Wer hat was? Medienausstattung von Jugendlichen

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1 Wie wichtig sind Medien für Jugendliche? Die Studie Jugend, Information und (Multi-) Media 2012, kurz genannt JIM, geht diesen und vielen weiteren Fragen auf den Grund. Digitale Medien bereichern bereits seid einigen Jahren unsere Gesellschaft und sind aus dieser nicht mehr weg zu denken. Besonders Jugendliche orientieren sich an diesen Medien, viel mehr noch, sie wachsen in einer digitalisierten Gesellschaft auf und erleben die Mediatisierung als Teil ihres Entwicklungsprozesses. Für Kinder und Jugendliche gehören Radio, Fernsehen, Smartphones, Tablets, soziale Netzwerke und vielfältige Apps einfach dazu. Dabei erfüllen alle Medien verschiedene Zwecke, sei es zum Informationsaustausch, der Freizeitgestaltung, Arbeitsorganisation oder der simplen Unterhaltung. In der medienpädagogischen Jugendarbeit interessiert uns vor allem wie Jugendliche verschiedene Medien nutzen und in welchem Zusammenhang die Nutzung geschieht. Daneben ist es uns wichtig Medien gezielt einzusetzen und damit bestimmte inhaltliche Themen, die nicht immer mit den Präferenzen in der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen einher gehen, zu erarbeiten (z. B. Politik, Kritischer Konsum, Glaube). Dabei lassen wir auch medienkritische Aspekte wie Cybermobbing, Datenmissbrauch sowie fragwürdige Inhalte nicht außer Acht. Jedoch ist es uns wichtig neben möglichen Problemfeldern auch die Chancen aufzuzeigen, die durch die vielfältigen Möglichkeiten an Kommunikation, Gestaltung und Informationsvermittlung möglich sind. Deswegen steht die Vermittlung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen deutlich im Fokus unserer Arbeit. Es ist wichtig, dass Jugendliche gemeinsam mit Erwachsenen diese Medienwelt entdecken können. Zu diesem Zweck veröffentlicht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest jährlich die Studie Jugend, Information und (Mutli-)Media in Hinblick auf den Medienumgang von 12- bis 19 Jährigen. Im Jahr 2012 stand dabei besonders die Wichtigkeit und Glaubwürdigkeit der Medien (JIM 2012, S. 4) im Vordergrund. Wer hat was? Medienausstattung von Jugendlichen Bevor wir uns den inhaltlichen Schwerpunkten zuwenden, ist es zunächst erforderlich einen Blick auf die Medienausstattung zu werfen. Dabei spielt nicht allein der Besitz eines Mediums eine Rolle, sondern auch dessen vielfältige Nutzung. So ist es für Jugendliche nicht ungewöhnlich das Smartphone zum Radio hören und Spielen zu benutzen, neben dem eigentlichen oder ursprünglichen Zweck des Telefonierens. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von Medienkonvergenz, d. h. ein Medienprodukt bietet den Zugang zu vielfältiger Nutzung. Medien und die dazugehörigen Geräte nähern sich immer mehr an und verschmelzen miteinander. (JIM 2012, S. 6) Für den Medienhaushalt 2012 sieht man z. B. das gerade Smartphones und Tablets, die vielfältig nutzbar sind, eine Zunahme um 20 % gegenüber dem Vorjahr in deutschen Haushalten erreichen. 1

2 Dabei bleiben die Printmedien nicht außen vor. Sie sind mit 59 % weiterhin fester Bestandteil der jugendlichen Alltagswelt. (vgl. JIM 2012, S. 6 f.) Wer macht was? Freizeitaktivitäten von Jugendlichen Das Medien in der jugendlichen Alltagswelt eine übergeordnete Rolle spielen, steht außer Frage, aber auch Freizeitaktivitäten die nicht im direkten Zusammenhang mit Medien stehen, bilden einen bedeutende[n] Bestandteil des Alltags. (JIM 2012, S. 9) Dabei stehen Treffen mit der Peer-Group, also den Gleichaltrigen, an erster Stelle (inwiefern dort wieder Medien eingesetzt werden, lässt die Studie offen). Es folgen Sport und Familienunternehmungen. Für die Arbeit im kirchlichen Kontext ist es besonders interessant, dass laut JIM 20 % der Jugendlichen mindestens einmal in zwei Wochen den Gottesdienst besuchen und die Zugehörigkeit zu einer kirchlichen bzw. religiösen Gruppe sogar einen Gesamtanteil von 21 % ausmacht (vgl. JIM 2012, S. 10 f.). Dies bedeutet einen Zuwachs in religiösen Gruppen von 2% gegenüber Da Medien uns im Alltag rund um die Uhr begegnen, ist es für die Gruppe der 12- bis 19 Jährigen selbstverständlich, auch Medien in ihrer Freizeit zu nutzen. Dabei steht das Internet mit 68 % täglich an erster Stelle, weiterhin dicht gefolgt vom Fernsehen. (vgl. JIM 2012, S. 12 f.) 2

