Der RWGV auf einen Blick

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1 Jahresbericht 2006

2 Jahresbericht 2006

3 Der RWGV auf einen Blick Kreditgenossenschaften Bilanzsumme: 146,5 Milliarden Euro Mitglieder: 2,6 Mio. Beschäftigte: Landwirtschaftliche Genossenschaften Umsatz: 14,2 Milliarden Euro Mitglieder: Beschäftigte: Gewerbliche Genossenschaften Umsatz: 5,7 Milliarden Euro Mitglieder: Beschäftigte: Stand: 31. Dezember 2006 Impressum Rheinisch-Westfälischer Genossenschaftsverband e.v. (RWGV) Mecklenbecker Straße Münster Telefon 0251/ Redaktion: RWGV Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Sabine Bömmer Wolfgang Koschny Stefan Legge Dr. Thorsten Weiland Fotos: Roman Mensing Layout, Kartografie, Druck: KreaTec und LV Druck im Landwirtschaftsverlag GmbH RWGV Jahresbericht 2006

4 Inhalt Inhalt 5 Vorwort des Vorstandes 9 Studie 9 Potenziale für genossenschaftliche Neugründungen im Rahmen von Handwerkerkooperationen und Unternehmensnachfolgen im nordrhein-westfälischen Mittelstand 18 Kreditgenossenschaften 18 Geschäftsentwicklung 23 Betreuung 31 Landwirtschaftliche Genossenschaften 31 Geschäftsentwicklung 35 Beratung und Betreuung 39 Gewerbliche Genossenschaften 39 Geschäftsentwicklung 42 Beratung und Betreuung 43 Dienstleistungen des Verbandes 43 Prüfung 50 Steuerberatung 54 Rechtsberatung 57 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 59 Bildung 66 Tochterunternehmen und Gemeinschaftseinrichtungen 72 Organe des RWGV 78 Zahlen, Fakten, Statistiken 92 RWGV im Überblick 92 Karte des Verbandes 93 Mitgliedsgenossenschaften In der Umschlagtasche des Jahresberichts finden Sie die Karte des Verbandes im Großformat zum Herausnehmen. RWGV Jahresbericht 2006

5 Moritz Krawinkel Hans Pfeifer

6 Vorwort des Vorstandes Liebe Mitglieder, verehrte Genossenschaftsfreunde! Freiheit heißt, gestalten zu können, nicht gestaltet zu werden. Die Rechtsform der Genossenschaft bietet dazu die besten Voraussetzungen. Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung bietet sie eine Alternative, die eigenverantwortliche und vielfältige regionale Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen stärkt. Genossenschaften sind heute eben nicht mehr Kinder der Not, wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen noch herausstellte, sondern Kinder der Freiheit. Dies selbstbewusst herauszustellen und damit freies Unternehmertum in der Rechtsform der Genossenschaft zu unterstützen und zu verteidigen, ist Kernaufgabe des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes. Wir fühlen uns leistungsfähigen landwirtschaftlichen und mittelständischen Strukturen in lebenswerten Regionen verpflichtet. Dem kapitalmarktorientierten Mainstream der ökonomischen Gleichförmigkeit setzen wir aus Überzeugung unternehmerischen Erfolg, verbunden mit gesellschaftlicher Verantwortung vor Ort entgegen. Die Fotos dieses Geschäftsberichts zeigen Ihnen Menschen, die mit ihren unternehmerischen und privaten Bedürfnissen auf Genossenschaften setzen. Ihnen und weiteren 2,8 Millionen Menschen in Rheinland und Westfalen gelten unser Engagement und unsere Arbeit. Die fachlichen Themen, die wir Ihnen in diesem Bericht vorstellen, haben vielfältige rechtliche, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Hintergründe. Als Verband sehen wir eine wichtige Aufgabe darin, politische Entscheidungsprozesse mitzugestalten. Das ist heute mehr denn je erforderlich, um zu vermeiden, dass die Wirtschaftspolitik von Bund, Ländern und vor allem Europa die Bedürfnisse der Regionen und ihrer Menschen aus dem Blick verliert. Wir wollen dazu beitragen, den Menschen in Rheinland und Westfalen Freiräume für ihre wirtschaftliche Entwicklung zu erhalten und auszubauen. So haben wir uns mit Hinweisen aus der Perspektive der genossenschaftlichen Basis gegenüber der europäischen Wettbewerbskommissarin zu Wort gemeldet. Ihre Fokussierung auf die Stärkung des grenzüberschreitenden Wettbewerbs von Banken geht an den Anforderungen der mittelständisch geprägten Wirtschaft in Deutschland vorbei. Die regionale Stärke der Volksbanken und Raiffeisenbanken und im europäischen Vergleich relativ geringe Marktanteile von Großbanken sind nicht Ergebnis geschlossener Märkte. Das Gegenteil ist der Fall: Die relativ schwache Ertragsstruktur deutscher Banken belegt den besonders harten Wettbewerb bei uns. Und es sind gerade die Genossenschaftsbanken und Sparkassen, die in den Regionen den Wettbewerb sicherstellen. Eine wettbewerbsfähige mittelständische Wirtschaftsstruktur jenseits der urbanen Zentren braucht auch künftig leistungsfähige regionale Banken. Alles andere trägt die Gefahr der Marginalisierung ganzer Landstriche in sich. Politische Entscheidungsprozesse mitgestalten RWGV Jahresbericht

