1. Rahmenbedingungen Geschäftliche Entwicklung Weiterentwicklung der DZ BANK Gruppe Fazit...23

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1 Ausführungen von Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG, anlässlich der ordentlichen Hauptversammlung am 23. Mai Rahmenbedingungen Geschäftliche Entwicklung Weiterentwicklung der DZ BANK Gruppe Fazit...23 Es gilt das gesprochene Wort! - 1 -

2 Guten Morgen, meine sehr geehrten Aktionäre und Aktionärsvertreter, sehr geehrte Geschäftspartner der DZ BANK, meine sehr geehrten Damen und Herren, Genossenschaften sind immanenter Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Sie sind Vorbilder, wenn es darum geht, ökonomische, ökologische und soziale Interessen zu bündeln und an das Morgen zu denken. Das ist nicht etwa eine Selbsteinschätzung. Vielmehr hat Bundeskanzlerin Merkel vor wenigen Wochen beim BVR-Frühlingsfest in Berlin die Rolle der Genossenschaften in Deutschland auf diese Weise gewürdigt. Meine Damen und Herren, auch im Namen meiner Kollegen im Vorstand und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZ BANK heiße ich Sie damit herzlich willkommen zu unserer diesjährigen Hauptversammlung im Internationalen Jahr der Genossenschaften. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2012 dem genossenschaftlichen Gedanken gewidmet. Sie würdigen damit einen Ansatz, der wie kein anderer zeigt: Ökonomie und soziale Verantwortung sind vereinbar. Und es freut uns natürlich auch, dass wir der Zufall will es in diesem Jahr bei vielen Jubiläen Gelegenheit haben, uns unserer Wurzeln und Werte bewusst zu werden den Blick immer nach vorne gerichtet und wichtige gemeinsame Zukunftsthemen vor Augen. Als Genossenschaftsbanken dürfen wir uns schon darüber freuen, wenn die Bundeskanzlerin feststellt: Man muss schon sagen, dass die Genossenschaften nicht dadurch aufgefallen sind, dass sie besonders schlecht durch die Krise gekommen sind. Und das, betonte Frau Merkel ausdrücklich, sei ein Lob! Gerade in Zeiten, in denen die Finanzwirtschaft als Ganzes auf politischer Ebene und auch in Teilen der Bevölkerung (z. B. Stichwort: Blockupy) nicht gut gelitten ist, motiviert uns dieser differenzierte und positive Blick auf die genossenschaftliche FinanzGruppe im Besonderen. Vor diesem Hintergrund kann ich Ihnen heute über ein Geschäftsjahr 2011 der DZ BANK Gruppe berichten, das zwei gegensätzliche Welten in sich vereint. Auf der einen Seite hat die DZ BANK Gruppe im vergangenen Jahr erneut unter Beweis gestellt, dass sie unter sich spürbar ändernden Rahmenbedingungen und in einem herausfordernden Umfeld für ihre Kunden und Eigentümer ein zuverlässiger Partner ist. Das regional verankerte sowie wert- und kundenorientierte Geschäftsmodell der genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken hat sich auch und gerade in der Finanzkrise als robust erwiesen. Auf der anderen Seite hat die europäische Staatsschuldenkrise tiefe Spuren in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung hinterlassen oder wie es die Börsenzeitung trefflich formulierte: Die Kunden haben s gegeben, die Staaten haben s genommen

3 Bereinigt um die Einflüsse der Staatsschuldenkrise lag das Vorsteuerergebnis 2011 mit 1,89 Milliarden Euro sogar leicht über dem guten Niveau des Vorjahres. Die DZ BANK Gruppe verzeichnet ebenso wie die genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken insgesamt ein deutliches Wachstum im Kundengeschäft. Gleichwohl belasteten Abschreibungen auf Griechenland in Höhe von 451 Millionen Euro sowie Bewertungsabschläge in Höhe von 1,1 Milliarden Euro auf andere südeuropäische Staatsanleihen das Ergebnis signifikant. Das Geschäftsjahr 2011 hat damit erneut gezeigt, dass die konsequente strategische Ausrichtung der DZ BANK Gruppe auf die Volksbanken und Raiffeisenbanken richtig war. Unter dem Leitmotiv verbundfokussierte Zentralbank / Allfinanzgruppe, kurz Verbund First, haben wir die strategische Ausrichtung der DZ BANK Gruppe weiter geschärft und damit wichtige Weichen für die Zukunft unserer Organisation gemeinsam frühzeitig gestellt

4 1. Rahmenbedingungen Meine sehr geehrten Damen und Herren, das Geschäftsjahr 2011 war durch ein sehr herausforderndes wirtschaftliches und politisches Umfeld geprägt. Denn die wirtschaftliche Unwucht innerhalb Europas hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. In Deutschland ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. In der EWU insgesamt liegt sie aber so hoch wie noch nie seit Gründung der Währungsunion. Aufschwung in Deutschland, Depression zumindest in Teilen von Europa. Eine langjährige Wachstumsschwäche (zu Beginn des neuen Jahrtausends) hat Deutschland gezwungen, Reformen umzusetzen. Das war ein schmerzhafter Prozess: Die Realeinkommen der Arbeitnehmer stagnierten; die Sozialsysteme wurden angepasst. Doch der Erfolg gibt uns Recht. Deutschland hat an innerer Stärke und Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Die jetzige Entwicklung ist das Ergebnis der Anstrengungen von Wirtschaft und Politik seit Ende der Neunzigerjahre. Und das Wachstum wird auch durch eine steigende Inlandsnachfrage gespeist und nicht, wie in der Vergangenheit so häufig, nur durch Exporterfolge. Die Beschäftigung in Deutschland und mit ihr auch die Realeinkommen steigen wieder, den inlandsorientierten und konsumnahen Branchen geht es so gut wie lange nicht mehr. Deutschland ist in der Währungsunion wirtschaftlich die Lokomotive. Europa insgesamt wird jedoch durch die Schuldenkrise schwer belastet. Die Schuldenstände und die Neuverschuldung in zahlreichen europäischen Ländern sind weiterhin zu hoch. Die aus der Sparpolitik resultierenden Anpassungsprozesse und rezessiven Tendenzen erschweren die Haushaltskonsolidierung zusätzlich. Das gilt insbesondere für Spanien. Ohne Zweifel sind die Reformanstrengungen in den europäischen Ländern mit hoher Staatsverschuldung erforderlich. Gleichzeitig bildet die politische Stabilität auf nationaler Ebene ein unverzichtbares Gut. Die zahlreichen Regierungswechsel in Europa rufen uns dies in Erinnerung. Griechenland und besonders auch Frankreich führen es uns deutlich vor Augen: Die Geschwindigkeit der fiskalischen Reformen muss klug abgewogen sein. Das letzte Wort hat immer der Wähler. Zudem müssen die Sparbemühungen von strukturellen Reformen begleitet werden. Von Reformen, die zur Hoffnung Anlass geben auch, um politische Extreme nicht weiter voranzutreiben. Den Wahlen in Italien im Jahre 2013 könnte vor diesem Hintergrund eine Schlüsselrolle für die weitere Entwicklung Europas zukommen

