VR CHINA IM FOKUS. Tagungsmagazin AUF DEM WEG ZUM INNOVATIONSPARTNER

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1 VR CHINA IM FOKUS Tagungsmagazin AUF DEM WEG ZUM INNOVATIONSPARTNER

2 Unser Wirtschaftswissen aus 125 Ländern macht die Welt für Sie ein bisschen kleiner. Unser Service: Markt- & Branchenanalysen Wirtschafts- & Steuerrechtsinformationen Zoll- & Einfuhrregelungen Internationale Projekte, Ausschreibungen & Geschäftskontakte Geschäftspraktische Tipps Sie wollen mehr wissen? Besuchen Sie uns auf Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

3 INHALT 4 VR China setzt auf Innovation 7 Innovationssystem im Wandel - Interview 10 Deutsche Firmen gründen vermehrt F&E-Zentren in China 13 China zählt zu attraktivsten Industrieroboter- Märkten 15 Bei digitaler Innovation ganz vorne dabei 17 Patentflut in China 20 IPR-Schutz wird zum Wettbewerbsinstrument 23 Technologietransferrecht Germany Trade & Invest 3

4 VR CHINA SETZT AUF INNOVATION VR CHINA SETZT AUF INNOVATION Wissenschaftliche Förderstruktur im Wandel / Forschungsambitionen schaffen Raum für Kooperation, aber auch für Wettbewerb Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai Chinas Ambitionen in Sachen Innovation sind gewaltig. Bereits 2013 gab die Regierung rund 2% vom Bruttoinlandsprodukt für Forschung und Entwicklung aus. Nun hat sie die Erneuerung der Wissenschaftsstrukturen angestoßen. Dies erhöht die Attraktivität des Landes als Forschungspartner, aber auch seine Konkurrenzfähigkeit. Die für 2015 beschlossene Innovationspartnerschaft zwischen China und Deutschland ist daher Chance und Herausforderung zugleich. Die VR China hat Innovation als einen Grundpfeiler ihres künftigen Wirtschaftswachstums erkannt. Entsprechend ambitioniert setzt sie die sich selbst gesteckten Ziele für einige Innovationsindikatoren um. Nicht alle halten jedoch, was sie versprechen. Dies gilt beispielsweise für die Zahl der nationalen Patentanmeldungen, mit der China inzwischen weltweit auf Platz eins liegt. Zu viele Gründe wie Subventionen oder eine notwendige Anmeldung zur besseren Vorbereitung eines geplanten Börsengangs verwässern den Innovationsgehalt des Indikators. Doch andere Zahlen sprechen für sich. So verfolgt die Volksrepublik ehrgeizig ihr Ziel, bis 2015 ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 2,2% zu steigern. Bereits 2013 überstiegen die F&E-Ausgaben erstmals die 2%-Marke. Damit steht das Land gemäß einer Schätzung des Batelle Memorial Institute 2014 bereits hinter den USA (447 Mrd. US$) an zweiter Stelle mit deutlichem Abstand vor Japan (165 Mrd. $) und Deutschland (92 Mrd. $); 2022 könnte China die USA als Spitzenreiter ablösen. Die OECD geht in ihrem jüngsten OECD Science, Technology and Industry Outlook 2014 sogar davon aus, dass dies bereits 2020 geschehen wird. An Geld mangelt es nicht. Dies gilt vor allem für den Staat, der in China nach wie vor die treibende Kraft hinter der Verbesserung der meisten Innovationsindikatoren ist. Erneut hat er 2013 rund 1,2 Bill. Renminbi Yuan (RMB, knapp 144 Mrd. Euro, 1 RMB = 0,1215 Euro im Durchschnitt 2013) in F&E investiert und damit seine Ausgaben gegenüber dem Vorjahr weiter um 15% gesteigert. Unter anderem finanziert er damit den Bau teurer wissenschaftlicher Großanlagen. Als eines der wenigen Chinas Innovationsziele und deren Umsetzung bis 2015 Indikatoren Anteil der F&E-Ausgaben am BIP (in %)) 1,76 2,08 *) 2,2 F&E pro Beschäftigte (in Mannjahren) Weltweiter Rang gemäß Anzahl der international zitierten wissenschaftlichen Arbeiten Erteilte Erfindungspatente pro Einwohner 1,7 3,2 3,3 Patentanmeldungen pro 100 F&E-Mannjahre Anteil der Hightech-Industrie an der Wertschöpfung des produzierenden Gewerbes (in %) Handelsvolumen auf dem nationalen Technologienmarkt (in Mrd. RMB) 390,6 746,9 *) 800,0 *) 2013 Quelle: Ministry of Science and Technology (MoST): China s Innovation Indicator Report 2013 (Zhongguo Chuangxin Zhishu Baogao 2013), März VR Cina im Fokus 2015

5 Länder weltweit investiert die VR China in entsprechende Projekte. So entsteht für rund 2,2 Mrd. RMB in dem ursprünglich für seine Schuh- und Textilfabriken bekannten Dongguan in der südchinesischen Provinz Guangdong derzeit die größte Kernspaltungsneutronenquelle weltweit. Bislang gibt es nur drei Kernspaltungsneutronenanlagen im Vereinigten Königreich, den USA und Japan. Nach ihrer geplanten Inbetriebnahme wird die chinesische Anlage die drittgrößte weltweit sein, etwa viermal größer als die im Vereinigten Königreich. Noch in der Planung befindet sich der Bau eines Teilchenbeschleunigers. Wird er gebaut wie geplant, löst er mit einem Kreisumfang von 80 km den Large Hadron Collider (CERN) bei Genf in der Schweiz als größten weltweiten Teilchenbeschleuniger ab. Geplant sind zwei verschiedene Beschleuniger, ein kreisförmiger Elektron-Positron-Beschleuniger (Circular Electron Positron Collider - CEPC) und ein Super-Proton-Proton-Beschleuniger (SPPC). Eine derartige Anlage wird Spitzenforscher aus aller Welt zu Experimenten nach China führen; eine internationale Beteiligung ist gemäß bisherigen Meldungen in der inländischen Presse willkommen. Forschungssystem soll angepasst werden Investitionen und hohe F&E-Ausgaben führen jedoch nicht automatisch zu Spitzenergebnissen in der Forschung. In den vergangenen Jahren hat sich China daher sehr genau die Wissenschaftssysteme in verschiedenen Ländern angeschaut. Nun hat die Volksrepublik im Januar 2015 den Startschuss für den ersten grundlegenden Umbau seines bisherigen Wissenschaftssystems gegeben. China möchte künftig wissenschaftliche Projekte langfristig fördern, Controlling und Management sollen dabei nicht mehr beim Wissenschaftsministerium direkt liegen, sondern bei Projektträgern, erklärt Hong He, Leiter der Helmholtz-Repräsentanz in Beijing. Dies wäre ähnlich der Struktur in Deutschland, wo Projektträger im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung tätig werden. Eine entsprechende Studie darüber wurde vom Ministry of Science and Technology (MoST) bereits in Auftrag gegeben. Die sich derzeit im Aufbau befindende nationale Science & Technology Management Platform sieht zwar weiterhin eine politische Regulierung durch die Ministerien vor, die Evaluierung von Projekten soll jedoch durch externe Gutachter erfolgen. Ebenfalls wird eine einheitliche Datenbank gegründet, was zu einer besseren Transparenz der Projekte und ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse führen dürfte. Die Tage für die renommierten Wissenschaftsprogramme 973 für die Grundlagenforschung oder 863 für die Hightech-Forschung des MoST scheinen durch die Neustrukturierung gezählt. Ebenfalls dürfte sich das System der nationalen Labore, der nationalen Engineering Research Centers des MoST und der National Development and Reform Commission (NDRC) ändern. Das Anfang des Jahres 2015 verkündete Reformziel, die Wissenschaftsreformen bis 2017 abgeschlossen zu haben, klingt dabei jedoch sehr ambitioniert. Fünf professionelle Forschungsorganisationen mit unternehmensähnlicher Struktur sollen sich künftig um die Bereiche Grundlagenforschung, Technologieentwicklung für strategische Industrien, anwendungsorientierte Forschung und Kooperation, Markteinführung und F&E in Unternehmen sowie Infrastruktur und Humankapital kümmern - und die entsprechenden Gelder verwalten. Erstmals wird damit für die im 12. Fünfjahresprogramm 2011 bis 2015 benannten neuen strategischen Industriebereiche eine eigene Forschungsorganisation gegründet. Diese soll sich gezielt um die Entwicklung und Umsetzung marktnaher größerer Wissenschafts- und Technologieprojekte in diesen Bereichen kümmern. Sie lesen sich wie ein Pendant zu den im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung ausgewiesenen Schlüsseltechnologien. Dies birgt viel Potenzial für Kooperation, aber auch für Wettbewerb. Der Umgang mit China erfordere gerade bezüglich Themen wie Innovation sowie F&E eine umfassende Strategie, ist aus Wissenschaftskreisen zu hören. Diese ist im Spannungsfeld der Interessen zwischen Industrie, Wissenschaft und Öffentlichkeit allerdings nicht einfach zu finden. Direkte Beteiligung ausländischer Firmen an Förderprogrammen fraglich Viele Technologiebereiche der neuen strategischen Industrien werden auch in dem Aktionsrahmen Innovation gemeinsam gestalten aufgegriffen, der während der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen im Oktober 2014 von beiden Regierungen beschlossen wurde. Eine Reihe bereits bestehender bilateraler Plattformen zu verschiedenen Innovationsthemen - darunter Lebenswissenschaften, sauberes Wasser, Elektromobilität, Meeresforschung, LED und Innovation - sollen ausgebaut werden. Gemeinsam wurde 2015 zum Jahr der Innovationspartnerschaft erklärt. Germany Trade & Invest 5

