DIE KAUFMÄNNISCHE SCHULE VERBAND DER LEHRERINNEN UND LEHRER AN WIRTSCHAFTSSCHULEN NRW E. V.

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1 April/Mai 2011 G 1771 LEITARTIKEL / 56. Jahrgang I DIE KAUFMÄNNISCHE SCHULE VERBAND DER LEHRERINNEN UND LEHRER AN WIRTSCHAFTSSCHULEN NRW E. V. 3/11 Arbeitstagung RuhrCongress Bochum Workshops treffen Nerv der Teilnehmer Belastungsgrenze Was ist denn das? Verkürzung von FH-Studiengängen durch pauschale Anerkennung von Leistungen aus dem Berufskolleg

2 II LEITARTIKEL INHALT IMPRESSUM DIE KAUFMÄNNISCHE SCHULE Begründet von OStD Dipl.-Hdl. Dr. Erich Schmitz Herausgeber Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in NW e. V. Völklinger Straße Düsseldorf Telefon: (02 11) Telefax: (02 11) Internet: Schriftleitung Jens Pätzold Ortli Dortmund Telefon: (02 31) Telefax: (02 31) Zuschriften und Artikel möglichst als Textdatei bitte direkt an die Schriftleitung senden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Verbandes wieder. Die bibliografische Abkürzung der Zeitschrift lautet: ISSN Anzeigenverwaltung u. Gesamtherstellung Gebrüder Wilke GmbH, Druckerei und Verlag, Oberallener Weg 1, Hamm Telefon ( ) Telefax ( ) Konzeption grafik-werk Anja Laube Erscheinungsweise Achtmal im Jahr. Das Einzelheft kostet 2,10 einschließlich Versandkosten. Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Alle Daten auch im Internet unter Redaktionsschluss Ausgabe 4/ Mai 2011 Ausgabe 5/ Juni 2011 Ausgabe 6/ August 2011 ARBEITSTAGUNG RuhrCongress Bochum Workshops treffen Nerv der Teilnehmer 2 Auszüge aus der Begrüßung der Delegierten durch die Landesvorsitzende Elke Vormfenne 3 Workshop 1: Qualitätsentwicklung durch Peer Review 6 Workshop 2: Qualitätsentwicklung in Berufskollegs durch eine neue Lehrerausbildung? 7 Workshop 3: Inklusion als Chance und Aufgabe für Berufskollegs 9 Workshop 4: Arbeitszeit der Lehrkräfte Teil 1: Pflichtstunden, Ermäßigungsstunden, Anrechnungsstunden 10 Teil 2: Mehrarbeit und ihre Abrechnung 11 Workshop 5: Zukunftsfähige Konzepte für die Arbeitszeit der Lehrkräfte? 12 Workshop 6: Wege durch den Tarifdschungel 13 Workshop 7: Stark für Sie Was Personalräte für die Kolleg(inn)en tun 14 Workshop 8: Schulische Belastung gesundheitlich kompensieren 15 Workshop 9: Wie entwickeln sich unsere Berufskollegs weiter? 15 AUSSCHÜSSE Recht und Besoldung: Belastungsgrenze Was ist denn das? 17 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: Tonerstaub in der Atemluft 18 BERICHTE Kooperation: Verkürzung von FH-Studiengängen durch pauschale Anerkennung von Leistungen aus dem Berufskolleg 19 Alltags- und Lebensökonomie (Teil 2): Ein neuer Ansatz der ökonomischen Grundbildung für alle Schulformen mit und ohne Wirtschaftsfach 22 Praxistransfer Banken: Warum englische Richter weiße Perücken tragen 26 Kaufmannsschule Krefeld: Neuer Bildungsgang an der Kaufmannsschule 29 Berufskolleg Gladbeck: Lohn- und Gehaltsabrechnungen praxisorientiert unterrichtet 30 Hansa-Berufskolleg, Münster: Von den Highlands ins Münsterland 30 Berufskolleg Barmen-Europaschule, Wuppertal: Das Berufskolleg geht erneut neue Wege 31 NEWCOMER Ausschuss für Studenten- und Referendarfragen: Referendarveranstaltung an neuem Tagungsort 32 AKTUELLES dpa-news: Wissenschafts- und Bildungspolitik in Bund und Ländern 33 Fortbildungen Essener Seminar e. V.: Vorbereitungslehrgang Staatlich geprüfte(r) Lehrer(in) für Textverarbeitung 34 Vorbereitungslehrgang EDV-Trainer(in) 34 vlw-stiftung NRW: Fortbildungsveranstaltung für Lehrerratsmitglieder und Ansprechpartnerinnen für Gleichstellungsfragen 35 Neuer vlw-bundesvorstand am in Fulda gewählt 35 IT-NEWS Infos und Technik 36 MEDIENTIPPS Buchbesprechung: Wenn Schüler im Internet mobben Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying 37 Link des Monats: 37 REGIONALES BV Münster: MdL Astrid Birkhahn zu Gast beim Bezirksverband Münster 38 Bezirksverband Münster: Jürgen Rabenow zum 60. Geburtstag 39 ZUM GUTEN SCHLUSS Konrad Bräsig 39

3 ARBEITSTAGUNG 1 Fotos vom Delegiertentag

4 2 ARBEITSTAGUNG ARBEITSTAGUNG RUHRCONGRESS BOCHUM Workshops treffen Nerv der Teilnehmer Facettenreiche und spannende Workshops bildeten den Mittelpunkt des diesjährigen Delegiertentages, der mittlerweile schon fast traditionell im RuhrCongress in Bochum stattfand. Mehr als 300 Delegierte und interessierte Verbandsmitglieder kamen am 18. März 2011 zu dieser Tagung zusammen. In ihrer Begrüßungsansprache, die in Auszügen diesem Beitrag folgt, ging die Landesvorsitzende Elke Vormfenne nicht nur auf die Themen der anstehenden Workshops sondern auch auf Forderungen des vlw ein. Insbesondere sprach sie eine zielgerichtete Ausweitung von Fortbildungen und die notwendige Anpassung des Instruments der Qualitätsanalyse an. Wir wollen nicht wissen, wie wir bei der Qualitätsanalyse ankommen, sondern wie wir bei unseren Schülern ankommen! Insofern bot der anschließende Vortrag Peer Review für Berufskollegs eine Alternative zur Qualitätsanalyse? von Frau Dr. Maria Gutknecht-Gmeiner, Geschäftsführerin Impulse, Evaluation und Organisationsberatung und Leiterin der Europäischen Peer-Review-Projekte aus Wien, einen guten Einstieg in die Workshopphase. In ihrem Vortrag stellte Frau Dr. Gutknecht-Gmeiner zunächst dar, dass Peer Review ein externes Evaluationsverfahren zur Qualitätssicherung und -entwicklung ist, das sich auf unterschiedliche Bereiche von Berufskollegs, aber auch auf die gesamte Institution beziehen kann. Eine Gruppe externer Experten, die sogenannten Peers, führt dabei die Evaluationsmaßnahmen durch. Die Peers gehören nicht dem zu analysierenden Berufskolleg an, kommen aber aus dem berufsbildenden Umfeld und verfügen über entsprechende Kenntnisse und Kompetenzen, was für eine angemessene Beurteilung notwendig ist. Es können beispielsweise Lehrkräfte aus anderen Berufskollegs sein (Qualitätsbeauftragte, Moderatoren), Vertreter von Stakeholdergruppen (Unternehmen, zubringende und abnehmende Einrichtungen, Sozialpartner), professionelle Evaluatoren usw. Grundvoraussetzung dabei ist, dass die Initiative zum Peer Review immer von der Schule ausgeht, dies betrifft auch die zu evaluierenden Qualitätsbereiche. Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit! Die Referentin stellte das Europäische Peer-Review-Verfahren vor, das sich idealtypisch in die folgenden vier Phasen gliedert: 1. Vorbereitung (mindestens 3 Monate): Verfahrensstart, Einladung der Peers, Selbstbericht 2. Peer-Besuch (2 3 Tage): Datenerhebung, -analyse, Bewertung, mündl. Feedback. 3. Peer-Bericht (4 Wochen): Rohbericht, Stellungnahme des BK, endgültiger Bericht. 4. Konkrete Maßnahmen (6 12 Monate): Ziele formulieren, Ressourcen klären, Maßnahmenplan und Umsetzung sowie die nächsten Peer Reviews planen. Dr. Maria Gutknecht-Gmeiner ging abschließend auf Chancen, Grenzen und Gefahren von Peer Review ein. Richtig eingesetztes Peer Review kann beispielsweise institutionenübergreifendes Qualitätsbewusstsein und Eigenverantwortung stärken sowie den Dialog, die Vernetzung und die Evaluationskultur von Schulen fördern. Zudem ist Peer Review relativ kostengüns tig. Ungeeignet scheint Peer Review als Verfahren zur staatlichen Kontrolle und für einrichtungsübergreifende Rankings. Schon die Höhe der Teilnehmerzahl und die gleichmäßige Verteilung der Anmeldungen auf die Workshops machten deutlich, dass mit der Themenauswahl die aktuellen Anliegen unserer Kolleginnen und Kollegen getroffen waren. In den neun Workshops, von denen jeder Teilnehmer zwei besuchen konnte, standen folgende Themen im Mittelpunkt: Qualitätsentwicklung durch Peer Review. Qualitätsentwicklung in Berufskollegs durch eine neue Lehrerausbildung. Inklusion als Aufgabe und Chance für Berufskollegs. Arbeitszeit der Lehrkräfte! Zukunftsfähige Konzepte für die Arbeitszeit der Lehrkräfte? Wege durch den Tarifdschungel. Stark für Sie Was Personalräte für die Kolleginnen und Kollegen tun. Schulische Belastung gesundheitlich kompensieren. Wie entwickeln sich unsere Berufskollegs weiter? Die Workshops wurden überwiegend durch Mitglieder von vlw-ausschüssen und -Arbeitskreisen gestaltet. Externe Experten wie Dr. Maria Gutknecht-Gmeiner und Michaela Hoke, Lehrkraft und Qualitätsbeauftragte der Berufsschule für Verwaltungsberufe in Wien und gleichzeitig Peer-Review- Facilitator, sowie LMR Richard Stigulinszky, Gruppenleiter Berufliche Bildung im MSW, referierten jeweils in weiteren Workshops. Richard Stigulinszky informierte über konzeptionelle Überlegungen zur Weiterentwicklung des Bildungsangebotes der Berufskollegs. Rege Diskussionen schlossen sich an. Bereits vor Veranstaltungsbeginn und in der Pause konnten sich unsere Kolleginnen und Kollegen im Foyer über die Leistungsangebote von Schulbuchverlagen, Versicherungen und sonstige Dienstleistungsunternehmen informieren. Am vlw-service-stand nutzten viele Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, sich mit neuen Informationsmaterialien für die OV-Arbeit einzudecken, Gespräche zu führen und Kontakte zu pflegen. Das Feedback der Teilnehmer: Eine rundum gelungene Arbeitstagung! Jens Pätzold