5 An den Finanzmärkten ist seit Jahresbeginn die Nervosität zunächst etwas zurückgegangen. Die Entspannung an den Märkten hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen sind die Konjunkturperspektiven deutlich besser als noch Ende letzten Jahres. Unsere Volkswirte haben übrigens den allgemeinen Pessimismus nie geteilt und durchgängig an einer Wachstumsprognose von 1,4 % für 2012 festgehalten. Zum anderen und das ist der weitaus wichtigere Faktor hat die Europäische Zentralbank die Finanzmärkte mit Liquidität geflutet und damit zumindest vorübergehend beruhigt. Die Therapie hat zunächst gut gewirkt. Doch sie kann nicht unbegrenzt fortgeführt werden. Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Politik werden schon jetzt immer deutlicher. Bis jetzt ist die Geldschwemme noch nicht in der Realwirtschaft angekommen. Bislang wirkt sie insbesondere an den Finanzmärkten und bei den Immobilienpreisen. Doch wie lange wird das so bleiben? Der Realzins ist sowohl am kurzen wie auch am langen Ende im negativen Bereich. Das hat es zumindest bei den Kapitalrenditen seit Jahrzehnten nicht gegeben. Die Inflationsrate in Deutschland dürfte in den kommenden Jahren oberhalb des EWU- Durchschnitts liegen und sich zumindest in Richtung 3 Prozent bewegen. Hier wird sich dann auch die Frage stellen, wie lange die Wähler hierzulande diesen Weg mitgehen. Schließlich wird 2013 auch in Deutschland gewählt. Das gerät angesichts des intensiven Blicks auf unsere Nachbarn in Europa schnell in Vergessenheit. Die Herausforderung der europäischen Politik ist, die Wähler mitzunehmen und die beschlossenen Maßnahmen zu erklären. Die Menschen im Euroraum müssen wissen, warum der Euro eine wichtige Errungenschaft ist, die weit über das wirtschaftliche Spektrum hinausreicht. Die Zentralbanken müssen den Mut und den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg finden. Dies ist für die genossenschaftliche FinanzGruppe umso mehr von Bedeutung, als die grenzenlose Bereitstellung von Zentralbankliquidität wettbewerbsverzerrenden Charakter zu unseren Lasten hat. Neben dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld ist auch das regulatorische Umfeld für Banken und Versicherungen durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet: Meine Damen und Herren, wo steht das regulatorische Umfeld für die Banken heute? Zunächst bleibt zu konstatieren, dass Regulatoren und Aufseher zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht haben: Basel III, CRD IV, CRR I, dezidierte Prüfungskriterien für ICAAP, Instituts-Vergütungsverordnung, Bankenabgabe und Finanzmarkttransaktionssteuer oder auch die Einrichtung der EBA, um nur einige zu nennen

6 Sämtliche dieser Initiativen werden mit hoher Intensität vorangetrieben und besitzen einen unterschiedlichen Umsetzungsgrad. Die höchste regulatorische Relevanz kommt sicher der Umsetzung von Basel III auf europäischer Ebene zu. Das Regelwerk in der Konsultationsphase veredelt durch Änderungsanträge befindet sich derzeit in der abschließenden Beratung. Lassen Sie mich an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Wir begrüßen die Weiterentwicklung der Regulatorik für Banken und die zugrunde liegende Zielsetzung einer weiteren Stabilisierung des Finanzsystems. Die Maßnahmen, die seitens der Politik und der Aufsicht auf den Weg gebracht wurden, entfalten bereits ihre Wirkung. Hier muss man sich nur die Entwicklung der Kapitalsituation der Banken weltweit vor Augen führen. Der weit verbreiteten Einschätzung, es habe sich seit Beginn der Finanzkrise nichts geändert, kann nicht gefolgt werden. Ein Kernstück der neuen Regelungswelt bilden die Kapitalvorschriften. Nicht umsonst wurden sie unter den Stichworten wie Goldplating und Swiss Finish bis zuletzt kontrovers diskutiert und erst bei der ECOFIN-Sitzung am 15. Mai 2012 verabschiedet. Den Regelungen liegt und das ist positiv festzuhalten ein Bewusstsein dafür zugrunde, dass es unvorhersehbare Folgen für die Stabilität des Bankensektors haben könnte, wenn alle Anforderungen unmittelbar in vollem Ausmaß gelten würden. Die Branche erhält gemäß diesem Regelwerk daher zu Recht Zeit, um sich auf die neuen Kapitalvorgaben einzustellen. Kritisch ist aktuell allerdings anzumerken, dass Politik und Aufsicht insbesondere bei den Kapitalvorgaben der jüngsten Stresstests den Trend erkennen lassen, im Rahmen von Basel III vereinbarte und mit Übergangsfristen versehene Kapitalanforderungen vorzuziehen. Der jeweils nächste Stresstest führt zu hoher Planungsunsicherheit und erschwert unternehmerisches Handeln. Hier stört nicht die notwendige Befassung mit Auswirkungsanalysen in dem dann herrschenden Wirtschaftsumfeld. Störend ist die eigene von Basel III losgelöste Eigenkapitaldefinition dieser jungen Londoner Behörde. Somit bewegen wir uns in einem wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld, in dem eine verlässliche Kapitalplanung bereits mit Blick auf die nächsten 12 bis 18 Monate nur eingeschränkt möglich ist. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt hierauf noch näher eingehen. Darüber hinaus ist kritisch anzumerken, dass eine umfassende Gesamtwirkungsanalyse für das Zusammenspiel aller anstehenden regulatorischen Maßnahmen dringend geboten wäre, bisher jedoch aussteht. Der frühere Präsident der BaFin, Jochen Sanio, sagte im Jahr 2005: Wir dürfen nicht - 6 -