6 VR CHINA SETZT AUF INNOVATION Besonders hervorgehoben sind die Digitalisierung der Industrie und der Themenbereich Industrie 4.0. Hier muss gemäß des Aktionsrahmens eine mögliche Zusammenarbeit jedoch in erster Linie von den Unternehmen selbst vorangetrieben werden ; die Regierungen können diese nur politisch flankieren. Mit dem Umbau seines Wissenschaftssystems nähert sich China bestehenden Strukturen westlicher Länder an. Ob die Volksrepublik die Förderprogramme auch für eine direkte Teilnahme ausländischer Firmen oder Forschungsinstitutionen öffnen wird, bleibt abzuwarten. Manche Kenner halten dies mittelfristig für möglich, andere für eher unwahrscheinlich. Sie gehen wie bisher auch von indirekten Beteiligungsmöglichkeiten über chinesische Partner aus. Neue strategische Industriebereiche der VR China Industriebereiche Energieeinsparung und Umweltschutz Neue Informationstechnologien Biotechnologie Hochwertige Ausrüstungen Neue (nicht-fossile) Energien Neue Materialien Alternative Kfz-Antriebstechniken Quelle: 12. Fünfjahresprogramm 2011 bis 2015 Im Fokus stehende Technologien Moderne Umweltschutztechnologien, Schlüsseltechnologien und Ausrüstung für Recycling, moderne Dienstleistungen Mobilkommunikation und Internet der nächsten Generation, Netzwerk-Konvergenz, Internet der Dinge, Cloud-Computing, integrierte Schaltungen, neue Displaytechnologie, moderne Software, High-End- Server und Informationsdienste Medizinische Biotechnologie, biotechnologisch hergestellte Medizinprodukte, Grüne Biotechnologie, Biomanufacturing Luft- und Raumfahrt, Satellitentechnik, Schienenverkehrstechnik, intelligente Produktionsanlagen Moderne Atomkraftwerkstechnologie, Solarthermie, Photovoltaik, Solarkraftwerke, Windkraft, Smartgrid, Biomasse Neue funktionelle Materialien, moderne Strukturmaterialien, High- Performance-Fasern, Verbundwerkstoffe Hybrid- und Elektroautos, Brennstoffzellenantrieb Internetadressen Adressen deutscher Forschungs- und Mittlerorganisationen in China CDZ - Chinesisch-Deutsches Zentrum für Wissenschaftsförderung (DFG): DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst - Außenstelle Peking, FhG - Fraunhofer Gesellschaft - Representative Office Beijing, HGF - Helmholtz Gemeinschaft - Representative Office Beijing: Adressen wichtiger chinesischer Kooperationspartner MOST - Ministry of Science and Technology: MOE - Ministry of Education: CAS - Chinese Academy of Sciences: NSFC - National Natural Science Foundation of China: Kontaktanschriften der Institutionen auch unter: Daten/ /kontaktdatendtchn120403d.pdf. 6 VR Cina im Fokus 2015

7 INNOVATIONSSYSTEM IM WANDEL - INTERVIEW INNOVATIONSSYSTEM IM WANDEL Interview mit Ulrike Tagscherer, Senior Scientist & China Project Director am Joint Center for Innovation Research des Fraunhofer-Instituts für Systemund Innovationsforschung ISI und dem Institute of Policy and Management, Chinese Academy of Sciences / Seit über 15 Jahren forscht sie über das Innovationssystem in China Frau Tagscherer, Sie beschäftigen sich intensiv mit den Veränderungen des Innovationssystems in China. Kann man das Land bereits als Innovationsnation bezeichnen? Zu den führenden Innovationsnationen gehört China heute mit Sicherheit noch nicht. In unserem Innovationsranking von Fraunhofer steht das Land auf Platz 24, liegt aber damit bereits vor Italien, Ungarn und Russland und nur knapp hinter Portugal und Spanien. Es ist damit nicht an der Spitze, aber auch nicht weit abgeschlagen. Bei den derzeit unternommenen Anstrengungen wird sich China in den nächsten fünf Jahren deutlich nach oben bewegen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich denke nicht, dass China es in den nächsten zehn Jahren unter die ersten zehn Top-Innovationsländer schaffen wird, aber unter die ersten 20 mit Sicherheit. Bei Investitionen in Forschung und Entwicklung dauert es nach unseren Forschungsergebnissen ungefähr neun Jahre, bis sie sich auf Innovationsindikatoren auswirken. Für China mag dies aufgrund der derzeit ineffizienten Strukturen etwas länger dauern - aber früher oder später werden sich die Investitionen auszahlen. Und mit steigender Effizienz sogar eher etwas früher als wir es heute erwarten. Wirtschaftswachstum durch Modernisierung und Innovation dürfte im kommenden 13. Fünfjahresprogramm (2016 bis 2020) noch wichtiger werden. Ist Chinas Innovationssystem dafür bereit? Chinas Innovationssystem ist noch immer im Entstehen und nach wie vor sehr durch die Regierung getrieben. Sehen wir uns zum Beispiel die drei großen Akteure eines Innovationssystems an: Industrie, Regierung sowie das Bildungs- und Forschungssystem. Im Gegensatz zur Situation in anderen Ländern reicht in China der Einfluss bei staatlichen und staatlich kontrollierten Unter- nehmen häufig bis ins letzte Detail. Auch die privaten Firmen orientieren sich sehr stark an der Regierungspolitik. Dadurch wird vieles im Forschungs- und Innovationsbereich nicht aus unternehmerischer Notwendigkeit heraus getan. Die Unternehmen müssen jedoch die Freiheit haben, dann zu innovieren, wenn sie es wirklich brauchen, und nicht, wenn sie den Auftrag dazu bekommen. Erst dann werden sie auch am Markt erfolgreich sein. Wo sehen Sie die größten Schwächen in Chinas Innovationssystem? Reagiert die Regierung darauf? Die größte Schwäche sehe ich in der Verknüpfung der drei Akteure, an den Schnittstellen. Sie funktionieren in China bei weitem nicht optimal. So kann die universitäre Forschung noch so gut sein, doch der Transfer in die Industrie gelingt nicht. Auch in der Regierung läuft vieles parallel und nicht aufeinander abgestimmt, beispielsweise zwischen dem Ministry of Science and Technology und der National Development and Reform Commission. Hinzu kommen sich teilweise auf nationaler und regionaler Ebene widersprechende Förderpolitiken, wie zum Beispiel bei der E-Mobility. So werden bislang in Beijing nur reine E-Fahrzeuge subventioniert, aber keine Hybridfahrzeuge, da diese nicht dort produziert werden. Anders in Shanghai. Daneben sehe ich viele Schwächen in den Rahmenbedingungen des Innovationssystems, wie zum Beispiel der Schutz des geistigen Eigentums, Venture Capital, aber auch der Umgang mit Fehlern. Ich bin mir sehr sicher, dass die chinesische Regierung die Schwächen ihres Innovationssystems genau kennt. Sie versucht entschieden, die Schnittstellen zwischen Industrie und Forschung zu stärken und den Koordinationsbedarf zwischen verschiedenen Ministerien und Regionalregierungen zu verringern. Bereits verändert hat sich die Vergabepraxis von Forschungsmitteln. Zuneh- Germany Trade & Invest 7