7 Vorwort des Vorstandes Zugleich raten wir dringend davon ab, den Bankenmarkt für Privatkunden auf dem Verordnungsweg europaweit zu regeln. Das soeben erschienene,grünbuch zu Finanzdienstleistungen im europäischen Binnenmarkt von EU-Kommissar Charlie McCreevy geht von falschen Voraussetzungen aus. Wir werden in den anstehenden Diskussionen sowie im Rahmen einer Stellungnahme an die EU-Kommission klar zum Ausdruck bringen, dass europäischer Bankenwettbewerb keine Frage des Marktzugangs ist, sondern der Marktpositionierung. Denn: Die Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen haben nicht 2,5 Millionen Mitglieder und 6,5 Millionen Kunden, weil sie diese von Wettbewerbsangeboten ausschließen, sondern weil sie für diese eine qualitativ überzeugende Leistung erbringen. Auch schätzen die Kunden den persönlichen Kontakt zu den regional ansässigen Kreditinstituten. Deshalb eröffnet auch nur jeder Hundertste ein Konto bei einer ausländischen Bank und nutzt elektronische Finanzdienstleistungen aus dem Ausland. Diesen Wunsch der Kunden nach Face-to-face-Beratung als eingeschränkte Marktintegration zu klassifizieren, ist nicht zielführend. Es gilt, was Genossenschaftsbanken seit Generationen wissen und praktizieren: Banken müssen mit ihren Dienstleistungen zu den Menschen kommen. Verordnungen und Richtlinien ersetzen keine Marktpräsenz. Genossenschaftsbanken fördern ihre Heimatregionen Ausdruck der regionalen Verbundenheit der genossenschaftlichen Organisation ist auch ihr bürgerschaftliches Engagement. Genossenschaftsbanken fördern ihre Heimatregionen und tragen so zu nachhaltig soliden sozialen und kulturellen Strukturen bei. Sie treten auch für elementare bürgerliche Freiheitsrechte ein. Mit großer Sorge sehen wir den Anstieg der staatlichen Kontenabfragen im Jahr 2006 um 47 Prozent. Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist die Zahl der gesetzlich legitimierten Abfragen von Justiz und Steuerfahndung nach Paragraf 24c Kreditwesengesetz (KWG) von im Jahr 2005 auf rund Abfragen im vergangenen Jahr gestiegen. Die Abfragen auf der Grundlage der Abgabenordnung haben sich gar von auf im Jahr 2006 mehr als verdoppelt. Wir haben deshalb wiederholt öffentlich kritisiert, dass insbesondere die Abfragen nach 24c KWG noch immer keiner Kontrolle außerhalb der abfragenden Behörden unterliegen. Hier muss der Gesetzgeber dringend eine Dokumentations- und Benachrichtigungspflicht schaffen, die von den Datenschutzbeauftragten auch kontrolliert werden kann. Bereits vor einem Jahr hatten Datenschützer bei Abfragen auf der Grundlage der Abgabenordnung, die solche Dokumentationsregelungen kennt, erhebliche Verstöße festgestellt. Die Abfragen nach 24c KWG sollen vor allem der illegalen Geldwäsche und der Terrorabwehr gelten. Wir befürworten eine wirkungsvolle Verbrechens- und Terrorbekämpfung. Zugleich geht es uns aber darum, das Bankgeheimnis insbesondere als Teil des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung zu sehen. Wir brauchen deshalb restriktive Grenzen für Eingriffe in das Bankgeheimnis, deren Einhaltung für die Öffentlichkeit eindeutig nachvollziehbar überwacht wird. Die Verantwortung der Genossenschaftsorganisation erschöpft sich allerdings nicht in konstruktiver und berechtigter Kritik. Es gilt auch, mit gutem Beispiel voranzugehen. So arbeiten wir im Rahmen des Netzwerks Finanzkompetenz NRW mit an der Entwicklung und Umsetzung von Finanzkompetenz fördernden Projekten für Jugendliche. Dieses 6 RWGV Jahresbericht 2006

8 Vorwort des Vorstandes im Januar 2006 vom Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg ins Leben gerufene Netzwerk bündelt Fragestellungen, Ideen und Erfahrungen zur Schuldenprävention. Rund 100 Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden, Verbraucherberatungen, Wissenschaft und Verwaltung treffen sich regelmäßig in verschiedenen Arbeitsgruppen und tauschen ihre Erfahrungen aus, erarbeiten neue Konzepte und stoßen Projekte an, um die Finanzkompetenz für verschiedene Zielgruppen zu fördern. Ziel ist unter anderem die Vermittlung von Finanzkompetenz an Berufseinsteiger. Die gerade aus der Schule entlassenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zumeist noch nicht in Berührung mit Banken gekommen sind, sollen sensibilisiert werden für den richtigen Umgang mit dem Konto, dem Zahlungsverkehr und besonders dem Kreditgeschäft. Dieser Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe ist aus genossenschaftlicher Sicht der bessere und nachhaltigere Weg zur Vermeidung von individueller Überschuldung gegenüber staatlichen Eingriffen und bürokratischen Regeln. All dies belegt: Genossenschaften stehen für die Verbindung von unternehmerischem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung. Deshalb begrüßen wir die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes 2006, wodurch die Rechtsform flexibler und attraktiver geworden ist: Insbesondere die Regelung, dass nunmehr lediglich drei anstatt wie bislang sieben Mitglieder zur Gründung einer Genossenschaft benötigt werden, bietet neue Chancen auch in der schon traditionell genossenschaftlich orientierten Landwirtschaft. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft allein von 2003 bis 2006 nach Angaben des Landesamtes für Statistik in Nordrhein- Westfalen verbunden mit der Aufgabe von über landwirtschaftlichen Betrieben macht die Kooperation weitergeführter Unternehmen immer dringlicher. Die derzeit noch stark verbreitete Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts erweist sich mit ihrer Verpflichtung zur persönlichen Haftung der Gesellschafter in der Praxis vielfach als unzureichend. Auch die Kommanditgesellschaft bietet keine echte Alternative: Sie braucht mindestens einen Komplementär, der mit seinem Privatvermögen haftet. Anders sieht es bei einer Genossenschaft aus: Hier haften die Mitglieder nicht persönlich, sondern nur über das Vermögen der Genossenschaft, so dass das persönliche Risiko verringert und Unternehmertum erleichtert wird. Ein weiterer Vorteil der Genossenschaft liegt in ihrem Bekanntheitsgrad. Landwirte kennen die Rechtsform und fühlen sich in ihr zu Hause. Für detaillierte Planungsgespräche stehen den Landwirten in Rheinland und Westfalen die Gründungsberater des RWGV zur Verfügung. Wir begrüßen die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes Die uns in der Satzung aufgegebene Pflege des Genossenschaftsgedankens wollen wir auch künftig konkret betreiben: Dem Jahresbericht vorangestellt haben wir eine Studie des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln. Sie verdeutlicht, dass die Rechtsform der Genossenschaft in den Feldern der Unternehmensnachfolge und der Kooperation im Handwerk als Folge der Novellierung des Genossenschaftsgesetzes vom 18. August 2006 interessante neue Perspektiven bietet zum Wohl der Menschen und Unternehmen in Rheinland und Westfalen. Schlanke Strukturen, Transparenz und geringer bürokratischer Aufwand das wünschen wir uns nicht allein als Maxime staatlichen Handelns, wir wollen ihr auch selbst gerecht RWGV Jahresbericht

9 Vorwort des Vorstandes Satzungsreform wird derzeit beraten werden. Seit der Gremienreform des Verbandstages 2006 gibt es das Amt des Verbandspräsidenten nun nicht mehr. Stattdessen steht ein verkleinerter zwölfköpfiger Verwaltungsrat an der Spitze des RWGV. Ihm sollen sechs Vertreter aus dem Bereich der Kreditgenossenschaften, vier Vertreter von der landwirtschaftlichen und zwei von der gewerblichen Ware angehören. Der RWGV nimmt mit diesem Schritt auch Abschied vom geografischen Proporz. Das heißt: Egal, ob Rheinländer oder Westfale die regionale Herkunft wird bei der Besetzung der Gremien keine Rolle mehr spielen. Der Verbandstag 2006 verabschiedete die ausgeschiedenen Gremienmitglieder, allen voran unseren ehemaligen Präsidenten, Herrn Staatssekretär Hartmut Schauerte, und dankte ihnen für ihre langjährige und verdienstvolle Arbeit. Weitergehende Überlegungen zu einer Satzungsreform werden derzeit in unseren Gremien beraten. Kreditgenossenschaften, landwirtschaftliche Genossenschaften und gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sie alle leisten ihren Beitrag zur freien und selbstbestimmten Entfaltung von Unternehmergeist und Schaffensfreude in Rheinland und Westfalen. 2,8 Millionen Menschen im Verbandsgebiet haben sich ihre mittelständischen Strukturen auch in schwierigen Zeiten erhalten mögen sie nun Katalysatoren des Aufschwungs sein. Mit genossenschaftlichen Grüßen Der Vorstand Hans Pfeifer Vorsitzender Moritz Krawinkel 8 RWGV Jahresbericht 2006