7 der Versuchung erliegen, in immer feiner ziselierten Regelwerken auf alle Eventualitäten einzugehen. Doch die Gegenwart ist von genau diesem Versuch geprägt. Wir erkennen ein immer hektischeres, immer spontaneres Vorgehen von Aufsehern und Regulatoren. Ein intensiverer und konstruktiverer Dialog zwischen den Banken und der Aufsicht sowie der Politik über den noch wenig erkennbaren volkswirtschaftlichen Effizienzgewinn der Regulierungsinnovationen könnte hier positiv wirken. Zugegeben, Meldungen wie aktuell über einen Milliarden-Handelsverlust bei J.P. Morgan erleichtern die Arbeit der Regulatoren nicht. Doch die Antwort auf solche Entwicklungen kann nicht darin bestehen, die Regulierung für alle Marktteilnehmer noch komplexer zu gestalten. Regulierung muss am jeweiligen Geschäftsmodell ansetzen und dessen Tragfähigkeit berücksichtigen. Und jeder einzelnen Bankvorstand sollte sich fragen: Stimmt eigentlich meine Behauptung, Geschäfte nur im Kundeninteresse zu betreiben? Ich jedenfalls glaube, dass wir den Begriff des Kundeninteresses nicht beliebig interpretieren dürfen. Und ich glaube, dass bald der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Bankenaufsicht Abschied von einer Modellgläubigkeit nehmen sollte. Meine Damen und Herren, gerade wir als Vertreter einer deutschen genossenschaftlichen Banken-Organisation, die oftmals nicht in angelsächsisch geprägte Schemata passt, spüren es deutlich: Viele regulatorische Vorhaben bergen die Gefahr massiver Wettbewerbsverzerrungen zu unseren Lasten in sich. Gemeinsam mit dem BVR tun wir alles in unser Macht Stehende, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Wir haben uns frühzeitig dafür eingesetzt, dass die Regulierung die Besonderheiten dezentraler genossenschaftlicher Finanzgruppen berücksichtigen muss. Dabei haben wir ein hohes Maß an Kohäsion mit dem BVR erreicht. Wir schätzen diese gute Zusammenarbeit mit dem BVR, lieber Herr Fröhlich, und bedanken uns dafür sehr herzlich. Herr Hofmann berichtete auf der Bankwirtschaftlichen Tagung zu den Ergebnissen, die wir für die genossenschaftliche FinanzGruppe erzielen konnten. Auch wenn noch nicht alle Herausforderungen gemeistert sind, so sehen wir in zahlreichen Feldern doch Fortschritte dies gilt beispielsweise für die Beibehaltung des Haftsummenzuschlags, die Kapitalunterlegung von Mittelstandskrediten sowie die Berücksichtigung von Verbundstrukturen bei den Liquiditätskennziffern sowie bei Beteiligungen. Gerade für eine genossenschaftliche FinanzGruppe mit unserer Arbeitsteilung ist es zwingend, dass Beteiligungen am Zentralinstitut von der Kapitalabzugspflicht befreit werden

8 Gemäß den Basel-III-Vorschriften besteht hierfür grundsätzlich ein Wahlrecht auf nationaler Ebene, wenn bestimmte Bedingungen des Verbundzusammenhalts vorliegen. Dies ist in unserer genossenschaftlichen Gruppe der Fall und wir haben insofern eine begründete Erwartungshaltung mit guten Erfolgsaussichten. Im Gegenzug wird unsere genossenschaftliche FinanzGruppe mit noch größerer Freude Wachstum und Innovationen in Deutschland finanzieren. Meine Damen und Herren, ohne Zweifel gilt es, Bankrisiken zu regulieren. Aber es muss auch gelten, Risiken der Bankregulierung zu beachten. Regulierung, falls sie nicht vorausschauend gestaltet ist, hindert Banken daran, ihre realwirtschaftlichen Aufgaben hinreichend zu übernehmen. Regulierung muss am Ende (auch für den Endkunden) bezahlbar sein. Wir schätzen die regulierungsbedingten Kosten für deutsche Banken auf etwa 5 Milliarden Euro jährlich. Und das allein durch Basel III, die Bankenabgabe und die Reform der Einlagensicherung. Sie werden einen erheblichen Teil des Jahresüberschusses der Banken ausmachen. Der Jahresdurchschnitt in der Zeit von 1996 bis 2007 lag bei 11,8 Milliarden Euro. Mittel, die dann nicht für Dividenden oder zur Thesaurierung also zur Stärkung der Eigenkapitaldecke und damit der Stabilität des Bankensystems zur Verfügung stehen. Das sehen auch die Investoren und sie werden die Branche auf absehbare Zeit meiden. Viele Banken werden daher das Kapital über den Abbau der Aktivseite managen. Eine Verkürzung der Bilanzsumme, also eine Reduzierung des Geschäftsvolumens, und höhere Kosten machen es den Banken am Ende schwerer, ihren realwirtschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Unternehmen in Deutschland sind jedoch auf Bankkredite angewiesen, da die weit überwiegende Mehrheit mittelständisch geprägt ist. Für sie ist die Finanzierung über den Kapitalmarkt keine realistische Option. Umso wichtiger ist ich erwähnte es bereits unsere gemeinsame Forderung mit dem BVR, dass die Risikogewichte für Mittelstandskredite unter Basel III nicht erhöht werden dürfen. Diesem Ansatz wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf europäischer Ebene gefolgt werden. Meine Damen und Herren, die genossenschaftliche FinanzGruppe konnte sich bislang in der Finanzmarktkrise gut behaupten. Die Entwicklung des Einlage- und des Kreditvolumens spricht deutlich für uns und unser realwirtschaftlich verankertes Geschäftsmodell. Das hängt auch damit zusammen, dass jeder in unserer Organisation seinen festen Platz hat und seine originäre Funktion engagiert und mit Überzeugung wahrnimmt

