zugangsinformationen für Online-Dienste sind dafür nur einige Beispiele. Die Architektur des Smartphone- Betriebssystems Android sieht Zugriffsbeschränkungen für Apps dergestalt vor, dass eine App vom Betriebssystem die gewünschten Rechte anfordern muss. Diese Anforderung muss ggf. vom Nutzer bestätigt werden. Die Konsequenzen einer solchen Bestätigung im Einzelnen zu überblicken ist allerdings nicht immer trivial und nicht jedem Nutzer zuzumuten. Apples Smartphone-Betriebssystem ios hingegen benutzt kein Berechtigungssystem im eigentlichen Sinne; es existiert lediglich eine Reihe von Funktionen, bei deren erster Nutzung durch eine App das Betriebssystem automatisch eine Erlaubnis vom Benutzer einholt. Unabhängig von vergebenen Berechtigungen können Apps auf beiden Plattformen Verhaltensweisen an den Tag legen, die datenschutz- und sicherheitstechnisch problematisch sind. Dazu gehört beispielsweise die unverschlüsselte Übertragung sensibler Daten. Eine Zertifizierung mobiler Apps auf der Grundlage eines vordefinierten Anforderungskatalogs kann daher eine große Hilfe für einen Benutzer darstellen, wenn es darum geht, sich für oder gegen die Installation einer App zu entscheiden. Zu diesem Zweck wurde CYA entwickelt, ein Produkt, das die Überprüfung zu zertifizierender Apps gegen eine Reihe von Anforderungen unterstützt. Dieses Dokument beschreibt zum Einen den Prüfprozess für die Zertifizierung einer App unter Zuhilfenahme von CYA; zum Anderen legt es einen Katalog von Anforderungen fest, die eine App für den Erhalt einer solchen Zertifizierung erfüllen muss. Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 3 von 9

4 Prüfprozess Der Prüfprozess für die Zertifizierung einer App besteht aus drei Ebenen: 1. Eigenerklärung und Funktionstest 2. Kontrolle der Berechtigungen 3. Bewertung des Datenverkehrs Auf allen Ebenen dient der Anforderungskatalog in diesem Dokument als Grundlage zur Bewertung der zu zertifizierenden App. Die Ergebnisse der Untersuchungen auf den drei Ebenen werden jeweils archiviert. Die drei Prüfebenen sind in den folgenden Abschnitten näher beschrieben. Ebene 1: Eigenerklärung und Funktionstest Der Prüfprozess sieht vor, dass der Entwickler einer App in einer Eigenerklärung zu ihrem Zweck, ihrem Verhalten, den verwendeten Funktionen, ggf. den angeforderten Berechtigungen, den Zugriff auf Daten und die Verwendung dieser Daten Auskunft gibt. Der Funktionstest überprüft das tatsächliche Verhalten der App hinsichtlich der Konformität zur Eigenerklärung. Sämtliche Abweichungen des App-Verhaltens von der Eigenerklärung sowie andere Auffälligkeiten werden dokumentiert und ausgewertet. Ebene 2: Kontrolle der Berechtigungen Die Eigenerklärung dient auch als Grundlage zur Bewertung der Angemessenheit angeforderter Berechtigungen. Als Beispiel betrachte man zwei fiktive Apps, eine Taschenrechner-App und eine App zur Internet-Telefonie. Die Anforderung von Berechtigungen zum Lesen der Positionsdaten durch die Taschenrechner-App wird zumindest die Frage aufwerfen, warum diese Berechtigungen für die Funktionalität eines Taschenrechners benötigt werden. Hingegen wäre die Anforderung von Berechtigungen zum Lesen des Telefonbuchs durch die Internet-Telefonie-App vollständig plausibel. Solche Übereinstimmungen wie auch Diskrepanzen zwischen beabsichtigter Funktionalität einer App und ihren angeforderten Berechtigungen werden während der Ebene-2- Überprüfung dokumentiert und ggf. in Rücksprache mit dem App-Entwickler weiter Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 4 von 9