8 INNOVATIONSSYSTEM IM WANDEL - INTERVIEW Einen Schnellcheck gibt es nicht, mit Innovationsindikatoren muss vorsichtig umgegangen werden. So sitzt manches sogenannte F&E-Personal am Verkaufsschalmend rückt bei der Auswahl der Forschungspersonen die wissenschaftliche Qualifikation in den Vordergrund und nicht das wissenschaftliche Netzwerk. Die Identifizierung der Forschungsthemen findet hingegen nach wie vor durch die Regierung statt. Hier sehe ich bislang keine Veränderung. Ob dies künftig der Fall sein wird, müssen wir abwarten. Deutsche Firmen engagieren sich zunehmend auch mit F&E-Zentren im Land. Häufig entwickeln sie dort in enger Abstimmung mit dem Kunden innovative Produktionsanpassungen. Können sie denn dabei auch von Chinas Innovationssystem profitieren? Natürlich können sie das. Sie können mit der guten Grundausbildung der Leute arbeiten und ihnen in einem weiteren Schritt Eigenverantwortung und Kreativität beibringen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, gelingt es in China, gute Mitarbeiter durch eigene Weiterbildung heranzubilden. Nicht zuletzt machen auch zahlreiche Chinesen in den USA oder in anderen Ländern wissenschaftliche Karrieren. Diese basieren letztlich auch auf der Schulbildung in China. Darüber hinaus erreicht China auch in der Forschung in manchen Bereichen wie Nanotechnologie oder Informations- und Kommunikationstechnologie internationales Niveau. Hier muss sich das Land nicht verstecken. Auch der Transfer in die Industrie gelingt hier zumindest teilweise, aber nicht immer. Beispiel Nanotechnologie: Obwohl China derzeit bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf Platz 1 oder 2 liegt, ist es dem Land nicht gelungen, sich mit solchen Anwendungen hervorzutun. Der Gedanke, sich in China auch Wissen abholen zu können, ist jedoch in deutschen Unternehmen noch wenig verbreitet. Wir können uns Ideen suchen und dann schauen, wie man diese in Anwendungen umsetzen kann. Dies erfordert aber durchaus ein aktives Zugehen auf die Universitäten und Forschungseinrichtungen. Hier sind deutsche Unternehmen noch sehr zurückhaltend. Die Öffnung der wissenschaftlichen Förderprogramme Chinas auch für ausländische Firmen wurde immer wieder angekündigt. Wie ist der Stand der Dinge? Bereits 2012 kündigte Wissenschaftsminister Wan Gang die Öffnung derartiger nationaler Programme auch für ausländische Firmen an. Noch ist dies nicht passiert. Wir gehen jedoch davon aus, dass es kommen wird. Durch die Mitarbeit könnten ausländische Firmen erfahren, wo die Forschung in China in ihrem Bereich steht. Automatisch haben sie dann Zugang zu den besten Forschungspartnern. Bislang müssen interessierte Firmen einen großen Aufwand betreiben, um diese zu identifizieren - gerade für Mittelständler mit begrenzten Ressourcen ein riesiges Problem. Leisten können dies bislang daher nur die großen Firmen. Aber auch hier fangen einige erst damit an. Warum scheint China nur in einigen Bereichen der Anschluss an die internationale Forschung und die Entwicklung innovativer Produkte zu gelingen? Woran liegt das? Wir sind uns nicht sicher. Es könnte daran liegen, dass beispielsweise die Produktzyklen in der Informationstechnologie sehr kurz sind. Hier konnte China durch Überspringen von zwei, drei Technologiegenerationen direkt in die neueste Generation einsteigen. Diese kürzeren Produktzyklen könnten die Anknüpfung an das internationale Niveau erleichtert haben. Im Life Science- Bereich hingegen benötigt man in der Regel 20 Jahre Grundlagenforschung auf höchstem Niveau oder länger, um einsteigen zu können. Dies kann nicht so schnell aufgeholt werden. Wir glauben nicht, dass die Chinesen dies nicht können, aber es dauert einfach länger. Woran kann ein deutsches Unternehmen, das den chinesischen Markt betritt, die Innovationskraft eines Wettbewerbers oder einer Branche erkennen? Gibt es einen Schnellcheck? 8 VR Cina im Fokus 2015

9 ter, zahlreiche Patente sind von Subventionen getrieben. Als Richtschnur würde ich persönlich immer auf die internationale Ausrichtung einer Firma schauen. Wenn die Firma oder die Branche generell im Ausland aktiv ist, ist dies für mich ein Indikator dafür, dass sie tendenziell eher innovativ ist. Dennoch gibt es auch Innovationen, die gerade auf den inländischen Markt münzen. Dazu zählt beispielsweise die Hotpot-Restaurantkette Haidilao mit einem ausgefeilten Servicekonzept, aber auch Alibaba mit seiner Geschäftsidee, als Intermediär zwischen Kunden und Verkäufer zu fungieren. Dieser fordert zwar das Geld vom Kunden ein, gibt es aber erst nach Bestätigung von Lie- ferung und Qualität der Ware an den Verkäufer weiter. Beide Firmen wurden nicht von der Regierung gefördert, sondern haben ihre Innovationen an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet. Von diesen Firmen können deutsche Firmen lernen, vor allem beim Bedienen des chinesischen Marktes. Frau Tagscherer, ich bedanke mich für das Gespräch. Interview in Beijing geführt von: Corinne Abele, Germany Trade & Invest istockphoto.com - vivalapenler Germany Trade & Invest 9