9 Nun sehen wir uns damit konfrontiert, dass sich aus verschiedenen regulatorischen Maßnahmen große Herausforderungen für dieses Geschäftsmodell ergeben. Diesen werden wir nur im Schulterschluss in der genossenschaftlichen FinanzGruppe begegnen können. Und Fakt ist: Die genossenschaftliche FinanzGruppe wird in ihrer Außenwahrnehmung bereits jetzt als eine Einheit betrachtet. So bewertet Standard & Poor s die FinanzGruppe als Ganzes und sieht die Zentralbanken mit den Verbundunternehmen als integrale Bestandteile. Insbesondere mit der Stärke und Effizienz des Verbundes begründete S&P die Anhebung des Ratings der genossenschaftlichen FinanzGruppe auf AA im vergangenen Jahr. Auch die Regulatorik folgt zunehmend der Tendenz einer gruppenorientierten Betrachtung. Nur darum lassen sich auch unsere berechtigten Wünsche nach einer Berücksichtigung von Spezifika der genossenschaftlichen FinanzGruppe aufrechterhalten etwa bei den verbundinternen Forderungen, den Liquiditätswaivern oder der eigenen Sicherungseinrichtung. Meine Damen und Herren, ich komme nun zur geschäftlichen Entwicklung der DZ BANK

10 2. Geschäftliche Entwicklung In dem gerade beschriebenen Umfeld hat sich das Geschäftsmodell der DZ BANK Gruppe als verbundfokussierte Zentralbank / Allfinanzgruppe abermals bestätigt und wir haben bereinigt um die Einflüsse der Staatsschuldenkrise ein gutes Ergebnis erzielt. Das bereinigte Ergebnis der Gruppe belief sich vor Steuern nach IFRS auf 1,89 Milliarden Euro. Damit liegt es über dem guten Niveau des Vorsteuer-Ergebnisses von 1,62 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Gleichwohl belasteten Abschreibungen in Höhe von 451 Millionen Euro sowie Bewertungsabschläge auf andere südeuropäische Staatsanleihen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro das Ergebnis signifikant. Das Vorsteuer-Ergebnis der Gruppe betrug danach noch 324 Millionen Euro. In der DZ BANK AG erzielten wir ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 522 Millionen Euro nach IFRS gegenüber 798 Millionen Euro im Vorjahr. Wir haben die sich uns bietenden Wachstumschancen in allen Geschäftsfeldern also konsequent genutzt. Unsere Provisionszahlungen und Bonifikationen an den Verbund beliefen sich auf 1,76 Milliarden Euro und bewegen sich damit auf dem hohen Niveau des Vorjahrs. Auch im vergangenen Jahr haben wir Vorsorge für das sich verändernde regulatorische Umfeld getroffen. So konnten wir die Kernkapitalquote zum auf 12,3 Prozent gegenüber 10,6 Prozent per steigern. Und das trotz bereits erhöhter Anforderungen aus Basel 2,5 beziehungsweise der Capital Requirements Directive III. Zu den Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung im Einzelnen: In der DZ BANK Gruppe lag der Zinsüberschuss mit rund 3,14 Milliarden Euro um 14,8 Prozent über dem bereits sehr guten Vorjahreswert von 2,73 Milliarden Euro. Hierzu haben insbesondere die positive Geschäftsentwicklung der BSH sowie das stark gestiegene Neugeschäft bei der TeamBank beigetragen. In der DZ BANK AG hat unser Mittelstandsgeschäft von der lebhaften Kreditnachfrage in Deutschland profitiert. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft entwickelte sich leicht oberhalb des Vorjahres, jedoch deutlich besser als erwartet. Sie belief sich auf 395 Millionen Euro nach 258 Millionen Euro im Vorjahr. Die Nettozuführung zur Einzelrisikovorsorge lag wesentlich unter dem entsprechenden Zuführungsbetrag in 2010 und spiegelte die disziplinierte Risikopolitik wider. Der Provisionsüberschuss ist trotz leichtem Rückgang um 13,5 Prozent auf 963 Millionen Euro weiterhin eine stabile Ertragssäule. Der Rückgang ist zum einen auf den erfreulichen Anstieg des Bausparneugeschäfts bei der BSH sowie eine deutlich geringere erfolgsabhängige Verwaltungsvergütung bei der UMH zurückzuführen

11 Das stark rückläufige Handelsergebnis spiegelte mit 398 Millionen Euro die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise wider. Die teilweise dramatischen Ausweitungen der Bonitätsspreads schlugen sich in Bewertungsverlusten bei Anleihen nieder. Das Ergebnis aus Finanzanlagen verbesserte sich deutlich gegenüber dem Vorjahr. Es liegt mit minus 333 Millionen Euro rund 53 Prozent oberhalb des Vorjahreswertes von minus 708 Millionen Euro. In dem Ergebnis sind Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von knapp 390 Millionen Euro und damit der Großteil der entsprechenden Belastungen verarbeitet. Im Vorjahr belasteten sowohl Einzelwertberichtigungen auf ABS als auch Vorsorgen für latente Risiken aus Kreditverbriefungen das Ergebnis maßgeblich. Das sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten ist mit einem Betrag von rund minus 1 Milliarde Euro nach minus 88 Millionen Euro im Vorjahr maßgeblich durch die Spreadausweitungen bei den Anleihen der Krisenländer geprägt. Hier schlug insbesondere das Abbauportfolio an Staatsfinanzierungen der DG HYP zu Buche. Dieses ist in der Fair Value Option klassifiziert und somit gemäß IFRS nach Marktwerten zu bewerten. Der Verwaltungsaufwand stieg trotz des hohen Kostenbewusstseins in der DZ BANK Gruppe um 5,2 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Wir haben auch 2011 gezielt in Wachstumsfelder investiert, insbesondere bei Union Investment und der DZ PRIVATBANK. Zudem war im Jahr 2011 erstmals die Bankenabgabe mit 19,2 Millionen Euro zu zahlen. Bei der DZ PRIVATBANK resultierten die Aufwendungen insbesondere aus der Übernahme des Kundenportfolios der Unicredit, dem Wachstumspfad im Private Banking sowie der Fusion mit der WGZ BANK in Luxemburg. Erlauben Sie mir an dieser Stelle den Hinweis: Die Optimierung der Kostenseite auch unter Zuhilfenahme industrieller Prinzipien wird die gesamte Finanzbranche in den nächsten Jahren sehr stark fordern. Die in den nächsten Jahren erforderlichen Investitionen in Regulatorik sowie der hierfür erforderliche Mitarbeiteraufbau werden zu kompensieren sein. Das betrifft auch und gerade die genossenschaftliche FinanzGruppe und die DZ BANK Gruppe in ihrer arbeitsteiligen Aufstellung. Bei den Verbundunternehmen hat die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihre Marktführerschaft mit einem überdurchschnittlichen Wachstum im deutschen Bausparmarkt eindrucksvoll bewiesen. Das Bausparneugeschäft wuchs 2011 zweistellig um 10,5 Prozent auf 31,7 Milliarden Euro und damit stärker als der Markt. Zudem stiegen die von der Bausparkasse Schwäbisch Hall vermittelten privaten Baufinanzierungen um 3,9 Prozent auf ein Volumen von 11,2 Milliarden Euro