5 aufgeklärt. Ebene 3: Bewertung des Datenverkehrs Auf der dritten Ebene des Prüfprozesses wird der Datenverkehr der zu untersuchenden App analysiert und hinsichtlich Abweichungen von der Eigenerklärung sowie bestehenden Sicherheitsstandards bewertet und dokumentiert. Anforderungen Dieses Kapitel legt die Anforderungen für die Vergabe des Prüfzeichens fest. Konformität zwischen Eigenerklärung und Test Alle Angaben in der Eigenerklärung werden im Rahmen des Funktionstests, der Analyse des Datenverkehrs und der Analyse der angeforderten Berechtigungen gegengeprüft. Werden bei diesen Untersuchungen Abweichungen von den Angaben in der Eigenerklärung festgestellt, so kann keine Zertifizierung vergeben werden. Kriterien zur Bewertung der Eigenerklärung Bewertung der Eigenerklärung zu Rahmenbedingungen Zeigt die Eigenerklärung an, dass ein Jailbreak für ihre Verwendung erforderlich ist, so wird kein Siegel vergeben. Bewertung der Eigenerklärung zu rechtlichen Vereinbarungen Zeigt die Eigenerklärung an, dass durch die Verwendung der App oder durch die Verarbeitung der durch die App erhobenen Daten gegen Gesetze, rechtliche Verordnungen oder rechtliche Vereinbarung verstoßen wird, so wird kein Siegel vergeben. Dies gilt insbesondere bei Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Bewertung der Eigenerklärung zum Datenzugriff und zur Datenverwendung Der Zugriff auf und die Verwendung von Daten muss im Einklang stehen mit dem Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 5 von 9

6 angegebenen Zweck der App. Dabei wird Minimalität gefordert damit eine App das Prüfsiegel erhalten kann, darf sie nur die Daten verwenden, die sie aufgrund ihres Zwecks wirklich benötigt. Ob dies gegeben ist, liegt im Ermessen des Prüfers. Sollten Zweifel bestehen, ob der erklärte Datenzugriff und die erklärte Datenverwendung notwendig sind, kann der Prüfer um eine Stellungnahme des Entwicklers ersuchen. Lässt sich dennoch nicht feststellen, dass die verwendeten Daten für den Zweck der App notwendig sind, so darf kein Siegel vergeben werden. Ausnahmen können gemacht werden für Datenzugriffe, die die App zum Zwecke der Werbefinanzierung vornimmt. In diesem Fall ist zwingende Voraussetzung für die Vergabe eines Siegels, dass der Benutzer eindeutig und ausführlich über Datenzugriffe und - verwendung zu Werbezwecken aufgeklärt wird. Bewertung der Eigenerklärung zu Sonderverhalten Mit Sonderverhalten der App sind alle Funktionen gemeint, die nur unter bestimmten Bedingungen auftreten. Derartige Funktionen werden unter Umständen bei einer normalen, zweckgemäßen Verwendung der App nicht auf, sind aber dennoch Teil des Funktionsumfangs der App. Hierfür seien folgende Beispiele explizit genannt: Regelmäßiges (sporadisch) oder getriggertes Verhalten Abhängiges Verhalten von Gerät, OS Version, Lokation, Uhrzeit, etc. Nachladbare Funktionen Updates außerhalb AppStore Derartiges Sonderverhalten muss in der Eigenerklärung explizit benannt und die Bedingungen zum Eintreten dieses Verhaltens nachvollziehbar beschrieben werden. Bewertung der Eigenerklärung zu verwendeten Funktionen Kriterien zur Bewertung des Datenverkehrs Der Datenverkehr, der von der App erzeugt wird, wird auf das Vorhandensein einer Reihe von Inhalten untersucht. Diese Inhalte sind in der Anlage Klassen von zu überprüfenden Daten festgelegt. Dabei wird auch festgehalten, ob diese Daten verschlüsselt oder unverschlüsselt übertragen werden. Daten, die in der Anlage als zu verschlüsseln markiert sind, dürfen nur verschlüsselt übertragen werden; anderenfalls Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 6 von 9

