Nachhaltig effizienter produzieren mit Manufacturing Execution Systemen

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1 Whitepaper März 2014 Zukunftssicher in Richtung Industrie 4.0 Nachhaltig effizienter produzieren mit Manufacturing Execution Systemen

2 Heute schon auf zukunftssichere Technologie setzen Mit MES langfristig effizienter produzieren Dass Manufacturing Execution Systeme (MES) sowohl Transparenz als auch Effizienz in der Produktion steigern, ist mittlerweile unbestritten. Aber welche Rolle spielen moderne MES- Systeme in Zukunft? Welche Herausforderungen meistert Fertigungs-IT heute schon und wie werden sich die Anforderungen mit Blick auf Industrie 4.0 ändern? Was ändert sich mit Industrie 4.0? An der Schwelle zur vierten industriellen Revolution müssen alle fertigungsnahen Systeme beweisen, dass sie mit den hoch gesteckten Erwartungen und ständig wechselnden Anforderungen an die Produktion umgehen können. Neben der kurzfristigen Flexibilität ist nun auch Wandlungsfähigkeit gefragt, um langfristige Trends aufgreifen zu können. Zudem wird die Standardisierung mit Blick auf mehr Vielfalt im Maschinenpark immer bedeutender. Egal, wie intelligent dezentrale Systeme werden, MES-Systeme werden als Datendrehscheibe benötigt. Gerade der Umgang mit großen Datenmengen und eine umfassende Vernetzung von vielen unterschiedlichen produktionsnahen Systemen werden in Zukunft wichtige Themen sein. Prinzipiell berücksichtigt MES diese Anforderungen bereits, so dass es die beste Startposition im Rennen um Industrie 4.0 hat. Effizienter Produzieren mit MES MES-Systeme sind aus einem modernen Fertigungsunternehmen nicht mehr wegzudenken und genießen immer häufiger den Status eines strategischen Systems neben dem überlagerten ERP-System (Enterprise Ressource Planing). MES steht allerdings nicht in Konkurrenz zur ERP-Ebene, sondern ergänzt die dort angesiedelte langfristige Planung durch einen echtzeitfähigen Blick und die Steuerungsmöglichkeiten der Produktion. Die Zielsetzung einer MES-Lösung ist je nach Unternehmen breit gefächert und reicht von Nutzgrade erhöhen und Energiekosten senken über Qualität und lückenlose Dokumentation sichern bis hin zur Erhebung belastbarer produktionsnaher Kennzahlen (KPI) fürs Con trolling. Die Aufgaben eines MES orientieren sich dabei an der VDI-Richtlinie 5600 und decken im Idealfall neben der Fertigung an sich auch die Die Aufgaben eines Manufacturing Execution Systems gemäß der VDI- Richtlinie Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

3 Bereiche Personal und Qualität ab. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass MES-Systeme in Fertigungsunternehmen für mehr Effizienz und Transparenz sorgen. Typische und spezielle Herausforderungen Zwar bringt der Einsatz einer bewährten Standardsoftware viele Vorteile mit sich, jedoch kommt in Zeiten individueller Kundenanforderungen kaum mehr ein Unternehmen um die Abbildung spezieller Abläufe herum. Ausschlaggebend ist hierbei, wie flexibel eine MES-Lösung ist. Von Vorteil ist neben einem modularen Aufbau des MES auch ein serviceorientierter Ansatz (SOA), da auf dieser Basis viel einfacher Funktionalitäten hinzugefügt, verändert oder entfernt werden können, ohne die Integrität des gesamten Systems zu beeinträchtigen. Beispielsweise kann der für bestimmte Kunden erforderliche, spezifische Umgang mit Materialchargen bereits dazu führen, dass kundenspezifische Anpassungen nötig werden. Außerdem müssen MES-Systeme sowohl auf kurz- als auch langfristige Veränderungen reagieren. Neben systemseitiger Programmierung, die mit Kosten und Aufwand verbunden ist, ermöglicht die praxiserprobte MES-Lösung HYDRA von MPDV unter dem Oberbegriff Customizing vielerlei Anpassungsmöglichkeiten durch Scripting (User Exits), Konfiguration, durch den Anwender nutzbare Entwicklungstools, Benutzerdatenfelder und erweiterte Benutzereinstellungen (Extended Parameter Setting) oftmals sogar ohne Eingriff des Herstellers. Mit Blick auf Industrie 4.0 werden Customizing und einfache Konfigurierbarkeit signifikant an Bedeutung zunehmen, um die immer flexibleren Fertigungskonzepte abbilden zu können. Eine wechselnde Anordnung und Konfiguration von Maschinen und Anlagen, welche in der Industrie 4.0 an der Tagesordnung sein wird, kann nur in einem modernen MES-System abgebildet werden, dass diese Veränderungen ohne großen (Programmier-)Aufwand unterstützt. Heterogener Maschinenpark Zusätzlich zur Variabilität innerhalb des Maschinenparks wird auch die Vielfalt der Maschinen an sich zunehmen. Bereits heute sehen sich MES-Systeme vor der Herausforderung, mit Maschinen auf unterschiedliche Art zu kommunizieren, um Daten für die Planung im Leitstand bzw. für Auswertungen abzugreifen. Je nach Maschinengattung ist auch die Übertragung von Einstelldaten bzw. NC-Programmen von Bedeutung. Selbst in klassischen Branchen (z.b. Kunststofffertigung oder Metallverarbeitung) kommen moderne Fertigungsunternehmen nicht mehr mit Maschinen eines Typs bzw. eines Herstellers aus. Beispielsweise nutzen sie zur Verkettung einzelner Fertigungsschritte immer mehr automatische Transportmechanismen und Roboter, die mit den produzierenden Maschinen synchronisiert werden müssen. Zudem bieten viele Maschinen deutlich mehr Daten an, als ein MES zur sinn- Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