10 Studie Potenziale für genossenschaftliche Neugründungen im Rahmen von Handwerkerkooperationen und Unternehmensnachfolgen im nordrhein-westfälischen Mittelstand * 1 Unternehmensnachfolge im nordrhein-westfälischen Mittelstand Genossenschaften als erfolgversprechende Option bei Unternehmensübergaben an die Mitarbeiter? In zahlreichen mittelständischen Unternehmen steht in den nächsten Jahren ein Generationenwechsel an. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn werden in den nächsten fünf Jahren in Nordrhein-Westfalen rund Unternehmen mit ungefähr Beschäftigten eine Nachfolge im Eigentum und/oder in der Leitung brauchen. 1 Pro Jahr gilt es also circa Unternehmen mit circa Beschäftigten zu übertragen dieser Unternehmen werden aus Altersgründen übergeben. Fast 20 Prozent der männlichen und rund 15 Prozent der weiblichen Selbstständigen sind älter als 55 Jahre. Für eine große Zahl von Unternehmern und Unternehmerinnen ist daher schon klar, dass sie in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand treten werden. Offenbar lassen aber immer noch viele Unternehmer das Thema Unternehmensnachfolge auf sich zukommen und verkennen dabei, dass eine vernünftige Nachfolgeplanung mindestens zwei bei familienfremder Nachfolge nicht selten bis zu fünf Jahre in Anspruch nimmt. In vielen Fällen wird die Unternehmensnachfolge zu spät eingeleitet, mit fatalen Folgen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Gesamtwirtschaftlich betrachtet hängt jährlich die Existenz rund einer Million Arbeitsplätze von der reibungslosen Übergabe der Unternehmen an die Nachfolgegeneration ab. Findet sich kein Nachfolger, kann sogar der Fortbestand eines Betriebes bedroht sein. In Nordrhein-Westfalen müssen jährlich acht Prozent oder der zu übertragenden Unternehmen schließen, weil die Nachfolge nicht geregelt werden konnte. Dies trifft selbst auf Unternehmen zu, die über Jahre hinweg erfolgreich gearbeitet haben und mit genügend Kapital und Liquidität ausgestattet sind. Die Folge ist der Verlust von Arbeitsplätzen und Vermögen. Grundsätzlich können Unternehmen innerhalb oder außerhalb der Familie übergeben werden. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn werden knapp die Hälfte (44 Prozent) aller zur Nachfolge anstehenden mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen an Familienmitglieder übergeben. Allerdings sind die von vielen Unternehmern als Idealfall angesehenen Übergaben innerhalb der Familien rückläufig. Immer häufiger stehen Unternehmer vor der Situation, keinen geeigneten Nachfolger aus dem Familienkreis zu finden, der zur Weiterführung des Unternehmens bereit oder in der Lage ist. Gibt es diese Möglichkeit nicht, müssen Unternehmer sich nach einem Nachfolger außerhalb der Familie und oftmals auch außerhalb des Unternehmens umsehen. In solchen Fällen werden die selbst gegründeten oder von früheren Generationen übernommenen Betriebe entweder an andere Unternehmen oder als Management- Buy-In (MBI) an unternehmens-externe Führungskräfte verkauft. Nach Berechnungen des IfM Bonn werden in Nordrhein-Westfalen 21 Prozent der zu übertragenden Unternehmen an andere Unternehmen und 17 Prozent an externe Führungskräfte verkauft (MBI). Prof. Dr. Hans Jürgen Rösner, Dr. Johannes Blome-Drees, Dr. Ingrid Schmale unter Mitwirkung von Dipl.-Volksw. Jasper Peters Seminar für Genossenschaftswesen, Universität zu Köln Studie für den Köln, Zum Folgenden vgl. Kayser/ Wallau (2006), S. 43. * Die Studie wurde zum Abdruck gekürzt. Die komplette Studie erhalten Sie kostenlos über RWGV Jahresbericht

11 Studie Abb. 1: Unternehmensübertragungen in NRW pro Jahr an Familienmitglieder 44 in den Verkauf 21 an externe Führungskräfte 17 Stilllegung mangels Nachfolger 8 an Mitarbeiter 10 in Prozent (Quelle: Kayser/Wallau (2006), S. 43) 2 Vgl. Blome-Drees/Rang (2006), S Vgl. Eisen (2003b), S Vgl. Eisen (2002), S. 215; Kramer (2005), S. 19. Potenzielle Nachfolger können aber nicht nur von außen, sondern auch aus dem eigenen Unternehmen kommen. In vielen Fällen finden sich im Unternehmen Mitarbeiter, die über das notwendige Qualifikationsprofil verfügen, das Unternehmen beinahe so gut kennen wie der Eigentümer und darüber hinaus am Aufbau einer selbstständigen Existenz interessiert sind. Die Übergabe von Unternehmen an diese Mitarbeiter kann demnach auch einen Beitrag zur Lösung des Nachfolgeproblems im Mittelstand leisten. Etwa zehn Prozent der jährlichen Unternehmensübertragungen, das sind circa 1.600, erfolgen in Nordrhein- Westfalen an einen oder mehrere Mitarbeiter. Möglicherweise wäre diese Zahl noch höher, wenn man in Fällen einer unternehmensexternen Übergabe und bei Stilllegungen konkreter an eine Weitergabe an die eigenen Mitarbeiter gedacht hätte. 2 Bei einer unternehmensinternen Übergabe können grundsätzlich zwei Möglichkeiten unterschieden werden. Zum einen kann ein Unternehmen von unternehmensinternen leitenden Mitarbeitern übernommen werden. In diesem Fall spricht man von einem Management-Buy-Out (MBO). Zum anderen besteht die Möglichkeit der Übernahme eines Unternehmens durch die gesamte Belegschaft beziehungsweise einen größeren Teil der Mitarbeiter, was als Employee-Buy-Out (EBO) bezeichnet wird. Häufig sind solche Unternehmensübergaben an Mitarbeiter mit einem Wechsel der Rechtsform verbunden. Grundsätzlich kommen hierfür wie bei allen Unternehmens - übergaben sämtliche Formen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Betracht, die das deutsche Gesellschaftsrecht zur Verfügung stellt. Tatsächlich wäre aber die Genossenschaft auch für ein MBO und vor allem für ein EBO die ideale Rechtsform. Im Gegensatz zum Verkauf an Dritte könnte die Gründung einer Genossenschaft so eine umfassende und weitreichende Beteiligung großer Teile oder sogar der gesamten Belegschaft am Unternehmen ermöglichen. 3 Diese Form der Genossenschaft bietet wie keine andere Rechtsform die Möglichkeit einer demokratischen Mitwirkung aller Mitarbeiter und entspräche daher einem modernen Unternehmens- und Organisationsverständnis. Überdies kann der Übergang dergestalt fließend erfolgen, dass der bisherige Eigentümer zunächst als Vorstand der Genossenschaft weiter aktiv ist und später als Mitglied in den Aufsichtsrat der Genossenschaft gewählt wird und so seine Erfahrung und seine Beziehungen zum Wohle des Unternehmens auch künftig noch einbringt. Die Übernahme eines Unternehmens durch die Gesamtheit oder einen Großteil der Mitarbeiter ist also nicht nur die Ultima Ratio zur Verhinderung einer Schließung, sondern eine grundsätzlich erfolgversprechende Option im Rahmen von Unternehmensnachfolgen. 4 Durch ihre doppelte Rolle als 10 RWGV Jahresbericht 2006