5 ARBEITSTAGUNG 3 ARBEITSTAGUNG RUHRCONGRESS BOCHUM Auszüge aus der Begrüßung der Delegierten durch die Landesvorsitzende Elke Vormfenne Es gilt das gesprochene Wort. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, herzlich willkommen zum diesjährigen Delegiertentag des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen. Traditionell findet dieser als Arbeitstagung statt, wenn keine Wahlen anstehen. Wir hoffen, dass wir mit unseren Workshops den Nerv Ihres Interesses getroffen haben. Die Streuung der Teilnehmerzahlen in den Workshops lässt zumindest die Fantasie entstehen, dass dies so ist. Wir werden oft gefragt, was tut eigentlich der Verband? Schauen Sie in die Themenliste unseres Tagungsflyers und Sie finden eine Facettenauswahl der vielfältigen Themen, mit denen sich die verschiedenen Gremien des Verbandes auseinandersetzen, um Ihre Interessen zu vertreten. Deswegen finden Sie in den Workshops 2 sowie 4 bis 7 als Referenten und Moderatoren ausschließlich Aktive aus den vlw-landesgremien. Wir hoffen, dass wir bei der oder dem einen oder anderen, Interesse wecken können, sich in Zukunft in Verbandsarbeit einbinden zu lassen. Verbandsarbeit ist immer auch Teilhabe an einer Win-Win-Situation: Einsatz auf der einen Seite Öffnung des Horizontes auf der anderen. So viel zum Werbeblock, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. [ ] Zu unserer Arbeitstagung: Der Zeitpunkt unseres Delegiertentages trifft zusammen mit der Veröffentlichung der ersten konzeptionellen Überlegungen zur Weiterentwicklung unserer Berufskollegs. Insofern sind wir mit dem Workshop Wie entwickeln sich unsere Berufskollegs weiter? Konzeptionelle Überlegungen zur Weiterentwicklung des Bildungsangebotes der Berufskollegs topaktuell aufgestellt, und ich freue mich, wenn es zu konstruktiven Diskussionen kommt und wir einen Beitrag dazu leisten können, dass der Blick aus der Praxis Eingang findet in der anstehenden Detailplanung zur Weiterentwicklung der Berufskollegs. Nicht minder aktuell aber auf einer völlig anderen Ebene ist das Thema Inklusion. Allerdings: Ich behaupte, das Thema bzw. die Aufgabe der Einbindung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf ist bei den Berufskollegs vielfach kein Thema an sich, sondern eine immanente Herausforderung. Freilich, was fehlte, war bisher die Vorbereitung der Lehramtsstudierenden auch auf eine Schülerklientel mit Förderbedarf und die Unterstützung der Lehrkräfte im System. Sie sind die ganzen Jahre auf sich allein gestellt gewesen Hoffnung auf Änderung und deutliche Unterstützung ist derzeit konkret nicht in Sicht. Auch wenn anerkennenswerterweise im letzten Jahr die Schüler-Lehrer-Relation für Berufsschulklassen mit Förderbedarf positiv verändert wurde, der erziehungsschwierige Schüler und auch der mit Lernschwierigkeiten hat sich nicht plötzlich beim Übergang ins Berufskolleg zum vermeintlichen Normalo entwickelt bzw. seinen Förderbedarf mit Betreten des Berufskollegs abgestreift.

6 4 ARBEITSTAGUNG Der Schüler mit Spasmus und Autismus, der bis zu seinem 20. Lebensjahr ausschließlich seinen Weg über Förderschulen gegangen ist, wird von unseren Kolleginnen und Kollegen aufgenommen und im Unterricht integriert. Wie für das Berufskolleg so typisch, finden die Kolleginnen und Kollegen Lösungen für sich und den Schüler. Die verbleibende Restunsicherheit der Kolleginnen und Kollegen aber wird systemisch nicht aufgefangen. Heterogenität jedweder Couleur ist fester Bestandteil unserer Lerngruppen und unseres Unterrichtsalltags. Wir hoffen, dass wir mit unserem Workshop 3 zum Thema ein Angebot für Sie haben, dass Ihnen hilft, am Montag gestärkt und mit neuen Erkenntnissen Ihre Arbeit in Ihrem Berufskolleg wieder aufzunehmen [ ] Umgang mit Heterogenität steht als Herausforderung und Belastung im schulischen Alltag auf der einen, die Frage des persönlichen Umgangs mit diesen Phänomenen auf der anderen Seite. Welche unterstützenden Strategien jeder individuell zur Stabilisierung der eigenen Gesundheit einsetzen kann, dies ist Thema in unserem Workshop Nummer 8 [ ] Schwerpunkt unserer heutigen Arbeitstagung bildet das Thema Peer Review als Alternative zur Qualitätsanalyse?, das wir im Rahmen des anschließenden Vortrags sowie im Workshop Nummer 1 unter die Lupe nehmen bzw. über das wir uns aus einem europäischen Projekt berichten lassen [ ] Warum dieses Thema? Wir greifen drei Zeilen aus dem Koalitionsvertrag auf: Ein zentraler Bereich des nordrheinwestfälischen Bildungssystems sind die Berufskollegs. Wir wollen die Berufskollegs unterstützen, indem wir bürokratische Aufgaben abbauen, das Anmeldemanagement verbessern und das Instrument der Qualitätsanalyse anpassen. Das Instrument der Qualitätsanalyse anpassen! Wir sehen in dieser Festlegung die Aufnahme unserer Forderung, die wir auf dem letzten Delegiertentag in 2010 formuliert haben, und sehen dies als Auftrag, konstruktive Vorschläge und Alternativen zu unterbreiten. Ich habe im aktuellen Leitartikel unserer Verbandszeitschrift DIE KAUFMÄNNISCHE SCHULE ausführlich dargestellt, wie der vlw sich ein alternatives Qualitätssicherungsverfahren vorstellt. Basis ist eine fundierte Feedbackkultur. Nahrung für die Forderung nach einer Abkehr von der QA in der jetzigen Form geben Berichte seitens der QA selbst. Da werden als wesentliche Befunde dargestellt, dass Berufskollegs Stärken bei der Lernatmosphäre, bei der Schülerberatung und -betreuung, als Lebensraum Schule, im sozialen Klima, in der außerschulischen Kooperation haben und allgemein eine Zufriedenheit der Beteiligten besteht. Andererseits werden Merkmale der Unterrichtskultur herausgehoben, die wenig schmeichelhaft sind, z. B. traditionelle Choreografie: lehrerzentrierter und Aufgaben lösender Unterricht, wenig Interaktion, Lehrerzentrierung ohne fachliche Interaktion, wenig Problemorientierung, wenig entdeckendes Lernen, Fülle an Aufgaben (häufig Arbeitsblätter), um nur einige zu nennen. Frage, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen: Brauchen wir ein Riesenheer an Analysten, um dies festzustellen und uns widerspiegeln zu lassen? Unsere Antwort ist eindeutig: Nein! Das können wir billiger mit unseren Schülerinnen und Schülern gemeinsam leisten! Nebenbei bemerkt: Das wäre