4 Der Process Communication Controller (PCC) regelt die Kommunikation zwischen Maschinen / Anlagen und dem MES HYDRA. Er greift dabei auf eine umfangreiche Bibliothek standardisierter Schnittstellen zu. vollen Auswertung benötigt. Hier gilt es im Vorhinein abzuschätzen, welche Informationen genutzt werden sollen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Maschinenschnittstellen grundsätzlich von einer Standardisierung profitieren und daher einer Individuallösung vorzuziehen sind. Die MES-Lösung HYDRA kommuniziert mit Maschinen und Anlagen genauso wie mit Messmitteln, Waagen und sonstigen Erfassungshilfsmitteln über eine Bibliothek standardisierter Schnittstellen, deren Datenübertragung der Process Communication Controller (PCC) verwaltet. Je nach Bedarf und Konfiguration greift der PCC die gewünschten Daten direkt an der Maschine ab und überträgt diese in die zentrale Produktionsdatenbank. Daraus werden die Daten für die Weiterverarbeitung in den einzelnen Softwaremodulen abgerufen. Dazu stehen dem PCC neben einfachen Datei-Interfaces und seriellen Schnittstellen auch komplexe Datenprotokolle für bestimmte Branchen wie beispielsweise Euromap 63 für Kunststoffspritzguss oder der Weihenstephaner Standard für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie zur Verfügung. Selbstverständlich verfügt der PCC auch über einen OPC-Client. Universelle Maschinenschnittstelle Um die Standardisierung noch einen Schritt weiter zu treiben, hat MPDV die universell einsetzbare Maschinenanbindung UMCM (Universal Machine Connectivity for MES) initiiert. Hierbei handelt es sich um eine kompakte Schnittstelle, die nicht nur die Transportschicht (auf Basis von OPC oder anderen Standards) sondern auch die Anwendungsschicht umfasst. Einfache, standardisierte Datentelegramme übergeben Maschinenstatus, Mengen, Zählerstände und Prozessdaten inkl. Zeitstempel an das MES-System. Ziel dieser Entwicklung ist ein quasi Plug&Work-Standard Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

5 Mit möglichst geringem Aufwand sollen die Anwender mit UMCM Maschinen aller Art mit den wichtigsten Parametern an ein MES-System angebunden werden. Die Idealvorstellung ist hierbei das Plug&Play-Prinzip, welches von USB im IT-Umfeld bekannt ist. zur unkomplizierten und zeitsparenden Anbindung von Maschinen und Anlagen an ein MES-System. Zur Zeit wird UMCM unter Mitwirkung des MES D.A.CH-Verbands auf dem Markt und bei den Maschinen- und Steuerungsanbietern etabliert. Auch unter Industrie 4.0-Gesichtspunkten ist die Standardisierung von Maschinenschnittstellen wichtig schließlich sollen in Zukunft Maschinen, Werkzeuge und sogar Werkstücke vernetzt werden und dezentral miteinander kommunizieren. Hierfür ist eine gemeinsame Sprache und eine einheitliche Datendrehscheibe unverzichtbar. Mobiles Produktionsmanagement Je flexibler Fertigungsprozesse und je großflächiger Produktionsanlagen werden, umso wichtiger wird auch die Mobilität der Mitarbeiter. So gewinnen sowohl Werker als auch Meister und Manager aller Ebenen an Flexibilität, wenn Sie nicht mehr auf ortsgebundene PCs oder Erfassungsterminals angewiesen sind, um mit dem MES-System zu interagieren. Hierzu bietet sich die Nutzung von gängigen Mobile-Devices wie Smartphones und Tablet-PCs an. Wichtig ist hierbei, dass durch die mobilen Geräte keine zusätzlichen Schnittstellen entstehen, die wiederum erhöhten Pflegeaufwand mit sich bringen. Die Smart MES Applications (MES) von MPDV erweitern die bekannte MES-Lösung HYDRA um die Möglichkeit, Smartphones und Tablet-PCs dazu zu nutzen, Daten zu erfassen und auszuwerten. SMA greift dabei auf die gleichen Mechanismen wie die ortsgebundenen HYDRA-Clients im Büro bzw. im Shopfloor zu. Ein innovatives Framework stellt sicher, dass sich die Darstellung der Dialoge und Auswertungen sowohl an den Fähigkeiten des Endgeräts als auch den Bedürfnissen der Anwender orientiert. Einfacher gesagt: Die angezeigten Daten resultieren aus den jeweiligen Benutzerberechtigungen und der zur Verfügung stehenden Bildschirmauflösung. Damit hat der mobile Anwender immer die passenden Daten in der richtigen Form zur Hand und kann alltägliche Aufgaben in der Fertigung smarter erledigen. Zahlreiche App-Angebote belegen, dass mobile Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

6 MES-Anwendungen keine Zukunftsmusik mehr sind, aber in Zukunft nicht mehr aus einer modernen Fabrik und schon gar nicht aus Industrie 4.0 wegzudenken sind. Ausblick Auch wenn viele Anbieter von Software und Hardware mittlerweile behaupten, dass sie Komponenten haben, die zu 100% Industrie 4.0-tauglich sind, so ist der Weg bis zur praxisgerechten Nutzbarkeit dieser innovativen Ansätze noch weit. Es sei zudem davor gewarnt, übereilt in vordergründige Industrie 4.0-Lösungen zu investieren, die sich in ein paar Jahren möglicherweise als inkompatibel herausstellen. Vielmehr sollten sich Fertigungsunternehmen nach wie vor auf das hier und jetzt konzentrieren, dabei aber die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Daher empfehlen die MES-Experten von MPDV, vorhandene MES- Lösungen auszubauen bzw. ein integriertes MES- System gemäß VDI 5600 einzuführen. Da aber auch die beste Software kein Allheilmittel ist, sollten im Zuge einer MES-Implementierung auch Die Smart MES Applications ermöglichen den mobilen Zugriff auf Fertigungsdaten. die Prozesse an sich analysiert und im Sinne von Lean Manufacturing optimiert werden. Der Weg zur perfekten Produktion ist kein Hexenwerk, sollte aber dennoch mit Bedacht beschritten werden. Was auch immer Industrie 4.0 bringen wird mit optimierten Prozessen und einem integrierten MES-System legen Fertigungsunternehmen einen wichtigen Grundstein für die Zukunft. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