12 Das kräftig gestiegene Neugeschäft bestätigt erneut die führende Marktposition der Bausparkasse Schwäbisch Hall und spiegelt gleichzeitig die Vorzüge des Bausparens mit Blick auf einen wertstabilen und krisenunabhängigen Vermögensaufbau wider. Die R+V erreichte einen Zuwachs in den gebuchten Bruttobeiträgen in Höhe von 2,1 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Damit konnte an das bereits sehr hohe und von starken Wachstumsimpulsen geprägte Beitragsniveau des Vorjahres angeknüpft werden. Belastet wurde das Ergebnis durch ein deutlich geringeres Ergebnisse aus Kapitalanlagen sowie eine höhere Schadensbelastung im Bereich der übernommenen Rückversicherung. Die Union Investment hatte in einem schwierigen Marktumfeld einen Rückgang der Assets under Management von 177,4 Milliarden Euro dem historischen Höchststand auf 170,3 Milliarden Euro zu verzeichnen. Gleichwohl erzielt sie gute Vertriebserfolge. In den wichtigen Anlageklassen wertgesicherter Fonds und fondsbasierter Riesterlösungen ist sie weiterhin mit großem Abstand Marktführer. Ausgesprochen positiv hat sich 2011 die TeamBank mit ihrem easycredit entwickelt. Sie konnte ihren Darlehensbestand um 16 Prozent und damit deutlich über dem Branchendurchschnitt auf aktuell rund 7,2 Milliarden Euro steigern. Die zunehmende Geschäftsausweitung von easycredit an die Primärbanken führte zu einem gemeinsamen Marktanteil im Ratenkreditgeschäft von 18,3 Prozent. Dabei erhöhte sich die Anzahl der Kunden um rund 8 Prozent auf Die hohe Auslastung der Produktionskapazitäten bei den mittelständischen Unternehmen ermöglichte es der VR LEASING, in der Absatz- und Investitionsfinanzierung das Neugeschäftsvolumen um 8,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu steigern. Parallel haben wir die Strategie der VR LEASING darauf ausgerichtet, das noch ungenutzte Leasingpotenzial bei kleinen und mittelständischen gewerblichen Kunden der Genossenschaftsbanken besser auszuschöpfen. Das Leasinggeschäft über den Autohandel und das Autoflottengeschäft, das Immobilienleasing sowie das Auslandsgeschäft zählen künftig nicht mehr zum Kerngeschäft der VR LEASING. Die Restrukturierung des internationalen Geschäftes, hier insbesondere die erhöhte Risikovorsorge in Ungarn, führte zu einem negativen Ergebnis vor Steuern in Höhe von knapp minus 20 Millionen Euro und wird auch das Ergebnis in 2012 deutlich belasten. Die fusionierte DZ PRIVATBANK konnte die verwalteten Anlagemittel im Geschäft mit vermögenden Privatkunden um 2,2 Milliarden Euro auf 12,7 Milliarden Euro steigern. In Deutschland hat sie Neugeschäft in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro akquiriert. Die DZ PRIVATBANK hat den Ausbau ihres Vertriebsnetzes in Deutschland konsequent vorangetrieben und verfügt inzwischen über 7 Niederlassungen

13 Die Marktinitiative VR Private Banking ist somit gut gestartet. Im Währungskreditgeschäft erhöhte sich das Volumen avalierter Kredite für Kunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken um 9,2 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen signifikante Belastungen aus dem Schuldenschnitt für Griechenland. Die DG HYP hat ihre gute Position im deutschen Markt seit der Ausrichtung als gewerbliche Immobilienbank weiter gefestigt und sich als einer der führenden Anbieter etabliert. Besonders positiv entwickelte sich im vergangenen Jahr das gemeinsame Geschäft mit den Genossenschaftsbanken; dieses stieg um mehr als 70 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig belastet das bereits seit 2008 im Abbau befindliche Portfolio an Staatsfinanzierungen der DG HYP, das zu den bereits ausgeführten hohen Bewertungsabschlägen geführt hat. Schließlich war die DVB ein stabiler Ertragsbringer. In von starkem Wettbewerb und von erheblichen Überkapazitäten geprägten Transportmärkten konzentrierte sich die DVB auf ausgewähltes stabiles Neugeschäft. Das Neugeschäftsvolumen belief sich auf 5,6 Milliarden Euro mit einer Gesamtanzahl von 166 Transaktionen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, zu der guten Entwicklung der DZ BANK Gruppe hat die DZ BANK AG durch attraktive Leistungen in ihren operativen Geschäftsfeldern einen wichtigen Beitrag geleistet. Entgegen der viel diskutierten Kreditklemme werden die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihrer Rolle bei der Kreditversorgung der regionalen Wirtschaft gerecht im Metageschäft setzte sich der positive Trend des Vorjahres weiter fort. Dabei konnten sowohl die Neugeschäftsvolumina ( plus 3 Prozent) als auch die Antragsstückzahlen (plus 7 Prozent) erneut gesteigert werden. Die Zahl der Neuanträge im Firmenkundengeschäft ist um rund 10 Prozent gestiegen, das Neugeschäftsvolumen um 14 Prozent. Hierzu trägt auch ein deutliches Wachstum in der Finanzierung erneuerbarer Energien bei. Gleichzeitig haben wir im Rahmen eines umfassenden Projekts unsere Aufstellung im Firmenkundengeschäft in 2011 konsequent weiterentwickelt. Dies umfasst unter anderem den Aufbau von Personal sowie eine noch stärkere Ausrichtung der Aufbauorganisation auf die genossenschaftliche FinanzGruppe. Im Zertifikategeschäft konnten wir unsere führende Marktposition mit der Marke AKZENT INVEST im Segment der Kapitalschutz-Zertifikate auf 50 Prozent weiter ausbauen und sind damit sogar klare Nummer eins. Insgesamt betrug der Absatz bei strukturierten Produkten im Jahr ,2 Milliarden Euro und lag damit trotz der Staatsschuldenkrise annähernd auf dem Niveau des Vorjahres