7 ARBEITSTAGUNG 5 unser konkreter Beitrag zur Konsolidierung des nordrheinwestfälischen Landeshaushalts. Aus den Merkmalen zur Unterrichtskultur leitet die QA zentrale Entwicklungsfelder her: z. B. zur sozialen Dimension des Lernens (Interaktion, Kommunikation, Kooperation). Gerne nehmen wir die Herausforderung an. Gebt uns die notwendigen Inputs, gebt uns die notwendigen Fortbildungen! Jetzt!! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Steuert die Ressourcen endlich um! Wir sind schon längst von der Stichprobenebene entfernt. Neuere Erkenntnisse sind nicht mehr zu gewinnen. Wolfgang Brückner, Vorsitzender des vlbs, hat es auf dem vlbs- Delegiertentag mit dem Volksmund bildhaft formuliert: Vom Wiegen wird die Sau nun mal nicht fetter! Aber: Die QA untermauert ihre Existenzberechtigung u. a. mit folgendem Zitat: In vielen Schulentwicklungsprozessen wurde Beachtliches in Gang gesetzt, aber sehr oft im außerunterrichtlichen Bereich. Der Unterricht blieb häufig außen vor. Er steht traditionell in der alleinigen Verantwortung der einzelnen Lehrkraft und ist von außen nur schwer beeinflussbar. 1 Stimmt, die Entwicklung muss von innen kommen. Es sind unsere erwachsenen Schüler, die jeden Tag den Unterrichtsalltag erleben, die Aussagen dazu machen können, wie der von ihnen erlebte Unterricht ankommt und stattfindet und von ihnen eingeschätzt wird. Instrumente, wie bspw. SEFU (Schüler als Experten für Unterricht) oder EMU (Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung) stehen zur Ver - fügung! Bei ihrem Einsatz oder der anderer Varianten hätten Zitate wie: Die freiwillige Isolation schützt das unsichere professionelle Selbstbild von Einblicken in die Privatsphäre Unterricht und damit vor möglicher Kritik. 2 auch keine Basis mehr. Unterstützt sehen wir uns in aktuellen Äußerungen von Prof. Andreas Helmke, Universität Koblenz-Landau: Zitat aus einem Interview auf der Homepage des MSW: Um etwas über die Wahrnehmung und den Erfolg individualisierender und differenzierender Maßnahmen zu erfahren, müsste man die Schülerinnen und Schüler selbst befragen. 3 Das ist unsere Forderung! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wenn uns doch die Wissenschaft recht gibt, dann lassen Sie uns doch systemisch damit beginnen! Gerne nehmen wir die QA als Dienstleister bei der Auswertung der Daten auf schulischen Metaebenen in Anspruch. Wir wollen nicht wissen, wie wir bei der QA ankommen, nein, wir wollen wissen, wie wir bei unseren Schülern ankommen! Nebenbei bemerkt: Wie funktioniert eigentlich das Lernen Gleichaltriger in einem Bachelorstudium an den Universitäten? Wie sieht es dort flächendeckend mit der Interaktion aus? Wir möchten nicht missverstanden werden der vlw setzt sich sehr wohl für eine Betrachtung der schulischen Prozesse von außen ein. Ein Modell ist dabei das Peer Review, das wir Ihnen heute ausführlich vorstellen werden. Wir hoffen, dass dieses vom vlw und vlbs gemeinsam getragene Anliegen deutliche Unterstützung im MSW erfährt. Anmerkungen 1 Wenzel 2008, Handbuch der Schulforschung. 2 Soltau/Mienert Interview auf der Homepage des MSW. Elke Vormfenne

8 6 ARBEITSTAGUNG WORKSHOP 1 Qualitätsentwicklung durch Peer Review Im Workshop 1 konnten sich die Teilnehmer über die Erfahrungen im Umgang mit einem Peer Review aus Sicht einer beruflichen Schule berichten lassen. Michaela Hoke, Vertreterin der Berufsschule für Verwaltungsberufe in Wien, berichtete aus ihrer Sicht als Peer- Facilitator und zuständige Lehrkraft für das QM an ihrer Schule. Dr. Maria Gutknecht-Gmeiner und Michaela Hoke (v. r.) Frau Hoke berichtete über den zeitlichen Ablauf von der Vorstellung an der Teilnahme am (europäischen) Projekt bis zur Durchführung. Wie in anderen QS-Verfahren wurden auch hier die Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, Themen, die im Peer-Review-Verfahren beleuchtet werden sollten, zu finden. Die Schwierigkeit lag in der Qual der Wahl, hatten die Kollegen doch 12 wichtige Themenfelder für sich reklamiert, mussten sich jedoch für zwei entscheiden, da mehr als zwei Themenbereiche von den Peers nicht abgedeckt werden können. Interessant war, dass sich die Themen nicht von denen nordrhein-westfälischer BK-Lehrkräfte unterscheiden: z. B. Arbeitszufriedenheit, Gesundheit am Arbeitsplatz. Im Herbst 2008 wurden die Ergebnisse der Befragungen vorgestellt. Vor der Fertigstellung des Selbstberichts stand noch die Formulierung der zu behandelnden Fragestellungen aus. Die Referentin wies darauf hin, dass die Fragestellung an sich sehr wichtig ist für die Arbeit der Peers. Eine Vorabsprache bietet sich da in der Praxis an. Die Fragen der Wiener Schule seien hier beispielhaft dar gestellt: Finden unsere Schüler feste, klare und transparente Strukturen und Regeln im Unterricht und Schule vor? Wenn ja: Sind diese Vorgaben sinnvoll? Wenn nein: Welche Vorgaben fehlen, bzw. wie könnte man fehlende Elemente ergänzen? Wäre durch eine Spezialisierung der Lehrer/-innen auf einige wenige Fächer eine Qualitätssteigerung des Unterrichts möglich? Würde dadurch das Angebot vertieft werden? Im Frühjahr 2009 stand der Peer-Besuch an. Die Referentin machte noch einmal deutlich, dass die Auswahl der Peers ausschließlich bei der Schule selbst liegt. Die Schule für Verwaltungsberufe in Wien hatte sich für vielfältige Außensicht entschieden: eine Vertreterin des österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung, eine Vertretung der Schulaufsicht in Finnland (ich erinnere: die Schule war Teil eines europäischen Projekts!), einen Vertreter einer Schule, vergleichbar mit unserem Wirtschaftsgymnasium, die Personalleiterin der Stadtverwaltung Wien. Der Peer-Review-Besuch selbst war gekennzeichnet durch Interviewrunden mit Schülern, Absolvent(inn)en (Outcome!), Arbeitgebern, Lehrkräften und der Schulleitung. Unterrichtsbesuche hatten nicht die unterrichtlichen Methoden im Fokus, sondern themenzentriert die Wahrnehmung vorhandener oder nicht vorhandener Regeln bzw. der Schulkultur, also des Umgangs miteinander. Unmittelbar nach den Gesprächsrunden erfolgte ein erstes Kurzfeedback. Was die Vorteile des Peer Review, die konkreten Maßnahmen vor Ort und das Resumee angeht, so empfehle ich einen Blick auf die vorgelegten Folien: Worauf die Kollegen nicht zurückgreifen konnten, waren Daten. Diese mussten erst einmal gesondert mittels einer Selbstevaluation mit Fragebögen gesammelt werden, wobei die Lehrkräfte in Schriftform und die Schüler/-innen online befragt wurden.

9 ARBEITSTAGUNG 7 Insgesamt wurde deutlich, dass Peer Review wie andere QS-Maßnahmen auch nicht ohne Einsatz des Kollegiums umgesetzt werden kann. Für den vlw stellt sich die Frage nach der Qualifizierung von Peers, nach der Frage der Bereitschaft von Berufskollegs, die als Piloten fungieren wollen etc. Ähnliche Ansätze wie die des Peer Review sind bereits in verschiedenen Landesteilen in NRW ausprobiert worden. Diese Erfahrungen gilt es zu nutzen, um systemisch eine Alternative zur QA auf der Basis einer (evtl. auch systemischen) Feedbackkultur zu präsentieren. Elke Vormfenne WORKSHOP 2 Qualitätsentwicklung in Berufskollegs durch eine neue Lehrerausbildung? Zum 1. Februar 2011 haben letztmalig Referendar(innen)e nach alter OVP 2003 ihre Ausbildung in den Seminaren und Berufskollegs aufgenommen. Der nächste Ausbildungsjahrgang wird erstmalig den reformierten Vorbereitungsdienst absolvieren. Im Mittelpunkt des Workshops 2 standen vor diesem Hintergrund die Information und die kritische Auseinandersetzung mit dieser neuen Konzeption der Lehrerausbildung. Vorbereitung auf den Vorbereitungsdienst Unter dieser Gliederungsüberschrift informierten Ursula Bastian und Marcus Feldhaus die Teilnehmer/-innen des Workshops über Zielsetzung, inhaltliche Schwerpunkte, Dauer und Zuständigkeiten hinsichtlich der verschiedenen Praxiselemente vor und während des Studiums an der Hochschule (Eignungspraktikum, Orientierungspraktikum, Praxissemester). Gudrun Kallenbach und Ingo Schaub erläuterten exemplarisch den Stand des Angleichungsprozesses zwischen Hochschulen und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) bezüglich der curricularen Abstimmung während des Praxissemesters. In der Diskussion wurde deutlich, dass insbesondere der schulpraktische Teil des Praxissemesters so angelegt sein muss, dass er erste grundlegende unterrichtspraktische Kompetenzen vermittelt. Nur dann ist sichergestellt, dass die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von 24 auf 18 Monate kompensiert wird. Strukturelemente des reformierten Vorbereitungsdienstes Ein zweiter Schwerpunkt des Workshops ist der Gedankenaustausch über die zentralen neuartigen Gudrun Kallenbach Akzente des Referendariats nach OVP 2011: die Personenorientierung und die Handlungsfeldorientierung. Gudrun Kallenbach und Ingo Schaub erläuterten zunächst, wie sich diese beiden grundsätzlichen Ausrichtungen in folgenden Strukturelementen konkretisieren: Eingangs- und Perspektivgespräch Personenorientierte und benotungsfreie Beratung mit Coachingelementen Kriterien- und standardorientierte Leistungsrückmeldungen Systematische Förderung eines selbstgesteuerten Kompetenzaufbaus Kompetenzorientiertes Kerncurriculum Institutionalisierte Ausbildungspartnerschaft zwischen ZfsL und Ausbildungsschule Im Gespräch über diese neuen Elemente kamen u. a. zwei Aspekte zur Sprache. Im Hinblick auf den Start des reformierten Vorbereitungsdienstes im Sommer/Herbst 2011 müssen zum ersten die Konzeption und die Abstimmung