10 DEUTSCHE FIRMEN GRÜNDEN VERMEHRT F&E-ZENTREN IN CHINA DEUTSCHE FIRMEN GRÜNDEN VER- MEHRT F&E-ZENTREN IN CHINA Ausschlaggebend sind Marktgröße und Kundennachfrage / Noch stehen Produktanpassungen im Vordergrund Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai Modernisierung und Innovation spielen auf dem chinesischen Markt eine immer größere Rolle. In oder für China produzierende ausländische Firmen reagieren darauf. Um zunehmend anspruchsvollere Kunden bedienen zu können, betreiben sie Forschungs- und Entwicklungszentren häufig vor Ort. Knapp derartiger Zentren ausländischer Firmen gab es Ende 2013 in China. Neben reinen Produktanpassungen an den Markt liegen zunehmend Neuentwicklungen für spezifische Kundenanfragen im Trend. Wir sind mit unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum nach Shanghai gekommen, weil wir dort investieren, wo unsere Kunden sind, erklärt Karl-Rudolf Kurtz, Senior Vice President, Research Representative Asia Pacific von BASF. China ist mittlerweile der drittgrößte Markt der BASF weltweit und hat einen hohen Bedarf an innovativen Produkten - auch weil unsere Kunden immer innovativer werden. Bereits 2014 dürfte die VR China die USA nach Kaufkraftparität als weltweit größte Volkswirtschaft abgelöst haben. Im Land trifft sich mittlerweile, wer international die Nase vorn haben will. Denn globale Marktführerschaft ist ohne den chinesischen Markt nicht mehr möglich. Knapp Forschungs- und Entwicklungs- (F&E)-Zentren ausländischer Firmen (inklusive Taiwan, Hongkong, Macau) gab es Ende 2013 bereits in China. Damit gestalten ausländische Firmen Chinas Innovationsumfeld zunehmend mit. Noch fünf Jahre zuvor waren es mit rund F&E- Zentren lediglich etwa die Hälfte. Steuererleichterungen allein können diesen deutlichen Zuwachs kaum verursacht haben. Ein Hauptantriebsgrund ist die wachsende Lokalisierung der für die Produktion eingesetzten Materialien, Rohstoffe und Komponenten. Zwar bindet diese Cost Innovation gerade in der verarbeitenden Industrie häufig immer noch die meisten Ressourcen der F&E-Abteilungen oder -zentren. Doch anspruchsvolle Konsumenten und Industriekunden mit internationalen Ambitionen erfordern die Erarbeitung darüber hinausgehender spezifischer Lösungen. F&E-Zentren in Unternehmen in China 2012 und 2013 *) Gesamt, davon Private Unternehmen Ausländisch investierte Unternehmen (inklusive Hongkong, Macau und Taiwan) Staatseigene Unternehmen (State-owned Enterprises und State Sole Funded Corporations) *) Alle Daten in der Tabelle beruhen auf Angaben von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 20 Mio. Renminbi Yuan (RMB; 1 Euro = 8,17 RMB im Durchschnitt 2014). Quelle: China Statistical Yearbook on Science and Technology 2013, Spezifische Kundenwünsche erfordern F&E-Präsenz vor Ort Gelebte Kundennähe dürfe sich nicht in lokaler Produktion und regionalen Vertriebskonzepten erschöpfen, so Martin Schmidt-Amelunxen, General Manager Technology und R&D von Klüber Lubrication China in der Freudenberg-Gruppe. Langfristig zählt nur das komplette Leistungspaket inklusive Spezialentwicklungen für spezifische Anforderungen lokaler Kunden. Und ihre Anzahl wächst kontinuierlich. Die große Entfernung zu Deutschland, die Sprachbarrieren und die Zeitverschiebung erfordern lokal vorgehaltene F&E-Ressourcen, so Schmidt-Amelunxen. Um langfristig die Binnennachfrage in China zuverlässig bedienen zu können, haben daher Klüber Lubrication und das am gleichen Standort operierende Schwesterunternehmen Chem-Trend nach sorgfältiger Risikoabschätzung und entgegen manch interner Vorbehalte im Klüber Lubrication 10 VR Cina im Fokus 2015

11 Mai 2014 ein neues F&E-Zentrum in Shanghai eröffnet. Zum Teil in Deutschland qualifizierte chinesische Kollegen arbeiten hier in der Entwicklung und Anwendungstechnik. Bis 2020 wird ihre Zahl kontinuierlich und nach Markterfordernissen wachsen. Beim Chemiekonzern BASF befindet sich derzeit bereits die zweite Phase seines Innovation Campus Asia Pacific in Shanghai im Ausbau. Insgesamt rund 145 Mio. Euro soll das F&E-Zentrum gemäß unternehmenseigenen Angaben kosten. Derzeit arbeiten dort rund 450 Mitarbeiter, weiteren 450 Forschern und Entwicklern wird der Neubau Platz bieten. Noch ist laut BASF der Großteil seiner derzeit rund Personen starken F&E weltweit in Deutschland ansässig. Bis 2020 sollen rund 25% des F&E-Personals von BASF in Asien arbeiten, etwa die Hälfte davon in China. Auch andere Industriebereiche wie die Automobil- und Zulieferbranche, der Maschinenbau oder Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) investieren kräftig in F&E, dies gilt für in- wie ausländische Firmen. Fast alle großen deutschen Firmen - von der Automobil- und Automobilzulieferindustrie (beispielsweise VW, Daimler, Continental) über Informations- und Kommunikationstechnologie (SAP) und Automation (Siemens) bis hin zur Chemie (Bayer, BASF, Wacker) - sind inzwischen häufig mit gleich mehreren F&E-Zentren in China präsent. Damit steigen vor Ort die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Innovationsabteilungen und -zentren über Branchen hinweg. So wird es möglich, neue Produktideen nicht nur vor Ort zu identifizieren, sondern auch branchenübergreifend in China weiter zu entwickeln. Müssen die F&E-Abteilungen in Deutschland nicht mehr in dem bisher gekannten Maße eingebunden werden, spart dies Zeit und Geld. Etwa ein Fünftel der F&E-Zentren entfiel 2013 auf ausländische Firmen; an den gesamten Unternehmen im Land haben ausländisch investierte einen Anteil von 16,3%. Großkonzerne betreiben diese mit großer Selbstverständlichkeit, mit viel Geld und Personaleinsatz. Die Herausforderung für einen Mittelständler ist gewaltig. Doch zum Schutz des Know-hows, das schlussendlich unseren Markterfolg sichert, ist proaktives Handeln unumgänglich, meint Schmidt-Amelunxen. Denn wer jetzt nicht anmeldet, könnte sich in einigen Jahren im chinesischen Markt noch schwerer tun. Die Patentlawine - egal wie hochwertig die Patente sind oder nicht - rollt. Auch Möglichkeiten im Rahmen von Open Innovation sind für einen Mittelständler in China häufig nicht einfach zu nutzen. Es gilt, potenzielle Innovationspartner an Universitäten, Instituten oder Firmen zu identifizieren, was bei Chinas divers aufgestellter und nicht immer transparent arbeitender Forschungslandschaft zeit- und personalintensiv ist. Auch birgt bei Forschungsprojekten mit Universitäten die häufig große Fluktuation des eingesetzten Personals die Gefahr von Wissensabwanderung - möglicherweise zum Konkurrenten. Eine vertraglich geregelte gemeinsame Nutzung von Patenten aus dem Projekt kann schwierig sein. Ohne gutes Forschungspersonal sind die vielfältigen Aufgaben eines Unternehmens im F&E-Bereich vor Ort daher nicht zu stemmen. Doch dieses hat in China inzwischen seinen Preis. Nicht selten ist das gesamte Gehaltspaket so hoch oder fast so hoch wie in Europa. Schließlich legen wir auch die gleichen Kriterien an, sagt Kurtz von BASF. Zumindest im Chemiebereich sei die Qualifikation kein Problem. In der Regel werden neu eingestellte Forscher und Entwickler darüber hinaus im Rahmen ihrer Vorbereitung in Deutschland geschult. Innovationsmanagement in China stellt Mittelständler vor Herausforderung Wer in China in Innovation investiert, muss die eher kleingliedrige Patentkultur des Landes kennen und die im Markt vorhandenen Patent- und Gebrauchsmuster sowie deren Anmeldungen einschätzen können. Ohne eine Strategie zum Schutz des eigenen geistigen Eigentums kann Innovation in China nicht funktionieren. Die BASF Die Eröffnung eines weiteren Bauabschnitts des Innovation Campus ist für Ende 2015 geplant. Germany Trade & Invest 11