14 Für ihr Qualitätsmanagement bei der Entwicklung von Zertifikaten und strukturierten Anlageprodukten wurde die DZ BANK im Geschäftsjahr 2011 erneut vom TÜV Süd im Rahmen einer Rezertifizierung nach ISO 9001 ausgezeichnet. Zusammen mit der erfolgreichen Erstzertifizierung des Kundenservice belegt dies deutlich: Die DZ BANK verfolgt ihre Qualitätsstrategie im Privatkundenwertpapiergeschäft konsequent weiter. Auch der Start des VR ProfiBroker als Angebot insbesondere für Selbstentscheider leistet hierzu seinen Beitrag. Im verbundfokussierten Kapitalmarktgeschäft mit den Volks- und Raiffeisenbanken konnten wir die Erträge annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres halten haben wir zudem durch unsere hohe Platzierungskraft im Verbund Euro- Anleiheemissionen im Volumen von rund 23 Milliarden Euro begleitet und unsere Position als Nummer zwei unter den deutschen Häusern gefestigt. Grund hierfür ist insbesondere unsere tiefe Verankerung in der genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken, die zunehmend auch international als Stärke erkannt und geschätzt wird. Darüber hinaus reagierten überwiegend mittelständische deutsche Unternehmen ohne Rating bereits ab dem dritten Quartal 2011 mit hohen Emissionsvolumina von Schuldscheindarlehen auf eine mögliche Liquiditätsverknappung durch die Banken. Die DZ BANK konnte hier ein Volumen von 864 Millionen Euro platzieren und wir gehen auch für 2012 von einem weiterhin lebhaften Anleihen- Emissionsgeschäft mit Firmenkunden aus. Im Transaction Banking blicken wir ebenfalls auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Im Depotbankgeschäft und im SEPA-Zahlungsverkehr konnten wir gute Steigerungsraten verzeichnen und haben unser Angebot zur Bar- und Münzgeldversorgung erfolgreich weiter ausgebaut. Beim Bargeldservice konnten wir fast neue meist mittelständische Kunden gewinnen. Des Weiteren verzeichneten wir ein überproportionales Wachstum bei Kreditkarten; die aktive Mitarbeit der DZ BANK bei Pilotprojekten zum mobilen Bezahlen ist darauf angelegt, die Wettbewerbsfähigkeit der Volksbanken und Raiffeisenbanken auch in diesem Segment in Zukunft zu sichern. Im Zahlungsverkehr setzte sich das stabile Wachstum der Vorjahre mit 3 Prozent weiter fort. Eine starke Steigerung gab es bei der Anzahl der SEPA Transaktionen von 14 Millionen auf über 118 Millionen Transaktionen, da nun auch insbesondere Rentenzahlungen in SEPA vorgenommen wurden. Die Gewinn- und Verlustrechnung der DZ BANK AG nach IFRS zeigt einen Zinsüberschuss, der im Jahr 2011 um 14,8 Prozent gestiegen ist. Hier wirkte sich die im Verlauf des Geschäftsjahres spürbare Konjunkturbelebung aus, die eine erhöhte Nachfrage nach Kreditprodukten zur Folge hatte. Des Weiteren ergaben sich positive Effekte aus der Umstellung der Kategorisierung von Geldmarktgeschäften sowie IFRS-bedingten Sondereffekten

15 Der Provisionsüberschuss der DZ BANK AG erhöhte sich leicht um 1,2 Prozent auf 262 Millionen Euro; der moderate Rückgang im Wertpapier- und Kreditgeschäft konnte durch gestiegene Erträge im Zahlungsverkehr überkompensiert werden. Die Risikovorsorge betrug in der DZ BANK AG minus 26 Millionen Euro im Berichtsjahr gegenüber einem Nettoauflösungsbetrag von plus 36 Millionen Euro in Die Auflösung der Einzelrisikovorsorge (7 Millionen Euro) wird durch Zuführung zur Portfoliorisikovorsorge (minus 33 Millionen Euro) infolge von Rating-Verschlechterungen der Kreditnehmer überkompensiert. Das Handelsergebnis in Höhe von 373 Millionen Euro liegt aufgrund negativer Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf die Bewertung von Bonds und von geändertem Ausweis des Ergebnisses aus Geldmarktgeschäften deutlich unter Vorjahresniveau. Im Ergebnis aus Finanzanlagen in Höhe von minus 47 Millionen Euro ist anders als im Vorjahr, das durch wesentliche Belastungen aus dem ABS-Portfolio geprägt war ein positives ABS-Ergebnis enthalten. Dadurch wurden die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in 2011 weitgehend kompensiert. Der Verwaltungsaufwand der DZ BANK AG stieg um 4,5 Prozent auf 839 Millionen Euro. Diese Entwicklung ist im Kontext der bereits durchgeführten Kostensenkungsmaßnahmen im Rahmen des Programms 2011 und der erforderlichen Investitionen in Marktinitiativen und Regulatorik zu sehen. Gleichzeitig legen wir ich erwähnte es zu Beginn ein hohes Augenmerk auf das Kostenmanagement. Mit den in 2011 initiierten und durchgeführten Projekten arbeitet die DZ BANK weiterhin konsequent an der Umsetzung ihrer Strategie als verbundfokussierte Zentralbank / Allfinanzgruppe. Sie resultiert in stabilen Provisionen und Bonifikationen auf hohem Niveau, die im Geschäftsjahr 2011 rund 1,76 Milliarden Euro betragen. Das erste Quartal des Geschäftsjahres verlief operativ zufriedenstellend. Gleichzeitig entfaltete die Erholung an den Kapitalmärkten verbunden mit entsprechenden Spread-Einengungen ihre Wirkung. Das vorläufige Ergebnis vor Steuern der DZ BANK Gruppe beträgt 697 Millionen Euro. Die DZ BANK AG leistet mit 403 Millionen Euro einen wesentlichen Beitrag zu dem Ergebnis. Bis auf die VR Leasing steuerten auch sämtliche Tochtergesellschaften hierzu ein positives Ergebnis bei. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen in Verbindung mit dem volatilitätsfördernden Rechnungslegungs-Standard IFRS erschweren auch in diesem Jahr Aussagen zum Geschäftsverlauf im Jahr Das erste Quartal stimmt mich und meine Kollegen zuversichtlich. Aber wir spüren alle die große Unsicherheit, die auf Europa lastet. Wir streben ein Ergebnis oberhalb von 1 Milliarde Euro für das Geschäftsjahr 2012 an; dies setzt die