12 Studie Eigentümer und Mitarbeiter fühlen sich die Mitglieder einer mitarbeitergeführten Genossenschaft in höherem Maße für ihr Unternehmen verantwortlich als Mitarbeiter anderer Unternehmen. Zudem sind sie stärker am Erfolg beteiligt, was sich positiv auf die Motivation auswirkt, die gerade in der Anlaufphase wichtig ist. 5 Fazit: Das ungenutzte Potenzial für genossenschaftliche Neugründungen im Rahmen von Unternehmensnachfolgen im Mittelstand ist demnach in Nordrhein-Westfalen hoch Unternehmen werden jährlich an die Mitarbeiter übergeben. Zieht man die Fälle einer unternehmensexternen Übergabe und die Zahl der aufgegebenen Unternehmen hinzu, ist das Neugründungspotenzial noch höher. 2 Kooperationen im nordrhein-westfälischen Handwerk ein Potenzial für genossenschaftliche Neugründungen? Nach Umfragen des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) gab es im Jahr 2000 in Nordrhein-Westfalen 33 komplementäre Kooperationen von Handwerksbetrieben, von denen ein Großteil in der Bau- beziehungsweise in der Kfz-Branche tätig war. 6 Der Kooperationsgrad im Handwerk steigt nach einer zweiten Studie des ZDH mit der Anzahl der Beschäftigten deutlich an: Während aus dem Kreis der 1-Personen-Unternehmen bundesweit lediglich jedes Achte eine Kooperation angab, tat dies bei Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten mehr als jeder Vierte. 7 Allerdings bleibt festzustellen, dass die meisten Kooperationen vor allem die kurzfristige Zusammenarbeit beziehungsweise Kollegenhilfe betreffen, wogegen die Bildung langfristiger Kooperationen im Handwerk noch stark ausbaufähig ist. Abb. 2: Kooperationsformen von Handwerksbetrieben unbefristet befristet eines eigens gegr. Unternehmens eines schriftlichen Vertrages einer mündlichen Vereinbarung gar nicht in Prozent (Quelle: ZDH (2002), S. 9) Kooperationen von Handwerkern entstehen zum Teil aufgrund von äußeren Zwängen. So werden beispielsweise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vermehrt Kooperationen gegründet, um die Auftragslage zu verbessern. Diese Zwangsgemeinschaften brechen aber zumeist wieder auseinander, wenn der äußere Druck nachgelassen hat. 8 Ein größeres Erfolgspotenzial wird Kooperationen zugeschrieben, die sich nicht primär aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen, sondern aufgrund von wahrgenommenen Chancen gebildet haben. Das Wettbewerbsumfeld von Handwerksbetrieben hat sich in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der gewachsenen Ansprüche der Kunden stark verändert. Die Kundschaft 5 Vgl. Stappel (2000), S Vgl. ZDH (2000a), S Vgl. Lageman/Dürig/Rothgang/ Trettin/Welter (2004), S Interview in der HWK Düsseldorf am RWGV Jahresbericht

13 Studie erwartet speziell auf sie zugeschnittene Angebote, die die Koordinierung verschiedener Gewerke beispielsweise bei einer Renovierung 9 mit einschließen. 10 Zu nennen sind hier insbesondere Komplettangebote sowie integrierte Dienstleistungen. 11 Da jedoch annähernd 90 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe weniger als zwanzig Beschäftigte haben, können sie kaum gewerkeübergreifende Komplettlösungen anbieten. 12 Damit sie Zugang zu diesem Markt erhalten, kooperieren Handwerksbetriebe miteinander, um den Kunden mit Leistungen aus einer Hand entgegen zu kommen und sich somit einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu sichern. 13 Solche Leistungen werden allerdings auch von Generalunternehmern aus Industrie und Handel sowie privatisierten Kommunalbetrieben angeboten, so dass eine neue Konkurrenzsituation entstanden ist. 14 Komplementäre Handwerkerkooperationen mit eigenem Geschäftsbetrieb sind bisher in erster Linie im Bau- und Immobilien- sowie im Versorgungsbereich entstanden. 15 In diesen Bereichen bildet die gemeinsame Auftragsakquise die Basis für Kooperationen von Unternehmen verschiedener Gewerke. Von handwerklichen Zulieferern der Industrie wird zunehmend verlangt, Planung, Entwicklung und Design von Produkten zu übernehmen. Die daraus resultierende Spezialisierung der Handwerksbetriebe erhöht den Kostendruck. 16 Um notwendige Einsparpotenziale zu realisieren, bietet es sich für sie daher an, nicht-spezialisierte Bereiche in horizontaler Kooperation mit anderen Betrieben abzuwickeln. Die Ausgliederung von betrieblichen Funktionen wie Einkauf, Verwaltung oder Personalwesen kann unter anderem von Betrie- Abb. 3: Push- und Pull-Faktoren der Bildung von Kooperationen Push-Faktoren Verändertes Konsumverhalten Individuali- sierung der Nachfrage Globalisierung und Internationalisierung der Märkte I&K-Technologie Internet 9 So benötigt man allein für den (Um-)Bau eines Badezimmers mehrere Gewerke wie Installateur, Fliesenleger, Elektriker, Anstreicher, Heizungsmonteur, usw. 10 Vgl. Lageman/Dürig/Rothgang/Trettin/ Welter (2004), S Vgl. Regge (2000), S Vgl. LGH (2004), S. 44. Höhere Anforderungen an Zulieferer Zwischenbetriebliche Kooperation Umstrukturierung der Märkte 13 Vgl. Giesen (1976), S. 9; Rösner (2007), S V gl. Eisen (2003a), S Vom Handwerk sind in der letzten Dekade diverse Facility Management- und Bau-Kooperationen im gesamten Bundesgebiet gegründet worden. Beispielsweise berät die Handwerkskammer Düsseldorf momentan fünf Handwerkerkooperationen, die dem Bauwesen zuzuordnen sind. 16 Vgl. ZDH (2002), S. 4. Zugang zu Märkten und Ressourcen Spezialisierungsvorteile Pull-Faktoren (Quelle: Lageman (2001), S. 16; Göler von Ravensburg/Pinkwart/Schmidt (2003), S. 2) Kosten- und Synergieeffekte 12 RWGV Jahresbericht 2006