12 DEUTSCHE FIRMEN GRÜNDEN VERMEHRT F&E-ZENTREN IN CHINA Industriebranchen in der VR China mit den meisten F&E-Zentren und F&E-Ausgaben 2013 *) Branchen F&E-Zentren F&E-Ausgaben (in Mrd. RMB) F&E-Ausgaben zum Umsatz (in %) Gesamtindustrie ,8 0,8.Informations- und Kommunikationstechnologie ,3 1,6.Elektromaschinen ,5 1,3.Automobilindustrie ,0 1,1.Chemieindustrie ,0 0,9.Eisenmetallindustrie ,3 0,8.Allgemeiner Maschinenbau ,8 1,3.Spezialmaschinenbau ,2 1,6.Eisenbahn-, Schiffsbau, Luft- und Raumfahrt ,2 2,4.Pharmaindustrie ,8 1,7.Nichteisenmetallindustrie ,1 0,6 Anteil der Branchen an Gesamtindustrie (in %) 62,1 73,6 - *) Alle Daten in der Tabelle beruhen auf Angaben von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 20 Mio. Renminbi Yuan (RMB; 1 Euro = 8,17 RMB im Durchschnitt 2014). Quelle: China Statistical Yearbook on Science and Technology 2014 Dass die Einrichtung von F&E-Arbeitsplätzen vor Ort die Attraktivität des Arbeitgebers erhöht, darin sind sich von Germany Trade & Invest befragte internationale Konzerne wie Mittelständler einig. Immer mehr gut ausgebildete chinesische Wissenschaftler sind immer weniger bereit, dauerhaft im Ausland zu arbeiten. Durch die Gründung des F&E-Zentrums zeigen wir, dass wir langfristig eine feste Größe im lokalen Wirtschaftssystem sein wollen, erklärt Bettina Schön, General Manager des Regional Corporate Center Asia im Mischkonzern Freudenberg in Shanghai. Das wird positiv wahrgenommen: von unseren Mitarbeitern, unseren Kunden und zum Beispiel auch der Regionalregierung. Die Gründung eines F&E-Zentrums in China ist immer ein Signal in viele Richtungen - nicht nur in Richtung Forschung. Klüber Lubrication Der Ausbau des gemeinsam von Klüber Lubrication und Chem-Trend betriebenen Standortes in Qingpu, China, beinhaltet ein neues Bürogebäude, ein Trainingszentrum sowie ein neues F&E-Zentrum für Entwicklungsarbeiten spezifisch für den chinesischen Markt. 12 VR Cina im Fokus 2015

13 CHINA ZÄHLT ZU ATTRAKTIVSTEN INDUSTRIEROBOTER-MÄRKTEN CHINA ZÄHLT ZU ATTRAKTIVSTEN INDUSTRIEROBOTER-MÄRKTEN Modernisierungsdruck schafft gewaltigen Automatisierungsbedarf / Automobilbranche größter Nachfrager Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai Die VR China setzt auf Modernisierung und Innovation. Grundlage dafür sind effiziente Herstellungsprozesse, die die Produktion hochwertiger Waren von gleichbleibend hoher Qualität ermöglichen. Automatisierung bis hin zum Einsatz von Industrierobotern ist dazu ein Schlüssel. Bereits jetzt ist China der weltweit attraktivste Markt für Industrieroboter für die Automobilindustrie. Derzeit ist der Markt fest in ausländischer Hand. Doch erste chinesische Firmen beginnen sich zu etablieren. Massiv setzt die neue Regierung der VR China bei der Umstellung von quantitativem auf qualitatives Wachstum auf die Modernisierung durch Automation. Will sie langfristig das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf stabilem Niveau halten, muss die Umstellung von arbeitsintensiver Produktion hin zu effizienter Herstellung hochwertiger Produkte gelingen. Denn die Löhne werden in den nächsten Jahren weiter steigen und die verfügbaren - vor allem gut ausgebildeten - Arbeitskräfte in wenigen Jahren einen deutlichen Engpass darstellen. Das Interesse der VR China am in Deutschland wesentlich geprägten Konzept Industrie 4.0 ist daher riesig. Nur wer als Unternehmen den Sprung in höherwertige Produktsegmente schafft, dürfte sich langfristig am Markt halten. Angesichts des Modernisierungsdrucks, der inzwischen auf fast allen Industriebereichen in China lastet, ist Automatisierung das beherrschende Thema. Gerade der deutsche Maschinenbau gilt aufgrund seines technologischen Know-hows als einer der bedeutendsten Modernisierungspartner für die chinesische Industrie. Kosten müssen reduziert, Produktionsabläufe effizienter gestaltet und die Produktqualität gesteigert werden. Doch wie viel Automatisierung ist gefragt? In einer Unternehmensumfrage der Fiducia Management Consultants in Kooperation mit dem Chinaforum Bayern in Deutschland im November 2014 erwarteten 77% der Befragten zwar verstärkt Automatisierungsprozesse in der VR China, gingen jedoch auch davon aus, dass diese in den nächsten fünf Jahren nicht das deutsche Niveau erreichen würden. 70% der Umfrageteilnehmer sahen deutliche Produktionssteigerungen durch Automatisierung im Maschinenbau voraus. Damit lag die Branche hinter der Automobilindustrie (82%) und der Elektroindustrie (73%) an dritter Stelle. Vor allem die Automobilbranche gilt als prädestiniert für weitgehende Automatisierung und den Einsatz von Robotern im Produktionsprozess. China ist derzeit der weltweit attraktivste Markt für Industrieroboter, erklärt istockphoto.com - ricardoazoury Germany Trade & Invest 13