7 Zukunftskonzept MES 4.0 Um den neuen Anforderungen von Industrie 4.0 gerecht zu werden, hat die MPDV Mikrolab GmbH das Zukunftskonzept MES 4.0 entwickelt und konkretisiert die identifizierten Handlungsfelder nun sukzessive. Dezentralität: Flexibler Umgang mit intelligenten und autonomen Systemen Interoperabilität: Standardisierte Synchronisation mit anderen Systemen Flexibilität: Konfiguration statt aufwendiger Programmierung Online-Fähigkeit: Echtzeitfähigkeit und Überbrückung von Netzwerkausfällen Integratives Datenmanagement: zentrale und themenübergreifende Datenhaltung Horizontale Integration: Vermeidung von Schnittstellen und Insellösungen Management Support: Managemententscheidungen auf Basis belastbarer Kennzahlen Unified Shopfloor Connectivity: Standardisierte Anbindung des Maschinenparks Mobilität: Nutzung mobiler MES-Anwendungen für smarte Prozessabbildung Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

8 Funktionen, Wirkungsweise und Nutzen MES-Lösungen in der Praxis Mit einem integrierten Manufacturing Execution System (MES) können produzierende Unternehmen auch trotz eines hohen Automatisierungsgrades noch versteckte Wertschöpfungspotenziale aufdecken und damit ihre Fertigung am Standort Deutschland sichern. Neben einer Erklärung der Funktionen und deren Wirkungsweise, berichten langjährige MES-Anwender von den realisierten Nutzen. Der Begriff MES versteht sich als Zusammenfassung fertigungsnaher Softwaretools, die in ihrer Gesamtheit einen effizienten Umgang mit Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette ermöglichen. In vielen Köpfen schwirren noch Begriffe wie Betriebsdatenerfassung, Fertigungsleitstand, Materialwirtschaft oder CAQ herum eine integrierte MES-Lösung fasst alle diese Funktionen zu einem modularen System zusammen und bietet somit einen ganzheitlichen Blick auf alle an der Produktion beteiligten Ressourcen. Ganz egal, ob es sich um das Verarbeiten von Metall handelt, um die Herstellung von Kunststoffteilen oder die Verpackung von Lebensmitteln, mit einem MES-System können Optimierungspotenziale entlang des kompletten Herstellungsprozesses ermittelt werden. Von der Planung zur Steuerung Zur Planung von Fertigungsaufträgen existieren viele Lösungen auf dem Markt. Die meisten haben jedoch keine Kenntnis über die aktuelle Situation in der Produktion und planen gegen Dezentrale Feinplanung von Arbeitsgängen die grafische Plantafel zeigt die Ist-Daten aus dem Shopfloor, die aktuelle Belegungssituation und die Auslastung des Maschinenparks. unendliche Kapazität. Erst durch die direkte Anbindung des Shopfloors wird aus der reinen Planung eine punktgenaue Fertigungssteuerung. Unerwartete Ereignisse werden sofort erkannt und die verantwortlichen Mitarbeiter können zeitnah reagieren. Sollte beispielsweise eine Maschine ausfallen, kann mittels grafischer Feinplanung im MES-System geprüft werden, welche Alternativen zur Verfügung stehen und wie sich das auf die Gesamtheit aller Aufträge auswirkt. Datenerfassung und -auswertung Um schnelle Regelkreise für eine optimale Fertigungssteuerung nutzen zu können, müssen Daten in der Fertigung erfasst werden, die Auskunft über die aktuellen Maschinenzustände, die laufenden Aufträge und deren Fortschritt geben. Durch eine kostengünstig zu realisie- Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

9 Entscheidungsfindung sei es kurz-, mittel- oder langfristig. Aktuelle Informationen papierlos direkt am Arbeitsplatz: dank MES-System kann sich der Werker auf seine Arbeit konzentrieren, ohne an Handaufschreibungen und Mengenzählung denken zu müssen. rende, direkte Maschinenanbindung können viele Daten automatisch übernommen werden andere, wie zum Beispiel das An- und Abmelden von Aufträgen, werden über industriegerechte Terminals direkt an der Maschine erfasst. Somit entsteht den Werkern kein zusätzlicher Aufwand durch Handaufschreibungen und außerdem stehen die Informationen in Echtzeit zur Verfügung, was ein schnelles Reagieren ermöglicht. Zahlreiche grafische und tabellarische Auswertungen oder individuell gestaltete Kennzahlensysteme unterstützen die Meister, Schichtleiter und auch das Produktionsmanagement bei der Maschinen, Werkzeuge und Material Eine ganzheitliche MES-Lösung verwaltet alle fertigungsnahen Ressourcen. Dazu gehören einerseits die Maschinen, Werkzeuge und sonstigen Fertigungshilfsmittel (z.b. Vorrichtungen, NC-Programme, Einstelldatensätze), aber andererseits auch das Material vom Rohstoff über Halbfabrikate bis hin zum fertigen Produkt. Dank einer zentralen Datenbank können alle Ressourcen geplant und ausgewertet werden. Beispielsweise ist eine Verfügbarkeitsprüfung für Werkzeuge und Material bei der Einplanung eines Auftrags im Leitstand ebenso möglich wie die Rückverfolgung von Materialchargen. Grafischer Maschinenpark ein virtueller Blick in die Produktion sorgt für Übersicht und Transparenz. Maschinenübersicht im MES anhand dieser Informationen können Verbesserungsprozesse angestoßen und Entscheidungen über Neuinvestitionen getroffen werden. Personalzeit und -planung Eine immer wichtiger werdende Ressource ist qualifiziertes Personal. Dank der integrierten Datenbank können die in der Personalzeiterfassung über Kommt-/Geht-Stempelungen bzw. Schichtpläne erfassten Anwesenheits- und Fehlzeiten mit den Buchungen in der Fertigung abgeglichen werden. Hieraus lassen sich neben vielen Auswertungen auch prämien- bzw. leistungsbasierte Entlohnungssysteme aufbauen. Durch eine auftragsabhängige Personaleinsatzplanung können die zur Verfügung stehenden Mitarbeiter Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