7 darf kein Siegel vergeben werden. Kriterien zur Bewertung der angeforderten Berechtigungen und ihrer Nutzung Die Betriebssysteme Android und ios unterscheiden sich im Punkt Berechtigungen stark. Android verwendet ein fein granuliertes Berechtigungskonzept, das Berechtigungen in Klassen einteilt, von denen einige auch nur dem Betriebssystem oder privilegierten Applikationen zur Verfügung stehen. Eine Applikation fordert eine Berechtigung an und das Betriebssystem entscheidet, ob diese gewährt wird. ios hingegen verfügt nicht im eigentlichen Sinne über ein Berechtigungskonzept. Es existiert lediglich eine Reihe von Funktionen, bei deren erstmaliger Nutzung durch eine App das Betriebssystem eine Erlaubnis vom Benutzer einholt. Die konkreten Kriterien für die Bewertung von Berechtigungen sind abhängig vom Betriebssystem und der Betriebssystem-Version. Diese sind den jeweils aktuellen Anlagen Kriterien zur Bewertung angeforderter Berechtigungen und ihrer Nutzung auf der Android- Plattform und Kriterien zur Bewertung verwendeter Funktionen auf der ios-plattform zu entnehmen. Bewertung der Güte verwendeter Verschlüsselungs- und Hashverfahren Verschlüsselungsverfahren für die Datenübertragung Werden sensitive Daten wie in Anhang A aufgelistet über eine Netzwerkverbindung übertragen, so muss dafür TLS oder SSLv2 verwendet werden. Werden die Daten unverschlüsselt übertragen oder mittels anderer Methoden verschlüsselt, so darf kein Siegel vergeben werden. Verschlüsselungsverfahren für das Ablegen sensitiver Daten auf dem Gerät Werden sensitive Daten wie in Anhang A aufgelistet lokal gespeichert, so müssen diese verschlüsselt abgelegt werden. Die Verschlüsselung muss dabei einem Industriestandard entsprechen. Anderenfalls darf kein Siegel vergeben werden. Für diese Anforderung können Ausnahmen gemacht werden, beispielsweise um die Weiterverwendung solcher Daten auf anderen Geräten des Benutzers nicht Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 7 von 9

8 unverhältnismäßig zu behindern. Dies liegt im Ermessen des Prüfers. 1 Hashverfahren für das Ablegen sensitiver Daten Verwendet eine App Hashverfahren für das Ablegen sensitiver Daten wie beispielsweise Passwörter, so darf nur dann ein Siegel vergeben werden, wenn eines der folgenden Verfahren verwendet wird: Salted SHA-1 Salted SHA-2 Sonstige Anforderungen Das Prüfsigel für eine App verfällt, wenn sich durch ein Update der App wesentliche Funktionsänderungen ergeben. Als wesentlich werden dabei solche Änderungen angesehen, die zu Änderungen an der Eigenerklärung führen würden. 1 Ein Beispiel für eine legitime Ausnahme wäre eine Fotografie-App, die Bilddateien im externen Speicher ablegt. Hier ist es plausibel, dass der Benutzer in der Lage sein soll, die Bilddateien unabhängig von der App weiterzuverwenden. Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 8 von 9

9 Anlagen Die folgenden Anlagen ergänzen diesen Anforderungskatalog und können auf Nachfrage eingesehen werden: Anlage Klassen von zu prüfenden Daten Anlage Kriterien zur Bewertung angeforderter Berechtigungen und ihrer Nutzung auf der Android-Plattform Anlage Kriterien zur Bewertung verwendeter Funktionen auf der ios-plattform Herausgeber: TÜV Rheinland Cert GmbH Seite 9 von 9

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