14 Studie ben des gleichen Gewerks genutzt werden. Besonders die hohen Einsparpotenziale, die aufgrund der Entwicklung der Informationstechnologie (IT) bestehen, zwingen mittelständische Unternehmen teilweise zur Kooperation. 17 Außerdem eignen sich horizontale Kooperationen für Notdienste sowie im Rahmen von Werbe- und Marketinggemeinschaften, die die besondere Qualität eines handwerklichen Produkts hervorheben. Trotz des großen Potenzials, das unbestrittenerweise in der Kooperation mehrerer Unternehmen liegt, befinden sich nicht so viele Betriebe in dauerhaften Kooperationen (mit eigens gegründeter Gesellschaft), wie es eigentlich möglich und notwendig wäre. Das liegt neben rechtlichen und finanziellen Fragen vor allem darin begründet, dass der selbstständige Unternehmer in vielen Fällen ungern auf einen Teil seiner Souveränität verzichtet, wenn er sich in eine formale Kooperation begibt. 18 So wird eine Unternehmenskooperation nach traditionell unternehmerischem Selbstverständnis im Mittelstand als Signal der Schwäche und als erster Schritt zur Aufgabe der hart erkämpften Selbstständigkeit gewertet. 19 Risiken werden insbesondere bei der gesamtschuldnerischen Haftung und bei einem möglichen unternehmerischen Fehlverhalten der Partner gesehen. 20 Zudem sind für viele Betriebsinhaber die Erfolgsaussichten einer Kooperation zu ungewiss. Doch besonders junge Handwerker sind bereit, sich in Kooperationen zu engagieren. Bei einer Gründerbefragung der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks im Sommer 2002 bekundete über ein Viertel der Befragten ein Interesse an langfristigen Kooperationen. 21 Besonders junge Handwerker sind zu Kooperationen bereit Wie die Praxis zeigt, sind für Kooperationsverhältnisse im Handwerk sowohl Personenals auch Kapitalgesellschaften verwendbar und gebräuchlich. Die eingetragene Genossenschaft wird allerdings kaum als Rechtsformalternative wahrgenommen, da in der Gründungsberatung, wenn überhaupt, nur am Rande auf Genossenschaften verwiesen wird. Im Handwerk wird die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft bisher primär für Einkaufsgemeinschaften genutzt. Gerade in der horizontalen Kooperation bestehen weitere Potenziale für Genossenschaftsgründungen, da es für Genossenschaften typisch ist, dass man bestimmte betriebliche Funktionen auf einen Organbetrieb auslagert, um sie kostengünstiger bewirtschaften zu können. Besonders die einfache Aufnahme beziehungsweise Trennung von Mitgliedern, aber auch die demokratische Mitbestimmung machen die Genossenschaft in diesem Segment zu einer überlegenswerten Rechtsformalternative. Doch auch für die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke unter einem Dach bietet die Genossenschaft Vorteile. So ist sie wie keine andere Rechtsform vor der Dominanz Einzelner geschützt, und die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft erfolgt grundsätzlich freiwillig. Damit ist die Souveränität der Mitgliederbetriebe gewährleistet, so dass der Zusammenschluss mit anderen Betrieben keinen Verlust an Selbstständigkeit darstellt, sondern die Chance, weitere Kundensegmente zu erschließen. 22 Fazit: Kooperationen sind ein Wachstumssegment im Handwerk, weil viele Leistungen nur vom Handwerk angeboten werden können und die Nachfrage die Bündelung dieser Leistungen erzwingt. 23 Außerdem bringt die Ausgliederung betrieblicher Funktionen Kostenvorteile mit sich. Dementsprechend besteht erhebliches Potenzial für die Gründung von Genossenschaften im Handwerk. 17 Vgl. Göler von Ravensburg/Pinkwart/ Schmidt (2003), S Vgl. Lageman/Dürig/Rothgang/Trettin/ Welter (2004), S. 24 f. 19 Vgl. Göler von Ravensburg/Pinkwart/ Schmidt (2003), S Vgl. ZDH (2002), S Vgl. LGH (2002), S. 4; In der Umfrage wurden alle Existenzgründer in den EU-NRW-Ziel-2-Gebieten angesprochen, die durch die Meistergründungsprämie NRW gefördert wurden. Diese stellen ein gutes Abbild des nordrhein-westfälischen Gründungsgeschehens im Handwerk dar, da in erster Linie junge Betriebe berücksichtigt wurden. 22 Vgl. Koscielny (2000), S Vgl. LGH (2004), S. 1. RWGV Jahresbericht