10 gemäß ihrer Qualifikation optimal und effizient eingesetzt werden. Qualitätssicherung Der dritte große Bereich, der mit einem MES- System nach VDI-Richtlinie 5600 neben den Themen Fertigung und Personal abgedeckt werden muss, ist das Qualitätsmanagement. Die zentrale Datenbank und schnittstellenfreie Softwarearchitektur ermöglicht es, dass parallel zu den Fertigungsaufträgen auch Prüfpläne erstellt werden können. Daraus abgeleitet, steht bei der Anmeldung eines Auftrags am BDE-Terminal somit gleich der passende Prüfauftrag zur Verfügung. Nach definierten Intervallen (zeit- oder taktbasiert) werden Prüffälligkeiten automatisch ermittelt und anstehende Prüfungen direkt am BDE-Terminal signalisiert. Der Werker gibt die Prüfergebnisse per Touchscreen-Tastatur ein oder übernimmt die Messwerte direkt aus einem angeschlossenen Prüfmittel (z.b. digitaler Messschieber). Auch hier werden Arbeitsabläufe optimiert, da alle Tätigkeiten bedienergeführt an einem Erfassungsterminal in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes vorgenommen werden können. Fertigungsbegleitende Prüfung mit HYDRA. Kennzahlen Ein wichtiges Werkzeug für das Management sind Kennzahlen. Aus den erfassten Daten im MES-System lassen sich sowohl standardisierte als auch individuelle Kennzahlen berechnen und zum Beispiel in einem Kennzahlen-Cockpit visualisieren. Auch hier zeigen sich die Vorteile der Echtzeitfähigkeit des MES. Schichtbezogene Kennzahlen stehen unmittelbar nach Schicht ende zur Verfügung. Kontinuierlich berechnete Werte werden ständig aktualisiert und geben jederzeit den aktuellen Status wieder. Das Kennzahlensystem MES-Cockpit. Alles aus einer Hand Die Vorteile einer integrierten MES-Lösung mit zentraler Datenbank liegen auf der Hand: Alle beteiligten Ressourcen können übergreifend und schnittstellenfrei erfasst, geplant und ausgewertet werden. Auf Störungen, die unterschiedliche Ursachen haben, kann frühzeitig und flexibel reagiert werden. Durch die Konsolidierung von Erfassungsvorgängen können Arbeitsabläufe optimiert werden. Die Administrationsaufwände der MES- Lösung sind minimal, da es sich um ein einziges System handelt und keine Daten redundant gepflegt werden müssen. Dank des modularen Aufbaus kann die Einführung des MES-Systems schrittweise erfolgen und damit ideal an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

11 Best-Practice MES: HYDRA von MPDV Ein bewährtes Beispiel für eine ganzheitliche MES-Lösung ist HYDRA von MPDV, das dank seiner flexiblen Konfigurierbarkeit in vielen Branchen zum Einsatz kommt. Namhafte HYDRA- Anwender sind beispielsweise: Amcor, Carl Zeiss, Diehl, Dorma, ERNI, GEDIA, geobra Brandstätter (Playmobil), Gerhardi, Grohe, Halberg Guss, Hamberger, Harting, Hirschvogel, Hoppe, Kirchhoff, Lydall, Oechsler, Paul Craemer, Reinert, Ruch Novaplast, Takata, Tyco Electronics, Weber-Hydraulik, um nur einige Unternehmen zu nennen. Zitat von Uwe Herrmann, Leiter IT / Organisation, bei der GEDIA Automotive Gruppe: GEDIA setzt in der Fertigung seit vielen Jahren auf das MES-System HYDRA mit Erfolg. Wir nutzen die unterschiedlichen Module sehr standardnah. Anders als klassische BDE- bzw. MES-Systeme hat HYDRA den wesentlichen Vorteil, von der Planung bis zur Prozessoptimierung sehr zeitnah und aktuell an der Fertigung zu sein. Gerade in der Automotive-Branche mit seinen dynamischen Prozessen ist Flexibilität in der Fertigung sehr wichtig. Die hohe Akzeptanz von HYDRA bei den Mitarbeitern in der Produktion ist ein weiterer Vorteil. Die MES-Experten von MPDV haben mit HYDRA mittlerweile mehr als Maschinen über unterschiedliche Schnittstellen angebunden. Das Know-how ist branchenübergreifend und erstreckt sich über nahezu alle Produktionsverfahren der diskreten Fertigung. Viele Unternehmen haben mit HYDRA eine deutliche Produktivitätssteigerung erreicht. Nebenstehend finden Sie drei Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von HYDRA. Zitat von Wolfgang Volk, IT-Projektleiter MES, bei der Hirschvogel Holding GmbH: MES ist der optimale Baustein, um die Lücke zwischen Prozess- und Planungsebene zu schließen. HYDRA hilft uns dabei, vorhandene Potenziale aufzuzeigen und unsere bereits gut abgestimmten Prozessabläufe weiter zu optimieren. Zitat von Mathias Schmälzle, Controlling, bei der RUCH NOVAPLAST GmbH + Co. KG: Die Nutzung des MES-Systems ist für unsere Mitarbeiter in der Fertigung heute genauso selbstverständlich und unverzichtbar, wie das ERP-System in der Verwaltung. Das MES HYDRA bietet uns alle Funktionen, um unsere Produktion zu überwachen und zu steuern. Die Produktivitäts-Kennzahlen werden automatisch vom MES generiert. Durch die integrierte Qualitätssicherung haben wir zusätzliche Einsparungen erzielt. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