10 8 ARBEITSTAGUNG der Ausbildungsprogramme von Schulen und ZfsL ein Arbeitsvorhaben sein, das zeitnah in Angriff genommen wird. Dabei ist sicherzustellen, dass die Entwicklungsarbeit sinnvoll koordiniert und gebündelt wird. Es kann nicht sein, dass jede einzelne Schule in Zusammenarbeit mit dem jeweils zugeordneten ZfsL das Rad immer wieder neu erfindet. Zum zweiten muss in den Ausbildungsschulen die neue Dimension der Funktion des Ausbildungsbeauftragten kommuniziert werden. Der neue Aufgabenbereich unterscheidet sich qualitativ und quantitativ wesentlich von dem des bisherigen Ausbildungskoordinators. Abschluss des Vorbereitungsdienstes: Die reformierte Staatsprüfung Ein dritter Akzent des Workshops lag auf der Neuordnung der Staatsprüfung. Clemens Eichhorst gab einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Neuerungen: Im Rahmen der Staatsprüfung ist keine Hausarbeit anzufertigen. Es muss weiterhin grundsätzlich zwischen Ausbildungsleistung (Langzeitbeurteilung während des VD) und Prüfungsleistung (Zeitpunktbeurteilung am Prüfungstag) unterschieden werden. Diese zwei Leistungsbereiche gehen gleichgewichtig mit je 50 Prozent in die Gesamtnote ein. Folgende Teilleistungen sind zu differenzieren: Ausbildungsleistung 50 % Langzeitbeurteilung der Schule 25 % Langzeitbeurteilung des ZfSL 25 % Prüfungsleistung 50 % Unterrichtspraktische Prüfung (1. Fach) 15 % Schriftliche Arbeit, max. 10 Seiten (1. Fach) 5 % Unterrichtspraktische Prüfung (2. Fach) 15 % Schriftliche Arbeit, max. 10 Seiten (2. Fach) 5 % Kolloquium (Dauer 45 Minuten) 10 % Für die Langzeitbeurteilung des ZfsL müssen sich die beiden fachlichen Seminarausbilder (bisherige Fachleiter) auf eine Note einigen. Der überfachliche Seminarausbilder (bisheriger Hauptseminarleiter) ist wegen seiner Beratungsfunktion von der Beurteilung ausgeschlossen. Die schriftliche Arbeit umfasst je zur Hälfte die Planung des Unterrichts (z. B. Ziele, didaktische Schwerpunkte, Verlauf der upp) sowie die Darstellung der zugehörigen längerfristigen Unterrichtszusammenhänge. Vor der Bewertung jeder unterrichtspraktischen Prüfung führt der Prüfling mit dem Prüfungsausschuss ein 15-minütiges Reflexionsgespräch über die Planung und Durchführung des Unterrichts. Es wird bei der Bewertung der upp berücksichtigt. Für die einzelnen Teilleistungen und für die Gesamtnote der Staatsprüfung gibt es nur die ganzen Notenstufen von sehr gut bis ungenügend. Der Prüfungsausschuss besteht aus drei Personen. Ein Schulvertreter gehört dem Prüfungsausschuss zukünftig nicht an. Der Prüfling kann weiterhin einen an seiner fachlichen Ausbildung beteiligten Seminarausbilder als Mitglied des Prüfungsausschusses vorschlagen. Erste kritische Reflexion des neuen Vorbereitungsdienstes In einer abschließenden Aussprache unter den Teilnehmern des Workshops kristallisierte sich ein erster Gesamteindruck heraus. Der reformierte Vorbereitungsdienst stellt grundsätzlich ein schlüssiges Gesamtkonzept dar. Positiv zu bewerten sind u. a. die Kompetenzorientierung auf der Basis eines einheitlichen Kerncurriculums und die neuartigen Formate zur Personenorientierung. Die Mitglieder des Ausschusses für Lehrerausbildung würdigten auch die Transparenz und Offenheit für Anregungen im bisherigen Entwicklungsprozess seitens der zuständigen Personen im Ministerium. Die vorgesehenen Ressourcen zur Umsetzung der neuen Konzeption in den Schulen und den ZfsL sind dagegen sehr defizitär. Exemplarisch deutlich wird dies an den unzureichenden zeitlichen Entlastungen für die Qualifizierung der Seminarleiter / überfachlichen Seminarausbilder (für das Format der personenorientierten Beratung) sowie für die Ausbildungsbeauftragten an den Schulen angesichts der neuen quantitativen und qualitativen Dimension ihres Aufgabenbereichs. Horst Neuhaus (Vorsitz Ausschuss für Lehrerausbildung) Ingo Schaub Horst Neuhaus, Ursula Bastian, Clemens Eichhorst (v. l.) Marcus Feldhaus

11 ARBEITSTAGUNG 9 WORKSHOP 3 Inklusion als Chance und Aufgabe für Berufskollegs Dieser Workshop wurde durchgeführt von Barbara Brokamp als Vertreterin der Montag Stiftung und Christian Schmidt als Mitglied des Bildungsauschusses. Die Montag Stiftungen haben u. a. das Ziel, benachteiligten Jugendlichen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Daher auch das Engagement, alle Schulformen über das Thema Inklusion zu informieren und es auch in Berufskollegs zu tragen (www.montag-stiftungen.de). Oftmals wird der Begriff Inklusion im ersten Moment nur mit Personen mit einer Behinderung bzw. einem Handicap in Verbindung gebracht. Diese Vorstellung brachten auch viele der Workshopteilnehmer mit. Es wurde jedoch sehr schnell deutlich, dass hinter diesem Begriff sehr viel mehr steckt Zum Einstieg unterhielten sich die Teilnehmer über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die sie untereinander spontan feststellen konnten. Hier kamen in kurzen Gesprächen mit dem jeweiligen Sitznachbarn schnell viele Merkmale zusammen. Die Frage, ob man selbst schon einmal wegen eines bestimmten Merkmals ausgegrenzt wurde, konnte fast jeder mit einem Ja beantworten. Allein diese einfache Fragestellung zeigte schnell und prägnant, dass Inklusion mehr bedeutet, als man zu Beginn der 90 Minuten gedacht hätte: nämlich einen willkommen heißenden Umgang mit Heterogenität. Und dass gerade Berufskollegs eine sehr heterogene Schülerschaft mit all ihren Chancen und Herausforderungen gegenüberstehen, ist nun wirklich für niemanden zu bezweifeln. Seit vielen Jahren gibt es in unserem Land nun bereits eine Integrationsdebatte nach der anderen und es tauchte schnell die Frage auf, wie sich nun Integration und Inklusion voneinander unterscheiden. Mit einprägsamen Beispielen machte die Referentin deutlich, dass es bei der Inklusion um die Gestaltung eines Umfeldes geht, welches auf Heterogenität so eingeht, dass alle Menschen gleichermaßen wertgeschätzt werden. Integration hingegen beschäftigt sich mit der Wiederaufnahme von Menschen in ein System, aus welchem sie vorher ausgeschlossen wurden. Mehr Inklusion von Anfang an bedeutet also weniger Integrationsbemühungen im Nachhinein. Die entscheidende Frage war aber nun: Wie kann Inklusion an einem Berufskolleg angestoßen werden und auch gelingen? Einen wichtigen Ansatzpunkt lernten die Teilnehmer sogleich kennen: den Index für Inklusion. Dieser Index gliedert sich in die drei Dimensionen Kulturen schaffen, Strukturen etablieren und Praktiken entwickeln. Diese drei Dimensionen unterteilen sich wiederum in sechs verschiedene Bereiche mit insgesamt 44 Indikatoren bzw. Merkmalen der Inklusion. Zu diesen Bereichen sind 560 konkrete Fragen formuliert, die jeweils einen Prozess der aktiven Aus - einandersetzung in Gang setzen können. Ein kurzes Beispiel, welches die Teilnehmer für ihre eigene Schule durchführten, machte Barbara Brokamp und Christian Schmidt schnell den praktischen Umgang mit dem Index deutlich: In der Dimension Kulturen schaffen ist der erste Bereich A1 Gemeinschaft bilden. Ein wichtiges Merkmal der Gemeinschaft an einer Schule ist es, dass sich jeder willkommen fühlt. Diesem Punkt kann man mit folgender Frage nachgehen: Werden Menschen bei dem ersten Kontakt mit der Einrichtung freundlich empfangen? Wer jetzt anfängt, für seine Schule über diese Frage nachzudenken, ist bereits mittendrin im Inklusions-Prozess Herzlich willkommen! Natürlich wurden anhand der vielfältigen und komplexen Herausforderungen auch kritische Stimmen laut: Wie kann eine Umsetzung aussehen? Sind die Forderungen realistisch? Welche Rolle sollten Förderschulen in diesem Zusammenhang spielen? Es wurde in der gemeinsamen Diskussion deutlich, dass eine Kultur der Inklusion aus dem System des Berufskollegs heraus erwachsen muss. Eine Inklusionskultur kann nicht von oben aufgesetzt werden. Jede Schule muss sich ausgehend von ihren Gegebenheiten auf den Weg machen und ihre individuellen Ressourcen dafür in ihrem Tempo nutzen. Ein erster handfester Schritt kann eine Implementierung des Index in die Bildungsgang- und Schulprogrammarbeit sein. Schon die erste Beschäftigung mit ein oder zwei der 560 Fragen kann hier einen Anfang darstellen. Für alle Interessierten hält der vlw für seine Mitglieder einen Nachdruck des Index für Inklusion bereit. Miriam Reitberger