16 konsequente weitere Konsolidierung der europäischen Staatsfinanzen voraus. Einen zweiten Fall Griechenland darf es nicht geben. Die DZ BANK AG weist für 2011 auf HGB-Basis ein Ergebnis vor Steuern und vor Dotierung der 340 g-reserve in Höhe von 76 Millionen Euro aus. Nach Abwägung aus Aktionärsinteressen und Kapitalbildung schlagen wir Ihnen, sehr geehrte Aktionäre und Aktionärsvertreter, die Ausschüttung einer Dividende von 5 Cent je Aktie vor. Der zum Stichtag 1. Oktober 2011 ermittelte Unternehmenswert der DZ BANK betrug 8,80 Euro im Vergleich zu 9,10 Euro je Aktie in Der Rückgang des Ertragswertes ist auf die Schuldenkrise sowie antizipierte Belastungen aus Basel III und auch der Bankenabgabe zurückzuführen. Im Marktvergleich zeigt unsere Aktie eine hohe Wertstabilität. Sie fußt auf einem soliden und diversifizierten Geschäftsmodell. Damit, meine sehr geehrten Damen und Herren, komme ich zu meinem Bericht über das Kapitalmanagement

17 3. Kapitalsituation Sehr geehrte Aktionäre und Aktionärsvertreter, die Optimierung der Kapitalsituation der DZ BANK hat die höchste Priorität in der Arbeit des Vorstandes. Durch die Ausrichtung als verbundfokussierte Allfinanzgruppe haben wir in den letzten Jahren gleichzeitig den Kapitalbedarf deutlich zurückgeführt und die Thesaurierungsfähigkeit erhöht. In Verbindung mit den Kapitalmaßnahmen des Jahres 2009 haben wir die Kapitalbasis der DZ BANK hierdurch deutlich gestärkt. So konnten wir die Kernkapitalquote im Basel-II-Regime zwischen 2008 und 2011 von gut 7 Prozent auf 13 Prozent nahezu verdoppeln. Zum Jahresende 2011 wurde der erste Schub an regulatorischen Verschärfungen Basel 2,5, das heißt insbesondere die Verschärfung der Marktpreisrisiken wirksam. Diesen konnte die DZ BANK aus eigener Kraft abfedern und weist zum Ende März mit 12,3 Prozent eine gute Kernkapitalquote auf. Gleichwohl führte der durch die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA im zweiten Halbjahr durchgeführte Blitz-Stresstest bei der DZ BANK Gruppe zu einem Kapitalbedarf in Höhe von ca. 350 Millionen Euro. Meine Einschätzung zur Sinnhaftigkeit dieses Stresstests habe ich hier und heute schon deutlich geäußert. Die aufgezeigte Kapitallücke konnten wir zum Ende des ersten Quartals 2012 mit 9,7 Prozent bereits vollständig schließen. Wir sind sicher, dass wir die erforderliche Quote von 9 Prozent zum 30. Juni 2012 deutlich übertreffen werden. Dies erreichen wir insbesondere durch die Einbehaltung von Gewinnen, Maßnahmen im Beteiligungsbereich sowie die Rückführung der Kapitalbelastung in Abbauportfolien. Darüber hinaus trägt der Abschluss eines Ergebnisabführungsvertrages mit der R+V einen signifikanten positiven Kapitaleffekt in Höhe von ca. 400 Millionen Euro durch die Bildung aktiver latenter Steuern bei. Der Ergebnisabführungsvertrag mit der R+V bewirkt eine Erweiterung der körperschaftsteuerlichen und gewerbesteuerlichen Organschaft mit Wirkung ab dem Dies ist eine Kapital-Optimierungsmaßnahme, die in dieser Zeit nicht ungenutzt bleiben kann. Wir stellen diesen Ergebnisabführungsvertrag unter Tagesordnungspunkt 7 zur Beschlussfassung und bitten Sie um Unterstützung des Vorhabens. Die Hürde zum 30. Juni 2012 werden wir somit sicher nehmen. Herausfordernder ist jedoch die Kapitalplanung mit Blick auf die nächsten Jahre. Ein wesentlicher Maßstab der künftigen Solvabilitätsbetrachtung durch die Aufsicht wird die harte Kernkapitalquote sein. Diese lag bei der DZ BANK Gruppe zum bei 10,1 Prozent

18 Für die Einschätzung unserer künftigen Kapitalsituation sind drei Einflussfaktoren von besonderer Bedeutung. Ich möchte diese Faktoren heute erläutern, auch wenn die Gesamtsituation noch von hoher Unsicherheit geprägt ist. Bitte berücksichtigen Sie: Die abschließenden Größenordnungen stehen noch nicht fest. Erstens: Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden zwei Jahren unterstützt durch eine gute Geschäftsentwicklung unser Kapitalpolster durch einbehaltene Gewinne weiter aufbauen können. Gleichzeitig werden wir sorgsam mit dem knappen Gut Kapital umgehen und insbesondere im ABS-Portfolio weiteres Kapital freisetzen. Hieraus kann die DZ BANK natürlich in Abhängigkeit von ihrem wirtschaftlichen Umfeld 500 Millionen Euro bis 1 Milliarde Euro pro Jahr an Kapital bilden. Zweitens: Derzeit gibt es unterschiedliche regulatorische Initiativen, insbesondere Basel III und dessen europäische Umsetzung im Rahmen der CRD IV, die sich aktuell im Gesetzgebungs- und Anhörungsverfahren befinden. Diese umfassen erhöhte Kapitalbelastungen für Kreditverbriefungen, Derivate sowie erhöhte Kapitalabzüge (insbesondere den Aktivischen Unterschiedsbetrag). Per Ende 2013 wird dann voraussichtlich zusätzlich eine Umstellung des Aufsichtsrechts auf den Rechnungslegungsstandard IFRS erfolgen müssen. Die finale Ausgestaltung und der Zeitpunkt sind noch nicht abschließend definiert. Simulationsrechnungen zeigen jedoch, dass sich hieraus für die DZ BANK Kapitalbelastungen ergeben werden, die deutlich oberhalb des Thesaurierungspotenzials der nächsten zwei Jahre liegen werden. Wir erwarten hierüber Planungssicherheit innerhalb der nächsten 6 bis 9 Monate. Drittens: Einen weiteren Einflussfaktor bei der Beurteilung unserer künftigen Kapitalsituation bildet der Maßstab. Gemäß Basel III sind Ende ,5 Prozent als harte Kernkapitalquote, gemäß CRD IV voraussichtlich 4,5 Prozent vorgesehen. Diese werden wir erfüllen. Unklar hingegen ist, ob die temporäre Stresstest- Vorgabe von 9 Prozent Kernkapitalquote auch in Zukunft gilt. Wenn dann die weiteren regulatorischen Belastungen ich hatte sie beschrieben zusätzlich eintreten, ergibt sich eine signifikante Verschärfung der Kapitalanforderungen. Auch ist die Einordnung und Behandlung von nationalen SiFis nicht abschließend definiert. Darüber hinaus stellen zunehmend auch die Verschärfungen im Rahmen der Säule 2 Stichwort Interne Risiko- und Kapitalsteuerung/ICAAP eine wesentliche Herausforderung dar. Zusammenfassend kann man mit Blick auf die Kapitalsituation festhalten: - Wir haben gemeinsam die Kapitalbasis der DZ BANK in den letzten Jahren grundlegend gestärkt. - Die EBA-Vorgaben zum 30. Juni 2012 werden deutlich übererfüllt. - Wir stehen vor weiteren großen regulatorischen Kapitalbelastungen in den nächsten zwei Jahren