12 Experten-Round-Table MES und Industrie 4.0 Auch wenn man sich über die exakten Inhalte von Industrie 4.0 nicht ganz einig ist, so stimmen viele Experten soweit überein, dass Manufacturing Execution Systeme (MES) eine zentrale Rolle dabei spielen werden. MPDV hat Vertreter aus der Wirtschaft und bekannte Professoren zum Themenfeld MES und Industrie 4.0 befragt. Dabei haben alle Experten auf die gleichen vier Fragen geantwortet: Welche Mehrwerte ziehen Produktionsunternehmen aus der aktuellen Entwicklung des Hype-Themas Industrie 4.0? Gronau: Durch die intelligente Verknüpfung von Maschinen, Werkstücken, Werkzeugen Ladungsträgern und Fördermitteln können die Unternehmen Wettbewerbsvorteile erzielen. Mögliche Mehrwerte sind Energieeinsparung, eine höhere oder gleichmäßigere Auslastung der Prozesse, mehr Transparenz sowie eine erhöhte Flexibilität. Experten-Porträt Prof. Norbert Gronau Universität Potsdam, u.a. Projektleiter des Forschungsprojekts LUPO Jahrgang: 1964 Kurzer Werdegang: Promotion Habilitation Lehrstuhl-Inhaber in Potsdam Die Prozesse werden robuster und Informationen stehen in Echtzeit zur Verfügung. Die Fertigungsanlagen können selbstständig auf Veränderungen auf dem Markt reagieren, kundenindividuelle Produkte schnell und zuverlässig fertigen oder den Ablauf über ein Netzwerk kooperierender adaptiver Produktionseinheiten optimieren. Dem Menschen wird die Arbeit durch eine Anpassung des Arbeitssystems erleichtert. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Energiedatenmanagement durch Sensorik, welche die Umwelt erfasst, sowie die Verarbeitungsfähigkeit der Maschine zu verbessern. Instandhaltungsmaßnahmen können vorbeugend auf Basis von Felddaten oder Lebenszyklusmodellen gestaltet werden. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass Industrie 4.0 nicht allen Unternehmen was bringt und auch der Grad der Umsetzung angepasst sein muss. Wenn es nicht passt, dann entstehen mehr Kosten als Nutzen und das bringt natürlich nichts! Hübert: In Zukunft werden Anlagen und Werkstücke vernetzt sein, Informationen sind immer und überall verfügbar und unterstützen die Menschen bei ihren vielfältigen Arbeiten in der Produktion. Automatische Parametrierung der Anlagen und Maschinen ermöglicht kleinere Auftragsmengen bis hin zur Losgröße 1 dies wird bei steigender Produktvarianz ein zunehmend wichtiger Faktor. Durchlauf- und Lieferzeiten werden sich Bedarfsgerecht verringern lassen. Die Produktion wird wieder ein Stück intelligenter und dieser Prozess Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

13 wird fortschreiten. Das Ziel ist, den Fertigungsfluss an den Kundentakt maximal anzunähern. Sauer: Viele der Innovationen, die durch die Industrie 4.0-Initiative ausgelöst und entwickelt werden, sind IKT (Informations- und Kommunikationstechnik) basiert neue Technologien, die die IKT bereit stellt, ermöglichen Produkt- oder Prozessinnovationen mit teilweise massiven Auswirkungen auf die Fabrik. Die Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 spannen einen ersten Rahmen für denkbare Innovationen und Handlungsfelder auf. Ohne IKT-basierte Zusatzleistungen wird beispielsweise der deutsche Maschinen- und Anlagenbau nicht mehr auskommen. Diese Zusatzdienste binden Kunden und bieten ihnen zusätzlichen Nutzen über die reine Maschine hinaus. Beispiele sind der Zugriff auf die Anlagen über das Internet zu Wartungszwecken oder für Software-Updates. Aber diese Leistungen sind erst der Anfang. Es ist absehbar, dass Maschinenund Anlagenbauer APPs rund um ihre Maschinen anbieten, so dass der Betreiber beispielsweise über mobile Geräte zugreifen oder ggfs. sogar die Anlage bedienen kann. Die Maschine könnte beispielsweise selbst Kennzahlen über ihre Verfügbarkeit berechnen. Sicher ist auf jeden Fall, dass diese zusätzlichen Leistungen die globale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus stärken. Maschinennahe Dienstleistungen sorgen für neue Wertschöpfung und schaffen damit Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter. Dienstleistungen rund um die Maschine ermöglichen außerdem neue Geschäftsmodelle, die weniger anfällig sind für Absatzschwankungen und Investitionszyklen. Kletti: Die zunehmende Vernetzung wird dazu führen, dass Produktionsunternehmen mehr Informationen zur Verfügung haben und dadurch die Vorgänge in der Produktion noch besser steuern können. Dies wiederum ermöglicht mehr Flexibilität gegenüber den Kunden. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben wird diese Flexibilität unverzichtbar sein. In welcher Rolle sehen Sie Manufacturing Execution Systeme im Industrie 4.0-Umfeld? Kletti: MES-Systeme wie HYDRA bilden die zentrale Informations- und Datendrehscheibe in der Fertigung. Alle entlang der Wertschöpfungskette erfassten Daten werden in diesem System ausgewertet und für die Weiterverarbeitung zur Verfügung gestellt. Somit bringt das MES mehr Transparenz und ermöglicht dadurch einen effizienteren Umgang mit allen Ressourcen. Mit Blick auf Industrie 4.0 wird diese zentrale Aufgabe noch mehr an Bedeutung zunehmen. Ich möchte Experten-Porträt Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti geschäftsführender Gesellschafter der MPDV Mikrolab GmbH und Vorsitzender des MES D.A.CH Verbands Jahrgang 1948 Kurzer Werdegang: Elektrotechnik-Studium an der Universität Karlsruhe und Promotion Gründung der MPDV Mikrolab GmbH Vorstellung des innovativen Zukunftskonzepts MES 4.0 Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