12 10 ARBEITSTAGUNG WORKSHOP 4 Arbeitszeit der Lehrkräfte Teil 1: Pflichtstunden, Ermäßigungsstunden, Anrechnungsstunden Der Inhalt dieses ersten Teils des Workshops 4 und die im Text genannten Paragrafen beziehen sich auf die Verordnung zur Ausführung des 93 Abs. 2 SchulG (VO zu 93 Abs. 2 SchulG) und die zugehörigen Verwaltungsvorschriften (AVO-Richtlinien). Beides findet man in der BASS Nr. 1 und Nr Die rechtlichen Regelungen zu den genannten Stichworten Pflichtstunden, Ermäßigungsstunden und Anrechnungsstunden wurden von Ulrich Gründling und Ralf Jeschke vorgestellt und Nachfragen der Teilnehmer ausführlich beantwortet. Im Folgenden werden die Stichworte genannt und kurz erläutert. Wöchentliche Pflichtstunden ( 2 Abs. 1 AVO-RL) Die wöchentlichen Pflichtstunden für Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs betragen 25,5 WS. Ermäßigung aus Altersgründen ( 2 Abs. 2 AVO-RL) Ab Beginn des Schuljahres, a) das auf die Vollendung des 55. Lebensjahres folgt, erhalten Vollzeitbeschäftigte eine Ermäßigung um 1 WS, b) das auf die Vollendung des 60. Lebensjahres folgt, erhalten Vollzeitbeschäftigte eine Ermäßigung um 3 WS. Bei Teilzeitbeschäftigung werden die Ermäßigungsstunden in Abhängigkeit vom Umfang der Teilzeit entsprechend gekürzt. Ermäßigung für schwerbehinderte Lehrkräfte ( 2 Abs. 3 AVO-RL) Hier ist die Ermäßigung abhängig vom Grad der Behinderung (GdB) und von einer eventuellen Teilzeitbeschäftigung. Die Ermäßigung beträgt zwischen 2 WS (mindestens GdB 50 und Vollzeit) und 4 WS (mindestens GdB 90 und Vollzeit) und wird bei Teilzeitbeschäftigung entsprechend gekürzt (vgl. AVO-RL). Diese Regelermäßigung kann auf Antrag befristet um weitere 4 WS erhöht werden. Da diese zusätzliche Erhöhung gut begründet werden muss, sollten Betroffene sich bei den Vertrauenspersonen für schwerbehinderte Lehrkräfte Rat holen. Da Teilzeit in der Regel zu einer Verringerung der Ermäßigungsstunden führt, sollte bei einer Entscheidung für eine Teilzeitbeschäftigung insbesondere 2 Abs. 7 AVO-RL berücksichtigt werden. Danach bleiben die Ermäßigungsstunden ungeschmälert, wenn die Wochenstundenzahl um nicht mehr als 2 WS verringert wird! Anrechnungsstunden ( 2 Abs. 5 in Verbindung mit 7, 8 AVO-RL) Jede Schule verfügt in Abhängigkeit von den Grundstellen über sogenannte Anrechnungsstunden; im schulischen Sprachgebrauch werden sie Entlastungsstunden oder Lehrertopf genannt. Diese Anrechnungsstunden sind gedacht für die ständige Wahrnehmung besonderer schulischer Aufgaben, zum Ausgleich besonderer unterrichtlicher Belastungen und für die Mitgliedschaft im Lehrerrat (vgl. 2 Abs. 5). Die Grundstellen jeder Schule ergeben sich aus der Schüler-Lehrer-Relation für die jeweilige Schulform und den jeweiligen Bildungsgang ( 8 Abs. 1 AVO-RL). Für die endgültige Stellenberechnung ist die Schülerzahl zum Stichtag 15. Oktober im laufenden Schuljahr maßgebend ( 7 Abs. 2). In 2 Abs. 5 werden dann für jeden Bildungsgang die Anrechnungsstunden je Stelle vorgegeben. In Übereinstimmung mit dem Schulgesetz (dort 68 Abs. 3 Punkt 1) legt 2 Abs. 5 fest, dass die Lehrerkonferenz über die Grundsätze zur Verteilung der Anrechnungsstunden auf Vorschlag der Schulleiterin oder des Schulleiters entscheidet. Sollte die Lehrerkonferenz einem Vorschlag der Schulleitung nicht zustimmen, so unterbreitet die Schulleitung der Lehrerkonferenz mit dem Ziel der Einigung einen neuen Vorschlag. Die Schulleitung soll die Anregungen der Lehrerkonferenz für die Grundsätze berücksichtigen Ralf Jeschke Roland Wießmann und Jürgen Hoffmann (v. l.)

13 ARBEITSTAGUNG 11 (vgl. Verwaltungsvorschrift Punkt zu 2 Abs. 5; ebenfalls in BASS Nr. 1.1). Über die Verteilung der Anrechnungsstunden im Einzelnen entscheidet dann die Schulleiterin oder der Schulleiter nach den festgelegten Grundsätzen unter Berücksichtigung der jeweiligen besonderen Inanspruchnahme der Lehrerinnen und Lehrer, soweit sich diese nicht aus dem Inhalt des Amtes ergibt. Nicht zulässig ist die Vergabe von Anrechnungsstunden, wenn eine Lehrkraft für einen Verteilungsgrundsatz befördert wurde. Nicht zulässig ist auch eine numerisch gleichmäßige Verteilung der gesamten Anrechnungsstunden auf das ganze Kollegium. Anmerkung: In der nächsten Kaufmännische Schule erscheint ein ausführlicher Artikel zum Thema Anrechnungsstunden. Dort werden Berechnungsbeispiele gezeigt und Beispiele für Verteilungsgrundsätze genannt. Ulrich Gründling & Ralf Jeschke Teil 2: Mehrarbeit und ihre Abrechnung Auch im 2. Teil des Workshops zeigten die vielen Fragen der Teilnehmer rund um die Mehrarbeit, dass immer noch ein hoher Informationsbedarf zu diesem Thema besteht. In einer Schule erklärt die Schulleitung, dass die vereinbarten zwei Springstunden im Stundenplan bei Inanspruchnahme für Vertretung nicht als Mehrarbeit abgerechnet werden dürfen, in einem anderen Fall wird die Abrechnung der Mehrarbeit nicht weitergeleitet. Einer Teilzeitbeschäftigten wird die Erhöhung ihres Stundendeputates statt Mehrarbeitsabrechnung während des lfd. Schuljahres verweigert und öfter wird versucht, den Stundenausfall in Prüfungsklassen schon vorab in den Stundenplan einzubeziehen. Alle diese Vorgehensweisen sind unzulässig und durch keine Rechtsvorschrift abgedeckt. Im Folgenden werden die wichtigsten Grundsätze und Regelungen kurz zusammengestellt. Mehrarbeit muss stets angeordnet sein Vergütbare Mehrarbeit ist nur die über die individuelle Pflichtstundenzahl hinausgehende Unterrichtstätigkeit. Keine vergütbare Mehrarbeit ist z. B. die Teilnahme an Konferenzen, Elternsprechtagen, Schulveranstaltungen, Besuch von Schülern während der Berufspraktika, u. Ä. Regelmäßige Mehrarbeit (länger als 4 Wochen) Ohne Einwilligung der Lehrkraft bis zu 2 Wochenstunden für maximal 2 Wochen möglich, wenn dienstliche Gründe dies zwingend erfordern, mit Einwilligung der Lehrkraft bis zu 6 Wstd. bzw. Mehrarbeit länger als 2 Wo. möglich, wenn dienstliche Gründe dies zwingend erfordern, die Mehrarbeitsstunden werden im Stundenplan ausgewiesen, Freizeitausgleich im nächsten Schul(halb)jahr (sinnvoll, aber eher Theorie ), Abrechnung für Vollzeitkräfte zum Stundensatz von 27,71, ( 4 Abs. 3 Satz 1 MVergV Mehrarbeitsvergütungsordnung, Stand ) aber nur für tatsächlich geleistete Stunden, nicht an Feiertagen oder in den Ferien. Deshalb die Empfehlung: Teilzeitkräfte sollen bei regelmäßiger Mehrarbeit vorübergehend ihr Stundendeputat entsprechend erhöhen. Gelegentliche Mehrarbeit (z. B. Ad-hoc-Vertretungen) schriftliche Anordnung durch den Schulleiter, z. B. durch den Vertretungsplan, Berechnungszeitraum ist der jeweilige Kalendermonat, die Abrechnung und Bezahlung via LBV erfolgt i. d. R. zum Schulhalbjahresende, Abrechnungsgrundsatz: mehr geleistete Stunden (z. B. Vertretung) abzüglich Ausfallstunden (z. B. Abwesenheit von Klassen) = vergütbare Mehrarbeit pro Monat. Eine Verrechnung mit Ausfallstunden in anderen Monaten ist unzulässig. Die Bagatellgrenze für Vollzeitkräfte liegt bei 3 Unterrichtsstunden pro Monat, d. h. erst ab 4 geleisteten Mehrarbeitsstunden wird die Mehrarbeit bezahlt, dann allerdings die gesamten geleisteten Mehrarbeitstunden von der ersten Stunde an. Hierbei gibt es häufig Unsicherheiten, wenn z. B. 5 Vertretungsstunden angefallen sind, aber 2 Ausfallstunden wegen Wandertag etc. abgezogen werden. Dann werden immer noch 3 Mehrarbeitsstunden zum Stundensatz von 27,71 bezahlt, da ja insgesamt mehr als 3 Stunden geleistet wurden. Für teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte (tarifbeschäftigt oder verbeamtet) gibt es zwei wesentliche Unterschiede: Die Bezahlung erfolgt schon ab der ersten Mehrarbeitsstunde, es gibt keine Bagatellgrenze. Die Vergütung erfolgt nicht mit dem Stundensatz von 27,71, sondern als anteiliges Entgelt bzw. anteilige Besoldung mit einem entsprechend höheren Stundensatz, der mit dem Faktor 4,348 ermittelt wird. Beispiel: Teilzeit mit 17 Stunden, A14, Erfahrungsstufe 9. Vollzeit: 4.288,54 x 17 / 25,5 = 2.859,-- Teilzeitbesoldung 17 Std. x 4,348 = 73,92 Std. Monatsarbeitszeit 2.859, / 73,92 Std. = 38,68 pro Mehrarbeitsstunde statt 27,71.