15 Studie Änderungen des Genossenschaftsgesetzes erleichtern Neugründungen 3 Ansatzpunkte zu einer Erhöhung der Neugründungsquote von Genossenschaften 3.1 Novelle des Genossenschaftsgesetzes Am 18. August 2006 ist das Gesetz zur Einführung der Europäischen Genossenschaft (SCE) und zur Änderung des Genossenschaftsgesetzes in Kraft getreten. Während die SCE in der genossenschaftlichen Praxis vermutlich keine große Verbreitung finden wird 24, wird mit den Änderungen des Genossenschaftsgesetzes vielfach die Hoffnung verknüpft, die genossenschaftliche Neugründungsquote spürbar erhöhen zu können. 25 Tatsächlich haben zahlreiche gesetzliche Änderungen die ausdrückliche Intention, die Gründung von Genossenschaften zu erleichtern und die eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer wesentlich attraktiver zu machen. 26 Beispielhaft seien hier genannt: die geringere Mindestmitgliederzahl, Erweiterung des Förderzwecks, Zulassung von investierenden Mitgliedern und Sacheinlagen, Übertragbarkeit einzelner Geschäftsanteile und Regelung des Mindestkapitals. 27 Dass jedoch allein die rechtlichen Veränderungen zu einer spürbaren Erhöhung der genossenschaftlichen Neugründungsquote führen werden, muss in Zweifel gezogen werden. 28 Sicherlich sind die Änderungen des Genossenschaftsgesetzes auf dem Papier dazu geeignet, genossenschaftliche Neugründungen zu erleichtern. So lange diese aber den für Unternehmensneugründungen maßgeblichen zahlreichen Beratern nicht hinreichend bekannt sind, werden sie die Rechtsform der Genossenschaft bei der Beratung von Existenzgründern nicht angemessen berücksichtigen Vgl. Geschwandtner (2006), S Vgl. Schulze (2006), S Vgl. Rösner (2007), S Vgl. Flieger (2006); Greve/ Lämmert (2001), S Vgl. Pistorius (2006), S Vgl. Geschwandtner/Helios (2006a), S Vgl. Münkner (1996), S. 86; Blome-Drees (2003), S Vgl. Geschwandtner/Helios (2006b), S Vgl. Harbrecht (2000), S. 48; Ringle (2004), S Erhöhung des Bekanntheitsgrades und Verbesserung des Images der eg Die Neugründungschwäche der Genossenschaften ist sowohl ein Kenntnis- als auch ein Imageproblem. Zunächst ist zu konstatieren, dass die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft aus der rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Ausbildung fast vollkommen verschwunden ist. 30 Kenntnisreiche Gründungsberater und Fürsprecher in Wirtschaft und Verwaltung sind daher kaum vorhanden, demzufolge wird die eingetragene Genossenschaft von Beratern außerhalb der Genossenschaftsverbände schon aus Unkenntnis nicht empfohlen. 31 Künftige Erfolge der Genossenschaft im Gründungswettbewerb der Unternehmensrechtsformen werden daher davon abhängen, dass die Vorteile der Genossenschaft als Rechtsform für Existenzgründer breiter und intensiver als bisher kommuniziert werden. Dabei kann der Bekanntheitsgrad der Genossenschaft vor allem durch die regionalen Genossenschaftsverbände gesteigert werden. Für die vorliegende Studie bedeutet das: Die Genossenschaft sollte von den regionalen Genossenschaftsverbänden als Erfolg versprechende Option für Existenzgründer im Rahmen von Handwerkerkooperationen und Unternehmensnachfolgen bei den relevanten Rechtsformwahlberatern intensiv bekannt gemacht und beworben werden. Die Genossenschaftsverbände sollten darüber aufklären, dass neue Genossenschaften in den letzten Jahren vor allem im Dienstleistungssektor gegründet wurden. Genossenschaften müssen im öffentlichen Bewusstsein ein modernes Image als zukunftsfähige und bürgernahe Rechtsform bekommen, bei der das einzelne Mitglied Kunde seines eigenen Unternehmens ist und entsprechend bevorzugt behandelt wird. 32 Letztendlich muss es darum gehen, unter den relevanten Rechtsformwahlberatern möglichst viele Multiplikatoren zu gewinnen, die mit den Besonderheiten der Genossenschaft als Rechtsform vertraut sind und diese als echte Alternative in die Beratungen mit ihren Mandanten einfließen 14 RWGV Jahresbericht 2006

16 Studie lassen. Dass es mit entsprechendem Aufwand gelingen kann, die Neugründungsquote einer Rechtsform signifikant zu erhöhen, zeigt das Beispiel der englischen Limited ( Private Limited Company ). Exkurs: Gründungsboom der Private Limited Company Nach der Überseering -Entscheidung des EuGH im September 2002 und der Folgeentscheidung im Fall Inspire Art im November 2003 wurde die Möglichkeit eröffnet, den Verwaltungssitz einer europäischen Kapitalgesellschaft ohne Verlust der Rechtsfähigkeit nach Deutschland zu verlegen. Davon haben Unternehmer in Deutschland vermehrt Gebrauch gemacht. Besondere Aufmerksamkeit wird der englischen Private Limited Company ( Limited ) entgegengebracht. Eine aktuelle Studie zur Verbreitung der Limited geht davon aus, dass seit der EuGH-Entscheidung bis Dezember 2005 bereits mehr als Gesellschaften mit Verwaltungssitz in Deutschland gegründet wurden. Damit ist der Limited mit Sitz in Deutschland in der Rechtspraxis innerhalb kürzester Zeit eine erhebliche Bedeutung zugekommen. 33 Im Hinblick auf das Ziel einer Erhöhung der ungleich niedrigeren genossenschaftlichen Neugründungsquote stellt sich hier die Frage, wie es zu einem solchen Gründungsboom kommen konnte. Unabhängig von den Vor- und Nachteilen der Limited im Vergleich mit anderen Rechtsformen liegt ihre offensichtliche Popularität darin begründet, dass diese Rechtsform von einer ganzen Reihe von Gründungsagenturen bei Gründungsinteressierten und Gründungsberatern in Seminaren und Broschüren mit einem hohen Aufwand beworben wurde und wird. 34 Vor allem im Internet gibt es zahlreiche Anbieter, die die Gründung einer Limited gegen Entgelt vermitteln und übernehmen. Die Preise reichen von 180 bis 700 Euro. Die Gründungsdauer beträgt cirka ein bis zwei Wochen. Allein die Go Ahead Limited nach eigenen Angaben Marktführerin unter den Gründungsagenturen nimmt für sich in Anspruch, Limiteds ins Leben gerufen zu haben Thesenförmige Zusammenfassung 1. Das grundsätzliche Potenzial für genossenschaftliche Neugründungen im Rahmen von Unternehmensnachfolgen und Handwerkerkooperationen im nordrhein-westfälischen Mittelstand ist hoch. 2. Die eg spielt als Rechtsform bisher weder bei Unternehmensnachfolgen noch bei der Gründung von Handwerkergenossenschaften eine bedeutende Rolle. 3. Die Neugründungsschwäche der Genossenschaften ist in erster Linie ein Kenntnis- und ein Imageproblem. Dies gilt für: potenzielle Gründer, relevante Berater, die Öffentlichkeit. 4. Die Novelle des Genossenschaftsgesetzes wird für sich allein genommen zu keiner spürbaren Erhöhung der genossenschaftlichen Neugründungsquote führen. Zwar beinhaltet die Novelle zahlreiche gesetzliche Änderungen, die Neugründungen erleichtern, doch 33 Vgl. Westhoff (2006), S Vgl. Scheytt (2004). 35 Vgl. (Stand: ). RWGV Jahresbericht