14 behaupten, dass Industrie 4.0 nur mit MES funktionierten wird. Sauer: Funktionen produktionsnaher IT- oder Manufacturing Execution Systeme sind und bleiben auch in der Industrie 4.0 unverzichtbar. Es zeichnet sich aber ab, dass sich die bisherigen Ebenen der bekannten Automatisierungspyramide auflösen und ein neues Informationsmodell für die Industrie 4.0 erforderlich wird. Die bisher proprietären MES-Systeme wandeln sich hin zu offenen Service-orientierten Architekturen. Dabei lassen sich grob die folgenden Architekturkomponenten unterscheiden: APPs mit eigener Benutzeroberfläche, ggf. auch für mobile Endgeräte ohne oder mit nur eingeschränkter eigener Datenhaltung MES-Services mit einer konkreten Funktion und eindeutigen Ein- und Ausgangsparametern Manufacturing Service Bus, über den die Services untereinander kommunizieren. Integrationsservices, um die Verbindung zwischen MES-Service und den Maschinen, Anlagen und anderen Einrichtungen der Fabrik zu schaffen. Gronau: MES spielen seit einigen Jahren eine wichtige Rolle im allgemeinen Produktionsumfeld. Natürlich werden sie deshalb auch im Industrie 4.0-Umfeld eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn Industrie 4.0 eine stark dezentral-orientierte Produktionssteuerung fokussiert und MES- Lösungen eher einen zentralen Ansatz verfolgen, werden Sie auf keinen Fall überflüssig werden. Allerdings unterscheidet sich die MES-Lösung von heute von denen der Zukunft. Die Einbindung der Steuerungs- und Automatisierungsebene muss noch stärker erfolgen. Das bedeutet, dass die Ebenen näher zusammen wachsen und die Grenzen vielleicht auch verschmelzen werden. Ein ständiger Austausch beider Ebenen ist unbedingt notwendig, um zielgerichtete, echtzeitfähige Reaktionen auf Abweichungen, unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und Vorgaben, zu ermöglichen. Experten-Porträt Harm Hübert Letztliches Ziel der Serviceorientierung kann es nur sein, Services unterschiedlicher Anbieter zu kombinieren, so dass Anwender zu einer echten Best-of-breed -Lösung kommen. Hübert: Da viele Firmen bereits über MES-Systeme verfügen, haben diese eine Vorrausetzung für Industrie 4.0 bereits erfüllt. MES wird die Datendrehscheibe für Industrie 4.0 werden. Transparenz durch schnelle Informationen angezeigt auf der Vielfalt aller heute denkbaren Anzeigegeräte wird ein Kernthema für MES-Systeme werden, variable und intelligente Auswertemöglichkeiten der enormen Datenvielfalt ein weiteres. Gruppenleiter MES bei Phoenix Contact und Arbeitskreisleiter Fertigung der HYDRA Users Group (HUG) Jahrgang: 1959 Kurzer Werdegang: erster Kontakt mit BDE-Systemen Gruppenleiter MES bei Phoenix Contact Leitung des Arbeitskreis Fertigung der HYDRA Users Group Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

15 Wie beurteilen Sie die Ansätze des Zukunftskonzepts MES 4.0 (www.mes40.de) als Antwort auf Industrie 4.0? Hübert: Hier erkenne ich eine sinnvolle Vertiefung des Industrie 4.0-Gedankens. MES 4.0 beschäftigt sich mit den Anforderungen für MES-Systeme die aus Industrie 4.0 resultieren. Ob hierfür ein eigener Begriff gesetzt werden muss kann ich nicht sicher beantworten. MES 4.0 sollte aus meiner Sicht die Aufgabe erfüllen, konkret für MES-Systeme neue Lösungen aufzuzeigen, die den Industrie 4.0-Gedanken unterstützen. Die horizontale Integration muss weiter ausgebaut werden, Automatisierungsgeräte per Plug&Play anschließbar werden. Das würde die Effektivität weiter erhöhen. wie Industrie 4.0 zusammen und bietet erste Lösungsansätze. Wir werden die einzelnen Handlungsfelder nun sukzessive konkretisieren und die gewonnenen Erkenntnisse kontinuierlich in unsere Produkte einfließen lassen. Erste Ergebnisse zeigen wir zur Hannover Messe: die mobilen MES-Anwendungen SMA (Smart MES Applications), die universelle Maschinenschnittstelle UMCM und die flexiblen Möglichkeiten, unsere MES-Lösung HYDRA an die Bedürfnisse jedes Kunden anzupassen. Somit ist MES 4.0 für uns sowohl Zugpferd als auch Leuchtsignal im Innovationsnebel Industrie 4.0. Wenn Sie an Industrie 4.0 denken, was wünschen Sie sich von den Anbietern auf dem MES-Markt? Gronau: Die Ansätze sind sicherlich ein erster guter Schritt in die Richtung des MES von morgen. Gerade auch die Standardisierungsbestrebungen in Richtung einer einheitlichen Maschinen-MES- Schnittstelle (z. B. UMCM) tragen zu einer flexiblen Anbindung von Maschinen an ein MES bei. Dadurch wird dann natürlich auch der Datenaustausch gefördert. Einige der Kernpunkte des Konzeptes wurden ja auch im Zusammenhang mit dem LUPO-Projekt bzw. dem Anwendungszentrum Industrie 4.0 entwickelt. Im Rahmen des Projekts wurde eine Simulationsumgebung erstellt, mit der bereits heute Industrie 4.0-Prozesse realitätsnah abgebildet und auf ihren Nutzen hinsichtlich des Einsatzes von Industrie 4.0-Technologien analysiert werden können. Dabei sind natürlich einige Anforderungen ermittelt worden, die zur Weiterentwicklung von MES 4.0 geführt haben. Kletti: Unser Zukunftskonzept MES 4.0 fasst die Anforderungen zukünftiger Fertigungskonzepte Sauer: Neben den im Maschinenbau heute existenten Innovationskompetenzen werden in der Industrie 4.0 neue Kompetenzen in der Softwareentwicklung erforderlich, z.b. das Denken in Diensten mit klar definierten technischen und organisatorischen Schnittstellen. Ziel weiterer Arbeiten muss es daher sein, Strategien und Instrumente zu entwickeln, die Hersteller von automatisierten Anlagen und Maschinen bzw. Komponenten dabei unterstützen, ihre Innovationsprozesse so umzubauen, dass sie auf Software-Kompetenzen zugreifen können. Die in der Automation eingesetzten Technologien werden zunehmend durch die Möglichkeiten der Informatik und der Informations- und Kommunikationstechnologien bestimmt. Viele dieser Schlüsseltechnologien kommen aus den USA oder Asien. Für Deutschland gilt es, das Potenzial an der Schnittstelle zwischen IKT-Kompetenz und produkt- und prozessspezifischem Know-how zu heben: Ingenieure, Informatiker und Automatisierungsspezialisten müssen stärker als bisher zusammenarbeiten. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