14 CHINA ZÄHLT ZU ATTRAKTIVSTEN INDUSTRIEROBOTER-MÄRKTEN Georg Stieler, Leiter der Shanghaier Niederlassung der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung. Bereits 2013 hat die Volksrepublik Japan als größten Markt für Industrieroboter überholt. Sie stellte rund ein Fünftel des weltweiten Markts. Die größte Nachfrage mit einem Anteil von etwa 40 bis 50% laut dem Beratungsunternehmen Solidiance dürfte aus der Automobilbranche kommen. Automatisierungsfirmen erweitern ihre Präsenz in der VR China Aber auch die Elektronikindustrie versucht, eine wachsende Anzahl von Arbeitsschritten durch Roboter übernehmen zu lassen und Arbeitskosten zu reduzieren. Immer wieder macht damit beispielsweise der weltweit größte Auftragshersteller für Elektronik- und IKT- Produkte, Foxconn, Schlagzeilen. Erst im Januar 2015 erläuterte eine Unternehmenssprecherin, dass sich die steigende Automatisierung auf die Anzahl künftiger Neuanstellungen von Foxconn in China auswirken werde. Aufgrund schnell wechselnder Produkte in den Produktionslinien ist der Einsatz von Industrierobotern äußerst anspruchsvoll. An Lösungen arbeiten Firmen wie Fanuc und Yaskawa aus Japan, aber auch der deutsche Hersteller Kuka oder die Schweizer ABB-Gruppe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Firmen ihre Präsenz im chinesischen Markt ausbauen. Erst im März 2014 eröffnete Kuka seine erste Roboterproduktion außerhalb Deutschlands weltweit in Shanghai. Das Werk hat eine Kapazität von bis zu Robotern jährlich. Kuka ist führend im Automobilbereich, möchte aber auch Umsätze in anderen Industriesegmenten steigern. Auch ABB baut seine Präsenz aus und will rund 300 Mio. US$ über die nächsten fünf Jahre in einen Produktions- und Entwicklungshub in Xiamen investieren. Damit sollen vor allem auch weitere Branchen wie Pharmazie oder die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie bedient werden. Fachleuten zufolge dürfte der Einsatz von Industrierobotern in den nächsten Jahren für viele Standardindustrieprozesse steigen. Noch haben die führenden internationalen Hersteller den chinesischen Markt fest im Griff. Ihr Anteil dürfte sich Branchenkennern zufolge auf rund 90 bis 95% belaufen. Doch die chinesischen Firmen werden den Markt für Automation nicht allein den Ausländern überlassen, erklärt Stieler. Erste Unternehmen beginnen sich zu positionieren. Dazu zählt beispielsweise das in Shenzhen und Suzhou ansässige Unternehmen Inovance. Innerhalb von etwa zwölf Jahren hat es sich hinter ABB und Siemens als drittgrößter Hersteller von Invertern im chinesischen Markt für Industrieautomation etabliert und auch in den Bereichen PLC (Programmable Logic Controller), HMI (Human Machine Interface) und Motion Control beachtliche Kompetenzen aufgebaut. Einen Namen im Bereich von Industrierobotern hat sich auch Shanghai Siasun Robot & Automation gemacht. Smart Factory noch Zukunftsmusik In der Tat schießen im Bereich Industrieroboter und Automation derzeit in einigen Regionen wie beispielsweise Chongqing derartige Firmen regelrecht aus dem Boden. Häufig werden sie durch regionale Industriefördermaßnahmen unterstützt, schließlich zählt der Bereich zu den neuen strategischen Industriebereichen des 12. Fünfjahresprogramms. Manche Branchenexperten des chinesischen Markts warnen daher bereits vor dem Aufbau von Überkapazitäten durch inländische Hersteller am tatsächlichen Bedarf der Industriekunden vorbei. Abschließend stellt sich die Frage, welchem Automatisierungsgrad die meisten chinesischen Firmen derzeit gewachsen sind. Eine generelle Einschätzung hierzu gibt es jedoch nicht. Einige Experten halten Industrie 2.5 -Niveau für möglich: Dabei erfolgt eine zunehmend korrektere Erfassung von immer mehr Daten durch Sensoren und deren digitale Verarbeitung zur Steuerung des Produktionsprozesses, teilweise unter Einbezug von Industrieroboter-Anwendungen. Weitergehende Umsetzungen einer Smart Factory gemäß dem Konzept von Industrie 4.0 erscheinen den meisten schwierig. Dennoch weisen einzelne Projekte bereits heute in die Zukunft. So hatte im September 2013 Siemens Electronic Works Chengdu (SEWC) den Startschuss für seine digitale Fabrik in der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Sichuan gegeben. Die dortigen Prozesse sind vom Produktdesign bis zur Fertigung stark digitalisiert sowie Entwicklungsabteilungen und Fertigung vollständig miteinander vernetzt. Hergestellt werden vorrangig Simatic-Produkte zur Industrieautomatisierung für diverse Branchen von Metallurgie über Automobil bis hin zur Lebensmittelindustrie für den lokalen und internationalen Markt. Weitere derartige Anlagen dürften folgen. 14 VR Cina im Fokus 2015

15 BEI DIGITALER INNOVATION GANZ VORNE DABEI BEI DIGITALER INNOVATION GANZ VORNE DABEI Innovativste chinesische Firmen in der IKT-Branche zuhause / Technologiegetriebenes Marktwachstum Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai Innovation ist in China bislang vor allem Regierungssache. Nur wenige Firmen haben F&E als Entwicklungsstrategie erkannt. Die wenigen bereits international renommierten innovativen chinesischen Unternehmen sind allesamt in der Informations- und Kommunikationsindustrie (IKT) zu Hause. Längst ist China nicht mehr nur IKT-Produzent im Auftrag anderer, sondern der wichtigste IKT-Markt weltweit. Die Eroberung des Heimatmarktes ist Voraussetzung und zugleich Sprungbrett für den Weg in die Weltspitze. Die VR China ist eine dominierende Größe im weltweiten Markt für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Volksrepublik nur als Auftragshersteller und Exporteur in Erscheinung trat. Der Sektor hat großes Innovationspotenzial, auch wenn bislang die im Land erwirtschaftete Wertschöpfung an der Gesamtwertschöpfung der Branche relativ gering ist. Im Jahr 2013 lag der IKT- Sektor mit einem Verhältnis von F&E-Ausgaben zum Umsatz von 1,6% an der Spitze aller Branchen in China. Ebenfalls ist er mit Abstand für die meisten international angemeldeten Patente Chinas verantwortlich. Diese lassen sich zurückführen auf Firmen wie ZTE oder Huawei Technologies, die längst zu internationalen Playern geworden sind. Unter den 50 größten Anmeldern von PCT-Patenten weltweit befanden sich 2013 vier chinesische Firmen - alle stammten aus der IKT-Branche, bezieht man die Display-Produktion mit ein. Sowohl ZTE als auch Huawei meldeten die meisten Patente im Bereich kabellose Kommunikationsnetzwerke (Wireless Networks) an, gefolgt vom Segment Übertragung von digitaler Information sowie digitale Datenverarbeitung. Künftig dürfte Chinas IKT-Industrie der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung folgen und sich einem normalen einstelligen Wachstum auf international immer noch vergleichbar hohem Niveau nähern. Dabei dürfte 2015 die Plattformtechnologie der dritten Generation (3G) anstelle der der zweiten Generation (2G) vorherrschend werden und der Wachstumsmotor der Branche bleiben. Die vier größten chinesischen Anmelder von PCT- Patenten 2013 *) Rang*) Unternehmen Patentanzahl Veränderung zu ZTE Corporation Huawei Technologies Shenzhen China Star Optoelectronics Technology Tencent Technology (Shenzhen) *) Die Anmeldung von PCT (Patent Cooperation Treaty)-Patenten beinhaltet prinzipiell einen Anspruch auf Anmeldung auch im Ausland. 30 Monate kann das Patent abgesehen vom Heimatmarkt in zwei weiteren Ländern angemeldet werden. Normalerweise beträgt die Zeit nur 12 Monate. Quelle: WIPO World Intellectual Property Indicators, Dezember 2014 Nichtdestotrotz schreitet der Infrastrukturausbau für den Mobilfunkstandard der vierten Generation (4G) fort. Nach Angaben des Ministry of Industry and Information Technology (MIIT) standen in China Ende 2014 rund TD-LTE-Basisstationen. Nach Angaben von China Mobile waren bereits Ende Oktober 2014 etwa 75% der Einwohner mit 4G-Netzen abgedeckt. Erstmals überschritt 2014 die Anzahl der 4G-Neunutzer mit 97,3 Mio. die der 3G-Neunutzer mit 83,6 Mio. Ihr Anteil an den gesamten Handynutzern betrug Ende 2014 allerdings erst 7,6%. Das Jahr 2015 könnte nun den Durchbruch für 4G bringen. Neue Impulse werden von der Gründung des Unternehmens China Communications Facilities Services im Juli 2014 erwartet. Das Joint Venture zwischen den drei Mobiltelefonanbietern China Mobile, China Unicom und China Telecom befindet sich derzeit im Aufbau. Nach Einbringung der Anlagen in das Betriebsvermögen dürften sich die Anteilsverhältnisse am Joint Venture entscheidend zu Gunsten von China Mobile verschieben. Das Gemeinschaftsunternehmen soll künftig für Bau, Betrieb und Erhalt von Sendemasten und Basisstationen verantwortlich sein. Wartung und Ersatz von Komponenten und Anlagen sollen ausgelagert werden. Durch die Joint-Venture-Gründung könnten die Kosten für den weiteren Aufbau der 4G-Infrastruktur im Land verringert und der Ausbau beschleunigt werden. Germany Trade & Invest 15