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4 Ich kann nicht ohne! Wichtigkeit der Medien Die JIM 2012 hat den Fokus der Studie auf die Wichtigkeit der Medien für den Einzelnen gelegt, denn die subjektive Wichtigkeit kann auch losgelöst von der Häufigkeit der Nutzung betrachtet werden (JIM 2012, S. 14) Dabei steht gerade das Hören von Musik bei Jugendlichen auf Platz 1, egal auf welches Medium hierbei zurückgegriffen wird. Dicht gefolgt von der Internetnutzung und dem Handy. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch im Bereich des Gendermainstream. So bevorzugen Mädchen mit 65 % das Lesen von Büchern (Jungen nur 45 %). Dafür liegen PC-/Videospiele bei Jungen mit 63 % hoch im Kurs (Mädchen nur 29%). Mit zunehmenden Alter lässt sich eine Verschiebung der Wichtigkeit zu Internet und Tageszeitung feststellen, dagegen nimmt der Stellenwert des Fernsehens sowie von Computer- und Konsolenspielen (JIM 2012, S. 15) ab. Nicht zu unterschätzen für die Wichtigkeit der Medien ist auch der Bildungshintergrund der Jugendlichen. Das Lesen von Büchern und Tageszeitungen wird von Jugendlichen mit formal höherer Bildung als deutlich wichtiger empfunden (Tageszeitung lesen: Hauptschule: 32 %, Realschule: 33%, Gymnasium: 48%). Das Gleiche gilt auch in gewissem Maß für die Wichtigkeit des Internets. Dies wird bei Gymnasiasten ebenfalls bedeutsamer angesehen als bei Hauptschülern. (vgl. JIM 2012, S. 14 f.) 4

5 Vertrauen ist gut! Glaubwürdigkeit der Medien Informationsfluten soweit das Auge reicht. Nie gab es die Möglichkeit sich so vieler Quellen zu bedienen wie bisher. Besonders im Mitmach-Web kann jeder zum Informant werden und wenn er möchte damit die gesamte Öffentlichkeit erreichen. Für Kinder und Jugendliche ist es daher besonders wichtig zu selektieren, Medien kritisch zu hinterfragen und einzelne Angebote zu bewerten. Für den Großteil der Jugendlichen ist die Tageszeitung immer noch das vertrauenswürdigste Medium (vgl. JIM 2012; S. 16). Dahinter folgen Fernsehen und Radio. Informationen aus dem Internet sind mit nur 11% für Jugendliche wenig glaubwürdig. Wobei auch hier der Genderfaktor Unterschiede aufzeigt. So glauben junge Männer (15%) deutlich häufiger an den Wahrheitsgehalt des Internets als Mädchen (7%). Im Vergleich mit den unterschiedlichen Bildungsmilieus zeigt sich, dass Hauptschüler dem Fernsehen mehr Glaubwürdigkeit entgegenbringen, als der Tageszeitung. (vgl. JIM 2012, S. 16 f.) Daily Soap war gestern - Scripted Reality Formate Neben bekannten Soaps wie GZSZ und Verbotene Liebe hat sich die Fernsehlandschaft weiter entwickelt und so sieht man beim zappen durch das heutige Programm deutlich häufiger Scripted Reality Serien. Einige fragen sich jetzt sicherlich Was soll das denn sein?. Nun, das sind erfundenen Geschichten, die von Laiendarstellern nach einem vorgegeben Drehbuch (Script) relativ frei umgestzt werden. (JIM 2012, S. 26). Dabei werden Formate wie Familien im Brennpunkt oder Berlin Tag&Nacht besonders bei der Gruppe der 12- bis 15 Jährigen zumindest ab und zu gesehen und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Neben dem Bekanntheitsgrad solcher Serien wurden die Jugendlichen auch nach deren Realitätsgehalt befragt. Dabei zeigt sich besonders in den unterschiedlichen Bildungsschichten ein gravierender Unterschied. So halten 26% der Hauptschüler,im Gegensatz zu 9% der Gymnasiasten, die Geschichten für wahr. 5

6 Fazit Zusammengefasst lässt sich in der JIM Studie 2012 feststellen, dass Jugendliche sich medial ständig weiterentwickeln und die Medien auf unterschiedlichste Art und Weise nutzen. Die deutschen Haushalte sind flächendeckend mit Computer, Handy und Fernsehen ausgestattet. Ein deutlicher Zuwachs erfolgt bei Smartphones und Tablets. Dies tut den üblichen Freizeitaktivitäten jedoch keinen Abbruch. Jugendliche treffen sich auch weiterhin mit Freunden und sind in Vereinen und kirchlichen Organisationen aktiv. Die Annahme vieler Erwachsener, dass die Mediennutzung unreflektiert und unhinterfragt erfolgt, kann nicht bestätigt werden. Im Hinblick auf die Wichtigkeit der Medien und in diesem Zusammenhang insbesondere der Musik können ebenfalls keine weitreichenden Veränderungen festgestellt werden. Musik galt und gilt schon immer als wichtiges Medium in der Entwicklungsphase von Jungen und Mädchen. Dennoch ist es im Zuge der ständigen Erneuerungen von Medien wichtig, dass Jugendliche, ebenso wie Erwachsene, in ihrer Medienkompetenz gefördert werden und Erwachsene den Mut zeigen, sich gemeinsam mit Jugendlichen darauf einzulassen. Wer sich ausführlicher mit der JIM Studie 2012 beschäftigen möchte und gerne weitere Einblicke in die Bereiche Bücher, Musikvideos sowie die Probleme im Umgang mit den Sozialen Netzwerken erhalten möchte, kann dies unter tun. Text: Mareike Zimmer, Medienpädagogin beim BDKJ Limburg Bildnachweis: Seite 1: Miriam Oddy Ihana / CC-Lizenz(by-nc) Seite 5: Tino Höfert / CC-Lizenz(by-nc) Seite 6: Yvette Wenzel / CC-Lizenz(by-nc-nd) 6

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