16 MES-Anbietern eröffnen sich mit der durch Industrie 4.0 ausgelösten Entwicklung neue Chancen, ihr Know-how auf andere Anwendungsfelder auszudehnen: Rund um die Produktion und ihre Ausrüster werden Dienstleistungen, die auf Software basieren, zunehmen, z.b. Fernwartung, Verfügbarkeitsgarantien, Mobile Clients zum Zugriff auf Maschinendaten, Konnektoren für bestimmte Maschinentypen, etc. Viele MES- Anbieter verfügen über langjährige Erfahrungen, mit denen sie die Ausrüster von Produktionssystemen dabei unterstützen können, solche softwarebasierten Dienstleistungen zu spezifizieren und zu implementieren. Hübert: Ich wünsche mir, dass MPDV weiter daran arbeitet, mit den Maschinen- und Anlagenherstellern eine Normung der Schnittstellen aufzubauen. Hier wird sich entscheiden, ob Industrie 4.0 ein Hype bleibt, oder der lange erwartete Durchbruch zur Vernetzung von Anlagen und Systemen ist. Die Intelligenz der Komponenten ist schon länger gegeben, jetzt muss eine gemeinsame Sprache definiert werden. Gronau: Ich wünsche mir, dass die Anbieter wirklich verstehen, was Industrie 4.0 ist und daraufhin ihre Entwicklungen koordinieren. Derzeit wird viel zu häufig noch an Aspekten gearbeitet, die nur bedingt mit Industrie 4.0 zu tun haben. Ich wünsche mir hier einen offeneren Umgang der Anbieter mit Forschungseinrichtungen, die häufig bereits umfassende Arbeiten zur Thematik durchgeführt haben hiervon können die Unternehmen wirklich profitieren. Kletti: Ich wünsche mir, dass wir die konstruktiven Gespräche, die wir gerade zum Thema UMCM im MES D.A.CH-Verband führen, auch auf andere Bereiche ausdehnen können. Die Standardisie- Experten-Porträt Dr. Olaf Sauer Stellvertreter des Institutsleiters am Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) Jahrgang: 1963 Kurzer Werdegang: Manager Advanced Engineering bei Bombardier Transportation Gründung der METROPLAN Produktion GmbH Bereichsleiter Leitsysteme am damaligen Fraunhofer IITB rung von Schnittstellen kann uns MES-Anbietern allen helfen nicht nur bei der Maschinenanbindung. Die Vernetzung wird mit Blick auf Industrie 4.0 noch deutlich weiter gehen. Schließlich sind für eine effiziente Produktion auch die vorgelagerten Entwicklungsschritte relevant. In der Produktion und somit im MES-System laufen alle wichtigen Informationen zusammen. Daher ist es wichtig, dass wir uns auf Standards bei den Schnittstellen einigen. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

17 Interview mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti Zeitgeist Industrie 4.0 Herr Kletti, sie waren auf einer ganzen Reihe Industrie 4.0-Kongresse und haben auch den einen oder anderen Vortrag selbst gehalten. Welche Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen? Grundsätzlich ist meine Wahrnehmung, dass sich Industrie 4.0 immer noch sehr diffus und uneinheitlich präsentiert. Zudem bewahrheitet sich immer mehr meine Befürchtung, dass das Thema zu IT-lastig angegangen wird. Meist wird noch von der virtuellen Welt der Informationen gesprochen. Noch bewegt sich die Produktion aber größtenteils in der realen Welt. Oft vergisst man die Maschinen, das Produkt und auch den Menschen in der Produktion. Welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus ab? Wir müssen dringend alle Beteiligten ins Boot holen. Ohne die Fertigungsleiter, Meister und Werker wird sich Industrie 4.0 nicht umsetzen lassen. Und genau diese Zielgruppe wird zur Zeit noch völlig außen vor gelassen. Bisher sprechen hauptsächlich IT-Experten und Software-Ingenieure miteinander. Diesen Experten empfehle ich, sich mehr mit dem praktischen Alltag in der Produktion zu beschäftigen. Was glauben Sie, ist nun zu tun? Wir müssen unbedingt eine gemeinsame Sprache und damit eine gemeinsame Basis finden. Sonst wird Industrie 4.0 eine theoretische Modeerscheinung bleiben, die irgendwann wieder aus den Köpfen der Menschen verschwinden wird ohne eine bleibende Wirkung zu hinterlassen. Ich glaube, wir müssen an das Thema von der anderen Seite heran gehen: Bisher werden innovative Konzepte entwickelt, und danach sucht man nach Anwendungsszenarien. Wir sollten uns vielmehr um die akuten Probleme und Herausforderungen von Produktionsunternehmen kümmern. Wenn wir diese analysieren und dann prüfen, mit welcher Technologie bzw. Innovation wir zu einer Verbesserung oder Lösung kommen, dann werden wir eher ans Ziel kommen als wenn wir mit Lösungen nach Problemen suchen. Und genau das werden wir bei MPDV auch weiterhin tun. Wir werden zusammen mit unseren Anwendern die heutigen Fertigungskonzepte als Basis nehmen, um diese mit innovativen Technologien weiterzuentwickeln. Wird dadurch die vierte industrielle Revolution doch zur Evolution? Ganz bestimmt! So schlecht sind die heutigen Methoden nicht, als dass wir sie komplett aufgeben müssten. Wir befinden uns bereits im Wandel hin zu einer vollkommen neuen Industrie nur wird es einen gleitenden Übergang über viele Jahre hinweg sein. Unser Zukunftskonzept MES 4.0, mit dem wir die Anforderungen einer Produktion im Sinne von Industrie 4.0 zusammenfassen, wird für uns und möglicherweise auch andere MES-Anbieter sowohl Zugpferd als gleichzeitig auch Leuchtsignal im Innovationsnebel von Industrie 4.0 sein. Vielen Dank für das Gespräch. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