19 - Deren Umfang und Ausgestaltung ist zwar noch nicht abschließend sicher, jedoch wird eine vollständige Kompensation durch Thesaurierung / RWA- Einsparungen voraussichtlich nicht möglich sein. - Die regulatorischen Mindestquoten gemäß Basel III und CRD IV werden eingehalten; die Interpretation der EBA-Vorgabe von 9 Prozent in Zukunft ist offen. Meine Damen und Herren, ich gehe nicht davon aus, dass sich das regulatorische Umfeld zu unseren Gunsten entwickelt. Das bedeutet, dass in absehbarer Zeit eine Kapitalstärkung jenseits unserer Thesaurierungskraft erforderlich werden kann. Dies kann die Wandlung von Tier-1-Anleihen (sofern aufsichtsrechtlich möglich) und die Durchführung einer ordentlichen Kapitalerhöhung oder möglicherweise temporäre Unterstützungsmaßnahmen seitens der genossenschaftlichen FinanzGruppe umfassen. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, auf den ich in Zusammenhang mit möglichen Kapitalmaßnahmen eingehen möchte: Unsere Aktionärsstruktur zeigt einige Ungleichgewichte in der jeweiligen Beteiligung an der DZ BANK. Diese sind zum Teil historisch begründet, aber selbst regional gibt es eine große Bandbreite des Engagements. Es wäre daher ein Anliegen in der Zukunft, auch hier größeren Gleichklang herzustellen. Wir als genossenschaftliche FinanzGruppe sind die einzige Bankensäule in Deutschland, die durch die gesamte Finanzkrise hindurch keine Hilfe vom Staat beantragen musste. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben! Zum jetzigen Zeitpunkt ist es zunächst wichtig, handlungsfähig zu sein. Es ist ebenso wichtig, dass wir flexibel reagieren können, wenn wir endgültige Klarheit über das regulatorische Umfeld und die daraus resultierenden Belastungen haben. Keiner soll uns nehmen, was wir uns gemeinsam erarbeitet haben. Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, sehr geehrte Aktionäre und Aktionärsvertreter, unter Tagesordnungspunkt 6 um Ersetzung und Aufstockung des zum ausgelaufenen Genehmigten Kapitals. Der Vorschlag entspricht grundsätzlich der bisher in 5 der DZ BANK Satzung eingeräumten Struktur. Mit einem Volumen von 500 Millionen Euro nominal für die nächsten fünf Jahre schaffen wir uns den erforderlichen Handlungsspielraum. Die regulatorischen Herausforderungen erfordern in der heutigen Zeit eine permanente Überprüfung des Geschäftsmodells. Die Strategie der verbundfokussierten Zentralbank und Allfinanzgruppe hat sich bewährt und wird in den kommenden Jahren konsequent fortgesetzt. Wir erörtern diese regelmäßig mit unserem Aufsichtsrat und es besteht hierüber ein hohes Maß an Einvernehmen

20 4. Weiterentwicklung der DZ BANK Gruppe Die Strategie der DZ BANK Gruppe ist verbundfokussiert und damit auf Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, als Kunden und Eigentümer ausgerichtet. Unser Profil schärfen wir kontinuierlich in drei Stoßrichtungen. - Verbundkonformes Wachstum - Fortsetzung der Fokussierung - Verstärkte Vernetzung der DZ BANK Gruppe in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Eine wesentliche Herausforderung in der Weiterentwicklung der DZ BANK Gruppe besteht darin, Wachstum und Fokussierung in einen angemessenen Ausgleich zu bringen. Im Kern ist die Strategie der DZ BANK Gruppe eine Wachstumsstrategie. Ich berichtete bereits über die positive Neugeschäftsentwicklung beispielsweise in sämtlichen Produkteinheiten des Privatkundengeschäftes. Hinzu kommen die Ihnen bekannten Wachstumsinitiativen im Private Banking, im Firmenkundengeschäft und im Transaction Banking, bei denen wir im vergangenen Jahr deutlich vorangekommen sind. Demgegenüber steht der gerade mit Blick auf die regulatorischen Kapitalherausforderungen wesentliche Auftrag, Umfang und Relevanz der Geschäftsaktivitäten im Sinne der Strategie Verbund First zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Jahren die verbundferneren Aktivitäten in der DZ BANK AG im Kapitalmarkt- und im ausländischen Firmenkundengeschäft deutlich reduziert. Die Fokussierung der DG HYP auf ihr inländisch orientiertes und verbundnahes Kerngeschäft ist abgeschlossen. Unter Führung von Herrn Graband durchläuft die VR Leasing derzeit einen Transformationsprozess, der ebenfalls diesen Vorzeichen folgt. Unsere besondere Aufmerksamkeit galt gerade im letzten Jahr der Optimierung und Rückführung unseres Portfolios an Auslandsbeteiligungen. Mit dem Verkauf des überwiegenden Teils der VBI und der Verwässerung im Rahmen des Restrukturierungsprozesses der ÖVAG haben wir eine weitgehende Rückführung unseres Engagements erreicht. Die Österreichische Volksbanken-AG wird derzeit umfassend restrukturiert. Dies umfasste zum einen die Schaffung eines Haftungsverbundes mit den österreichischen Volksbanken; zum anderen beteiligte sich der österreichische Staat im Zuge einer Kapitalerhöhung mit 49 Prozent an der Gesellschaft. Der Anteil der DZ BANK an der ÖVAG wurde von 23,4 Prozent auf ca. 4 Prozent reduziert

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