14 12 ARBEITSTAGUNG Bei z. B. insgesamt 11 abrechenbaren Mehrarbeitsstunden für das Schulhalbjahr ergibt sich ein Betrag von 11 x 38,68 = 425,48 Mehrarbeitsvergütung. Hierbei gilt auch Altersteilzeit als Teilzeitbeschäftigung. Die Verjährungsfrist der Ansprüche für Beamte beträgt 3 Jahre, für Tarifbeschäftigte aber nur 6 Monate. Wenn wir einerseits unsere Forderung nach angemessener Alimentierung mit den jährlichen Anträgen auf Rücknahme der Kürzung der Sonderzahlung und Streichung des Urlaubsgeldes unterstreichen, sollten wir andererseits nicht auf die zustehende Vergütung von Mehrarbeit verzichten. Der RdErl. schließt mit Hinweis auf 2 Abs. 3 BBesG den Verzicht für beamtete Lehrkräfte sogar ausdrücklich aus. Weitere Informationen finden Sie auf der vlw-homepage im internen Bereich in der Rechtssammlung, auf den Seiten der Bezirksregierungen (z. B. Düsseldorf und Arnsberg) sowie in der BASS Nr. 21 Mehrarbeit und nebenamtlicher Unterricht im Schuldienst. Jürgen Hoffmann & Roland Wießmann WORKSHOP 5 Zukunftsfähige Konzepte für die Arbeitszeit der Lehrkräfte? und anschaulichen Vortrags eines Kollegen des Freiherrvom-Stein-Berufskollegs in Minden konnten die Besucher die praktische Umsetzung des Arbeitszeitmodells nachfühlen. Der Kollege erlaubte mit der Offenlegung seines Stundenplans, die Vielzahl der Aufgaben und ihrer Wertigkeit in (Arbeits-)Stunden einen vertieften Einblick in das Mindener Modell. Im angeregten Erfahrungsaustausch wurde deutlich, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Schulleitung und Kollegium und eine transparente Informationspolitik zu den wesentlichen Gelingensfaktoren gehören. Delegierte im Erfahrungsaustausch Einleitend sei es bereits gesagt: Das Fragezeichen hinter dem Titel des Workshops wurde im Verlauf der 90 Minuten nicht aus der Welt geräumt. Dennoch kann man feststellen, dass viele offene Fragen der Kolleginnen und Kollegen zum Stichwort Arbeitszeitkonto und Mindener Modell geklärt werden konnten. Offen blieb jedoch, ob das Mindener Modell ohne Weiteres auf jedes andere Berufskolleg zu übertragen ist. Als besonders dringlich wurde von den Kolleginnen und Kollegen eine permanente Aufgabensichtung und Aufgabenkritik sowie eine Überprüfung der Faktorisierung der Fächer angesehen. Christiane Lechtermann Die beiden Workshops, die der Ausschuss Recht und Besoldung zum Thema Arbeitszeit der Lehrkräfte gestaltet hatte, deckten das gesamte Spektrum möglicher Fragen zu dieser Thematik ab. In Workshop 7 wurden die Grundgedanken und Grundprinzipien des Pflichtstundenmodells (die klassische Variante) und des Mindener Modells gegenübergestellt sowie weitere schulinterne Regelungen vorgestellt. Es blieb jedoch nicht bei der grauen Theorie. Dank des spannenden Christiane Lechtermann

15 ARBEITSTAGUNG 13 WORKSHOP 6 Wege durch den Tarifdschungel Willkommen im Dschungelcamp so lautete die Begrüßung der Teilnehmer. Auch der Hinweis, dass es Maden oder Kröten zu schlucken gäbe, führte nicht zu einem sofortigen Reißaus, sondern eher zu neugierigem Interesse. Der Workshop begann mit einem Rückblick auf den Streik und die Kundgebung am 1. März 2011, bei der die Mitglieder des vlw zahlreich vertreten waren. Die Tarifeinigung, die dann am Freitag, dem 10. März, zustande kam, enthält folgende Einkommenserhöhungen: Für den Zeitraum 1. Januar bis 31. März 2011 erfolgt eine Einmalzahlung in Höhe von 360,00 (anteilig für Teilzeitbeschäftigte); die Zahlung soll Gabi Kulla und Monika Marx (v. l.) bis spätestens zum 31. Mai 2011 erfolgen. Ab 1. April 2011 werden die Tabellenentgelte um 1,5 % erhöht, ebenso Garantiebeträge und Besitzstandszulagen. Ab 1. Januar 2012 werden die Tabellenentgelte um 1,9 % erhöht, einschl. der Garantiebeträge und Besitzstandszulagen; anschließend werden die Tabellenwerte um 17,00 erhöht. Die Zustimmung zu diesem Ergebnis war verhalten, aber positiv. Die Frage, ob man mit einer zeitgleichen Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamten rechnen könne, führte zu Unmut bei den Tarifbeschäftigten. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass bei einer 1:1-Übertragung die Schere der Nettobezüge zwischen Beamten und Angestellten noch weiter auseinandergehen würde, dabei wäre doch eine der Forderungen gewesen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die geforderte Entgeltordnung war nicht Bestandteil des Tarifergebnisses. Vereinbart wurde lediglich, dass die derzeitige Regelung zum 1. Januar 2012 gesondert gekündigt werden kann, sodass dazu eigenständige Arbeitskampfmaßnahmen geführt werden können. Zur Altersteilzeit wurde vereinbart, dass auf landesbezirklicher Ebene Tarifverhandlungen zur ATZ im Rahmen des Altersteilzeitgesetzes geführt werden können. Wann hier mit ersten Verhandlungen zu rechnen ist, ist unbestimmt. Lehrertabelle gültig ab Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe , , , , , , , , , ,72 13SR 3.110, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,97 Lehrertabelle gültig ab Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe , , , , , , , , , ,78 13SR 3.186, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,44 Alle Angaben ohne Gewähr Quelle der Werte: Nach der Erörterung der zukünftigen Gehaltsansprüche setzten sich die Teilnehmer mit der immer wieder aktuellen Abrechnung auseinander. Unter der Überschrift Gehaltsabrechnung nachvollziehbar wurde im zweiten Teil des Workshops am konkreten Beispiel detailliert erklärt, wie sich zusatzversorgungs-, steuer- und sozialversicherungspflichtige Bruttobezüge zusammensetzen. Dazu wurden Beträge der Zusatzversorgung berechnet, die durch Versteuerung und Sozialversicherung zu den differenten Bruttogehältern führen. Die einzelnen Schritte konnten auf einer leeren Gehaltsabrechnung notiert und nachvollzogen werden. Im letzten Teil des Workshops standen die Referentinnen Monika Marx und Gabi Kulla Rede und Antwort: So konnten die unterschiedlichsten Fragen der Teilnehmer, beispielsweise zu Befristung und Beendigung des Arbeitsvertrages, Entgeltfortzahlung, Altersentlastung und Jubiläumsgeld, beantwortet werden. Mit der Aussicht, sich beim nächsten Streik wiederzusehen, um auch weiterhin Einkommenszuwächse zu erwirken, gingen die Teilnehmer in die wohlverdiente Mittagspause. Monika Marx