18 Universal Machine Connectivity for MES Standardisierte Maschinenanbindung Im Zuge der immer stärkeren Vernetzung von Fertigungs- und Managementebene ist die Standardisierung von Schnittstellen aller Art von großer Wichtigkeit. Mit UMCM (Universal Machine Connectivity for MES) hat MPDV einen bedeutenden Schritt in diese Richtung getan. Auch wenn mit OPC bzw. OPC-UA der Standardisierungsgedanke bei der Maschinenanbindung zu erkennen ist, so geht dies nicht weit genug. Die meisten Standardschnittstellen decken lediglich die Transportschicht, nicht aber die Anwendungsschicht ab. Vergleichbar ist dies mit der Vereinbarung einer gemeinsamen Sprache (Transportschicht), ohne sich über die zu übermittelten Inhalte (Anwendungsschicht) abzustimmen. Anwendungsschicht: Datenstruktur :12:36:235 C_Cyclecounter=345 Z_Cycletime=9653 C_Total=30 Maschine K o m m u n i k a t i o n MES Transportschicht: Verbindungsmedium ftp:// opc:// file:// Transportschicht werden gängige Standards wie ASCII, XML oder OPC bzw. OPC-UA genutzt. Im Entwurfsprozess dieser Schnittstelle wurde dabei auf die langjährige Erfahrung der MPDV mit Maschinenanbindungen zurück gegriffen. Zu einem ersten praktischen Einsatz kam UMCM im Rahmen des Forschungsprojekts LUPO der Universität Potsdam (www.lupo-projekt.de). Mittlerweile liegt die finale Spezifikation der Schnittstelle in der Version 1.7 vor und kann bei MPDV angefordert werden Zur Zeit wird UMCM unter Mitwirkung des MES D.A.CH- Verbands auf dem Markt und bei den Maschinenund Steuerungsanbietern etabliert. Auch die OPC-Foundation bekundet großes Interesse, da damit eine in der Praxis nutzbare Schnittstelle auf Basis der neuen OPC-UA-Technologie zur Verfügung steht. UMCM Die Schnittstellendefinition Der neue Standard UMCM definiert, basierend auf der VDI 5600 Blatt 3, ein einfaches Datentelegramm, welches in den meisten Fällen ausreichend ist für die Kommunikation einer Maschine mit einem MES (Manufacturing Execution System). Neben einem Zeitstempel werden zum Beispiel Zählerstände, der Maschinenstatus, Mengen und Prozesswerte übergeben. Als Zitat von Stefan Hoppe, Europa Präsident der OPC-Foundation: Mit dem Datenprofil UMCM wird der logische nächste Schritt zum einfachen standardisierten Zugriff auf die Produktionsdaten definiert. OPC-Unified Architecture ist dazu die ideale, performante Transportschicht mit integrierter Security vom kleinsten embedded Gerät bis zur MES/ERP IT-Enterprise Ebene. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

19 Smart MES Applications Die Fertigung mobil im Griff Damit Werker, Meister und Manager ortsunabhängig auf Fertigungsdaten zugreifen können, hat MPDV die etablierte MES-Lösung HYDRA um die neuen Smart MES Applications (SMA) erweitert. Mit Smart MES Applications stellt MPDV ein Set von Apps zur Verfügung, mit denen die Funktionen von Datenerfassungsterminals und Büro- PCs mit MES-Auswertungen auf einem mobilen Endgerät verschmelzen. Hierbei entscheidet die Art des Endgeräts bzw. Displaygröße und -auflösung über die Verwendbarkeit der MES-Funktionen und die Art der Informationsaufbereitung. Anpassung an Displayauflösung Ganz egal auf welchem Endgerät SMA läuft dank flexibler Darstellung hat der Anwender immer alles im Blick. Je nach Displayauflösung ändert sich die Anordnung der Informations- und Navigationsblöcke, so dass immer das Wesentliche angezeigt wird und der Benutzer intuitiv zur gewünschten Ansicht navigieren kann. Intuitive Bedienung Gerade mobile Anwendungen leben von einem intuitiven Bedienkonzept. Eine App muss ohne langes Lesen von Anleitungen und Dokumentationen bedient werden können. SMA verwendet hierzu eine Kombination aus sprechenden Bildern und erklärenden Texten. Anders als Anwendungen auf dem PC oder Notebook gibt es bei SMA kein Menü zur Navigation. Vielmehr tippt der Anwender direkt auf die Information oder das Thema, das ihn interessiert. Allgemein bekannte Gesten wie Wischen oder Scrollen erleichtern zusätzlich das Zurechtfinden innerhalb von SMA. Plattform-unabhängige Darstellung SMA basiert auf einer Kombination von mobiler Webtechnologie und Anbindung von lokalen Komponenten am Tablet-PC bzw. Smartphone. Somit sieht die Bedienoberfläche auf jedem Endgerät gleich aus egal, ob es sich um ein iphone, ipad oder ein Android-basiertes Gerät handelt. Zudem ermöglicht die Nutzung von Standard-Funktionen bei der Entwicklung eine leichte Konfiguration und Anpassung an Kundenanforderungen. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

20 Schnittstellenfreie HYDRA-Anbindung Im Sinne eines integrierten Ansatzes nutzen SMA die gleichen Mechanismen zur Kommunikation mit dem HYDRA-Server wie auch die bekannten HYDRA-Office Clients oder HYDRA-Shopfloor Clients. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Schnittstellen. Dies erleichtert die Pflege und Wartung des Gesamtsystems. Das Erscheinungsbild kann bei Bedarf im Customizing-Modus an die individuellen Anforderungen der Benutzer angepasst und in der geänderten Form abgespeichert werden. SMA-Funktionen im Detail Folgende Funktionen stehen als SMA auf mobilen Endgeräten zur Verfügung: Kontakte Mit SMA wird die Suche eines Ansprechpartners im Unternehmen zum Kinderspiel. Durch Antippen der -Adresse oder Telefonnummer kann die jeweilige Person direkt kontaktiert werden (abhängig von den Funktionen des mobilen Endgeräts). Mobile MES-Anwendungen im Überblick Einstieg in SMA bietet die Funktionsübersicht auf der Startseite. Hier können die verschiedenen MES-Anwendungen aufgerufen werden, zu denen entsprechende Benutzerberechtigungen vorliegen. Die individuelle Gestaltung der SMA richtet sich danach, welche MES-Applikationen an der jeweiligen Stelle im Unternehmen benötigt werden und welche Informationen angezeigt werden sollen. Somit hat der Anwender immer alle erforderlichen Daten auf einen Gerät. Je nach Displayauflösung und -format werden die zur Verfügung stehenden Anwendungen mit mehr oder weniger Details beschrieben. Dies reicht von einer reinen Symboldarstellung bis hin zu einem ausführlichen Erläuterungstext. Personalzeit Die mobile Zeiterfassung bietet die nötigsten Funktionen: Kommt-/Geht-Stempelung und Dienstgang. Fertigung Der mobile Fertigungsmonitor stellt Informationen über Maschinen und zur Zeit laufende Aufträge dar. Durch Antippen des laufenden Auftrags oder einer angemeldeten Person erhält man weitere Detailinformationen. Whitepaper Nachhaltig effizienter produzieren mit MES in Richtung Industrie 4.0 März

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