17 Studie solange diese den relevanten Gründungsberatern nicht bekannt sind, wird die eingetragene Genossenschaft bei der Beratung nicht berücksichtigt werden. 5. Der Bekanntheitsgrad und das Image der Genossenschaft können in erster Linie durch die regionalen Genossenschaftsverbände gesteigert beziehungsweise verbessert werden. Ansatzpunkte bestehen vor allem: in einer Intensivierung der Beziehungen zu Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Verbänden der Freiberufler und Selbstständigen, durch eine breit angelegte Aufklärungskampagne bei Gründungsinteressierten und Gründungsberatern mittels Seminaren und Broschüren, durch die Darstellung erfolgreicher Beispiele genossenschaftlicher Neugründungen. 6. Wenn eine spürbare Erhöhung der genossenschaftlichen Neugründungsquote von den regionalen Genossenschaftsverbänden wirklich gewollt ist, dann müssen erheblich finanzielle Mittel in die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung von Gründungsinteressierten und ihren relevanten Beratern gelenkt werden. Literaturverzeichnis Blome-Drees, J. (2003): Genossenschaftslehre und Genossenschaftspraxis. Plädoyer für eine systemtheoretische Betrachtung, Regensburg. Blome-Drees, J./Rang, R. (2006): Private Equity-Investitionen in deutsche Unternehmen und ihre Wirkungen auf die Mitarbeiter. Eine konzeptionelle und empirische Analyse. Dokumentation auf der Grundlage von leitfadengestützten Interviews mit Aufsichts- und Betriebsräten der Edscha AG im Herbst 2005 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, Online im Internet, URL: de/pdf/mbf_finanzinvestoren_edscha.pdf (Stand ). Eisen, A. (2002): Die Genossenschaft ist ein Zukunftsmodell. Neue Genossenschaften und neue Perspektiven für genossenschaftliche Lösungen, in: Hanisch, M. (Hrsg.): Genossenschaftsmodelle zwischen Auftrag und Anpassung. Festschrift zum 65. Geburtstag von Rolf Steding, Berlin, S Eisen, A. (2003a): Genossenschaften eine Chance für Existenzgründer?, in: Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Dokumentation des Expertengesprächs Genossenschaften als wirtschaftspolitisches Instrument im Land Berlin, Berlin, S Eisen, A. (2003b): Unternehmensnachfolge: Eine genossenschaftliche Alternative, in: Dialog, Heft 1, S Flieger, B. (2006): Genossenschaftliche Rechtsform wird attraktiv für Neugründungen, in: Gründungs-Aktuell, Nr. 14, Online im Internet, URL: php?page=rhrtghz&co (Stand ). Geschwandtner, M. (2006): Novelliertes Genossenschaftsgesetz in Kraft Kommt der erhoffte Gründungsboom?, in: ZfgG, Band 56, S Geschwandtner, M./Helios, M. (2006a): Genossenschaftsrecht. Das neue Genossenschaftsgesetz und die Einführung der Europäischen Genossenschaft, Freiburg. Geschwandtner, M./Helios, M. (2006b): Vom Genossen zum Mitglied. Neue Regeln für die Rechtsform kollektiver Zusammenschlüsse, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom , Nr. 195, S RWGV Jahresbericht 2006

18 Studie Giesen, W. (1976): Die GmbH & Co als Rechtsform der Kooperation im Sinne der Ausgliederung und Übertragung von Funktionen wirtschaftlich und rechtlich selbstständiger Unternehmen auf ein gemeinsames Unternehmen, Münster. Göler von Ravensburg, N./Pinkwart, A./Schmidt, R. (2003): Kriterien für die Gründung mittelständischer Kooperationen in genossenschaftlicher Rechtsform, Göttingen. Greve, R./ Lämmert, N. (2001): Quo vadis Genossenschaftsgesetz? Ein Überblick über aktuelle Diskussionsvorschläge, in: Theurl, T./Greve, R. (Hrsg.): Genossenschaftsrecht in Europa. Diskussionsbeiträge zur Reform des Genossenschaftsgesetzes in Deutschland, Aachen, S Harbecht, W. (2000): Zukunftsaufgaben der Genossenschaften im wirtschaftlichen Strukturwandel, in: Thiemann, B. (Hrsg.): Die Genossenschaften an der Jahrtausendwende. Sicherung des Genossenschaftsgedankens zwischen Moderne und Tradition, Frankfurt am Main, S Kayser, G./Wallau, F. (2006): Der Mittelstand: Rückgrat der NRW-Wirtschaft, in: Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Wirtschaft in NRW Konjunktur, Prognosen, Perspektiven, Düsseldorf, S Koscielny, G. (2000): Die Deutsche Gesellschaft für Handwerk & Kooperation eg ein Zukunftsmodell für wirtschaftlichen Erfolg im Handwerk, in: Zentralverband des Deutschen Handwerks (Hrsg.): Kooperationen im Handwerk, Berlin, S Lageman, B./Dürig, W./Rothgang, M./Trettin, L./Welter F. (2004), Determinanten des Strukturwandels im deutschen Handwerk, RWI-Materialien, Band 14, Essen. Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.v. (LGH) (Hrsg.) (2002): Existenzgründungen im NRW-Handwerk Ergebnisse der Befragung Kooperationen im Handwerk in den Ziel-2-Gebieten Nordrhein-Westfalens, Dortmund. Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.v. (LGH) (Hrsg.) (2004): Erfolgreiche Kooperationen Porträts aus dem NRW-Handwerk, Düsseldorf. Münkner, H.-H. (1996): Situation und Perspektive genossenschaftlicher Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen, in: ZfgG, Band 46, S Pistorius, J. (2006): Kooperation und Rechtsformwahl Die eingetragene Genossenschaft als Verlierer im Wettbewerb der haftungsbeschränkten Rechtsformen?, in: Schöning, S./Richter, J./Wetzel, H./Nissen, D. (Hrsg.): Existenzgründung Beiträge zur Gründungsforschung, Frankfurt am Main u.a., S Regge, S. (2000): Genossenschaften im Handwerk Zukunftsperspektiven durch Kooperationen und neue Märkte, Institut für Handwerkswirtschaft, Handwerkswirtschaftliche Reihe, Band 113, München. Ringle, G. (2004): Ist die Kooperationsform Genossenschaft noch wettbewerbsfähig?, in: ZfgG, Band 54, S Rösner, H.J. (2007): Genossenschaftspotenziale im Zeitalter der Globalisierung, in: Rösner, H.J./ Schulz-Nieswandt, F. (Hrsg.): Zur Relevanz des genossenschaftlichen Selbsthilfegedankens 80 Jahre Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln, Neue Kölner Genossenschaftswissenschaft, Band 4, S Scheytt, S. (2004): Boom der Beschränkten, in: brand eins Magazin, Heft 6, Online im Internet, URL: (Stand ). Schulze, R. (2006): Neues Recht neue Chancen für die Genossenschaften, in: ZfgG, Band 56, S Stappel, M. (2000): Zur Aktualität der Genossenschaftsidee, in: ZfgG, Band 50, S Westhoff, A. (2006): Die Verbreitung der limited mit Sitz in Deutschland, in: GmbHR, Heft 10, S Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) (Hrsg.) (2000a): Förderung von Kooperationen durch die Handwerksorganisation Ergebnisse von ZDH-Umfragen 1999/2000 Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) (Hrsg.) (2000b): Kooperationen im Handwerk ZDH-Symposium am 23. März 2000 auf der Hannover Messe, Schriftenreihe des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Heft 57, Berlin. Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) (Hrsg.) (2002): Kooperationen im Handwerk Ergebnisse einer Umfrage bei Handwerksbetrieben im 1. Quartal 2002, Online im Internet, URL: (Stand ). Zieren, W. (1989): Unternehmungsrechtsformwahl: Analyse einer empirischen Bestandsaufnahme des mittelständischen Handwerks, Bergisch-Gladbach. RWGV Jahresbericht