16 14 ARBEITSTAGUNG WORKSHOP 7 Stark für Sie Was Personalräte für die Kolleginnen und Kollegen tun Personalratsarbeit ist Teamarbeit. Also traten die Referenten gleich im Viererpack an, um den zahlreich erschienen Kolleginnen und Kollegen unter dem Motto Ihre Personalvertretung kann mehr für Sie tun, als Sie vielleicht Unterstützung durch den Personalrat Monika Marx, Jürgen Rabenow und Birgitt Siegel (v. l.) denken, über die Möglichkeiten der Personalratsarbeit, aber auch ihre Grenzen, über typische Problemfälle und ihre Lösungen und über Ansprechpartner zu informieren. Monika Marx vom Bezirkspersonalrat Düsseldorf, Birgitt Siegel vom Bezirkspersonalrat Münster, Birgit Klammer, Vertrauensperson der Schwerbehinderten im Bezirk Düsseldorf, und Jürgen Rabenow, Personalratsvorsitzender des Bezirkspersonalrates Münster, versuchten, das Spektrum der Möglichkeiten, welches das Landespersonalvertretungsgesetz dem Personalrat eröffnet und das durch die anstehende Novellierung erheblich erweitert wird, exemplarisch vorzustellen. Mit Elan und gut gerüstet mit Infoblättern, Powerpoint-Vortrag und einem personalratstypischen Geschenk ging das Team ans Werk. Dass die ersten Powerpoint-Folien zunächst klemmten, erwies sich als Vorteil, da man dadurch schneller ins eigentliche Gespräch kam. Das erfolgreiche Schlagwort unseres Personalratswahlkampfes 2008 Stark für Sie war dabei der richtige Ansporn, ebenso der Gedanke an die 2012 erneut anstehenden Personalratswahlen. Monika Marx und Jürgen Rabenow spielten sich dabei die Bälle zu, als es um die Klärung der Rolle und um das Selbstverständnis der Personalratsarbeit ging. Wir verstehen uns als engagierte Interessenvertretung, die konsequent für die Rechte der Beschäftigten eintritt, aber die Dienststelle, also die Bezirksregierung, ist dabei nicht unser Gegner, sondern unser Partner. Oberster Leitsatz ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Personalrat und Dienststelle zum Wohle der Beschäftigten, betonte Jürgen Rabenow. Damit wir aber helfen können, benötigen wir die notwendigen Informationen. Sie können sich zu jeder Zeit an den Personalrat wenden und ihn um Unterstützung bitten, und zwar ohne Einhaltung des Dienstweges. Alle Personalratsmitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, sodass niemand fürchten muss, die Schulleitung oder die Schulaufsicht könnte etwas davon erfahren, betonte Monika Marx, die zudem über die unterschiedlichen Aufgabenfelder einen Überblick gab. Speziell über die laufenden Versetzungsverfahren informierte Jürgen Rabenow. Er riet, sich zunächst beim Portal über den jeweils gültigen Versetzungserlass kundig zu machen. Wichtig sei die Freigabeerklärung durch Schulleitung und Bezirksregierung. Versuchen Sie auch selbst an Ihrem Wunschort eine Schule zu finden und vor allem: Informieren Sie Ihren Personalrat, senden Sie ihm eine Kopie Ihres Versetzungsantrages und bitten Sie um seine Unterstützung, riet er den Zuhörern. Birgitt Siegels Part waren die dienstlichen Beurteilungen zur Feststellung der Bewährung in der Probezeit und aus Anlass von Beförderungen und die daraus resultierenden Beschreibungen der Leistungsnoten. Was wird überhaupt beurteilt? Wie lange vorher müssen z. B. Unterrichtsbesuche angekündigt werden? Was kann der Beurteilte tun, wenn er mit seiner Beurteilung nicht zufrieden ist? Wie lange haben die Beurteilungen Gültigkeit? Dies sind einige der typischen Fragen, die den Personalräten gestellt werden und auf die Birgitt Siegel einging. Aufgrund des regen Interesses und der vielen Fragen der Workshop-Teilnehmer verging die Zeit wie im Fluge. Schließlich standen auch nur 90 Minuten zur Verfügung. Zu den vielfältigen Aufgaben des Personalrates zählen auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz, Prävention und Wiedereingliederung nach längerer schwerer Krankheit. Birgit Klammer stellte aus diesem Bereich die BEM-Beratung vor. BEM steht für Betriebliches Eingliederungs- Management verbunden mit einem Gesprächsangebot der Dienststelle, wenn ein Beschäftigter länger als sechs Wochen ununterbrochen oder mit Unterbrechungen krank ist. Frau Klammer riet dazu, dieses Gesprächsangebot

17 ARBEITSTAGUNG 15 anzunehmen, gleichzeitig aber die Beteiligung eines Mitgliedes des Personalrates und bei Schwerbehinderten die Beteiligung der Vertrauensperson der Schwerbehinderten zu verlangen. An diesem Beispiel wurde auch deutlich, wie eng die Zusammenarbeit zwischen Personalvertretung und Schwerbehindertenvertretung ist. Schließlich nimmt die Vertrauensperson der Schwerbehinderten turnusmäßig an den Sitzungen des Personalrates teil. Zum Abschluss gab Birgit Klammer auch noch praktische Tipps für das Verhalten bei sozialen Konfliktfällen im Arbeitsbereich der Schule. Damit allen Teilnehmern des Workshops der Personalrat als unverzichtbares, positives Gremium, das soliden Schutz bietet, in Erinnerung bleibt, wurde am Ende der Veranstaltung jedem ein Schirm in den Farben des vlw überreicht, untermalt von der nun wirklich letzten Powerpoint-Folie mit einem der zentralen Leitgedanken unserer Personalratsarbeit: Wir lassen Sie nicht im Regen stehen! Birgitt Siegel, Jürgen Rabenow WORKSHOP 8 Schulische Belastung gesundheitlich kompensieren Ralf Schroer, Osteopath aus Mönchengladbach, führte mit dem Statement: Ich möchte ich will ich muss kann aber jetzt nicht mehr! in die Problematik steter Belastung und Überbelastung ein. Überzeugend und oft auch für die Besucher/-innen des Workshops überraschend zeigte er auf, wie über die Jahrzehnte gepflegte unbewusste Gewohnheiten zu körperlichen Dysfunktionen führen können. Am Beispiel einer regelmäßig gleichen Trageweise von Handtasche, Akten, Trolly usw. zeigte er die sich mit den Jahren entwickelnde Deformationen oder Verspannungen des Stützapparates auf. Mithilfe einer Wirbelsäulenplastik wurden die unterschiedlichen Beschwerdebilder anatomisch nachgestellt. Der vortragende Osteopath reflektierte dabei das konkrete situative Verhalten der Teilnehmer während seines Vortrages und zeigte die daraus resultierenden gesundheitlichen Konsequenzen auf. Viele Zuhörer erfuhren ein Aha-Erlebnis was zu radikalem Umbruch von eigenen lieb gewordenen Bewegungsmustern führte. Abschluss des Workshops waren praktische Übungen zu typischen Alltagssituationen, wie u. a. das Heben von Lasten oder die richtige Sitzhaltung während Korrekturen und Arbeiten am PC. Resümee: Zwei Stunden, die das Leben veränderten. Walter Verbücheln Ralf Schroer aktivierte wissbegierige Lehrkräfte. WORKSHOP 9 Wie entwickeln sich unsere Berufskollegs weiter? Als wesentlichen Kernaspekt zur Neugestaltung des Bildungsangebotes der Berufskollegs stellte Herr LMR Stigulinszky den Abbau von Warteschleifen durch die Anrechnung von erworbenen Bildungskompetenzen und absolvierten Ausbildungsbausteinen auf Bildungsangebote innerhalb und außerhalb des Systems Berufskolleg dar. Das vorgestellte Konzept wird seit dem Schuljahr 2009/2010 entwickelt und soll zum Schuljahresbeginn 2013/14 greifen. Um Anrechnungen zu ermöglichen, wurden bereits im letzten Schuljahr für alle sieben Bereiche der APO-BK Handlungsfelder definiert, die in Arbeits- und Geschäftsprozesse unterteilt wurden. Für das jeweilige Bildungsangebot der Berufskollegs gilt es nun festzulegen,

18 16 ARBEITSTAGUNG welche der definierten Arbeits- und Geschäftsprozesse in welchem Vertiefungsgrad in den Lehrplan aufgenommen werden sollen. Ist diese Entscheidung gefällt, werden die zuständigen Lehrplankommissionen auf dieser Basis Lernfelder, Kompetenzen und Fächer für die einzelnen Bildungsangebote formulieren. Alle Lehrpläne sollen zur besseren Übersichtlichkeit und leichteren Verzahnung eine einheitliche Struktur erhalten. 1 LMR Richard Stigulinsky und Claudia Eickmann Eine rege Diskussion entwickelte sich, als deutlich wurde, dass die einjährige BFS für Jugendliche mit mittlerem Bildungsabschluss nicht mehr angeboten werden soll. Die Kolleginnen und Kollegen vermissten alternative Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler, die zwar formal über eine Zugangsqualifikation für bestimmte Bildungsgänge verfügen, in diesen aber dennoch aufgrund fehlender Kompetenzen zum Scheitern verurteilt sind. Herr Stigulinszky erläuterte, dass die Landesregierung diese Diskrepanz durch ein verbessertes Beratungssystem ab Klasse 8 mit regelmäßigen Potenzialanalysen, Berufsorientierung, verbindlichen Praktika, Beratung und Übergangsempfehlungen etc. aufzufangen gedenkt. Die freiwillige Datenfreigabe, die eine aufeinander aufbauende Beratung sicherstellt, erfolgt durch die Eltern in Klasse 8. Gerade förderbedürftige Jugendliche würden frühzeitig erkannt und durch Direktangebote zur Herstellung der Ausbildungsreife gefördert. Entsprechende Koordinierungsstellen sollen bei den Gebietskörperschaften eingerichtet werden. Diese sollen Jugendlichen mit Förderbedarf sofort im Anschluss an die letzte Fördermaßnahme verbindliche, arbeitsmarktrelevante Ausbildungsangebote 2 zur Verfügung stellen. Auf Rückfrage erläuterte Herr Stigulinszky, dass die Arbeitsmarktrelevanz von Angeboten auf der Grundlage von Fachkräfteanalysen des Arbeitsministeriums festgelegt werden wird. Gerade in Bereichen, in denen den Jugendlichen direkte und verbindliche Ausbildungsangebote unterbreitet werden sollen, sind lt. Herrn Stigulinszky Angebote der BKs wünschenswert, wenn in ihnen arbeitsmarktrelevante Abschlüsse 3 erworben werden. Etablierte Assistentenbildungsgänge können vor diesem Hintergrund weitergeführt, ggf. sogar ausgebaut werden. Auch hier sollen jedoch Anrechnungsmöglichkeiten auf Studien an Fachhochschulen und Hochschulen und Anrechnungsmöglichkeiten im dualen System festgelegt werden. Ausbildungsverträge sollen gerade bei förderbedürftigen Jugendlichen auch während des Schuljahres, sobald die Schülerinnen und Schüler ausbildungsreif sind, abgeschlossen werden, um direkte Anschlüsse im dualen System ohne Warteschleifen zu ermöglichen. Zur Einordnung der Bildungsangebote der Berufskollegs in den DQR ergaben sich auf Rückfrage folgende Aussagen: Die in die Fachakademie umbenannte Fachschule soll auf Stufe 6 des DQR, gleichwertig mit dem Bachelor, angesiedelt werden, das Abitur auf der Stufe 5. In der dualen Ausbildung ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Herr Stigulinszky hielt jedoch eine Zuordnung der unterschiedlichen dualen Ausbildungen je nach Anspruchsniveau auf verschiedenen Niveaustufen des DQR (Stufe 3 bis Stufe 5) für möglich. Nach dem Zeitplan der Landesregierung soll die neue APO-BK am 1. August 2013 in Kraft treten. Erste Teile, wahrscheinlich auch der Lehrplan für die höhere Handelsschule, sollen bereits im August 2012 veröffentlicht werden. Die Teilnehmer/-innen gaben Herrn Stigulinkszky zahlreiche Denkzettel mit auf den Weg, die ihren Schwerpunkt in den Bereichen Anrechnungen in der dualen Ausbildung, Notwendigkeit einer einjährigen Berufsfachschule und Aufwertung der Fachschule haben. Im Anschluss an die rege Diskussion in den beiden Workshops sagte Herr Stigulinszky zu, die aufgeworfenen Aspekte mit in seine Überlegungen einfließen zu lassen und sich die Denkzettel der Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Herzen zu nehmen. Anmerkung 1 Vgl. Folie Struktur der Bildungs- und Lehrpläne. 2 Vgl. Folie Vorgesehene Handlungsfelder und Instrumente des Gesamtkonzeptes. 3 Vgl. Folie Vorgesehene Handlungsfelder und Instrumente des Gesamtkonzeptes. Die Präsentation von Herrn LMR Stigulinszky ist unter www-vlw-nrw.de -> Service -> DKS aktuell -> Hintergrund abrufbar. Christiane Rosenthal