16 BEI DIGITALER INNOVATION GANZ VORNE DABEI Ebenfalls dürften sich dadurch die bisherigen Wettbewerbsverhältnisse ändern. Im Dezember 2013 hatten die drei Unternehmen die entsprechenden 4G-Lizenzen erhalten, wobei China Mobile aufgrund der Kompatibilität seines 3G-Standards TD-SCDMA mit TD-LTE bislang dominiert. Analysten sehen die Gründung teilweise auch als Antwort auf die sinkenden Gewinne der drei Anbieter, die zunehmend das gebührenfreie Angebot von Messaging Apps zu spüren bekommen. Tabelle zur 3G- und 4G-Entwicklung in der VR China (Handynutzer in Mio., Anteil in %) *) 2013 Anteil 2014 Anteil Handynutzer insgesamt , ,0.davon 2G 827,3 67,3 703,4 54,7.davon 3G 401,7 32,7 485,3 37,7.davon 4G 0,0 0,0 97,3 7,6 *) Mehrfachnutzer inbegriffen Quelle: MIIT Chinas Einfluss auf dem weltweiten IKT-Markt wird dem Marktforschungsunternehmen IDC zufolge 2015 deutlich zulegen. IKT-Ausgaben in China sorgen demnach für 43% des weltweiten Wachstums der Branche. Ein Drittel aller Smartphone-Käufe wird im Land stattfinden, so IDC, ein Drittel aller 2015 weltweit verkauften Smartphones entfällt laut IDC-Einschätzung auf chinesische Marken. Darüber hinaus ist ein Drittel aller Online-Einkäufer in China beheimatet. Aufbauend auf dem gewaltigen inländischen Marktvolumen werden chine- sische Topfirmen wie Alibaba, Tencent oder Baidu noch stärker als bislang international auftreten. China und Indien dürften 2015 die beiden am stärksten wachsenden IKT-Märkte weltweit sein. Hauptmotor für die Dynamik sind Anwendungen und Applikationen basierend auf 3G. Die Unternehmensberatung IDC prognostiziert für 2015 ein erneutes Wachstum des chinesischen IKT-Marktes um rund 11,4% im Vergleich zum Vorjahr auf 465,6 Mrd. US$. Davon könnten 212 Mrd. US$ auf den Markt für Informationstechnologie entfallen, was einen Anstieg um 5,7% zur Folge hätte. Den Markt für Telekommunikationsdienstleistungen sieht IDC bei 253,8 Mrd. US$ und prognostiziert damit eine Steigerung um 16,6%. Das technologiegetriebene Innovationspotenzial der Branche wird als hoch eingeschätzt. Neue Informationstechnologien wie 4G Mobilfunk, Internet der Dinge, Cloud-Computing, Big Data inklusive neuer Displaytechnologien sind ein zentraler Bereich der sieben neuen strategischen Industriebereiche des 12. Fünfjahresprogramms (2011 bis 2015). Branchenkennern zufolge dürften sie im 13. Fünfjahresprogramm (2016 bis 2020) noch prominenter vertreten sein. Intensiv arbeitet die Regierung an der Umsetzung des Smart-City-Konzepts, das umfassende Systemintegration, den Aufbau von Technologieplattformen, Softwareentwicklung und den Ausbau der Netzwerkinfrastruktur beinhaltet. Dabei soll die Regierung künftig eine stärker lenkende Funktion einnehmen, die Ausführung aber mehr dem Markt überlassen. Wie sich dabei ausländische Technologieanbieter werden platzieren können, bleibt abzuwarten. 16 VR Cina im Fokus 2015

17 PATENTFLUT IN CHINA PATENTFLUT IN CHINA International steigen die Anmeldungen / Patente als Innovationsindikator allerdings nur eingeschränkt belastbar Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai Die Anmeldung von Patenten, Geschmacks- und Gebrauchsmustern in der VR China steigt rasant. Mit deutlichem Abstand steht das Patentamt des Landes in allen drei Kategorien international ganz vorne. Die Gründe für nationale Anmeldungen sind jedoch vielfältig, die Patentflut ist als Innovationsindikator daher kaum belastbar. Nur ein Bruchteil der Patente wird bislang auch im Ausland angemeldet, jedoch mit steigender Tendenz in den Bereichen digitale Kommunikation, Basismaterialien und Optik. Was die Zahl der Anmeldungen von Patenten und Gebrauchsmustern angeht, spielt China inzwischen in ei- ner eigenen Liga: Rund Erfindungspatente und über Gebrauchsmuster wurden 2013 in China angemeldet - die bedeutende Mehrheit von Chinesen. Der Anteil der Ausländer ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen und betrug 2013 bei Erfindungspatenten noch 14,6%. Bei Gebrauchsmustern erreichte er nicht einmal 1%. Bereits 2012 übertrafen die Patentanmeldungen von Chinesen die der Japaner sowie US-Amerikaner. Ihre Anzahl war sogar größer als die weltweiten Anmeldungen von Einwohnern Japans und Koreas (Rep.) zusammen. Ausschlaggebend für das Ergebnis sind dabei die Registrierungen im eigenen Land: Mit Anmeldungen nahm das chinesische Patentamt, die State Intellectual Property Organisation (SIPO), 2013 fast Anmeldungen mehr als das US-amerikanische Patentamt entgegen, zweieinhalbmal so viele Anmeldungen wie das japanische und 13 mal so viele das deutsche. Patentanmeldungen und Patentgewährungen 2011 bis 2013 in der VR China Bereiche Inländer Ausländer Inländer Ausländer Inländer Ausländer Patentanmeldung Erfindung Gebrauchsmuster Geschmacksmuster Patentgewährung Erfindung Gebrauchsmuster Geschmacksmuster Quelle: State Intellectual Property Office (SIPO) Germany Trade & Invest 17