19 Kreditgenossenschaften Geschäftsentwicklung: Banken Bilanzsumme Die addierte Bilanzsumme aller RWGV-Mitgliedsbanken stieg im Geschäftjahr 2006 um 4,1 Prozent (Vorjahr: plus 4,3 Prozent) auf nunmehr 146,5 Milliarden Euro. Bei den RWGV-Mitgliedsbanken ohne Sonderinstitute konnte eine Bilanzsummensteigerung um 1,7 Prozent auf 89,7 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 2,7 Prozent) festgestellt werden. Die durchschnittliche Bilanzsumme aller RWGV-Mitgliedsbanken stieg im gleichen Zeitraum von 617 Millionen Euro auf 654 Millionen Euro (ohne Sonderinstitute: von 406 Millionen Euro auf 421 Millionen Euro). Forderungen an Kunden Die Kreditvergabe zog im Geschäftsjahr 2006 mit einer Steigerungsrate von plus 1,7 Prozent (Vorjahr: plus 0,1 Prozent) erfreulich an. Ursächlich hierfür war wiederum die Zunahme des langfristigen Kreditgeschäftes (plus 3,0 Prozent). Die Kredite mit einer Laufzeit bis einschließlich fünf Jahren reduzierten sich dagegen um 3,6 Prozent. Von den Kreditnehmern waren am Kreditvolumen gemessen zum Jahresende 52,0 Prozent Unselbstständige und Privatpersonen, 46,5 Prozent Unternehmen und Selbstständige, 1,5 Prozent sonstige Kreditnehmer einschließlich der öffentlichen Haushalte. Die Nachfrage aus dem Unternehmens- und Selbstständigenbereich zeigte sich weiter zurückhaltend (plus 0,6 Prozent). Wie die Auswertung der Kreditnehmerstatistik belegt, sind hier unter anderem Rückgänge beim verarbeitenden Gewerbe (minus 0,7 Prozent), Handel (minus 1,2 Prozent) und Baugewerbe (minus 3,6 Prozent) zu verzeichnen. Bemerkenswert dagegen ist die Steigerung des Kreditbestandes im Dienstleistungssektor Wohnungsunternehmen um 221 Millionen Euro (plus 11,8 Prozent). Bei der Gruppe Unselbstständige und Privatpersonen konnte im gleichen Zeitraum ein Zuwachs von 2,9 Prozent festgestellt werden, wobei im privaten Wohnungsbaufinanzierungsgeschäft überdurchschnittliche Zuwachsraten erzielt wurden (plus 4,6 Prozent). Die Bestände der Ratenkredite (unter anderem Teilzahlungskredite, Anschaffungsdarlehen) reduzierten sich bei den RWGV-Mitgliedsbanken von 4,9 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro (minus 0,5 Prozent). Der Anteil der Ratenkredite mit einer Laufzeit über fünf Jahren betrug 91 Prozent. Wertpapiere Der Bestand an eigenen Wertpapieranlagen (Depot A) hat sich um 1,3 Prozent (Vorjahr: plus 8,9 Prozent) im Geschäftsjahr 2006 auf 16,4 Milliarden Euro leicht erhöht; ihr Anteil an der Bilanzsumme beträgt 18,3 Prozent. Dabei nahmen Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere um 11,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu, während die festverzinslichen Wertpapiere einen leichten Rückgang um 0,6 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro zu verzeichnen hatten. Einlagen und Schuldverschreibungen Bei den Einlagen und Schuldverschreibungen (einschließlich nachrangiger Verbindlichkeiten und Genussrechtskapital) konnte trotz hohen Konkurrenzdruckes der Bestand gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Milliarden Euro (plus 1,6 Prozent) gesteigert werden. Auffällig 18 RWGV Jahresbericht 2006

20 Kreditgenossenschaften ist allerdings, dass im gesamten Einlagenbestand von 65,6 Milliarden Euro die Spareinlagen mit 27,4 Milliarden Euro zwar nach wie vor herausragen, dass aber die Zunahme der Spareinlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist über drei Monate (plus 0,9 Milliarden Euro) nicht ausreichte, um die Abgänge bei den Spareinlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von drei Monaten (minus 2,0 Milliarden Euro) zu kompensieren. Der Zuwachs bei den Einlagen beruht auf dem Anstieg der täglich fälligen Einlagen (plus eine Milliarde Euro), der befristeten Einlagen (plus 0,8 Milliarden Euro) und der Schuldverschreibungen (plus 0,4 Milliarden Euro). Eigenkapital (Geschäftsguthaben und offene Rücklagen) Das zum Jahresende 2006 ausgewiesene Eigenkapital hat sich durch die Rücklagendotierung deutlich um 16,1 Prozent (Vorjahr: 3,3 Prozent) auf 5,3 Milliarden Euro erhöht. Dies ist jedoch hauptsächlich auf die Hebung von stillen Reserven aus der WGZ BANK- Beteiligung zurückzuführen. Die Gesamtkennziffer des Grundsatzes I konnte im Geschäftsjahr 2006 von durchschnittlich 12,4 Prozent auf 12,7 Prozent verbessert werden. Verbundbilanz Erfreulich entwickelte sich mit einem Plus von 9,7 Prozent das vermittelte Kundeneinlagenvolumen (Wachstum im Vorjahr 10,6 Prozent). Wachstumstreiber hier waren das Depot B mit plus 12,0 Prozent, die Union mit plus 5,2 Prozent und insbesondere die R+V Leben mit plus 21,2 Prozent. Das gesamte Kundeneinlagenvolumen (Bank und Verbund) per Ende 2006 beläuft sich auf 131,7 Milliarden Euro. Davon entfallen auf das Vermittlungsgeschäft 42,2 Milliarden Euro; anteilig sind dies 32,0 Prozent. Die Aktivseite der Verbundbilanz verzeichnete ein Wachstum in Höhe von drei Prozent (Vorjahr 1,6 Prozent). Insgesamt beträgt das vermittelte Kundenkreditvolumen 17,6 Milliarden Euro (oder anteilsmäßig 16,3 Prozent) während das bilanzwirksame Kundenkreditgeschäft 87,1 Milliarden Euro ausmacht. Zinsüberschuss Die Volksbanken und Raiffeisenbanken konnten zum Jahresende einen Zinsüberschuss von 2,47 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) erzielen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 0,14 Prozentpunkten. Bei der Betrachtung der einzelnen Positionen zeigt sich ein Rückgang der Zinserträge um 0,14 Prozent auf 4,67 Prozent DBS. Die Zinsaufwendungen dagegen stagnierten bei 2,19 Prozent DBS. Provisionsüberschuss Das Provisionsergebnis erreicht mit 0,81 Prozent DBS exakt den Vorjahreswert. Verwaltungsaufwand und Cost-Income-Ratio Den Ertragsspannen stehen Verwaltungsaufwendungen in Höhe von 2,33 Prozent DBS (Vorjahr: 2,38 Prozent) gegenüber. Eine Betrachtung der einzelnen Positionen zeigt, dass hierbei die Personalaufwendungen um 0,03 Prozentpunkte auf 1,46 Prozent DBS und Abschreibungen auf Anlagen um 0,01 Prozentpunkte auf 0,16 Prozent DBS gesunken sind. Die anderen Verwaltungsaufwendungen sind gegenüber dem Vorjahr mit 0,72 Prozent DBS konstant geblieben. RWGV Jahresbericht

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