19 AUSSCHÜSSE 17 AUSSCHUSS RECHT UND BESOLDUNG, ARBEITSGRUPPE BEIHILFE Belastungsgrenze Was ist denn das? Immer etwas Neues von der Beihilfe Zum 01. Januar 2010 wurde vom Finanzministerium NRW zugunsten der Beihilfeberechtigten eine sogenannte Belastungsgrenze in die Beihilfeverordnung (BVO) aufgenommen. Auch wenn der Name es nahelegen mag, handelt es sich nicht um eine zusätzliche Belastung, sondern um eine Belastungsobergrenze. Ab dem begrenzt sie gemäß 15 BVO die finanziellen Belastungen der Beihilfeberechtigten. Es dürfen bei jedem Beihilfeberechtigten die drei folgenden Positionen a) die Kostendämpfungspauschale b) der Eigenanteil bei zahntechnischen Leistungen (d. h. Material- und Laborkosten bei der Versorgung mit Zahnersatz, Zahnkronen und Suprakonstruktionen) c) die Selbstbehalte bei Inanspruchnahme von Wahlleistungen (z. B. Chefarztbehandlung, 2-Bett-Zimmer) bei stationären Behandlungen in ihrer Summe im laufenden Kalenderjahr 2 % der Bruttojahresbezüge des Vorjahres nicht überschreiten. Ab dem ist auf allen Beihilfebescheiden die Belastungsgrenze angegeben. Zu den maßgeblichen Bruttojahresverdienst- oder Versorgungsbezügen des Vorjahres zählen: Grundgehalt Allgemeine Stellenzulagen Familienzuschlag OHNE kinderbezogene Anteile vermögenswirksame Leistungen Sonderzahlungen Ruhegehalt Witwen- bzw. Witwergeld Waisengeld Nicht berücksichtigt werden variable Bezügebestandteile, z. B. für Mehrarbeit Bei Erreichen der Belastungsgrenze werden keine weiteren Selbstbehalte mehr abgezogen. Dies bedeutet, dass nach Überschreiten dieser Belastungsobergrenze für die drei Positionen (a c) keine weiteren Selbstbehalte von der beantragten Beihilfe abgezogen werden dürfen. Die Beihilfeberechtigten werden automatisch in jedem Beihilfebescheid seitens der Beihilfestellen über den aktuellen Stand der bereits geleisteten Eigenanteile informiert. So ist genau nachvollziehbar, wann die individuelle Belastungsgrenze im Kalenderjahr erreicht ist. Folgendes Beispiel für eine typische Lehrkraft am Berufskolleg (A12 A15 / 1 berücksichtigungsfähiges Kind) verdeutlicht die Zusammenhänge: a) Belastungen nach altem Recht (bis ): 240 Euro jährliche Kostendämpfungspauschale 600 Euro Selbstbehalt zahntechnische Leistungen 400 Euro Wahlleistungen Krankenhaus (Chefarzt, Zweibettzimmer) = Euro Abzug von der beantragten Beihilfe nach altem Recht b) Belastungen nach neuem Recht (ab ): 240 Euro jährliche Kostendämpfungspauschale 600 Euro Selbstbehalt zahntechnische Leistungen 400 Euro Wahlleistungen Krankenhaus (Chefarzt, Zweibettzimmer) = Euro persönliche Belastungsgrenze (= Obergrenze) = Euro Abzug von der beantragten Beihilfe nach neuem Recht Das heißt: Nach neuem Recht wird der Beihilfeberechtigte im o. a. Beispiel 240 Euro weniger als nach altem Recht belastet. Es handelt sich also um eine Verbesserung für den Beihilfeberechtigten. Jürgen Hoffmann NOTIZEN Alle Daten auch im Internet unter

20 18 AUSSCHÜSSE ARBEITSKREIS ARBEITSSICHERHEIT UND GESUNDHEITSSCHUTZ Tonerstaub in der Atemluft Die Atemluft von Schülern als auch Lehrern wird bei jedem Druckvorgang an ihren Arbeitsplätzen von Tonerstäuben kontaminiert. Besonders Personen, die zu allergischen Reaktionen neigen, entwickeln grippeähnliche Symptome, wenn die Belastung durch Tonerstäube zu groß wird. Geschwollene Nasennebenhöhlen, entzündete Augen, Stimmbandreizung, eingeschränkte Atmung usw. sind beobachtbare körperliche Reaktionen einer anhaltenden Exponierung. Dabei nimmt die Stresstoleranz des Körpers bei andauernder Belastung durch Feinstäube exponentiell ab. Die Gefahr von chronischen Krankheitsbildern bedroht immer die Arbeitsfähigkeit. Ganz zu schweigen vom Verlust der Lebensqualität, wenn selbst die Zeit nach Schule und Schreibtisch nicht mehr zur körperlichen Regeneration ausreicht. Am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung Volksgartenstraße in Mönchengladbach, gelang es dem DV-Adminis trator Michael Heinen (Fon dienstl ) mit Unterstützung einer sensibilisierten Schulleitung Schüler und Kollegen von dieser Belastung zu befreien. In den unterrichtsfreien Ostertagen 2010 rüstete er alle Laserdrucker des Berufskollegs mit Tonerfiltern nach. Er griff speziell auf diverse Druckertypen zugeschnittene Modelle von tesa, office technology zu, die in allen einschlägigen Bürobedarfshandelshäusern angeboten werden (hier: Bürobedarf Walter Kleeschulte, Mönchengladbach, Fachberater Herr Bollermann). Sie werden mithilfe eines Klettbandes an der Luftaustrittsöffnung der jeweiligen Drucker angebracht. Das ermöglicht den schnellen und leichten jährlichen Filtermodulaustausch. Die Filter haben mit einem Preis von je 19,95 für das ganze Haus einen Etat von rd. 620 beansprucht. Wer ganz aktuelle Laserdrucker verwendet, kann unter Umständen das Glück haben, schon mit Feinstaubfiltern ausgestattete Modelle erworben zu haben. Eine Nachfrage beim Hersteller oder Händler kann dann die Umrüstung in diesen Fällen als obsolet erscheinen lassen. Die geleasten Kopiergeräte des Hauses wurden ebenfalls auf die Tonerstaubbelastung der Umgebungsluft hin geprüft. Dabei wurde sehr deutlich, das die Industrie das Problemfeld Feinstaubbelastung schon länger kannte. Schon die Ansprache der Situation mit dem Leasinggeber führte zum unmittelbaren Austausch der Geräte, die nun schon alle ausnahmslos ab Werk mit Tonerfiltern ausgestattet sind. Die Arbeitsumgebung der Kollegen wurde mit einer ent schlossenen Entscheidung der Schulleitung und DV-Verantwortlichen schnell und unkompliziert um Lichtjahre verbessert. Eine gesunde Arbeitsumgebung erhält eben auch langfristig die Schaffenskraft und Lebensfreude der Kollegen. Wie sagt mein Nachbar immer: Ohne Gesundheit ist alles nichts. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Frohes Tun! Walter Verbücheln Foto: Freudenberg Vliesstoffe KG

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