18 PATENTFLUT IN CHINA In China werden dreizehnmal so viele Patente angemeldet wie in Deutschland Das innovationsstärkste Land ist die Volksrepublik damit jedoch nicht. Darin sind sich die Experten einig. Denn die Gründe für die Anmeldung sind vielfältig: So können Patentanmeldungen dazu dienen, die Registrierung in einem Hightech-Industriepark mit günstigen Steuerbedingungen zu erlangen. Sie können auch vor einem bevorstehenden Gang an die Börse als Marktsignal dienen. Oder sie fungieren als Einnahmequelle. Denn Patentierung, vor allem im Rahmen des Patent-Cooperation- Treaty (PCT)-Systems, wird in China finanziell stark unterstützt. F&E-Einheiten können so durchaus zu Profit-Centern werden, ist aus Unternehmerkreisen zu hören. Die Höhe der Subvention ist dabei schwer zu fassen, denn festgelegt wird sie letztlich von der Steuerbehörde auf Bezirksebene. Die Spannbreite kann Marktkennern zufolge rund US$ bis $ betragen. Auch wenn die Patentflut in China damit als Innovationsindikator wenig taugt, so lässt sich nach Darstellung der World Intellectual Property Organization (WIPO) doch eine relative Spezialisierung auf einige Technologien bei der Anmeldung herausarbeiten. Dies gilt vor allem bei PCT-Patenten, die einen Auslandsbezug aufweisen. Dabei zeigt sich, dass sich China in einigen Bereichen bereits unter die fünf Länder mit der jeweils größten relativen Spezialisierung vorgearbeitet hat. Dies trifft zu auf die Segmente Basismaterialien, Optik, aber vor allem auf digitale Kommunikation. Auf dem Gebiet der Computertechnologie sowie der Solarenergie stehen PCT-Anmelder aus der VR China mit einem Spezialisierungsindex von -0,026 beziehungsweise 0,030 auf Platz sechs, bei Windenergie auf Platz zehn (0,119). Alle diese Gebiete sind Bestandteil der sieben neuen strategischen Industriebereiche des 12. Fünfjahresprogramms 2011 bis Index für die relative Spezialisierung eines Landes bei PCT-Patentanmeldungen für ausgewählte Bereiche 2010 bis ) 2) Digitale Kommunikation Optik Basismaterialien 1. Finnland (0,597) 1. Japan (0,342) 1. Brasilien (0,231) 2. Schweden (0,579) 2. Niederlande (0,140) 2. Niederlande (0,183) 3. VR China (0,380) 3. Korea (Rep.) (0,057) 3. Deutschland (0,150) 4. Korea (Rep.) (0,047) 4. VR China (-0,259) 4. Schweiz (0,132) 5. USA (0,039) 5. USA (-0,278) 5. VR China (0,118) 1) Bei dem Index handelt es sich um einen Logarithmus. Das Land hat einen relativ großen Anteil an Patenten in diesem Bereich, umso näher der Index bei +1 liegt, und einen relativ geringen Anteil, umso näher der Index bei -1 liegt; 2) Die Anmeldung von PCT-Patenten beinhaltet prinzipiell einen Anspruch auf Anmeldung auch im Ausland. 30 Monate kann das Patent abgesehen vom Heimatmarkt in zwei weiteren Ländern angemeldet werden. Normalerweise beträgt die Dauer nur 12 Monate. Quelle: WIPO Statistische Datenbank und EPO PATSTAT Datenbank, Oktober 2014 veröffentlicht in: World Intellectual Porperty Indicators, Dezember VR Cina im Fokus 2015

19 Chinesische Firmen holen international auf Für die Spezialisierung eines Landes sind dabei häufig nur wenige Unternehmen verantwortlich. Einen Eindruck davon gibt die Aufzählung der weltweit führenden Anmelder von PCT-Patenten Bereits drei chinesische Firmen befinden sich unter den ersten 20. Auf diese Unternehmen geht ein Großteil der bislang von chinesischen Firmen im Ausland angemeldeten Patente zurück. Nur zwei deutsche Unternehmen haben es in dieser Liste unter die ersten 20 geschafft. Auch im Biotechnologiebereich dürfte China in den letzten zehn Jahren mit dem Aufbau seiner großen Datenbanken für Mikroorganismen die Grundlagen für mögliche Patente und Innovation in diesem Segment gelegt haben. Mit dem China General Microbiological Culture Collection Center (CGMCC) in Beijing sowie dem China Center for Type Culture Collection (CCTCC) in Wuhan (Provinz Hubei) sind weltweit die größten Datenbanken ihrer Art entstanden. Dort befinden sich inzwischen knapp Mikroorganismen und damit mehr als die Hälfe der weltweit eingelagerten. Weltweit 20 führende Anmelder von PCT-Patenten Panasonic (Japan) 6. Sharp (Japan) 11. Siemens (Deutschland) 16. Fujifilm (Japan) 2. ZTE (China) 7. Robert Bosch (Deutschland) 3. Huawei Technologies (China) 4. Qualcomm (USA) 9. Telefonaktiebolaget (Schweden) 5. Intel (USA) 10. Philips Electronics (Niederlande) Quelle: WIPO: World Intellectual Property Indicators, Dezember Mitsubishi Electric (Japan) 8. Toyota (Japan) 13. Samsung Electronics (Korea (Rep.) 17. Sony (Japan) 18. China Star Optoelectronics (China) 14. NEC (Japan) 19. Hitachi (Japan) 15. LG Electronics (Korea (Rep.) 20. Microsoft (USA) Germany Trade & Invest 19

20 IPR-SCHUTZ WIRD ZUM WETTBEWERBSINSTRUMENT IPR-SCHUTZ WIRD ZUM WETT- BEWERBSINSTRUMENT Beim Kampf um Marktanteile spielt IPR-Schutz eine wichtige Rolle / Strategien sind ein Muss Verfasserin: Corinne Abele, Germany Trade & Invest, Shanghai In der VR China herrscht seit einigen Jahren eine Anmeldeflut von Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern. Selten sind diese hochwertig; Innovationsschutz ist nur für wenige der Grund der Anmeldung. Den künftigen Marktwettbewerb werden sie dennoch beeinflussen. Patentstrategien für China werden daher auch für den deutschen Mittelstand immer wichtiger - egal ob er in China produziert, Produktanpassungen vornimmt, entwickelt oder von Deutschland aus ins Land liefert. Als über den Köpfen des deutschen Mittelstands hängendes Damoklesschwert bezeichnet Elliot Papageorgiou, Vorsitzender der Arbeitsgruppe IP in der European Chamber of Commerce in China (EUCCC) in Shanghai, die Flut der Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen in China. Ausschlaggebend dafür ist nicht der Innovationsgehalt, sondern die schiere Masse. Selbst wenn nur ein Teil der angemeldeten Patente und Gebrauchsmuster gewährt wird, wird ihre Anzahl im Markt in ein paar Jahren rasant gestiegen sein. Bereits 2013 waren nach Angaben der World Intellectual Property Organization (WIPO) 1,03 Mio. Erfindungspatente, 7,28 Mio. Gebrauchs- und 1,22 Mio. Geschmacksmuster (Industrial Design) beim chinesischen Patentamt in Kraft. Und jährlich werden mehr gewährt. Für den deutschen Mittelstand wird es höchste Zeit zu reagieren. Einige Firmen waren in den vergangenen Jahren zu sehr damit beschäftigt, das riesige Absatzwachstum zu stemmen. Damals, so Papageorgiou, habe es genug Heu für alle gegeben. Manch einer habe die Auseinandersetzung mit der Anmeldung von Patenten oder Gebrauchsmustern oder die Erarbeitung einer Patentstrategie erst einmal hintenan gestellt. Nun wird die Zeit knapp. Denn durch die - wenngleich auf hohem Niveau - nachlassende Wirtschaftskonjunktur intensiviert sich der Kampf um Marktanteile. Und bei diesem dürften Gebrauchsmuster und Patente zunehmend eine Rolle spielen. Masse und niedrige Qualität der Schutzrechte erschweren Marktbearbeitung Möglicherweise könnte es 2020 oder 2030 in China schwieriger sein als in Deutschland, ein Patent oder Gebrauchsmuster anzumelden, erklärt Papageorgiou. Denn die schiere Masse der dann bestehenden Schutzrechte dürfte Neuanmeldungen auf jeden Fall zeit- und kostenintensiv machen. Dabei gilt es, sich durch diese in chinesischer Sprache durchzuarbeiten. XtravaganT - Fotolia.com 20 VR Cina im Fokus 2015

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